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Nr. 210 Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Freitag, 8. September 1959

Helft der Partei Helsen!

Aus der Stadt Gießen.

Silberfäden auf der Au.

Wie ein letztes Sommermärchen, ein letzter Som­mertraum weht der scheidende Sommer durch die oerbsMcher werdende Welt, und seine weißgruuen tfäben umspinnen uns mit einer letzten Freude und eise aufstetgender Traurigkeit.Des Sommers Fäden weben durchs Feld wie weißer Duft", singen wohl die Kinder^ und ein Eichendorffsches Gedicht geht wie ein schönes Volkslied singend und klingend rurch die Welt:Durch die Felder sieht man ähren / eine wunderschöne Frau, / und von ihren mngen Haaren / goldne Fäden auf der Au." Der Göttin Freia lichtblondes Haar nannten unsere Vor- mhren diese Gespinste. Das Volk spricht von den ..Metten", denMettjes" ober von demJungsern- Mäbchensommer",Fliegender Sommer" (= fliehen­der Sommer!),Gottes Schleppkleid",Marien- 'äden",Ahnlsummer",Frauengarn".

Im 16. Jahrhundert hielt man diese Fäden für gedörrten Tau! Später meinte man wohl, sie eien aus den Herbstnebeln entstanden, ein Eng- »önder glaubte sie aus den Kumuluswolken gewor­den, ein Forscher des 18. Jahrhunderts hielt sie für pme vom Luftzug zu Fäden gefponnene Aus- chwitzung der Nadelbäume. Der alemannische Dich- ler Hebel erklärte sie in feinemRheinischen Haus- 'reund" Anfang des 19. Jahrhunderts für das, mas sie sind: die Gespinste kleiner Spinnen, die mit ihrer Hilfe sich weit durch die Luft tragen lassen, iim zu ihren Winterquartieren zu gelangen. So olso steht es mit dem Gespinst der Metten! Im herbstlichen Frühdunst aber, in mittäglichem Son- oenglanz und frischer Abendkühle weben und flat- lern sie gar zauberisch um Bäume, Sträucher und stoppeln, letzte Blumen und Blüten. Silbern er­glänzen sie im Sonnenlicht, und die herbstliche Landschaft, die sie mit schaffen helfen, wird durch |ie wundersam verschönt. Wenn Frühtau in chren Gespinsten haftet, blitzt es im ausgehenden Sonnen­licht wie von Kristallen und Diamanten ...

Glück soll es bedeuten, wenn diese Fäden' sich an paar und Kleider heften; und so wird die Welt noch einmal schön und bunt im Scheiden.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Paradies der Jung- ssesellen".

Licht weg!

Ein Wohnhaus mit freistehendem Seitengiebel. Lines der dortigen Fenster läßt durch eine beschä- tigte Jalousiesprosse Licht hinausdringen. Zwei, irei, vier Strahenpassanten bleiben betroffen stehen. ,,Run sieh doch einer diesen Bummelfritzen an!" Natürlich, mitten in der Nacht festliche Be­leuchtung!"Hallo, Licht weg!"Sie, Herr Machbar drehn Sie mal a Tempo Ihren Schein­werfer ab!" In kurzer Zeit steht vor der .Licht­reklame" eine grollende Protestversammlung, der zuständige Luftschutzwart kommt um die Ecke. Bitte sehr, sehen Sie sich das mal an! Da spielt tiner Leuchtturm!"Hallo, Li c h t ö e g!" Ein halbes Dutzend Kehlen! Das Ge- inurmel schwillt zum drohenden Trommelfeuer an. sietzt ist da oben der Groschen gefallen. Knips, geht .äs Licht aus. Zufrieden? Nicht ganz! Der Ein- ipruch des Volksmundes lautet jaLicht w e g!" und nichtLicht aus!" Das ist keine Kunst, den Mektrischen Schalter mit einer kurzen Handrolle eine Kehrtwendung machen zu lassen. Und wenn keine einzige Kerze im Hause verlöscht, soll es pechkohl- rnbenschwarz wie ein Teersack daliegen. Das ist der Sinn der Verdunkelung!

