Ausgabe 
7.10.1939
 
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des Friedens mit diesem Lande zu finden. Es gckb eine Zeit, da Marschall Pilsudski noch lebte, in der es zu gelingen schien, diese Hoffnung wenn auch in bescheidenem Ausmaß verwirklichen zu können. Es gehörte dazu eine unerhörte Geduld und eine noch größere Selbstüberwindung, denn für viele der polnischen Woiwoden schien die staatliche Ver­ständigung zwischen Deutschland und Polen nur ein Freibrief zu sein für die nunmehr erst recht ungefährliche Verfolgung und Vernichtung des dortigen Deutschtums. In den wenigen Jahren bis 1922 haben über 1% Millionen Deutsche ihre frühere Heimat verlassen müssen. Sie wurden davongejagt, ohne oft auch nur ihre notdürftigsten Kleider mitnehmen zu können. Als im Jahre 1938 das Olsaer Gebiet an Polen fiel, gingen diese mit der gleichen Methode auch gegen die dort wohnenden Tschechen vor. Viele Tausende von ihnen mußten oft innerhalb weniger Stunden von ihren Arbeitsplätzen, ihren Wohnungen, ihren Dörfern und Städten fort, kaum daß ihnen geftattet war, auch nur einen Koffer oder ein Kistchen mit Kleidungsstücken mitzunehmen.

So ging es in diesem Staat seit Jahren zu, und jahrelang haben wir dem zugesehen, immer bestrebt, durch eine Verengung unseres staatspolitischen Ver­hältnisses vielleicht eine Besserung des Loses der dort lebenden unglücklichen Deutschen erreichen zu können. Allein, es konnte nicht übersehen werden, daß jeder deutsche Versuch, auf diesem Wege zu einer Behebung der Mißstände zu kommen, von den polnischen Herrschern nur als Schwäche aus- gelegt wurde, vielleicht sogar als Dummheit. Da die polnische Regierung nun daran ging, auf tausend Wegen auch Danzig allmählich zu unterjochen, versuchte ich, durch geeignete Vorschläge eine Lösung sicherzustellen, die nationalvolitisch Danzig entspre­chend dem Willen seiner Bevölkerung Deutschland angliedern konnte, ohne den wirtschaftlichen Bedürf­nissen und sogenannten Rechten Polens dadurch Ab­bruch zu tun. Wenn heute jemand behauptet, daß es sich hier um ultimative Forderungen gehandelt hätte, dann ist dies eine Lüge.

Denn die lm März 1939 der polnischen Regie­rung zugeleilelen Lösungsvorschläge waren nichts ' anderes, als die von mir persönlich mit dem Außenminister Deck selbst schon längst vorher besprochenen Anregungen und Gedanken, nur daß ich glaubte, im Frühjahr 1939 der polnischen Regierung vor ihrer eigenen öffentlichen Mei­nung das Eingehen auf diese Vorschläge erleich­tern zu können durch das Angebot, als Aeguiva- lent ibr einen Anteil an der von der Slowake! gewollten Sicherung ihrer Anabhänaigkeit ein­räumen zu können. Denn die polnische Regie­rung damals nun das Eingehen auf eine Be­sprechung dieser Vorschläge ablehnte, dann gab es hierfür zwei Gründe:

