Ausgabe 
7.10.1939
 
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Zigaretten und Zigarren, vielleicht auch den von der Mutter, der Frau oder der Braut gebackenen

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für unsere Front und für die Heimat.

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und beträchtliche Unannehmlichkeiten.

(Nachdruck verboten.)

9. Fortsetzung.

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trunken aus NikMne zu, streift ihre linke und stottert erschrocken davon. Sie läuft paar Schritte nach, eine weißhäutige, Baumnymphe...

Herr Friedrich hinter einem Baum,

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Kuchen aus gehändigt bekommt.

Die Auflieferung von Feldpostsendungen bim Postamt Gießen war bereits in den ersten lagen nach Eröffnung des Feldpostbetriebes recht umfma. reich. Selbem ist dieser Teil des Posteingangs m! stark angewachsen. Waren es in der ersten Zeit meist nur Karten und Briefe, die zum Versand an bii

Front aufgegeben wurden, so bilden jetzt auch bi; Päckchen bis zu 250 Gramm einen außerorln lich großen Bestandteil der Feldpost aus dem reich des Postamtes Gießen. Der gesamte Eing an Feldpostsachen beim Postamt Gießen wird I lich bis zum letzten Stück aufgearbeitet. U Gießener Postamt hat zwar zahlreiche Beamte andere Zwecke abgeben müssen, dafür hat es aber die Mitarbeit vieler junger Helfer die den erfahrenen Postbeamten tatkräftig an ök Hand gehen. Unseren bewährten Gießener beamten und ihren jungen Helfern rst es denn zu danken, daß am Schlüsse jedes Arbeits keinerlei Rückstände in der Abfertigung der Postsendungen, sowohl der abgehenden als der ankommenden Post, vorhanden sind, leisten sie alle wertvollen und dankenswerten Di<

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Roman oon maltbcr filoepfcr Copyright by Carl Duntfcr Verlag«Berlin w sr

entsprechenden Gesuchen in jedem Falle abzusehen.sM^ Die Einreise ohne Genehmigung zu versuchen, ist l-ri^ aussichtslos, verursacht deshalb nur unnötige

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Ende 22.15 Uhr: ,I)ie Freier", Lustspiel von Joseph von Eichendorft. Spielleitung: Hans Geiß­ler. 2. Vorstellung der Mittwoch-Miete.

Freitag, 13. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr:Die Freier", Lustspiel von Joseph oon Eichendorff. Spielleitung: Hans Geißler. 3. Vorstellung der Freitag-Miete.

Sonntag, 15. Oktober, Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr: 2. Morgenveranstaltung. Uraufführung Die Tochter von Houlihan", Irische Sage von William Butler Deals. Spielleitung: Dr. Hannes Razum.

Sonntag, 15. Oktober, Anfang 19 Uhr, Ende 21.15 Uhr:Bezauberndes Fräulein", Operette von Ralph Benatzky. Spielleitung: Harry Grüneke. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Di« Vor­stellung findet außer Miete statt.

Ernährungsamt Gießen im Liebigbau.

Dom kommenden Montag ab befinden sich die Zentrale des Ernährungsamts Gießen-Stadt und die Bezirksgeschäftsstellen Süd und Mitte im Erd­geschoß des Liebigbaus in der Liebigstraße. Wegen des Umzugs bleiben diese Dienststellen am kommen­den Montag geschlossen.

LagSrt Eure Dolksgasmasken richtig!

TM Besitzer von Dolksgasmasken werden daraus aufmerksam gemacht, daß mit Beginn der Heiz­periode der Aufbewahrungsort der Volksgasmas­ken überprüft werden muß. In der Gebrauchsan­weisung, die jeder Dolksgasmaske beiliegt, heißt es:

allem etwas Rauchbares erhalten. Umgekehrt geht es der Heimat nicht anders; auch hier warten täg­lich Hunderttausende auf Nachricht aus dem Feld, und sie freuen sich, wenn ihnen die Post die er­hoffte gute Kunde von ihrem Vater, oder Sohn, oder Bruder, oder Bräutigam an der Front bringt. Die Feldpost ist die nie rastende, Tag und Nacht emsig tätige Mittlerin zwischen draußen und da­heim und umgekehrt; sie hat zu jeder Stunde große Berge von Post zu .erarbeiten", zunächst schon bei dem Postamt in der Heimat, bei dem die Sendun­gen aus einem größeren Bezirk zusammenkommen, dann noch viel viel mehr bei einer Postsammelstelle, bet der Dutzende von größeren Postämtern ihre Berge von Feldpost zur Weiterleitung abladen, schließlich aber vor allem auf den Wegen von dort nach vorne zur Truppe. In umgekehrter Richtung arbeitet der Feldpostapparat unter den gleichen an­strengenden Bedingungen Tag und Nacht.

Dieser Großbettieb der Feldpost tritt für unsere engere Heimat bereits beim Postamt Gießen stark in Erscheinung. In den weiten Abferttgungs- räumen des Gießener Postamts sind neben allen übrigen Postsendungen des Werktags noch die Feld­postsendungen aus 55 Orten des Gießener Postamtsbezirks täglich zusammenzufassen und für den Weiterversand fertigzumachen. Hinzu kommt noch der über das Postamt Gießen geleitete Feldpost-Durchgangsverkehr von den Bahnstrecken FuldaGießen und GelnhausenGießen. Diese Feldpostsachen sind hier schon einer ersten Sichtung daraufhin zu unterziehen, ob sie z. B. hinsichtlich der Anschriften den Bestimmungen entsprechen, d. h. daß in der Anschrift nicht der Truppenteil des Adressaten genannt ist, auch nicht etwa ein Aufent­haltsort, falls der Mann im Feld eine solche An­gabe heimgeschrieben haben sollte. Unbedingt zu be­achten ist in diesem Zusammenhang, daß die An­schrift keinerlei Truppenbezeichnung enthält, sondern nur den Dienstgrad des Adressaten (Soldat, Gefreiter, Unteroffizier, Feldwebel, Leut­nant usw.), aufweist, dazu die Feldpostnummer und die Postsammelstelle.

Besonders zu beachten ist fernerhin, daß di« Feld- postsendungen nur ein Gewicht bis zu 2 5 0 Gramm haben dürfen; kleine Ueberschreitungen

Wer selbst im Felde gewesen ist, weiß die große Bedeutung der Feldpost zu würdigen. Wie froh war jeder Soldat, wenn er durch die unermüdliche Feld­post Kunde aus der Heimat erhielt. Alle Anstrengun­gen, Entbehrungen und nicht zuletzt auch manches Sehnen waren in dem Augenblick vergessen, in dem beim Post-Appell, oder durch die Essenholer der Grabenbesatzungen Post aus der Heimat in den Be­sitz des Kämpfers vor dem Feinde bzw. seines treuen Kameraden auf den rückwärtigen Verbin­dungslinien kam. Postempfang war, insbesondere in der vordersten Front mit ihren vielfältigen Entbeh­rungen, von der ständigen Gefahr für Leib und Leben gang zu schweigen, immer so etwas wie ein Freudenfest. Und umgekehrt wurde auch möglichst oft Post von vorne mitnach hinten" geschickt, um durch die Vermittlung der Feldpost den Angehöri­gen, oder den Freunden und Bekannten in der Hei- mat ein Lebenszeichen zu geben. Auf dem Beobach­tungsposten, im Graben, oder in der Sappe konnte man ja so viel und so ost seine Gedanken nach Hause wandern lassen, nicht selten bot sich an ruhigen Tagen auch einmal Gelegenheit, selbst auf der B-Stelle schnell einige Zeilen auf eine Feldpostkarte zu kritzeln, um nur ja beim nächsten Gang der Essenholer oder der Melder nach hinten ein, wenn auch kurzes Lebenszeichen rnttzuschicken. Daß in den Unterständen die Briefe- oder Kartenschreiberei für jeden Soldaten eine besonders schätzenswerte An­gelegenheit war, braucht nicht weiter dargelegt zu werden. So bildeten sich mit Hilfe der Feldpost starke Bande zwischen Front und Heimat und um­gekehrt heraus, die beiden Briefschreibern, vor allem aber dem Kämpfer an der Front starke seelische Kräfte gaben, wenn die Briefe ins Feld den rechten Geist enthielten und sich vor allem nicht in mancher­lei Widerwärtigkeiten des Alltags verloren. So war es 1914 bis 1918 in der großen Zeit der Männer, die wir heute als die alten Frontsoldaten ansehen.