Ein paar Häuser weiter. Das schmale Fenster tiner Speisekammer zeigt plötzlich lichtvolle Offen­herzigkeit.Aber Frau Pumke", ruft der Luftschutz-

NSG. Der Leiter des Amtes für Volks­wohlfahrt der NSDAP., Gau Hessen-Nassau, Haug, wendet sich mit nachstehender Bitte an alle Volksgenossen des Gaues:

Die Betreuung^- und Verpflegungsarbeit der 3X5*8. fordert gewaltige Mittel!

Gebt uns Wäschestücke für Säuglinge, Kinder und Erwachsene! Wir brauchen Kleidungsstücke und Schuhe! Opfert und gebt Barbeträge!

Die Ortsgruppen der NSV. sind zur Entgegen­nahme aller Spenden angewiesen. Außerdem nimmt die Gauamtsleitung Spenden hierfür auf Postscheck­konto 23 OOO Frankfurt a. Bl. und Bankkonto 7300 bei der Städtischen Sparkasse Darmstadt entgegen.

Zeigt, daß wir eine Not- und Schicksalsgemein­schaft sind!

Alle Frauen helfen mit.

NSG. Die Partei hat in diesen Tagen besonders viele Helferinnen für alle Volksgenossen zu stellen, di« in irgendeiner Notlage sind. Jrn Bahnhofsdienst der NSV. ist besonders der NS.-Frauenschaft die Betreuung von Mutter und Kind übertragen, wobei BDM. und HI. tatkräftig Hilfe leisten. Dem Ein­zelhandel wird eine Hilfe gestellt, wenn er sie bei der Dienststelle der NS.-Frauenschaft Deutsches Fr auenwerk an fordert. In Kindergärten, b ei der bevorstehenden Hackfruchternte, bei der Verwertung von Obst und Gemüse für die NSV., wie auch für die überlastete Landfrau überall setzen sich die Helferinnen ein.

Es ist selbstverständlich, daß auch Frauen und Mädel, die sich als Helferinnen zur Verfügung stel­len wollen und nicht Mitglied der NS.-Frauenschaft oder des Deutschen Frauenwerks sind, irgendeine Ausgabe finden können. Es wird aber gebeten, da­von abzusehen, sich unmittelbar beim Bahnhofsdienst zu melden oder an irgendeiner anderen Stelle. Jede

wart nach oben,sind Sie denn vom Mond?" Die Frau will wohl Selbstmord verüben?" Selbstmord? Die ganze Gegend verpfeift sie mit ihrem Blinklicht!" Frau Pumpke schaut durchs dunkle Küchenfenster, entschuldigt sich:Ich wollte ja bloß die frischgekochte Marmeladen Augenblick zum Abkühlen aufs Fensterbrett stellen!"Damit uns allen die Marmeladeneimer um die Ohren fliegen!" Ganz schwarz vor Augen muß Frau Pumke bei dieser Aussicht geworden sein. Klapp!, ist das schmale Fenster zu. Dunkel!

Was bedeutet heute der dringende 'Brief, das Fichtennadelbad, die warme Marmelade des ein­zelnen? Sonderbedürfnisse und Spezialitätchen hat jeder eingemottet!Licht weg!" So heißt die Abendparole der heimatlichen Gemeinschaftsfront, in der jeder als freiwilliger Wachtposten auf dem Kien ist!

Das verdunkeln in den Zügen.

Verstöße werden bestraft.

Wie die Reichsbahndirektion Köln mitteilt, ist mehrfach beobachtet worden, daß Reisende während der Verdunkelungszeit in Zügen die Vorhänge auf­gezogen oder elektrische Taschenlampen auf Bahn­gebiet benutzt haben. Die Reisenden sind sich offen­bar der Tragweite ihrer Handlungen nicht bewußt. Im Interesse der Allgemeinheit muß ein solches Tun unterbleiben. Zuwiderhandlungen werden be­straft. Die Bahnpolizei ist angewiesen, ab sofort Verstöße mit einer Geldstrafe zu belegen.

