Nr. 33 Erstes Blafi
189. Jahrgang
Mittwoch, 8.§ebruar 1939
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Es schließt sich ein Ring.
Barcelona Anfang und Ende des spanischen Bürgerkriegs.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
d—i. San Sebastian, 5. Februar 1939.
Bei dem Zusammenbruch des katalanischen Widerstandes vor dem Ungestüm der Offensive, die nach sorgfältiger Vorbereitung, als Fortsetzung der im November vorigen Jahres beendeten 115tägigen Ebro - Schlacht am 23. Dezember 1938 entfesselt worden ist, handelt es sich, wie so oft in der Geschichte, um einen Kreis (einen „circulus vitiosus" im wahrsten Sinne des Wortes), der sich schließt. Denn in Barcelona, der wichtigsten Handelsund Industriestadt Spaniens, hatte sich seit annähernd dreißig Jahren das Unwetter vorbereitet, dessen elementare Entladung im Juli 1936 nicht mehr auszuhalten war. Barcelona war der Herd der revolutionären Gärung geworden, die im April 1931 trotz des wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs in Spanien nach dem Weltkrieg und trotz des wohlgemeinten und zunächst auch erfolgreichen Rettungsversuchs durch die Diktatur des Generals Primo de Rivera, schließlich doch zum Sturz der Monarchie führte und die anfangs bürgerlich-demokratisch orientierte Republik unaufhaltsam der Komintern in die Armee trieb. Daß in der Sowjetunion schon längst mit der Möglichkeit gerechnet worden ist, Europa auch am entgegengesetzten Ende, auf der iberischen Halbinsel, in Brand zu stecken, unterliegt keinem Zweifel, und in den beiden großen Hafenstädten Barcelona und Lissabon schienen die Voraussetzungen hierfür am günstigsten zu sein. Während im katalanischen Industriegebiet die Träger einer vorwiegend anarchistischen Verseuchung zunächst nur unter dem internationalen Gesindel zu suchen waren, das sich stets in der Umgebung verkehrsreicher Häfen zusammenfindet, wurde die syndikalistische Arbeiterbewegung, die von Anfang an in ziemlich schroffem Gegensatz zu dem in Madrid dominierenden Sozialismus stand, sehr bald in ein revolutionäres Fahrwasser extremster Richtung getrieben. Doch die größte Gefahr bestand in der Verquickung der auf den sozialen Umsturz abzielenden Propaganda mit dem katalanischen Separatismus. Auf diese Weise wurden Elemente, deren persönliches Interesse durchaus die Erhaltung der bestehenden Ordnung entsprochen haben würde, durch ihre Opposition gegen die Madrider Zentralgewalt zu Förderern des politischen Chaos, aus dem schließlich der Bürgerkrieg geboren worden ist und dessen Opfer sie selbst werden mußten.
Es ist bezeichnend, daß zu einem Zeitpunkt tiefer nationaler Depression, die eine naturgemäße Folge des unglücklichen Ausgangs des Krieges mit den USA. (1898) war, in neuerer Zeit das Zeichen zu einer Wiederbelebung der separatistischen Tendenzen in Katalonien, zunächst in der relativ harmlosen Form des Regionalismus gegeben worden ist. Zu den ersten ernsthaften Unruhen kam es 1909 in der sogenannten Tragischen Woche (semana fragica) anläßlich der Truppentransporte zu den in Nordmarokko beginnenden Operationen. Seitdem ist Katalonien bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs der Wetterwinkel von Spanien geblieben. General Primo de Rivera suchte dem Katalanismus die Flügel zu stutzen, obwohl er sich seiner als willkommenes Sprungbrett bei dem Staatsstreich von 1923 bedient hatte. Beim Sturz der Monarchie (1931) wurde die Republik in Barcelona einige Stunden früher als in Madrid proklamiert, und Oberst M a c i a benutzte diesen Vorsprung, um sich als Präsident an die Spitze eines katalanischen Freistaats zu stellen, für den er schließlich Lurch sehr geschickte Erpressungen ein Statut weitgehender politischer Unabhängigkeit herausschlug. Seitdem gab es eine katalanische Sonderregierung, die „ G e n e r a l i d a d ", in deren Angelegenheiten man sich von Madrid aus kaum noch einmischen konnte.
