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(Nachdruck verboten.)
36. Fortsetzung.
Zukunft schauen kann, sehe ich Rentabilität voraus. Natürlich müßten Sie auch den Ertrag des kulti-
getan hat
Tag und Nacht im Dienst.
Bei den Notkreuz-Helferinnen im Bahnhof Gießen
Roman aonfflalW Kloepftr iopotigljt hg Hari Duntfcr Verlag * Berlin w 62
verblüfft zu.
„Wir riskieren bei dieser Regelung gerade so viel, wie man vertreten kann. Denn soweit ich in die
zu kurz angebunden, auch soll er zu hohe Rechnun- 'y ' - ■ ?anze Art ist halt preußisch,
und Brahms.
BDM.-llntergau 116 Gießen.
Betr.: Der 9. November.
Die Mädel- und JM.-Einheiten nehmen an dem Gemeinschaftsempfang der Ortsgruppen am 9. November teil.
Betr.: BD2N.-Derk-Gruppen Gießen-Stadt.
Die Schulung für die BDM.-Werk-Gruppen findet nicht am Donnerstag, sondern am Freitag, 10.11., 19 Uhr, im Moeserheim statt. Benachrichtigungen der Führerinnen erfolgen durch die Gruppenführerin.
Betr.: Sanitätskurs für den Jahrgang 1922.
Der für Donnerstag angesetzte Kurs fällt wegen des 9. Novembers aus. Nächster Dienst ist Donnerstag, 16.11.1939. Die Untergauführerin.
Aus der Stadl Gießen.
Nachtstück.
Die Sonne ging unter wie auf alten Hohschnitten in vergessenen Kalendern. Mit schrägen Lichtbalken auf gnädig geöffneten Wolken — und einem goldroten Licht, das die düstere Erde nicht mehr zu erhellen vermochte.
Durch die Gärten ging das Frösteln des November. Bleich, weiß, winzig schimmerten die letzten Blumensterne. Alle Dahlien hat der Regen zerzaust. Auf gelben Blättern gleitet man aus. Aber eine Eiche am Weg hält ihr Laub fest. Wir werden es wieder sehen in einem Monat noch, gelber, härter, sirrend im Wind, aber zäh mitten im Winter.
Schau durch die Zäune und Gatter: nun werden alle Gärten kahl. Durch die Spaliere pfeift der Wind. Auf einem moosgrünen Rasenstück von seltsamer Frische hocken drei Amseln. Starr, wie aus Ton. Bis eine davonhüpft, lautlos, aber das Hüpfen hat gleichwohl etwas Musikalisches, als ob Hände eine Tonleiter klimpern.
Nun war man wieder zwischen den Häusern der Stadt. Hinter einem verdunkelten Fenster klang warm der volle.Sang einer Violine, ein Klavier begleitete, es war Mozartmusik.
Vor einer Haustür verabschiedete sich ein Paar, lang. Die Liebe kennt keine Jahreszeiten. Vielleicht war es ein Soldat, der sich von seiner Liebsten trennte. Der Mond war schmal geworden, kaum noch halb, aber ein hellgestrichenes Haus fing sein Licht auf. Eine Scheibe glänzte wie Perlmutt.
Ein Stock klirrte und tastete, Schritte verklangen.
Vor 25 Jahren: £e Quesnoy.
Erinnerung an schwere Kampftage unseres alten Infanterie regiments 116.
vierten Grundstücks unter die Aktiva schreiben, was ja nicht mehr wie recht und billig ist. Nun?"
