Nr. 57 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)
Mittwoch. 8. März M
Gießener Artillerie schießt bei Münzenberg
agig
der die
Die Landschaft um Münzenberg war am gestrigen Dienstag wieder der Schauplatz für das Winterschieß'en der Gießener Artillerie (I I I. A.-R. 9). Heute wird das Schießen fortgesetzt. Auch der Donnerstag und der Freitag werden dem Uebungsbetrieb gewidmet sein. In weitem Umkreis stehen die Sicherheitsposten und sperren das Gelände ab. Äier Tage lang hallt die nördliche Wetterau wider vom Donner der Geschütze.
Das Wetter war gestern für das Schießen recht günstig. Das Zielfeld konnte gut eingesehen werden. Allerdings die Wege und die Aecker und Wiesen waren nach den Regenfällen der vergangenen Tage und der vorhergegangenen Nacht grundlos geworden, und sicherlich hätte der Antransport der Ge- chütze erhebliche Schwierigkeiten bereitet, wenn man nicht in weiser VorauDcht diesmal auf die Pferde verzichtet hätte. Die Gießener Artillerie bot also diesmal nicht das gewohnte Bild. Es gab weit und breit kein Pferd zu sehen! Den Geschütztransport besorgten schwere Zugmaschinen von geradezu uriger Kraft und Gestalt, für die es schlechterdings kein Hindernis im Gelände gab. Tief gruben sie aber auch ihre Spuren in das weiche Erdreich.
Der gestrigen Vormittag war zunächst einem Belehrungsschießen gewidmet, das sehr abwechslungsreich gestaltet wurde und für die Rekruten außerordentlich aufschlußreich war. In der Form von „Richtig" und „Falsch" wurde gezeigt, wie exakt bei richtiger Bedienung der Geschütze, insbe- ondere der Richtmittel, geschossen werden kann und welche erhebliche Fehlergebnisse zu verzeichnen sind, wenn auch nur geringfügige Fehler am Geschütz gemacht werden. Sehr anschaulich war dabei auch die Darstellung der Geschoßbahn, die durch Vorverlegung der Zündung in ihrer großen Linie sichtbar gemacht werden formte. Das Belehrungsschießen fand vom Galgenberg aus statt und wurde als direktes Schießen durchgeführt. Schon hierzu fand sich eine stattliche Anzahl Zuschauer ein, die von dem erhöhten. Punkt, auf dem die beiden Pfeiler des mittelalterlichen Galgens stehen, den Verlauf des Schießens ebenso gut verfolgen konnten, wie die Rekruten, die in einigem Abstand von den Geschützen Aufstellung genommen hatten.
Der Nachmittag brachte dann das U e b u n g s - schießen aus verdeckter Feuerstellung. Die Zugmaschinen beförderten in kurzer Zeit die Geschütze aus der Stellung vom Galgenberg in das Tal, wo sie an Feldwegen südöstlich von Oberhörgern erneut in Stellung gebracht wurden. Die
einigen Sekunden auch der Schall der Explosion vom Ziel herüberörang.
Gestern schoß die 7. Batterie ihre Hebung; das Kommando hatte der Batteriechef, Oberleutnant Grisar. Während des ganzen Tages wellten der Regimentskommandeur .Oberst Zeh 1 er (Siegen) und der Abteilungskommandeur Major von W jede r s h e i m auf der Beobachtungsstelle bzw. in dec Feuerstellung. Heute schießt die 8. Batterie unter dem Kommando von Hauptmann E ck a r d t.
sagt er.
,Das gibt nur vierundzwanzig Punkte!'
,Es gibt noch zwölf dazu, wenn ich auch die vom Schlitz nehme!'
,Bist du verrückt', sagt Ola, und bewundert ihn, ,du kannst doch nicht die Knöpfe vom Schlitz nehmen!'
Doch, das kann Einar. Nach kurzer Zeit sind alle Knöpfe von der Sonntagshose abgetrennt, und nach wiederum kurzer Zeit hat Ola auch diese gewonnen."
