wird die Herstellung und Weiterverarbeitung von' Mischfetten, Mischungen von Rinderfetten untereinander und Mischungen von Rinderfetten mit anderen tierischen Fetten, einschließlich Knochen fetten, mit sofortiger Wirkung verboten. Alle bisher erteilten Genehmigungen treten außer Kraft. Soweit noch Bestände vorhanden sind, dürfen nur noch die Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung der deutschen Süßwarenindustrie in der Höhe ihrer Anforderungen beliefert werden. Andere gewerbliche Betriebe nur bis zur Höhe der Mengen, für die sie Bezugsscheine besitzen. Die Lagerbestände an solchen Waren, aus denen Mischfette hergestellt werden, dürfen nicht ausgeliefert werden.
Deutsches Mädel, der weibliche Arbeitsdienst rüst!
RSG. Der Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend setzt in dieser Zeit verstärkt ein, um die Ernte zu sichern. Auch ihr müßt jetzt helfen! Meldungen zum Eintrittstermin am 1. Oktober 1939 nimmt die Bezirksleitung 11 — Hessen — Wiesbaden, Rheinstraße 78, entgegen. Bei jeder Polizeibehörde sind die Antragsformulare erhältlich.
Oie Reifezeugnisse der Mädchen.
Rach einem Erlaß des Reichserziehungsministers find die Berechtigungen der Reifezeugnisse der Oberschule für Mädchen, hauswirtschaftliche Form, von Ostern 1941 ab dieselben wie die der Oberschule für Mädchen, sprachliche Form. Die Reifezeugnisse der hauswirtschaftlichen Form berechtigen also zum Studium an der Universität und den Hochschulen. Für Studiengänge, welche Kenntnisse in der lateinischen Sprache verlangen, muß eine lateinische Ergänzungsprüfung abgelegt werden.
Zucker für die Einwinterung der D:enen.
Da ei^e Reihe von Imkern sich nicht ausreichend mit Zucker zur Einwinterung der Bienen eingedeckt hat, hat die Reichsfachgruppe Imker erreicht, daß die Hauptvereinigung der deutschen Zuckerwirtschaft notweise eine Zuckermenge überwiesen hat, die auf Grund von Zuckerbezugsscheinen (ausgestellt auf die Ortssachgruppe Imker), noch im Laufe dieses Monats bezogen werden kann. Die Zuckerbezugsscheine werden von der Reichsfachgruppe Imker um den 15. September d. I. herum an die Ortsfachgruppen versandt. Zucker erhält nur der Imker, der auf Grund der Zuckerverbilligungsliste der Reichsfachgruppe Imker noch keinen oder nur wenig Zucker bezogen hat. Die Imker werden von ihren Ortsfachgruppen benachrichtigt werden. Einzelanfragen bei den Landesfachgruppen und der Reichsfachgruppe Imker sind zu vermeiden. Die Ortsfachgruppen Imker haben außerdem schon seit längerem Anweisung, für die Betreuung der Stände, deren Inhaber längere Zeit verhindert sind, ihre Bienen selbst zu pflegen, zu sorgen.
** Von einem Omnibus angefahren. Am gestrigen Donnerstag gegen Abend ereignete sich auf dem Hitlerwall ein Verkehrsunfall. Dort wurde ein Radfahrer von einem überholenden Omnibus angefahren und zu Fall gebracht. Der Rad
ler erlitt dabei Verletzungen an den Beinen, die seine Ueberführung in die Chirurgische Klinik erforderlich machten.
Zwei Tote durch falsches ileberholen
Lpd. Worms, 7. Sept. Zwischen Lorsch und Bürstadt wollte ein Personenkraftwagen ein vorausfahrendes Lastauto in schnellem Tempo überholen. Dabei streifte der Personenwagen das Lastauto, rannte gegen zwei Bäume, überschlug sich und blieb zertrümmert neben der Straße liegen. Zwei Insassen des Personenwagens wurden auf der Stelle getötet, ein dritter wurde schwer verletzt. Auch der Lastzug wurde beschädigt und mußte abgeschleppt werden.