Feldpost aus Gießen.

Starkes Bindeglied zwischen Heimat und Front

,/TM Dolksgasmaske muß während der vor Feuchtigkeit, Frost und Hitze, z. B. Dfenni geschützt werden."

Wenn die Dolksgasmasken also im Sommer dem Ofen oder einem Heizkörper der Zenttalhei gestanden haben, öder in ihrer unmitttelbaren M untergebracht waren, so muß jetzt ein anderer ausgewählt werden. Die Dolksgasmasken des zwar aus hochwertigem ©ummiftoff, das ist fein Grund, sie nicht pfleglich zu behandeln.

Also schützt Eure Dolksgasmaske vor F Feuchtigkeit und Hitze!

Kein Besuch von Wehrmachts­angehörigen an der Westfront.

Wie das DNB. erfährt, haben Angehörige an der Westfront stehenden Soldaten den bcgccil lichen Wunsch, die Soldaten dort zu besuchen. W in Kampfhandlungen im nennenswerten Umfange in Westen zur Zeit auch nicht stattfinden, so ist doü n Frage kommende westdeutsche Gebiet trotjim Kriegsgebiet. Die Einreise kann deshalb nur mit Genehmigung der militärischen Dienststellen erfüll gen; diese sind aber leider gezwungen, alle deracks gen Gesuche ausnahmslos abzulehnen.

Es wird deshalb im eigenen Interesse bringt gebeten, derartige Reisepläne aufzugeben und m

Eschelbronnerinnen und diesem Prachtstück m einer Nymphe.Das ist etwas Hervorragende'! gegen die können sich die Weibsbilder hier eitffdjfll lassen", murmelt er anerkennend. Dann sucht <r nach seinen Streichhölzern. In der Ferne fni Stimmen.

Tante MkoPine!"

Ich komm schon!"

6. Kapitel.

Friedrich bringt das Kragenknöpfchen nicht bMJ und sagt schwitzend und erschöpft:Und wem 11 dich auf den Kopf stelltest, ich tue es doch, Thitttfj Er marschiert aufgeregt durch das große Woh» zimmer, in dem die alte Frau Hemden bügelt. U den Fenstern stehen Geranien und über dem i? tisch hängt ein Kruzifix. Es sieht nach WohlstM aus.

Mer sie hat ja nichts! Was ist sie denn? HM Halterin vet diesem Doktor Severin; daraus kart sie sich etwas einbilden. Und die Familie kennt nick auch nicht. Rheinländerin! Wenn ich das bloß Die vom Rhein sind alle Luftikusse und feW Volk", nörgelt Frau Friedrich Sie ist über M zig und hat ein scharfes Attm'dwerk.

,Hch lasse Fräulein Ferber nicht herunterse^ Mutter. Sie ist ein nettes Mädchen und ein detes Mädchen. Und was die Anständigkeit beinst kann sie mit den Hiesigen jeden Vergleich auShalM Guck mal rum in Efchelbrunn! Wenn hier eine 3u1 Heiraten kommt und hat nicht schon ihr lebip Kind, fällt sie unangenehm auf. Von der Ferst aber wirst du noch nicht sehr viel gehört hrM wie unterm Nagel ist! Ich mag sie und damit barWj Haushälterin wie das klingt!" J

Soll man vielleicht Hausdame ba^u sagen? der Haushalt etwa so Domefym? Der Mann p erst mal seine Schulden bei dir bezahlen, dann ich Hausdame", grollt die alte Friedrich. ,, J

Dafür kann doch das arme Mädel nichts", ei-'tt er.Wie man nur so verbohrt und ungerecht "R kann! Ich habe dir doch immer gefolgt und dich Herr fein lassen im Haus. Aber ins Heirslst lasse ich mir nicht auch noch dreinreden. Ich die Frau haben, nicht du."

