Ausgabe 
8.3.1939
 
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beitstagung, bei der Referate über wichtige Tages­fragen hielten Staatssekretär Dr. Syrup über Ar­beitseinsatz, Staatssekretär Esser über Fremdenver­kehr, Oberbaurat Stephan über die Baukunst, Mi­nisterialdirektor Lange über Finanzierung großer Aufgaben, Generalmajor von Hannecken über die Erfolge des Dierjahresplanes und Generalmajor Thomas über wehrwirtschaftliche Fragen. Reichs­minister Dr. Goebbels gab einen umfassenden Ueberblick über die politische Loge.

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Der Reichsjugeudführer ernannte seinen lang­jährigen Mitarbeiter Obergebietsführer Dr. Rai­ner Schlösser zum Chef des Kulturamtes der Reichsjugendführung. Schlösser wird seine Tätigkeit als Reichsdramaturg und als Leiter der Theater­obteilung im Reichsministerium für Bolksaufklarung und Propaganda auch fernerhin beibehalten.

Der Reichsminister der Luftfahrt, Generalfeldryor- schall Göring, hat dem Reichsorganisationsleiter der NSDAP., Reichsleiter Dr. Robert Ley, den Dienstgrad eines NSFK--Gruppenführers verliehen.

Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Funk hat den Vorsitzenden des Vorstandes der JG.-Farbenindustrie AG., Geheimrat Dr. Her­mann Schmitz, als Nachfolger des zurückgetre­tenen Kommerzienrates Dr. Paul R e u s ch zum Mitglied des Verwaltungsrates der B a n k f ür Internationalen Zahlungsausgleich in Bafel, und zwar als Vertreter der deutschen In­dustrie, ernannt. Vertreter der deutschen Banken ist Baron von Schröder (Köln).

Der italienische Landwirtschaftsminister Ros­so n i ist als Gast des Reichsministers für Ernäh- rung und Landwirtschaft, 2) arrd, zu einem mehr­tägigen Besuch in München eingetroffen. Neben einer Besichtigung landwirtschaftlicher Einrichtungen und Musterbetriebe gilt die Zusammenkunft dem Er­fahrungsaustausch im Sinne einer fruchtbaren Zu­sammenarbeit der beiden Länder auf landwirtschaft­lichem Gebiete.

Im Zeremoniensaol der Wiener Hofurg fand ein Empfang der Reichsregierung zu Ehren des italie­nischen Justizministers Dr. Solmi und der italie­nischen Gruppe der Arbeitsgemeinschaft für die deutsch-italienischen Rechtsbeziehungen statt, die sich zu einer Arbeitstagung in Wien befinden. Für die Reichsregierung empfing Reichsminifter Dr. Frank die Gäste.

Bei den Aemtern und Amtsstellcn der Reichspost sind in den Monaten Januar und Februar insge­samt 298 000 Postsparbücher mit einer Ge- samteinlage von 32,5 Millionen Mark ausgestellt worden. Auf ein Postsparbuch entfallen demnach rund 95 Mark.

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PapstPius XII. hat am Sonntag den deut­schen Botschafter beim Heiligen Stuhl, von Bergen, zur Entgegennahme der Glückwünsche des Führers sowie der Reichsregierung empfangen.

Der japanische Vormarsch

Schanghai, 8. März. (Europapreß.) Gleichzei­tig mit dem Vormarsch in der Provinz Hupeh melden die Japaner auch große Erfolge ihrer in­zwischen in Nord-Kiangsu eingeleiteten Ope­rationen. Dort geht es darum, den letzten oryam- sierten chinesischen Widerstand zu brechen. Am Diens­tag wurde die Stadt P a o y i n g am Großen Kanal von den Japanern erobert. Seit Beginn des Vor­marsches sollen die Chinesen nach japanischen Dar­stellungen 6000 Tote verloren haben. Auf dem H u n g - t s ö , einem großen Tiejlandsee in der Pro­vinz Kiangsu, wurden 2 0 0 D s ch u n k e n mit chine­sischen Truppen durch japanische Flugzeuge ver­senkt. Durch die Erfolge in Hupeh bedrohen die japanischen Streitkräfte die rechte Flanke der chine­sischen Derteidigungsstellen am Han-Fluß. Sie hoffen, von dort aus 300 000 Chinesen im Rücken fassen zu können.

