Die Kämpfe an -er Westfront
Eine Rückschau auf die bisherigen Ereignisse
lpK.-Sonderbericht von Hermann Leitz)
Kameradschaft ist stärker als der Tod
Am eigentlichen Westwall
sich
3n der Leuchte über dem Schraubstock sollt« eine »o-DattM Lampe verwendet werden. Verlangen Sie In den Slektrolicht.Fachgeschäfien immer die weltbekannten InnenmottiertrN
nun bitter rächen.
Oer französische Rückzug aus dem deutschen Vorfeld.
„Wir werden weiter marschieren."
Dollmast flaggen am 9. November.
Donnerstagabend spricht Rudolf Hetz.
Berlin. 7. Koo. (DKB.) Am Donnerstag, den 9. November, nicht, wie gestern irrtümlich ge- meldet, am 8. 11., abends 19.30 Uhr, spricht der Stellvertreter des Führers über alle deutschen Sender. Die Rede wird in die örtlichen Feierstunden der NSDAP. übertragen. Aus Anlaß des 9. November fordert der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda die Bevölkerung auf, ihre Wohnungen und Häuser mit den Fahnen des Reiches Vollmast zu beflaggen. Wit Rücksicht darauf, daß am 9. November dieses Jahres allgemeiner Arbeitstag ist, fällt auch der Unterricht in den Schulen an diesem Tage nicht aus. Der Bedeutung des Tages ist in den einzelnen Klassen in feierlicher Weise zu gedenken.
Nach der fünfzehnten Handgranate zogen es die vier Ueberlebenden vor, in die Gefangenschaft ab- ^marschieren. Wir haben sie uns nachher angesehen, junge brave französische Soldaten, die ihre Pflicht bis zum Aeußersten erfüllt hatten, Angehörige eines Jägerregiments zu Pferd. Sie wunderten sich über die Höflichkeit, mit der sie behandelt wurden. Einer fragte schließlich, ob sie denn nun nicht erschossen würden. Armer Poilu! Was mag man dir alles erzählt haben von der abgrundtiefen Grausamkeit der barbarischen Deutschen?
Es entspricht ganz der Art rechten deutschen Soldatentums: Zäh und verbissen in der Verteidigung, ungestüm und todesmutig im Angriff! Ja gerade im Angriff erhebt sich der deutsche Soldat zu fast unwirklicher Größe, der „furor teutonicus“ der Alt- vorderen beseelt ihn, wenn er sich endlich aus Gräben und Löchern erheben kann, und läßt jeden Feind erzittern. Das erlebte auch der Franzmann wieder, der gerade in dem hier in Frage stehenden Frontabschnitt, sozusagen mit deutscher Einwilligung, einen geringen Geländegewinn erzielen konnte, den er dann allerdings zu seinem persönlichen Pech maßlos aufbauschte und als großen französischen Sieg darstellte. So als sei der Einbruch in den Westwall bereits vollzogen und somit, dieses sagenhafte Bollwerk durchaus kein unüberwindliches Hindernis. Die wahnwitzigen Siegesberichte sollten
der Franzmann wiederum sein Glück versuchen könnte.
Kein militärischer Spaziergang mehr!
Zu Zeiten deutscher Schmach und Wehrlosigkeit, in denen man so ungehindert einen „militärischen Spaziergang" ins Ruhrgebiet oder gar nach Berlin ausführen könnte, sind freilich vorüber. Das war einmal und kommt nicht wieder! Das haben die Franzosen denn auch sehr rasch einsehen müssen, als sie zwischen Saarbrücken und Hornbach, sowie rechts von Saarbrücken, im Waldgebiet des Warndt, zum Angriff schritten. In diesen Abschnitten der Westfront, wo in der Folgezeit nun auch allein gekämpft worden ist, liegt die Bunkerlinie zum Teil weit hinter der Grenze. Das hat seinen guten Grund, auf den aber hier nicht näher eingegangen sei. Schon unsere schwachen Gefechtsvorposten leisteten im Verein mit den Pionieren, deren Sperren durch Minen und Verhaue bittere Nüsse für den Angreifer bedeuteten, einen derartigen hinhaltenden Widerstand, daß ihn der Gegner nicht zu brechen ver-
hand zum Abschied reicht, ernste Entschlossenheit auf seinen Menen. Links von uns, noch im Abschnitt der Kompanie, war der Feind hinter einem Walde durchgestoßen. Während wir einen Vorstoß von rechts erwarteten, eilte er zu seinem bedrohten ersten Zug. „Der kommt nicht wieder!" flüstert mir sein Feldwebel zu. Und so war es auch. Wochen später fanden ihn die Kameraden im Rübenfeld, wo sie ihn zuletzt im Kampfe mit einem übermächtigen Gegner gesehen hatten. Mitten ins Herz hatte ihn die^feindliche Kugel getroffen.