Dann renn' in dein Unglück, du Gockel. Ich greif dich nicht, Vitus. Die ganzen Jahre her, du immer gebrummt; ach, du mit deinen PlänKi und die ist nichts und jene paßt mir nicht. L-r> wozu soll ich überhaupt heiraten? Weißt du N nimmer? Und jetzt auf einmal brennt es und frfl fiert es, und eine Fremde, Zu gewanderte muß fein."

(Fortsetzung folgt.)

moorig. Nikoline hat eine Steinnelke zwischen den festen weißen Zähnen, und Alto taut abwechselnd Bonbon und Sauerampfer. In das Himbeerrot dieser Bonbons sind hübsche helle Sternchen einge­lassen, und wer am besten sausen kann, bekommt eines.

Der Ziegelweiher, flach und schilfbestanden, ist fast schon ein kleiner See. Erlen beugen sich über die Flut und vorwitzige Karpfen versuchen Sprünge. Es herrscht Fröschequaken und das schwirrende Ge­räusch der Stechmücken. Enten knistern ihm Röh­richt, und ein verliebter Erpel quarrt. Die Kinder suchen mit viel Lärm und Aufruhr Auskleideplätze, und Nikoline verschwindet ihrerseits hinter einem Wacholderbusch. Sie knöpft ihre geflickten kleinen Halbschuhe auf, streift bas Kleid ab, das Leibchen, die Unterwäsche, und hängt alles ordentlich auf einen niederen Ast. Sie singt dabei leise vor sich hin, ein bißchen falsch zwar, aber das schadet nichts. Dann schnuppert sie fröhlich in die Luft. Sie ist fest­lich geftimmt von der Sonne, vorn Freihaben und von dem kommenden Genuß des Wassers. Sie schreitet auf hohen schöngedrechselten Beinen, wie sie ist und ohne was dabei zu denken, hinter ihrem Busch hervor in die Sonne. Eine Grille stellt das Zirpen ein, und nun ist g^ße Ruhe. Ein genäschi­ger kleiner Falter, die Flügel von einem sehr dunk­len und ganz unwahrscheinlichen Blau, taumelt be-

Die Fabri vernimmt Schritte im Gang, Röcke­rauschen und Geflüster. Dann geht die Tür auf.

Morgen! Wie geht's? Wie geschlafen? Haben wir Veronal gebraucht? Kein Deronal? Aber bas ist ja blendend! Jetzt wollen wir nach dem Verband sehen. Sie brauchen Nicht zu zittern. Sie Angst­häschen. Das mit den Klammem tut gar nicht weh."

Natürlich tut es weh. Man muß nur staunen, mit welcher Unverfrorenheit diese Aerzte lügen kön­nen; bas Abziehen des Heftpflasters, das Entfer­nen des Mulls, alles ist eine Pein und genau so, wie die Fabri gefürchtet hat. Eine sehr junge Schwester hält btt Insttumentenschale. In ihrem wetten Rock sieht sie wie ein Kaffeewärmer aus. Severin beäugt den schrägen roten Strich, der nicht mehr Wunde und noch nicht Narbe ist. lieber seiner Nasenwurzel wölben sich zwei kleine Buckel vor.

Famos, Fräulein Fabri. Das haben Sie außer­ordentlich gut gemacht. Den Sandsack, Schwester, etwas strammer. Haben wir Temperatur? Keine. Ich soll Ihnen Besuch ankündigen, Herrn Üeinfelder. Er hat sich telephonisch angesagt. Aber nicht zu lange, bitte. Die Geschichte wird jetzt zweimal täg­lich getupft und verbunden. Verstanden, Schwester?"

