Ausgabe 
7.11.1939
 
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Nr. 261 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Dienstag, 7. November 1939

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Luftangriffe auf Deutschland durch planmäßige und bis ins einzelne gehende Vor­arbeiten von der englischen Luftwaffe vor­bereitet wurden.

Was ergibt sich hieraus?

1. Während die britische Regierung vom Frieden sprach, die Heiligkeit der Verträge zur Erhaltung des Friedens predigte und das Reich durch Auf-

übten Piratenpraxis herbeizuführen. Zweifellos ist es ein Verdienst der holländischen Regierung, daß

hätte, nicht eingegangen?

Warum hat die englische Regierung in diesen Jahren alle deutschen Vorschläge dilatorisch behan­delt? Damals faßte sich jeder an den Kopf. So­wohl in Deutschland als auch in der übrigen Welt und fragte sich nach den Gründen dieser unbegreif­lichen englischen Politik. Heute wissen wir alle den Grund: Die englischen Kriegshetzer Churchill und Genossen wollten keinen Frieden mit Deutschland!

Wir sind nunmehr in der Lage, die wirklichen, hinter angeblichen Friedensbeteuerungen sich ver­bergenden Absichten der britischen Regierung er­neut und schlagend durch einen dokumentarischen Beweis zu erhärten. Hiernach wird auch der letzte politische Träumer den wahren Schuldigen an die­sem Krieg erkennen: England!

3n einem dieser Tage von der deutschen Luftwaffe abgeschossenen englischen Flugzeug wurde eine Zielkarte gefunden. Trotz der Beschädigungen, die die Karte durch das Feuer im brennenden Flugzeug erlitten hat, ist zu erkennen, daß bereits irn Jahre 193 6

sie in dieser zusammenfassenden Form die Well- Öffentlichkeit auf die unhaltbaren Z u st ä n d e aufmerksam gemacht hat, welche infolge der eng­lischen Willkür die neutrale Schiffahrt und die neutrale Wirtschaft belasten. Ob aber dieser Protest gegen die britischen Seeräubermethoden irgendeinen praktischen Erfolg haben wird, das ist eine

Berlin, 6. Nov. (DNB.) Amtlich wird ver­lautbart: Das Deutsche Reich hat, wie erst

er in Dänemark selber durch deutsche Ge­schäftsreisende besucht, die die Vor­kriegspreise aufrecht erhielten und prompte Lieferung verbürgten.

Oie Kehrseite

des Rüstungsgeschäfts

England wird neue Schulden machen.

London, 6. Nov. (Europapreß.) Die Gefahren, die die Aufhebung des Waffenausfuhroerbots aus den Vereinigten Staaten für die englische Wirtschaft in sich schließen, unterstreicht derEoening Stan­dard". Das Beaverbrook-Blatt erklärt, es sei zwar angenehm, zu wissen, daß die Amerikaner Rü­stungsgeschäfte machen wollten,aber es besteht eine Gefahr, daß wir riesige Mengen von Waren in den Vereinigten Staa­ten bestellen, als eine leichte und schnelle Methode der Rüstung, und wenn wir das tun, wer­den wir unsere eigene Wirtschaft so untergraben, daß der Schaden nicht wie­der gut zumachen ist". DerEoening Stan­dard" weist darauf hin, daß noch aus dem vo­rigen Krieg große Schulden an die Ver­einigten Staaten bestehen, die bis heute nicht beglichen sind. Außerdem gebe es riesige Zahlen von Arbeitslosen in England selber. England müsse alle seine Arbeitslosen unverzüglich einsetzen zur Produktion von Gütern, mit denen die Ein­fuhren bezahlt werden könnten bzw. u n ° nötig gemacht würden.

Griechischer Dampfer untergeqanqen.

London, 6. Nov. (Europapreß.) Der griechische DampferNicolaus Menbericos" von 5280 Tonnen, der Getreide nach England brin­gen sollte, ist nach zwei heftigen Explosionen unter­gegangen. Zwölf Mann der Besatzung wurden von einem holländischen Schiff gerettet und in einem südenglischen Hafen ausgeschifft, während weitere 14 Mann nach einem anderen Hafen gebracht wur­den. Der Kapitän des Schiffes erklärte, nach der ersten Explosion habe fein Schiff ein Leck bekorn-

Schon 1936 hat England den Krieg vorbereitet.

Ein verräterisches Lustbild. - Systematische Spionage zur Vorbereitung von Nombenangriffen auf Deutschland.