Das sind nur einige Beispiele aus dem Bereich unserer Armee; es gäbe ihrer noch viele zu vermelden.
Naturgemäß hatte unsere „unvergleichliche Infanterie" die Hauptlast des Kampfes im Vorfeld zu tragen. Aber sie stand nicht allein. Da sind vor allem die Pioniere, die sich an den Abwehrkämpfen hervorragend beteiligt haben; ja, dieses Vorfeld mit all seinen Hindernissen war nicht zuletzt ihr Werk und eigentliches Bereich. Dann waren aber auch vor allem die „Pak", die Panzerjäger oder Panzerabwehrkanonen auf ihrem Posten. Wo irgend ein feindlicher Panzerwagen sich zeigte, empfingen sie ihn mit wohlgezielten Schüssen, so daß den Panzern rasch die Lust zum Angriff verging. Und da war ja auch nicht zuletzt unsere Artillerie; sie stand naturgemäß weiter zurück, aber der Beobachter saß vorn und lenkte das Feuer seiner Batterie, auf daß feder Schuß sein Ziel fand. So wurden die Kämpfe im Vorfeld zu einer Art Generalprobe für das treffliche Zusammenspiel der verschiedenen Waffen.
NSG. Wie überall im Deutschen Reich so begeht auch der Gau Hessen-Nassau im Hinblick auf den Kriegszustand in diesem Jahr den 9. November in schlichtem Rahmen. Zum Gedenken an die im Kampf um ihr Vaterland gefallenen Nationalsozialisten finden am Abend in den Ortsgruppen der NSDAP, des Gaues kurze Feierstunden statt, in deren Mittelpunkt die Ehrung der toten Kämpfer Adolf Hitlers steht. An den Gräbern uni) Mordstellen der Kameraden, die im Ringen um ein neues Deutschland ihr Leben ließen, ziehen in der Frühe des 9. November wie alljährlich d i e Ehrenwachen der Kampfformationen auf. Im Laufe des Tages werden dann noch von den Hoheitsträgern und Formationsführern an den Grabstätten Kränze niedergelegt.
In der größten und stärksten Festungsanlage, die die Weltgeschichte kennt, in der eigentlichen deutschen Bunkerlinie, hat man von einem rechten Krieg insofern erst noch wenig gemerkt, als bis jetzt nur ein einziger Bunker beschossen worden ist Das Ergebnis war gleich Null. Die französische Artillerie hätte mit genau demselben Erfolg auch den Mond beschießen können. Wenn es infolgedessen in den Bunkern nun auch friedlicher zuging als im Vorfeld bei den Spähtrupps, so standen und stehen doch auch hier viele tausende tapferer deutscher Soldaten im angestrengten Dienst für ihr Vaterland. Und auch das soll die Heimat ruhig wissen: Es ist keineswegs so, daß hier einer dauernd und von Langeweile geplagt im Bunker läge, da gibt es Arbeit und Wachdienst in Hülle und Fülle. Im übrigen sorgt die Führung schon für einen ge- sunden Wechsel und für Ablösung in den Aufgaben innerhalb des Vorfeldes und der Bunkerlinie wie auch im Ruhequartier.
Erkundungen und Unternehmungen.
