Schmackhaft und nahrhaft.
Oie Geheimnisse der Feldküche.
Ein Besuch in der Äersuchöküche des Heei-esverwaltunasamts.
Man darf sich den Feldherrn von heute und seinen Generalstabschef nicht so vorstellen, als ob die Truppenführer nur mit dem Zirkel auf der Landkarte arbeiten und in der entscheidenden Stunde den Befehl zum Angriff geben. Dieser Angriffsbefehl ist erst die Folge einer ungemein vielseitigen Arbeit, bei der keine Einzelheit vergessen lverden darf. Mit zu den wichtigsten Arbeiten der Truppenführung gehört es, rechtzeitig die notwendige Verpflegung für die Syldaten herbeizuschaffen, denn mit hungrigen Sol- boten ist ein Sieg schwer zu erringen. Diese Weisheit ist nicht erst von heute Schon Friedrich der Große hat sie als Feldherr erkannt, als er sagte: „Die Pläne eines Feldherrn stehen immer mit den Prooiantverhältnissen in Verbindung, und die größten Projekte werden zuletzt heroische Chimären, wenn er nicht vor allen Dingen darauf bedacht war, sich wegen der Lebensmittel sicher zu stellen."
Bei der deutschen Wehrmacht hat man selbstverständlich die Verpflegung nicht vergessen und beim Heer ist es die besondere Aufgabe des Heeresverwaltungsamtes, die Magenfragen befriedigend zu lösen. Das Heeresverwaltungsamt hat aus den Erfahrungen des Weltkrieges gelernt. So ist zum Beispiel mit dem Drahtverhau unseligen Angedenkens gründlich Schluß gemacht worden und man hat statt dessen hochwertige und neuartige Lebensmittel entwickelt und hat auch der Kochtechnik für Friedensküchen und für Feldküchen größte Aufmerksamkeit gewidmet. Ebenso wichtig wie die Lebensmittel selbst ist nämlich auch die sorgfältige und zweckmäßige Verarbeitung und Zubereitung, damit die ursprüngliche Zusammensetzung der Werte, nicht nur der Nährstoffe, sondern auch der Geschmacks- und Ergänzungsstoffe, schalten bleibt. Im Zeichen des totalen Krieges hat das Heeresverwaltungsamt die Derpflegungsrationen für die Soldaten in der Heimat und an der Front so festgesetzt, daß sie sich dem großen Ganzen durchaus einfügen. So selbstverständlich eß ist, daß der Soldat gut verpflegt wird, so sind dvch die Sätze so beschaffen, daß nicht etwa eine besondere Bevorzugung der Soldaten besteht. Es ist gar kein Zweifel, daß der Soldat sich sinnvoll in die Ernährungsfront des deutschen Volkes zur Abwehr der englischen Blockade eingliedert. Der Verpflegungssatz des Soldaten in den Heimatgarnisonen entspricht etwa dem eines Schwerarbeiters. Der Schwerstarbeiter in der Heimat erhält, nach Kalorien gemessen, immer noch mehr Nährwerte als der Feldsoldat draußen. Es wird aber dem Feldsoldaten gegeben, was er zum Leben nötig hat und es wird ihm in einer Form gegeben, die auch das Essen zum Vergnügen macht.
Wenn der Kompaniekoch zum ersten Male seine Feldküche begrüßt, so kocht er nicht auf blauen Dunst los, sondern er findet in seiner neuen Feldküche auch ein Feldkochbuch vor, das ihm die notwendigen Anleitungen gibt. In diesem Kochbuch ist als wichtigste Grundregel festgelegt worden: „Die Feldküchenkost soll die Verpflegungsteilnehmer nicht nur sättigen, sondern gesund und leistungsfähig erhalten. Sie muß daher der allgemeinen Geschmacksrichtung entsprechend sorgfältig zubereitet und möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. Keinesfalls darf sie in eine sich immer wiederholende, mit Unlust aufgenommene Massenspeisung ausarten. Die Herstellung der Feldküchenkost ist daher eine verantwortungsvolle und hohe Aufgabe. Die wahre Kochkunst besteht dann, aus den einfachsten Lebensmitteln eine gut zubereitete und abwechslungsreiche Kost herzustellen. Dem Verpflegunqsteilnehmer darf kaum bewußt werden, daß die Gerichte als Massenspeisen im Kessel zu- bereitet worden sind."
