aber leider von einem großen Teil der Volksgenossen nicht benutzt. Dor der Versendung von Geld in gewöhnlichen Briefen wird dringend gewarnt. Für in Verlust geratene Einschreibbriefe werden höchstens 40 Mark Ersatz geleistet, für beraubte Einschreibbriefe besteht dagegen keine Haftung. Bei Verlust oder Beraubung gewöhnlicher Briefe haben Absender und Empfänger immer den Schaden selbst zu tragen, weil die Post nicht haftet.
Kleine Strafkammer Gießen.
Durch Urteil des Amtsgerichts Büdingen vom 27. März 1939 wurde der H. M. in Hain-Gründau wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung,, begangen am 3. Juli 1938 in Lorbach gelegentlich der dortigen Kirchweih, zu einer Gefängnisstrafe
von zwei Wochen verurteilt. Gegen das Urteil legte er Berufung ein, und zwar wegen der Strafhöhe. Die Mittäter sind bereits rechtskräftig verurteilt. •
In der Berufungsverhanldung wurde wiederum die Schuld des Angeklagten festgestellt. Der Verletzte leidet heute noch an den Folgen der Verletzungen.
Der Vertreter der Anklage hielt nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme die im angefochtenen Urteil erkannte Gefängnisstrafe nicht für ausreichend und beantragte Erhöhung auf einen Monat.
Die Berufung wurde verworfen und der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt.
Selbffchutzgeräte für Lustschutzgememschasten.
Zusammen mit der neuen Durchführungsverordnung 3um Lustschutzgesetz, die die Beschaffung von Selbstschutzgerät für jede Luftschutzgemeinschaft (in der Regel also jedes Haus) vorschreibt, ist auch bekanntgegeben worden, mit welchem Selbstschußgerät die Anforderungen des Gesetzes erfüllt werden. Die Liste enthält 12 Gegenstände, die zur Ausstattung einer Lustschutzgemeinschaft mit Selbstschutzgerät gehören. Es handelt sich um je ein Stück Handfeuerspritze, Einreißhaken, Leine, Leiter und Luftschutz- Hausapotheke, um eine Feuerpatsche je Treppenhaus, um zwei Wassereimer je Treppenhaus und ferner je Treppenhaus einen Wasserbehälter, eine Sandkiste, eine Schaufel, bezw. einen Spaten, und eine Axt oder ein Beil. Schließlich müssen je eine Armbinde je Luftschutzwart, je Laienhelfer bzw. Laienhelferin und je Melder nach vorgeschriebenem Muster vorhanden sein.
Generell ist weitgehend auf vorhandenes Gerät zurückzugreifen. Im übrigen werden zu den einzelnen Geräten noch besondere Erläuterungen gegeben. Handfpritzen müssen von der Reichsanstalt der Luftwaffe für Luftschutz zum Vertrieb genehmigt oder vom Reichsführer ff und Chef der Deutschen Poli
zei anerkannt fein. Von einer Neubeschaffung kann Abstand genommen werden, wenn vorhandene Han'dspritzen von dem Ortspolizeiwalter als ausreichend« angesehen werden. Bei dem Einreißhaken handelt es sich um eine mit Haken oder kräftigem, langem Nagel versehene Holzstange. Auch die Leine muß kräftig und lang, sowie auf eine Holzwelle gewickelt sein. Die Hausapotheke muß die Vertriebs- genchmigung nach dem Luftschutzgesetz erhalten haben. Die Feuerpatsche ist ein ein bis zwei Meter langer Stock, an dessen Ende ein vor der Benutzung mit Wasser zu tränkendes Stück Stoff befestigt ist. Die je Treppenhaus vorgeschriebene Sandkiste muß etwa fünf Eimer Sand oder Erde und eine einfache Handschaufel enrhalten.
Für Stalleigentümer wird die Liste der vorgeschriebenen Selbstschutzgeräte noch um Luftschutz- Veterinärkästen ergänzt. Bei insgesamt mehr als 20 Tieren (Pferden, Rindern oder Schweinen) ist ein zweiter Luftschutz-Deterinärkasten, bei insgesamt mehr als 40 Tieren ein dritter vorgeschrieben. Diese Staffelung setzt sich fort. Außerdem muß ein Kasten für die erste Hilfeleistung des Tierhalters nach Luftangriffen beschafft werden.
