Alte deutsche Tugend.
Von Or. Johannes Günther.
Heinrich von Kleist schrieb als Einundzwanzig- Mriaer an Christian Ernst Martini einen Bries, der Zeugnis ablegt von seinem frühen Ringen um sittliche Erfüllung. Er spricht von der Tugend und muß allerdings gestehen, daß er „nicht deutlich weiß", wovon er redet. Jedenfalls erscheint ihm die Tugend, „wie ein hohes, erhabenes, unnennbares Etwas", für das er vergebens ein Wort sucht, „um es durch die Sprache, ©ergebens eine Gestalt, um es durch ein Bild auszudrücken". Aber er bekennt: NUnb dennoch strebe ich diesem unbegriffenen Dinge mit der innigsten Innigkeit entgegen, als stünde es Aar und deutlich vor meiner Seele. Alles, was ich davon weiß, ist, daß es die unvollkommenen Vorstellungen, deren ich jetzt nur fähig bin, gewiß auch enthalten wird; aber ich ahne noch etwas Höheres, und das ist es wohl eigentlich, was ich nicht ausdrücken und formen kann."
Diese Briesstelle, die ebenso romantisch wie zuchtvoll ist, weist hin aus die mystische Gefühlstiefe des Wortes „Tugen d", auf die vielen Eigenschaften, die es umfaßt, uni) auf seine verpflichtende Strenge.
„Tuaend" ist das Tauglichsein, das Taugen, die Dortrefslichkeit jeder Art, der edle Sinn und jede diesem Edelsinn entsprechende gute Sitte, ja das Kennwort für die Gemeinschaft aller „Tugendlichen". Dieser alten Bedeutung sprachlich verwandt ist natürlich das Wort „tüchtig" (tauglich, wirkungskräftig, zuverlässig); es ist abgeleitet von dem Hauptwort „6 i e Tuch t", das heute leider abgekommen und durch das umständliche Ablei- tunaswort „Tüchtigkeit^ (!) ersetzt worden ist. Ein aroßer Dichter unserer Zeit, Stephan George, hat allerdings das alte Wort „ine Ducht" wieder zu Ehren zu bringen versucht.
Diele haben in ihrer frühen Jugend den Spruch gelernt und ihn seitdem nicht vergessen:
„Dor allem eins, mein Kind: sei treu und wahr, / laß nie die Lüge deinen Mund entwerh'n! Don altersher im deutschen Volke war der höchste Ruhm getreu und wahr zu sein."
„W a h r" ist eines der ältesten deutschen Wörter, ja ihm mag — man denke an das lateinische Wort „verus“ — ein gemein-arisches Wurzelwort zu Grunde liegen. Wer in deutscher Vorzeit nach allen Seiten hin wahrhaftig war, der wurde „alawari" oder „alwaere" genannt; erst im 17. Jahrhundert,
als man sich an welscher Geschmeidigkeit orientierte, hielt man es für ungeschickt, alwaere zu sein — und wer trotzdem alwaere blieb, den nahm man nicht ernst: „albern" wurde ein Spottwort.^Jn ä^n-- licher Weise sanken in ihrem Ansehen die guten c * deutschen Wörter „schlecht" und „einfältig ‘: „schlecht" bedeutete früher soviel wie schlicht, solide (noch erhalten in „schlecht und recht"), und die ursprüngliche Bedeutung von „einfältig" war einst, im Gegensatz zu „verwirrend vielfältig", eben einfältig, also wohltuend „unkompliziert .