Helferin, gleich, woher sie kommt, wird eingesetzt durch die Dienststellen der NS.-Frauenschaft Deutsches Frauenwerk ihrer zuständigen Orts­gruppe. Wo jede einzelne Frau hilft, ist belanglos. Wichtig ist einzig und allein, daß keine deutsche Frau sich ausschließt, den Auftrag, der ihr gestellt ist, zu erfüllen.

BOM - und Lungmädel sammeln Wäsche.

NSG. Für die Wäschesammlung der Partei, Amt für Volkswohlfahrt im Gau Hessen-Nassau, werden ab sofort alle örtlichen BDM.- und Jungmädel- einheiten eingesetzt. Die Mädel werden, wie bei den Säuglingswäschesammlungen für das WHW. in den vergangenen Jahren, die einzelnen Haushaltungen aufsuchen, um Spenden für die Betreuungsarbeit der Partei entgegenzunehmen. Besonderer Bedarf besteht an Säuglings- und Kleinkinderwäsche, an Windeln und Decken. Schadhafte Wäschestücke, die noch brauchbar sind, werden nach ihrer Ablieferung bei der NSV. vom BDM. bzw. den Arbeitsgemein­schaften des BDM.-WerkesGlaube und Schönheit" ausgebessert.

BOM.-Mädel als Silkskräfte

in Lebensmittelgeschäften.

NSG. In der großen Front der Helfer, die die NSDAP, im Gau Hessen-Nassau überall dort zur Verfügung stellt, wo nicht genug Arbeitskräfte vor­handen sind, fehlt auch nicht der BDM. Seine Mä­del wollen noch stärker als bisher für das Wohl der Gemeinschaft ein treten. In den Reihen des hef- sen-naffauischen BDM. stehen zahlreiche Hilfskräfte, die in den Lebensmittelgeschäften eingesetzt werden sollen. Lebensmittelgeschäfte, die infolge Ausfall von Arbeitskräften und durch den Anfall von Mehr­arbeit Stundenhilfen oder' Hilfskräfte für längere Dauer benötigen, wollen sich mit ihren Anforde­rungen an die Untergaudienststellen des BDM. i wenden. Die Vermittlung der Aushilfskräfte erfolgt | über die Arbeitsämter.

Amtliche Bekanntmachungen sorgfältig brachten.

In unserer Zeit es für jedermann in Stadt und Land besonders wichtig, die amtlichen Bekannt­machungen der Behörden genau zu beachten. Fast täglich wird der Bevölkerung auf irgendeinem Ge­biete eine neue Anordnung oder eine Aenderung früherer Bestimmungen zur Kenntnis gebracht. Diese weitgehende Publizität hat den Zweck, den Volksgenossen alle Möglichkeiten an die Hand zu geben, die bei der Versorgung mit den täglichen Bedarfsgütern und bei der Erfüllung ihrer Ver­pflichtungen gegenüber der Gemeinschaft als Richt­schnur dienen. Um den Bekanntmachungen die weit­reichendste Wirkung auf die Oeffentlichkeit zu sichern, erfolgen die Veröffentlichungen im Anzeigenteil an der gewohnten Stelle. Alle Volksgenossen können sich hier täglich unterrichten, was die Behörden ihnen als für sie wichtig mitzuteilen haben.

$ür die Front.

Der Reichssportführer hat den Wunsch geäußert, daß auch alle Gemeinschaften des NS.-Reichsbundes für Leibesübungen nach Möglichkeit nützliche Dienste für Heimat und Front leisten. Der Reichssportführer hat dafür angeregt, überall, auch in der kleinsten Ge­meinschaft, eine Kartei der einberufenen Kameraden anzulegen und durch Nachfenden von Heimatzeitun­gen, Sportzeitungen und Vereinsnachrichten mit den einberufenen Kameraden in Verbindung zu bleiben.

Von der Universität Gießen.