Erntelager der Lugendgruppen im Gau Hessen-Nassau.
NSG. Auf dem Lande werden in diesem Jahre wieder für Ernte- und Feldbestellung dringend Hilfskräfte benötigt. Don Partei und Staat sind bereits die erforderlichen Maßnahmen getroffen worden, den Mangel an Arbeitskräften etwas auszugleichen. In die Front der Helfer für den deutschen Bauer reiht sich auch das Deutsche Frauenwerk mit der Nachbarschaftshilfe ein, die mit allen Mitteln der Bäuerin eine Entlastung verschaffen, ihr wenigstens einen Teil der Hausarbeit und der Sorge um die Kinder abnehmen will. Die Jugendgruppen der NS.- Frauenschaft — Deutsches Frauenwerk — werden voraussichtlich in drei Erntelagern des Gaues Hessen-Nassau nach besten Kräften Hilfe leisten.
Das erste Erntelager wird am 17. Juli in Rimbach, Kreis Büdingen-Schotten, im HJ.'-Heim eröffnet. Es wird in Betrieb bleiben mit einer kurzen Unterbrechung im Juli bis zum 15. September. Das zweite Lager kommt nach Schönberg an der Bergstraße und bleibt ab Anfang Juli geöffnet bis Mitte September. Ein drittes Lager soll im Kreis
Wetzlar erstellt werden. Sämtliche Lager werden in enger Zusammenarbeit mit dem Reichsnähr- stand errichtet. Jeweils zehn bis zwölf Mädel werden gleichzeitig im Lager sein. Da die Mädel die Zeit, die sie im Erntelager verbring-n, ausnahmslos von ihrem Urlaub nehmen müssen, ist ihre Zeit im Lager verschieden lang bemessen. Der Mindestaufenthalt beträgt acht Tage. Die Leitung des Lagers, die alle Woche wechselt, übernimmt die Lager-Aelteste.
Für die Lager ist ein fester Dienstplan aufgestellt. Morgens früh nach dem Wecken wird schnell das Lager in Ordnung gebracht. Um 7 Uhr muß jedes Mädel beim Bauern fein. Dort wird jede Arbeit übernommen, die gerade erledigt werden muß. In den meisten Fällen werden die Mädel als Hilfe der Bäuerin in Haus und Garten eingesetzt werden. Da die Zeit ihrer Hilfeleistung nicht sehr lange ist, würden sie sonst kaum Gelegenheit finden, sich in die neue Art der Beschäftigung einzuarbeiten. Stopfen und flicken, kochen, Kinderbeschäftigung und putzen, auch Gartenarbeit, das kann jedes Mädel schon. Abends wird das Abendbrot mitgenommen und gemeinsam im Lager verzehrt. An das Esten
pung der Körperoberseite. Anderseits führt es bei seinem Lauf ähnliche schlängelnde !Beroegungen aus wie ein auf das Trockene geratener Fisch. Die Tiere leben ausgesprochen Nächtlich. Die Entwicklung und Vermehrung wird durch Wärme und Feuchtigkeit begünstigt.
Wie die Bezeichnung „Zuckergast" andeutet, haben sie eine Vorliebe für Zucker und Süßwaren. Die Hauptnahrung besteht jedoch aus stärkehaltigen Stoffen, wie Mehl, Kleie, Graupen, Grieß, Haferflocken, zwischen denen die Silberfischchen in den Vorratskammern der Wohnungen, Gaststätten, Lebensmittelhandlungen, Warenhäuser, Bäckereien und Mühlenbetriebe oft in großer Menge wimmeln. Feuchte Wohnräume sagen ihnen besonders zu. Hier werden die Tapeten von der Rückseite wegen des stärkehaltigen Kleisters benagt In solchen Räumen werden auch Bilder, Photographien, Wäsche, Gardinen, Wollstoste, Seide und Lederwaren angefreffen. Auch Kunstseide wird von den Silberfischchen verdaut.