Beobachtungsstelle blieb auf dem Galgenberg, und vom Dorfe aus wurde nun durch telephonische Verbindung das Feuer geleitet. Reibungs- und fehlerlos erfolgte die Hebermittlung der Befehle, minutiös wurden die Befehle an den Geschützen ausgeführt. Schuß um Schuß krachte, und wie ein fernes Echo war an den Geschützen der Einschlag zu vernehmen. Hoch über den Köpfen der Offiziere und Mannschaften auf der Beobachtungsstelle rauschten die Granaten dahin, schlugen sichtbar ein, bis bann nach
wall — Wernerwall — Horst-Wessel-Wall — Sei- tersweg — Hindenburgwall.
Die militärischen Vorführungen deS I.-R.116 und der III./A.-R.9 werden auf dem Landgraf-Philipp-Platz, im Hofe der Zeughauskaserne, im Hofe des Gymnasiums am Hindenburgwall, ferner am Hitlerwall zwischen Theater und Moltkestraße gezeigt werden. Bei diesen Vorführungen wirken alle vorgenannten, an dem Marsch
beteiligten Truppenteile mit. Das Musikkorps spielt die einzelnen Truppenteile zu ihren Plätzen und dann etwa von 15.15 Hhr bis 16.30 Hhr am Stadttheater, während in dieser Zeit die Vorführungen der Truppen im Gange sind.
Propagandamarsch der Flieger durch die Stadt.
Vom Fliegerhorst wird eine Kompanie des Kampfgeschwaders 155 zu einem Propa - ganda marsch mit dem Mujikkorps der Flieger an der Spitze ausrücken. Diese Truppe marschiert vom Fliegerhorst aus durch die Kaiserallee und wird
Links: Geschütz in Feuerstellung zwischen Oberhörgern und Münzenberg. — Rechts: Der Geschütztransport erfolgt diesmal mit großen Zugmaschinen. — (Aufnahmen s2s: Neuner, Gießener Anzeiger.)_________________________
Heber den Heldengedenktag am nächsten Sonntag, 12. März, hinaus richten sich die Blicke unserer 'Volksgenossen jetzt immer mehr auch auf die Veranstaltungen unserer Garnison am „T a g der Wehrmach t", der am 18. und 19. März, wie überall in unserem Wehrkreis, auch in Gießen die Truppen aller Waffengattungen im Einsatz für das WHW. zeigen wird. Die Vorbereitungen für diese große Veranstaltung sind außerordentlich umfangreich. Infanteristen, Artilleristen und Flieger werden sich mit militärischen Vorführungen verschiedensten Art und mit Führungen durch Kasernen in den Dienst der Sache stellen.
Aus der Stadl Gießen.
Knöpfe.
Als ich noch ein Kind war, bedeutete es eine große Auszeichnung, wenn man mit den Knöpfen spielen ■ durfte. Sie waren in einem großen, mit Papier über- • zogeuen Kasten, der noch von der Großmutter ! stammte. Er hatte verschiedene Einsätze, die alle in kleine Gefächer abgeteilt waren. Noch heute erinnere ' ich mich genau an den geheimnisvollen Duft, der ihm ' entströmte. ,
Was gab es da nicht alles für Knöpfe! Die kleinen Hände wühlten selig in den Schätzen, und die Kinder- augen konnten nicht genug staunen über all die ■ Pracht: da waren Horn-, Stoff- und Holzknöpfe, ' Hosen- und Schuhknöpfe, schimmernde Perlmutt- ; knöpfe und goldene Matrosenknöpfe mit einem Anker darauf. Die schwarzen aus Jett waren besonders hübsch, aber am schönsten waren die bunten Glasknöpfe, die so zauberhaft in allen Farben leuchteten! , Und was für verschiedenartige Formen gab es da: Kugeln und Halbkugeln, Näpfchen und flache Tel- lerch^n, Sterne und Dreiecke. Niesenknöpfe und klein-
Wie wichtig ist aber auch so ein Knopf! Man denke nur daran: Was ist der Mensch, wenn unterwegs am Spangenschuh der Knopf abgeht! Und wie groß war die Verzweiflung der ganzen Familie, als em Vetter — beim Militär — wegen eines wackelnden Knopfes nicht befördert werden konnte!
