Ausgabe 
8.5.1939
 
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Reichsgau und Reichsfiatthalter.

Amtseinführung Rei'chsstatthalter Konrad Henleins durch den Reichsinnenminister Dr. Frick.

Reichenberg, 6.Mm. (DRV.) Bei der Amts­einführung Konrad Henleins als Reichsftatthalter hielt Reichsminister Dr. Frick eine Ansprache, in der er ausführte:

Der Verwaltungsraum der Mittel­stufe ist derReichsgau". Er ist staatlicher Verwaltungsbezirk und Selbstverwaltunaskörper- schaft. Die staatlichen Behörden und Einrichtungen des Reichsgaues sind Reichsbehörden und Reichseinrichtungen, ihre Beamten und Lehrer sind unmittelbare Reichs beamte. An der Spike des Reichsgaues steht der R e i ch s st a t t - Halter". Er führt die staatliche Verwaltung in der Stufe des Reichsgaues als Repräsentant des Führers und im Auftrage der Reich sregierung, untersteht daher der Dienst­aufsicht des Reichsministers des Innern und unter­liegt in seiner Verwaltungsführung den fachlichen Weisungen der Reichsminister. Die besondere Auf­gabe der denkbar innigsten Verschmelzung der neuen Reichsgaue mit dem Gefüge des Reiches haben die. Reichsregierung bestimmt, den Reichsstatthaltern der Reichsgaue umfassendere Vollmachten als im All­reich zu geben. Bei den besonderen Angleichungs­aufgaben erschien das den Reichsstatthaltern des Allreiches zustehende Unterrichts- und Hinweisrecht urtb das nur für den Fall derGefahr im Verzug" vorgesehene Weisungsrecht nicht ausreichend.

Da der Reichsstatthalter nicht die ausführende Verwaltung selbst ausüben, sondern im Einklang mit den Zielen der Staatsführung und mit den Ge­setzen die große Linie bestimmen und für ihre Ein­haltung sorgen soll, wird er bei den nichtan­gegliederten Verwalll ungen auch zur Vermeidung einer doppelten Befehlsgebung nur in wichtigsten Fällen und nicht in die lau­fende Verwaltungsführung eingreifen. Daß er die Verwaltung 'des Reichsgaues in ihrer Ganzheit in­erster Linie allgemein steuert statt sie selbst durchzuführen, ist ein Gebot.

Die notwendige persönliche Entlastung von der Fülle laufender Geschäfte erhält der Reichsstatthalter durch sein en allgmeinen Vertreter, in der staatlichen Verwallung einen Reichsbeamten mit der Amtsbezeichnung Regierungspräsi­dent, in der Gauselbstverwaltung den Gau­hauptmann.

Es ist bekannt, daß die bei der Durchführung der Gesetze gesammelten Erfahrungen abge­wartet werden sollen, bevor diese Organisations­form etwa auch im Altreich weiterentwickelt wird. Gerade von der richtigen praktischen Hand­habung dieser Gesetze wird es daher in Hoyern Maße abhängen, welche weiteren Schritte sich in abseh­barer Zukunft anschließen.

Verwaltung und Finanzpolitik.

öer Reichsfinanzminister fordert Eindämmung des Papierkrieges.

Salzuflen, 7. Mai. (DRB.) Der Reichsmini­ster der Finanzen Graf Schwerin von Kro­sigk sprach vor der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen-Lippe in Bad Salzuflen Mit dem Ein­tritt Deutschlands in das Stadiumder Höchst- besckäftigung habe sich die Lage und damit die Aufgabenstellung grundlegend geändert. Jetzt sei das Problem der r'i ch t i g e n Verteilung der Rohstoffe und Menschen zu lösen. Mit die­ser Aenderung habe sich auch die Problemstellung in der Finanzpolitik grundlegend gewandelt. Im An­fang sei eine Kreditausweitung Has einzige Mittel gewesen, um die Wirtschaft in Gang zu bringen. Eine solche Kreditausweitung sei solange unbedenklich, als ihr eine entsprechende oder, wie es bei uns der Fall gewesen sei, erhebliche größere Produktion so ermehrung gegenüberstände. Das sei mit dem Eintritt in die Vollbeschäftigung anders geworden. Denn jetzt handele es sich darum, die zum Teil über die Leistungsfähigkeit der Wirt­schaft hinausgehenden Ansprüche und Aufgaben in ein System der wirtschaftlichen Ordnung zu bringen.