Der Koch von heute soll auch nicht nur, so wie wir es einstmals bei Verdun erlebten, wochenlang nichts anderes als Graupen kochen, sondern, wenn schon Graupen gekocht werden müssen, dann ist es die Aufgabe des Kochs und des Küchenunteroffiziers, für die notwendige Abwechslung zu sorgen. Da gibt es z. B Graupen mit Suppengrün und Rindfleisch, Graupen mit Grünkohl
und Speck, Tonatengraupen, Selleriegraupen, Zwiebelgraupen oder auch saure Graupen mit Gewürzgurken und Fleisch. Es ist die Kunst mit Hilfe von Gewürzen und Beikost in der Feldküche aus ein und demselben Rohstoff immer wieder neue Geschmacksrichtungen hervorzubringen, ohne daß das Grundgericht erkannt wird
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Man denkt tn der Wehrmacht von heute keineswegs daran, alles über einen Kamm zu scheren. Es gibt ja nicht nur Infanterie, die aus der Feldküche ernährt werden muß, sondern es gibt auch Truppenteile, für die eine Sonderoerpflegung notwendig ist. Der Flieger, der tn seiner Maschine Stunde um Stunde über die Nordsee fliegt, um schließlich über dem Firth of Forth seine Bomben los zu werden, muß anders ernährt werden als ein Infanterist im Graben. Das gleiche gilt für die Männer, die im Panzerspähwagen Hunderte von Kilometern auf schlechten Straßen zurücklegen Das gleiche gilt für* Festungstruppen, die in den großen Bunkern wochenlang unter stärkstem Artilleriefeuer liegen. Das gilt schließlich auch für Gebirstruppen, die aus ihrem Körper bei schwierigen Aufstiegen das Letzte herausholen müssen. Diese Soldaten brauchen alle bestimmte Konzentrate, die ihnen höchste Kraftanstrengunq gewährleisten. Auch dafür hat man neuartige Lebensmittel geschaffen, z. B. den fo genannt en Pemmikan- Landjäger. Das Vorbild für diesen Pemmikan lieferte Nansen, der sich ja auf feiner Nordpolfahrt im wesentlichen mit diesem Lebensrnittel aufrecht erhielt. Es handelt sich hier um eine Hartwurst aus geräuchertem Fleisch, geräuchertem Speck, Edelsoja, getrocknetem Obst, Molke, Tomatenmark, Hefeextrakt, Paprika und Lecithin, also allen zum Aufbau des Körpers notwendigen Nährstoffen. Dann gibt es weiter Weinsäure- und Zuckerdrops, die aus Holzzucker und Traubenzucker hergeftellt sind und vor Ermüdung schützen, sowie die neuartige Schokakola, eine mit Kola angereicherte Schokolade, die als Stärkungsmittel dient und sich durchaus bewährt hat.
Es muß überdies darauf hingewiesen werden, daß es sich bei diesen neuartigen Lebensrnitteln nicht etwa um Experimente handelt, sondern diese Lebensrnittel sind nach vielen Proben auf Grund bestimmter Anforderungen hergestellt worden. Sie sind dann vom chemischen und vom sanitären Standpunkt aus auf das genaueste untersucht worden und haben sich erst in kleineren Versuchen und dann in Truppenversuchen bewähren müssen, ehe sie für die Wehrmacht eingeführt wurden.