„Treu", das derselben Wurzel wie „trauen" entspringt und „gesinnungsfest" bedeutet, ist eine so selbstverständliche Voraussetzung für deutsches sittlicbes Leben, der Deutsche ist so bereit, alle Folgen seiner Treue, und mögen sie auch zur Tragik führen, auf sich zu nehmen, daß ein Gegensatz zur „Treue" sprachlich kaum ausdrückbar ist. „Ich finde", sagt Goethe einmal, „Gott sei Dank kein deutsches Wort, um Perfidie in ihrem ganzen Umfange auszudrücken. Unser armseliges treulos ist ein unschuldiges Kind dagegen. Perfid ist treulos mit Genuß, mit Uebermut und Schadenfreude". — Treu ist der Deutsche dem ihm schicksalhaft verbundenen Menschen. Im Dreißigjährigen Kriege übernahmen die deutschen Soldaten von den Italienern das Wort „camerata“, was soviel wie „Zimmergenossenschaft" bedeutet, und bildeten daraus den aus dem deutschen Gemeinschaftsleben heute gar nicht mehr wegzudenkenden Ausdruck „Kamerad". Treu ist der Deutsche von alters her seinem Gast. Das Wort Gast geht auf eine Wurzel zurück, aus der die Römer bezeichnenderweise „hostis“ (Feind), wir Deutschen aber wiederum bezeichnenderweise „Gast" (als Freund bei uns aufgenommener Mensch) gebildet haben.
Treu steht der Deutsche von jeher in seiner „Pflich t". Pflicht hängt mit „pflegen" zusammen und ist die sittliche Verbindlichkeit und die aus ihr hervorgehende Handluna. Treu ist der Deutsche dem über ihm waltenden Gesetz, somit auch dem, der zum Segen der Gemeinschaft das Gesetz erläßt und erhält; er hört auf bas Gesetz, er ist ihm ge-hor-sam. So lautet schon die alte deutsche Thing-Verordnung für die „Thingpflithtigen, die aur Abhaltung des Gedinges auf den Glockenschlag hören und folgen müssen": „wem das Gebot oerfünbet wurde, der soll sei seinem Eide gehorsam sein, au dem Thing zu kommen." Der Gehorsame darf- sich nicht daran stoßen, daß das Wort mit „gehören^ und — „hörig' sinnverwandt ist. Gehorsam und Demut (d. i. ein zum Dienen geneigter Sinn) sind auch schließlich Voraussetzungen wahren ritterlichen Tuns und echten Heldentums,
„Der Pflichten schwerste zu erfüllen, zu bändigen den eignen Willen", wie es in Schillers „Kampf mit dem Drachen" heißt.
Erst auf diesem Grunde bekommen die Wörter „Ta p f e r t e i t" (tapfer" hat zunächst einen rein körperlichen Sinn, etwa „schwer", „gewichtig", „gedrungen^), „M u t" (das ja zunächst mir allgemein seelischer Zustand, Sinn, Stimmung bedeutet), und Kühnheit („kühn" ist der scharf vorgehende Kriegskenner) ihre wahre Achtbarkeit vom Standpunkt volksgenölfischer Ethik.
Die K e u f ch y e i t, unter den deutschen Tunenden oft genannt, braucht kein Asketentum zu sein, sondern ist, dem blinden Triebe entgegengesetzt, d i e Haltung des Menschen, der seine Seele rein hält und dessen würdig sein will, daß er mit Vernunft begabt ist. Walther von der Dogelweide singt:
„Deutsche Zucht geht doch vor allen!"
Durch solche Zucht kann inniges Empfinden nur gestärkt werden: als Liebe zu dem Vertrauenswürdigen und als „Milde" zu dem achtenswerten Bedürftigen.
Auf den (Spuren des Obersten Fawcett
Mit Unterstützung des brasilianischen Unterrichts- mmifteriums unternimmt Hermann Kruse eine Kundfahrt in weit entlegene Gebiete des südwestlichen Bahia, und zwar in die Gegend, in der vor nunmehr 18 Jahren Oberst Fawcett spurlos verschwunden ist. Fawcett war zu seiner Expedition angeregt worden durch eine in der Nationalbibliothek zu Rio de Janeiro aufbewahrte Urkunde, deren Hieroglyphen bisher noch nicht vollständig entziffert lind, Das aber von einer vorgeschichtlichen Stadt in Der Tiefe Der Wildnis reden soll. Fawcett und andere Forscher vermuten die angeblichen Ruinen dieser Stadt in der Serra do Roncador, bis zu der im vorigen Jahre Aureli mit seiner Expedition vordrang. Kruse ist jedoch auf Grund eingehender Studien zu der Auffassung gekommen, daß Die sagenhafte Stadt im Gebiete Des heutigen Staates Bahia in der Serra do Sincorä oDer in der Gegend von Gangogy zu suchen sei, unD Daß es sich in Wahrheit nicht um Die Ruinen einer StaDt hanDele, son- Dem um gewaltige Felsblöcke mit Inschriften, wie solche schon in Minas Geraes und in Motto Grosso gefunden worden sind. Vielleicht ist auch Fawcett bis in die Serra do Sincorä und in die Gegend von Gangogy oorgebrungen, Die Damals noch von kriegerischen JnDianerstämmen bewohnt war. Diese haben sich inzwischen aber weiter zurückgezogen. Da
blieb Das Selbstbestimmungsrecht Der Völker? Wo
die Verständigung mit England
b e -
Erdteils werfen.