Doch erst als Macia nach seinem Tode einen Nachfolger in Companys land, dem langjährigen Advokaten der anarchistisch eingestellten A r - beitersyndikate, erfolgte die völlige Entgleisung nach der extremsten Linken. Während aber im Anfangsstadium die leitenden Persönlichkeiten der.jungen spanischen Republik in Madrid noch versuchten, eine zum Bolschewismus führende Entwicklung aufzuhalten, ja sich sogar verschiedentlich zu ziemlich energischen Gegenmaßnahmen aufgerafft hatten, wurde Barcelona sofort eine sichere Zufluchtstätte für alle Elemente, die systematisch auf eine Störung des sozialen Friedens hinarbeiteten. Allerdings hat sich insofern mit der Zeit ein Wandel vollzogen, als die katalanischen Anarchisten ^ausgesprochene Gegner der in der Volksfront domi- mierenden sowjetrussischen Einflüsse geworden sind: iihre revolutionären Ziele beschränkten sich auf die kpyrenäische Halbinsel (einschließlich Portugal) und fine in Barcelona gegründete FAI (Federacion Anar- oquista Iberica) bezeichnet sich daher auch als „iberisch" und nicht als „international".
Daß die Anarcho-Snndikalisten bei der Oktober- Revolution 1934 mit Gewehr bei Fuß eine abwartende Haltung einnahmen, war gerade der Grund, warum sich im Juli 1936 General Goded über die von den proletarischen Massen des katalanischen Industriegebietes zu erwartende Einstellung schwer getäuscht hatte. Der von Goded im spanischen Nord- often erlittene Mißerfolg aber war hauptsächlich mit daran schuld, wenn es überhaupt zum Bürgerkrieg gekommen ist Denn dieser hätte vielleicht vermieden werden können, falls das ursprüngliche Projekt einer lleberwälttgung der Volksfront- durch eine gleichzeitige militärische Erhebung in allen spanischen Garnisonen überall lückenlos geklappt hätte.
Es ist daher tatsächlich ein Ring, der sich schließt, und es wäre für die künftige Befriedung Spaniens jedenfalls nur zu wünschen, wenn mit dem Einmarsch der Truppen Francos in Barcelona im Januar 1939 der blutige Kreislauf des katalanischen Separatismus 'ein Ende gefunden hätte, nachdem er dort mit den Ausschreitungen der „Tragischen Woche" von 1909 begonnen hat. Immerhin ist wohl zu erwarten, daß eine große Mehrzahl der Katalanen durch Schaden klug geworden ist. Denn Tausende von ihnen haben seit Beginn des Bürgerkriegs, weil sie in ihrer eigenen Heimat ihres Lebens nicht mehr sicher waren, in Nationalspanien Zuflucht gesucht; während andere ihre Pflicht getan und zumal, wenn sie den ehemals karlistischen Kreisen angehören, in den Reihen der durch ihre Tapferkeit berühmt gewordenen nationalen Brigaden von Navarra gekämpft haben.
Frankreich gestattet kein „rotspanisches Aeaieren^vom französischen Boden aus
Paris, 7. Febr. (DNB.) Im Senat erklärte der Innenminister, daß es dem rotspanischen „Re- gierungsausschuß" nicht gestattet werde, von Frankreich aus weiter zu regieren. Es verstehe sich, daß die französische Regierung einer „verstorbenen oder bestehenden spanischen Regierung" nicht gestatten könne, sich auf franzö- sischem Boden einzurichten, um hier ihre politische Aktivität fortzusetzen oder militärische Operationen zu leiten. Die französische Regierung habe Maßnahmen ergriffen, die diese Grundsätze der Nichteinmischung respektieren.
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Der offiziöse „Petit Parisi en" schreibt: In dem Augenblick, wo die spanischen „Minister" französischen Boden betreten, verlieren sie selbstverständlich ihre amtliche Eigenschaft und sind nur noch Privatleute. Keinerlei ausländische Regierung darf in Frankreich tagen. Die während des Welt
Lond on, 7. Febr. (DNB.) Die Palästina-Konferenz wurde am Dienstagmorgen durch Premierminister Chamberlain im St.-James-Palast eröffnet. Schon die Eröffnungssitzung brachte augenfällig die Schwierigkeiten zum Ausdruck, vor die sich die Konferenz gestellt sieht. Chamberlain mußte, da die arabischen Delegierten die Vertreter der jüdiscken Agentur nicht anerkennen und sich geweigert haben, mit ihnen zu verhandeln, vor zwei Eröffnungssitzungen sprechen — der der Arabervertreter und der der Juden. Außerdem drohte die Abordnung der Araber aus Palästina, die Anhänger des Mufti sind, der Eröffnungssitzung fernzubleiben, falls Vertreter der arabischen „Nationalen Verteidigungspartei" der Sitzung beiwohnen sollten. Diese Partei ist eine kleine arabische Gruppe, die den Aktivismus der Araber in Palästina ablehnt und glaubt, mit reinen Derhandlungsmechoden die arabischen Ziele erreichen zu können. Das Kolonialministerium hat vergeblich versucht, die Gegensätze zwischen den beiden arabischen Parteien auszugleichen. Das scheint aber nicht gelungen zu sein, denn in letzter Minute hat sich herausaestellt, daß die „Nationale Verteidigungspartei" auf ihre Teilnahme an der Eröffnungssitzung verzichtet hat. — Die britische Regierung ist.auf der Palästina-Konferenz durch Premierminister Chamberlain, Außenminister Lord Halifax, Kolonialminister M a c - donald und den Unterstaatssekretär im Außenamt Butler vertreten. In erster Linie werden Macdonald und Butler die Verhandlungen führen.