„Lassen Sie mich einen Augenblick überlegen sagt Severin leise und tritt ans Fenster. Er zieht die Bilanz aus den letzten zwei Monaten, die reich an Enttäuschungen waren. Aber die Schuld liegt wohl zumeist bei ihm selber. Seine Erwartungen waren zu hoch gespannt, seine Wunschträume zu verstiegen. Es wird überall auf der Welt nur mit Wasser gekocht. Stadt oder Land? Licht und Schatten gibt es hier und dort. Stadt und Land ist nicht Gegensatz, sondern eine Frage individueller Eignung. Jeder lebe da, wo er hingehört. Er, Severin, gehört aufs Land, das hat ihm dieser kleine Sprung in die Großstadt hinlänglich bewiesen. Er braucht das weite Grün der Wiesen und die zuchtvolle Strenge umgebrochener Aecker, er braucht Ellenbogenfreiheit für seine Kunst und besinnliche Feierabende in der Geißblatttaube. Dor zwei Monaten dachte er anders, gewiß. Aber die Gründe, die chn damals in die Stadt lockten, sind heute gegenstands- los geworden. Die Fabri filmt, und von Friedrich will man micht befreien. Und gegen Einsamkeit und Stumpfsinn und Freudlosigkeit gibt es ein.probates Mittel: heiraten. Nikoline Ferber heiraten, die ihn versteht, die chn umsorgt und die so viel für ihn
Ein Radfahrer fuhr lautlos vorbei. Dann war es totenstill in der einsamen Straße. Die Häuser wirkten wie eine geheimnisvolle Operndekoration. Man sah fast nur die Umrisse, aber hatte man bei Tag jemals die Schönheit dieses Giebel entdeckt, den Schwung jenes Balkons?
Dann kamen Wolken, grau und schwer. Es begann zu tröpfeln. Plötzlich spürte man, daß unabänderlich Herbst war. Und nun war man auch zuhause. Nässe lag auf der eisernen Klinke. r. k.
Im Dienste des Deutschen Roten Kreuzes stehen in Gießen auch verschiedene Frauen, die schon wah- rend des Krieges 1914/18 mitarbeiteten und aus unmittelbarer Erkenntnis der Notwendigkeiten, letzt wieder mithelfen. Manche von diesen Helferinnen hat schon das 50. Lebensjahr überschritten. Den jungen Kameradinnen sind sie ein leuchtendes Beispiel und mit ihren praktischen Erfahrungen eine wegweisende Hilfe in vielen Fällen, wenn sich eine junge Helferin oder eine Anwärterin nicht recht zu helfen wüßte.
Die Arbeit, die hier von den Helferinnen und Helfern des Noten Kreuzes, wie auch von den in steter Bereitschaft stehenden Aerzten schon in den vergangenen Wochen Tag und Nacht geleistet wurde, verdient uneingeschränkt dankbare Anerkennung. N.
Die Parole für alle OKK -Einheiten.
Der Landesführer IX des Deutschen Roten Kreuzes, -Brigadeführer, Staatssekretär O r t lepp , hatte die Kreisführer und die Leiter der Führungsabteilungen der DRK.-Kreisstellen aus dem Gaugebiet Hessen und angrenzender Gebietsteile zu einer Dienstbesprechung in den Rathaussitzungssaal in Kassel befohlen.
In einer richtungweisenden Ansprache gab der Landesführer die Parole für den weiteren Einsatz aller DRK.-Einheiten in dem uns aufgezwungenen Kriege und die Richtlinien für deren weitere Ausrichtung in politischer, soldatischer und fachlicher Hinsicht. Was in eifriger Friedensarbeit vorbereitet wurde, hat in der Stunde des Kriegseinsatzes bereits seine Bewährung gezeigt. Der schlagkräftigsten Armee der Welt steht der beste Sanitätsdienst zur
Daß er nicht eher hinter dieses Kolumbusei ge- kommen ist! Der Gedanke, Nikoline zu heiraten, bereitete ihm plötzlich ein heftiges und durchdringen- des Vergnügen. Er sieht ihre kleine, schnuppernde Nase vor sich, ihre fröhlichen Mummelaugen und ihren weichen, wehenden Gang. Man holt ihn zurück, wie schön, und er wird wieder bet den Kindern sein und bei Nikoline, und sie werden zu viert in dem alten, mangelhaften Haus an einem neuen Leben zimmern. Man wird zwar nur em kleiner Landdoktor bleiben, der zu jeder Tages- und Nachtzeit auf elenden Straßen herumkutschiert, aber wenn er 'heimkommt, werden ihn strahlende Gesichter empfangen. Er wird nicht berühmt werden, er wird nicht reich werden, aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist nur, daß man Arbeit hat und sie ausfüllt; daß man Freude hat und sie teilt
Severin reißt sich auf den Absätzen herum und kommt direkt auf Bürgermeister Heller zu:
„Gut, ab gemacht: ich gehe wieder nach Esche!- brunn!"