Die Erhöhung der Einkommensteuer für Unverheiratete und kinderlo s Verheiratete werde ost als eine Art Strafe aufgefaßt und daher manchmal von Menschen, die ohne eigene Schuld und gegen ihren Willen nicht heiraten oder keine Kinder haben könnten, bitter empfunden. Diese Auffassung sei nicht richtig. Die Erhöhung habe lediglich den Zweck gehabt, den Grundsatz der Besteuerung nach der Lei­

stungsfähigkeit und damit dem Gerechtig­keitsgrundsatz, der in dem bisherigen Abstand zwi­schen der Besteuerung der Ledigen, der kinderlos Verheirateten und der Ehepaare mit Kindern nicht voll verwirklicht worden fei, stärker zur Geltung zu bringen. Die Steuergutscheine seien mit einem starken Anreiz zur Anlage freier Geldkapita­lien in der gewerblichen Wirtschaft ausgestattet und würden daher sehr bald und in großem Um­fange fest gehalten werden. Aufgabe der Finanz­politik sei es, die natürlichen Grenzen der Steuergutscheinausgabe, insbesondere die Liquidi­tätsmöglichkeiten der deutschen Volkswirtschaft, sorgsam zu beachten. Die durch die Ausoabe von Steuergutscheinen entstehenden Ausfälle sollten nicht nur durch die Einnahmen aus der Mehr ein­kommensteuer, sondern auch durch Einspa­rungen bei der öffentlichen Verwal­tung gedeckt werden. Diese Aufgabe sei eine be­sonders verantwortungsvolle und dringliche. Sie könne nur gelöst werden, wenn noch so berechtigte Wünsche und Anforderungen an den Staatssäckel den großen Aufgaben untergeord­net würden, von deren Durchführung das Schicksal Deutschlands abhänge und wenn in der gesamten öffentlichen Organisation der Grundsatz der Klar- heit und Einfachheit verwirklicht würde. Es würde heute noch zu viel Doppelarbeit ge­leistet und jedenfalls viel zu viel geschrieben. An der Eindämmung des Papierkrieges mitzuarbeiten, sei eine allgemeine Psticht.

Aktuelle Probleme des deulschen Buchhandels.

Weniger Neuerscheinungen aber mehr Neuauflagen.

Leipzig, 6. Mai (DNB.) Die Buchkantate Leipzig 1939 erreichte mtt der Hauptversamm­lung des Börsenvereins der deutschen Buch Händler ihren Höhepunkt. Der Leiter der Reichsschrifttumsabteilung, Ministerialdirigent Berndt, nahm in Vertretung des Reichsmini­sters für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, zu den wichtigsten Fragen des deutschen Buchhandels und Buchverlages Stellung. Unsere Buchhändler müssen heute politische Men­schen sein, sa sagte er. Sie müssen mit beiden Beinen mitten im Le den des Volkes stehen. Sie müssen wissen, wo das Volk der Schuh drückt, und sie müssen auch die Mittel kennen, zu helfen. Sie Müssen sozusagen die Hand am Puls des Vol­kes halten und sich immer mitverantwortlich fühlen für das Ganze. Dann besitzen wir einen Vuch- händlerftand, den man zu jedem Tag und zu jeder Stunde zum Führerkorps der Nation rechnen und ihm auch entscheidende Aufgaben stellen kann. Einen besonders großen Anteil am Buchabsatz des letzten Jahres hatte das politische und zeit­geschichtliche Schrifttum. Das soll auch in Zukunst so bleiben. Wir dürfen nicht zurückfallen in jene Zeit des Liberalismus, in der große Teile des Volkes dem Geschehen draußen verständnislos oder in geistreichseinwollender Ueberlegenheit gegen­überstanden.

Ministerialdirigent Berndt hob dann die große U m s a tz st e i g e r u n g des Buchhandels hervor, die von 1937 auf 1938 11 v. H. betrug. Sett Beginn des Jahres 1936 betrage die Umsatzsteigerung fast 35 v. H. Diese Erfolge seien nicht zuletzt auf die Woche des deutschen Buches und auf das Dichtervortrags­wesen zurückzuführen. Die Umsatzsteigerung ist umso höher zu veranschlagen, wenn man berücksichtigt, daß sich die Zahl der Neuerscheinungen glücklicherweise nicht wesentlich vermehrt hat, dafür aber sich die Zahl der Neuauflagen erheblich gesteigert hat. Deutschland steht mit seiner Buchproduktton heute an der Spitze der Welt. Diese Entwicklung widerlegt auch -alle Behaup­tungen, daß der Nationalsozialismus das Ende des deutschen Kulturlebens bedeute, ist doch die Zahl der Bucherscheinungen von 21601 im Jähre 1933 auf 25 4d9 im Jahre 1938 gestiegen, während die BuchproduMon in Großbritannien 17 000 Erschei­nungen im Jahre, in den Vereinigten Staa­ten 9300, in Frankreich 8900 und in anderen Län­dern noch weniger beträgt. Deutschland ist im Welthandel mit Büchern mit 20 v. H. beteiligt, während aus allen anderen Ländern Klagen um '.ben Rückgang der Buchproduktton und des Buch­absatzes kommen. Die deutsche wissenschafttiche und technische Literatur, die für die Welt unentbehrlich ist, hat am Buchwelthandel einen besonders großen ' Anteil.