Kurs geändert und ist auf England ge­fahren. Dabei ist es von deutschen Seestreitkräf­ten ertappt und beschlagnahmt worden. Es handelt sich hier nicht um einen vereinzelten Full. In den beteiligten Kreisen ist wohl bekannt, daß in vielen Fällen ursprünglich nach neutralen Ländern konsignierte Schiffsfrachten nach Passieren der deutschen Kontrolle nachträglich nach England umdirigiert werden. Nur gelingt es den deutschen Seestreitkräften nicht immer so wie in dem Fall des DampfersMargaretha", solche Schiffe zu fassen. Man nimmt in den be­teiligten holländischen.Kreisen an, daß sich aus dem VorfallMargaretha" Weiterungen ergeben werden.

Die englische Wirtschaft

in Sorge um ihre Auslandsmärkte

Oie Hemmungen der staatlichen Wirtschaftskontrolle.

London, 6. Nov. (Europapreß.) Die behördliche Kontrolle des englischen Handels wird von Tag zu Tag weiter ausgedehnt. Mit ihrer Ausdehnung wächst aber auch in Industrie- und Handelskreisen die Kritik. Besonders schädigend soll sich diese Kon­trolle für den englischen Ausfuhrhandel auswirken. Die an der Ausfuhr beteiligten Kreise sind im Handelsministerium unter Vorlage um­fassenden Materials vorstellig geworden. Daraus ergibt sich, daß es Deutschland gelungen ist, seit Kriegsbeginn seinen Ausfuhrhandel nach einer ganzen Reihe von Ländern aufrechtzuerhalten oder sogar zu vergrößern, während Englands Handel durchweg starke Rückgänge zu verzeichnen hatte.

Der Sekretär des Exportinstituts, W. T. Day er­klärt, die britische Ausfuhr leide unter Ueber- organifation. Day sagt:Die Lage ist wirk­lich ernst, so ernst in der Tat, daß sie zu B e - schwerden aus den Dominien wegen un­serer Lieferungen an sie führt. Wir sind in schwe­rer Gefahr, einen erheblichen Teil unserer Märkte zu verlieren."

Auch dieSunday Times" beschäftigt sich sehr kritisch mit den durch die behördlichen Eingriffe ge­schaffenen Schwierigkeiten des Ausfuhrhandels. Das Blatt führt als Beispiel die Erfahrungen eines be­deutenden dänischen Fahrradfabrikanten an, der kürzlich in London war. Dieser beschwerte sich dar­über, daß die Erledigung seiner Einkäufe mit Eng­land lange Zeit in Anspruch nehme, so daß ihm keine Wahl bleibe, als sich in Deutschland nach Lieferanten umzusehen. Der Däne beschwerte sich über die Verzögerungen in der Briefabfertigung in England. Die Briefe benötigten durchschnittlich eine Woche von Dänemark nach England gegenüber wenigen Stunden zwischen Kopenhagen und Deustch- land. Schwieriger aber sei noch, daß die englischen Fabrikanten sich noch nicht der veränder­ten Lage angepaßt hätten. Er könne bei­spielsweise keine Firma finden, die ihm feste Preise oder Lieferzeiten geben könnte. Die englischen Liefe­ranten erklärten, sie könnten die Preise erst am Tage der Verschiffung angeben, weil sie nicht wuß­ten ob und wann sie ihr Rohmaterial bekommen könnten und zu welchen Preisen. Anderseits werde

Ziele, sondern auf dichtbesiedelte deut­sche Jndustriegegenden und Anlagen zur Versorgung der deutschen Zivilbevölkerung vor­bereitet.

2. Während die britische Regierung Deutschland in den Jahren 1935/36 Vorschläge rür einen Luft­pakt machte, der Bombenabwürfe völlig unmöglich machen sollte, hat sie selbst insgeheim bereits im Jahre 1936 solche Bombenabwürfe ge­plant und vorbereitet..

3. Während die britische Regierung der deutschen Regierung wie der Weltöffentlichkeit ihre Frie­densliebe beteuerte, hat sie gleichzeitig insgeheim den uneingeschränkten Vernichtungs­krieg gegen das deutsche Volk auf allen Gebieten geplant und vorbereitet.