1. Die hinter ihr »stehenden auf geputschten chau­vinistischen Triebkräfte dachten überhaupt nicht daran, die Frage Danzig zu lösen, sondern im Gegenteil, sie lebten bereits in den spä­ter publizistisch und rednerisch vorgetragenen Hoff- Tnmaen, weit über Danzig hinaus das deutsche Reichsgebiet erwerben, d. h. also angreifen und erobern zu können. Und zwar blieben diese Wünsche nicht bei Ostpreußen stehen, nein, in einer Flut von Publikationen und in einer fortgesetzten Folge von Ansprachen und Reden, von Resolutio­nen usw. wurde außer der Einverleibung Ostvreu- ßens auch noch die Annektion von Pommern, Schle­sien verlangt, die Oder als mindeste Grenze ge­fordert, ja, am Ende sogar die Elbe als die natürliche Scheidelinie zwischen Deutschland und Polen bezeichnet. Diese heute vielleicht als irrsinnig empfundenen, damals aber mit fanatischem Ernst vorgetragenen Forde­rungen wurden in einer geradezu lachhaften Weise motiviert mit der Behauptung einerpolnischen zivilisatorischen Mission" und als berechtigt, weil erfüllbar hingestellt mit dem Hinweis auf -die Kraft der polnischen Armee. Während ich dem damaliaen polnischen Außenminister die Einladung zur Be­sprechung über unsere Vorschläge schickte, schrieben die polnischen militärischen Zeitschriften bereits von der Wertlosigkeit des deutschen Heeres, der Feigheit der deutschen Soldaten, der Minderwertigkeit der deutschen Waffen, der selbstverständlichen Ueber- legenheit der polnischen Wehrmacht und der Sicher­heit im Falle eines Krieges, die Deutschen vor Ber­lin zu schlagen und das Reich zu vernichten. Der Marm aber, der die deutsche Armee vor Berlin zerhacken" wollte, war nicht irgendein kleiner pol­nischer Analphabet, sondern der zur Zeit in Ru­mänien sitzende Generalissimus Rydz-Smigln.

Was Deutschland und die deutsche Wehr­macht an Verletzungen und Beleidigungen durch diese militärischen Dilettanten einstecken mußte, wäre von keinem anderen Staat hingenommen worden, allerdings auch von keinem anderen Volke zu erwarten gewesen.

Kein französischer und wohl auch kein englischer General würde sich jemals ein ähnliches Urteil über die deutsche Wehrmacht erlaubt haben und umge­kehrt kein deutscher über die englischen, französi­schen oder italienischen Soldaten, so wie wir dies seit Jahren und nach dem März 1939 immer wie­der von polnischer Seite zu hören und zu lesen be­kamen. Es gehörte eine große Selbstüberwindung dazu, diesen frechen, unverschämten Anpöbelungen gegenüber ruhig zu bleiben trotz dem Bewußtsein, daß die deutsche Wehrmacht in wenigen Wochen diesen ganzen lächerlichen Staat samt seiner Armee zerschlagen und von der Erde hinweg fegen würde. Allein, diese Geisteshaltung, für die die führende Schicht in Polen selbst verant­wortlich war, bildete die erste Ursache, warum die polnische Regierung es ablehnte, die deutschen Vorschläge auch nur in einer Diskussion zu erörtern.

Der zweite Grund aber lag in jenen un­seligen Garantieversprechungen, die man einem Staat gab, der überhaupt nicht be­droht war, der aber, nunmehr gedeckt durch zwei Weltmächte, sich sehr schnell in die Ueberzeugung hineinlebte, eine Großmacht ungestraft provozieren zu können, ja vielleicht sogar hoffte, damit die Vor­aussetzung für die Verwirklichung seiner eigenen hirnverbrannten Ambitionen herbeiführen zu kön­nen. Denn so wie sich Polen im Besitz dieser Ga­rantie wußte, begann für die dort lebenden Mino­ritäten ein wahres Schreckensregiment. Ich habe nicht die Aufgabe, über das Los der ukrainischen oder der weißrussischen Volksteile zu sprechen, deren Interessen liegen heute bei Ruß­land, aber ich habe die Pflicht, über das Los jener hunderttausende von Deutschen zu reden, die einst diesem Lande seit vielen hundert Jahren überhaupt er st die Kultur gebracht haben, die man nun auszutreiben, zu unterdrücken und zu vergewaltigen begann, die aber seit dem März 1939 einem wahrhaft satanischen Schreckens­regime ausgeliefert waren. Wie viele von ihnen verschleppt sind, wo sie sind, kann auch heute

nicht festgestellt werben. Ortschaften mit Hunderten von deukscyen Einwohnern haben keine Männer mehr. Sie sind restlos ausgerottet worden. In an­deren wieder hat man die Frauen vergewaltigt und ermordet, Mädchen und Kinder geschändet und ge­tötet.

Im Jahre 1598 schrieb der Engländer Sir George Garem in seinen diplomatischen Berichten an tue britische Regierung, daß die hervorstechendsten Cha- raktereigenschaften der Polen Grausamkeit und moralische Zügellosigkeit seien. Diese Grausamkeit yat sich in den vergangenen Jahr­hunderten nicht verändert. So wie man erst Zehntausende und Zehntausende von Deutschen ab­schlachtete und in sadistischer Weise zu Tode mar­terte, so hat man die während des Kampfes ae- fangenen deutschen Soldaten gefoltert und massa­kriert.