Zahlreiche Späh trupp Unternehmungen und gewaltsame Erkundungen, die vielfach mit großem Schneid und bewundernswerter Tapferkeit durchgeführt worden find, lieferten den Beweis dafür, daß der alte deutsche Angriffsgeist, wie er im Polenfeldzug wiederum die Welt in Bewunderung und Schrecken versetzte, auch bei den Truppen der deutschen Westfront lebendig ist. Greifen wir als Beispiel nur ein kleines Stoßtruppunternehmen, das von Männern aus Westfalen und Hessen-Nassau in der Gegend des Stiftswaldes bei Saarbrücken durchgeführt wurde, heraus: Eine planmäßige und sorgfältige Vorbereitung sicherte den vollen Erfolg des Unternehmens. Im Schutze der Dunkelheit wurde spät abends mit Floßsäcken die Saar überquert. Nicht das gerinAte Geräusch durste den Gegner vorzeitig aufmerksam machen. Die Trupps erreichten, vom Gegner unbemerkt, ihre Ausgangsund Sicherungsstellungen. Punkt 23 Uhr ging die unter das feindliche Drahthindernis gelegte geballte Ladung hoch. Durch diese Gasse stürzten die Stoßtrupps und überrannten das feindliche Graben- system. Einige sonst vom Feinde besetzte Häuser waren verlassen. In einem Hause spielte sich ein kurzer, heftiger Kampf ab, der mit der Erledigung der feindlichen Besatzung endete, während ein Gefangener eingebracht werden konnte. Inzwischen hatte sich ein anderer Trupp einen vollbesetzten französischen Unterstand vorgenommen.
Tapfere französische Soldaten.
Die Besatzung wehrte sich verzweifelt und wollte sich nicht ergeben, so daß Handgranate um Handgranate in den Unterstand geworfen werden mußte.
Äst nicht das Beispiel des heldenmütigen Leutnants Klapproch aus Ober-Ingelheim geradezu das Hohelied der Kameradschaft! Dieser junge Offizier warf sich, als er mit feinem Spähtrupp von feindlichen Panzerwagen überrascht wurde, in unvergleichlichem Heldenmut gleichsam als Kugelfang den schwergepanzerten Kriegswagen entgegen, warf feine Handgranaten und verschoß seine letzte Patrone, um durch das selbstlose Opfer seines jungen Lebens den Rückzug der Kameraden zu ermöglichen.
Und wahrlich, war es Furcht oder Respekt vor solchem Heldentum, der feindliche Vormarsch fand an dieser Stelle ein Ende. Fünf Meter von dem toten deutschen Leutnant entfernt, richteten sich die französischen Gefechtsvorposten ein. Ein Schandfleck auf französischer Soldatenehre wird es aber immer bleiben, daß Soldaten der „Grande Nation" es nicht einmal für nötig hielten, dem Gefallenen ein würdiges Grab zu bereiten. Fünf Meter vor ihrer Stellung ließen sie unsere Toten liegen, um sie schließlich mit einigen Schaufeln Erde kümmerlich zuzudecken. Der Vorfall ist um so empörender, als bekanntermaßen jeder gefallene französische Soldat von deutscher Seite mit allen militärischen Ehren beigesetzt wird. Ich kenne genügend Fälle, wo tote Franzosen von unseren Kameraden, sogar unter größter Gefahr des eigenen Lebens aus dem Niemandsland geborgen und mit soldatischen Ehren bestattet wurden.
Wenige Kilometer davon entfernt erfüllte sich auch das Schicksal eines anderen deutschen Offiziers, des Oberleutnants Kopzinski, Kompanieführer der zweiten Kompanie eines westfälischen Infanterie-Regimentes. Nach sehe ich ihn vor mir, wie er mir die
Vermutlich hat das Zusammenwirken verschiedener Umstände den Franzosen Veranlassung gegeben, ihre Gefechtsvorposten aus dem deutschen Vorfeld etwas unfreiwillig und mit erheblichen Verlusten zurückzunehmen. Auch für sie war es gewiß kein reines Vergnügen, in den notdürftig ausgebauten Stellungen und Erdlöchern Hausen zu müssen. Um so weniger, als es nun Tag um Tag zu regnen begann. Da ersoffen alle Unterstände, und in den Gräben stand das Wasser knietief und höher. Dazu wurde es unwirtlich kalt, und alle Bäche verwandelten sich in reißende Flüsse. Sie überschwemmten die Täler und schnitten teilweise den französischen Gefechtsvorposten die Rückzugs- und Versorgungslinien ab. Aber auch aus anderen Gründen war der Aufenthalt im deutschen Vorfeld gegenüber einem so aufmerksamen Gegner für den Poilu durchaus ungemütlich. Dafür hatten schon die Pioniere mit ihren Minen gesorgt. So ist es also möglich, daß die Anregung, aus diesem ungastlichen Gelände bald scheiden zu können, zuerst von der Truppe selbst ausgegangen ist.