Der bisher am Kerckhoff-Jnstitut in Bad-Nauheim tätige nichtbeamtete außerordentliche Professor Dr. med. Koch wurde zum ordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Gie­ßen und zum Inhaber des Lehrstuhls für Physio­logie und gleichzeitig zum Direktor des Physiologi­schen Instituts ernannt. Professor Dr. Koch über­nimmt damit das in langen Jahren von Professor Dr. B ü r k e r verwaltete Amt.

Große Brotvorräte im Gau müssen aufgezehrt werden.

NSG. Schon öfters konnte darauf ijingemiefert werden, daß bei den großen Getreidevorräten aus der Ernte 1938 und der sehr guten 1939er Ernte die Brotversorgung des deutschen Volkes in jeder Richtung gesichert 'ist. Der Gau Hessen-Nassau ver­fügt zur Zeit außerdem über sehr große Bestände an fertigen Broten, die für etwaige Sonderfälle bereitgeftellt waren. Da solche nicht eingetreten sind^ werden die vorrätigen Brote nun im Handel ab­gesetzt. Bei der großen Menge wird es unter Um­ständen nötig sein, das Backen frischer Brote ein­mal einzuschränken, damit zuerst die Vorräte, die nicht verderben dürfen, ausgezehrt werden können. Jeder Volksgenosse wird die Notwendigkeit dieser Maßnahme erkennen und gerne einige Tage auf frisch gebackenes Brot verzichten.

Helferinnen

für das Deutsche Bote Kreuz.

Diese Schicksalstage stellen wieder große Anfor­derungen an das Deutsche Rote Kreuz. Ueberall in unserem Vaterland melden sich Frauen und Mädel zu Tausenden für den Hilfsdienst im Deut­schen Roten Kreuz, bereit, ihre Kräfte für das Wohl unserer verwundeten Soldaten jederzeit ein­zusetzen.

Diese freiwilligen Helferinnen werden in Kursen in all den Dingen unterrichtet, die sie für ihre Ar­beit brauchen; sie fernen sachgemäße erste Hilfe leisten. Verbände anlegen und müssen auch beim Transport von Kranken und Verwundeten helfen können. Alle diese Arbeit erfordert ein großes Maß von Hilfs- und Einsatzbereitschaft, die aber von allen mit Begeisterung aufgebracht wird.

Dsrbrau^ hon (Srnäfcrim^feffen

in Bäckereien, Konditoreien und ähnlichen Betrieben.

FWD. Die Hauptoereinigung der deutschen Milch- und Fettwirtschaft und die Reichsstelle für Milch- erzeugnisse, Oele und Fette als Ueberwachungsstelle haben eine gemeinsame Anordnung vom 1.9.39 erlassen, wonach an Ernährungsfetten jeder Art Bäcker, Konditoren und ähnliche Gewerbetreibende im Kalendermonat höchstens 10 v. H. derjenigen Menge verbrauchen dürfen, die sie durch Waren­eingangsbücher oder Rechnungen nachweisbar in der Zeit vom 1. Januar 1939 bis zum 30. Juni 1939 bezogen haben. Herstellerbetriebe haben eben­so wie Groß- und Kleinverteiler an diese Betriebe höchstens insgesamt 10 v. H. der Fettmengen ab­zugeben, die sie in der Zeit vom 1.1. bis 30. 6.1939 Geliefert haben. Die Anordnung verpflichtet die Bäcker ufw. zur Führung von Fettoerbrauchs­büchern, wobei die am Jnkrafttretungstage (1. Sept. 1939) vorhandenen Bestände mitaufgenommen wer­den müssen.

Herstellung von Mischfetten verboten.

In einer Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Milch- und Fettwirtschaft vom 5.9.1939

Unsere BeilageHeimat im Bild" wird künftighin alle vierzehn Tage erscheinen.

Deutsche Kulturdenkmäler im Weichselland.