Dieses Schoßkind der westeuropäischen Demo­kratien gehört überhauptnichtzuden kutturetten Rationen, lieber vier Jahre war ich !m großen Krieg im Westen. Auf keiner der streitenden Seiten wurde da­mals etwas Aehnliches getan. Was sich aber in diesem Lande in den letzten Monaten ab­gespielt hat, was sich in den letzten vier Wochen ereignete, ist eine einzige An­klage gegen die verantwortlichen Macher eines sogenannten Staatsgebildes, dem jede votkliche, historische, kulturelle und sittliche Vor­aussetzung fehlt. Wenn nur 1 v. h. von diesen Scheußlichkeiten irgendwo in der Welt an Eng­ländern verübt würde, dann möchte ich die empörten Biedermänner sehen, die heute in scheinheiliger Entrüstung das deutsche oder rus­sische Vorgehen verurteilen. Rein, diesem Staat und dieser Staatsführung eine Garantie auszustellen, so wie dies geschehen war, konnte nur zu schwerstem Unheil führen. Weder die polnische Regierung oder der sie tragende Klüngel, noch das polnische Staatsvolk waren befähigt, die Verantwortung zu ermeßen, die in einer solchen Verpflichtung halb Europas zu ihren Gunsten lag.

Aus dieser aufgeputschten Leidenschaft einerseits sowie aus dem Gefühl der Sicherheit, die ja Polen unter allen Umständen garantiert worden war, ent­sprang das Verhalten der polnischen Regierung in der Zeit zwischen den Monaten April und August dieses Jahres. Dies bedingt auch die Stellungnahme

zu meinen Defriedungsvorschlägen. Die Regierung lehnte diese Vorschläge ab, weil sie sich vor der öffentlichen Meinung gedeckt oder sogar angetrie­ben fühlte, und die öffentliche Meinung deckte und trieb sie auf diesen Weg, weil sie von der Regie­rung nicht eines Besseren belehrt worden war und vor allem, weil sie sich bei jedem Akt nach außen hin als genügend gesichert empfand. So mußte es zur Häufung der furchtbaren Terrorakte gegen das deutsche Volkstum kommen, zur Ablehnung aller Lösungsvorschläge und endlich zu immer größeren Übergriffen auf das Reichsgebiet selbst.

Es war bei einer solchen Mentalität allerdings wohl auch verständlich, daß man dann die deut­sche Langmut nur als Schwäche ansah, d. h., daß jedes deutsche Nachgeben nur als Beweis für die Möglichkeit eines weiteren Vorgehens an­gesehen wurde. Die Warnung an die polnische Re­gierung, Danzig nicht mehr mit weiteren ultimativen Noten zu belästigen und vor allem die Stadt auf die Dauer nicht wirtschaftlich zu erdrosseln, führte zu keiner Erleichterung der Lage, sondern im Gegen­teil zur verkehrstechnischen Abschnürung der Stadt. Die Warnung, die ewigen Erschießungen, Mißhandlungen und Marterungen der Volksdeut­schen endlich einzustellen bzw. ihnen entgegenzu- treten, führte zu einer Vermehrung dieser grau­samen Akte und zu verschärften Aufrufen und Hetzreden der polnischen Wojewoden und militäri­schen Machthaber. Die deutschen Vorschläge, noch in letzter Minute einen billigen und vernünftigen Ausgleich herzustellen, wurden mit der General­mobilmachung beantwortet. Das deutsche Ersuchen (entsprechend der von England selbst gegebenen An­regung), einen Unterhändler zu schicken, wurde nicht befolgt und am zweiten Tag mit einer geradezu verletzenden Erklärung beantwortet. Unter diesen Umständen war es klar, daß bei weiteren Angrif­fen auf das Reichsgebiet die deutsche Geduld nunmehr ihr Ende finden würde. Was die Polen fälschlicherweise als Schwäche ausgelegt hat­ten, war in Wirklichkeit unser Verantwor­tungsbewußtsein und mein Wille, wenn irgend möglich, doch noch zu einer Verständigung zu kommen. Da sie aber glaubten, daß diese Geduld und diese Langmut als Schwäche ihnen alles ge­statten würde, blieb nichts anderes übrig, als sie über diesen Irrtum aufzuklären und endlich mit den Mitteln zurückzuschlagen, deren sie sich selbst seit Jahren bedient hatten. Unter diesen Schlägen ist dieser Staat nun in wenigen Wochen zerfallen und hinweggefegt worden. Eine der unsinnigsten Taten von Verfailles ist damit befeitigt.