4. Denn ihre Friedensbeteuerungen hatten nicht etwa die Schaffung eines dauernden Friedens zum Ziel, sondern sie galten nur als Vorwand, um Zeit z u gewinnen. Erst als der britische Rüstungsstand auf ein Höchstmaß gesteigert war, konnte die britische Regierung die Friedensmaske abwerfen und ihre dunklen Pläne gegen Deutsch­land ins Werk setzen.

deutsche Seestreitkräfte ist kürzlich gemeldet worden. Die Ladung war nachHolland konsigniert. Das Mißgeschick dieses Dampfers wird in gewissen holländischen Händlerkreisen lebhaft erörtert, die sich seit Kriegsausbruch einem neuen Zweig des inter­nationalen Zwischenhandels widmen.

Der DampferMargaretha" hatte vorher den Kaiser-Wilhelm-Kanal passiert. Er war dort von den deutschen Kontrollstellen geprüft und zur Weiterfahrt f r e i g e g e b e n worden, nachdem er durch die üblichen Konnosse- mente und Schiffspapiere nachgewiesen hatte, daß 9)s Holz nur für Holland bestimmt ist. Trotz dieser rkunden hat das Schiff aber nachher feinen

Mit gleicher Münze.

Man muß sich ein für allemal von der Vor­stellung freimachen, als ob es sich bei den britischen Verletzungen des Völker- und Krieasrecht nur um gelegentliche Fehltritte handele. Vielmehr ist es so, daß der englische Imperialismus die Rechts­brecherei aus Prinzip und innerer Ver­anlagung betreibt, denn der ganze Aufbau, die Exi­stenz und die Macht des Empire beruhen ja gerade­zu auf der Ausschaltung des Rechtes durch die Ge­walt. Dem gegenüber erhebt sich bei den Geschädig­ten die Frage, was sie dennoch tun könnten zur Wahrung ober Wiederherstellung ihres Rechtes. Im zivilen Leben pflegt man, wenn nicht gerade ein plötzlicher Ueberfall zur Notwehr zwingt, in solchen Fällen das G e r i ch t zu bemühen. Im internatio­nalen Leden dagegen ist eine richterliche Instanz, die allgemeines Vertrauen genießt, und außerdem über die nötige Autorität verfügt, leider nicht vor­handen. Zwar hat es internationale Gerichtshöfe schon gegeben, aber sie standen entweder unter dem Einfluß des englischen Seeräuderstaates oder sie besaßen keine eigenen Machtmittel, um ihren Ur­teilen Geltung zu verschaffen. So bleibt den vom britischen Piratentum angegriffenen Nationen nichts anderes übrig, als f i ch selber ihrer Haut zu wehren und auf eigene Faust dem Wegelagerer auf allen Meeren entgegenzutreten.

Nun gibt es verschiedene Wege, um das eigene Recht zu schützen. Das Orangebuch, das der holländische Außenminister van Kleffens jetzt heraus^egeben hat, versucht durch Aufzählung all der Drangsalierungen und Rechtsverletzungen, denen die niederländische Schiffahrt durch das britische

men. Die Mannschaft habe sich sofort in die Ret­tungsboote begeben. Nach fünf Minuten sei eine weitere Explosion erfolgt. Der Dampfer sei aus- einanbergeborffen unb bas Deck in bie Luft geflogen. Die Rettungsboote seien mit Trümmern überschüttet worben. Die ganze Nacht seien bie Rettungsboote auf bem Meer getrieben, bis sie am Sonntag von einem hollänbischen Schiff wahrgenommen worben seien.

Drei feindliche Flugzeuge adgeschvffeu.

Sonst keine nennenswerten Kampfhandlungen an der Westfront.

Berlin, 7. November. (DNB.-Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im w e st e n außer geringer Spähtrupptätigkeit und schwachem beiderseitigen Artilleriefeuer keine nennenswerten Kampfhandlungen.

Im L u f t k a m p f wurden ein britisches Flugzeug bei Mainz und zwei franzö­sische Flugzeuge bei Saarlaut er n ab­geschossen.

Holtandisch-brlgische Besprechungen.

Der König der Belgier im Haag.

Amsterdam, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Am Montagabend ist König Leopold von Belgien im Haag eingetroffen und hat sich nach dem könig­lichen Schloß Noordeinde begeben, um mit der Königin d er Niederlande einige Fra­gen des internationalen Zustandes zu besprechen. König Leopold ist von Außenminister Sp a a k be­gleitet, der bei der Besprechung ebenso wie der niederländische Außenminister van Kleffens anwesend war. Wie verlautet, wird der König der Belgier mit seiner Begleitung bereits am Dienstag die Rückreise nach Brüssel antreten.

