lager, zwischen Neufahrwasser und Weichseldelta, unmittelbar vor der Stadt. Die Propaganda-hat sich verstärkt. Bereits wird von der Anschaffung von Kreuzern und noch größeren Kriegsschiffen gesprochen. Eine Handelsflotte wächst heran und hat Anfang dieses Jahres einen Bestand von etwa 100 000 Brutto-Registertonnen erreicht, zunächst meist für Kohlenausfuhr, dann für regelmäßige Linienfahrt für Ostsee und Ueberfee. Ihr Anteil am Umschlag war allerdings noch gering, der Schisfsbestand teilweise überaltert.
Die Durchführung solcher Seegeltungspläne setzte eine Polen günstige Konstellation in der O st s e e voraus. Mit Sowjetrußland ergaben sich keine Anhaltspunkte, jedoch knüpfte Außenminister Oberst Beck starke Hoffnungen auf die Gründung einer Art O st s e e - J"n t e r e s s e n g e m e i n- schaft unter polnischer Führung. Diesem Ziele waren seine Besuche in den nordischen Hauptstädten 1938 gewidmet, in Stockholm und Helsinki, Riaa, Talinn und Oslo, mit Abstecher nach Kauen (Litauen), um auch dort die seit dem 19. März d. I. wiederhergestellten Beziehungen anzudeuten. Das Ergebnis des Rundflugs mußte trotz der herzlichen Aufnahme überall enttäuschen. Die nordischen Staaten hatten schon seit längerem alle Möglichkeiten einer Blockbildung unter sich untersucht und waren davon wieder abgekommen. Von einem Anschluß an das am Gegenufer in ungesunder und keineswegs eindrucksvoller Stellung gelegene Polen wollten sie nichts wissen. Ebensowenig die baltischen Staaten, denen gewisse polnische Expansionspläne kein Geheimnis waren. Mit der strikten Neutralitätserklärung der nordischen Länder, die sich auch nicht durch britische Generalsbesuche erschüttern ließen, und den Abschluß der Nichtangriffspakte Deutschland mit Dänemark, Estland und Lettland am 31. 5. bzw. 7. 6. und mit Sowjetrußland am 24.8. d. I. fanden diese Bemühungen ihre endgültige Widerlegung. Das Ergebnis ist ein n e u = traler Ostseeraum, vom Skagerrak bis zur Finnischen Bucht, ein befriedigtes Seegebiet, Ver- forgungs- und Atemraum für das Reich in seinem Kampfe gegen die Erneuerer des Verbrechens von 1914.
Militärisch betrachtet, konnte man der polnischen Seestellung bei einem Konflikt mit einer (tarieren Ostseemacht keine großen Chancen geben. Der Hafen Gdingen war gegen Angriffe von See, Land und aus der Luft auf die Dauer nicht zu halten, der Weg nach See um die Halbinsel Hela herum und aus der nur 40 Seemeilen breiten Danziger Bucht für die Kriegsschiffe nicht sicherzustellen. Man war zuletzt mit Plänen beschäftigt, die Halbinsel Hela zu durchstechen und einen Kanal nach dem neuen Hafen Wladyslawowo an der äußeren (Nord-) Seite Helas zu schaffen. Daraus ist nichts mehr geworden, und der genannte Hafen lag bereits unter Feuer von See und aus der Lust.
Die polnische Marine umfaßte zu Beginn der Feindseligkeiten: 4 Zerstörer, 2 Torpedoboote, einen Minenleger, 5 U-Boote und eine Reihe von kleinen Kriegsfahrzeugen. Weitgespannte Träume, den auch sonst der. polnischen Politik abhanden gekommenen Maßstäben entsprechend, gehen hier zu Ende.
Nur geringe Verluste der deutschen Truppen.
Berlin, 6. Sept. (DRV.) Mil Rücksicht auf das überraschende und schnelle Vordringen unserer Truppen in Polen konnte bisher noch kein Gesamtüberblick über die Verluste gewonnen und der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. Runmehr kann jedoch mitgeteilt werden, daß die Verluste auch bei den Armeen, die schwere Kämpfe um Befestigungen und befestigte Feldstellungen hinter sich haben, als verhältnismäßig sehr gering anzusprechen sind. In der Zeit vom 1. bis 3. September einschließlich betrugen die Gesarnt- verlufte an Toten 0,04 Prozent, an Verwundeten 0,25 Prozent der Gesamtstärke der an der Ostfront kämpfenden Truppen. Ein Verband in Stärke von 10 000 hat demnach durchschnittlich einen Verlust von 4 Toten und 25 Verwundeten. Diese geringen Verluste lassen sich nur durch die hervorragende Friedensausbildung und Führung des deutschen Heeres, die Ueberlegenheit feiner Waffen und ihr vorbildliches Zusammenwirken im Kampf erklären. Wie bereits amtlich mitgeteilt, werden die Angehörigen gefallener Soldaten unverzüg- l i ch durch den Feld- und Ersatztruppenteil benachrichtigt.