Die Mreffengemeinschast mit Rußland.

Wenn sich nun in diesem deutschen Vorgehen eine Interessengemeinschaft mit Ruß­land ergeben hat, so ist diese nicht nur in der Gleichartigkeit der Probleme begründet, die die beiden Staaten berühren, sondern auch in der Gleichartigkeit der Erkenntnisse, die sich in beiden Staaten über die Ausgestaltung der Be­ziehungen herausgebildet haben. Ich habe schon in meiner Danziger Rede erklärt, daß Rußland nach Prinzipien organisiert ist, die verschieden sind von unseren deutschen. Allein, seit es sich ergab, daß Herr Stalin in diesen russifch-sowjettsck)en Prinzipien keinen Hinderungsgrund erblickte, mit Staaten ande­rer Auffassung freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, kann auch das nationalsozialistische Deutsch­land keine Veranlassung mehr sehen, etwa seinerseits einen anderen Maßstab anzulegen. Sowjetruhland ist Sowjetrußland, das nationalsozialistische Deutsch­land ist das nationalsozialistische Deutschland. Eines aber ist sicher: Im selben Momenten dem die beiden Staaten sich gegenseitig ihre verschiedenen Regime und deren Prinzivien respektieren, entfällt jeder Grund für irgendeine gegen­seitige feindselige Haltung. In geschicht­lich langen Zeiträumen der Vergangenheit hat es sich erwiesen, daß die Völker dieser beiden größten Staaten Eurovas dann am glücklich st en waren, wenn sie miteinander in Freund­schaft lebten. Der große Krieg, den einst Deutsch­land lind Rußland gegeneinander führten, ist zum Unglück beider Länder geworden. Es ist verständlich,

daß besonders die kapitalistischen Staaten des We­stens heute ein Interesse daran besitzen, die beiden Staaten und ihre Prinzipien wenn möglich g egen = einander auszuspielen. Sie würden zu diesem Zweck und insoweit sehr wohl Sowjetruß- land als genügend salonfähig betrachten, um mit ihm nützliche Militärbündnisse abzuschließen. Sie halten es aber für eine Perfidie, wenn diese ehrbare Annäherung abgelehnt wird und sich statt dessen eine Annäherung zwischen jenen Mächten ergibt, die allen Grund haben, in gemeinsamer friedlicher Zu­sammenarbeit, im Ausbau ihrer wirtschaftlichen Be­ziehungen das Glück ihrer Völker zu suchen.

Ich habe schon vor einem Monat im Reichstag erklärt, daß der Abschluß des deutsch-russi­schen Nichtangriffspaktes eine Wende in der ganzen deutschen Außenpolitik bedeutet. Der unterdes zwischen Deutschland und Rußland abgeschlossene neue Freundschafts- und In­teressenpakt wird beiden Staaten nicht nur den Frie­den, sondern eine glückliche, dauerhafte Zusammenarbeit ermöglichen. Deutschland und Rußland werden gemeinsam eine der gefähr­lichsten Stellen Europas ihres bedrohlichen Cha­rakters entkleiden und jeder in seinem Raume zur Wohlfahrt der dort lebenden Menschen und damit zum europäischen Frieden beitragen. Wenn heute gewisse Kreise darin je nach Bedarf bald eine Nie­derlage Rußlands ober eine Niederlage Deutsch­lands erblicken wollen, so möchte ich ihnen darauf folgende Antwort geben:

Die Neuordnung im polnischen Raum.