Diese Versuche sind insbesondere auch mit der Sojabohne gemacht worden und die bisherigen Erfahrungsberichte zeigen, daß sich das Vollsojamehl als sehr brauchbar und vorteilhaft für die Truppenküche erwiesen hat. Der Geschmack der Speisen wird erheblich verbessert, der Sättigungs- wert gehoben und zudem sind die Speisen angenehm locker und von gutem Aussehen. Infolge Des hohen Nährstoffgehaltes erwies sich das Vollsojamehl insbesondere verwendbar als Streckungsmittel zur Einsparung von Fleisch, als Mittel zur Einsparung von Fett sowie als Ersatz für Ei und als Ersatz für Milch. Der Anbau der Sojabohne gewinnt bei uns von Jahr zu Jahr wachsende Bedeutung. Die Sojabohne unterscheidet sich von anderen Hülsenfrüchten wie z. B. Erbsen und Bohnen durch ihren fast doppelt so großen Gehalt an hoch» wertigem Eiweiß und durch chren sehr hohen Fettgehalt. Das' Edelsoja wird nach Entfernung der Schale ohne Anwendung von Chemikalien herge- stellt und ist trotz des hohen Fettgehaltes sehr haltbar. Besonders reich ist Edelsoja an Vitamin B sowie an mineralischen Salzen: hierbei kommt dem knochenbildenden Phosphor eine besondere Bedeutung zu
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Probieren geht über Studieren. Fräulein Spieß, die vielgewandte Leiterin der Versuchsküche des H e e r e s Verwaltungsamtes, hat ihren graben Tag, denn zum ersten Male sollen die Geheimnisse der Feldküche enthüllt werden. Es gibt also ein ausgewachsenes Essen,
bei dem alle die neuartigen Lebensmittel auf Geschmack und Nährwert probiert werden können. Da sind die neuen Bratlinge, die aussehen und schmecken wie Klovse und die eiweißangereicherte Lebensrnittel aus pflanzlichen Rohstoffen enchalten. Da ist Blut- und Leberwurst, deren Nährwert mit Edelsoja verstärkt worden ist und die im Geschmack ganz ausgezeichnet sind. Einen besonderen Erfolg erzielt die Leiterin der Versuchskücbe mit ihrer Roggengrützsuppe mit Fleischeinlage. Hinterher wird freilich festgestellt, daß es sich um eine neuartige Suppen- fonferne aus Roggengrütze mit Walfleisch handelt Als Feldküchengericht wird dann ein prächtig schmeckendes Gulasch mit Kartoffelbrei und Rotkohl gereicht. Auch dieses Geheimnis wird enthüllt. Es handelt sich hier um einen Gulasch aus tiefgekühltem Fleisch, das nach einem neuen Verfahren zubereitet worden ist und das sich vom Gefrierfleisch dadurch unterscheidet, daß bei diesem Fleisch keine Zerreißung der Zellen eintritt, wie das bei Gefrierfleisch der Fall ist. Der Kartoffelbrei entstammt getrockneten Kartoffeln, ine ebenfalls nach einem neuen Verfahren geschaffen _ wurden und der Rotkohl ist getrocknetes Gemüse. Bei diesem Rotkohl erkennt man aber, daß mit dem Drahtverhau, mit dem Dörrgemüse von einst für immer Schluß ist, denn dieser Rotkohl unterscheidet
sich in keiner Weise von frischem Gemüse. Er ent» hält im übrigen die Ditaminwerte genau wie das beim frischen Gemüse der Fall ist.
Weil aber die Soldaten nicht nur Hunger, sondern auch Durst haben, so ist im Heeresverwaltungsamt auch ein Marschgetränk geschaffen worden, ein erfrischendes Getränk aus Zitronensäure und Kochsalz, das sich beim Feldzug in Polen schon außerordentlich gut bewährt hat. Diese Gerichte verdanken ihren Erfolg nicht nur der gerieften und sachgemäßen Zubereitung, sondern sie sind vor allem richtig gewürzt worden. Das fann genau so gut wie in der Heimat auch in der Feld- füche an der Front geschehen, denn jede Feldküche ist besonders reichlich mit deutschen Gewürzen ausgestattet, als da sind: Körnersenf, Kümmel, Majoran, Bohnenkraut und Dill. Zu diesen treten als weitere Zutaten Zwiebeln, Tomatenmark und Hefeextrakt.
Dieser Ueberblick dürfte den Hausfrauen und Müttern, deren Männer und Söhne als Soldaten in der Heimat oder an der Front stehen, die Sorgen um das leibliche Wohl sicher Nehmen. Die Feldküche ist fein Luxusrestaurant, aber was die Feldküche liefert, ist nahrhaft und schmackhaft, und so wird auch die Feldküche mit!)elfen, daß wir diesen Krieg gewinnen. Walter Steaing.
Französische Bunker unter Hochwasser.
Die britische Lügenpresse hatte, vor einiger Zeit behauptet, daß Bunfer des deutschen Westwalls vom Hochwasser überschwemmt seien. Diese Lügenmeldung wurde durch die amtlichen deutschen Meldungen sofort widerlegt. Dagegen zeigt dieses soeben eingetroffene Bild französische Bunter a u f de r linken Rheinseite, die vom Hochwasser überschwemmt wurden, so daß ihre Besatzungen sie räumen mußten. In ähnlicher Weise wurden zahlreiche andere ftanzösische Bunker unter Wasser gesetzt. — (Aufnahme: PK.-Bauer-sScherl-jM.)
Kunst und Wissenschast.
Der Lyrlkprels der „Dame".