Eine der Hauptklagen aus dem deutschen Schrift­tum war seit dem Weltkriege die über die be= ängstigende Kurzlebigkeit der meisten Bücher, die oft nach einem halben Jahre schon vergessen waren, obwohl so viele von ihnen ein langes Leben verdient hätten. Um so erfteulicher ist es, daß es

jetzt gelungen ist, diese Entwicklung ab zu stop- P e n und dafür eine Auf la genste ige run g und damit eine Längerlebigkeit der wichtigsten Neuerscheinun­gen herbeizuführen. Während z. B. 1926 nur 11 vom Hundert aller Neuerscheinungen eine dritte Auflage erlebten, sind es heute 23,3 v. H. Früher erreichten nur 29 v. H. aller Bücher eine 7. Auflage, heute sind es schon 39 v. H. und selbst die Zahl der Bücher, die etwa die neunte und zehnte Auflage erreichen, hat sich fast verdoppelt. Von je hundert Büchern des letzten Jahres erreichten 23 Auflagen vom 6. bis 10 000, 14 Auflagen von über 50 000, 5 Auflagen bis zu 100 000 und 9 Auflagen über 100 000. Damit ergibt sich die erfreuliche Tatsache, daß von hundert Büchern 14 mehr als 50 000 Auf­lage erreichen und 14'eine Auflage bis zu 50 000. Außer dem Buch des FührersMein Kampf", dessen Auflage die gewaltige Zahl von 5 000 000 Stück erreicht hat, gibt es auch andere wertvolle Verlagswerke, die Auflagen bis zu 600 0 0 0 Stück erzielten.

Deutschland ist in den letzten Jahren mit U e b e r« setzu ngen aus fremden Sprachen über­schwemmt worden. Zu allen Zeiten war der Drang des Deutschen groß, fremde Kulturen kennenzuler- nen. Diese Verbindung soll nicht abreißen, aber es geht nicht an, im großen Maße Bücher aus der Sprache eines Volkes zu übersetzen, das Ueber- setzungen deutscher Bücher in seine Sprache ablehnt. In solchen Fällen ist es notwendig, die Zahl der lieh errungen auf das A l l e rw i ch ti g ft e z u beschränken.

Eine Schrifttumsart, bei der von staatlicher Seite zugefaßt werde, feien die Kriminal-, Detek­tiv- und Wildwestromane, die Aben­teuergeschichten und die sog. Frauen- romane, die in fünf Jahren eine Auflage von 60 000 000 Stück erreicht hätten und zum großen Teil geschmack- und instinktverbildend wirkten. Ins­besondere die oft wertlosen Kriminal- und Detektiv­romane erregten die Phantasie der Jugendlichen in gefährlicher Weise, verherrlichten nicht selten den Verbrecher, erschwerten die Arbeit der Polizei und förderten die Jugendkriminalität, während die sog. Frauenromane an Gefühle appellieren und eine Sentimentalität züchteten, die auf die Dauer gefähr­lich wirken müsse. Es solle dabei in keiner Weise der spannende Kriminalroman als solcher ausge­rottet werden.

Ministerialdirigent Berndt kündigte zum Schluß noch eine Bereinigung auf dem Gebiete der Lite- r a t u r p r e i s e an. Es habe in der letzten Zett eine solche Inflation an Literaturpreisen eingesetzt, daß der eigentliche Wert des Literaturpreises zum Teil verlorengegangen sei. Nur noch die großen Preise, der Deutsche Buchpreis, der Berliner Preis, der Dietrich-Eckart-Preis in Hamburg, der Preis der Hauptstadt der Bewegung und wenige andere fänden noch Beachtung im Volke. Aus die­sem Grunde werde die Zahl der Literaturpreise er­heblich verringert werden. Es werde nur noch wenige reichswichtige Preise geben und dann für das Schrifttum der Gaue je einen (Bau»

preis. Dafür sollten die Preise höher dotiert werden und wieder den Wert einer wirklichen För­derung erhalten.