Allerdings, mit der planmäßigen Räumung
Westwall — unbezwingbar!
Immer wieder steht im In- und Ausland der Westwall im Brennpunkt der militärisch-polittscken Diskussion. Immer mehr trifft man auch in der ausländischen Presse auf sachliche Darstellungen über den Westwall. Anderseits versuchen die Kriegshetzer in England, ihren Soldaten und auch dem deutschen Volke zu erzählen, daß der Westwall gar nicht so stark wäre und überhaupt erhebliche Lücken aufweifen würde. So übernimmt es zur rechten Zeit der „Aufklärungsdienst zur Reichsver- teidiguna", eine sachliche, mit bestem, authentischen Material unterstützte Darstellung vom unüberwindlichen Westwall zu geben. „Westwall — unbezwingbar", das ist der Titel des von R^TH. Kühne verfaßten Heftes, das in der wehrpolitischen Schriftenreihe des „Aufklärungsdienftes zur Reichsverteidigung" erschien. Wenn man diesen klaren und interessanten, mit neuem Bildmaterial unterstützten Bericht lieft, so wird man von der Unbezwingbarkeit des Westwalles überzeugt fein. — Das Heft ist für 10 Rpf. überall erhältlich.
mochte. Das soll auf gar keinen Fall eine Herabsetzung der soldatischen Leistung des Gegners bedeuten. Wir kennen auch Beispiele heroischen Verhaltens französischer Soldaten zur Genüge. Aber es zeigte sich rasch, daß der französische Soldat nicht weiß, wofür er kämpfen muß. „Tout pour la France, mais rien pour Chamberlain!" „Alles für Frankreich", so rief erbittert ein französischer Gefangener aus, „aber nichts für Chamberlain!"
Deutsches Heldentum im Vorfeld.
„Im Felde, da ist der Mann noch was wert, da wird das Herz noch gewogen!"
Wahrlich im Vorfeld der Bunkerlinie hat sich das Dichterwort wieder einmal herrlich erfüllt. Hier bewährten sich die höchsten Mannestugenden: Mut und Tapferkeit vor dem Feind! Die Kameradschaft, dieses tieffte Erleben der Gemeinschaft, hier im weit' und breiten Vorfeld hat sie wiederum, wie in den Schützengräben des Weltkrieges, ihre herrlichsten Blüten gezeitigt.
Während deutsche Truppen ihre siegreichen Standarten und Fahnen durch Polen trugen, während sie in einem Feldzug ohnegleichen in wenigen Wochen einen Staat und eine Wehrmacht auslöschten, die kurz zuvor sich noch frech gebrüstet hatten, das deutsche Heer und Volk bei Berlin vernichtend zu schlagen, hielten im Westen Hunderttausende deutscher Männer die Wacht am Rhein und an der Saar. Viele von ihnen wären lieber im Osten mit dabei gewesen, wo deutsche Regimenter im Angesicht des Führers unvergänglichen Lorbeer an ihre Fahnen heften durften. Aber das Schicksal hatte ihnen eine andere Aufgabe — und wahrscheinlick kerne geringe — zugewiesen, nämlich den Rücken der im Osten kämpfenden Armee gegen den Ansturm der Kriegsmaschinerie der beiden Westmächte zu decken, mit ihren Leibern die Heimat zu schützen und so die Voraussetzung zum schnellen Sieg im Osten zu schaffen.