Achthundert Jahre hat deutscher Fleiß im Weich- stllande gerodet und gepflügt, um dem Boden seine heutige Lebenskraft zu geben. Aber nicht als Ein­dringlinge sind diese Deutschen gekommen, wie die $olen immer wieder behaupten, sondern als Freie gerufen von dem Herzog Konrad von Masovien; mit besonderen Vorrechten ausgestattet, kamen sie in das Land, um ihm die Kultur zu bringen.

Doch die Deutschen haben nicht nur das Land urbar gemacht, sondern auch Städte gegrün­det; Graudenz, Bromberg, Thorn, Posen, um nur bi e wichtigsten zu nennen, tragen das Gepräge Kutscher Stadtkultur, und sie tragen es nicht nur seit den letzten hundert oder zweihundert Jahren, scndern seit dem Augenblick, wo der erste deutsche Siebter den östlichen Boden betrat.

Heute stehen die Städte im Schatten deut­scher Bauwerke, deren Meister nur Arbeit und lebendige Hingegebenheit an hohe Ziele kann­ten. Ein hohes Zeugnis hierfür ist das gewaltige Lrdensschloß Mewe bei Marienwerder (süd­lich von Danzig); es liegt auf den Höhen des linken Neichfelufers und besteht aus drei mächtigen Lang- hiusern mit mehreren Türmen und Vorbauten. 1»82 fiel der Ort Mewe an den Deutschen Orden, ee hielt 1297 kulmisches Stadtrecht, kam 1466 zu Polen, war seit 1772 preußisch, bis es 1920 wieder an Polen fiel. Die Ruinen des Ordensschlosses über­ragen die kleine Kreisstadt Pommerellens, die heute Cniew heißt und rund dreitausend Einwohner hat.

Auf dem rechten Wechselufer, stromaufwärts, liegt die alte Festung Graudenz. Die ehemalige Zlta- .bitte der Stadt wurde von Friedrich dem Großen ««gelegt und dient seit 1873 als Kaserne; sie liegt auf einer drei und sechzig Meter hohen Anhöhe und wurde berühmt durch ihre erfolgreiche Verteidigung gi gen die Franzosen vom 22. Januar bis 9. Juli 11.07. Schon im Jahre 1291 erhielt Graudenz Stadt­richtewegen der vielen teutschen Handelshäuser", btren Besitzer sich stolze Wohnbauten und Kirchen errichten liehen; sie sorgten auch für eine starke Lehrmacht mit Trutztürmen. Vom Schloßberg flauen als Zeugen der Ordenszeit der Schloßturm Klimek genannt), die vielstöckigen Getreidespeicher uid der wuchtigbreite Turm der alten Nikolaikirche wsit über die TVeichselniederung.

Das hochragende Kulm, die alte Hansastadt, ist Iht älteste preußische Bischofssitz und wurde durch bis berühmte Kulmer Handfeste die Gesetzgeberin bis deutschen Ostens. 1386 wurde sie zum Sitz der elften preußischen Universität (mserschem i|t

die obengenannte Handfeste (d. h. Sammlung der Satzungen der Landmeister des Deutschen Ritter­ordens) bearbeitet und erweitert worden. Fremde Mißwirtschaft zerstörte die alte Stadt bis auf vier­zig Häuser, von denen noch 28 zerfielen. Aber noch stand die deutsche Marienkirche mit den Apostel- figuren sowie der Westgiebel der deutschen Peter- Paul-Kirche. Friedrich der Große bewunderte diese Reste einer stolzen deutschen Vergangenheit und baute um sie die Stadt wieder auf; auch errichtete

er die dortige Kadettenanstalt, aus welcher der Waf­fenschmied des zweiten Reiches, Kriegsminister von Roon, hervorging.

B r o m b e r g ist eine deutsche Kolonialgründung aus dem Jähre 1346; aus diesen Jahren stammen die Grundmauern der alten Pfarrkirche. An der Brahe entlang stehen heute noch einige Militär­speicher, die im Auftrag Friedrich des Großen er­baut wurden. Das Stadtrecht erhielt Bromberg von einem der ersten Hochmeister des Ordens.