Die einfachste und zweckmäßigste Bekämpfungs- moßnahme besteht in der Erzeugung trockener Hitze. Nach vollzogener Austrocknung der befallenen Räume müssen alle Löcher und Ritzen in Dielen, Balken, Scheuerleisten und Wänden Sorgfältig abgedichtet werden. Mit gutem Erfolg kann frisches Insektenpulver zur Bekämpfung an den Stellen ausgeftreut werden, wo die Tiere hervorkommen. Die beste Bekämpfung nutzt nicht viel, wenn man nicht den „baulichen Mängeln" Rechnung trägt und schadhafte Dielen, Scheuerleisten, Risse im Putz usw. ausbessert.
In Zweifelsfällen wende man sich schriftlich oder mündlich an die Auskunstsstelle für Schädlingsbekämpfung ober an die Biologische Reichsanftalt für Land- und Forstwirtschaft, Berlin-Dahlem, an die Preußische Lande sanftalt für Wasser-, Boden- und Lusthygiene in Berlin-Dahlem, oder eine der staatlichen Hauptstellen für Pflanzenschutz.
Gießener wochenmarktpreiie.
* Gießen, 8. Juni. Aus dem heuttgen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse C9K, Wirsing, grün, % kg 18 bis 22, Weißkraut 20, Gelberüben, neue, Bündel 20 bis 25, Spinat, % kg 20 bis 25, Römischkohl 20, Spargel, 1. Sorte 55 bis 56, 2. Sorte 48 bis 50, 3. Sorte 45 bis 46, 4. Sorte 22 bis 25, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 16 bis 18, Rhabarber 10 bis 18, Kartoffeln, alte, 5, 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4,— Mark, Aepfel, % kg 60 Pf., Kirschen 50 bis 65, Stachelbeeren 30 bis 40 Pf., Erdbeeren 2,60 Mk., Blumenkohl, das Stück 85 bis 100 Pf., Salat 8 bis 20, Salatgurken 50, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 15, Rettich, Bündel 12 bis 20, Stück 10 bis 20, Radieschen, Bund 10 bis 15 Pf.
*
** Vordereitungskursus für d i e Meisterprüfung. Die Kreishandwerkerschaft gibt bekannt, daß alle selbständigen Handwerksmeister, die in ihrem Handwerkszweig auf Grund der gesetzlichen Vorschrift bis Ende 1939 ihre Meisterprüfung ablegen müssen, Gelegenheit haben, an einem der Vorbereitungslehrgänge in Buchführung, Gesetzeskunde usw. teilzunehmen.
** Kein Geld in gewöhnliche Briefe einlegen! Die einzig richttge Art, Geld mit der Post zu verschicken, ist die mit Postanweisung, Zahlkarte oder Geldbrief. Wer einen nicht ganz unbedeutenden Zahlungsverkehr unterhält, dem kann nur dringend die Einrichtung eines Postscheckkontos empfohlen werden. Er hat dann nur nötig, eine kostenlose Ueberroeifunq oder einen Scheck auszuschreiben und den gelben Scheckbrief mit 5 Pfennig frankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen. Diese einfachen und sicheren Geldversendungsarten werden
Ein Oisnn wie taufenö anöect
Roman von Konrad Trani
Copyright by Carl Ouncker Verlag, Setltn W35
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Still war es — und eine ungeheure Spannung lag über dem Saal. Die Luft war wie mit Elektrizität geladen. Die Wangen hatten sich gerötet, und die Augen leuchteten, leuchteten voller Gier, voller Freude. Und Haß... Ja, hier war viel ehrlicher Hoß lebendig, so erstaunlich das dem jungen Gottfried von Dilden auch schien. Sein Nachbar zum Beispiel, ein weißhaariger Herr mit einem gutmütigen, runden Gesicht, hatte es offenbar auf eine Zeichnung von Wolf Huber abgesehen. Die wurde von vornherein mit fünfhundert Pfund ausgeboten. Der Erzbischof steigerte um hundert, dann immer wieder um fünfzig Pfund. Der Nachbar wollte den Zeigefinger gar nicht mehr heruntertun und in die Westentasche stecken, wo er ihn aufbewahrte, wenn er nicht mitbot...