Der Westwall, den der Führer in weiser Voraussicht in der richtigen Einschätzung unserer neiderfüllten Gegner hatte bauen lassen, war ihnen Rückhalt und Bollwerk. Aber selbst die stärkste Feste wird schließlich eine sichere Beute des Feindes, wenn die Verteidiger keine Helden, sondern schlechte Soldaten sind. Die Geschichte der Vorfeldkämpfe im Westen, von Beginn der Kampfhandluntzen bis heute, ist Beweis genug für den unbesiegbaren soldatischen Geist, der die deutsche Armee des Jahres 1939 beseelt. Ja, es sind geradezu unsterbliche Beispiele wahrhaft heldenmütiger Einsatz- und Opferbereitschaft bekannt geworden. So sind deutsche Soldaten in selbstverständlicher Pflichterfüllung in den sicheren Tod geschritten, sich um der Kameraden willen bewußt aufopfernd und bis zur letzten Kugel verteidigend. Nur mit scheuer und ehrfürchtiger Bewunderung mag die Heimat vor so viel Heldentum stehen.
Oie Lage zu Beginn des Krieges.
Trotz der erfolgten Kriegserklärung Englands und Frankreichs standen sich die Heere an der deutsch- französischen Grenze zunächst völlig kampflos gegenüber. „Wird der Ausbruch der Feindseligkeiten auf diesem Kriegsschauplatz verhindert werden können?" Das war die Frage, die viele Gemüter bewegte. Wer wird den ersten Schuß abgeben? Der Führer hat es oft genug betont: wir wollen nichts von Frankreich! Wir wollen in Frieden und Freundschaft mit unserem westlichen Nachbarn leben. Dementsprechend verhielten sich auch die deutschen Grenzwachen, die in den kritischen Tagen z. T. weit vor dem Westwall ihre Vorpostenstellungen bezogen hatten. Der Aufmarsch der Franzosen innerhalb und vor der Maginot- iinie wurde von uns in keiner Weise gestört. Aber bald sollte sich zeigen, daß Frankreich im Auftrage Englands diesen Krieg doch zu führen gewillt ist. Poilus und französische Söldner aus Nordafrika überschritten in dem Gebietsstreifen zwischen Saar- brücken und Hornbach die Grenze. Am Grenzstein 18 im Stiftswald vor St. Arnual (Saarbrücken) fiel auf diesem Kriegsschauplatz der erste deutsche Soldat für sein bedrohtes Vaterland, Gefreiter Becker aus Heiligenstadt, ein Meldegänger, den die tödliche Kugel an der Seite feines Leutnants traf.
Marokkanische Truppen, die sogar oft von französischen Offizieren mit der Pistole vorgetrieben werden muhten, griffen den schwachen Grenzposten an. Gefreiter Beck überbrachte seinem etwa 180 Meter von der Grenze entfernt beim Zollhaus liegenden Zugführer die Meldung. In diesem Augenblick traf ihn die feindliche Kugel in die Schläfe, und er sank mit einem leisen Seufzer zu den Füßen seines Leutnants hin. Kein Wörtlein rang sich mehr über die zusammengepreßten Lippen des jungen Thüringers, der so in der frühen Morgenstunde eines leuchtenden Spätsommertages den Soldatentod fand.
So starb im Westen der erste Deutsche den Heldentod. Die Kameraden trugen ihn zurück, und der Kompanieführer drückte am Grabe aus, was alle bewegte: „Der Gefreite Beck, der erste Tote aus unserer verschworenen Gemeinschaft einer Kompanie deutscher Soldaten, war uns allen ein guter und treuer Kamerad. Als erster hat er nun für dieses schöne, deutsche Land sein Herzblut hinge- geben. Wieviele von uns auch noch folgen mögen, das Beispiel des Kameraden mahnt uns, ebenso selbstverständlich und treu, jederzeit zum letzten Opfer bereit zu fein."
Die Sonne sank, und ihre letzten Strahlen überfluteten die in spätsommerlicher- Reife liegenden Felder und Gärten des historischen Schlachtfeldes von Spichern aus dem Jahre 1870, als die Ehrensalve über das Grab des ersten deutschen Gefallenen des westlichen Kriegsschauplatzes drängte.
Am Einfallstor zum Reich.