Kinderwagen rollt unter einen Lastzug.
Lpd. Worms, 7. Sept. In einem unbewachten Augenblick rollte in der Speyererstraße ein Kindersportwagen mit dem ein Jahr alten Kind eines Arbeiters von einer Toreinfahrt über den schwach nach der Straße zu abfallenden Bürgersteig auf die Fahrbahn.' Der Wagen wurde von einem gerade vorbeikommenden Anhänger eines schweren Lastwagens überfahren und das Kind auf der Stelle getötet. Den Fahrer »es Lastzuges trifft keine Schuld. Offenbar war der Kinderwagen durch die Bodenerschüttevungen von selbst ins Rollen gekommen.
Vorbildlicher Einsah
-er beffen-nassauifchen Land-ienstlager.
Quark unbeschränkt zu haben.
RSG. Das Landesernährungsamt Abteilung A (Landesbauernschaft Hessen-Nassau) teilt mit: Der große Anfall von Magermilch gestattet es, Speisequark von der Lebensmittelbezugsscheinpflicht zunächst auszunehmen. Bekanntlich war die Regelung bisyer fo, daß aus einen Abschnitt der Eierbezugsscheine wahlweise 80 Gramm Hartkäse oder J60 Sauermilchkäse und Speisequark verstärkt eintreten Da Hartkäse stark für die Verpflegung der Truppen gebraucht wird und stattdessen ein Verbrauch von Sauermilchkäse und Speisequark verstärk eintreten wird, ist der Bevölkerung mit der Lockerung in der Speisequarkabgabe ein Ausweichen auf dieses wertvolle und bekömmliche Nahrungsmittel geboten. Die Lockerung ist vorerst für die laufende Woche in Kraft gesetzt.
Fallobst darf nicht umkommen.
Der Witterungsumschlag in den faxten Tagen hat es mit sich gebracht, daß auf dem Lande in den Gärten der Bauern und Landwirte, wie an den
NSG* Ein beachtlicher Faktor in der Erntesicherung ist der Landdienst der Hitler-Jugend, der — im Gegensatz zu dem vorübergehenden HI.- und BDM.-Einsatz während der Haupterntezeiten — ständig gut geschulte ländliche Arbeitskräfte zur Verfügung stellt, die vielerorts nicht mehr aus der Landwirtschaft wegzudenken sind. Allein der BDM.- Obergau 13 Hessen-Nassau stellt 20 Mädellager für unseren Gau, die sich auf O b e r h e s s e n , Rheinhessen, den Odenwald und das Lahntal verteilen. Wie in den letzten Tagen von Ortsbauernführern und Landdienstinspizienten gemeldet wurde, fetzen sich diese Lager in vorbildlicher Weise für das Einbringen der Ernte, wie für die Hilfe in den Haushalten ein. Neue wachsende Aufgaben bringen die kommenden Wochen, da ein Teil der Männer an der Front steht.
Ein Beispiel freudiger Einsatzwilligkeit geben zwei oberhessische Landdiensthelferinnen, die aus Gesundheitsrücksichten bei ihren Eltern geweilt hatten, in den letzten Tagen unangemeldet und ohne Erlaubnis des Arztes in ihren Lagern ein-
rückten mit der etwas verlegenen Entschuldigung, man hätte jetzt keine Zeit, krank zu sein!
Dieser Ausspruch sollte allen Eltern zu denken geben, die in diesen Tagen ihren Sohn oder ihre Tochter in ihrer Nähe wissen möchten und in übereilter Vorsicht deren Heimreise verlangen. Einmal ist einem solchen Ersuchen aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht stattzugeben, zum anderen mögen die Eltern, die sich mit derartigen, absolut unnötigen Gedanken beschweren, erwägen, daß mit Hilfe ihrer Jungen und Mädel die Einbringung der Kartoffel- und Rübenernte in den nächsten Wochen erfolgt, und daß manche Bäuerin ihr Mädel benötigt, um die Kühe zu melken, damit Milch und Butter in den vorgeschriebenen Mengen geliefert werden können.