Italienisch-schweizerisches Transitabkommen.

Genf, 6. Nov. (Europapreß.) Im Zuge der seit Kriegsbeginn stetig enger werdenden schweizerisch- italienischen Wirtschaftsbeziehungen ist in Bern em Abkommen unterzeichnet worden, das die Durchreise von Personen und die Durchfuhr von Waren durch Italien im Verkehr nach und aus der Schweiz vor­sieht. Der Hafen von Genua ist mit für die Schweiz bestimmten Produkten aller Art angefüllt. Das Entgegenkommen der italienischen Regierung bei der Sicherung der fßerforgung der Schweiz mit den notwendigen Einfuhrartikeln wird in Benz sehr anerkannt.

kürzlich wieder der Reichsaußenminister in Danzig mit zahlreichen Belegen nachgewiesen hat, Eng­land ständig seine Friedenshand an­geboten. Auch die englische Regierung hat in diesen Jahren ihre Friedensbereitschaft beteuert. Warum ist es zu diesem Frieden nicht gekommen? Warum hat England die geradezu einzigartigen,--- ~-------- '- »-- . f

Angebote bes Führers nicht angenommen?,stellung non Fr>°denspro,ekten emzulullen verucht Warum hat England nichts getan, um diesen t>at der englische Geheimdlenst s y st e m a 11 [ d konkreten Vorschlägen des Führers überhaupt näherzutreten? Warum ist die brttische Re­gierung auf den großen Friedensplan des Führers vom 31. März 1936, der das deutsch-englische Ver­hältnis auf eine dauernde stabile Basis gestellt

hat der englische Geheimdienst , y st e M a t i I ch Blockadesystem bisher ausgesetzt wurde, eine Aend-, Spionage in Deutschland betrüben, rung der bisher MM den Londoner Behörden ge- Zielkarten für den deutschen Lustraum hergestellt ,li

und Bombenangriffe nicht etwa nur auf militärische

über, das Expeditionsheer, gleichfalls auf Gund des hohen Reichtums in feiner kostspieligen Söldnerform ermöglicht, sicherte als Kolonialheer den eigenen Außenbesitz, half feindlichen wegneh- men und konnte in Flanke und Rücken des Gegners eingesetzt werden. So geschehen in Oberitalien und Holland gegen Napoleon, dann in Portugal und Spanien, im Weltkrieg in Gallipoli und Saloniki. Der Millioneneinsatz in Flandern dagegen erwies sich als verhängnisvoll und lastet heute noch mit seinen Verlusten auf der Nation, die sich vergreister und reaktionärer Führung gegenüber ganz ver­änderten Umständen ausgeliefert sicht.

Denn diese Umstände find gegen früher gewaltig verändert Zunächst ist keine Rede mehr von einer Allgegenwart einer englischen Flotte, die in allen Meeren die Sicherheit der Reichsteile gewährleistet und die Seeverbindungen schützen kann. Schon mit Kriegsende und bis 1922 schob sich Amerika im W e ft a 11 a n t i f an die erste Stelle. Von einer englischenSeeherrschaft" kann also an den Küsten Amerikas trotz der guten Stützpunkte von Halifax bis Trinidad ober den Falklandinseln so wenig ge­sprochen werden, wie in O st a si e n , wo Japan die See bis hinab ins Südchinesische Meer be­herrscht. Im Indischen Ozean und der Südsee mag die Konkurrenz fehlen, ober schon im Mittelmecr wieder herrscht die Ungewißheit gegenüber Italiens See- und Luftmacht, die bei aller Neutralität ihr Gewicht wahrt. Im östlichen Atlantik ist England recht eigentlich zu Hause, aber kann man es See- hcrrschaft nennen, wenn trotz Bewaffnung und militärischer Begleitung der Handelsschiffe die Ver­senkungen ungestört ihren Fortgang nehmen, wenn deutsche Handelszerstörer freischweifend sich ihre Beute suchen, bald westlich von Irland, bald im Süd-, bald im Mittelatlantik gemeldet werden? In der Nordsee aber griffen deutsche See- und Cuftftreitfräfte bereits England in seinen nördlichen Stützpunkten an, ihre Sicherheit ist erschüttert, und damit chre Rolle als Wachtposten vor den Zugängen zum Atlantik und vor dem Skagerrak.