Die Fabri lauscht gehorsam, Nickt, schüttelt den Kopf. Sie ist ein bißchen gehemmt durch den Ein­fall, daß ihre nachwachsenden Brauen wie kurze Bürsten abstehen und sie verunstalten. Sie wird die Schwester nachher um einen Spiegel ersuchen. Severin sagt noch einige aufmunternde Nettigkeiten und raufdyt bann hinaus. In Wahrheit ist ihm gar nicht aufgeräumt zumute. Da war vorhin eine Winzigkeit, die er bei anderen Patienten bestimmt Nicht tragisch nehmen würde die Wunde eitert eine Spur. Hat nicht viel zu sagen, aber bei so einer vom Film kann man nie wissen, die hängen dir den schönsten Prozeß auf wegen so etwas. Er entsinnt sich gewisser Zeitungsberichte. Er hat ein Gefühl, das von Annehmlichkeiten weit entfernt ist. Zudem fällt ihm ein, daß er im Drang der Geschäfte vergessen hat, diesen Parsunke dem Für- sorgeverband anzumelden. Nun bekommt er die

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Nicht minder groß sind die Ausgaben der Feld­post und ihre segensreichen Auswirkungen auch in diesem Kriege. Wir wissen, daß unsere Soldaten in der Front alle Tage auf den Augenblick warten, da die Post kommt, daß sie sich freuen, wenn sie einen Kartengruß, einen Brief, die Zeitung, ober auch in einem etwas umfangreicheren Brief vor

Am Nachmittag fängt ihn Leinfelder ab, der mit dem Auto von München gekommen ist. Er will wissen, was es mit der Eiterung auf sich hat. Wahrscheinlich hat bi« junge Schwester, diese Gans, geplaudert.

Keine Sorge, Herr Leinfelder. Das ist belang­los und bleibt den größten Kliniken nicht erspart. Nicht jede Wunde hettt per primam. Die Heilung verzögert sich dadurch ein bißchen, das ist alles. Dieser Mensch wird ihm allmählich unbequem. Soll sich doch um seine Zementsäcke kümmern. In wel­chem Verhältnis steht er überhaupt zu der Patten- tin?

Es wäre eine große Beruhigung, wenn Sie Professor Stöhr zuz'iehen würden. Kosten spielen keine Rolle. Stöhr ist ein Bekannter von mir und eine Kapazität. Fräulein Fabri bekommt demnächst eine Rolle zu spielen, die sehr anftrengenb ist. Da muß sie absolut auf der Höhe sein", bohrt Lein­felder höflich.

Wie Sie wollen."

Wie lange wird die Geschichte eigentlich dauern?"

Das ftagen Sie am besten Professor Stöhr", sagt Dr. Severin kalt unb verabschiedet sich.

Eschelbrunn hat drei wundervolle Tage hinter sich. Die Kinder betteln bei Fräulein Ferber, sie soll Mit ihnen zum Baden gehen.

,Hhr seid ja übergeschnappt. Jetzt im April?"

,4>er Muggenthaler Schorsch war auch schon. Bestimmt, Tante Nikoline. Das Wasser ist brüh­warm. Alles badet", versichert Alto.

In Gottes Namen ihr Quälgeister."

Alto stößt Kriegsgeschrei aus, er ist ein eifriger Karl-May-Leser. Luis beginnt zu fchuhplatteln, was ihr untersagt wird. Ueberhaupt soll sie sich gefälligst umziehen. Sie hat Altos kurze Hirschlederne an, auf deren Patt na sie sehr stolz ist. Nikoline sucht das Badezeug hervor. Ihr Trikot hat Mottenlöcher, die ausgebessert werden müssen. Dann verlassen die Drei durch die Gartenpforte das Haus.