Die deutschen Jungen und Mädel, so jung diese Vierzehn- und Fünfzehnjährigen auch sind, bleiben mit Freude auf ihrem Platz. Als ihre Pflicht sehen sie es an, nun erst recht in diesem Kampf um die Lebensrechte des Volkes mitzuhelfen, Deutschlands Ernährung in jedem Fall sicherzustellen.
mit Obstbäumen bestandenen Straßen größere Mengen von Fallobst liegen, die infolge des Mangels an Arbeitskräften nicht gesammelt werden können. Es bedarf kaum eines Hinweises, daß das Ge-
Wirtschaft.
bot „Kampf dem Verderb" jetzt mit besonderem Nachdruck befolgt werden muß. Deshalb darf auch dieses Fallobst, das sich vorzüglich zur Herstellung von Gelees und Obstspeisen eignet, auf keinen Fall umkommen. Da zur Zeit die Schulen überall geschlossen sind, wird ein Einsatz der Jugend mit Hilfe der HI. jetzt, wie bei der kommenden Spätobsternte, die ja sehr reichlich auszufallen verspricht, ein erfolgreiches Mittel zur Erhaltung dieser fönst um- kommenden Nahrungsgüter sein.
Cellophan ist gasdicht.
Aus Grund verschiedener Anfragen teilt das Landesernährungsamt Abteilung A (Landesbauernschaft Hessen-Nassau) nach Rückfrage bei der alleinher- stellenden Firma der unter dem Namen Cellophan eingeführten Cellulose-Folie mit:
Cellophan ist das gasdichteste Verpackungsmittel, das zur Zeit existiert. Ein Verschluß von Einmachgläsern durch Cellophan muß als guter Gasschutz gelten. Es wird dabei keinen wesentlichen Unterschied machen, ob das Cellophan an den Gläsern infolge der vorgeschriebenen Anwendung anhaftet, oder ob es mit Gummiringen an den Gläsern befestigt ist. Ein solches Zubinden mit Gummiringen oder Kordel ist nicht nötig, wenn das Glas mit einer leicht angefeuchteten (nicht nassen!) Cellophan- scherbe abgedeckt wird, die an den Seiten angedrückt werden muß. Die dabei zunächst noch auftretenden Falten ziehen sich von selbst stramm und glatt.
Oer landwirtschastliche Marktbeobachter.
Getreide: Brot und Mehl sind ausreichend vorhanden, ebenfalls Nährmittel, Graupen und Grieß. Braugerste wird von der verarbeitenden Industrie glatt aufgenommen. Bei den Futtermitteln ist normaler Bedarf.
Milch: Butter ist genug vorhanden, so daß für diese Woche die allgemeinen Sätze ausgegeben werden können. Für die übrigen Fette sind die Gesamtmengen sichergestellt, es wird aber da und dort ein Ausgleich mit anderen Fettarten notwendig. Die Milchversorgung ist ebenfalls gesichert. Bei Käse müssen aber in erster Linie Sauermilchkäse und fettarme Käse abgefetzt werden.
Eier: In der laufenden Woche ist mit einer Zuteilung an Eiern — darunter vornehmlich belgischen und finnischen — zu rechnen, die in der bisher üblichen Höhe liegt.
Fleisch: Die Zufuhren auf den Märkten an Rindern und Schweinen nähern sich wieder den normalen Anlieferungen, so daß die Versorgung mit Fleisch gesichert erscheint und in der vorgeschriebenen Höhe erfolgen kann. Die ostpreußischen Schweine, die früher in starkem Maße nach Hefsen-Nafsau kamen, blieben in der letzten Woche aus, es besteht aber die begründete Hoffnung, daß diese wieder in der laufenden Woche eintreffen werden, zumal der
Durchgangsverkehr durch den Korridor wieder, wenn auch noch beschränkt, erfolgen kann.