Flakbatten'en in Feuerstellung.
Ein Ring von Geschützen aller Kaliber macht einen Luftangriff auf unsere Städte zwecklos. - Hervorragende Zusammenarbeit aller Verbände.
..., 6. Sept. (DNB.) Die Erfolge unserer Luftwaffe und die mehrgliedrige Luftverteidigungszone des Westwalles lassen einen Luftangriff auf unsere Städte in der Heimat schwer möglich erscheinen. Dennoch steht unsere Flak auch im Innern des Landes abwehrbereit in Feuer- st e l l u n g , um jedem Gegner eine eindeutige Abfuhr zu erteilen, wenn es ihm gelingen sollte, die Sperrzone an unseren Grenzen zu durchbrechen.
Wir besinden uns in einer Zentralstelle der Flak einer Großstadt. Im weiten Umkreis um die Stadt lagert sich ein Ring von Flakgeschützen aller Kaliber. Scheinwerfer pnd Horchgeräte sind aufgebaut. Tag und Nacht sind die Männer an den Geschützen und Geräten auf dem Posten. Hier in der Befehlsstelle im Zentrum der Stadt laufen die Fäden zusammen. Jede Stellung steht mit der Zentrale in direkter Verbindung. Die Männer, die hier in der Befehlsstelle ihren Dienst versehen, haben alle Hände voll zu tun. Ordonnanzen kommen und gehen, immer wieder klingeln die Fernsprecher, Funksprüche werden an die Befehlsstelle weitergegeben. Auf großen Stadtplänen werden neu bezogene Stellungen eingetragen und abgesteckt. Wir werfen einen Blick auf eine solche Karte und sind überrascht, wie günstig die Batterien postiert sind und welche gewaltige Anzahl von Geschützen zum Schutze der Stadt und der lebenswichtigen Betriebe eingesetzt ist.
Blitzschnelle Abwehr.
Nehmen wir an: Ein gegnerisches Flugzeug ist im Anflug. Da starten auch schon unsere Iagd- maschinen, um es herunterzuholen oder zur Umkehr zu zwingen. Gelingt es ihm, sich einer Stadt zu nähern, wird es nicht nur Mit den Iagdmaschi- nen Zusammentreffen, sondern schließlich auch in den Feuerstrom der Flak geraten. Schon lange zll- oor aber ist die Stadt gewarnt. liebevoll auf Anhöhen weit vor.der Stadt stehen die Flugwachen. Jede Beobachtung wird sofort weitergegeben. Benachrichtigt werden die Flak, die Fliegerhorste, der Luftschutz, die Polizei usw., so daß sofort die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden können. Die Befehlsstelle der Flak ist durch Fernsprecher und Funk mit den Stellungen verbunden, und die Batterien erhalten im Falle eines Angriffes sofort chre Befehle. Schon wenige Augenblicke später ragen die Geschützrohre drohend in die Anflugrichtung des gemeldeten Flugzeuges. Mehrfach überschneidet sich der Feuerbereich der Geschütze. Ein Durchkommen ist unmöglich.
Tarnung dem Gelände angepaßt.
Man hat uns ins Gelände geführt. Wir suchen hier einige Batterien in ihren Stellungen auf. Lange müssen wir sie suchen — ein Beweis dafür, wie hervorragend die Tarnung ist! Geschickt wurde die Tarnungsart der Farbe des Geländes anae- paßt. Tief in die Erde ist hier ein Scheinwerfer eingebuddelt, etwa 100 Meter entfernt. steht ein Horchgerät, nur schwer zu erkennen. Die Männer sind gerade im Begriff, ihre Unterstände auszubauen und wohnlich zu gestalten. Werden sie abgelöst, dann geht es in die Privatquartiere des nahenDorfes. Die Mannschaft ist in bester Stimmung. Irgendwoher dringt Mundharmonika-Musik. Jungen aus dem Dorf singen mit. Zahlreiche Stel- lungea sind mit Rundfunkgeräten ausgestattet. Mit Sport, sind Spiel vertreiben sich die Kanoniere ihre freie Zeit. Aber sie sind sich der verantwortungsvollen Aufgabe bewußt, die sie hier zu erfüllen haben: Beschützer der Heimat zu sein, genau wie ihre Kameraden in der vordersten Linie.