Vor ihnen saß das Hutzelweibchen, das schon drei Unterschriften gegeben hatte. Die Hutzelhexe nickte. Einmal wandte sie sich um und warf dem Herrn mit dem Vollmondgesicht einen giftigen Blick zu. Der Herr lächelte, lächelte wie die leibhaftige Bosheit. Und reckte wieder den Zeigefinger. Als der Erzbischof bei zweitausend hielt, murmelte er mit halblauter Stimme, so daß Gottfried ihn kaum ver- stand: „Und fünfhundert". Aber der Erzbischof hatte ihn verstanden. „2500" wiederholte die angenehme Predigerstimme.
„Und fünfhundert!" steigerte die Hutzelhexe, und ihre Stimme klang wie eine Kriegsfanfare.
„Damen sollte der Zutritt zu ernsten Kunstauktio- nen von der Polizei verboten fein!" knurrte der Nachbar. Er knurrte wie eine böfe Bulldogge. „Und Mrs. Hinfield erst recht!"
Der Elfenbeinhammer klopfte dreimal, und Mrs. Hinfield ließ sich erleichtert zurückfinken. Sie fand es offenbar unter ihrer Würde, dem Konkurrenten, der das Blatt innerhalb von ein paar Sekunden um eintausend Pfund Sterling verteuert hatte, einen Blick zu gönnen.
„Wenn die alte Hinfield bietet, sollte ein vernünftiger Mann von vornherein verzichten", flüsterte ein Hintermann.
„Warum? Das sehe ich nicht ein", wehrte sich der Herr mit dem Vollmondgesicht. „Dann soll sie wenigstens überzahlen... Das ist das mindeste, was ich brauche, um heute nacht ruhig zu schlafen!"
Da wandte sich Mrs. Hinfield um und lächelte die beiden süß an.
Bisher hatte Gottfried die Hände tief in die Hosentaschen vergraben und sich kaum zu rühren getraut, damit ja niemand auf die Idee käme, ihn für einen Käufer zu halten. Was würde er tun, wenn plötzlich der graue Spitzbart mit dem Block vor ihm auftauchte, und er unwillkürlich Besitzer eines sündteuren Blattes wäre? Eine schöne Bescherung!
Nummer 247. Studie zu einem Männerporträt. Andrea del Sarto. Dann sagte der Herr auf dem Podium noch einiges, was Gottfried weder verstand noch interessierte. Jetzt war er an der Reihe. Hopp- auf! Gottfried, der keinerlei Erfahrung hatte, richtete sich kerzengerade in dem harten Stuhl auf. Und der ganze Saal wußte: Der Neue, der Eindringling wollte den Sarto... Er würde sich wundern. Und der ganze Saal war sich auf einmal einig, ohne daß ein Wort gesprochen wurde. Dem würden sie es zeigen!
Daß das Blatt mit dreihundertfünfzig ausgerufen wurde, das konnte Gottfried nicht gefallen. Er hatte beobachtet, daß kaum eines der Blätter unter dem doppelten Ausrufpreis zugeschlagen wurde.
Vierhundert... vierhunderfünszig ... fünfhundert.
Daß der Nachbar mitbot, empfand Gottfried fast als Beleidigung. Wie kam der nette Mensch dazu, so in Gottfrieds Domäne vorzustoßen? Als ob es nicht genug Blätter gäbe auf der Welt...
Fünfhundertfünfzig. Sechshundert...
Nicht einer, sechs Zeigefinger hoben sich. Und drei nickten. Gottfried meldete sich wie ein aufgeregter Schuljunge, der keinesfalls zugeben kann, daß der Herr Lehrer ihn übersieht.
Sechshundertfünfzig!
Gottfried zog behende den ausgestreckten Arm zurück. Das war fein Limit, und weiter konnte er nicht gehen. Es war zwar jammerschade, daß ihm in dieser Sekunde eine Menge Geld davonschwamm, aber Limit ist Limit. Und eine Gratisreise nach England mit einem Bargewinn von mindestens zwanzig Pfund, wenn er weiter sparte von fünfundzwanzig Pfund, war auch nicht zu verachten.