2 0. Kapitel.
Nikoline zerknüllt den Zettel und wirft ibn samt dem Kuvert in den Kanonenofen der Apotheke. Friedrich hat sie dringend ersucht, um drei Uhr bei den „Drei Brüdern" zu sein, weil er etwas mit ihr besprechen müsse. Was will er denn schon wieder, seufzt sie gereizt.
Nikoline ist keine glückliche Braut. Sie schleicht bedrückt und versonnen im Haus herum, ist schroff zu den Kindern, und keines der fröhlichen, falsch gesungenen Liedchen kommt ihr mehr über die Lippen. Dr. Wenz macht sie nervös, das Moorpro,ekt läßt sie kalt, und selbst die Wasserleitung entlockt ihr keine Jubelrufe, obschon die Küchenpumpe alle Tage hinfälliger und störrischer wird. Am liebsten läßt sie sich von der Arbeit erschlagen, die m diesen Typhuswochen wahrlich nicht gering ist. An allem ist Friedrich schuld. .
Damals im ersten Ansturm des Mitleids und der Opferbereitschaft hat sie ihm ihr Jawort gegeben, aber jetzt belehrt sie jeder Tag aufs neue, daß chr Versprechen an Friedrich ungeheuer schwer zu halten ist. Er stellt Ansprüche an ihr Gefühl, denen sie nicht gerecht werden kann. Sein Aeußeres, sein ganzes Gehaben peinigt sie. Die vom Zwicker gerötete ' Stelle ferner Nasenwurzel, der gräßliche Schnurrbart, die pedantische Art seiner Unterhaltung, seine Röllchen — alles quält und irritiert sie — sie weicht ihm aus, wo sie kann, und entschuldigt tsich mit Ueberlastung, was angesichts dieser Epi-
,Jst es wirklich Typhus?" wirft Severin ein.
'„Ja. Es hat eine Masse Scherereien gegeben, aber jetzt ist das ärgste überstanden. Was jetzt noch herumzipft, liegt im Spital, und neue Fälle sind Gott sei Dank nicht mehr hinzugekommen. Der Bezirksarzt sagt, wir seien mit einem blauen Auge davon gekommen, und die Absperrungsmaßnahmen könnten in der nächsten Woche aufgehoben werden. Wer nun wieder zu dem anderen. Wir Haden in der Sitzung beschlossen, daß die Stadt Ihre beiden letzten Hypothekenzinsraten zur Tilgung übernimmt und Ihnen außerdem so lange einen jährlichen Unkostenzuschuß in Höhe des Deftzi.s gewahrt, als der Spitalbetrieb sich nicht rentiert. Kann man nobler sein?" _
„Respekt, das nenne ich anständig! gibt Severin
„Mensch, dann schwimmt ihr ja im Reichtum , scherzt Severin.
„Reichtum ist übertrieben. Aber die Ellbogen können wir wenigstens wieder rühren. Was nur das alleine wert ist, daß die vertrackten Wohlfahrtsunterstützungen wegfallen. Unsere Erwerbslosen kriegen Arbeit, die Bauern billiges Neuland, die Gemeinde kann vom Wasserzins und den Oedlanderträgnissen das vorgeschobene Kapital amortisieren; kurz, für jeden springt etwas heraus. Nehmen Sie mal Ihre eigene Praxis an. Wenn unsere Arbeiter wieder beschäftigt sind, kommt alle naselang etwas vor, gequetschte Finger, Rheumatismus, was weiß ich. Außerdem werden die Leute auch in Zukunft besser bezahlen können. Und daß Sie und der Konsul bei dieser Bodenkultur so quasi mitgenommen werden, ist auch nicht von Pappe, den wir müssen das Moor in einem Zug drainieren und können nicht vor eurem Besitz Haltmachen. Wissen Sie noch, wie Sie beim Klöster!kauf geschimpft haben? Das Gerafft sei zu teuer, und Sie könnten mit der Wüstenei da hinten nichts anfangen? Ist es Ihnen jetzt noch zu teuer, he?" fragt der Bürgermeister.