Immer hat sich Frau Mode lebhaft für die Knopfe interessiert, und alle Industrien stellen sie nach ihren Wünschen her: in Metall, Holz, Emall, Galalith, Bernstein, Porzellan oder Silber. Em Wiener Modebericht aus dem Jahre 1787 lautet: „Modern sind jetzt Knöpfe mit Miniatur-Malerey unter Glase. Die Malerei) davon stellt Amors, Reiter, Pferde, Landschaften, weibliche Köpfe und mythologische Gegenstäilde dar. Ein Freund hat mich versichert, sogar eine Garnitur mit den „Leiden des jungen Weither" gesehen zu haben, davon der letzte Knopf am Fracke die Pistolen-Scene vorgestellt habe." Und im Frühjahr 1939 hören wir: „Knöpfe sind als Ausputz sehr beliebt Da gibt es welche in Form kleiner, weißer Masken, von der tragischen bis zur heiteren Muse kann die Trägerin ihre Wahl treffen. Neu sind Knöpfe in Form von bunten Aepfelchen und von geschlungenen Schleifen. Für den Vormittag gibt es lederüberzogene Knöpfe, die zu Handschuhen und Tasche passen." f
Eine gute Gelegenheit, sich neue Handschuhe und eine neue Handtasche zu wünschen! Und sollten die Knopfäpfelchen — oder sagt man besser die Apfelknöpfchen? — vielleicht ein sinniger Hinweis auf das Paradies sein? t.
Zum Schluß noch eine Knopfgeschichte, die Marie Hamsun in einem ihrer Bücher schildert: „Die Buben aber spielten um Knöpfe. Dazu brauchte man viele Knöpfe. Ola war tüchtig und weitblickend imd hatte sich mehrere Dutzend gesammelt. Einar dagegen gehört nicht zu denen, die sich um des kommenden Tages willen Sorgen machen. Aber wenn der Augenblick da ist und man die Knöpfe braucht, dann müssen sie eben herbeigeschafft werden. Darum konnte auch die Mutter am Morgen nicht einen einzigen Knopf finden, als sie in ihrem Nähkorb suchte und so notwendig einen hätte haben müssen. Darum hingen die Hosen gerade jetzt so schlaff und merkwürdig an Einar. Denn die Hosenknöpfe waren abgetrennt!
Das Glück steht ganz auf Olas Seite, bald hat Einar sowohl die Knöpfe aus dem Nähkorb, als auch die von seiner Hose verloren. ,Jch kann ja auch noch die Knöpfe von meiner Sonntagshose abtrennen',
Tag der Wehrmacht am 18. und!9.März
Die Vorbereitungen in Gießen.
Als Auftakt Marsch durch die Stadt und militärische Vorführungen der Infanterie und Artillerie.
Bereits am Samstag, 18. März, in früher Nachmittagszeit wird der „Tag der Wehrmacht" in Gießen feinen Anfang nehmen. Er beginnt mit einem Marsch der Soldaten von der Berg-Kaserne, der Bleidorn-Kaserne und vom Fliegerhorst aus.
Um 14.30 Hhr werden ab Bergkaserne vom In f.- R g t. 116 zum Marsch in die Stadt 2 Schützenkompanien, 2 MG.-Kompanien, der Regiments- Reiterzug, der Regiments-Nachrichtenzug, 2 Züge der 14. (Pz.-Abw.) Kompanie, 1 Schützenkompanie des E./J..R..116, ferner von der III. Abt. Art. - Ngt. 9 eine Batterie abmarschieren, um sich zu den Plätzen für die militärischen Vorführungen zu begeben. Dieser Marsch zur Stadt erfolgt unter Vor- antritt des Mufikkorps J.-R. 116. Marschweg: Berg-, kaserne — Licher Straße — Moltkestraße — Hitler-
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Agnes Miegel.
