war, dann deswegen, weil die Wirtschaft ihrem inneren Wesen nach liberalistisch und individualistisch eingestellt war und weil so zwischen der inneren Einsatzbereitschaft der Front und dem privatkapitalistischen Gefüge der Wirtschaft ein unüberbrückbarer Zwiespalt herrschte. Als Beispiele seien nur die riesigen Kriegsgewinne der Wirtschaft angeführt, denen aber — was nie vergessen werden darf — die Kriegsgewinne der von marxistischen Treibern beeinflußten Arbeiter in Gestalt von übermäßigen Kriegslöhnen zur Seite standen! Hier rächte sich das viel gepriesene „freie Spiel der Kräfte" abermals in der verhängnisvollsten Weisel
Die volle Schuld an dem Versagen der Wirtschaft im Weltkriege trifft daher letztlich die politische Führung, die diesem freien Spiel der Wirtschaftskräfte ebenso tatenlos zusah, wie sie es auch versäumt hatte, wirtschaftliche Mobilmachungsmaßnahmen zu treffen, zu denen sie von Vertretern der Wirtschaft angeregt worden war. Eine einzige Ausnahme muß allerdings erwähnt werden. Sie bestand in dem „Gesetz zur Ermittlung von Getreideerzeugnissen für die menschliche und tierische Ernährung", durch das eine Art Vorratsstatistik für den Kriegsfall eingeführt werden sollte. Dieses Gesetz, vom Reichstag im Mai 1914 angenommen, kam aber zu spät.
Das durch die politische Führung verursachte schuldhafte Fehlen jeglicher wehrwirffchaftlicher Vorbereitung muß um so mehr verwundern, als auf dem Gebiet des Verkehrs und der Finanzen eine vorbildliche Rüstung für den Kriegsfall getroffen worden war. Seitdem der große Moltke durch feine Schrift „lieber die militärische Benutzung der Eisenbahnen" (bereits 1843 erschienen!) eine Mobilisierung des Verkehrs im Kriegsfall eingeleitet hatte, ist nichts unterlassen worden, diesen Zweig der Wirtschaft für die Mobilmachung zu organisieren. Dasselbe lobenswerte Bild auf dem Gebiet der Finanzen! Bereits am dritten Mobll- machungstage des Weltkrieges konnten die im Frieden vorbereiteten und in den Tresoren der Reichsbank und des Reichsschatzamtes ruhenden Gesetzentwürfe vom Reichstag angenommen werden. So war Deutschland das einzige kriegführende Land, das keines Moratoriums bedurfte, wie denn auch die erste Kriegsanleihe mit 4,5 Milliarden Mark ein voller Sieg auf finanzwirtschaftlichem Gebiet war.
Nicht um zu entschuldigen, aber um zu erklären, warum die politische Führung in rein wirtschaftlichen Fragen versagte, sei daran erinnert, daß die Kriege 1864, 1866 und 1870/71 ohne wehrwirtschaftliche Vorbereitungen geführt worden waren und auch geführt werden konnten. Dies war möglich gewesen, weil bis zum Jahre 1875 in Deutschland Nahrungsfreiheit bestand. Erst von diesem Jahre ab geriet Deutschland hinsichtlich seiner Ernährung in die Abhängigkeit des Auslandes. Auch die Beschaffung der Rohstoffe in den drei Kriegen des vorigen Jahrhunderts hatte keine Mühe verursacht, da die neutralen Staaten Deutschland zur Verfügung standen. Mit anderen Worten: Es gab bis zum Weltkriege keine „totalen" Kriege, d. h. weder die vom Kriege unberührten Gebiete litten Not, noch mangelte es an kriegswichtigem Nachschub. Wie wenig total der Krieg von 1870/71 gewesen war, geht aus einer Nebensächlichkeit hervor: Während der ganzen Dauer des Krieges konnten in Hamburg französische Soubretten auf den Theatern und in den Varietes auftreten! Der Krieg wurde nur an der Front geführt.