Sie hielten schon bei achthundertsiebzig. Der Erzbischof steigerte nur mehr um zwanzig, bann um Zehn Pfund. Mrs. Hinfield bot nicht mit. Das tat Gottfried leid. Er hätte sehr gewünscht, der unfreundliche Nachbar möge gründlich geschröpft werden. Dafür schienen die paar Herren in den vorderen Reihen sorgen zu wollen. Langsam schraubte sich der Preis in die Höhe. Tausend... eintausendundneunzig ... klang die vibrierende Stimme vom Podium. Nur so weiter, meine lieben Brüder in Christo! schien er sagen zu wollen.
Die Zeichnung von Andrea del Sarto, Studie zu einem Männerporträt, Katalognummer 247 der großen Sommerauktion von Harley Bros., wurde Gottfrieds Nachbarn zum Preise von Lstg. 1150 zugeschlagen.
Der Herr mit dem Vollmondgesicht, einer der größten Prioatsammler im ganzen Britischen Em- pire, lächelte holdselig. Dann stand er auf, nachdem er einen Block unterschrieben hatte. Und ging.
Was habe ich hier noch verloren? fragte sich Gottfried, langte nach seinem Hut und trollte sich.
Mr. Rutby hielt eine sorgsam verschnürte Mappe unter dem Arm, als er die Treppe des Auktionshauses herunterschritt. Er hatte im Vorbeigehen dem alten David Harley einen Scheck in die Hand gedrückt und feinen Schatz ausgefolgt erhalten. Er freute sich schon zu sehr auf den Augenblick, da er öaheim selber die Mappe aufschnüren und dem neu erworbenen Schatz den ihm gebührenden Ehrenplatz 'anweifen würde.
Er winkte einem Taxi. Rutby war ein fpar« famer Mann, der ein Auto für feine Familie für durchaus ausreichend hielt. Daher kam es, daß er meistens mit der Untergrundbahn ober im Taxi fuhr, weil Mrs. Rutby nachmittag für nachmittag, abend für abend das Auto für sich beanspruchte.
Der Wagen Tarn nur schwer vorwärts. Der Abendverkehr durchbrauste die engen Straßen der City. Wir find auf der roten Welle, dachte Mr. Rutby, als wieder einmal der Wagen an einer Kreuzung stehenblieb. Er legte die Mappe sorglich über die Knie und zündete sich eine Zigarre an. Wenn es Heller wäre, und wenn er keine Angst gehabt hätte, das kostbare Blatt zu beschädigen, hätte er jetzt auf der Stelle den neu erstandenen Sarto ausgepackt und verklärt betrachtet. Dann könnte der Wagen eine geschlagene Stunde stehen, ohne daß es ihn störte, ober daß er es nur bemerkte.
Seine Blicke hafteten an dem gewöhnlichen grauen Packpapier, als könnte er es mit Röntgen- äugen durchbohren. Er sah nur die Mappe, er hörte nichts von dem Brausen und Hupen um ihn herum. Er sah nicht, daß die Wagentür sich öffnete, er sah nicht die schmale Gestalt...
Und plötzlich... plötzlich glitzerten ihm Augen aus einer schwarzen Halbmaske entgegen. Mau- stählern blitzte ein Revolverlauf.
Mr. Rutby sank zurück, aber die Hände krampf, ten sich um die Mappe. Da langte eine kräftige Männerhand vor, der Revolver wies schnurgerade auf das Herz des alten Herrn. Und die Hände er- lahmten, die Mappe schien sich selbsttätig auf den Bösen, auf den Feind mit der schwarzen Maske, zuzubewegen. Er packt sie — und die Tür klappte ms Schloß.
Mit einem Ruck setzte sich das Auto in Be- wegung und schoß über die Kreuzung. Das Herz, das das Schlagen vergessen zu haben schien, schlug nun laut und hastig. Noch lauter trommelte die Faust des Mr. Rutby an die Scheibe.
„Halt, Chauffeur, halt!" schrie er.
Was wollte der Alte bloß, fragte sich der Fah- rer und drehte sich um.