Aus aller Wett.

Zwei Streckenarbeiter vom D>3uq getötet.

Lpd. Fulda, 7. März. Auf der Bahnstrecke FuldaBronzell ereignete sich ein folgenschwerer Unfall, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Als das Herannahen eines Güterzuges gemeldet wurde, begaben sich die auf den Gleisen arbeitenden St r e ck e war b e i t e r vorschriftsmäßig in Sicherheit. Zwei von ihnen traten auf das Ne­bengleis und überhörten bei dem Geräusch des heranbrauscnden Güterzuges das Nahen eines aus Richtung Frankfurt a. M. kommenden Fern-D-Zu- ges. Die beiden Arbeiter wurden von dem D-Zug erfaßt und zur Seite geschleudert: sie waren auf der Stelle t o t.

Jüdischer Steuerbetrüger.

LPD. Dieburg, 7. März. Durch Straf­bescheid ist gegen den Juden Siegfried Israel Goldschmidt in Dieburg wegen fortgesetzter E i n k o m m e n st e u e r h i n t e r z i e h u n g in den Jahren 1936 und 1937 eine G e l d st r a f e von 1 2 5 0 R M. festgesetzt worden.

General Gabain f.

In Berlin-Lichterfelde st a r b im 79. Lebensjahr General der Infanterie a. D. Arthur von Ga­bain, Ritter des Ordens Pour le merite mit Eichen­laub und zahlreicher anderer hoher Auszeichnungen. 1914 war v. Gabain als Kommandeur der 12. Jnf.- Brigode in Brandenburg ins Feld gezogen, wo er an allen Kämpfen des III. AK. unter persönlichem Einsatz im Feuer teilnahm. 1919 wurde er General­

inspekteur des Militärerziehuugs- und Bildungs- wesens, später auch Präsident des Reichsmilitär­gerichtes. 1920 schied er aus dem aktiven Dienst aus.

schwere öchncefchäden im Allgäu.

Am Dienstagnachmittag ging über Füssen (All­gäu) und Umgebung cm stundenlanger heftiger Schneefall nieder. Durch den Schnee wurden zahlreiche Licht- und Fernsprechleitungen beschädigt, so daß die Verbindungen nach mehreren Richtungen empfindlich gestört wurden. In der Stadt wurden eine Reihe von Leitungsmasten umgelegt und die Leitungen buchstäblich zerrissen. Auch die Strom­zufuhr geriet ins Stocken, so daß die Straßenbe­leuchtung an vielen Stellen längere Zeit außer Be­trieb gesetzt war. Der Schneefall dauerte bei sinken­den Temperaturen die ganze Nacht über an, so daß im Tal bereits 20 bis 25 Zentimeter Neuschnee lie­gen. Auch am Mittwochmorgen schneite es bei minus drei Grad weiter.

Schwere Gewitter über Schottland.

Die Stadt Glasgow und ganz Westschottland wur­den von einem Gewitter mit Hagelschlag heimgesucht. Etwa dreißig Gebäude wurden durch Blitzschlag getroffen. In zahlreichen Fällen brachen Brände aus, die jedoch auf ihren Herd beschränkt werden konnten. In Glasgow wurde der Glocken­turm einer Schule vom Blitz getroffen und in Brand gesteckt. Ein Privathaus fing gleichfalls Feuer. Am schwersten wurde der kleine Badeort Millport auf der Insel Cumbrae in der Clydemün- dung betroffen. Blitzschläge gefährdeten die Schule, ein Fremdenheim und das Krankenhaus des Ortes.

Geheimnisvoller Diebstahl in London.