„Nein, jetzt nicht mehr", muß Severin lachend zugeben. „Aber damals, Hand aufs Herz, habt ihr mich mit dem Krankenhaus schön aufsitzen lassen; zum Donnerwetter nochmal, deswegen sitze ich doch hier in München."
„Ich glaube, Sie scheu das noch immer nicht em! Ja, wie konnten wir denn? Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Aber wir wollen diese alte Brühe nicht aufwärmen. Ich will Ihnen lieber einen Vorschlag machen, Doktor. Sie gehen wieder nach Eschelbrunn ... lassen Sie mich ausreden. Mr haben ihrethalben eine geheime Stadtrat^ sitzung gehabt. Mit Herrn Dr. Wenz verstehen sich die Leute nicht recht. Er ist ja ganz tüchtig, soweit ich als Laie es beurteilen kann, und während der Typhusgeschichte hat er sich famos ins Zeug gelegt, aber die Eschelbrunner sind halt auf Sie einge- schrooren und wollen keinen anderen, da ist nichts zu machen. Ihr Vertreter ist ihnen zu radikal und
Zum 25. Male jährten sich jetzt die Tage, da unser altes Gießener Infanterie-Regiment 116 die nächst Anloy schwersten Kämpfe des Jahres 1914 an der Westfront zu bestehen hatte. Es war das schwere Gefecht von L e Quesnoy, das unsere alten 116er vom 30. Oktober bis zum 2. November 1914 gegen die in starker Stellung liegenden Franzosen ertragen mußten. In den Reihen der heute noch lebenden Mitkämpfer wird diese Kampfhandlung, an der viele Kriegsfreiwillige, meist Gießener Studenten, beteiligt waren, rückschauend als das „Langemarck der 116er" bezeichnet. Wer in der Regimentsgeschichte des alten Regiments 116 den Abschnitt über diese Kampftage heft, muß bestätigen, daß der Vergleich jener opferreichen, von größter Hingabe der Truppe zeugenden Kämpfe mit Langemarck seine volle Berechtigung hat.
Nach der Schilderung der Regimentsgeschichte lagen die 116er vierzehn volle Tage in Crsmery (südwestlich von St. Quentin in der Nähe von Ham und Nesle, an der damals am weitesten nach Paris vorspringenden Frontecke) in Ruhe. Es war für die durch Kämpfe, Marschleistungen und zuletzt auch durch Krankheit schwer mitgenommene Truppe die erste größere Ruhezeit seit dem Auszug ins Feld. Da wurde die kaum wiedergenesene Truppe am Abend des 30. Oktober 1914 durch die Meldung: „Der Feind hat mit starken Kräften das von der 21. J.-D. verteidigte Le Quesnoy-en Santerre überrumpelt und weggenvmmen!" jäh aus der Ruhe aejagt. Sofort wurde alarmiert, und noch am späten Abend des 30. Oktober und im Verlaufe der Nacht rückten die Bataillone nach vorn. Das Regiment wurde zur Wiedereroberung des Dorfes Le Quesnoy angesetzt. Die Reqimentsgeschichte schildert in überaus anschaulicher Weise die Schwere dieser Kämpfe, die in den frühen Morgenstunden des 31. Oktober 1914 mit voller Kraft entbrannten und bis zum Abend des 2. November Tag und Nacht anhielten. Immer wieder versuchten die Kompanien der 116er, dem in starkverschanzter Stellung liegenden Feind das Dorf Le Quesnoy zu entreißen, aber trotz allen Heldenmutes und trotz größter Kraftanstrengung gelang ihnen dieses Vorhaben nicht. Zwar kamen sie bis nahe an das Dorf heran, dann
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Die Mitglieder des Feierabendringes werden nochmals gebeten, die Eintrittskarten für die Theatervorstellung am 11. November, „La Ira- viata", bis spätestens Freitag, den 10. November, in der Schanzenftrahe 18, Zimmer 2, abzuholen, andernfalls dieselben im freien Verkauf weitergegeben werden. 6729D
Gleichzeitig geben wir bekannt, daß noch Karten im freien Verkauf, ebenfalls in der Schanzenftraße Nr. 18, zu haben sind. ______________________
In aller Stille sind seit den Tagen des Kriegsausbruches zahlreiche Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsgemeinschaft Gießen, in den Hilfsdienst getreten und haben eine Reihe von Aufgaben übernommen, die ihrer Berufung entsprechen.