Ob st und Gemüse: In reicher Fülle sind alle jetzt anfallenden Gartenbauerzeugnisse auf dem Markt vorhanden. Aepfel, Birnen, Pflaumen und Zwetschen stehen ausreichend zur Verfügung. Die Versorgung mit Pfirsichen ist zufriedenstellend. Trotz des ausreichenden Stein- und Kernobstes war der Bedarf an Bananen groß, so daß er ebensowenig wie der an Zitronen, die ebenfalls nur in kleinen Beständen zur Verfügung standen, gedeckt werden konnte. Die Anlieferung an Kohlgemüse, besonders an Weiß- und Rotkohl, sowie Wirsing war aus der örtlichen Erzeugung außerordentlich reichlich. Blumenkohl muß stark aufgenommen werden, da die Gefahr des Verderbs besteht. Salat-, sowie Einlege, gurken wurden flott aufgenommen. Lebhaften Zuspruchs erfreuten sich Bohnen und Kopfsalat. Die Zufuhr an deutschen Tomaten war im Gegensatz zur Vorwoche bedeutend angestiegen, so daß nicht nur der Bedarf gedeckt wurde, sondern auch ein Mehr übrig blieb. Die Umsätze bei Karotten, Rettichen und Zwiebeln bewegten sich in normalen Grenzen.
Zucker: Zur Zen bestehen in unserem Gebiet keine besonderen Dersorgungsschwterigketten. Wenn lokale Mängel auftreten sollten, dann ergeben sie sich lediglich aus bestehenden Transportschwierigkeiten, die bald behoben werden.
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
22.
Die Sache ist geklärt.
Arn Morgen reißt man den Zeitungsboys mit den grauen, blauen oder grünen Mützen die druck- feuchten Blätter fast aus den Händen.
Die Ereignisse der letzten Nacht sind in aller Munde.
Vom Bankbeamten bis zum Laufjungen, tm Milchladen, an der Heißmangel, auf der Straßenbahn, im Treppenflur, an Baustellen, in Kontoren und Fabriken, überall nur ein Gesprächsstoff: Der Mord in der Perkins-Dilla.
Die tollsten Gerüchte schwirren durch die Stadt.
„Die Perkins-Werke sind am Ende", wissen die einen.
„Im Gegenteil! — Eine Schiebung steckt dahinter!" meckern die Mießmacher, die überall das wittern, wozu sie selbst keine Gelegenheit haben.
Die Frauen tippen natürlich auf Mord aus Eifersucht und bedauern den schönen Asbjörn Hol- gerson, dessen Bild sie von der Leinwand her im Herzen tragen, dessen göttliche Stimme sie so oft aus dem Rundfunk in Entzücken versetzte.
Wer konnte so hinreißend wie er fingen: „Nur dich liebe ich bei Tag und Nacht...!"
„Die härteste Strafe für den feigen Meuchelmörder!"
„Warum den Kerl noch monatelang auf Staatskosten verpflegen?"
„Dor die Geschworenen mit ihm und dann an den Galgen! Kurzer Prozeß!"
Das Tollste aber meldet ein sonst nicht sonderlich in Erscheinung tretendes Skandalblatt. Es erscheint gegen Mittag, und eine Stunde später ist bereits
kein Stück mehr zu haben, obschon die doppelte Auflage gedruckt worden war.
„Der geheimnisvolle Mörder ist entlarvt!" so steht da fett gedruckt.
Und dann legt der Berichterstatter tos:
„Auf Grund unserer ausgezeichneten Informationen sind wir imstande, das Geheimnis zu klären, das über dem Hause Perkins feit einiger Zeit waltet. Schauen wir ein wenig rückwärts!
Der allbekannte hochverdiente Gründer des Hauses, Sir John Perkins, verunglückt unter seltsamen Umständen an der Südwestküste von Cornwall. Seit Jahren reift der Geheimrat fast jedes Wochenende in feinen geliebten Dartmoor-Forest. Er kennt Wege und Stege beinahe besser als die Einheimischen. Nie hat er sich auch nur einmal im Wege geirrt, selbst nicht an Tagen undurchdringlichen Nebels. Da plötzlich findet man ihn abgestürzt an einer Stelle, die jeder Schulbub täglich mühelos passiert, zur Seite eines öffentlichen Fußsteiges. Schon damals lag es auf der Hand, sich zu fragen: „Wie ist das möglich?" Gewiß, ein Unwohlsein könnte den rüstigen Naturfreund unglücklicherweise in jenen Abgrund geworfen haben.