Dichter und Suchhandel.

Hanns Johst auf der Kantatekundgebung.

Die Kantateveranftaltungen des deutschen Buch­handels fanden am Sonntag ihren Abschluß mit einer Kundgebung im Neuen Theater. Der Leiter des deutschen Buchhandels, Wilhelm Bauer, erklärte, der Buchhandel verfolge das Ziel, dem deutschen Dichter und Schriftsteller einen Verleger zur Seite zu stellen, der nicht etwa ein Geschäfte­macher ist, sondern der ihm getreulich hilft, dem, was er in Einsamkeit geschaffen hat, Form für die Nation zu gehen, lieberWehrerziehung und Schrifttum" sprach dann der Präsident der Wehr- wissenschastlichen Gesellschaft, General der Flieger von Cochenhausen. Er ging von dem Scharn­horst-Gedanken aus, daß es vor allem darauf an- kornme, das Volk zur wehrhaften Gesinnung zu er­ziehen, da nur auf diesem geistig-sittlichen Funda­ment die militärisch-organisatorische Reform möglich sei. Scharnhorst sah im Heere die Vereinigung aller moralen und physischen Kräfte der Staatsbürger, eine lebendige Gemeinschaft, erfüllt von Aufopfe­rungsfähigkeit und Manneszucht, die auf freiwilli­gem Mitgehen beruhte. Die Erziehung zu der Er­kenntnis, daß Wehrdienst Ehrendienst am Volke ist, führt zum Bewußtsein der Schicksalsverbundenheit

und macht das fähig, auch die Einwirkungen des Luftkrieges, des Wirtschaftskrieges und Oer feindlichen Agitation zu ertragen. Aber nur mit Hilfe eines hochwertigen, auf die gleiche Ziele aus- gerichteten Schrifttums ist eine wehrpolitische Schulung denkbar.

Der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Hanns Johst, sprach dann überDichter und Buchhandel". Der Schriftsteller erfülle auch im Dritten Reich eine wichtige Funktion. Kein Volk dürfe hochmüttg seine Fürsorge für diesen Stand auf Spitzenleistungen allein einstellen. Wer da glaube, ein Volk benötige der mittleren Schriftsteller nicht, der irre gewaltig." Es fei selbstverständlich, daß der Buchhändler sich mit Neuerscheinungen ein» decke, aber es sei eine Sünde wider den Geist und Auftrag seines Berufes, wenn er allein von Neu­erscheinungen lebe.Ein gutes Buch muß für Autor, Verleger und Buchhändler 50 Jahre lang Garant für die Grundlage der Existenz sein und bleiben!" Wenn bei der lleberberoertung der Neu­erscheinung eine Oberflächlichkeit vorliege, so sehe die Uebersetzungsmanie viel fataler aus. Hier liege nur zu oft und zu leicht eine Flucht vor dem Programm des Nationalsozialismus vor, eine Drückebergerei im Mantel verbrämter Welt­offenheit.Der Buchhändler, der zu sagen wagt, daß wir geistig nerarmen würden, wenn wir die überflüssigen Uebersetzungskanöle regeln, hat von dem Reichtum unserer Produktion und der Fülle klassischer und aktueller Alterscheinungen keine Ahnung."

Werkscharführer werden politische Leiter.

Berlin, 6. Mai. (DNB.) Mit Genehmigung des Stellvertreters des Führers hat Reichsorganisattons- leiter Dr. Ley folgende Anordnung erlassen: Die Werkscharen haben in Zukunft noch mehr als bisher rein politische Ausgaben zu er­füllen. Diese Tatsache sowie der vorgesehene bzw. durchgeführte Einbau der Betriebe in den Hoheitsbereich der Ortsgruppen der NSDAP, machen die Unterstellung der Werkscharen unter den jeweils zuständigen Hoheitsträger der NSDAP, erforderlich. Die Aufgaben und der Einsatz der Werkscharen bestimmt im Auftrage der NSDAP, die Deutsche Arbeitsfront. Soweit die Werkscharführer Parteigenossen sind, sind sie als Politische Leiter einzu­bauen. Sofern sie nicht Parteigenossen sind, sind sie, ebenso wi>e die Werkscharmannschaften, als Poli- tische - Leiter-Anwärter zu betrachten und bei entsprechender Eignung mit politischen Aufgaben zu betrauen. Die bisherigen Werksch aT-Uni­form ist aufzutragen, neue Werkscharuni- formen sind keineswegs anzuschaffen."