Zum 60. Geburtstage der Dichterin
am 9. März.
Ihr Werk ist nicht umfangreich. Ein paar schmale Gedichtbände mit Liedern und Balladen — 1895 tauchte ihr Name im Göttinger Musenalmanach auf — Erzählungen, die wie Balladen in Prosa wirken, oft nur wenige Buchseiten umfassend; Jugenderinnerungen, deren Kapitel an kleine Blätter Chodo- wieckis gemahnen. Sie sitzt über den Stickrahmen nebütft, während die Mutter aus Gottfried Kellers Seldwyla-Gefchichten vorlieft, sie schildert das Bad am Samstagabend, wo die Kinder alle zusammen im Holzkübel abgeschrubbt werden, und den Mandelduft des Marzipans. Es ist das behagliche ausgeglichene Leben in den Bürgerhäusern des deutschen Ostens, mit ihren schmalen hohen Fenstern und den schönen Wolmtreppen. r _ ,,
Hier wächst Agnes Miegel auf. Tochter eines Kaufmannes der Königsberger Reformierten- Gemeinde. Wanderjahre, in denen fie Paris, Weimar und London erlebt — in manchen ihrer frühen Gedichte glaubt man den Klang der alt- enalifchen Balladen zu hören. In Berlin verbringt sie „schlimme Zeiten voll Heimweh". Geht dann nach Ostpreußen zurück, „im Zeitungsdienst taug . Die Hochschule ihrer Heimatstadt verleiht ihr den Doktor honoris causa. 1933 wird sie in die neugegründete Dichterakademie aufgenommen.
Die geheimnisvolle, bannende Kraft des Ostens zieht sie heim. Es ist die Kraft, die den Deutschmeister Heinrich von Plauen sich auf der Burg Lochstädt in Sehnsucht verzehren läßt. Das Mosaikbild der Mutter Gottes an der Chorwand der Marienburger Schloßkirche, das mit seinen leeren, harten Augen über das endlose Land blickt, erscheint ihr als das Sinnbild dieser Kraft, die die Menschen unentrinnbar festhält. In all ihren Werken spürt man dieses Land, das warme goldene Wogen der Weizenfelder, das in den Bernfteinkronen der alten Götter widerleuchtet, die langgestreckten Dünen, von denen der Wind den feinen Sand emporwirbelt, wie flatternde Rauchschleier. Hinter ihnen das dumpfe Brausen des Meeres. Man sieht die medri- qen Dächer verschneiter samländischer Dörfer, schreitet durch die fliesenbelegten Wehrgänge der alten Ordensburgen, atmet den Duft der blühenden Linden und den leis fauligen Geruch des Pregelwafsers, wenn man nächtlich mit Simon Dach zwischen den Buden und Bänken auf der Fischbrücke steht und an das Anke van Tharau denkt. Die Heimat rst Agnes Miegel „Beginn und Schicksal und letztes Ziel unserer Vergänglichkeit, uns überdauerndes Gleichnis des Höchsten".
Dieses Land hat auch die Menschen geformt, die! den Pflug durch feine Erde zogen und an feiner | Küste Bernstein fischten. Viele deutsche Volksstämme haben Siedler in dieses Land jenseits der Weichsel gesandt: Alemannen und Pfälzer, Nassauer und Salzburger, Thüringer, Niedersachsen und Schlesier.
Sie kamen, Volk an Volk, von Abend, von Mittag, von Norden. Sie haben ihr rotes warmes Blut im Kampf um mich vergossen, sie haben mein Blut in Brot und Frucht, in Honig und Milch genossen, bis sie Blut meines Bluts, bis sie Hauch meines Hauchs, bis sie Staub meines Staubes geworden.