Zugegeben.
Aber kein Arzt hat vorher auch nur Anzeichen einer Krankheit feststellen können, die zu solcher Folgerung berechtigt hätte.
In der Tat, ein höchst merkwürdiger Unfall!
Es wäre mehr als verständlich gewesen, wenn sich die Polizei die näheren Umstände dieses Unfalls eingehend betrachtet hätte. Sie hat es nicht getan. Nie wäre wieder davon die Rede gewesen, wenn nicht wenige Tage nach dem Begräbnis der Bruder des Verstorbenen eine höchst seltsame Entdeckung gemacht hätte. Er findet unter den Briefschaften seines Brudes eine Visitenkarte, auf der einen Seite drei schwarze Sterne, auf der andern eine nicht mißzuverstehende Drohung.
Bald darauf erhält der Bruder selbst auf geheimnisvolle Weise eine ähnliche Visitenkarte zugestellt: wieder drei schwarze Sterne, wieder die Drohung.
Man braucht nicht feige zu fein, wenn man in solcher Lage sich entschließt, bie. Polizei um Schutz zu bitten. Ein geheimnisvoller' Unbekannter droht auf diese Weise, die er einem schlechten Film abgesehen haben mag. Noch ist keine Woche vergan
gen, da meldet sich der dritte Empfänger der Schreckensbotschaft: der bekannte Tenor Asbjörn Holgerson. Vielleicht hat er die Drohung nicht ernst genug genommen, um so ernster nahm sie der Unbekannte, der sich hinter den drei schwarzen Sternen verbirgt.
Er schoß sein Opfer mit der Pünktlichkeit eines Uhrwerkes nieder. In einem Punkte allerdings hat er sich verrechnet: die Rückzugsmöglichkeit war ihm abgeschnitten, die Polizei konnte ihn auf frischer Tat verhaften, ehe er zu fliehen vermochte.
Herr Dr. Hellmers — kein anderer verbirgt sich hinter jenen unheimlichen schwarzen Sternen — ist trotz aller schlauen Berechnungen wie ein Anfänger in ein Netz gelaufen, dessen Vorhandensein er nicht ahnte.
Die Gründe seiner Tat?
Wer will in die Seele eines machthungrigen Erfinders sehen, dem der kleine Erfolg feines Anfangs den Kopf verwirrte? Herrschsucht, Eifersucht dazu — wir haben auch dafür bestimmte Anhaltspunkte und wollen uns nur mit Rücksicht auf eine schwergeprüfte Frau nicht näher darüber auslassen — kurz, alle niedrigen Besitzinstinkte hatten sich seiner bemächtigt, und in teuflischer Systematik räumte er Hindernis auf Hindernis aus dem Wege: zuerst den Wohltäter, dem er alles verdankte, Sir John Perkins, bann den Mann, der ihm seine Stellung zu erschüttern drohte, den bekannten und beliebten Sänger Asbjörn Holgerson, mit dessen Tod nicht nur der Weg zur Macht frei wird, sondern auch der Gegenstand seiner Eifersucht auf ewig verschwindet. Hätte nicht ein Zufall, ein plumper Zufall, den Verbrecher in die Hände der Polizei gespielt, die Tragödie hätte ein drittes Opfer gefordert. Denn das eine steht für uns fest: Er ist auch der Mörder Sir John Perkin's! Er allein kannte dessen Gewohnheiten — hatte er ihn doch als eifriger Bergsteiger einst in den Bergen des Kontinents kennengelernt — und Hellmers wußte auch, wo er ihn unbeobachtet in der Einsamkeit überraschen konnte- so vermag man sich nun aus- zu malen, wie der Nichtsahnende seinem Mörder vielleicht noch die Hand entgegen gestreckt hat, als jener bereits die Stelle erwählte, an der Sir John sterben sollte.
