Ausgabe 
8.11.1939
 
Einzelbild herunterladen

Mittwoch, 8. November |YZ9

Nr. 262 Erstes Blatt

189. Jahrgang

un­

wenigsten geneigt seien, sich in,Ansicht, der Krieg habe keinen ideologischen anderer Volker einzumischen. lUr sp run g, sondern sollte England nur gestatten,

die Welt wie schon in den beiden letzten Jahr« Hunderten weiterhin zu beherrschen.

aus- wer-

Wir können es nur als Zeichen eines herunter­gekommenen Hochmutes werten, wenn Halifax die Vorsehung als Zeugin dafür anrief, daß England die Macht habe,auch die Torheit zu beweisen, mit der die deutsche Regierung ihrer eigenen Vernich­tung entgegengeht". Mit billigem Großmut sprach Halifax vonRevisionen in einer fortschreltenden, sich ändernden Welt" und zeichnete in nebelhaften Umrissen eineneue Welt" englischen Musters ab, die auf alle Völker eine besondereAnziehungs­kraft" ausüben dürfte, die unter Versailles und seinen Folgen 20 Jahre lang zu leiden hatten.

land mehr und mehr, unter Wahrung seiner Neu­tralität, Frontstellung gegen London bezieht, und daß das Bemühen Deutschlands, den Krieg keinen weiteren Umfang annehmen zu lassen, die Friedensbemühungen Italiens und die stabili­sierende Haltung Moskaus, vielleicht die einzigen Möglichkeiten bietet, die neutrale Welt vor dem Chaos zu bewahren.

Göring und Ribbentrop beim Empfang in der russischen Botschaft.

Berlin, 7.Nov. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring und der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop nahmen am Dienstagnach­mittag an dem aus Anlaß des Jahrestages der Gründung der Union der Sozialistischen Sowjet­republiken stattfindenden ersten Empfang des neuernannten russischen Botschafters S ch k w a r -

Berlin, 7. November. (DNB.) In einer Rund­funkansprache stellte Lord Halifax wieder einmal das abgefeimte Spiel eines vor der Bühne der Weltöffentlichkeit von Menschenliebe überfließenden und vor den Prinzipien der Demokratie sich mehr als einmal verbeugenden, aber in Wirklichkeit auf Raubzug ausgehenden politischen Intrigantentums

die Engländer am a . . .

die Angelegenheiten anderer Völker einzumischen.

Buenos Aires, 7. Nov. (Europapreß). Die ZeitungPrensa" veröffentlicht ein Interview mit dem spanischen General Queipo de Llano. Dieser erklärte, der Sieg Deutschlands sei unab­hängig von der Dauer des Krieges gesichert. Das Deutsche Reich sei sowohl auf wirtschaftlichem als auch auf militärischem Gebiet gegen alle Mög­lichkeiten gerüstet. Die deutsche Luftwaffe sei wenigstens doppelt so stark wie jene der Alliierten. Frankreich und England würden das bald zu spüren bekommen. Deutschland sei ebenfo hinreichend mit Brennstoff versehen, verfüge auf Grund des Abkommens mit Rußland bejonders hinsichtlich seiner Versorgung mit Rohstoffen über große Möglichkeiten. Queipo de Llano vertrat die

den drei baltischen Staaten bezeichnet der Kriegskommissar als dauerhafte Basis des Friedens im östlichen Teil der Ostsee und in Osteuropa. Der Freundschaftsvertrag mit Deutsch­land wird ferner als unübertreffliches Instrument gerühmt, das den Interessen der beiden größten Staaten Europas diene. Er sei auf der dauerhaften Grundlage der gemeinsamen Interessen der Sow­jetunion und Deutschlands aufgebaut, darin bestehe seine gewaltige Kraft.Dieser Vertrag ist ein Wendepunkt nicht nur in den Beziehungen zwischen den beiden Großstaaten, sondern er müßte sich auch aufs allerwesenllichste auf die ganze inter­nationale Lage auswirken."