Der Weltkrieg hat dieses „friedliche" Bild des Krieges mit einem Schlage verändert. Eine bis dahin nie gekannte und erbarmungslose Blockade Deutschlands setzte ein, mit der Hand in Hand die Bedrohung der Heimat durch die Luftwaffe ging. Der totale Krieg trat in die Erscheinung, ohne daß die politische Führung auch nur eine leise Vor- abnungft)on ihm gehabt hätte. Hinzu kam noch der feste Glaube, daß der Krieg nur kurze Zeit währen würde, ja, es gab vor dem Kriege genug führende Persönlichkeiten^ die den Ausbruch eines Krieges sogar für unmöglich hielten. Diese Meinung wurde durch die offizielle Nationalökonomie in der verantwortungslosesten Weise bestärkt. Wurde doch noch kurz vor dem Weltkrieg von den Universitätskathedern der Wirtschaftsgelehrten wörtlich verkündet, daß „ein Krieg zwischen den Großstaaten der Erde aus Gründen der weltwirtschaftlichen Verflechtungen unmöglich sei"!
Deutschland hat diese Illusionen einer verflochtenen Weltwirtschaft, hat die Ahnungslosigkeit und das
Oie italienischen Manöver abgeschlossen.
Doller strategischer Erfolg der po-Armee.
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Neuestes Schnellfeuer-Panzerabwehrgeschütz bei den italienischen Manövern. Unsere Aufnahme zeigt ein Mitglied der deutschen Militärabordnung bei der Besichtigung eines der neuesten italienischen Panzerabwehrgeschütze, das bei den Manövern zum Einsatz kommt. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Mailand, 7. Aug. (Europapreß.) Die italienischen Manöver sind am Montagoor- mittag westlich von Turin im Susa-Tal abgeschlossen worden. Hier hatte die rote Partei eine letzte Verteidigung versucht. Sie wurde jedoch von der Po-Armee (blau) in einer glänzenden Schlacht überrannt und in die Grenztäler zurückgeworfen.
Die Entscheidung führte die gepanzerte Division „Artete" herbei, die zugleich mit der motorisierten und der Schnellen Division oorgestürmt war. Die Stoßkraft der Panzerdivision mit ihren 500 Panzerwagen machte großen Eindruck. Zahlreiche Flugzeugstaffeln wurden im Kampf um das Susa-Tal eingesetzt. Es folgten Artillerie- und Infanterie-Angriffe, auch ein Bataillon chemischer Truppen trat
in Tätigkeit, um das Vorrücken der motorisierten Division „Triefte" und der Panzerdivision „Äriete" durch künstlichen Nebel zu decken. Vom Beobachtungsstand auf der Schloßruine Avigliana konnte der Schlußkampf besonders gut beobachtet werden. Von hier aus folgten der König und Kaiser, der Kronprinz, mehrere Minister, über hundert Generäle — darunter die Marschälle Balbo, de Bono und Graziani — sowie die ausländischen Militärmissionen den Kämpfen. Die Militärattaches aller beim italienischen Hof beglaubigten Staaten wohnten den Manövern bei.
Am 9. August findet eine große Truppen - parade vor dem König und Kaiser statt, bei der wahrscheinlich auch der Duce anwesend sein wird.
Fehlen wehrwirtschaftlicher Rüstung bitter büßen müssen: der Wirtschaftskrieg ging verloren und rtß ein 65-Millionen-Volk in den Abgrund.
Heute und an dieser Stelle die Schuld abwägen zu wollen, wäre ein nutzloses Beginnen. Wichtig allein ist bie' Lehre, die nicht nur jeder Wirtschaftstreibende, sondern auch jeder deuffche Mann, jede deutsche Frau und insbesondere die deutsche Hausrau aus dem Verhängnis der Vergangenheit zu ziehen hat: daß nämlich die Wirtschaft auch im tieften Frieden niemals eine Privatangelegenheit ist, andern daß sie den Befehlen der politischen Führung zu gehorchen hat. St.