Der Fahrgast war puterrot. Wenn den nur nicht in meinem Wagen der Schlag trifft ... Man hat die größten Unannehmlichkeiten! dachte der Chauffeur und hielt an. Es dauerte eine Weile, bis er begriffen hatte. Diel schneller war ein Polizist zur Stelle.
♦
Am nächsten Morgen stand in großer Aufmachung in den Tagesblättern, daß die Auktionsergebnisse bei Harley Bros, alle Erwartungen übertroffen hät- ten. Dreitausend Pfund für einen Wolf Huber. Elfhundert für den Sarto.
Daran schkoß sich der aufregende Bericht über den Raubüberfall, der den Besitzwechsel eben dieser Zeichnung zur Folge hatte. Von dem Täter vor- lausig keine Spur. Andere Zeitungen hingegen meldeten, daß die Polizei bereits einige Spuren verfolge.
Am nächsten Morgen verließ Gottfried von Dilden London. Er hatte eine gute Ueberfahrt und hielt
schließt sich eine Stunde Heimabend an. Um 21 UhS wird jedes Erntelager der Jugendgruppen des Gaues in tiefem Schlafe liegen.
Die Zeit im Erntelager wird dem Mitglied der Jugendgruppen im Leistungsbuch angerechnet, denn das Leistungsbuch fordert insgesamt eine Zeit von sechs Wochen Hilfeleistung auf dem Lande, in der Fabrik usw. Wer die sechs Wochen nach und nach erarbeiten muß, weil der Urlaub erst in zwei, ja sogar in drei Jahren langen wird, der wird später um so stolzer auf das Buch fein können.
Aus her engeren Heimat.
Landkreis Gießen.
* Reiskirchen, 8. Juni. Gestern gegen 18 Uhr ereignete sich in der Scheune eines hiesigen Einwohners ein nicht alltäglicher Unfall. Das etwa vierjährige Töchterchen, das sich zusammen mit feinem Vater in der Scheune aufhielt, geriet anscheinend gen den Stil einer hängenden Sense. Die Sense fiel dabei herab und traf mit der Schneide das Kind so unglücklich, daß ihm ein Teil der Nase glatt abgeschnitten wurde. Der sofort herbeigerufene Arzt, der schon nach wenigen Minuten aus Großen-Buseck erschien, leistete erste Hilfe. Man hofft, daß die abgeschnittenen Weichteile wieder anwachsen.
A Großen-Linden, 7. Juni. Mit Wirkung vom l.Juni ab rst Großen-Linden eine selbständige Ortsgruppe der NSDAP, geworden. Bisher war es mit Leihgestern in einer gemeinsamen Ortsgruppe vereinigt, deren Leitung Ortsgruppenleiter Will (Leihgestern) innehatte. In einem Generalmitgliederappell, der geftem äbenti im Saalbau Schaum stattfand, führte Kreisleiter Backhaus den neuen Ortsgruppenleiter Pg^ Watz in fein Amt ein und dankte dem bisherigen Ortsgruppenleiter Will für die geleistete Arbeit. Bei dieser Gelegenheit wies Kreisleiter Backhaus in längeren Ausführungen auf die Wichtigkeit der Zusammenarbeit des Ortsgruppenleiters mit den Bürgermeistern hin, ferner auf die Bedeutung der Partei in der Menfchenführung und -erziehung« Ganz besonders alber betonte er den rechten Korps, geift innerhalb der Partei und ihrer Gliederungen, sowie die Bereitwilligkeit zu jeder Mitarbeit. Der neue Ortsgruppenleiter Watz schloß den Appell in der üblichen Weise.
— Gab elnr od , 7.Juni. Am 10. Juni kann der Landwirt Hermann Velten senior seinen 81. Geburtstag feiern. (Wir beglückwünschen!) Herr Velten ist bekannt in der ganzen Gegend als vorbildlicher Züchter des Vogelsberger Rindes. Leider war fein Lebensabend durch schwere Schicksals- schlüge in der Familie getrübt, da er zwei Sohne und die Gattin verlieren mußte.
s. Lang-Gons, 8. Juni. Am Dienstagabend fand in der hiesigen Turnhalle eine Kundgebung der NSDAP, statt, bei der der Reichsstoßtruppredner (Sag ft etter (München) in interessanter und anschaulicher Weise, vft auch mit Humor gewürzt, über die politische Lage sprach. Seine Ausführungen fanden bei den zahlreich Erschienenen großen Beifall.