Auch dem Laien zeigt schon der Blick auf die Karte, daß die Franzosen zu ihrem „Marsch nach Berlin" wohl die vordem geschützte Flanke durch die Saarpfalz und über die Kaiserslautener Senke wählen würden. Es ist das historische Einfallstor zum Reick, wie es von vielen französischen Feldherrn im Laufe der Jahrhunderte benutzt worden ist. Mit der Besetzung des alemannischen Elsaß hat das Streben der Franzosen zum Rhein ohnedies im südlichen Teil der Westfront einen endgültigen Abschluß gefunden, wobei es nur bedauerlich bleibt, daß die Franzosen die Größe dieses im Interesse des Weltfriedens gebrachten deutschen Opfers überhaupt nicht zu würdigen scheinen. Ist so ein Angriff gegen den Westwall in der Rheinebene mit ferner rückwärtigen, natürlichen Festung, dem Schwarzwald, heute geradezu eine Unmöglichkeit, so bleibt nur das Gebiet zwischen Luxemburg und Rhein, wo
wurde es nichts. Denn kaum hatten deutsche Flieger und Spähtrupps eine gewisse Bewegung beim Gegner bemerkt, da stieß unsere Infanterie schon nach. Wochenlang hatten sie nun hier im Dreck gelegen, hatten an Strapazen geduldig auf sich genommen, soviel nur ein Mensch zu tragen vermag. Bis auf die Haut durchnäßt und völlig verdreckt waren sie, durchftoren, flamm und steif die Finger. Nun sollte Bewegung in diese Erstarrung kommen. Wie freuten sie sich darauf, sich endlich einmal aus ihren Gräben und Löchern erheben und dem Feinde nach- stoßen zu können! Der Gegner wurde von den Ereignissen völlig überrascht. Teilweise hatten die französischen Gefechtsvorposten überhaupt keine Kenntnis von einer beabsichtigten Räumung ihrer Stellungen erhalten. Einige wollten gehört haben, daß die für sie bestimmte Ablösung sich geweigert habe, nach vorn in den „Schlamassel" zu gehen. So hätten sie eben noch länger aushalten müssen.
Unsere schneidige Infanterie.
Wie dem auch fei, der deutsche Angriff ließ dem Gegner nirgends Zeit zu einer ordnungsmäßigen Räumung. Mit welchem Schneid unsere Infanterie vorging, ergibt sich aus dem Beispiel der Kom. panie Lesekamp, eines hessischen Infanterie-Regiments. Der Befehl, mit einem Spähtrupp etwa ihr et Kilometer vorzustoßen, wurde so rasch ausgeführt, daß die Dollzugsmeldung — ihrer Schnellig- feit wegen — beim Bataillon zunächst ein ungläubiges Kopfschütteln auslöste. Die Kompanie folgte sofort -dem Vorgehen ihres Spähtrupps und bestand hierbei, wie auch am nächsten Tage, heftig« Kämpfe mit den Franzosen. Sie machte nicht weniger als 51 Gefangene.
Ebenso ungestüm, wenn auch nicht gleichermaßen erfolgreich, war auch das Vorgehen der anderen Kompanien dieses Bataillons. Sie haben sich ausnahmslos glänzend geschlagen; einzelne Offiziere und Mannschaften jedoch vollbrachten geradezu Wunder 'der Tapferkeit.
Ein tragischer Kampf.
Bei der Uebenvältigung eines größeren Trupps Franzosen fiel unter anderem der tapfere Unteroffizier Korndörfer aus Höchst im Odenwald. Die Feinde hielten auf den Anruf des feinen Kameraden weit voranstürmenden Unteroffiziers schon die Hände hochgereckt, da warf im letzten Augenblick einer aus ihrer Mitte eine Handgranate. Unteroffizier Korndörfer lag in seinem Blute. Nun bat der besiegte Gegner um sein Leben. Die Männer, die eben noch in grimmiger Feindschaft den fron- zösischen Soldaten gegenüberstanden, waren jetzt ihre guten Kameraden, die dann alles Hingaben, um den besiegten Franzmännern helfen zu können. In solcheit Stunden beweist sich am besten die Größe eines rechten deutschen Soldatentums.
(Schluß folgt.)
MR.EN