JRuf aus Aegypten:
Orient erwache!
Gegen die Ausbeutung durch England.
Kairo, 7. Aug. (DNB.) Nahad Pascha, der mehrere Male in Aegypten Ministerpräsident war und Ende Dezember 1937 durch königlichen Erlaß von diesem Amt entbunden wurde, hielt in Alexandrien eine Rede, in der er die Unterdrückungsmethoden der Engländer und Franzosen anprangerte und den Orient zum Erwachen aufrief. Nahad Pascha erklärte, die Engländer hätten die Freundschaft des ägyptischen Volkes verloren, da sie versuchten, A e g y p - t e n mit Hilfe eines ihnen willfährigen Kabinetts auszubeuten. Im Namen der Freiheit, der
Gleichheit und der Brüderlichkeit übten die Engländer in Palästina ihr Mandat mit Blutvergießen und Unterdrückungen jeglicher Ark aus. In Syrien unterjochten Engländer und Franzosen gemeinsam die nationalen Bewegungen. Die übernommenen Verpflichtungen würden sogar formell verletzt, indem dies für sie „Demokratie" bedeute. Der Orient müsse endlich erwachen und seine Einheit Herstellen, um dem Regime der Gewalt und der Unterdrückung ein Ende zu bereiten.
Die ägyptische Zeitung „Al Mokkatam" beschäftigt sich in zunehmendem Maße mit den wachsenden Lasten Aegyptens für die englischen Militärrüstungen am Suezkanal, die auch andere ägyptische Blätter als immer drückender empfinden. Das Blatt fragt offen, warum Aegypten weiterhin so hohe Militärlasten zugunsten Englands tragen müsse. Die Zeitung stellt in diesem Zusammenhang fest, daß die Türkei acht Millionen Pfund weniger ausgebe als Aegypten und trotzdem eine bessere Militärorganisation und ein stärkeres Heer unterhalte. Die ägyptischen Finanzen würden für England aufs äußer st e angespannt, während die Türkei von London einen Kredit von zehn Millionen Pfund erhalte und noch als Geschenk den Sandschak von Alexandrette einheimsen dürfe. Es sei das besondere Schicksal Aegyptens, am Wege des englischen Empires zu liegen und für englische Militärkasernen zahlen zu müssen.
KdF -Wagen für Nudolf Heb.
München, 7. August (DNB.) Der Stellver« treter des Führers der NSDAP, empfing am Montag Reichsorganisationsleiter Dr. Ley zu einem Vortrag über aktuelle Fragen der Organisation der NSDAP, im Braunen Haus in München. Bei diesem Empfang übergab Reichsleiter Dr. Ley dem Stellvertreter des Führers einen der neu fertiggestellten KdF. - Wagen. Der Stellvertreter des Führers, der sich alle technischen Einzelheiten des Wagens erläutern ließ, wird ihn selbst für einige Zeit erproben, um ihn dann einem verwundeten alten Kämpfer der Bewegung zu übergeben.
Registrierung des landwirtschaftlichen Besihwechsels.
Die bisher nur im Lande Preußen durchgeführte Statistik des Besitzwechsels land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke wird rückwirkend vom 1. Januar 1939 ab auf das gesamte Reichsgebiet ausgedehnt. Eine entsprechende Anordnung hat der Reichsernah- rungsminister soeben getroffen. Die Besitzwechsel- statistik soll einen Ueberblick über die Bodenbewegung und über die Entwicklung der Bodenpreise in den einzelnen Reichsgebieten ermöglichen. Die Bearbeitung der Statistik erfolgt durch das Statistische Reichsamt unter Mitwirkung der Genehmigungsbehörden.
Generalfeldmarschall Göring in den Iunkerswerken.
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Generalfeldmarschall Göring nahm am Sams/-/ eine Besichtigung der Junkers-Flugzeugwerke in Dessau vor. Unser Bild zeigt ihn beim Gang durch das Werk. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
„Nicht mehr notwendig."