Im neuesten Heft gibt die Zeitschrift „Die Dame" das Ergebnis ihres „L y r i f p r e i f e s 19 3 9" bekannt. Der erste Preis in Höhe von 1000 RM. wurde dem schlesischen Dickster Friedrich Bischoff für sein Gedicht „Das Füllhorn" zuerkannt. Fünf weitere Preise zu je 200 RM erhielten Hans Wühr, Josef Leit geb, R. E. T r i ft r a m , Herbert Strutz und W. E. S ü s - find. Zu den preisgekrönten Gedichten veröffentlicht die „Dame" kurze Lebensbeschreibungen und Bilder der Dichter. Vor einigen Jahren erhielt der Schriftleiter des „Gießener Anzeigers", Dr. H a n s Tyyriot, den ersten Lyrikpreis der „Dame".
Gedächtnis-Ausstellung Adele Sandrock.
Das Manskopfsche Museum für Musik und Theater in Frankfurt hat einen großen Teil des Nachlasses der großen Schauspielerin Adele Sandrock zu dauerndem Besitz erhalten und ihm in einer Sonderausstellung „Vergängliche Schauspielkunst" der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Gedächtnisschau zeigt an vielen Bildern und Kostümen den großen Umfang des Könnens Adele Sandrocks, das von Bizets „Carmen" über Goethes Gretchen bis zur modernen Filmgestalt reichte. Adele Sandrock
hat in ihrer Jugend viele Opernrollen gesungen. Zu. ihren besten Leistungen zählte die Carmen. Daran erinnert das Carmen-Kostüm, das mit Schmuck, Kamm, Schuhen und Strümpfen vollständig ausgestellt ist. Auch die weltberühmten Kostüme der Sandrock als Sappho und Medea sowie ihr Gret- chenkostüm sind in Frankfurt. In Verbindung mit der Ausstellung zeigt das Museum auch eine Erinnerungsschau an den jüngst verstorbenen Frankfurter Schauspieler Mathieu Pfeil. Außerdem sind mit viele Liebe und Sorgfalt Photos, Briese und Schriftstücke zusammengetragen von: Joses Kainz, Matkowski, Max Grube, Deorient, Girardi, Baumeister, Friedrich Haase, Ludwig Wüllner, Hugo Thimig, Georg Reimers, Klara Ziegler, Luise Dumont, Stella Hohenfels, Franziska Ellmenreich, Hansi Niese, Agnes Sorma und Hedwig Bleibtreu.
INolybdän-Erzfunde in Norwegen.
Beim Dau der süd norwegischen Eisenbahn wurden vor kurzem in der Näye von Kvines- dal in einem Eifenbahntunnel reiche Funde von Molybdän (ein zähes Schwermetall, das in der Glühlampenindustrie Verwendung findet und in Legierungen mit Eisen einen harten Werkzeugstahl ergibt) gemacht. Die Erzader geht so tief in den Berg hinein, daß große Möglichkeiten für einen lohnenden Betrieb vorhanden sind.
Hannhinnerch sieht zum erstenmal Soldaten.
Von Heinrich kuppel
Hannhinnerch ist ein alter Schwälrner Bauer, der seinen Hof mustergültig bewirtschaftet und an die fünfzig Ernten eingebracht hat. Nun sitzt er mit seiner treuen Lebensgefährtin im traulich stillett Ellerhaus, dessen Fenster über die Straße auf den Hof gehen, dem alle ihre Kräfte geweiht waren. Aber so ganz untätig sind sie beide noch nicht. Da gibt es überall „zu raten und zu taten", im Haus und in der Küche, im Stall und im Garten, bei den Kindern und bei den Bienen. Und das Gärtchen am Giebel des Ellerhauses, das sie noch ganz allein besorgen, will auch feine Pflege und Ordnung haben. Also müßig sein, das gibt's auch mit siebzig Jahren noch nicht.
Der Hannhinnerch aber hat noch etwas anderes zu tun. Da kommt fein Enkel, der kleine Hinnerch, und bettelt: „Großvater, erzähl mir von früher! Erzähl mir, wie du klein warst!" Und dann erzählt der Großvater wie schon off aus seinen jungen Jahren. Heute ist's ein lustiges Stückchen, das er uns preisgibt:
Die ersten Soldaten. Die Sonne war gerat) aufgegangen, als mich lautes Pferdegetrappel, für das ich immer ein gutes Ohr hatte, und freudige Rule der Kleinmagd: „Soldaten! Soldaten!" aus dem Morgenschlaf rissen. Ein Sprung aus den Federn und in die Hose, ein paar Laatschen an die Füße, und schon war ich draußen. „Willst du dich nicht erst ordentlich anziehen?" rief mir die Mutter nach. Aber nein, nein, dann kam ich doch zu spät, und ein Dorfjunge war ja doch im allerunmöglichsten Anzug immer noch ordentlich angezogen. Also los! „Eil dich, eil dich!" rief das Mädchen. Auch die Großmagd kam jetzt mit dem Melkeimer in der Hand aus dem Kuhstall und lies hinter mir her. „Soldaten! Soldaten!" Alles war wie behext.