Zur Eröffnung der Konferenz hatte sich vor dem St. James-Palast im strahlenden Sonnenschein eine große Menschenmenge angesammelt, di? d i e Auffahrt der arabischen Delegierten miterleben wollte. Es war ein eindrucksvolles Schauspiel, als in einem schwarzen Automobil die Prinzen und Stammesführer des arabischen Volkes in ihren reich mit Steinen bestickten Trachten vor dem Palast auffuhren. Während die ägyptischen Araber im einfachen schwarzen Rock mit' rotem Fez oor- suhren, trugen die Araber aus dem Jemen und den anderen arabischen Staaten Ueberwürfe aus Gold, grün, Schwarz und Gelb mit der üblichen weißen Kopfbedeckung. Ein starkes Polizeiaufgebot sorgte dafür, daß kein Unberufener den Palast betrat.
Ministerpräsident Chamberlain eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache an die arabischen Vertreter, in der er hervorhob, die Tatsache, daß Vertteter aller arabischen Länder zugegen seien, bedeute auf englischer Seite Anerkennung der Tatsache, daß zwischen der arabischen Welt eine Gleichheit von Interessen und Gefühlen bestehe. Der Kolonialminister habe vor dem Unterhaus erklärt, die britische Regierung gehe in diese Verhandlungen unter den Verpflichtungen hinein, die ihr d a s M a n d a t auferlege. Das seien Verpflichtungen sowohl Arabern wie auch Juden gegenüber. Die Regierung sei weiter gebunden mit ihren Verpflichtungen geaen- über Parlament, Genfer Liga sowie Amerika. Den-
krieges zugunsten der belgischen Regierung gemachte Ausnahme bestätigt die Regel. Es handelte sich damals um eine alliierte Regierung, die sich vor dem mit Frankreich gemeinsamen Gegner hatte zurückziehen müssen. Das ist aber durchaus nicht der Fall bei der „Regierung" Negrin. Ihre Mitglieder hätten sich nach Valencia begeben können. Die meisten von ihnen haben das Exil vorgezogen. Da die republikanisch-spanische „Regierung" tatsächlich nicht mehr existiert, muß man sich fragen, was von dem Gebiet von Madrid bis zum Meer werden wird. Wird General Miaja den Widerstand fortsetzen oder mit General Franco über eine ehrenvolle Uebergabe verhandeln? Wie dem auch sei, es scheint nicht, daß eine reguläre „Regierung^ sich noch im republikanischen Spanien bilden werde. Neuer pohfndicr Mord in Schanghai
Schanghai, 7. Febr. (Europapreß.) Nach zwei Mordanschlägen, die am Montag und Dienstag in Schanghai stattgefunden haben, wird nun ein dritter politischer Mord gemeldet, der sich wie die vorherigen in der Internationalen Niederlassung ereignete. Das Opfer dieses Anschlags war der Finanzrat der Nanking-Regierung Tschow» t s ch i t a n g, der von unbekannten Tätern während einer Rikscha-Fahrt mit einigen Schüssen nieder- gestreckt wurde. Nach der Ermordung klebten die Täter an die Kleider des Ermordeten einen Zettel, auf dem in chinesischer Sprache die Worte standen: „Du b i st ein Verräter!"
Eine militärische Aktion geaen die Araber.