Neue Kartoffelpreise.
Mit sofortiger Wirkung wurden für das Gebiet der Landesbauernschaft Hessen-Nassau die Preise für Speisekartoffeln neu festgesetzt. Danach kosten m Gießen 50 kg Speisekartoffeln ab Verkaufsstelle 3,45 RM., 5 kg 0,40 RM. In allen übrigen Orten kosten 50 kg Kartoffeln 3 RM., 5 kg 0,36 RM.
Rhein-Mainische Börse.
Meist schwächer.
Frankfurt a. M., 7. Sept. An der Börse setzten sich in Aktien Glattstellungen überwiegend fort. Sie hatten zwar keinen besonderen Umfang, lösten aber bei der eingetretenen stärkeren Zurückhaltung der Käufer meist weitere Abschwächungen aus. Das Geschäft hat sich gegen die Vortage erheblich ver- mindert, so daß die Kursbikdung wieder stark vom Zufall bedingt ist. Weiter fest waren am Chemie- markt Scheideanstalt mit 223 (220), ebenso zogen JG.-Farben auf 160 (159,50) an. Am Elektro markt waren Siemens und Gesfürel auf Rückkäufe erholt auf 194,50 (193,65) bzw. 133 (131,50), AEG. kaum verändert mit 116,50 (116,65). Montanwerte schwächten sich weiter ab, Verein. Stahl 96,75 bis 96,50 (97,25), Mannesmann 106,13 (106,40), Hoefch aber unv. 108,13. Stärker rückläufig waren Zellstoff Waldhof auf 106 (108,50), AG. für Verkehrswesen auf 107,40 (110), Rheinmetall auf 116 (118) und Daimler auf 116 (117,50).
Renten lagen weiterhin äußerst ruhig und im wesentlichen unverändert. Verschiedentlich bestand weiter etwas Angebot. Andererseits erfolgten hin und wieder mäßige Anschaffungen. Staatspapiere und Pfandbriefe lagen nach wie vor unverändert, während Industrie-Obligationen und Stadtanleihen Schwankungen von etwa 0,25 v.H. aufwiesen. Im Freiverkehr bröckelten späte Schuldbuchforderungen auf 97,75 (98), Kommunal-Umschuldung auf 92,75 (92,85) ab, Steuergutscheine I unv. 97,50.
Im Verlaufe erfolgten kaum noch Umsätze, die Kurse blieben größtenteils auf dem Anfangsstand gehalten. Nur Gesfürel 0,50 v. H. weichend auf 132,50. Holzmann kamen nach längerer Pause mit 142 (155,50) wieder zur Notiz. Größere Abwei-- chungen von den erst später notierten Werten zeigten u. a. Demag mit 136,50 (139,50), Moenus Maschinen mit 111 (112,50), andererseits Eßlinger Mosch. 107,75 (106) und Conti Gummi 216,75 (215).
Der Freiverkehr lag still. Tagesgeld unv. 2,25 v. H.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 7.September. Auftrieb: Rinder 837 (gegen-462 am 31. 8.), darunter 87 (49) Ochsen, 159 (101) Pullen, 393 (220) Kühe, 198 (92) Färsen. Kälber 749 (549), Schafe 36 (20), Schweine 943 (1033). Notiert wurden je 50 kg Lbdgew. in RM.: Ochsen a) 43,50 bis 46,50 (46,50), b) 41,50 bis 42,50 (42,50), c) 37 bis 37,50 (37,50). Bullen a) 44 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 39 bis 40,50 (40,50), c) 35 bis 35,50 (—). Kühe a) 41,50 bis 44,50 (42,50 bis 44,50), b) 38 bis 40,50 (39,50 bis 40,50), c) 30 bis 34,50 (33 bis 34,50), d) 18 bis 25 (20 bis 25). Färsen a) 44,50 bis 45,50 (44,50 bis 45,50), b) 40 bis 41,50 (40 bis 41,50), c) 35 bis 36,50 (36,50). Kälber a) 62 bis 65 (63 bis 65), b) 54 bis 59 (56 bis 59), c) 45 bis 50 (45 bis 48), d) 30 bis 40 (30 bis 40). Härnrnel — (—). Schafe a) 42 (42), b) 35 bis 38 (39), c) 20 bis 32 (32). Schweine a) 61 (62), bl) 60 (61), b2) 59 (60), c) 55 (56), d) 52 (53), Sauen gl) 60 (61). Marktverkauf: Rinder, Kälber und Schweiene zugeteilt, Schafe flott.