Seeherrschast bedeutet Freiheit der eige­nen Zufuhren, Abriegelung der feind­lichen. Aber die englischen Zufuhren ließen be­reits nach, die Versorgung stockt, besonders von den nordischen Ländern her, es fehlt an Nahrungs­mitteln, Erz und Holz für Bau- und Gruben- "zwecke. Mangelhafte Vorrats- und Wehrwirtschaft verschärft die Lage, an der die Flotte nichts ändern kann. Der Gegner aber, den man aushungern will, steht sicher da mit Deckung im Rücken und in bei­den Flanken, er hat vorgesorgt und seine Abhän­gigkeit von den Seezufuhren vermindert und sie gegen kontinentale Hilfsquellen vertauscht. Der Nok- den, Osten und Südosten Europas sind seine Märkte und Lieferanten, von der Blockade nur schwer ober gar nicht erreichbar. Vor eine völlige Vergewalti­gung ber kleinen Neutralen durch England aber schiebt sich ber Einspruch unb Schatten R u ß - lanbs. Ein englischer Seeoffizier schrieb:Mit dem Augenblick, wo Deutschland blockadefest wird, ist die englische Flotte kampflos geschlagen."

Wie steht es mit den anderen Faktoren unb Kampfmitteln? Der Reicht u m Englanbs ist ge­wiß noch bebeutenb, jeboch im Abnehmen. Die Pfundentwertung auf runb 10 RM. halbiert das Reichsvermogen, große Werte sind eingefroren unb unverkäuflich, bie Macht des Golbes ließ nach, Preis- und Lohnsteigerungen gehen weiter. Da bleibt nicht viel für ausländische Waffenkäufe, die bar zu bezahlen sind, oder Finanzierung von Bun­desgenossen. Das türkische Geschäft wurde teuer, der Gegenwert Deffnung ber Darbanellen bleibt fraglich, ba Rußland es nicht will. Schließlich ber Einsatz bes Expeditionsheeres: Die Ostsee ist verriegelt, im Westen regiert die große Wall-Linie, im Mittelmeer stürzte Italiens Neutra­lität alles ins Ungewisse, und feste Pläne eines Angriffs vom Balkan ober anderen Bereichen her mußten vertagt werden. Der französische Festlands­degen aber kann nicht aus der Scheide.

Alle diese Möglichkeiten aber, alle strategischen Pläne stehen unb fallen mit ber Seeherrschaft unb ber Sicherheit bes Mutterlanbes, als Sitz aller kontrollierenben Kräfte ber Reichsverwaltung unb -sicherung. Beibe aber, Seeherrschaft unb Sicherheit ber Heimat, sehen wir erschüttert durch die Kampfmittel der Zeit.

Nachträglich nach England nmöirtoterf! Den Haag, 6. Nov. (DNB.) Die Aufbringung unb Beschlagnahme des neutralen DampfersM a r- g a r e t h a" mit einer neutralen Holzladung durch

ganz andere Frag«. Wenn das Orangebuch auch er­klärt, daß sich Holland in den angezogenen Fällen alle fjn? rf)te vorbehalte, so fehlt doch feder Hinweis darauf, daß man notfalls auch kräftigere Mittel gebrauchen werde, um zu feinem Recht zu kommen. Um papierne Pro­teste aber hat sich das hochmüttge England noch nie gekümmert, es wird also die Holländer mit ein paar schönen Phrasen ab speisen und im übrigen

Beherrscht England die Meere?

Don Konteradmiral z. B. Gadow.

Die Macht des englischen Weltreiches beruhte seit langem aus drei Faktoren: Der überlegenen Flotte, dem überlegenen Reichtum und einem beweglichen, expeditionsfähigen Heere. Durch alle Phasen seiner Geschichte der letzten zwei- bis dreihundert Jahre ist der wirkungsvolle Einsatz dieser Machtmittel au verfolgen. Die Gründung einer Seemacht unter Cromwell ging voran, sie war das Mittel, den Spaniern und Holländern ihre kolonialen Reich­tümer abzujagen und den Geaner durch Blockade auszuhungern. Damit zog d e r R e i ch t u m ein und gewährte die Möglichkeit, nicht nur diese Seemacht auf stets überlegenem Fuß zu halten, sondern auch rm Kampf mit kontinentalen Gegnern diesen einen von England finanzierten Kämpfer entgegenzustel­len. Das geschah gegen Holland, gegen das Frank­reich der Bourbonen und Napoleons, und gegen Deutschland im Weltkriege. Das dritte Machtmittel