Beirut, 7. Febr. (DNB.) Angesichts der beginnenden Verhandlungen in London hat die britische Regierung, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, eine neue militärische Aktion gegen die arabischen Freiheitskämpfer in Palästina eingeleitet. Der beabsichtigte große Schlag, der die Londoner Konferenz beeindrucken sollte, ist aber allem Anschein nach mißlungen. Seit Tagen werden große britische Truppenmassen, anscheinend 10—15000 Mann, konzentrisch a u f das Bergmassiv Abud bei Jenin angesetzt, wo arabische Freiheitskämpfer, die hier zu einer Beratung zusammenkamen, umzingelt werden sollten. Die arabische Presse in Syrien berichtet von Kämpfen, die für beide Seiten verlustreich waren.
noch könnten auch Argumente vorgebracht werden, wie die Mandatsform abzuändern sei. Die Erörterungen sollten umfassend, offen und frei sein. Entsprechend diesen Verpflichtungen wolle England die Erörterungen nicht damit beginnen, daß es selbst eine Diskussionsbasis anbiete. Auch wolle es seine eigenen Ansichten nicht eher äußern, bis Arabern und Juden in getrennten Verhandlungen Gelegenheit gegeben sei, ihre Sache vorzubringen.
Die britische Regierung bedauere die unglücklichen Vorkommnisse in Palästina und hoffe, daß Friede und Wohlstand bald wiederhergestellt sein werden. Die englische Politik sei eine Friedenspolitik. Seine besondere Methode, den Frieden herzustellen, sei eine wahre Verständigung, und der erste wahre Schritt zu einer solchen Verständigung sei die persönliche Fühlungnahme. Das Problem, vor das die Palästina- konferenz gestellt sei, sei schwierig; oft habe man es unlösbar genannt; aber . je schwieriger das |
Wie unser Londoner abs-Korrespon- d e n t berichtet, hat die für Dienstagnachmittag angesetzte erste Arbeitssitzung zwischen den englischen Regierungsvertretern und den arabischen Abordnungen auf unbesttmmte Zeit verschoben werden müssen, weil eine Einigung über die Zusammensetzung der Vertretung der Palästina-Araber bislang nickst hat erzielt werden können. Durch das Verlangen der gemäßigten „Nationalen Derteidi- gungspartei", der sogen. Nashashibi-Anhänger, die wohl auf die Teilnahme an der Eröffnungssitzung verzichtet haben, aber als Mitglieder der Vertretung der Palästina-Araber an den Arbeitssitzungen teilnehmen wollen, sind erneut Schwierigkeiten aufgetaucht. Die englische Regierung vertritt den Standpunkt, daß die Zusammensetzung der Palästina-Araber-Delegation zwar deren eigene Sache ist, sie hat aber mit einer weiteren Teilung der Konferenz gedroht, falls die Nafhashibi-Anhanaer von den übrigen Palästina-Arabern nicht in ihre Vertretung ausgenommen würden. Die englische Regierung will sich aus dem Streit unter den verschiedenen Vertretern des Palästina-Arabertums heraus- hatten und jeder Partei „eine faire Gelegenheit" zur Vertretung ihrer Belange geben. Die Regierung würde auch gern in Besprechungen mit den Führern der Palästina-Araber eintreten, die aus anderen Parteien als der Nashishibi-Partei ausgewählt worden sind. Sie würde aber auch, falls keine einheitliche Vertretung aller Richtungen der Palästina- Araber zustandekommt, mit den Vertretern der Nashashibi-Richtunq gesondert verhandeln.
In arabischen Konferenzkreisen wird die Zuversicht, die auf englischer Seite über die Möglichkeit einer raschen Ueberbrückung der Gegensätze zwischen
Spanischer Pfeffer.