Geschütze aller Kaliber.
Wir fahren weiter — von Stellung zu Stellung. Stunde um Stunde geht unsere' Fahrt um diesen Ring unzähliger Batterien. Und überall das gleiche Bild, die gleiche geschickte Tarnung, die gleichen frohen Gesichter, die gleiche Stimmung. Wir kommen in die Nähe eines großen Werkes. Schwerste Flakbatterien haben hier. Stellung bezogen. Tief in der Erde liegt die Munition; das Kommandogerät ist gegen Granatsplitter gut geschützt.
Dann sind wir Zeugen eines Probealarms: „Fliegeralarm" ertönt das Kommando. Blitzschnell springen die Kanoniere an das Geschütz. Die Tarnung fällt und schon dreht sich das wuchtige Geschützrohr drohend zum Himmel. „Geschütz feuerbereit", meldet der Geschützführer. Nur wenige Sekunden hat es gedauert, bis es bereit zum Feuern war. Zur Abwehr von Tiefangriffen haben überall kleinere Kaliber Stellung genommen.
Hier wie überall gewannen wir die Ueberzeu- gung eines vernichtenden Widerstandes in allen Stellungen rund um die Stadt, im ganzen Reich und an den Grenzen der Heimat. Einsatzbereit stehen unsere Geschwader und Staffeln, einsatzbereit warten die Kanoniere der Flat auf den Feuerbefehl. Und unser deutsches Volk vertraut auf feine Soldaten, die Soldaten Großdeutschlands.
Polens Botschafter im Dienste der Lügenpropaganda.
Berlin, 5. September. (DNB.) Der bisherige polnische Botschafter in Berlin, L i p s k i, hat in Kopenhagen, bei einem Empfang englischer Journalisten erneut in ent st eilender Weise den Verlauf der entscheidenden Zeit zwischen dem 29. und 31. August geschildert. Zu der Behauptung, er, Lipski, habe zum er st en Mal in der Nacht zum Freitag erfahren, daß Deutschland Verhandlungsvorschläge ausgearbeitet habe und Polen habe den Vorschlag ebenfalls nicht gekannt, bevor er in Deutschland als von Polen a b g e l e h n t proklamiert worden sei, wird amt« licherseits festgestellt:
Nachdem die polnische Regierung bereits auf Grund des ihr von der britischen Regierung übermittelten deutschen Memorandums vom 29. August über den wesentlichen Inhalt der deutschen Forderung unterrichtet worden war, haben sowohl Herr Lipski wie seine Regierung von englischer Seite am Vormittag des Donnerstag, den 31. August, auch von den Einzelheiten der inzwischen ausgearbeiteten deutschen Vorschläge Kenntnis er« halten.
Ebenso entstellend ist seine Feststellung: Er habe die st ä r k st e Vollmacht gehabt, die eine Regierung ausstellen könne, nämlich die, die einem Botschafter gegeben werde. Tatsache ist: Im Verlauf der Unterredung zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop und dem damaligen polnischen Botschafter Lipski am 31. August um 18.30 Uhr beantwortete Herr Lipski die wiederholten Fragen des Reichsministers, ob Herr Lipski zu Verhandlungen bevollmächtigt sei, mit einem klaren: N e<in. Auf die weitere Frage des Reichsaußenministers, ob der Botschafter nut ihm die in Frage stehenden Probleme sachlich diskutieren könne, verneinte der Botschafter ausdrücklich. Es ist nicht das erste! Mal, daß sich polnische Diplomaten in diesen Tagen in die vorderste Front der Lügenpropaganda gestellt haben.
Oer Geedienst nach Ostpreußen wieder ausgenommen.
Berlin, 6. Sept. (DNB.) Wie von zuständiges Stelle mitgeteilt wird, hat der Seedienst Ostpreußen den Personenverkehr wieder aufgenommen. Das erste Schiff mit mehreren hundert Fahrgästen ist bereits nach Ostpreußen abgefahren. Auskünfte über die Abfahrtszeiten erteilen die Agenturen des Norddeutschen Lloyd und die Reisebüros.
Deutsches Panzerregiment
im Angriff.
Die unglaublich schlechten Straßen und Wege in Polen stellen sowohl an die Fahrer als auch an das Material die höchsten Anforderungen. Trofr öem geht der Vormarsch weiter. Unser Bild zeigt Einheiten eines Panzerregiments beim Angriff. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag «vskar Meister, Verdau L Sq.
26. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Hellmers beißt sich ärgerlich auf die Lippen. Wie konnte ihm diese verttauliche Anrede jetzt, in diesem Augenblick entfahren? Hoffentlich hat es der Inspektor überhört!
Aber da hat sich Hellmers getäuscht, denn Linker- ton ijat feine Ohren.
„Kennen Sie Mrs. Holgerson schon länger?"
„Was hat das mit der ganzen Sache zu tun? Ich kenne sie feit dem Tage, an dem Sir John beerdigt wurde."
„Das sind knapp vierzehn Tage. Bemerkenswerte Fortschritte scheint diese BekanMfchaft inzwischen gemacht zu haben —"
„Ich verbitte mir jede Anspielung, Herr Inspektor! Sie haben kein Recht ..."
„Sparen Sie Ihren Zorn, Doktor Hellmers! lieber Ihr Verhältnis zu Mrs. Holgerson werde ich mir an anderer Stelle Auskunft holen. Und nun weiter! Sie gingen in den Garten. Wer schritt voraus? Holgerson, nicht wahr?
„Ja, Holgerson war vor mir. Ich blieb dicht bei ihm."
„Haben Sie sich während des ganzen Weges von der Haustür bis zur Gartenpforte mit ihm unterhalten?"
„Kaum. Doch . ..! Ich erinnere mich, daß er mir noch sagte, er müsse in den nächsten Tagen einige Auslandsgastspiele absolvieren, zuerst nach Paris.. ach so! Das konnte ich nicht mehr hören! Mister Perkins rief mich ja zurück, weil ich meine Hand- schuhe vergessen hatte."
„Wo lagen die?"
„Auf der Verkleidung der Dampfheizung unter dem Garderobenbrett. Mister Perkins scherzte noch
und meinte im Hinaufgehen, der Mann, der was auf sich hält, ginge nie ohne Handschuhe, nur er sei lejder kein feiner Mann, weil er solche Dinger nicht ausstehen könne. Ich kehrte also um, nahm meine Handschuhe und zog sie an."
„Während der Zeit wartete Holgerson bereits an der Gartenpforte?"
„2ln der Gartenpforte? Ich glaube, nein. Er machte sich an den Sträuchern zu schaffen, brach da irgend etwas ab ober spielte mit den Zweigen, das konnte ich jedenfalls sehen, und dann ... dann fielen die Schüsse."
„So, Also nicht Sie haben geschossen?"
„Ich besitze überhaupt keinen Revolver."
„Bemerkenswert, sehr bemerkenswert. Uebrigens, da fielen die Schüsse, sagen Sie. Herr Doktor, in der Nacht haben Schüsse Mündungsfeuer. Man hört und sieht sie. Woher kamen sie denn, die Schüsse? Vielleicht führt uns das auf die Spur des geheimnisvollen Täters."
Hilflos zuckt Hellmers die Achseln .Darüber grübele ich verzweifel nach. Fast schien mir's, von oben her, dann von hinten, bald sage ich mir, es kann auch rechts ober links gewesen fein ... ich kann es nicht angeben, Herr Inspektor, ich kann's einfach nicht. Es ging alles so blitzschnell. Ich sah nur in jenem Augenblick, wie Holgerson zusammenbrach und hörte, was er rief!"
,Holgerson rief etwas? Das vernehme ich ja zum ersten Male!"
„Er schrie auf und rief zwei Worte. Wenn ich recht verstanden habe: Verdammter Verräter! .
„Sehr merkwürdig. Verräter hat er geufen? Vielleicht hat Ihre Phantasie Ihnen einen Streich gespielt. Wie sollte Holgerson bazu kommen. Sie als Verräter zu bezeichnen?"
„Ich weiß es nicht. Ich weiß auch mcht, wie der Revolver dahinkommt. Ich weiß nur, daß es plötzlich knallte ... sehe Holgerson herumfahren ... höre ihn »Verdammter Verräter!' schreien ... und zusammenbrechen. Das ist alles, was ich Ihnen sagen kann. Bei Gott, ich weiß wirklich nichts anderes?
Während Dr Hellmers erschöpft auf einen Sessel sinkt, notiert sich Linkerton einige Dinge, die ihm wichtia erscheinen. Aergerlich blickt er auf, als sich jemand hinter ihm aufdringlich räuspert.
„Was ist denn? ... Ah, .Smith!" schluckt er seinen 2Ierger hinunter. „Sind Sie endlich 'ran? Hat ja verdammt lange gedauert. Haben Sie wenigstens was?"
„Ich glaube, jpir haben Schwein gehabt", schmunzelt Smith II. „Wenn ich den Herrn Inspektor ..." Da ist Linkerton schon in der Ecke am Fenster und hört sich den geflüsterten Bericht an. lieber sein Gesicht geht einen Augenblick ein Aufblitzen, sonst nichts.
