sich meist schon können, noch einmal das Melken und erkennen dabei, daß sie auch in dieser Fertigkeit noch profitieren können. Sie erfahren aber auch alles Nötige über Gesundheits-, Kranken- und Säuglingspflege. Sie beschäftigen sich mit Ernährungslehre. Sehr eifrig betreiben sie das Fach „Deutsches Bauerntum", und schließlich singen und turnen sie und tanzen Volkstänze. Jede macht jedes, abwechselnd in Gruppen in der Küche oder in der Nähstube. Sie lernen aber auch nicht etwa nur an einem bestimmten Gerät zu arbeiten, etwa nur am Kohlenherd zu kochen, sondern auch an einem Gasoder elektrischen Herd. Sie erproben praktisch, wie wichtig Sitzgelegenheiten für die Arbeit sind und bringen den Satz mit nach Hause, daß die moderne Hausfrau bei der Arbeit mehr sitzt, als es bisher üblich war. An jedem Handgriff wird ihnen gezeigt,
rofe er einfache?, praktischer un5 kräftesparender geübt werden kann. Nichts in der Schule ist dabei irgendwie luxuriös eingerichtet. Nur praktisch und zweckmäßig und stets so, wie es auch auf dem elterlichen Hof möglich und durchführbar ist. Denn es hat ja keinen Zweck, die Mädchen an Arbeitsverrichtungen zu gewöhnen, die sie später nur schmerzlich vermissen würden.
Äersammlung aus dem Stegreif.
Wenn die Mädchen nach den fünf Monaten die Schule verlassen, kehren sie mit viel neuem Wissen und viel neuen Fertigkeiten auf die elterlichen Höfe zurück. Daß sie die gelernten Kenntnisse aber auch in der Praxis anwenden werden, davon zeugt eine improvisierte Nährstandsversammlung; da werden die einzelnen Referate über Berbrauchslenkung bei der Kartoffel, über Ernährung durch Fisch, über Arbeitserleichterung im ländlichen Haushalt und über den bäuerlichen Gemüsegarten gehalten. Dann schließt sich eine Aussprache an. Klar und ausführlich sind die Antworten auf die gestellten Fragen. So wird hier eine Jugend erzogen, die ihren Pflichtenkreis einst voll und gut erfüllen wird. H. El.
Künftige Landfrauen lernen.
Besuch in einer Landwirtschastsschule. — Theorie und Praxis der bäuerlichen Haushaltsführung.
Merkur und Saturn am Westhimmel
Oer gestirnte Himmel im März.
Bon Or. Erwin Koffinna.
Seit dem Spätsommer 1938 konnten wir Saturn als Stern 1. Größe am Abendhimmel beobachten. Er bewegte sich zunächst sehr langsam rückläufig in den Fischen, seit 15. Dezember aber wieder rechtläufig. Im Laufe des Winters ist der Planet mit dem Sternbild der Fische allmählich immer weiter nach Westen gerückt; sein Untergang verfrühte sich dabei mehr und mehr, so daß wir jetzt Saturn nur noch bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang tief am Westhimmel sehen können. Ende des Monats verschwindet er bereits in der Dämmerung. Etwa vom 10. März an erscheint auch Merkur über dem Westhorizont und nähert sich dem Saturn bis zum 22. März immer mehr, an welchem Abend auch die schmale Sichel des zunehmenden Mondes über den beiden Planeten sichtbar wird. Die Helligkeit Merkurs ist zu Beginn seiner Sichtbarkeit um den 10. März erheblich größer als die des Saturn, übertrifft auch noch die Kapella im Fuhrmann merklich, nimmt aber rasch ab, so daß am 22. März beide Planeten ungefähr gleich hell sind. Man wird daher mit Vorteil schon vor dem 15. März nach Merkur slrchen und mit einem lichtstarken Fernglas den westlichen Horizont eine Strecke nach Sonnenuntergang mustern. Denn trotz seiner bedeutenden Helligkeit hebt sich der Planet nur wenig von dem Dämmerungsbogen ab, und in unseren Gegenden gibt es nur wenige ganz klare Abende, an denen der Horizont nicht durch Dunstschleier getrübt ist. So nahe scheinbar Merkur und Saturn einander kommen, so ist ihre gegenseitige Entfernung doch sehr groß. Vom Merkur trennen uns 150 Millionen, vom Saturn jedoch 1530 Millionen Kilometer. Außer diesen beiden Planeten steht im Westen ferner der allerdings nur mit dem Fernrohr auffindbare Uranus im Widder, der um die Mitte des Monats gegen 23 Uhr untergeht. Wer über ein Fernrohr verfügt, findet den Neptun am Ostrand des Sternbildes Gr. Löwe; der Planet gelangt am 13. März in den Gegenschein zur Sonne. Die hellstrahlende Venus ist nach wie vor Morgenstern; ihre Sichtbarkeitsdauer währt jedoch nur noch eine Stunde und wird immer kürzer, je früher die Sonne aufgeht. Mars bewegt sich östlich von dem ihm in der Farbe ähnlichen Antares und erscheint 3 Stunden vor Sonnenaufgang am Südosthimmel.