Hochschulnachnchten.
Der Ordinarius der Zoologie an der Forstlichen Hochschule Eberswalde Professor Dr. Max Wolff vollendete sein 60. Lebensjahr. Er promovierte 1903 in Jena, war dann Assistent am Kaiser-Wilhelrn-Jnstitut für Landwirtschaft in Brom- berg und seit 1914 in Eberswalde. Sein besonderes Verdienst ist die Einführung der Schädlingsbekämpfung mit giftstreuenden Flugzeugen. — Der em. Ordinarius für römisches und bürgerl. Recht an der Universität Göttingen Prof. Dr. Julius Binder ist im 70. Lebensjahr gestorben. Er hatte sich •1898 in Würzburg habilitiert, wurde 1900 ao. Professor in Rostock, 1903 Ordinarius in Erlangen, 1913 in Würzburg und 1919 in Göttingen.
Das erste Hindernis der ehrgeizigen Pläne dieses Teufels in Menschengestalt war damit beseitigt.
Hellmers ist der tatsächliche Herr in den Perkins- Werken.
Wieweit sich der Diebstahl der Pläne in diesen fast lückenlosen Beweis einfügt, vermögen wir nicht zu beurteilen. Man kann sagen: Dr. Hellmers ist der Erfinder — er hat ja im Kopse, was in den gestohlenen Papieren steht, und braucht nicht zu stehlen.
Aber man kann die Sache auch anders betrachten! Die Erfindung hat nur Wert, wenn sie in einer einzigen Hand ist. Hellmers kann sie nur dann gewinnbringend verkaufen, wenn die Perkins-Werke sie nicht mehr besitzen.
Wie man sieht: Rund und geschlossen ist der Ring. Ein teuflisches Hirn hat den Plan ausge- brütet, ein Satan an roher Kaltblütigkeit hat ihn leider zum größten Teile verwirklichen können. Zwei prächtige Männer sind dem Unhold zum Opfer gefallen, wichtige Pläne sind wahrscheinlich längst irgendwo verbrannt oder weiteroerschoben. Es wurde höchste Zeit, daß der Zufall unserer Polizei den zynischen Verbrecher in die Arme trieb. Seiner gerechten Strafe wird er nicht mehr entgehen.
Dr. William Perkins aber, dem Bruder des ermordeten Fabrikanten, wünschen wir Glück zu seiner Errettung vor gleichem Schicksal."
23.
Inspektor ßinferton tobt.
Was Inspektor Linkerton sagte, als er diesen Aufsatz zu Gesicht bekam, kann auch in größter Abschwächung nicht wiedergegeben werden. Smith II jedenfalls meinte nachher im Büro des Wachhabenden, das sei das stärkste Gewitter seit Jahren gewesen und heute habe er tatsächlich was zugelernt, obschon er doch über einen ganz respektablen Wortschatz zum Fluchen verfügte.
„Gehen sie lieber nicht ’rein, Mister Pembroke" warnt er fürsorglich. „Linkerton wirft heute sogar mit harten Gegenständen."
,'Auf in den Kampf, Torero!" grinst Pembroke und drückt entschlossen auf die Klinke. Allerdings im ersten Augenblick ist er doch erstaunt, denn Linkerton bietet in der Tat das Bild eines Tobsüchtigen.
1 (Fortsetzung folgt)