Eine neue starke Verurteilung findet die Kriegs- Politik der W e st m ä ch t e.Der europäische Krieg, dessen Anstifter und hartnäckige Fortsetzer England und Frankreich sind, hat sich, so heißt es in dem Heeresbefehl weiter, noch nicht zu einer verheerenden Feuersbrunst entfacht. Jedoch tun die englischen und französischen Aggres­soren, die den Frieden nicht wollen, alles dazu, um den Kriegsbrand zu verstärken und ihn auch auf andere Länder auszudehnen." Die Sowjetregie­rung dagegen wirke auf alle Weise mit an der Wiederher st ellung des Friedens, den die Völker aller Länder wünschen.

Deutschlands Sieg gesichert."

General Oueipo de Llano überdiegroßenMöglichkeitenDeutschlands.

Schiedsrichter unter den Nationen."

Anmaßende und heuchlerische Rundfunk-Ansprache von Lord Halifax.

Genf, 7. Nov. (Europapreß.) Die Rede Molo­tows hat in den neutralen Kreisen sensationelles Aufsehen erregt. In Bern wurde.sie mit Inter­esse zur Kenntnis genommen. In den Kreisen der Genfer Liga ist man der Ansicht, daß sie eine weitere Verschärfung der antieng­lischen Haltung Moskaus, die sich schon j z e w teil.

bestreitbaren Tatsache rechnen.

Großes Aussehen in neutralen Kreisen

Die Sowjetunion bereitet sich aus alle üeberraschungen vor Ansprache und Heeresbefehl Woroschilows.

bei der letzten Molotow-Rede gezeigt habe, drücke. Als eindeutige Spitze gegen England den hier die Worte Molotows gedeutet, die von den Bemühungen der kapitalistischen Welt sprechen, die Zahl der kriegführenden Staaten zu erhöhen und die neutralen Länder in den Krieg zu zerren. Der Eindruck der Rede Molotows ist der, daß Ruß-

Innere Krisen trieben die Westdemokraiien in das Kriegsabenieuer.

Molotow stellt die Verantwortung der Kriegshetzer klar. - Große Rede des russischen Außenkommiffars am Jahrestag der russischen Oktober-Revolution in Moskau

zu Schau.

Mit einem in seiner abgrundtiefen Heuchelei nur allzu durchsichtigen Enüastungsmanöver begründe^ er den Krieg gegen das Reich mit den allmählich einschläfernd wirkenden Propagandaphrasen von derbrutalen Gewalt, dem Wortbruch, der Be­drückung, der Verfolgung", die er Deutschland 3ur Last legte, und der Verteidigung der Freiheit, der Sicherheit und des Rechtes, für die England zu den Waffen gegriffen habe.

Er sprach im Tonfall des europäischen Polizisten, als er England alsSchiedsrichter unter den Natio­nen" bezeichnete, das gegen die Verletzung geheilig­ter Verträge und gegen die Mißachtung des gege­benen Wortes kämpfe. *; e .. f

Der edle Lord, dem aus seiner Amtstätigkeit als Dizekönig in Indien die grausame britische Bruta­lität und die Blutspuren nicht unbekannt sein durs­ten mit denen die Geschichte des Empire befleckt ist ' faselte von elementaren Menschenrechten und der Toleranz in den Beziehungen von Mensch zu Mensch. Es machte dem britischen Außenminister keine moralischen Schwierigkeiten, mit einer skrupel­losen Heuchelei von dergrausamen Verfolgung von Ideen und Personen durch die ruchlosen Führer in Deutschland" zu sprechen, und im gleichen Atemzug mit der Miene des Biedermannes festzustellen, daß

Moskau, 7.Nov. (DNB.) Gestern abend fand - im Großen Moskauer Opernhaus der Staatsakt ( statt, der die alljährlichen Feiern zum Jahrestag der Oktober-Revolution einleitet. An der Versamm- ( lung nahmen auf den Plätzen des Ehrenpräsidiums t die führenden sowjetrussischen Staatsmänner, an t ihrer Spitze Stalin, Molotow und Woroschilow teil, i Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare i Molotow hielt die Festrede. Die Rede war vor­nehmlich allgemeinpolitischen und innersowjetischen Fragen gewidmet.