Im März können wir uns während der frühen Abendstunden noch an dem wunderbaren Glanz der Wintersternbilder erfreuen. Orion mit den hellen Sternen Nigel, Bellatrix und Beteigeuze, dazu Sirius, Prokyön und Aldebaran, stehen zu Beginn der Dunkelheit hoch im Süden und strahlen um die Wette. Betrachten wir aber das Firmament gegen 22 Uhr, so sind die Wintersternbilder schon stark nach Westen gerückt, während im Osten neue Stern- gruppen heraufgekommen sind. Den Südhimmel beherrscht jetzt das schöne Sternbild des Großen Löwen, in dem der Königsstern Regulus als hellster Lichtpunkt strahlt. Zwischen Regulus und den Zwillingen K a st o r und Pollux finden wir den Krebs, ein ziemlich unscheinbares Sternbild, in welchem aber der schon mit freiem Auge erkennbare
Im Kampf gegen die Landflucht hat die Berufsertüchtigung und Berufsausbildung der ländlichen Jugend heute eine ganz besondere Bedeutung. Der Reichsnährstand veranstaltete aus diesem Anlaß eine Pressefahrt, auf der unter anderem Gelegenheit geboten wurde, die Mädchenabteilung der Landwirtschaftsschule Oranienburg-Luisenhof in der Mark zu besichtigen.
Es sind gesunde und kräftige Mädel, die — m gleichmäßigen blauen Kleidern und weißen Schürzen — in der Küche der Mädchenabteilung der Landwirtschaftsschule Oranienburg- Luisenhof hantieren. Töchter von Bauern, Landwirten und Siedlern aus der Kurmark, die hier in einem fünfmonatigen Lehrgang sich vorbereiten auf ihre künftige Aufgabe als Hausfrau eines Betriebes, in dem etwas geleistet werden fall.
Die Frau ist stets die Seele einer wahren Fa- miliengemeinfchaft. Besonders aber ist sie der Mittelpunkt dort, wo, wie in der Landwirtschaft, die Familie auch eine Arbeitsgemeinschaft ist. Denn hier ist die Frau nicht nur Hausfrau und Mutter, sondern auch treue Mitarbeiterin des Mannes in Haus, Hof und Garten. Gerade heute aber, und besonders im Zeichen des außerordentlich starken Arbeitermangels auf dem Dorfe, ist der Landfrau eine besonders große und verantwortungsvolle Aufgabe gegeben. Ihr täglicher Einsatz in der Landwirtschaft ist für die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes genau so wichtig wie der des Mannes. Sie hat dabei heute aber auch eine Arbeitslast zu tragen, die sie auf die Dauer nur bewältigen kann, wenn sie die Arbeit so zweckmäßig, so sinnvoll und zeit- und kräftesparend einteilt und einrichtet, wie es den Umständen und Möglichkeiten des Betriebes nur irgend entspricht. Das Maß ihrer Erkenntnis von der Notwendigkeit einer richtigen Ernährung, nicht nur ihrer kleinen Hofgemeinschaft, sondern des ganzen Volkes, von einer zweckmäßigen Vorratswirtschaft, von einem Haushalten auf lange Sicht und von einer weiteren Leistungssteigerung ist wesentlich für das Gelingen der großen Aufgaben, die dem deutschen Landvolk heute gestellt sind.