„Ach so, und bas hätte ich beinahe vergessen, so'n Salontiroler hat mir einen Brief für Sie gegeben. 2ch halte ben Mann für Kößenwahnsinnig, Herr Inspektor, wenn ich mir unbescheibenerweise eine Meinung gestatten darf."
Linkerton wirft nur einen kurzen Blick in ben Brief, ba weiß er auch schon Bescheid. Ein kurzes Auslachen kann er kaum unterdrücken.
„Sie sind ein Esel, Smith", grinst er dann. „Der Salontiroler heißt Pembroke, und Sie haben mehr als eine Kiste Zigarren von ihm bekommen."
„Das war ...?"
„Jawoll. Das war er. Von dem können wir uns beide noch ’ne Scheibe abschneiden!" Und nach einem flüchtigen Blick in die Runde setzt er leise hinzu: „Sorgen Sie dafür, daß er unauffällig ins Haus kann! Die oberen Stockwerke sind jetzt bestimmt frei. Vorläufig brauche ich Sie nicht mehr. Gehen Sie Pembroke lieber zur Hand!"
Smith II salutiert und verschwindet.
„So. Und nun zu Ihnen, Herr Doktor Hellmers. Sie werden einsehen, daß trotz Ihrer seltsamen Erzählungen der Verdacht so stark ist, daß ich Sie nicht laufen lassen kann. Uebrigens, warum haben Sie mich eigentlich belogen?"
„Belogen?" fährt Hellmers auf. „Ich Sie belogen?"
Aber eine ungeduldige Handbewegung des Inspektors läßt ihn schnell verstummen.
„Warum erzählen Sie das Märchen von der nachmittäglichen Fahrt in die Umgebung, wenn Sie inzwischen in Dover zu tun hatten?"
Hellmers schaut betreten zu Boden mb ffhmeigt Man hat ihn also beobachtet.
„Wollen Sie mir nicht wenigstens jagen, was Sie da getrieben haben? Wollten Sie etwa Ihr« Reijevorbereitungen treffend"
Und nun riskiert Linkerton einen Hieb, der kann danebenhauen oder treffen. Er tut das oft so, hervorbrechen aus dem Hinterhalt, daß die Plötzlichkeit der Frage den Verhörten bereits umwirft.
Auf diese Weife hat er immer sehr schnell heraus, ob ein Verdacht begründet ist.
„Oder haben Sie vielleicht... den Herrn Vater besucht?"
Der Hieb hat gesessen. Das weiß ßinterton auf den ersten Blick.
Er hat sogar mächttg gesessen, denn im ganzen Verhör hat Dr. Hellmers nicht solche Bestürzung gezeigt wie jetzt. Warum beißt er sich sonst auf die Lippen und runzelt betreten die Brauen?
„Die Frage ist Ihnen wohl unangenehm, wie? Nun, ich kann das verstehen. Es wird nicht immer angenehm sein, mit dem seltsamen Herrn urnzu» gehen! Uebrigens... er schrieb da mal in einem Brief an Sie von einem unbequemen Menschen, der weg müsse ober aus dem Wege geräumt werden solle. Hat sich das bereits erledigt?"
„Ich verstehe Sie nicht!" Kurz und entschlossen kommt die Antwort. „Ich begreife überhaupt nicht, in welchem Zusammenhang Ihre Fragen mit der Anklage stehen, unter die mich ein Zufall gebracht hat."
„Sie wollen nicht sagen, was Sie in Dover zu tun hatten?"
„Nein, ich verweigere darüber jede Aussage."
.^Schade!" zuckt Linkerton die Achseln. „Ich hätte mich so gefreut, wenn wir alles noch in dieser Nacht schön klar und ordentlich gehabt hätten. Aber wenn Sie nicht wollen? Bitte, 'Ihre Sache!"
Dann sagt er scharf, hochaufgerichtet: „Doktor Joachim Hellmers, ich verhafte Sie wegen Verdacht des Mordes, begangen an dem Sänger Asbjörn Holgerson!" Und wie es das Gesetz befiehlt, fährt er fort: „Ich warne Sie, daß alles, was Sie von jetzt ab sagen, vor Gericht gegen Sie gebraucht wird!"
Hellmers senkt stumm den Kopf, als ihn der Beamte abführt. Als Linkerton das Verhör beschließt, graut der Morgen.
Es hat keinerlei weitere Anhaltspunkte ergeben (Fortjetzuyg fglgt)