Weit älter ist Thorn an der Weichsel. Nach seinem Wappen eine Mauer mit drei Türmen und dem halbgeöffneten Tor wurde es damals

das deutsche Tor gen Osten" genannt. Herman von Salza, der Begründer des Ordens, verlieh ihm das Stadtrecht, und hundert Jahre später stand die Hansestadt in so hoher Blüte, daß sie den NamenKönigin der Weichsel" erhielt. Breite Türme und wehrhafte Tore, das mächtige Rathaus das Ordensschloß und nicht zuletzt die Kirchen kün­den von deutscher Arbeit und Zielstrebigkeit. Auch die vielen anderen Bauten reden eine deutliche Sprache von deutschem Ritter- unnd Bürgergeist. Unter der fremden Herrschaft, vor allem zur Zeit desThorner Blutgerichts", hat die Stadt unsäg­lich gelitten, aber sie blieb im Grunde kerndeutich und bewahrte ihre Wesensart bis auf den heutigen £ag. t ,

Auch in Pofen ist das Wirken des Deutschtums unverkennbar sichtbar geblieben. Außerhalb der Stadt steht das Kirchlein, das der Orden vor acht­hundert Jahren baute für die damals noch kleine Gemeinde; auf feinem einfachen Giebel steht heute noch das Johanniterkreuz wie ehedem, als die Deutschritter den Grundstein legten für kommende bessere Zeiten. Auf dem Markt steht das alte Rat­haus mit dem leicht in die Wolken steigenden Turm, der an die frühere deutsche Städtebauweise er­innert. Ein hart umkämpftes Bauwerk ift Die An­siedlungskommission. Hier wurde vorbildliche An­siedlungstätigkeit entfaltet, die das Land zu hoher Kultur führte, hier zog nach dem Kriege unseliger Deutschenhaß ein, der über 100 OOO deutschen Sied­lern das ihnen zugeteilte Land wieder entzog. Der Ansiedlungskommission gegenüber steht die deutsch- evangelische Paulikirche mit ihrem schongegliederlen Turm. Der. Dom stammt aus der gotischen Zelt

und beherbergt die sogenanntegoldene Kapelle". Die Stanislauskirche ift von deutschen B a u- m e i ft e r n in italienischem Stil gehalten, während die Pfarrkirche als Basilika gedacht ist. Daneben zeugen viele Patrizierbauten von der Meisterschaft deutscher Erbauer, und zahlreiche Bauernhäuser in der Wartheniederung bei Posen erzählen von den Westfalen unb Sachsen, die hier vor Jahrhunderten zuerst das Deutschtum vorgetragen haben.

Alle diese Kulturdenkmäler, die Künder einer gro­ßen deutschen Vergangenheit, sind nicht mit den Mitteln einer Zeitanschauung auszurotten. Diese nicht selten mit Blut geschriebenen Zeugnisse der Gefchichte sind nicht durch Phrasen und Gesten m das Gegenteil umzukehren, sie bleiben und bewah­ren alle Geschehnisse, um sie gewissenhaft kommen­den Geschlechtern zu übermitteln. Was sind hier mißleitete Menschen, was Mächte verirrten Hasses? Sie fallen und vergehen vor der ewigen Richterin, der Zeit, die nur mißt mit der Wage der Gerechtig­keit.

!^a!>sche Ernährung und Zahnverfall.

Der Verfall des menschlichen Gebisses hat heute einen Umfang angenommen, der nicht nur eine starke Beeinträchtigung der Volksgesundheit, sondern auch eine schwere Belastung der Volkswirtschaft und sogar der Wehrhaftigkeit barftellt. Die Haupt­ursache dafür ist die falsche Ernährung, gegen die, wie Professor Hermann Euler in denFor­schungen und Fortschritten" ausführt, die schärfste Kampfansage notwendig ist und Aerzte mit den Zahnärzten aufs engste zusammenstehen müssen.