Wer nimmt an den Kursen teil?
Die Töchter der Bauern und Landwirte auf diese ihre kommenden Pflichten vorzubereiten, dienen die Mädchenabteilungen der Landwirt- schaftsfchule, die überall — neben den Land- frauenschulen — in Deutschland bestehen. Sie sollen die weibliche Landjugend in die Aufgaben der Bäuerin im nationalsozialistischen Staat einführen, ihr allgemeine Anregungen und Weiterbildung vermitteln und auch starke Förderer fein der bäuerlichen Kultur.
Da die bäuerliche Familie während der Haupt- arbeitszeifdes Sommers und Herbstes keine einzige Kraft entbehren kann, sind die Kurse grundsätzlich in die Wintermonate gelegt. Sie laufen von November bis März. Das Mindestalter der Kursusteilnehme- rinnen ist auf 16 Jahre festgesetzt. Die meisten der Mädchen sind etwa 18 und 19 Jahre alt. Natürlich kommen auch bin und wieder ältere in die Lehrgänge. Zum größten Teil leben die Mädchen während der fünf Monate in Heimen, die den Schulen angefchlofsen sind. Nur einige, deren elterlicher Hof nicht weit entfernt von der Schule liegt, fahren am Abend nach Hause. Das Schulgeld beträgt monatlich 10 RM. Für Verpflegung und llnterbringmia kommen jeden Monat etwa 50 RM. hinzu. Allerdings ist dieser Satz in manchen Schulen auch niedriger, je nach der Gegend und ihren Ernährungsgewohnheiten.
Alles, was die Landfrau können muß.
Was aber lernen nun die Mädchen in einem solchen Lehrgang? Nun, alles, was irgendwie mit der bäuerlichen Haushaltsführung zufammenhängt. Sie verrichten praktisch alle Arbeiten, die auf dem Bauernhof von der Frau verrichtet werden müssen. Sie kochen, sie backen, sie waschen, plätten, bessern aus und schneidern. In der Freizeit weben sie. Dazu kommt die Arbeit im Garten und im Viehstall. Die Mädchen lernen den Gartenbau, sie kümmern sich um die Geflügelhaltung und um die Milchwirtschaft. Sie lernen z. B., obwohl sie es an
Sternhaufen der Krippe für die Beobachtung mit dem Fernglas ein sehr dankbares Objekt bietet.
Der Krebs spielte in der Astronomie und Astrologie des Altertums eine wichtige Rolle. Wenn die Sonne in dieses Sternbild gelangte, erreichte sie zugleich den nördlichsten Punkt ihrer Jahresbahn und wandte sich wieder nach Süden. Nach der Sommersonnwende im Sternbild des Krebses nennen wir noch heute den betreffenden Parallelkreis am Himmel, wie auch auf der Erdoberfläche den Wendekreis des Krebses. Seit dem Altertum sind aber 2500 Jahre vergangen. Inzwischen sind der Frühlingspunkt und die Tierkreiszeichen um ein Sternbild fortgeschritten, so daß gegenwärtig die Sommersonnwende im Sternbild der Zwillinge liegt.
Im März steigt die Ekliptik ober scheinbare Sonnenbahn steil an. Ihre hohe Lage wird durch die hellen Sterne Aldebaran, Pollux, Regulus und Spika angedeutet, die den Tierkreisbildern Stier, Zwillinge, Löwe und Jungfrau abgehören. Die Spika erscheint gegen 22 Uhr über dem südöstlichen Horizont, und rechts von ihr bemerken wir das Sternoiereck des Raben. Nahe dem Südhorizont können wir die lange Sternlinie der Wasferschlange oder Hydra verfolgen, deren hochaufgerichteter Kopf durch fünf eng zusammenstehende Sterne unter dem Krebs bezeichnet wird.
Im Osten sind die Sternbilder Bootes, Nördliche Krone und Herkules heraufgekommen. Arkturus im Bootes, einer der hellsten Sterne des Himmels, den unsere germanischen Vorfahren den Tagstern nannten, kündet das Nahen der wärmeren Jahreszeit an. Im Gegensatz zu Reaulus und Spika, die in bläulich weißem Licht strahlen, ist Arkturus tiefgelb gefärbt.