Man bat feit vielen Jahren der deutschen Außen- polittk Ziele angedichtet, die höchstens der Phan­tasie eines Gymnasiasten entspringen könnten. In einem Augenblick, da Deutschland um die Konso­lidierung eines Lebensraumes ringt, der nur we­nige 1Ö0 000 Quadratkilometer umfaßt, erklären unverschämte Zeitungsschreiber in Staaten, die selbst 40 Millionen Quadratkilometer beherrschen, Deutschland strebe seinerseits in diesem Kampfe nach der Weltherrschaft. Die deutsch-russischen Ab- machungen müßten gerade für diese besorgten Ad­vokaten der Weltfreiheit eine ungeheure Be­ruhigung darstellen, denn sie zeigen ihnen doch wohl in authentischer Weise, daß alle diese Be­hauptungen eines Strebens Deutschland nach dem Ural, der Ukraine, Rumänien usw. nur eine Aus­geburt ihrer erkrankten Marsphantasie waren. In einem allerdings ist der Entschluß Deutschlands ein unabänderlicher, nämlich: auch im Osten unseres Reiches friedliche, stabile und damit tragbareVerhältnisse herbeizuführen. Und gerade flier decken s i ch die deutschen Interessen und Wünsche restlos mit denen Sowjet-Rußlands. Die beiden Staaten find entschlossen, es nicht zu­zulassen, daß zwischen ihnen problematische Zu­stände entstehen, die den Keim von inneren Un­ruhen und damit auch äußeren Störungen in fick ber­gen und vielleicht das Verhältnis der beiden Groß­mächte zueinander irgendwie ungünstig tangieren könnten. Deutschland und Sowjet-Rußland haben da­her eine klar? Grenze der beiderseitigen Inter- eine klare Grenze der beiderseitigen Inter­essengebiete gezogen mit dem Entschluß, jeder auf seinem Teil für die Ruhe und Ordnung zu sorgen und alles zu verhindern, was dem anderen Part­ner einen Schaden zu fügen könnte. Die Ziele und Aufgaben, die sich aus dem Zerfall des polnischen Staates ergeben, sind dabei, soweit es sich um die deutsche Interessensphäre handelt, etwa folgende:

1. Die Herstellung einer Reichsgrenze, die den historischen, ethnographischen und rotrl- schaftlichen Gegebenheiten gerecht wird.

2. Die Befriedung des gesamten Gebie­tes im Sinne der Herstellung einer tragbaren Ruhe und Ordnung.

3. Die absolute Gewährleistung der Sicherheit nicht nur des Reichsgebietes, sondern der gesamten Interessen- zone.

4. Die Reuordnung, der Reuaufbau

des wirtschaftlichen Lebens, des Verkehrs und damit aber auch der kulturellen und zivilisatorischen Entwicklung.

5. Als wichtigste Aufgabe aber: eine neue Ordnung der ethnographischen Verhältnisse, das heißt, eine Umsied­lung der Rationalitäten so, daß sich am Ab­schluß der Entwicklung bessere Trennungslinien ergeben, als es heute der Fall ist. In diesem Sinne aber handelt es sich nicht um ein Prob­lem, das auf diesen Raum beschränkt ist, son­dern um eine Aufgabe, die viel weiter hinausgreift. Denn der ganze Osten und Süd- osten Europas ist zum Teil mit nichthaltbaren Splittern des deutschen Volkstums gefüllt. Ge­rade in ihnen liegt ein Grund und eine Ursache fortgesetzter zwischenstaatlicher Störungen. Im Zeitalter des Rationalitäten-Prinzips und des Rassegedankens ist es utopisch, zu glauben, daß man diese Angehörigen eines hochwertigen Volkes ohne weiteres assimilieren könne. Ls gehört daher zu den Aufgaben einer weit­schauenden Ordnung des europäischen Lebens, hier Umsiedlungen vorzunehmen, um auf diese Weise wenigstens einen Teil der europä­ischen Konfliktsstoffe zu beseitigen. Deutschland und die Union der Sowjet-Republiken sind übereingekommen, sich hierbei gegenseitig zu unterstützen. Die deutsche Reichsregierung wird es dabei niemals zugeben, daß der entstehende polnische Reststaat irgendein störendes Element für das Reich selbst ober gar eine Quelle von Störungen zwischen dem Deutschen Reich und Sowjetruhland werden könnte.