Es gibt den Menschen die Erdenschwere seiner Aecker, das Dunkel seiner unendlichen Wälder, die Tiefe seiner Seen. Es prägt ihren Zügen die Merkmale harten Kampfes und steter Bereitschaft auf. Immer wieder hat Deutschland seine Menschen gegen die Wellen fremden Volkstums eingesetzt, die dieses Land zu überfluten drohten. Gotenstämme zogen mit ihrem Troß von Ochsenkarren durch den knirschenden Sand; Kreuz und Adler der deutschen Ordensritter hielten Wacht über der Weichsel; die Siedler der preußischen Könige stießen ihre Spaten in das pestverödete Land. Man spürt die Wildheit und Leidenschaft in den Menschen dieser Erde: im Herzog Samo wie in den sieben Ordensbrüdern, die mit Not dem Schicksal entgehen, mit dem Hof des Pruzzenfürsten Dorgo verbrannt zu werden, in der Üngehemmtheit, mit der die Magd Engelke zur Kindesmörderin wird und mit der sie dann ihre Schuld zu sühnen sucht, und in der heidnischen, sinn- betörenden Mär von der schönen Malone.
Herbheit und Güte, Heiterkeit und Schwere, Kampf und Traumpersunkenheit, die ganze Seele dieses Landes und seiner Menschen lebt in den Versen und (Erzählungen Agnes Miegels auf. co wie sie in der Sammlung „Herbstgesang" gesagt hat:
Hnb ich sang in den Wind, in das Wirbeln rauchender Dünen, In das dröhnende Brausen fang mein tönender Mund.
Sang meiner einsamen Heimat Götter und rote Burgen, Sang ihr mütterlich Herz, sang ihr grüngrünes Kleid.
Sang, was groß und gekrönt durch meine Träume gewandert . . .
Sang ich, mir selber kaum deutbar, was Schatten und Erde mich lehrten, Sang ich Liebe und Tod — fang ich das eigene Geschick.
Walther Sch wer dtf eg er.
„Aufruhr in Damaskus."
Lichtspielhaus.
Bevor mir diesen Film gesehen hatten, besuchte uns auf der Schriftleitung ein hier ansässiger, ehemaliger deutscher Palästina-Kämpfer, um uns zu erzählen, welch großen Eindruck der „Aufruhr in Damaskus" auf ihn gemacht habe. Er habe damals, Herbst 1918, an der arabisch-syrischen Front gestanden und vieles 0011 dem miterlebt, was hier berichtet wird. Es sei alles so geivescn, alles Erlebnis und unverfälschte Wahrheit. Hnb es fei zu hoffen, daß viele diesen Film sehen, der den Weltkrieg von einer wenig oder gar nicht bekannten Seite schildert, den hofsnungslosen Krieg einer kleinen deutschen Truppe in der Wüste, gegen eine erdrückende feindliche Hebermacht, in glühender Hitze, ohne Nachschub, unter dem Mangel an Wasser, Proviant und Munition leidend, von schweren Verlusten geschwächt, von Hitzschlag und Ruhr' dezimiert... Wir geben diese Stimme gern weiter, denn auch uns hat der Film Eindruck gemacht, aber wir waren damals nicht dabei und können nicht beurteilen, wie weit dies alles authentisch fei. Wir könnten uns sogar vorstellen, daß mancher.Besucher einiges davon für Phantasie und spätere Zutat halten möchte. Aber Herbert Tjadens, her das Manuskript schrieb, hat es miterlebt, er hat sich 1917 freiwillig gemeldet und zwei Jahre lang als Funker den klein- asiatischen Krieg mitgemacht; erst 1919 kehrte er nach Deutschland zurück. Nach seinem Expose schrieben später Ph. L. Mayring und Jacob Geis das Drehbuch, das Gustav Hcicky für die Terra inszenierte.