Wenden wir unseren Blick nach Westen und Nordwesten, so sehen wir dort Perseus und Kassiopeia bereits in ziemlich tiefer Lage, und auch die sehr helle Kapella im Fuhrmann, welche wir während des Winters nahe dem Zenit erblickten, ist merklich nach Westen gewandert. Mit diesen Sternbildern hat sich auch die Milchstraße dem westlichen Himrntts- rand genährt; ihr zarter Glanz kommt in dieser tiefen Lage nicht mehr recht zur Geltung.
Einen prächtigen Anblick gewährt der Himmelswagen im Großen Bären, der rückwärts rollend immer höher steigt. Von feinen sieben hellen Sternen sind fünf durch eine gemeinsame parallele Bewegung im Raum gekennzeichnet und von uns 70 bis 90 Lichtjahre entfernt. Sie bilden einen Sternstrom, dem auch Sirius und Gemma in der Nördlichen Krone angehören. Dagegen wandern Dubhe und Benetnasch in ganz anderer Richtung durch den Raum. Um den Himmelspol gruppieren sich der Kleine Bär mit dem Polarstern, die gewundene Sternreihe des Drachen und der Kepheus. Tief am nördlichen Horizont funkelt die blauweiße Wega.
Die Sonne überschreitet am 21. März, 13.29 Uhr, den Himmelsäquator. Mit dem Uebertritt unseres Tagesgestirns auf die Nordhalbkugel beginnt astronomisch der Frühling. Alle Orte Der Erdoberfläche haben am 21. März Tag- und Nachtgleiche.
Kehlschlag in der Morgenstunde
Bon Peter Mattheus
Es war fast zwei Uhr moraens. Die Ulmenallee. eine friedliche Villenstraße, lag in tiefer Stille und Dunkelheit Nur alle hundert Schritt brannte eine Gaslaterne
Ein Mann mit einer glimmenden Zigarette im Mundwinkel schlenderte gemächlich den Fußsteig entlang. Er trug eine speckige Schirmmütze, die verwegen nach hinten gerückt war, und hielt die Hände tief in die Hosentaschen versenkt.
Plötzlich blieb er stehen und lauschte. Aus dem Haus, vor dem er sich befand, drang verworrenes Geräusch. Dann klappte eine Tür, und gleich darauf näherten sich eilige Schritte auf dem Gartenkies.
Blitzschnell nahm der Mann die Zigarette aus dem Mund und drückte sich in den Schatten der Mauer.
Die Gitterpforte neben ihm wurde hastig auf- gerissen und ebenso hasttg wieder zugeschlagen. Ein Herr in Hut und Mantel stand auf der Straße und blickte über die Schulter zurück in das Dunkel des Parks. Sein Atem ging kurz und ftockweife. In der Hand trug er eine Aktenmappe, die sonderbar geschwollen ausfah.
„Hallo!" sagte der Mann mit der Mütze und kam jäh aus dem Mauerschatten hervor.
Der Herr im Mantel fuhr zusammen, als habe er einen Schlag bekommen. Er öffnete den Mund und bewegte krampfhaft die Lippen, aber er brachte keinen Laut heraus.
„Na? Erschrocken?" fragte der Mann mit der Mütze fröhlich. „Schonen guten Morgen! Sie scheinens ja mächtig eilig zu haben."
„Ich... ich bin Arzt", stotterte der andere. „Ein Patientenanruf. Sie verstehen, nicht wahr? Ich muß schleunigst .."
Er drehte sich schnell um und wollte fort. Doch der Mann mit der Mütze faßte ihn am Arm und hielt ihn fest:
„Hö, hö... sachte", faßte er gemütlich. „Nur nicht so hitzig! Einen feinen Beruf haben Sie, scheint mir. Tag und Nacht kleckert Ihnen das Geld in die Tasche, was? Ich meine, Sie könnten mir eigentlich was abgeben."
„Wie —?" fragte der andere schrill.