Mit großer Energie wurde zunächst im Bahnhof ein Raum eingerichtet, in dem und von dem aus mancherlei Hilfe geleistet werden kann. Die erste Leistungsprüfung ließ nicht auf sich warten! Es galt zuerst, den Soldaten, die sich auf der Fahrt zur Front befanden, Erfrischungen zu reichen, die in der Form von heißem Tee gegeben wurden. Weitere große Aufgaben erwuchsen, als es galt, bei der Betreuung 'der Rückwanderer aus den Grenzgebieten mitzuwirken. Während damals die Helferinnen und Helfer der NSV. die Verpflegung übernommen hatten, war es die Aufgabe des Roten Kreuzes, den Verletzten, Kranken, kranken Kindern usw. zu helfen oder mitzuhelfen bei der lieber führung der mit den Krankenzügen ankommenden Rückwanderer in die Kliniken. Die Arbeitsgebiete des Roten Kreuzes mußten dabei klar von denen der NSV. — schon allein aus hygienischen Gründen — getrennt sein und bleiben.
In den bisherigen Kriegslagen wurde über die Fürsorge für die Rückwanderer hinaus alle Aufmerksamkeit den Soldaten zugewandt, die den Bahnhof Gießen passierten und hier kurzen Aufenthalt hatten. Es war stets ein prächtiges Bild, zu sehen, wie die Soldaten die jungen Helferinnen umdrängten, und Becher und Feldflaschen zur Füllung mit Tee bereithielten. Die Helferinnen unseres Gießener Roten Kreuzes sind dabei schon mit vielen Mundarten der deutschen Landschaften vertraut geworden. Mancher dankbare Blick streifte die
bemie sogar einleuchtend klingt. Zweimal in diesen vierzehn Tagen ließ es sich allerdings nicht vermeiden, daß sie längere Zeit mit ihm zusammen fein mußte: beim Feuerwehr-Jubiläum, und dann im Asbacher Wäldchen beim Baden, wo er sie unvermutet überraschte. Beide Male kam es zu ein paar ungeschickten Küssen und au einer hölzernen Unterhaltung, die in der Hauptsache von Friedrich bestritten wurde. Er nannte sie Herzblatt und Schatz, und diese Kosenamen brannten ihr wie Striemen auf der Haut. Um sie öfter sehen zu können, hat er sich neuerdings einen Schulterrheumatismus ausgedacht, der von Dr. Wenz tagtäglich mit Höhensonne behandelt wird. Dr. Wenz schmunzelt, weil jede Bestrahlung drei Mark kostet. Aber Nikoline schwitzt Blut. Sie kürzt diese Veranstaltungen möglichst ab und erstickt jeden Annäherungsversuch im Keime. Friedrich hat es nicht leicht, und sie hat es nicht leicht; es ist ein Jammer mit den beiden. Seit drei Tagen ist Friedrich ausgeblieben, und heute hat er durch die Magd jenen Zettel geschickt, unter der Vorspiegelung, es handele sich um ein Rezept.
Um dreiviertel drei ist Nikoline aufbruchberett, stiehlt sich aus dem Haus und pfeift Bulli, der vor Aufregung tropfende Lefzen und einen rotierenden Schwanzstummel hat. Sie haßt dieses Heimlichtunmüssen, das ihr da aufgenötigt wird, und sie schickt Stoßgebete zum Himmel, daß ihr bei den „Drei Brüdern" niemand begegnen möge. Es ist überhaupt ein Wunder, daß die Eschelbrunner Spurnasen ihr Verhältnis zu Friedrich noch nicht entdeckt haben. Friedrich wartet bereits. Die „Drei Brüder sind eine hohe, breiftämmige Fichte, die an einer unbelebten Wegkreuzung inmitten von Unterholz steht, gar nicht weit außerhalb des Ortes. Friedrich hat in der Nähe einen Schlag, und es fällt nicht auf, wenn er jetzt hemdärmelig und axtbewehrt sich an den Baum lehnt und ein Zündholz anreibt. Er hat alles vorher genauestens bedacht und ist nut feinem Arrangement zufrieden, soweit feine übrige Gemütsverfassung dies zuläßt.