Ndz.
Wo ist die versprochene Freiheit der Völker geblieben? Wo blieb damit die Gerechtigkeit? Wo
Alles ist denkbar, eine deutsche Kapitulation niemals!
blieb der Verzicht auf Kontributionen? Wo ist die gerechte Regelung des Kolonialproblems geblieben, die feierliche Erklärung, daß man Deutschland Die Kolonien nicht wegnehmen wollte? Wo ist Die heilige Versicherung geblieben, daß man nicht Die Absicht hätte, uns unerträgliche Lasten aufzubürden? Wo enDlich sinD die Versicherungen geblieben, daß wir als Gleichberechtigte m den Schoß Dieses sogenannten VölkerbunDes aufgenommen würden? Wo ist die Bersicherung geblieben, daß eine allgemeine Abrüstung ftattfinben würde?
Lauter Lügen und Wortbrüche! Man hat uns unsere Kolonien genommen, unseren Handel zerschlagen. Man hat unsere Handelsflotte geraubt, Millionen Deutsche vvn uns wegger'ssen und mißhandelt. Man hat unserem Volk Kontributionen aufgebürdet, die wir nicht in hundert Jahren hätten abtragen können. Man hat uns ins tiefste Elend gestoßen. Aus Diesem ElenD aber ist die nationalsozialistische Bewegung erftanDen.
2Han soll heule nicht so tun, als ob man einem Deutschland, das nicht nationalsozialistisch wäre, das goldene britische Herz öffnen wollte. Das Deutschland, das wir ein ft kennen lernten, war weiß Gott alles andere als nationalsozialistisch; das war demokratisch, das war weltbürgerlich, das glaubte noch blindlings an die Versicherungen brili- scher Staatsmänner. Dieses Deutschland h a t Vertrauen gehabt, Hal sich selbst abgerüstet und sich selbst entehrt. Und es ist erst recht belogen und betrogen worden! Und ans dieser Hof, die daraus kam, ist unsere Bewegung gekommen! (Neuer stürmischer, anhaltender Beifall).
daß jemand, der 40 Millionen Quadratkilometer und damit 480 Millionen Menschen mit nur 46 Millionen beherrscht, den Wunsch haben muß, daß jetzt endlich Ruhe herrschen soll, nachdem die Welt 300 Jahre lang den englischen Eroberung skrieg gehabt habe. (Wieder bricht stürmischer Beifall los.) „300 Jahre lang haben wir Land um Land unterjocht, Volk um Volk niedergeworfen. Jetzt haben wir die Welt und damit soll jetzt endlich Ruhe s e i n!" Das ist verständlich, und es war begreiflich, daß man nun wirklich im Völkerbund einen Akt der Sterilisierung des nunmehr eingetretenen Zustandes vornehmen wollte.
Es ist allerdings dann alles ganz anders gekommen. Es tritt nun heule ein englischer Minister auf und sagt mil Tränen in den Augen: 0 wie gerne würden wir mit Deutschland zu einer Verständigung kommen, wenn wir nur Vertrauen haben konnten in das Wort der deutschen Führung. Genau das gleiche liegt mir auf der Zunge! Wie gern möchten wir mit dem Engländer eine Verständigung herbei- führen, wenn wir nur Vertrauen haben könnten zu den Worten seiner Führung! (Die Alte Garde des Führers bricht in minutenlangen stürmischen Beifall aus). Denn wann ist jemals ein Volk niederträchtiger belogen und beschwindelt worden als in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten das deutsche Volk durch die englischen Staatsmänner!
auch in diesen Gebieten die Zivilisatton schon weiter vorgedrungen ist. Jedenfalls erhofft man von der Forschungsreise Hermann Kruses interessante Ergebnisse, vor allem archäologische Funde, die neues Licht auf die Vorgeschichte des südamerikanischen
sichtet!