London, 8. August. (DNB. Funkfpruch.) Dem Stockholmer Korrespondenten des „Daily Expreß" zufolge rechnet Strang, der auf seiner Rückkehr nach London am Montagnachmittag in S t o ck h o l m eintraf, nicht mit einer Rückkehr nach Moskau. Strang erklärte dem Korrespondenten, er glaube, daß seine Mitarbeit „nicht mehr notwen- d i g sei". Heber die Ergebnisse seiner Verhandlungen in Moskau könne er nichts sagen.
Aus die Sekunde kommt es an.
Von Franz Gchauwecker.
Im Anfang des Großen Krieges, als man noch unbekümmert um das Feuer aller Art gegen den gut gesicherten Gegner losging und erst anfing, eine Ahnung zu bekommen, daß der Krieg — ohne daß die, welche ihn führten, es bemerkt hätten — feine Methoden inzwischen schon grundlegend geändert hatte —, in dieser Zeit des ersten überschwänglichen Ansturms gegen jeden Tod hatte ich zwischen zwei Vorsprüngen in einem Rübenfeld ein hastiges Gespräch mit meinem Kompanieführer. Ich war damals Unteroffizier, und der Rangunterschied wirkte sehr dämpfend, und daß er das angesichts des Todes tat, war für mich ein erschütternder Beweis für das, was man „preußische Disziplin" nennt.
Während wir unter den breitblättrigen Rüben lagen und über und neben uns die Geschosse pfiffen, trillerten und fauchten und die Granaten ihre unheilvolle Bahn zogen, sagte der neben mir liegende aktive Leutnant von Uhlstädt Knall und Fall zu mir: „Unteroffizier, Sie sind ein vernünftiger Kerl, und ich will verdammt fein, wenn ich mich irre. Wir haben nicht mehr viel Zeit, wenigstens ich nicht. Der Offiziersrang ist ein Scheck auf den Heldentod, der eines Tages mit tödlicher Sicherheit abgehoben werden wird."
Ich klappte im Liegen die Hacken zusammen — damals war das noch so — und lauschte neben feinen Worten den infernalischen Geräuschen der Schlacht. Meine Aufmerksamkeit war geteilt.
Der Leutnant legte seinen Kopf flach zu mir auf den Unterarm und sagte: „Wir haben vermutlich noch etwas Zeit, bis wir kopfübergehen. Ein paar Minuten genügen. Hören Sie zu?
Mit einem dumpfen Schlag klatschte ein Gewehr- geschoß zwischen uns in die Erde und warf schräg Erde zurück.
„Es meldet sich an!" sagte er und lächelte. „Also rasch. Ich habe zu Hause ein Mädchen, das ich liebe. Mindestens bilde ich mir das ein. Jedenfalls ist das so. Ich stamme aus uralter preußischer Offiziersfamilie. Niemals hat irgendeiner von uns mit der Wimper gezuckt, wenn es drauf und dran ging, verstehen Sie mich "
Ich verstand, und die Geschosse zwitscherten dazu.
,Lhre Ansicht ist übrigens gleichgültig. Sie haben für alle Fälle dies alles nach Hause zu überbringen, falls Sie selber davonkommen sollten, was ich" — er wurde milde — „hoffe".
Indem er feinen Karabiner sorgfältig in Anschlag brachte, zielte und abdrückte, fuhr er fort: „Meine ganze Familie ist gegen das Mädchen. Ich aber" — er schoß — „halte zu ihr. Das geht Sie nichts an; es ist nur eine Mitteilung."
Ich antwortete: „Zu Befehl!"
„Richtig!" sagte er. „Das Schlimme dabei ist, daß mich die ... äh —> mein Gefühl zu diesem Mädchen als Soldat beeinträchtigt. Mit andern Worten: ich bin" — er schoß — „kein so guter Soldat, wie ich das als Führer fein müßte. Ich gebe mir zwar Mühe" — er zielte und setzte ab, ohne zu schießen — „aber es gelingt mir nicht, wenigstens nicht immer. Nehmen Sie die Nase nach vorn, Unteroffizier! Sie schießen nicht. Fallen müssen wir alle. Es ist wichtig, daß wir vor unserem Tode wenigstens einen Mann da drüben umgelegt haben, aber Sie lassen sich ablenken."