Wo die drei Dorfttraßen zusammenlaufen, hielten sie. Auf hohen, schönen Pferden, in weißen Waffenröcken und ebensolchen Reithosen, die in langen, weit über die Knie reichenden Stiefeln mit Sporen steckten, so hielten sie da, vier mächtige Kerle mit blitzenden Säbeln und funkelnden Stahlhelmen —: „Deutzer Kürassiere!"
So etwas hatte unser Dorf nun doch noch nicht
gesehen. Wie überirdische Gestalten kamen mir diese weißen Reiter vor, und die blanken Schwerter und die in der Morgensonne blinkenden Helme umgaben sie mit einem wahren Himmelsschein, als seien sie eben vom Himmel gestiegen und aufgesessen. Aufgesessen auf diese langbeinigen Pferde, diese Prachttiere, die so herrlich gesattelt und gezäumt waren!
„Könnten wir uns doch hier einen aussuchenl" meinte die Ann.
„Ja", entschied ich mit Kennerblick auf die Gäule, „den Fuchs mit der schmalen Blesse!"
„Nein, nein", unterbrach mich hastig die Ann, „den Schwarzen mit dem Schnurrbart!"
„Ach", lachte ich, „ein Schwarzer ist ja gar nicht dabei. Und ein Gaul mit einem Schnurroart? — Ach, ad), Ann!"
Doch die Ann hatte ebensoviel Sachkenntnis wie ich: nur ging ihre Liebhaberei auf einen ganz anderen „Gegenstand" Ihr lag nur an einem „geliebten Gegenstand", wie es bei den Schwälrner Purschen und Mädchen heißt, wenn sie scherzhaft vom Schatz reden.
Die Schwester unseres Großknechtes Wilhelm kam aus dem Wirtshaus, ihrem väterlichen Haufe, und brachte eine Schürze voll Flaschenbier. Jeder Reiter nahm eine Flasche, setzte sie an den Mund und trank sie leer. Nun fragten die Kürassiere nach dem Weg nach Ziegenhain, und ein ganzes Rudel kleiner, lebendiger Wegweiser sprang ihnen schon voraus. Vor dem Dorfe setzten sie ihre Pferde in Trab, daß die Funken stoben. Aber wir dahinter her, daß der Staub aufwirbelte. Im Hui hatte ich meine Laatschen verloren. Also in bloßen Füßen mit! Den Soldaten schien unser Wettlauf mit ihnen große Freude zu machen. Sie fangen ein Reiterlied, die Pferde schnauften, die Pallasche klirrten, die Reiter lachten, und mir jappften wie die Jagdhunde.
Nun ließen sie die Pferde wieder in Schritt fallen. Dann machten sie einen Augenblick halt, und einer sprach: ,Hhr seid aber doch Hauptkerle! Könnt ja laufen wie Windhunde! Ihr werdet die Franzmänner schnell haben, wenn es mal losgeht!"
Dann trabten sie weiter.
Lange schauten wir ihnen nach, die Sehnsucht im jungen Herzen, auch einmal solche Kerle zu werden. Ja, wir wollten schon, wenn's losging, unseren Mann stehen! Das gelobten wir uns an jenem unvergeßlichen Tage.
Oer Dackel.
Von Gertrud Diehschts.
Der Bücherrevisor Krause ist außer sich, als er entdeckt, daß fein Rosenstämmchen im Garten wieder bis auf die Wurzel von der Erde aufgewühlt ist. Herrn Krauses Gedanken in bezug aus die bevorstehende Revision dieser Angelegenheit, zwecks Ermittlung des Missetäters gleichen Dynamitpatto- nen. Das Geheimnis muß auf der Stelle jetzt gesprengt werden.
Herr Krause hat Müllers Mariechen tn Verdacht. Die aufgerissenen Augen der Sechsjährigen, die durch den angrenzenden Gartenzaun nach ihm spähen, taxiert er auf Scheinheiligkeit, den Finger im Munde auf Verlegenheit, das plattgedrückte Naschen am Zaun auf Neugier und schlechtes Gewissen.