Lines allerdings war selbstverständlich: Linen Lebensverzicht kann keine deutsche Regierung aussprechen! Und vor allem die nationalsozialistische Regierung denkt gar nicht daran, einen solchen Lebensverzicht auszusprechen. (Stürmische Beifallskundgebung). 3m Gegenteil, aus dem Protest gegen den einstigen Lebensverzicht unserer demokratischen Politiker sind wir ja gekommen. 3ch werde das Leben und die Sicherheit des deutschen Volkes und Reiches deshalb unter allen Umständen durchsetzen! (Die brausenden Kundgebungen wiederholen sich.)
Ich habe mir niemals angemaßt, in britische oder französische Interessen hineinzureden. Wenn aber heute ein Engländer aufsteht und sogt: „Wir sind verantwortlich für das Schicksal der Völker Mittel- und Osteuropas" — so kann ich diesen Herren nur antworten: „Genau so sind wir dann verantwortlich für Das Schicksal der Völker in Palästina, in Arabien, in Aegypten, für Das Schicksal Der Välter meinetwegen auch in Indien." Wenn aber «in vier- ter Engländer saat: „Unsere Grenze liegt am Rhein", und der nächste kommt und erklärt: „Unsere Grenze liegt an der Weichsel" — Dann muß ich ihnen antworten: „Meine Herren, sehen Sie, daß Sie zurück zur Themse kommen, sonst werden wir Ihnen nachhelfen ..." (Brausender Beifall.) Das heutige Deutschland ist jedenfalls entschlossen, seine Grenzen sicherzustellen und seinen Lebensraum zu wahren.
Es ist Das ein Raum, den auch die Engländer nicht kultiviert haben. Wir sind nirgends hinge- gangen, wo etwa Die EnglänDer schon vor uns eine
Aus dem großen Wortbruch aller Zeiten ist ein S p a a gekommen unD wurde später das Schand- Diktat von Ve r s a i l l e s. Sie wissen es, meine alten Kampfgenossen, wie ich gerade von dieser Stelle aus Ihnen immer und immer wieder diesen Vertrag Dar gelegt habe Punkt für Punkt. Heber 440 Artikel, Deren jeder einzelne eine Bele i- diguna unD Vergewaltigung einer gro- ßen Nation war. Elend und Verzweiflung erfaßte Damals unser Volk. Dann kamen die Jahre der Inflation, des Raubes aller Lebensmöglichkeiten, die Zeiten der großen Erwerbslosigkeit, der ungeheuren Selbstmord« in Deutschland. Wir haben in diesem Deutschland in zwei Jahren mehr Selbstmord« gehabt, als Amerikaner im Laufe des Krieges im Westen gefallen sind. Aus dieser großen Not ist die nationalsozialistische Bewegung entstanden, und sie hat daher auch schwere Entschlüsse fassen müssen vom ersten Tage an.
Und einer dieser Entschlüsse war der Entschluß zur Revolte vom 8. November 1 92 3. Dieser Aufstand ist damals scheinbar mißlungen, allein aus Den Opfern ist dann doch d i e Rettung Deutschlands gekommen. 16 Tote! Aber Millionen Lebende sind durch sie aufgerichtet worden. Die nationalsozialistische Bewegung hat damals ihren Siegeszug begonnen. Seitdem ist nun Deutschland eine Weltmacht geworben — durch unsere Bewegung! Freilich, es war verständlich, daß der alte Feind sich in Dem Augenblick wieder regte, in Dem wir die Folgen der Niederlage zu überwinden begannen.