„Na, ja, was Sie gerade so bei sich haben", sagte der Mann mit der Mütze und grinste breit „Bargeld wird bevorzugt. Aber schlimmstenfalls nehme ich auch 'ne goldene Uhr oder 'ne Krawattennadel. Ich bin nicht kleinlich in solchen Dingen."
Der Herr im Mantel starrte ihn fassungslos an und schnappte nach Lust.
„Machen Sie keine Geschichten, mein Lieber", fuhr der Mann mit der Mütze bedächtig fort. „Wir sind hier aanz allein, nicht? Weit und breit ist keine Menschenseele. Ich könnte Ihnen glatt eine versetzen und mir einfach nehmen, was ich will. Aber ich will's in Ruhe und Freundschaft mit Ihnen versuchen, verstanden? In Ruhe und Freundschaft! Also —?"
„Sie Gauner!" zischte der Herr wütend. „Sie niederträchtiger Gauner, Sie!"
„Oh bitte", sagte der Mann mit der Mütze ungerührt, „schimpfen Sie ruhig weiter. Wenn Sie wollen, helfe ich Ihnen gerne mit ein paar Kraft- ausdrücken aus. Vermutlich können Sie in dieser Beziehung von mir noch was lernen."
Er grinste noch breiter als vorher und blinzelte seinem Opfer vergnügt zu.
Der Herr maß ihn eine Sekunde lang mit einem Blick voller Empörung. Dann sah er sich nervös nach dem Haus um, zuckte zornig die Achseln und drückte ihm den Griff der Attenmappe in die Hand.
„Hier, Sie Schuft!" sagte er heiser. „Sie hundsgemeiner Lump! Aber jetzt lassen Sie mich gehen."
Mit einem plötzlichen Ruck riß er sich los und rannte dicht an den Zäunen entlang in wilden Sätzen die Straße hinunter. Schon nach wenigen Augenblicken hatte ihn die Dunkelheit verschluckt.
Der Mann mit der Mütze guckte ihm etwas verblüfft nach. Kopfschüttelnd wog er die Aktentasche in der Hand. Sie war schwer — erstaunlich schwer. Doch als er sich anschickte, sie zu öffnen, wurde er durch zwei rasch aufeinanderfolgende Ereignisse daran gehindert.
Wiederum drangen verworrene Geräusche aus dem Hause jenseits der Mauer. Wieder klappte eine Tür, und wieder näherten sich eilige Schritte auf dem Gartenkies. Aber diesmal ging die Sache nicht in Schweigen vor sich. Im Gegenteil. Diesmal brüllte eine Stimme:
„Einbrecher! Hilfe! Haltet ihn...!"
Der Mann mit der Mütze zuckte zusammen und stand eine Sekunde lang wie erstarrt. Und in dieser Sekunde trat das zweite Ereignis ein.
Aus einer Seitenstraße tönte das laute Brummen eines Automotors. Ein großer Wagen mit grellen Scheinwerfern schwenkte in voller Fahrt um die Ecke und hielt mit schmetterndem Hupensignal unmittelbar neben dem Mann mit der Mütze. Vier Polizeibeamte sprangen ab und umringten ihn, ehe er noch Zeit fand, sich aus seiner Erstarrung zu lösen.
Einer der vier legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte:
„UeberfaUfommanbo! Na? Hat fein geklappt, was? Da sind wir ja gerade zur rechten Zeit gekommen."
Im gleichen Augenblicken tauchte hinter der Gittertür ein aufgeregter Herr in Pyjamahofen und flatterndem Schlafrock auf.
„Meine Münzsammlung ..." keuchte er atemlos. „Alle Schränke erbrochen und vollkommen ausgeräumt ..."
„Beruhigen Sie sich", sagte der Beamte und deutete auf die Mappe. „Ich nehme an, hier werden wir alles finden."
Der Herr ftiefe einen erleichterten Seufzer aus _ „Denken Sie, der Treppenläufer ist an einer Stelle los", sprudelte er hervor. „Der Kerl mufe gestolpert sein. Ich erwachte von dem Lärm, sprang aus dem Bett und lief in das Zimmer, in dem meine Sammlung steht. Und als ich die Bescherung sah, stürzte ich ans Telephon ... und —"
„Donnerwetter", sagte der Beamte, der inzwischen die Mappe geöffnet und eine Taschenlampe angeknipst hatte. Er griff hinein in die Mappe und holte eine Handvoll goldener und silberner Münzen heraus, Die er langsam zurückgleiten liefe. „Donnerwetter!" sagte er noch einmal. „Das wäre eine ganz hübsche Beute gewesen, was?"