Rach einem Hinweis auf die Wirtschaftskrisen, - die auch die größten kapitalistischen Staaten ' England, Frankreich und USA. erfaßt haben, stellte Molotow fest, daß die reichsten und von errafften Reichtümern fett gewordenen Länder in ihren inneren Kräften keinen Ausweg aus der Lage mehr fänden und daß diese Tatsache als Grundursache dafür an­zusehen sei, daß diese Mächte nunmehr neue Abenteuer suchten. Darin liege auch die wahre Wurzel der gegenwärtigen Krise.

Während gewisse Pläne, Sowjetrußland in den Krieg einzubeziehen, mißlungen seien, versuchten England und Frankreich, nicht nur ihre Bevölke­rung, sondern auch die Bevölkerung ihrer Dominien und Kolonien immer stärker in den Krieg hinein­zuziehen. Sie kämpften angespannt, um die Anzahl ihrer Verbündeten zu vergrößern und um neutrale Länder auf ihre Seite zu ziehen.

Molotow wies insbesonders auf die ernsten Fra­gen hin, die der gegenseitige Beistandspakt Eng- lands und Frankreichs mit der Türkei aus- gerollt habe. Die Zahl der neutralen Länder in Europa würde immer mehr abnehmen, wenn es den herrschenden Kreisen Englands und Frank­reichs gelingen sollte, den Krieg zu verlängern und zu schüren, um ihn zur Stärkung ihrer Weltherr­schaft und zur Behauptung ihrer zahlreichen Kolo­nien auszunutzen.

Für andere Staaten, so meinte Molotow, sei die Neutralität nur eine Maske, hinter der sie ihre wahre, auf die Ausdehnung des Krieges gerichteten Absichten verberge, von dem sie h o h e P r o f i t e auf Kosten der krieg, führenden Völker erhofften. Die imperialisti­schen Westmächte hätten ihre Berechnungen hauptsächlich auf einen neuen Raub und auf eine neue Aufteilung der Welt zu ihren Gunsten sowie auf die Zertrümme­rung und Ausschaltung ihrer Konkurrenten und jeglicher Ansprüche auf ihre Kolonien und ihre Kolonialreichtümer gestützt.

Dank der konsequenten Durchführung ihrer Friedenspolitik genieße die Sowjetunion nach wie vor die Wohltaten des Friedens und könne so alle Zweige des wirtschaftlichen und kulturellen Aufbaues entfalten. Molotow streifte dann kurz den Bankrott des polnischen Staates, der ungeachtet der Garantien der Westmächte a u s e i n a n d e r g e f a l l e n sei und schon bei der ersten Prüfung seine Schwäche, Un­beständigkeit und Haltlosigkeit bewiesen habe. Die garantierenden Großmächte hätten so nicht nur ihre eigene Schwäche unter Beweis gestellt, sondern sie hätten auch gezeigt, daß es mit ihrer Politik m mancher Hinsicht offensichtlich nicht zum besten be­stellt sei. Die Sowjetunion habe inzwischen dre stammesverwandte Bevölkern n g der W e st Ukraine und des westlichen Weiß­rußlands mit ihrem Staate vereinigt und ihre Bevölkerung damit von 170 auf 183 Millionen vermehrt.

Molotow kam dann noch einmal auf die Gründe zurück, deretwegen die Westmächte zum Kriege geschritten seien. Die Leiter dieser Staa­ten und ihre Nachbeter aus den Gruppen Blums und Altlees suchten die Verbesserung ihrer Lage in einem neuen imperia- listischen Krieg. Für das Verbrechen des gegenwärtigen Krieges trügen sie die Verant­wortung, jene Verantwortung insbesondere, daß der jetzige Krieg in die Länge gezogen und unter der verbrecherischen Behauptung geschürt würde, daß dieser Krieg um der Verteidigung der Demokratie willen geführt werde.

Alledem entgegen stehe die Sowjetunion mit ihrem Friedenswillen und ihrem heißen Streben, eine schnelle Beendigung des Krieges herbeizuführen. Auf wirtschaftlichem Ge­biete führte Molotow einige eindrucksvolle Zif­fern über die Entwicklung der sowjetischen Produk­tion im Laufe der letzten Jahre an. Die gesamte Industrie der Sowjetunion habe gegenüber dem Vorjahr eine Mehrerzeugung von 14,4 v. H. zu verzeichnen, die Schwerindustrie allem 15 v. H., die Maschinenbauinduftrie um 25 v. H., die Rüstungs­industrie sogar um 45 v. H. Für die Landwirt­schaft gab Molotow bekannt, daß die diesjährige Getreideernte 6,5 Milliarden Pud, das find 106 Millionen Tonnen, betrage, während die Erzeugung der speziellen landwirtschaftlichen Kulturen sich