Es gibt nun ohne Zweifel zweierlei Engländer. Wir wollen hier nicht ungerecht sein. Es gibt auch in England zahlreiche Menschen, Denen dieses ganze heuchlerische Gebaren innerlich nicht behagt und Die Damit nichts zu tun haben wollen. Allein, sie sind entweder mundtot gemacht oder sie sind selost hilflos. Für uns ist «ntscherdenb, Daß wir Diesen Engländer, Den wir selber jahrelang suchten, nicht gefunden haben. Sie, meine Parteigenossen, wissen, wie ich mich fast zwei Jahrzehnte lang u m
feit" kämpfen (stürmische Heiterkeit), besonders solche Volker, Die für Die „S e l b st d e st i m m u n g Der anderen" kämpfen; Denn England hat 1911 ja angeblich für Dieses Selbstbestimmungsrecht gekämpft. Man erklärte: „Der britische Soldat kämpft nicht für eigene Interessen, sondern für das Selbstbestimmungsrecht aller Völker." EnglanD hätte nun Damals in seinem eigenen britischen Reich das Selbstbestimmungsrecht proklamieren können, aber Das hat man sich wohl erst für Den nächsten Krieg aufgespart! (Erneute Heiterkeit.)
UnD Dann kämpfte EnglanD Damals für Die „Zivilisation"; Denn Das gibt es nur in EnglanD. Nur in Den englischen SergarbeiterDiftriften, in Den englischen ElenDsgebieten herrscht Zivilisa- tion, in Whitechapel unD in Den anderen Quartieren Des MassenelenDs unD Der sozialen Verkommenheit! (Stürmischer Beifall.)
Und außerdem zog damals England — wie schon von jeher — für die „Humanität" in das Feld. Die Humanität Hal man zunächst allerdings als Sprengpulver in Granaten geladen. Aber man Darf ja auch mit schlechten Waffen kämpfen, wenn man nur für ein edles, hohes Ziel streitet.
Und das hat England ja immer getan!
Man ging noch einen Schritt weiter und erklärte: Wir Engländer kämpfen überhaupt nicht gegen Das deutsche Volk, sondern im Gegenteil, mir lieben das Deutsche Volk (stürmische Heiterkeit); wir, Churchill, Chamberlain usw. kämpfen nur gegen bas Das Deutsche Volk unterbrücfenbe Regime; Denn wir EnglänDer haben nur eine Aufgabe:
mühte. Welche Befchränkungen Haden wir nicht Der deutschen Politik auferlegt, um eine Verständigung mit England herbeizuführen! Ebenso ist es mit Frankreich. Was haben wir hier nicht alles ab- geschrieben, auf was haben wir nicht alles ver-
von d.en Lasten Des Militarismus erlöst wird. Ja, es soll so weit kommen, daß es Waffen überhaupt nicht mehr zu tragen oraucht. Wir Engländer wollen es daher ganz unD gar von Waffen frei machen. Man erklärte weiter, es sei eine Gemeinheit, wenn man schreibe, daß wir etwas gegen Den Deutschen HanDel haben. „Im Gegenteil, wir wollen Die Freiheit Des HanDels. Wir haben nichts gegen Die deutsche HanDelsflotte", so sagt« Damals Herr Churchill. Man erklärte, Daß es eine infame VerleumDung sei, zu behaupten, daß Die EnglänDer Absichten auf Die deutschen Kolonien hätten, ja eine Gemeinheit, so etwas auch nur zu denken; so erklärte man 1914, 1915, 1916, 1917 und auch noch 1918.