Zu dieser Verfügung schreibt Dr. Ley: Beim Aufbau der Deutschen Arbeitsfront war es für mich ein unumstößlicher Grundsatz, daß es gelingen mußte, den Betrieb zu einer Einheit zu formen, alle Gegensätze zu bannen oder zu­mindest auszugleichen. Betriebsführung und Gefolg­schaft mußten im Betriebe geeint werden, um zu erkennen, daß sie im Betriebe zusammengehören. Als Vorbild diente mir als altem Soldaten des Weltkrieges die soldatische Gemeinschaft, in der ich überhaupt den besten und vor­nehmsten Sozialismus sehe. Damit nun die Betriebsgemeinschaft nicht nur auf dem Papier stand, war es meine nächste Aufgabe, die Be­triebs mit Leben zu erfüllen. So ver­lieh der Führer den Betrieben die Betriebs-- sahne, und es wurden die Werkscharen ge­bildet, um der Betriebsgemeinschaft einen Kern zu

geben. Die Betriebe können so nie wieder ausein- anderfallen. Die Betriebsgemeinschaft hat Aufgaben zu lösen. Damit diese Aufgaben nicht stecken bleiben, traten die Werkscharen als Vor- und Stoßtrupp in Erscheinung. So leisteten die Werkscharen zwei große Dinge. Einmal: Sie formten die Betriebs­gemeinschaft. Sie waren der Garant für die nationalsozialistische Auffassung im Betriebe. Sie brachten Leben in die Gemeinschaft. Sie waren der Sauerteig des Nationalsozialismus im betrieb. Zweitens: Die Werkscharen bildeten Trupps zur Propagierung gesunder Wohnungen, der Volks­gesundheit, der Berufserziehung und vonKdF.". Darüber hinaus lösten sie die Probleme auch prak­tisch, indem sie ihren Arbeitskameraden bewiesen, wie notwendig die Aktionwarmes Essen im Be­trieb",gutes Licht" undsaubere Arbeitsräume" für die Schaffenden sind.

Vor einem Jahr habe ich den Werkscharen als Leitparole zum Tag der Nationalen Arbeit 1938 diese Aufgaben konkret gestellt und die Erwartung ausgesprochen, das sie bis zum nächsten 1. Mai tatkräftig angefaßt werden müßten. Das ist ge­schehen. Die Erfolge des Leistungskampfes der deutschen Betriebe und des Reichsberufswettkampfes aller Schaffenden sind das große Verdienst der Werkscharen. Der Führer hat diese Leistungen zum diesjährigen 1. Mai als eine der größten revo­lutionären Taten des Nationalsozialismus aner­kannt. Als Dank und Anerkenung für die Werkscharen wird nun die Werkschar nach Jahren zähester und aufopferndster Arbeit in das Korps der politischen Leiter ausgenommen. Sie werden nun das Ehrenkleid der poli­tischen Leiter tragen und die Partei er» kennt damit an, daß die Werkschar beste Arbeit vollbracht hat. Ich grüße die Männer im Betrieb und bin stolz darauf, daß damit die Deutsche Ar­beitsfront als Jnfttument der Partei wiederum einen gewaltigen Schritt vorwärts getan hat.

Neuordnung der forstlichen Ausbildung.

Die forstliche Fakultät der Universität Göttingen.

SineHermann-Göring-Akademie der deutschen Forstwissenschaft".

Am Samstag fand in Göttingen die Ein­gliederung der ehemaligen Forstlichen Hoch­schule Hann.-Münden als forstliche Fakultät in die Universität Göttingen statt. Dabei erklärte Staatssekretär Zschintzsch, in Göttingen wür­den neue Gebäude mit neuen Forschungs­instituten errichtet werden und damit die Voraus­setzung für weitere erfolgreiche Arbeit gegeben. 15 000 Mark seien zur Ergänzung der forstlichen Büchereien zur Verfügung gestellt. Der Rektor, Professor Dr. Sommer, teilte die Ernennung des Generalfeldmarschalls und Reichsforstmeisters Hermann Göring zum Ehrenbürger der Univer­sität Göttingen mit und gab bekannt, daß Professor Dr. Gustav Bader (früher in Gießen) zum Dekan der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen ernannt sei. Am Nachmittag wurde auf dem Gelände am Kreuzberg, nordöstlich der Stadt Göttingen, der Grundstein zu den Neubauten der forstlichen Fakultät gelegt.