„Guten Tag, Nikoline. Blödsinnige Hitze heut, nicht?" v
„Ja, setz dich, Bulli. Daß du nur nicht zu tagen anfängftr Sie reicht Friedrich die Hand. „2£r Zettel hat mir heute gar nicht in den Kram gepaßt, ich kann doch so schlecht weg", sagt sie zugesperrt. Am liebsten möchte sie sich ins Grab werfen und losheulen und niemand sehen.
(Fortsetzung folgt.)
jungen Helferinnen, die in peinlich sauberen schneeweißen Schürzen und gestreiften Kleidern auf dem Bahnsteig standen und den Soldaten nachwinkten. Für die Soldaten wirb deutscher Tee gekocht. Es handelt sich dabei um Brombeerblätter- und Pfefferminztee, der gemischt wirb und ein Getränk von angenehmem Geschmack und stark belebender Wirkung ergibt.
Unsere Gießener Helferinnen haben es aber auch übernommen, für Urlauber und solche Soldaten zu sorgen, die zu ihren Truppenteilen unterwegs und oftmals mehrere Tage auf der Bahn sind. Für Urlauber und Soldaten, die in kleinen Trupps kommen, wurden zwei Schlaf- und Aufenthaltsräume eingerichtet. In großzügigem Entgegenkommen mürben in ber Anatomie (Bahnhofstraße) mehrere Räume freiaemacht, gründlich gereinigt und dort Lager aufgeschlagen. Tische und Stühle sind da, an Fenster und auf den Tischen stehen Blumenstöcke, und wenn auch alles behelfsmäßig ist, so fühlen sich die Soldaten darin doch wohl. Im Gästebuch sind schon viele Namen und manches Wort der Dankbarkeit verzeichnet. Zu berücksichtigen ist dabei, daß alle diese Maßnahmen fast ausschließlich aus den Mitteln der Ortsgemeinschaft des DRK. bestritten werden müssen.
Gegenwärtig sind die Helferinnen dabei, sich m den Pausen mit dem Strickzeug zu beschäftigen. Auch diese Arbeit gilt der Fürsorge für die Soldaten. Bunte Wollreste wurden zusammengetragen, aus denen kleine Vierecke gestrickt werden, deren je 50 Stück große und warme Decken ergeben. Niemand von den Helferinnen fragt nach Dank oder Anerkennung. Für die Soldaten wird ebenso selbst- verständlich, wie gerne gearbeitet.___________________
Seite. Diesen Wehrmachtssanitätsdienst von ber Front bis in die Heimat zu unterstützen, ist neben den großen friedensmäßigen Aufgaben die Hauptaufgabe des Deutschen Roten Kreuzes. In den Feld- unb Heimatlazaretten, in den Rettungsstellen des Luftschutzes, im Bahnhofsdienst als Erfrischungs- ftcllen für Verwundeten- und Truppentransporte, in den Krankenhäusern und in allen sanitären Betreuungsstellen der Bevölkerung, in Rotkreuzküchen, in Nähstuben usw., überall stehen heute die Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes im Dienste für die Volksgemeinschaft. Der größte Teil der DRK.- Helfer trägt das Ehrenkleid des deutschen Soldaten und ist zum Sanitätsdienst der Wehrmacht ringe- zogen. Für die Aufrechterhaltung des sanitären Teiles des Straßenunfalldienstes, sowie für die Neuerrichtung und Fortführung aller Unfallhilfsstellen in den Städten und auf dem Lande stellt das Deutsche Rote Kreuz seine ausgebildeten Kräfte zur Verfügung. All diese umfangreichen und verantwortungsvollen Aufgaben können nur erfüllt werden» so betonte DRK.-Generalhauptführer Ortlepp, wenn sich tatbereite Kräfte aus dem ganzen Volke gerade für die jetzt erforderliche Arbeit des DRK. zur Verfügung stellen und das Deutsche Rote Kreuz den Schutz und die Förderung der Partei und deren Gliederungen erfährt. Die Kreisführer wurden deshalb erneut zu engster Zusammenarbeit mit den Parteidienststell en verpflichtet, wie auch umgekehrt der Stellvertreter des Führers in einem neueren Erlaß die Dienststellen der Partei und deren Gliederungen und angeschlossene Verbände angewiesen hat, dem DRK. die Durchführung seiner umfassenden Ausgaben zu erleichtern und zu ermöglichen.