Man gina noch einen Schritt weiter und sagte, Man kämpfe überhaupt nicht für einen Sieg, man kämpfe für einen Frieden Der Verständigung, für einen Frieden Der Versöhnung und vor allem der Gleichberechtigung. UnD dieser Frieden sollte es ermöglichen, baß man in der Zukunft überhaupt auf die Rüstungen würde verzichten können. Man kämpfte somit in Wahrheit gegen den Krieg. England kämpfte gegen den Krieg, um ihn auszurotten, nämlich Den Krieg der Bekriegten, Den WiDerstand der Ueberfaüenen. (Brausender Beifall.) Man erklärt« daher, es könne keine Rede davon fein, daß es Das Ziel der britischen Kriegspolitik sei, Kriegsentschädigung herauszuholen. Sondern im Gegenteil, man strebte nach einem Frieden ohne Entschädigung, und dieser Friede sollte Durch eine allgemeine Abnistung und eine alle Völker ver- kündende Institution gekrönt werden. Und das hat ber große Sekundant Einilands, Wilson, in 14 Punkten zusammengefaßt und Dann Durch Drei weitere ergänzt, in Denen uns also versichert wurde, daß wir nichts zu befürchten hätten — und keine ungerechte BehanDlung zu erwarten brauchten, und daß wir nur im Vertrauen auf England die Waffen niederlegen müßten, um dann in ein« wahre Völkergemeinschaft ausgenommen zu werden, in Der das Recht herrschen würDe, und daß die Kolonien Dann gerecht verteilt werden und alle berechtigten Ansprüche auf Kolonien hier Beachtung finden würden. Das alles würde dann im Völkerbund die letzte Weihe finden. Der Krieg würde damit endgültig beseitigt fein und es sollte somit Der ewige Friede kommen. Es war vom englischen Standpunkt aus begreiflich,
Kultur hingebracht hätten. Wenn Lord H all f a t in seiner gestrigen Rebe erklärte, daß er für Die Künste und Die Kultur eintritt unD deshalb Deutschland vernichtet werden müßte, so können wir nur sogen: Deutschland hat schon eine Kultur gehabt, als Die Halifaxe davon noch keine Ahnung hatten. (Wieder stürmischer Beifall.) Und in Den letzten sechs Jahren ist in Deutschland mehr für Die Kultur getan worben als in ben letzten einhundert Jahren in England! (Aufs neue minutenlager Beifall.) Und wo wir bisher hingekommen find, Da haben wir keine Denkmäler britischer Kulturapostel, sonbern nur Kulturbenkmäler großer Deutscher gefunDen: In Prag ober in Posen, in Graubenz ober Thorn, in Danzig ober in Wien habe ich mich vergebens bemüht, britische Kulturdenkmäler auf« zuslöbern. (Heiterkeit.) Wahrscheinlich stehen sie in Aegypten oder in Jnbien.
^ebenfalls haben wir bie deutsche Nation wieder emporgehoben, und zwar von Jahr zu Jahr, beginnend mit bem Jahre 1933 über 1934, 1935 und 1936. Wir haben eine Etappe nach Der anderen zurückgelegt, Zug um Zug Deutschland frei und es zugleich stark gemacht! Und hier allerdings verstehe ich Die Kümmernis Der internationalen Kriegshetzer. Sie haben zu ihrem Bebauern gesehen, baß Das neue Deutschland eben doch nicht mehr bas alte Deutschland ist. Denn ich habe mich bemüht, nicht nur Die kulturelle Seite unseres Lebens zu entwickeln, sonbern auch die machtmäßige, und zwar grünblid). (Brausen- ber minutenlanger Beifall.) Wir haben uns eine Wehrmacht aufgebaut — Das kann ich ja ruhig heute aussprechen, wie es eine bessere in Der Welt nicht gibt! (Immer stärker wird ber jubelnb« Beifall.) UnD hinter Dieser Wehrmacht steht e i n Volk in einer Geschlossenheit, wie es gleichfalls in ber beutfchen Geschichte bisher noch nie Der Fall war! (Brausende Heilrufe.) Und über dieser Wehrmacht und über diesem Volk steht heute eine Regierung von einer fanatischen Wil» l e n s f r a f t, wie auch Das in Den vergangenen Jahrhunderten in Deutschland noch nicht ba war! (Wieder ein Sturm der Begeisterung.)