Generalforstmeister Staatssekretär Alpers

hielt eine Ansprache, in der er erklärte, maßgebend für die Ausbildung sind die Grundsätze der Volks­verbundenheit, der zeitlichen Kürze, der berufs­eigenen Auslese, der Vielseitigkeit, der Einheitlich­keit und Freizügigkeit und der praktischen Anschau­ung. Es ist gelungen, bei der gesamten Ausbildung ein ganzes Jahr einzu sparen. Dieser Verlust wird durch planmäßige Ordnung des Studienganges und bessere Aus­nutzung der Lehrzeit nicht nur voll ausge­glichen, sondern es ist darüber hinaus eine Erwei­terung und Vertiefung der Ausbildung erreicht mor­dens. Für den Forftdienst kommt nur ein b e - sonderes ausgelesener Nachwuchs in Frage, da die Anforderungen des Berufs an körper­liche Leistungsfähigkeit wie an Charakterfestigkeit sehr hoch sind. Grundlage des Studiums sind volks­politische, völkisch-rechtliche, volkswirtschaftliche und staatswissenschaftliche Vorlesungen. Sie bilden zu­sammen mit den naturwissenschaftlichen Grund- fächern die grundwissenschaftlichen Vorlesungen des dreisemestrigen Vorstudiums, das mit der Vor­prüfung abschließt. Der zweite Teil der Hoch­schulausbildung umfaßt das viersemestrige Fach­studium mit seinen waldbaulichen, forstbetriebs- wirtschaftlichen, forstbetriebstechnischen, forstpoli­tischen, forstrechtlichen, jagdkundlichen und zahl­reichen anderen Vorlesungen. Das Studium endigt mit der Hochschulschlußprüfung. In Oesterreich erfordern die Besonderheiten der Hochgebirgswirtschaft ein zusätzliches technisches Se­mester in Wien. Wer als höherer Forstbeamter in die Kolonien gehen will, muß ein zweiseme­striges Studium an dem Reichsinstitut für auslän­dische und koloniale Forstwirtschaft ableisten und

eine besondere Prüfung darüber oblegen. Dem Fach­studium geht nach Ablegung der Vorprüfung eine siebenmonatige praktische Lehrzeit in be­sonderen Ausbildungsforstämtern und Ausbildungs­lagern voraus. Auf die Hochschulschlußprüfung folgt dann der zweieinhalbjährige praktische Vor - bereitungsdienst.

Auch in Zukunft bleibt die Forschung an den forstlichen Hochschulen eh g mit der Lehre Der* bunde n. Die Notwendigkeit, daneben wie bisher Forschungsinstitute und Anstalten für besondere Aufgaben zu unterhalten, wird nicht berührt. Die angebahnte Entwicklung wird nach zwei Richtungen fortzuführen sein: in der Errichtung einzelner neuer Forschungsinstitute und in der Verstärkung der an manchen Stellen noch sehr unzulänglichen For­schungsmittel. Ergänzend muß eine freie wissen­schaftliche Zusammenfassung der forsttichen For­schung treten. Der Reichsforstmeister hat sich daher entschlossen, im Einvernehmen mit dem Reichs­minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbil­dung die ,^)ermann-Görina-Akademie der deutschen Forstwissenschaft" zu er­richten.

Wetterbericht

Die Großwetterlage ist gekennzeichnet durch ein starkes Hochdruckgebiet über Nordosteuropa und Wirbeltätigkeit aus Süd- und Westeuropa. Unser Gebiet liegt an der Grenze zwischen beiden Ein­flüssen. Eine durchgreifende Aenderung ist zunächst noch unwahrscheinlich, doch kann später mit über­wiegendem Hochdruckeinfluß gerechnet werden.

Vorhersage für Dienstag: Wolkig bis aufheiternd und im allgemeinen trocken. Bei nörd­lichen bis östlichen Winden Tagestemperaturen um 15 Grad.

Lufttemperaturen am 7. Mai: mittags 13,2 Grad Celsius, abends 8,2 Grad; am 8. Mai: morgens 3,4 Grad. Maximum 13,6 Grad, Minimum 5,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Mai: abends 13,9 Grad; am 8. Mai: morgens 11,2 Grad. Sonnenscheindauer 4,3 Stunden.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 39: 9530. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäts­druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis- liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.