Unterm Tor auf der schwarzen Anschlagtafel sind Schriftstücke mit Reißnägeln befestigt. Eine Geld­börse mit Inhalt ist verloren worben, der Land­wirt Harniebel hat eine Muttersau zu verkaufen, und auf dem Gemeindeplan ist ein Grundstück zu verpachten. Die Drei kommen an derGemischt­warenhandlung" von Emerenz Einbirn vorüber, und Alto möchte um ein Zehneri sauere Guts, wie hier die Bonbons heißen. Dann tollen sie Mit viel Geschrei und Lachen einen Fußpfad entlang, der zwischen Hopfengärten unb Wiesen zum Weiher läuft. Der Sand hört auf; es wirb feucht und

dieses Gewichts werden von der Post mit @ro§> zügig kett zu gelassen, es ist aber nicht möglich, aüs Sendungen dieser Art etwa kleine Pakete zu macht. Daher müssen denn auch alle Feldpostsendungen,dit die Grenze von 250 Gramm erheblich üiber« schreiten, den Absendern zurückgegeben werden. diese Unannehmlichkeit nicht haben will, muß feiu Sendung der zugelassenen Gewichtsgrenze anpef, sen. Dann hat er die Gewähr, daß die <5enbm pünktlich befördert wird und fein Soldat im W nicht nur den Brief, sondern auch das Päckchn

Dornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Robert Koch". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): , Sondervorstellung 16 UhrDer Westwall"; ab 18 UhrWenn Männer verreisen" undDer Westwa".

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 19 bis 21.45 UhrDer Zigeuner­baron". Gloria-Palast (Seltersweg):Robert Koch". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Sonder­vorstellung 11 UhrDer Westwall"; zu den be­kannten ZeitenWenn Männer verreisen" undDer Westwall .

Spielplan des Sladtthealers vom S. bis 15. Oktober.

Sonntag, 8. Oktober, 19 Uhr, kommt die klas­sische OperetteDer Zigeunerbaron" in der Neu­einstudierung von Harry Grünste zur ersten Auf­führung. Die männttchen Haupttollen fingen Christoph Neuland, der neue Operettentenor, und Bernhard Schmitz, der neue Bassist. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Chöre: Richard Boeck. Tänze: Thea Maaß. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet außer Mete statt. Ende 21.45 Uhr.

Dienstag, 10. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr: NeueinstudierungLa Traviata", Oper von Guiseppe Verdi. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Spielleitung: Bernhard Schmitz. 2. Vor­stellung der Dienstag-Miete.

Mittwoch, 11. Ottober, Anfang 19.3 0 Uhr,

Aus her Stadt Gießen.

Amor in der Patronenhülse.

Im Dcchnhof eines Landortes. Unser Zug hat Verspätung. Noch unterhäll man sich in Gruppen hinter dem Lattenzaun des Bahnsteiges und läßt sich von der warmen Sonne bescheinen. Es ist ein jchöner Herbsttag, ringsum auf den Feldern arbei­ten Landleute an der Kartoftelernte.

Zwischendurch tragen die Läutewerke ihren Weck­ruf über die Strecke: zweimal je fünf Schläge kom­men von derverkehrten" Richtung, einmal fünf dagegen istunser" Zug, d. h. unter den fotanen Umständenein" Zug, ein leerer oder beladener Güterzug, oder gar nur eine Lokomotive. Also war­ten mit Geduld und Humor! Ein Stammgast un­serer Fahrstrecke meint trockennor net brumm, 'r werd schun lumme"!

Mer wieder ist es ein Militärzug aus der ver­kehrten Richtung. In den offenen Türen ihrer Pferdewagen sehen wir unsere Feldgrauen stehen, liegen, auf dem Türrand sitzen, essen, Zeitungen lesen, aber alle, hüben wie drüben, winken sich gegenfeitig freundliche Grüße zu.

Darüber hinaus macht ein stattlicher Unteroffi­zier schon beim Heranrollen eine Geste, als ob er etwas herüberwerfen wolle, zwei-, dreimal, bis es ihm gelingt, mit schwungvollem Zielwurf trotz des starken Luftfttomes ein metallisch glänzendes Et­was in unserer Mitte zu landen. Ein Arbeiter hebt es auf, es ist eine Patronenhülse.

Doch wo sonst das verderbenbringenbe Mei oder der Holzpfropf einer Platzpatrone heraus schaut, steckt hier ein harmloses Papier, sorgfältig gefaltet, sauber und weiß, lieber die Schulter hinweg leien noch zwei, drei Kameraden Mit: An ein hübsches Mädchen abzugeben! Es folgt genaue Anschrift mit Feldpostnummer und Sammelstelle.