Dieses neu« Deutsche Reich hat, wie Sie alle wissen, gar keine Kr'iegsziele gegen England ober Frankreich besessen. Ich habe in meiner letzten Rebe, als ich zum letztenmal England und Frankreich die Hand gereicht hatte, auch dazu Stellung genommen. Wenn man uns nun tro&Dem an greift. Dann kann bas nichts zu tun haben etwa mit Der Frage Oesterreich, mit Der Tschecho-Slowakei ober Polen, Denn diese Fragen pflegt man je nach Bedarf hervorzuholen oder wieder schnell zu vergessen. Der Fall Polen zeigt ja, wie wenig England an Der Existenz solcher Staaten interessiert ist, Denn sonst hätte es ja auch Sowjetrußland ben Krieg erklären müssen, Do Polen ja ungefähr halbiert wurde. Aber jetzt sagen bie Engländer: Das ist gar nicht mehr das Ent- scheibende, wir haben ein anderes Kriegsziel. (Stürmische Heiterkeit.) Erst war es die Freiheit Polens, Dann war es Die Ausrottung Des Nazismus, und Dann waren es wieder die (Garantien für die Zukunft. Es wird ja immer etwas anderes sein. Sie werden eben Krieg fuhren, solange sie jemand finden, der bereit ist, für sie den Krieg zu führen, d. h. sich selbst für sie zu opfern. Die Begründung sind die alten Phrasen. Wenn man nämlich erklärt, daß man für Die Freiheit überhaupt und im besonderen eintreten wolle, dann könnte ja Großbritannien Der Welt ein wunber- bares Beispiel geben, indem es enDlich einmal feinen eigenen Völkern Die volle Freiheit schenkt. (Brausende Zustimmung.)
Wie edel würde Doch dieser neue britische Kreuzzug oussehen, wenn er eingeleitet worden wäre mit der Proklamation Der Freiheit für die 350 Millionen Inder oder mit der Proklamation ber Unabhängigkeit und des freien Abftimmungsrechtes aller anderen britischen Kolonien! Wir gern würden wir uns dann vor so einem England beugen! Statt dessen sehen wir, wie England dies« Millionen Menschen unterdrückt, genau so wie es Angesehen hat, als zahlreiche Millionen Deutsche unterdrückt worden sind. Es bewegt uns Daher nicht im geringsten, wenn Deute ein britischer Minister salbungsvoll ausruft, England habe überhaupt nur Ideale im Auge und keine selbstsüchtigen Ziele.
Natürlich, ich sagte es schon, haben Die Briten
Deutschland von seinem Regime frei und Das _________________ _______ ... _
deutsch« Volk dadurch glücklich zu machen, i blieb der Friede ohne Sieger und Besiegte? Wo (Wieder geht eine Welle von Heiterkeit durch - ' * ~ --------"2r*"’ ''mA
den Saal.) Und zu diesem Zweck kämpft Der Engländer vor allem Dafür, Daß bas deutsche Volk
Düchertisch.
— Theobald Bieder: Geschichte der Germanenforschung. Verlag von Hase & Koehler. 1. Teil 1500 bis 1806. Mit 19 Bildern und Karten. Preis 9 RM. Diese umgearbeitete und oerbefferte Neuauflage von Siebers grunblegenbem Werk erschließt zuverlässig Den Weg zu allen Quellen, bie z. T. halb verschollen, unbekannt ober vergessen, hier erstmalig mieber ans Tageslicht gezogen werden. Aber nicht nur eine Fundgrube für Historiker und Kulturhistoriker ist das Buch, sondern in seiner flüssigen und warmherzigen Darstellungsart macht es auch den Laien mit den wissenschaftlichen Streitfragen bekannt, deren Spannungen um so ungeheurer waren, als es Dabei um bie Ehre unserer eigenen Altvorbern ging, bie somit auch aus diesem Werke leuchtet.
— Gisela Wenz-Hartmann: „lieber dem Leben leuchten die Sterne". Roman. In Leinen 4,80 RM. Verlag von Quelle & Meyer In Leipzig. — (273) — Die Mebizinstubentin Traute Esch, Die ber Tob bes Vaters aus Dem sorglosen Leben riß, will auf Dem Gut Jora Schellenbergs sich die Mittel für ihr weiteres Studium erwerben. Hier sieht sie sich plötzlich vor Aufgaben gestellt, Die über äußere Pflicht hinaus ein ungeteiltes Menschentum verlangen. Ein großer Haushalt unb mutterlose Kinder warten ihrer, dazu ein burch harte Schicksalsschläge verbitterter Gutsherr. Nach schwerem Ringen und mancherlei Zwischenfällen erkennt sie schließlich die ihr vom Schicksal gestellte Aufgabe. Aus Not und Opfer bricht ber Sinn bes Lebens, bas feine Werte an der Ewigkeit ber Sterne mißt.
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