In dem Buche „Die sieben Säulen der Weisheit" des berühmten Obersten Lawrence finden sich die folgenden Sätze, die der Bilderfolge als Motto vorangestellt sind:.....Hier zum erstenmal wurde ich stolz
auf den Feind, der meine Brüder getötet hatte. Sie waren zweitausend Meilen von ihrer Heimat entfernt, ohne Hoffnung im fremden Land, in einer Lage, verzweifelt genug, um auch die stärksten Nerven zu brechen. Dennoch hielten ihre Trupps fest zusammen, geordnet in Reih und Glied, und steuerten durch das wirr wogende Meer von Türken und Arabern wie Panzerschiffe, schweigsam und erhobenen Hauptes. Wurden sie angegriffen, so machten sie Halt, nahmen Gesechtsstellung und gaben wohlgezieltes Feuer. Da war keine Hast, kein Geschrei, keine Hnjicherheit. Sie waren prachtvoll..."
Was es mit diesen sparsamen Sätzen eines gefährlichen Gegners auf sich hat, sieht man aus der Handlung, deren Bilder der Spielleiter Gustav Hcicky mit einer ruhigen, fast nüchternen Sachlichkeit aufge- genommen hat: sie wirken eben durch ihren völligen Mangel an Pathos und Pose. Hcicky hat schon früher
(in Filmen wie „Yorck", „Morgenrot", „Mensch ohne Namen", „Savoy-Hotel 217", „Der zerbrochene Krug") gezeigt, was er zu leisten vermag. Hier war kein Erlebnis zu erfinden, kein Abenteuer zu ersinnen, nichts aufzumachen und für die Wirkung im Publikum anzukurbeln — hier war nur zu berichten, was damals, vor mehr als zwanzig Jahren, geschehen ist. Die Schlichtheit und Natürlichkeit der Szenen sind von unmittelbarer Wirkungskraft. Es wohnt ihnen etwas von dokumentarischer Gültigkeit inne. Der Kampf um das vorgeschobene Fort, der Marsch durch die Wüste, der englische Fliegerangriff, der Aufruhr in Damaskus, die Bilder im Lazarett, die fast stumme, erschütternde. Szene, vielleicht die stärkste im ganzen Film, in der die Deutschen eine kleine vorgeschobene Gruppe in ihrer Stellung finden, einsam im Wüstensand, alle tot und furchtbar zugerichtet, aber jeder Mann auf dem Posten, auf den er gestellt wurde, „wie das Gesetz es befahl" — dies alles wird dem Beschauer mit unmittelbarer Eindringlichkeit zum bildhaften Erlebnis. Der deutsche Heeresbericht verzeichnete mit wenigen Worten das Ende einer kaum bekannten ober längst vergessenen Odyssee: „Am 30. Oktober erreichte Leutnant Keller mit 14 Mann die deutsche Grenze."
Aus der sehr einheitlichen Darstellung, die als eine kameradschaftliche Gemeinschaftsleistung gewertet werden darf, heben sich eine Reihe prachtvoller Sol- datenfiguren'heraus: Hans Nielsen, Paul Otto, Paul Westcrmeier, Gerhardt Dienert und vor allem Joachim Gottschalk, der eben jenen Leutnant Keller gibt; er spielte zuletzt in dem Film „Du selber bist das Rad" mit Brigitte Horney, und diese, allein unter lauter Männern in einem sehr männlichen und kriegerischen Stück, erfüllt ihre Szenen als deutsche Krankenschwester in Damaskus mit dem innigen Klang ihrer Stimme, mit der Zartheit und Zärtlichkeit ihres fraulichen Wesens. Ihr klares, stilles Gesicht bleibt einem lange im Gedächtnis. — Willy S chmidt- Gentner schrieb die Musik, bereu melobisch schlichtes Leitmotiv burch viele Szenen geht.
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Vorher sieht man eine aktuelle Wochenschau und ben Kulturfilm „Wertvolles Wasser". Hans Thyriot.
Hochschulnachrichien.
Dem nb. ao. Professor Dr. med. habil. Hans Jost in Frankfurt, Mitglied des NS.-Do- zentenbundes, wurde die außerordentliche Professur für physiologische Chemie an der Hnioersität Innsbruck sowie die Leitung des Physiologisch" Chemischen Instituts daselbst vertretungsweise übertragen.