M o s k a u, 7. Nov. (DNB.) Zum 22. Jahrestage der Oktoberrevolution fand in Anwesenheit von Stalin, Molotow, Kaganowitsch, Mikojan usw. die übliche große Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau statt. Die Parade, die der Kriegs­kommissar Woroschilow abnahm, wurde ange­führt von dem Oberbefehlshaber des Moskauer Mi­litärbezirks, Marschall Budjonny. Zu Beginn der Parade hielt Kriegskommissar Woroschilow eine kurze Ansprache, worin er bemerkte, daß die Außen­politik der Sowjetregierung das Land bisher vom Kriege bewahrt habe. Insbesondere hätten die mit Deutschland geschlosse­nen Verträgeeinige Herrschaften des Ver­gnügens beraubt, die Kastanien durch andere aus dem Feuer holen zu lassen." Die auswärtige Poli­tik der Sowjetunion werde, so schloß der Kriegs­kommissar, um so erfolgreicher sein, je mächtiger der Sowjetstaat und die sowjetrussische Armee und Flotte sich entfalte. Die Sowjetunion nehme nicht am gegenwärtigen Kriege teil, sie verfolge aber mit der größten Wachsamkeit die Ereignisse und be­reite sich auf alle Überraschungen vor. _

In einem Heeresbefehl des Kriegskommst- sars wird ebenfalls die Außenpolitik der Sowjet­regierung berührt. Die Beistandspakte mit

gleichfalls im Verhältnis vom Vorjahr erheblich gesteigert habe.

Molotow schloß mit der Feststellung, daß die Sowjetunion für die Feinde noch furchtgebie­tender, ihren aufrichtigen Freunden aber noch teurer geworden sei. Man könne nicht wissen, welchen außenpolitischen Prüfungen Sowjetrußland noch begegnen werde; eines aber sei gewiß, daß die Verteidigungskräfte der Sowjetunion nicht ge- chwächt sondern noch mehr und noch beharr­licher verstärkt werden würden. Der mächtige Quell der inneren Kräfte der Sowjetunion sei un- versiegb-ar, und die Feinde Sowjetrußlands müßten mit jedem Jahr immer ernsthafter mit dieser

Die englische Kriegspropaganda versagt.

Feststellung

eines norwegischen Korrespqndenten.

Oslo, 8. Nov. (Europapreß.) Der Londoner Korrespondent der Osloer ZeitungDagbladet" be­handelt die englische Kriegspropaganda und kommt zu dem Schluß, daß die Zeiten s i ch s e i t 19 1 4 gewaltig verändert haben.Die Engländer schreiben ihrer Propaganda von 1914 bis 1918 einen wesentlichen Anteil am damaligen Sieg der Westmächte zu", heißt es in dem Bericht.Heute aber scheint hie deutsche Propaganda der englischen völlig überlegen zu sein. In den letzten 200 Jahren ist keine englische Institution Gegenstand einer solch einstimmigen und vernich­tenden Kritik gewesen wie das britische In« formationsministerium, das eigens für die Kriegspropaganda geschaffen wurde.

In mehreren hundert Artikeln ist dieses Ministe­rium auf das heftigste angegriffen wor­den, aber nichts hilft. Letztens wurde das Personal von 999 auf 470 Personen vermindert und dafür eine Reihe sehr tüchtiger Spezialisten eingestellt, die aus Leibeskräften arbeiten. Aber die ganze Institution st eckt so tief im bürokratischen Sumpf, daß kaum noch etwas zu reiften ist. Nächtelang müssen die Journalisten auf die Kriegs- kommuniquös warten und wenn endlich etwas kommt, ist es schmälste K o st. Man wird Hun- gerkünftler, ob man will ober nicht.Sie müssen eben zwischen den Zeilen lefen",. antwortete ein Offizier einem Journalisten, der sich beklagte. Aber dieser erwiderte:Wie macht man denn das, wenn euer ganzes Kommunique aus einer einzigen Zeile besteht?"