Scotland Yard und das englische Kriegsministe­rium find zur Zeit mit der Aufdeckung eines ge­heimnisvollen Diebstahls wichtiger Mili­tärpapiere beschäftigt. Die Papiere wurden aus einem haltenden Kraftwagen im Londoner Weftend gestohlen. Daß es sich um Schriftstücke von größter Bedeutung handelt, geht daraus hervor, daß die Spionage-Abwehr des Kriegsminifte- riums Sonderbeamte mit dem Fall betraut hat.

Selbsthilfeaktion flandrischer Bauern.

Am Dienstag kam es in dem flandrischen Städt­chen Blaringhem zu ernsten Zwischenfällen. Ein Bauer sollte mit seiner sechsköpfigen Familie wegen Nichtzahlung der Pacht von Haus und Hof vertrieben werden. Der Gerichtsvollzieher hatte be­reits vergeblich versucht, seines Amtes zu walten, da der Bauer bei der Bevölkerung der ganzen Umgebung Hilfe fand. Als der Beamte erneut er­schien, diesmal in Begleitung van sechs Abteilungen Garde mobile und 30 Gendarmen, insgesamt 200 Mann, erklärte der bäuerliche Selbftverteidigungs- ausschuß, daß er sich den Anweisungen des Beamten weiter widersetzen werde, und benachrichtigte die umliegenden Ortschaften von dem Eintreffen des Polizeiaufgebotes. Kurz darauf waren 700 Bauern zur Stelle, die mit feindseligen Rusen das Gehöft

umringten. Am Mittag kam es zu ernsteren Reibe­reien zwischen der Garde mobile und den Bauern, bei deren Verlauf die Polizei einige Verhaftungen vornahm. Als die Bauern dann sahen, daß sie eine Ausquartierung des Bauern nicht verhindern wür. den, zogen sie sich wieder zurück.

Frecher jüdischer Gaunerstreich.

Einen besonders frechen Gaunerstreich beging der getaufte Jude Rudolf K o l i s ch, der in einer Wie­ner Pfarrkanzlei nach Bestechung des Mesners eigenhändig Fälschungen im Taufbuch vornahm und so die mosaische Abkunft feiner Eltern ver­schleierte, die bei ihrer Verehelichung zum katholi­schen Glauben übergetreten waren. Den Vornamen seines Großvaters, Samuel, fälschte der dreiste Jude in Johann um. Auf Grund dieser gefälschten Ein­tragungen stellte dann der Mesner die von dem Juden Kolisch gewünschtenarischen" Tauf- und Trauurkunden aus. Während es Kolifch gelang, zu flüchten, wurde der Mesner verhaftet und nunmehr vom Gericht wegen Dokumentenfälschung zu einem Jahr Kerker verurteilt.

Wetterbericht

Um das nordatlantische Ties und das jetzt über der Biscaya liegende Hochdruckgebiet werden jetzt im Zuge einer lebhaften Nordweftftrömung unein- liche Luftwaffen nach Deutschland verfrachtet. Dies gibt zu verbreiteten Schauern Anlaß, die im höheren Bergland in Form von Schnee niedergehen. Die unbeständige Wetterlage wird auch weiterhin an­halten, da mit dem Eindringen neuer, vom Atlantik ausgehender Störungen zu rechnen ist.

Vorhersage für Donnerstag: Wolkig bis bedeckt, noch immer einzelne meist schauerartige Niederschläge, im höheren Bergland Schnee, kühl, lebhafte nordwestliche Winde.

Vorhersage für Freitag: Weiterhin un­beständig und kühl.

Lufttemperaturen am 7. März: mittags 5,4 Grad Celsius, abends 2,4 Grad; am 8. März: morgens 2,0 Grad. Maximum 7,5 Grad, Minimum heute nacht 0,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. März: abends 5,7 Grad: am 8. März: mor­gens 4,6 Grad. Niederschläge 2,1 mm.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II. 39: 10 631. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäts- druckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Ps. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf- aut der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis­

liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

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