Ich stieß eine Patrone in den Lauf und wandte mich dem Feind zu, während neben mir die gleiche gleichmütige Stimme ertönte: „Mich macht dies Mädchen vorsichtiger, als das der Fall sein sollte. Frage: Ist das die richtige Liebe oder nicht? Soll die Liebe einen nicht tapferer machen? Ist Liebe" — er schoß — „nicht ein herrlicher Stachel für den Ehrgeiz eines Mannes, sich richtig zu benehmen, auch wenn das betreffende" — er schoß — „Weib nicht dabei ist und es nicht sieht? Frage."
„Meine Meinung, Herr Leutnant", sagte ich und lud, „ist die —"
„Ihre Meinung behalten Sie bitte für sich. Ich —" , Das Folgende ging in einer schwer unmittelbar hinter uns einhauenden Artilleriesalve verloren. Gras und Erde regnete sekundenlang auf uns herab.
„Manchmal bin ich mir im Zweifel, ob meine Familie recht hat ober ich. Aber jedenfalls habe ich recht. Meine Familie sitzt zu Haufe und trinkt Kaffee."
Rechts von uns schrien Verwundete. Ein Sanitäter huschte gebückt vorbei. Das Feuer nahm zu.
„Unteroffizier, nehmen Sie die Nase nach vorn. — Ußas ich sagen wollte — gleich ist es so weit — verflucht!"
®in schwerer Einschlag vor uns bewarf uns mit Gestank und Erde. Halb blind und verschmiert stierten wir geradeaus, wo jetzt die Salven unserer Artillerie einschlugen.
„Gut!" sagte der Leutnant. „Was meine Familie denkt, ist gleichgültig. Aber dies verdammte Frauen- zimmer hat mich schon zweimal bewogen eine Sekunde später aufzustehen und vorzugehe'n, als es notig gewesen wäre. Diese Sekunde hat vielleicht ge
nügt, mir das Leben zu retten, und dafür sind vielleicht zwei andere Kerle gefallen. Das ist nicht — da, links, sehen Sie, Unteroffizier, da gehen die Kerle zurück, die.Engländer, sehen Sie — stimmt doch?!"
Er hatte recht. Rechts gingen die Engländer zurück. Sie erhoben sich erst einzeln und dann in ganzen Gruppen.
„Aber vor uns schießen sie noch, Herr Leutnant!" schrie ich, und in der Tat kamen die Geschosse wie Mückenschwärme herüber.
„Es ist Zeit!" sagte der Leutnant. „Aus die Sekunde kommt es an! Los?"
Er sprang auf, und obwohl ich ihn kannte, wurde ich jetzt erst gewahr, wie schlank und braun er war, ein junger Achill in der preußischen Uniform. Er schwang seinen Karabiner und stürzte vor. Drei Schritte weiter, während ich mich aufraffte, wuchs feine Gestalt senkrecht empor, als wollte er mit gebreiteten Armen in den Himmel fahren. Mit zurück- geworfenem Kopf sich halb um sich selber drehend schlug er vornüber und blieb liegen.
Während die gesamte deutsche Linie vorging, bückte ich mich zu ihm. Ein Herzschuß hatte seinem Leben sogleich ein Ende gemacht. Vielleicht irrte ich mich, aber er schien mir zu lächeln.
Friedrich der Grobe und Graun.