Gandhi verlangt sofortige Wahl der KonstitnierendenVersammlnngIndiens

Amsterdam, 7. Nov. (DNB.) Nach einer Mel­dung des Londoner Rundfunks soll Gandhi die so­fortige Wahl der Konstituierenden Versammlung Indiens verlangt haben. Pandit Nehm erklärte, der Zusammenbruch der Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und den indischen Nationa­listen sei auf die grundsätzlichen Gegen­sätze zwischen der britischen Regie­rung und der Kongreßpartei und nicht, wie dies in einer englischen amtlichen Darstellung behauptet werde, zwischen der Kongreßpartei und der Moslem-Liga zurückzuführen.

Oie ungarisch-rumänischen Beziehungen.

Bukarest, 6. Nov. (Europapreß.) Auf einem Bankett in Arad aus Anlaß der Einweihung der neuen orthodoxen Kathedrale hielt der Minder- heitenminister Dragomir Silviu eine Ansprache. Der Minister betonte den Willen Rumäniens zur unbedingten Aufrechterhaltung seiner Integrität und befaßte sich dann mit den ungarisch-rumänischen Beziehungen. Dragomir Silviu hob hervor, daß die beiden Völker immer ein gemeinsames Schicksal gehabt hätten und betonte schließlich, zwischen der ungarischen und der rumänischen Nation müsse eine Annäherung Zustandekommen. Rumä- nien wolle diese Annäherung in erster Linie mit der ungarischen Minderheit in Rumä- nien vorbereiten.

Annahme von Anzeige» tor die Mittagsnummer bis 8* /.Uhr des V ormittag» Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von 70mm Breit« 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25°/e mehr.

ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei. gen, Bäder-, Unterrichts- tu behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabfchlüsie Staffel B

Erscheint lüg ltch, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle

Monalr-Vezugrpretr:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zemsprechanschlüffe

unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Gietzeo

Postscheckkonto:

Zranifurt am Main 11686

Lektion für Kriegshetzer.

Der Pariser Vertreter einer italienischen Zeitung hat dieser Tage berichtet, wie gerade die gegenwär­tige Lage in Frankreich einen guten Nährboden für Mißstimmungen verschiedenster Art abgebe. Mehr als einmal könne man das Stoßgebet hören: Wir kämpfen für die Londoner Ban­kiers." Mit ähnlichen Worten hat Molotow dieselbe Feststellung getroffen, als er in feiner Rede anläßlich der russischen Revolutionsfeierlichkeiten sagte, daß sich in den kriegführenden Ländern des Westens die Unzufriedenheit der ausgebeuteten und unterdrückten Masten natürlich anhäufe und daß dort unabwendbare neue Ausbrüche des Dolkszornes gegen die kapitalistische Herrschaft heranreiften. Den demokratischen Westmächten wird hier also von zwei verschiedenen Seiten noch einmal bescheinigt, w i e schlecht ihreAussichten auchvom inner­politischen Standpunkt aus sind. Daß wir Deutsche in dieser Hinsicht die gleiche Auffassung haben wie unsere Freunde im Süden und Osten, braucht nicht erst betont zu werden. Es liegt uns fern, das nationale Pflichtgefühl des englischen und französischen Soldaten zu unterschätzen, aber mir, wissen anderseits, daß sich der einfache Mann in England und Frankreich immer häufiger die Frage vorlegt, ob es diesmal überhaupt um eine natio­nale Pflichterfüllung geht oder nicht viel- mehr darum, das nationale Pflichtbewußtsein für die Zwecke internationaler Geschäftemacher miß­brauchen zu lassen.

Die aufdämmernde Erkenntnis der westlichen Völker ist vielleicht der wundeste Punkt in der demokratisch-imperialistischen Kriegführung, und der Leiter der sowjetrussischen Regierungspolitik hat nicht gezögert, den Finger gerade in diese Wunde zu legen. Der Jahrestag der Oktober-Revolution bietet an sich den Moskauer Staatsmännern mehr Anlaß, sich mit den inneren Problemen des Sow-

Gieheim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

OruÄ und Verlag: vrShlsche UniversilSisdruckerei «.Lange in Sieben. Schristlettung und SeschSftrftelle: Lchulstratze 7