Einmütig geben wir das nun nicht mehr so harmlose Stückchen Papier wunschgemäß an das hübsche Landmädchen weiter, das 6ei einer jungen Landfrau gerade in unserer Nähe steht. Sie breitet es gelassen zwischen ihren Händen aus, liest, wech­selt die Farbe und liest. Scheinbar ruhig faltet sie es wieder, steckt es sinnend in die Hülfe zurück, öffnet zügig ihre Handtasche, nimmt das seltsame Wursgut in sorgsame Verwahrung und meint ver­legen:Ein Andenken!"

Sollte mtt dem Zuziehen des Reißverschlusses wirklich ein Schlußstrich unter diesen fpannungs- reichen Augenblick gezogen sein so, daß nur ein empfindsames Gedenken übrig bleibt?

Wir können es nicht gut glauben! Wer regel­mäßig und mit warmer Anteilnahme seine Zei- tungsromane lieft und sich Mit wachen Sinnen im Leben umsteht, staunt gewiß immer wieder, wieviel tausenderlei Gelegenheiten Amor, der lose Götterknabe, liftig zu benutzen versteht, um seine süßen, grausam peinigenden Pfeile, wirksam anzu­bringen. Gewiß wird er in diesen Zeiten totaler Verdunkelung auch mehr als einmal daneben schie­ßen; aber hier geschah es am hellichten Tag, mit Militärischer Kürze unb doch umspielt von dem milden Glanz romantischer Gefühlswellen. Aus dem Ungefähr mit dem Flügelrad kam der Wurf wie eine Frage an das Schicksal, und wiederum aus dem Ungefähr wird die Antwort erwartet.

Auch die schicksalhafte Empfängerin scheint nach­denklich und versonnen, chr Blick geht immer wie­der sinnend an uns allen vorbei mtt dem Mili­tärzug in die Ferne ...

Was eine teilnehmende Phantasie auch immer aus diesem dramatischen Erlebniskeim herausent­wickeln mag, eins scheint uns gewiß: Sie wirb ihm schreiben. Und das ist recht so! Denn der Soldat im Felde freut sich, wenn bei der Verteilung der Post auch ein freundlicher Gruß an ihn dabei ist.

Inzwischen hat es wieder unsere Strecke entlang geläutet. Diesmal ist es wirklichunser" Zug, zwar mtt einer Verspätung, die aber immerhin in jenen geheimnisvollen Zusammenhang gehören wird, der gerade hier und in dieser Minute einen zarten Faden mehr zwischen der äußeren Front und der inneren der Heimat anspinnen sollte. R. B.

Schritte weg und willens sich eine Zigarre anzu- zünden, hält den Atem an. Er war über Land, ist auf dem Heimweg und wird nun unbeabsichtig­ter Zeuge dieser ungewöhnlichen Szene. Sein Zwicker zittert, und er ist verdutzt. Nanu! Dieses Fräulein Ferber ist ein bißchen sorglos. Er be­kommt gerötete Ohren und will eigentlich weg- schauen, schüchtern in solchen Dingen und ehrbar wie er ist. Er hat kein Uebermaß an Phantasie, aber er kann nicht umhin, diese Situation ist reizvoll zu finden. In einer Zeitschrift, wo war es gleich?, ober in einem Magazin, wie sie bet den Stadtfri- feuren aufliegen, hat er Aehrliches, unlängst ge­sehen.Spielende Nymphe" war es betitelt.

Er sieht Fräulein Ferber mit Bedauern seinem Gesichtskreis entschwinden und zieht sich zurück. Er wählt sogar einen Umweg, obwohl ihm das eine Viertelstunde kostet. Er ist ein wenig beschwipst und aus der Fassung gebracht von so viel Vergnügen. Er ist Junggeselle und hat nicht viel mit Frauen zu tun gehabt. Er zieht Vergleiche zwischen den

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