Mit dem Appell des Landesführers, das Kriegswinterhilfswerk, das nach der Führer-Rede zugleich auch das Hilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz ist, in jeder Weise zu unterstützen, und dem Sieg-Heil auf den Führer, den Schirmherrn des Deutschen Roten Kreuzes, wurde die Arbeitstagung beendet.
aber hörte unter der Wucht der feindlichen Abwehr jede Bewegung auf. Am Abend des 2. November erkannte, wie die Regimentsgeschichte betont, die höhere Führung die Unmöglichkeit der Tat. Sie war nicht auszuführen, sonst hätte sie das Regiment ausgeführt. Nun kam der Befehl, sich vom Gegner loszulösen und die Stellung in eine Linie zurückzunehmen, die von der 21. J.-D. besetzt werden sollte. Es war, wie der Leser ber Regimentsgeschichte erkennen kann, eine schwere Ausgabe, die mit der Durchführung dieses Befehls noch zu erfüllen war, aber auch diese Pflicht wurde von der Truppe trotz der vorangegangenen schweren Opfer vorbildlich erfüllt.
Abschließend wird über diese Gefechtstage in ber Regimentsgeschichte gesagt: „Das Gefecht bei Le Quesnoy war für das Regiment der letzte Ausläufer des Bewegungskrieges. Am U eher gange zum Stellungskrieg gelegen, trug es die Merkmale beider Kriegsarten in sich. Die freie Entfaltung im rückwärtigen Gelände, das Vorgehen über das freie Feld, das Anlaufen zum Sturm auf den Gegner unterschied sich wenig von den bisherigen Kämpfen. Das mehrtägige Stilliegen hart am Gegner, tief eingegraben, das zusammengezogene Artilleriefeuer auf bestimmte Stellen, die durch Befehle festgelegte Zeit zum Ausfall, das sind die Kennzeichen des beginnenden Stellungskrieges, den das Regiment in den nächsten Jahren zur Genüge kennenlernen und zu immer schrecklicherer Vervollkommnung sich entwickeln sehen sollte."
Die einstigen Mitkämpfer von Le Quesnoy, die damals als junge Männer — zum größten Teile Gie- ßener Studenten aus allen Korporationen, die mit dem Band um die Brust am 8. Oktober 1914 aus Gießen ausmarschierten — für unser Land und Volk fochten, werden in diesen Tagen ihre Gedanken zurück gelenkt haben zu jener schweren und opferreichen Zett. Dabei wird aber auch die Erinnerung an die gefallenen Kameraden wieder besonders lebendig geworden sein, ferner der Stolz auf die Beteiligung an jener großen Waffentat, die zu den bedeutendsten Ereignissen in der Geschichte des alten Regiments 116 zählt.
Vornotizen
Tageskalender für Mttwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr: „Für die Katz". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Eine Frau wie Du". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Unschuld vom Lande".
Stadttheater Gießen.
Heute abend wird das volkstümliche Lustspiel „Für die Katz" von August Hinrichs wiederholt. Spielleitung: Karl Volck. Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 6. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 21.45 Uhr.
Der Schweizer Dichter Jakob Schaffner in Gießen.
Am Montag, 13. November, 20 Uhr, wird im großen Hörsal der Universität der Schweizer Dichter Jakob Schaffner auf Einladung des Goethe- Bundes und des Kaufmännischen Vereins in Arbeitsgemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen einen Vortrag halten. Es gibt wohl keinen, den man als Sendboten der starnmoenvandten deutsch-schweizer Dichtung in Deutschland lieber begrüßt als Jakob Schaffner.
Gießener Konzertverein.
Das erste Solistenkonzert dieses Konzertwinters wird am Sonntag, 19. November, stattfinden. Die hervorragende Pianistin Poldi M i l b n e r wird einen Kmvierabend veranstalten. Das Programm enthält Werke von Beethoven, Schubert, Chochin