Am 8. August 1759 starb in Berlin Karl Heinrich Graun, der bedeutende Komponist und Kapell- meister Friedrichs des Großen. Nachdem er schon als stnabe eine Reihe von aufsehenerregenden Kompositionen geschrieben und dann in Dresden, später m Braunschweig als Tenor gewirkt hatte, wurde er 1735 von dem damaligen Kronprinzen Friedrich zunächst auch als Sänger nach Rheinsberg gerufen, nad) dessen Thronbesteigung 1740 zum Kapell- nieifter in Berlin ernannt und stand dem König immer besonders nahe. Er richtete die Oper in Berlin ein und schrieb für diese etwa 30 Opern im italienischen Stil. Unter (Brauns zahlreichen Chor- roerten war das Passionsoratium „Der Tod Jesu" das wichtigste, das bis in die neuere Zeit hinein jebr beliebt blieb. Die interessante Geschichte dieses Werkes, die für Friedrich wie für den Komponisten febr charakteristisch ist, hat Karl Lö w e, der Meister der Ballade, auf Grund einer persönlichen Erinnerung m einem Aufsatz erzählt, der 1855 bei der Hundertjahrfeier der ersten Aufführung der Kantate oorgelefen wurde.
Löwe hatte einen damals schon lange Zeit verstorbenen Geistlichen gekannt, der als junger Kandidat in Berlin den Vorzug hatte, sowohl bei Graun als bei dem Dichter des Textes, dem durch seine Oden und Anthologien als poettscher Lehrmeister bekannt gewordenen Karl Wilhelm Ram- l e r, Hausfreund zu fein. Als die beiden Männer sich zur Arbeit an der großen Kantate „Der Tod Jesu" zusammenfanden, legten sie zunächst mit außerordentlicher Sorgfalt den allgemeinen Plan des Werkes fest. Jeder warf feine Kunst in die Waagschale, um etwas besonders Wirksames zu gestalten, vor allem aber, was dem Könige Wohlgefallen würde. Bei der Ausführung der einzelnen Teile war Graun jedoch viel schneller mit der Komposition fertig als Ramler, der stets sorgfältig abwog und oft änderte, mit der Dichtung. Oft kam der ungeduldige Komponist mit dem Ausrufe zum Dichter: „Ramler, schaffen Sie mir Worte!", und Ramler wieder beklagte sich: „Der komponiert schneller, als ich dichte, und denken Sie sich, Herr Kandidat, vor einigen Tagen sehe ich, daß er ein Dersikulum .Christus hat uns ein Vorbild gelassen', 8 Folioseiten, sage, acht Folioseiten, dicht voll Noten geschrieben hat; was soll nun erst aus meinen großen Episoden werden?" Eines Tages fragte Frau Graun den Kandidaten: „Sagen Sie, Herr Kandidat, was ist das jetzt mit meinem Mann; er roeint so viel, ach, er weint früh und abends; er ist in sich gekehrt, und ist doch dabei gesund, er flajt über nichts, ja er sagt selbst: .Selig find die Trau' ernben, denn sie werden Freudigkeit erlangen/" ’ „2lls nun Friedrich der Große das Werk zuerst gebärt hatte, war der Kandidat am andern Tage oei (Braun, um ihm einiges von dem Eindruck zu erzählen, den feine Musik auf die Zuhörer gemacht hatte. Während sie noch sprachen, kam ein fönig; sicher Diener mit einem Briefe und einem Etui- Hastig entfaltete Graun den an ihn gerichteten Brief und las feiner horchenden Frau folgendes vor:
„Mein lieber (Braun, ©eine Cantate, der Tod Jesu, habe Ich gestern gern gehört, und schicke Ihm anbey eine Sabotiere mit 30 Dukaten. Von denen Stücken, die Mir besonders wohlgefallen haben, nehme Ich jedoch aus die Arie .Ihr weich geschaffen Seelen' —" (hier war die Seite zu Ende, auf'der das Gesagte geschrieben war. (Brauns Hände ließen den Bries mit dem Ausruf sinken: „Meine Arie hat dem Könige nicht gefallen!" — „So lies doch erst weiter!" rief die Frau. Graun wendet um — da steht:) „denn die kann nicht bezahlt werden.
Friedrich?