Das Ende eines Giraßenräubers.
Dor der Gerichtsverhandlung ans dem Fenster gestürzt.
Lpd. W o r m s , 7. Juni. Die Große Strafkammer Mainz wollte am Mittwochvormittag in Worms gegen den Ernst S ch l e g e m i l ch aus Worms verhandeln, der im vergangenen Winter in der Nähe des Fest- haufes eine von einem Ball heimkehrende Hausangestellte überfallen, ihrer Handtasche beraubt und das Mädchen zu vergewaltigen versucht hatte. Als Sch. heute vormittag in den im vierten Stock des
sich nur kurze Zeit in Berlin auf, wo er Herrn Heim rich Nase Bericht erstattete.
Dann fuhr er mit unbequemen Personenzügen — Zeit war ihm nicht kostbar — nach Neukirchen, um feinem Freund Hans einen längeren Besuch abzu- ftatten.
VIII.
„Sehr saubere Arbeit", sagte Kriminalkommissar Ruhle und betrachtete interessiert die Tür der Stahlkammer. (Er hatte viele Dienstjahre in Großstädten verbracht, die Versetzung nach Neukirchen war eine Ehre und ein Gewinn, — aber langweilig war's da! Nicht zu sagen!) „Da müssen inzwischen neuä Bohrer auf den Markt gekommen fein ..."
Die Bohrlöcher befanden sich in einer Linie, die wie mit dem Lineal gezogen fchien. Die Panzer« platte war durchfchnitten, als ob sie Papier märe«;
„Die Hauptsache war die, die Alarmvorrichtung abzustellen", meinte Ruhle und betastete die durchschnittenen Kabel. „Dazu gehört eine sehr geschickte Hand. Da geht es um den Bruchteil einer Sekunde^ Im selben Augenblick, wo er sie berührte, mußte sie schon ausgeschaltet fein. Die Firma, die diS Stahlkammer gemacht hat, kenne ich übrigens gat nicht."
Er wandte sich fragend an den Direktor bet Unionbank, der blaß und aufgeregt neben ihm herumtanzte.
„Der neue Mann hier, dieser Jlke, hat den Auf« trag bekommen, weil er soviel billiger war als die großen Leute, die sich einbilben, ein Monopol zu haben. Und weil Voigt ihn uns so warm empfohlen hat. Uebrigens haben wir vorher noch ein Gutachten von Sachverständigen eingeholt. Die waren hochzufrieden mit feinem Härteverfahren. Dreihun« dertfünfzig Mark haben die Gutachten gekostet ... Und jetzt ..."
„Ich hab ja gleich gejagt, daß neue Bohrer aufgetaucht fein muffen", nickte der Kommiffar. „Wahr« scheinlich englische Ware."
Er versank in tiefes Sinnen.
„Dieser Jlke hat seinerzeit den alten Voigt aus der eigenen Stahlkammer befreit und ihm das Leben gerettet, nicht wahr?"
„Freilich, deswegen protegiert er ihn nach allen Windrichtungen", antwortete gereizt der Direktor.
„Ich möchte gern mit diesem Herrn Jlke sprechen!" entgegnete Ruhle.
„Da ist er schon", kam eine energische Stimme.
Peter hatte den Polizisten, der am Eingang stand, beiseite geschoben und trat neben den Kommissar. „Der Milchjunge hat die Neuigkeit unserer Aufwartefrau berichtet, die Aufwartefrau hat sie meiner Frau weitergegeben — und ba bin ich." Er machte ein paar Schritte, stolperte und fing sich im letzten Augenblick vor dem Fall an einem Pult auf. Peter fluchte voll Ueberzeugung und Nachdruck. Dann sah er sich um, um festzustellen, worüber er auf dem glatten Baden eigentlich gestolpert war und betrachtete nachdenklich die beiden Querleisten auf dem Fußboden.
(Fortsetzung folgt.)