Jedem echten Erfolg geht Selbstüberwindung voraus. Herr Krause ist wie ein Schulbube über den Zaun gesprungen. Er hat Mariechen bei den Ohren. „Willst du das noch ein einziges Mal tun, du Strolch, was?" fragt er. Seine Augen funkeln böse hinter den Brillengläsern.
„Großpapa" .., schreit Mariechen empört, „Großvater, komm mal schnell, Herr Krause will mir hauen, weil ich's nicht gewesen bin".
„Wer ist es denn gewesen?" fragt Herr Krause streng.
„Na, der da"... schluchzte Mariechen und deutete auf Schlumps, ihren Dackel.
Der sitzt in der Mitte des breiten Gartenweges, die Stirn in Falten gezogen, die Ohren hängend, den Schwanz eingeklemmt, die Pupillen in Rich- tung nach Herrn Krause gedreht. Sein durchtrie- benes Dackelgesicht, die schmutzigen Pfoten, und die von der Bekanntschaft mit der Mutter Erde zeugende lehmige Schnauze sprechen für die Echtheit vieser Aussage.
„Hinterlistiges Luder"..., sagt Herr Krause und läßt das unschuldige Mariechen los. Herr Krause ist bereit, den Dackel „Schlumps" ein für alle Mal Revisionen in fremden Mauselöchern unter Rosen- sträuchern auszutreiben. Aber bis der Herr Bücher- reoisor die notwendigen Schritte dazu unternommen fyat, ist Müllers Dackel mit seiner jungen Herrin bereits in alle Winde gestoben.
Fünf Minuten später steht Herr Krause vor Großvater Müller, um dem alten Herrn feine Er-
ziehungspläne über Kinder und junge Hunde zu unterbreiten. Der Großvater Müller ist ein sympathischer, freundlicher Mann, mit schönen, menschlichen Eigenschaften. Er hat nur einen Fehler ... er hört schwer ..., und aus einer kleinen Eitelkeit heraus, gesteht er dies nicht gern ein. Sichtlich erfreut über des Nachbars Besuch, erhebt er sich aus seinem Lehnstuhl und bietet Herrn Krause einen bequemen Platz und eine gute Zigarre an. „Danke", fagt Herr Krause etwas beschämt, räuspert sich und rückt nahe an Herrn Müller heran.
„Mein lieber Herr Müller, ich komme wegen Ihres Dackel, und wegen Ihres Mariechen."--
„Wonach soll es riechen?"
Herr Müller lachte aus leuchtenden Blauaugen in Herrn Krauses Brillengläser.
„Mein Gott", sagte Herr Krause jetzt nervös. „Sie verstehen micht ganz falsch. Sie sollten mal etwas für Ihre Ohren tun".
„In die Ohren tun? Ich habe immer Watte drin, mein bester Herr Krause."
„Himmelbombenelement, Herr Müller! Deshalb verstehen Sie mich auch nicht! Jetzt passen Sie mal auf: wir wollen die einfache Kur gebrauchen und nehmen Ihnen die Watte heraus."
„Wie?" fragte Herr Müller, „Sie wollen eine Kur von mir wissen gegen Ratten im Haus? Ja bas ist ’ne böse Sadje. Ich habe diese Plagegeister auch mal gehabt. Das einfachste Mittel ist: Sie holen sich meinen Dackel „Schlumps" herüber. Der läfjt nicht eine einzige mehr aufkommen. Er bringt sie alle um."
Kalter Schweiß perlte auf Herr Krauses Stirn. Er hatte das Gefühl, daß jedes weitere Wort in dieser hoffnungslosen Angelegenheit eine Kraftoer. schwendung war. Herr Müller hatte sich erhoben, eilfettig und hilfsbereit. Er öffnete das Fenster, pfiff laut und rief dann mit schallender Stimme m den Hof hinunter:
„Mariechen---Herzenstind---such
schnell mal unseren Schlumps und trag ihn zu Krauses herüber — nein — nein — keine Widerrede ™ “ der Hund soll sofort hingeschaftt werden, oer- ftartben?
. "Auf Wiedersehen, Herr Müller", schrie Krause völlig verzweifelt, „ich verzichte ...!"
Müller (sehr liebenswürdig): „Danke, danke, gleichfalls Herr Nachbar. Sehr gern geschehen! Grüßen Sie bitte Ihre FamMe 1