Jetzt erst fand der Mann mit der ^Nütze die Sprache wieder.
„Ich... ich... das Ganze ist ein Irrtum, nichts als ein Irrtum", stammelte er verstört. „Wahrhaftig! Die Tasche hat mir eben ein wildfremder Herr gegeben. Hier an dieser Stelle... vor zwei Minuten ... Geschenkt sozusagen .. .*
Kunst und Wissenschaft.
Verleihung des Vesimarkenpreises des Gaues Saarpfal;.
In einer Feierstunde fand im Gautheater oaar« Pfalz in Saarbrücken die Verleihung des West- mar kp reis es für 1939 statt. Gaukulturwart Koelsch nahm die Verleihung der einzelnen Preise in Hohe von je 2000 Mark vor. Den Kurt-Faber- Preis für Schrifttum erhielt die pfälzische Dichterin Lina Staab (Neustadt-Weinstraße) in Anetten- nun ihrer hervorragenden dichterischen Leistungen, die sie aus der Schönheit und dem Reichtum der heimischen Landschaft gestaltet hat. Den^Johann- Stamitz-Preis für Musik erhielt der in Frankfurt a.M. ansässige Dr. Bodo W o l f in Anerkennung feines erfolgreichen Wirkens für die deutsche Musik während der Abtrennungzeit des Saarlandes in Saarbrücken und in Würdigung seines umfassenden kompositorischen Schaffens. Der Albert-Weißgerber- Preis für bildende Kunst wurde dem pfälzischen Maler AdolfKeßler (Godramstein-Pfalz) zuerkannt für feine ßeiftungen auf dem Gebiete der Malerei. Besondere Würdigung fanden feine Hohenstaufen- Fresken im Hohenstaufen-Saal zu Annweiler.
Ausstellung eines Giefeener Künstlers in Darmstadt,
In Darmstadt wurde in der Kunsthalle am Rhein tor die Ausstellung „Die deutsche Landschaft" eröffnet mit Werken der im Rheinland schaffenden Maler Georg Roder, eines geborenen Gießeners, dessen 70. Geburtstag vor kurzem in der Ruhmes- halle zu Barmen durch eine Sonderschau begangen wurde, und seiner Söhne Paul und Adolf. Aus allen Arbeiten spricht die Liebe zur deutschen Scholle, die Vater und Söhne im deutschen Norden und Süden festhielten. Von einer Reise nach Italien künden weitere Arbeiten.
Freilichlspiele im Rhein-Main-Gebiet.
NSG. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" im Gau Hessen-Nassau hat soeben die Planung D -r Freilichtspiele für das Sommerhalbjahr 1 *3 abgeschlossen. Wieder werden zahlreiche Freilichtspule mit der Rhein-Mainischen Landesbühne durchgeführt, so u. a. in Oberhessen, im Westerwald -und im Odenwald. Zur Aufführung kommen Schillers „Räuber", die „Weiber von Weinsberg" von Gerd v. Clafe und der „18. Oktober". Vorgesehen sind wieder die Ulrich-von-Hutten-Spiele auf der Steckelburg bei Schlüchtern. An den in Gelnhausen durch die NSDAP, durchgeführten Barbarossaspielen und Den Romerbergspielen der Stadt Frankfurt ist die NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" durch Heranführung von Besuchern beteiligt.
Bücheriisch.
— Moritz Jahn: I m weiten La n d. Erzählungen. Albert Langen/Geora Müller, München, 1938. — (455.) — Die in diesem Bändchen vereinigten Erzählungen, deren jede, sei sie besinnlich, sei sie heiter, oder wie die unvergleichliche Geschichte von Till Eulenspieael und dem verlorenen Lachen beides in einem, lassen Moritz Jahn als einen Dichter erkennen. Sie werden dazu verhelfen, daß Jahn, der mit die besten plattdeutschen Gedichte schuf, auch als Erzähler die ihm gebührende Schätzung erfährt.