Wenn Deutschland und Sowjetrußland diese Sa­ni erungsarbett übernehmen, dann können beide Staaten mit Recht darauf Hinweisen, daß der Ver­such, dieses Problem' mit den Methoden von Versailles zu losen, restlos mißlungen ist. Und er mußte mißlingen, weil diese Aufgaben überhaupt nicht vom grünen Disch aus oder durch einfache Anordnungen erledigt werden können. Die meisten der Staatsmänner, die in Versailles über diese komplizierten Probleme zu urteilen hatten, be» faßen nicht die geringste historische Vorbildung, ja oft nicht einmal eine blasse Ahnung von dem Wesen der ihnen gestellten Ausgabe. Sie trugen aber auch

keinerlei Derantwortuna für die Folgen ihres delns. Die Erkenntnis, daß ihr Werk vielleicht nicht richtig sein konnte, war deshalb ohne deutung, weil in der Praxis kein Weg zu ei wirklichen Revision vorhanden war. Denn im D sailler Vertrag war wohl vorgesehen, daß die Mc lichkeit solcher Revisionen vorgesehen bleiben müs allein in der Wirklichkeit sind alle Versuche, einer solchen Revision zu kommen, gescheitert uch sie mußten um so mehr scheitern, als ja der Vos. kerbund als die zuständige Instanz aufhör« eine innere Berechttgung für die Durchführung einer solchen Prozedur in Anspruch nehmen zu fönntn, Nachdem es zuerst Amerika abgelehnt hatte, btn Friedensvertrag von Versailles zu sanktionieren, oder gar in den Völkerbund einzutreten, später aber auch andere Volker ihre Anwesenheit in die­sem Gremium mit den Interessen ihrer Länder nicht mehr vereinbaren zu können glaubten, sank diese Bereinigung immer mehr zu einem Zirkel der Interessenten des Versailler Diktates herab. Tat­sache ist jedenfalls, daß keine der von Anfany an als notwendig erkannten Revisionen durch bm Völkerbund erfolgt ist. Da sich in der heutigen ZE der Gebrauch einbürgert, eine geflüchtete Regie, rung noch immer als existierend zu betrachten, Mich wenn sie nur aus drei Mitgliedern besteht fofern sie nur soviel Geld mitgenommen hat, um niht den demokratischen Gastländern wirtschafttich zur Last zu fallen, ist anzunehmen, daß auch der W. kerbund tapfer weiter bestehen wird, wenn Mich nur 2 Nationen in ihm beifammenfitzen. Ja, cm Ende tut es auch vielleicht eine? Nach dem Gesetz! des Bundes aber würde jede Revision der &r- sailler Klauseln auch dann noch ausschließlich dieser illustren Vereinigung unterstehen, d. h. mit anderen i Worten, praktisch unmöglich sein.

Nun ist der Völkerbund nichts lebendes, fonbem! schon heute etwas totes, aber die betroffenen Volker sind nicht tot, sondern sie leben. Und ihre Lebensinteressen werden sie auch baim| durchsetzen, wenn der Völkerbund unfähig sein sollte, sie zu sehen, zu begreifen oder zu berütf. \ sichttgen. Der Nationalsozialismus ist daher mich keine Erscheinung, die in Deutschland groß wurte, um mit boshafter Absicht dem Völkerbund feint Revisionsbestrebungenz u verhindern, sondern ei« Bewegung, die kam, weil man 15 Jahre lang Ile Revision derUnterdrückungder natürlichsten Menschen, und Volksrechte einer großen Nation verhinderte.

Und ich persönlich möchte es mit verbitten, wenn ein fremder Staatsmann nun auftritt und erklärt, ich fei wortbrüchig, weit ich diese Revi­sionen nun durchgeführt habe. Ich habe im Ge­genteil dem deutschen Volke mein heiliges Wort verpfändet, den Versailler Vertrag zu beseitige« und ihm das natürliche Lebensrecht als große Ration wiederzugeben.