Frankreich, das zusammen mit England in erster Linie für die Aufrechterhaltung der blutig-grotesken Fiktion von der Existenz einer rotspanischen „Regierung" verantwortlich zeichnete, hat sich nun nach der Flucht der Barcelona-Leute zu dem Eingeständnis entschließen müssen, daß es keine Regierung in Rotspanien mehr gibt. Das ist sicher ein sehr schmerzliches Eingeständnis, vor allem für diejenigen Kreise in Frankreich, die in der direkten und indirekten Unterstützung des Bolschewismus in Spanien eine Lebensaufgabe sahen. Wieweit dabei diese Tendenz im unmittelbaren Personalbereich der französischen Regierung Geltung hatte oder hat, ist angesichts der neuen Lage auf der Pyrenäen-Halbinsel ziemlich unerheblich geworden. Um so mehr drängt sich stattdessen die Frage auf, ob Frankreich die naheliegenden Folgerungen aus der obigen Erkenntnis ziehen wird.. Wir sprechen sicher nicht aus Schadenfreude, sondern aus dem Bedauern über eine erstaunliche Kurzsichtigkeit der französischen Außenpolitik, wenn wir feststellen, daß Frankreich sich seine jetzige diplomatisch und politisch heikle Lage in der Spanien-Frage selbst bereitet hat. Frankreich hat die lächerliche Fiktion von der „Regierung" in Barcelona selbst dann noch aufrecht erhalten, als die roten Machthaber in Spanien längst vor aller Welt als eine bolschewistische Clique von Massenmördern und Schwerverbrechern dastanden, ja selbst dann noch, als die Regierung Franco bereits drei Fünftel von Spanien beherrschte und seit Beginn der siegreichen nationalen Offensive in Katalonien ein Zweifel am Ausgang des Krieges in Spanien nicht mehr möglich war. Offiziell trug man dis „Nichteinmischung" zur Schau; unterdessen gingen die Transporte aus französischen Grenzorten und aus französischen Häfen ruhig roerter, nachdem eine vorübergehende und keineswegs ernst gemeinte Grenzsperre unliebsame Verzögerungen in der Belieferung der Roten mit Kriegsmaterial verursacht und in Barcelona mit Mißfallen vermerkt worden war.
Man braucht heute nicht mehr die Frage zu untersuchen, wie lange Frankreich (und mit ihm England, dem das Verschwinden der roten „Regierung" sicher noch viel unangenehmer rft!) den zweckvollen Schwindel von der rotspanischen „Re-
Problem, umsomehr sei er von der Bedeutung fier persönlichen Fühlungnahme überzeugt. Die Auf» gäbe eines Staatsmannes fei es, ein Kompromiß auf d er Basis der Gerechtigkeit zu schaffen, sobald er sich einer Krise zwischen zwei Völkern gegenüber sehe. Das sei die Aufgabe, die vor der Konferenz liege. Sie sei schwierig, übersteige jedoch nicht die Möglichkeiten einer gemeinsamen Kraftanstrengung.
Prinz Mohamed Abdul Mo nein, der Führer der ägyptischen Delegation, dankte namens der arabischen Vertreter und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Konferenz zu einer fairen und angemessenen Lösung des Problems führen werde. Wahrend dann die Araber den St. James- Palast verließen, betraten die jüdischen Delegierten, an der Spitze Chaim W a i z - mann, den Palast durch einen anderen Eingang. Man hatte es peinlich vermieden, daß selbst beim Hinaus- oder Hineingehen die Delegationen miteinander in Berührung kamen.
Die ersten Schwierigkeiten.
!lm die Vertretung der Palästina-Araber auf der Konferenz.
der Abordnung der Palästina-Araber und den Anhängern Nashashibis zur Schau getragen wird, nicht geteilt. Immer wieder wird von den Mitgliedern der nattonalarabischen Palästina-Delegation betont, es fei im Grunde völlig verfehlt, von einer Nationalen Verteidlgungspartei zu sprechen Die Anhängerschaft der Nashashibis in der arabischen Bevölkerung Palästinas sei ganz geringfügig. Sie setze sich außerdem aus mit englischem Gelde g e k a u f t en Parteigängern zusammen, die •P nurlschaftlicher Abhängigkeit zu der sogenannten Parteiführung ständen. Am besten gekennzeichnet wird die Haltung der meisten maßgebenden Leute der nationalarabischen Palästinadelegation gegenüber den englischen Bestrebungen auf'Einbeziehung der Nashashibi-Gruppe wohl mit dem Wort „passiver Widerstand". Man betont, die Araber hatten Zeit und seien nicht gewillt, nach drei-- lahngen verlustreichen Kämpfen für ihre Rechte in Palästina jetzt von einem Tag zum anderen sich ihre Vertreter auf der Konferenz durch englische Wunsche vorschreiben zu lassen und bedingungslos die einmal eingenommene moralisch und politisch wohlbegrundete bisherige Haltung preiszugeben. Auf englischer Seite hat man aber die Hoffnungen auf ein Kompromiß in der Frage der Vertretung der Nashashibi-Leute noch nicht aufgegeben. Besonders lebhaft war am Dienstagnachmittag die Fühlungnahme zwischen Mac Donald und Vertretern der ägyptischen und irakischen Abordnungen. Bezeichnend ist, daß von den ägyptischen Vertretern der Presse gegenüber die Vermittlerrolle Aegypten s in dieser Frage erneut ausdrücklich unterstrichen wurde.
Chamberlain eröffnet die Palästina-Konferenz.
England arbeitet für „ein Kompromiß auf der Basis der Gerechtigkeit".