— E. G. Kolbenheyer: Wahrheit des Lebens. Worte aus seinen Werken. Ausgewählt von Rolf Meckler. Albert Langen/Georg Müller, München, 1938. — (55) — Die „Kleine Bücherei" hat ihr hundertstes Bändchen dem Dichter E. G. Kolbenheyer zu seinem 60. Geburtstag gewidmet. In drei Kreise — Mensch, Volk und All — die Auswahl gegliedert, und dreifach erklingt aus dem Gesamtwerk des Dichters und Denkers die Wahrheit: „Alles Lebendige lebt Natur."
— Paul Jaeger: Am geheimen Webst u h l Gottes. 2. Teil: Wanderjahre. Kart. 2,00 RM., Seinen 2,50 RM. I. F. Steinkopf, Verlag, Stuttgart. —(376)— Die „Wanderjahre" Des vielgelesenen Freiburger protestantischen Theologen zeichnen sich durch zahtteiche Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten des geistigen Lebens aus, an denen uns Der Verfasser teilneymen läßt. Daneben erfahren wir in dem von echter Religiosität getragenen Bande allerlei Wissenswertes aus des Verfassers Lehrtätigkeit an einer englischen Schule und auf einem Herrensitz der Mark.
— F. I. Hoder: Der Marder. Kriminalroman. 237 Seiten. RM. 2,85. Henry Burmesier Verlag, Bremen. — (507) — Ein spannender englischer Kriminalroman, in dem der „beste Mann von Scotland Pard" eine entscheidende Rolle spielt.
Er kam nicht weiter. Die Polizisten und der Herr im Schlafrock brachen in ein schallendes Gelächter aus.
„Mensch!" sagte Der eine Beamte und wischte sich Die Tränen aus Den Augen. .„Nun machen Sie aber mal'n Punkt! Das können Sie Ihrer Großmama erzählen, Die glaubt's vielleicht. Vorwärts — 1"
Er machte eine einlaDenDe Handbewegung zum Auto hin.
Der Mann mit Der Mütze spie wütend in Der Ricktung aus, in Der kurz zuvor ein gewisser Herr verschwunden war. Dann zuckte er die Achseln und flieg in Den Wagen.
„Verflixt unD zugenäht!" knurrte er giftig, während der Motor ansprang.
Zeitschriften.
— „21 us Der Natur" („Der Naturforscher ), Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde, März- Heft. (Vierteljährlich 2,50 Mark. Einzelheft 1 Mark.) — Professor Dr. Thienemann hat in Wort und Bild die eigenartige Stimmung des Vorfrühlings in Lappland, in feiner Pflanzen- und Tierwelt, eingefangen. — Dr. H. Borriß führt in feiner Abhandlung „Wechselseitige Beziehungen der Pflanzenteile" vor Augen, wie merkwürdig sich die wachsenden Sprosse durch Wuchs- und Hemmungsstoffe beeinflussen. — Mit dem Leben unserer Kulturpflanzen erwachsen auch ihre Feinde, über deren besonders im Sinne des Vierjahresplanes dringend notwendige Bekämpfung Dr. Herbert Weidner in feinem Aufsatz „Tierische Schädlinge und Volkswirtschaft" spricht. — Professor Dr. Hans Nachtsheim veröffentlicht unter Beigabe von Bildern die Ergebnisse seiner Beobachtungen an den oen ihm für Ver- erbungsversuche gezüchteten 20 000 Kaninchen und kann zeigen, welche Aehnlichkeit in den „Erbleiden bei Mensch und Tier" bestehen. — Dr. Franz Graf Zedtwitz berichtet zu Aufnahmen von Horst Kyser Neues und Beachtliches vom Luchs, und her Vogelkundler Dr. Georg Steinbacher, Direktor des Tiergartens in Frankfurt a. M., über die erfolgreichen Versuche der Wiedereinbürgerung der Nachtreiher. Kleine Beiträge und Forschungsergebnisse aus allen Gebieten der Naturwissenschaften, BuckMschau und Preisfrage beschliefeen das Märzheft.