Das Ausmaß, in dem ich dieses Lebensrecht sicher- stelle, ist ein bescheidenes. Wenn 46 Millionen Erg- länder das Recht in Anspruch nehmen 40 Millionen Quadratkilometer der Erde zu beherrschen, dann ist es kein Unrecht, wenn 82 Millionen Deutsche dar Recht verlangen, in 800 000 Quadratkilometer ju leben, dort ihren Acker zu bebauen und ihrem Haud^ werk nachzugehen. Und wenn sie weiter verlang-in, daß man ihnen jenen kolonialen Besitz zurückgndt, der einst ihr eigen war, den sie niemanden duL Raub oder Krieg abnahmen, sondern den sie fid} durch Kauf, Tausch und Verträge redlich erworben haben. Ich versuchte außerdem bei allen Forderm- gen, die ich aufstellte, immer erst a u f d e m W e gr von Verhandlungen die Revisionen zu er« reichen. Ich habe es allerdings abgelehnt, das deck' fche Lebensrecht irgendeinem internationalen ni±i zuständigen Konsortium als untertänige Bitte vN- zutragen! So wenig ich annehme, daß Großbritcn- nien um die Respektierung seiner Lebensinteresse» bittet, so wenig soll man das gleiche vom national« sozialistischen Deutschland erwarten. Ich habe aber, das muß ich hier in feierlicher Weise erklären, ias Ausmaß außero,rdeutlich begrenzt A) habe besonders überall dort, wo ich nicht natürlichsten Lebensinteressen meines Volkes bedroht sah, dem deutschen Volke selbst zr« raten, sich zu bescheiden und zu verzichten. Irgend aber müssen diese 80 Millionen leben. Denn einfl Tatfache hat auch der Versailler Vertrag nicht aus der Welt zu schaffen vermocht: Er hat wohl in M unvernünftigsten Weise Staaten aufgelöst, Wir!' schaftsgebiete zerrissen, Verkehrslinien durchschnitte» usw., aber die Völker, d. h. die lebendige ©ubftcti aus Fleisch und Blut ist geblieben, und sie w auch in der Zukunft bleiben.

Es kann nun nicht bestritten werden, daß feit Lai deutsche Volk im Nationalsozialismus feine Wieder­auferstehung erhalten und gefunden hat, eine Klä­rung des deutschen Verhältnisses z ul Umwelt in einem großen Ausmaß eingetreten i|L

Die Unsicherheit, die heute das ZusammenleM der Volker belastet, stammt nicht aus deutsch» Forderungen, sondern aus den publizistischen Veli dächtigungen der sogenannten Demokratien. JDj deutschen Forderungen selbst sind sehr klar uni präzise gestellt worden. Sie haben allerdings chi Erfüllung gefunden nicht dank der Einsicht M Genfer Völkerbundes, sondern dank der IM' namik d e r natürlichen Entwicklung. Das Ziel der von mir geführten Außenpolitik M Reiches war aber in keinem Fall ein anderes, dem deutschen Vol/ die Existenz und damit N Leben sicherzustellesi. die Ungerechtigkeiten und 111 finnigfeiten eines Vertrages zu beseittgen, der !» nicht nur Deuftchland wirtschaftlich zerstört sondern die Siegernationen genau fo h das Verderben hineinriß. Im übri-gd. aber war die ganze Arbeit der Wiederaufrichtuch des Reiches eine nach innen gewandte. In feine* Land der Welt war deshalb die Sehnsucht naß Frieden großer als im deutschen Volk. Es ist ei' Glück für die Menschheit 'und kein UnMs daß es mir gelungen war. ohne innerpolitische lastung der fremden Staatsmänner die wahnsinnig sten Unmöglichkeiten des Versailler Vertrages frick lich zu beseittgen. Daß diese Beseittgung im einF nen für gewisse Interessenten schmerzlich m mochte, ist verständlich. Allein, umso großer p wohl das Verdienst, daß sich die neue Regelung " allen Fällen mit Ausnahme der letzten 06 n< Blutvergießen vollzog. Die letzte RevM dieses Vertrages aber hätte genau so auf fti^ lichem Wege erfolgen können, wenn nicht die mir erwähnten zwei Umstände sich zum GegeM ausgewirkt hätten. Die Schuld daran tragen ow in erster Linie jene, die nicht nur nicht erfrH waren über die früheren friedlichen RevisilN»^ sondern die es im Gegenteil beklagten, auf fri^ lichem Wege ein neues Mitteleuropa sich aufbacki zu sehen und zwar ein Mitteleuropa, das allm'-' lich seinen Bewohnern wieder Arbeit und geben konnte.

Ich habe es erwähnt, daß es ein Ziel der Reiche regierung war, Klarheit in die Dezi»' Hungen zwischen uns und unsere'