Der Gebißverfall zeigt sich zunächst in den Krank­heiten der Zähne selbst, insbesondere der Karies, die bei einer großen Zahl von Kindern an kranken Milchzähnen und bei vielen Erwachsenen an kranken bleibenden Zähnen festgestellt ist. In diesem Aus­maß besteht die Karies erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit, wenn sie auch schon in der vorgeschicht­lichen Zeit gelegentlich aufgetreten ist. Die Haupt­ursache liegt in der Veränderung, die unserer Er­nährung nach Zusammensetzung, Zubereitung und Form (Festigkeit) erfahren hat. Dor allem ist zu beklagen, daß der Anteil an pflanzlicher Nahrung in richtiger Zubereitung immer noch lediglich eine Beigabe" zum Fleisch darstellt, statt umgekehrt. Ebenso ist zu beklagen, daß sich ein nahrhaftes Brot so schwer einführt, das auch den Zähnen ge­nügend Arbeit lassen würde. Die Ernährungs­sünden vieler Generationen haben wohl eine Herab­setzung der Widerstandsfähigkeit gegen Karies im allgemeinen herbeigeführt, aber sie wird doch wesentlich durch die Fehlernährung des einzelnen gefördert. Jede einzelne Substanz, Schmelz, Zahn­

bein, Zahnmark, hat darunter zu leiden; nament­lich die unzureichliche Zufuhr von Vitaminen und Mineralsalzen ist von dauerndem Schaden für die Zähne.

Zweitens handelt es sich um Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Auch diese sind nicht alle eine Erscheinung der Neuzeit, sondern waren, verbunden mit Zahnstein, in harmloser Form schon vor 4000 Jahren vorhanden. Die schwere Form dagegen, die Paradentose, die Vereiterung der Zahnwurzelhaut und des knöchernen Zahnfaches, der nächst der Karies die meisten Zähne zum Opfer fallen, ist erst etwa 200 Jahre nach Christi Geburt verbreitet aufgetreten. Auch hier ist die Fehlernährung die Hauptursache, als deren Folge sich allmählich eine biologische Minderwertigkeit des Zahnstützgewebes entwickelt hat, die um so schwerwiegender ist, als nun das geringste Maß von stärkerer Beanspru­chung, Mangelnahrung oder einer anderen Schädi­gung zum Zahnverlust führen kann.

Am sinnfälligsten zeigt sich der Einfluß der Fehl­ernährung bei den Veränderungen am Kiefer, die zum Gebißverfall führen. Dazu gehören schwere Miß- geftaltungen der Kieferbogen und Zahnreihen, bann sehr oft auch der sogenannte offene Biß und an­deres mehr. In diesen Fällen wird nicht nur ein geordnetes Kauen fast unmöglich, die gedrängte und unregelmäßige Einzelzahnstellung begünstigt auch die Entwicklung von Karies und Paradentose. Die Fehlernährung durch Generationen hat wohl auch die Zunahme des sogenannten Uebergebisses und infolge einer immer weniger ausreichenden Kau- tätigfeit das Nachlassen des Unterkieferlängenwachs­tums bewirkt und mit dem letzteren einen Raum­mangel für die Zähne, der Durchbruchsschwierig­keiten und sehr oft schwere Erkrankungen :m Ge­biete des unteren Weisheitszahnes zur Folge hat.

C. K.

Zeitschriften.

DieIllustrirte Zeitung" vom 31. Aug. d I wird eröffnet mit einer eindrucksvollen ganz­seitigen PhotographieGlocken über Danzig". Es folgt ein Bericht über den Besuch des Reichsaußen- ministers in Moskau, sodann ein Querschnitt durch ein Flüchtlingslager. Der BeitragDie Weichsel klagt an", beweist, daß dieser Strom nicht die Lebensader Polens ist als die sie von polnischer Seite bezeichnet wird. Die nächsten Seiten führen uns in die große Schweizerische Landesausstellung Zürich 1939. Sodann besuchen wir Durban, die indische Stadt der Gegensätze. Im Mittelpunkt des Heftes steht eine prachtvolle farbige Doppelseite ungarischer Landschaften mit Aquarellen von Hang von Hattingberg.