und Gersfeld, wie erst vorgesehen, zu senden. Die neuen poststationen sind bis zum 11. August Saatfeld und 12. August Eisenach. Da die Fahrtabteilun- gen des Bannes und Jungbannes seit Wunsiedel vereinigt sind und die Fahrt gemeinsam durchführen, kann auch die Hitler-Iugend Post über folgende Anschrift empfangen: Oberfähnleinführer 2Hoos, z. 3. (poffotf angeben), hauptpostlagernd, für 3g. (Harne).
DieAnkunft in Gießen erfolgt am Sonntag, 13. August, 12.04 Uhr, mit dem Zuge von Fulda.
TlSD., Ortsgruppe Sießen-Ost.
Betr.: Lebensmittelopferring.
In der Zeit vom 7. bis 10. d. M. wird im Bereiche unserer Ortsgruppe die Sammlung zum Lebensmittelopferring durch die NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Volksgenossen werden gebeten, während der Sommermonate ihre Geldspenden der NSV. zum Zwecke der Volksgesundheit zur Verfügung zu stellen.
„Luftschutzwart" kommt ins Arbeitsbuch.
Der Reichsarbeitsminister hat durch Erlaß, im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, die Eintragungen im Arbeitsbuch über Luftschutzausbildung einheitlich neu geregelt. Die Luftschutzausbildung von Arbeitsbuchinhabern ist danach auf Antrag im Arbeitsbuch und auf der Arbeitsbuchkarte zu vermerken. Antragsberechtigt für die Angehörigen des Selbstschutzes sind die Dienststellen des Reichs- luftschutzbundes, für die Angehörigen des erweiterten Selbstschutzes die Betriebssichrer und für Die Angehörigen des Werkluftschutzes die Vertrauensstellen der Reichsgruppe Industrie. Soweit es sich um in Beschäftigung stehende Arbeitsbuchinhaber handelt, werden die antragsberechtigten Stellen dahin wirken, daß das Arbeitsbuch zur Vorlage beim Arbeitsamt vom Unternehmer für kurze Zeit zur Verfügung gestellt wird. Der Vermerk über die Ausbildung im Luftschutz wird im Arbeitsbuch u. a. eingetragen bei einer Ausbildung im Selbstschutz als Luftschutzwart, Hausfeuerwehrmann, Laienhelferin, Amtsträger des RLB. und Luftschutzlehrer des RLB. Selbverständ- lich werden auch die Ausbildungen im Werkluftschutz, im erweiterten Selbstschutz, im Sicherheits- und Hilfsdienst entsprechend vermerkt.
Monatsappell der alten Artilleristen.
Am Samstagabend trafen sich die Kameraden der Artilleristen-Kameradschaft 1895 Gießen im Kameradschaftsheim „Hessischer Hof" zu ihrem üblichen Monatsappell. In Vertretung des verhinderten Kameradschaftsführers leitete der Schriftführer Kamerad Heinrich Siebert den Appell. Er gab einleitend in großen Zügen einen Ueberbücf über die Entwicklung der Organisation der alten Soldaten, von den örtlichen Kriegervereinen von einst über den Kyffhäuser-Bund bis zur jetzigen großen Organisation des NS.-Reichskriegerdundes. In Verbindung mit dieser Rückschau behandelte er einige Fragen und Aufgaben der Traditionspflege und der traditionsgemäßen Verbundenheit zwischen den alten Soldaten und den jungen Kameraden der aktiven Wehrmacht. Seine Darlegungen ließ er in dem freudig aufgenommenen Gruß und Treugelöbnis für den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht ausklingen.
Der weitere Verlauf des Appells galt der Besprechung mancher Einzelheiten des demnächst stattfindenden Familienfestes, sowie einiger Angelegenheiten organisatorischer Art, die durch die Eingliederung der Artilleristen-Kameradschaft in den NS.-Reichs- kriegerbund nunmehr akut geworden sind. Kameradschaftliche frohe Geselligkeit beschloß den Abend.
Jahreshauptversammlung -er Iriseur-Znnung
Ehrung für Obermeister Götz.
Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Friseur-Innung für den Land- und Stadtkreis Gießen die am Sonntagnachmittag im „Burghof abqehatten wurde, stand eine Ehrung für den aus feinem Amte ausgeschiedenen Obermeister Hans Götz Der neue Obermeister der Innung, Friseurmeister Willi Lotz (Lich), begrüßte die Berufskameraden und erstattete den Jahresbericht, wobei er die Arbeit streifte, die durch die Einführung der Gesetze für die Altersversorgung im Handwerk und für den Jugendschutz notwendig wurden. Weiterhin erinnerte er noch einmal daran, daß jeder Handwerker, der noch keine Meisterprüfung abgelegt*hat, diese bis zum Ende des Jahres 1939 nachzuholen habe. Die Innung unterstützt diese Kameraden bei der Erbringung des Verkommnungsnachweises durch besondere Fachkurse. Im abgelaufenen Jahre hat auch die durch die Initiative des Altmeisters Götz ins Leben gerufene Fachschule in der Kreis- handwerkerschule bessere Unterbringung erfahren. Den im letzten Jahr verstorbenen Berufskameraden Reich (Gießen) undH 0 rny (Mufchenheim) wurde ein ehrendes Gedenken gewidmet. Der Kassenbericht und der Haushaltsvoranschlag fanden einstimmige Anerkennung. Außerdem wurden weitere berufliche und organisatorische Fragen geregelt.
Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Hartmann sprach über die Bedeutung und die Aufgaben des Obermeisters. Anschließend wurde die Vertrauensfrage für Obermeister W. L 0 tz gestellt, die unter starkem Beifall eine einstimmige Bejahung fand. Nachdem der stellvertretende Kreishandwerksmeister Hartmann dem Obermeister die Glückwünsche der Kreishandwerkerschaft ausgesprochen hatte, dankte Obermeister Lotz für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und berief den Beirat in folgender. Zu- fammenfetzung: stellvertretender Dbermeifter H e r - röder, Schriftwart O. Schön, Kassenwart Emil Noll, Jugendwart P. Dunkel und Gesellenwart
Sonntag, sowie mit Sitz und Stimmrecht Altmeister Hans Götz.
Anschließend wurden Lehrlingsfragen besprochen. Lehrlingswart Dunkel sprach über die Pflicht der zusätzlichen Ausbildung der Lehrlinge und- vermittelte Erfahrungen aus dem Vorjahr.
Bezirksinnungsmeister Weidner würdigte die Verdienste des bisherigen Obermeisters Hans Götz um die Gießener Innung, die dieser in den Jahren von 1922 bis 1933 und nach kurzer Unterbrechung von 1933 bis 1939, also 17 Jahre hindurch mit Umsicht geführt hat. Er erinnerte an manche große Veranstaltung, durch die die Gießener Innung dem Friseur-Handwerk die Wege geebnet hat und sagte Hans Götz im Namen des Reichsinnungsmeisters und der Bezirksstelle Dank für seine Mühen und Opfer. Zugleich gab er unter dem lebhaften Beifall der Berufskameraden bekannt, daß der Reichshandwerksmeister Schramm dem scheidenden Obermeister für Verdienste um das deutsche Handwerk das Amtszeichen des deutschen Handwerks verliehen hat, eine Ehrung, die nur sehr selten norgenommen wird. Mit der vom Reichshandwerksmeister ausgestellten Ehrenurkunde überreichte der Bezirksinnungsmeister dem verdienten Obermeister zugleich das goldene Amtszeichen mit dem Wunsche, daß er es als Anerkennung für all das, was er für feine Berufskameraden getan hat, stolz und in Ehren tragen möge. Obermeister Lotz übermittelte Hans Götz die Glückwünsche der Innung. Hans Götz dankte dem Bezirksinnungsmeister für die Auszeichnung und vor allem auch dafür, daß er ihn bei feiner Arbeit tatkräftig unterstützt hatte.
Im weiteren Verlauf der Versammlung erstattete der Bezirksinnungsmeister einen Bericht über die Bezirksinnungstagung in Fulda. Schließlich berichtete der Bezirksinnungsmeister noch über die Reichstagung des Friseurhandwerks, die in Wien stattfand und internationale Bedeutung hatte.
Kriegertreffen in Lauter.
Feier des SO jährigen Bestehens der Kriegerkameradschast Lauter.
+ Lauter, 6. August. Der Samstagabend brachte nach dem Antreten der Kameradschaft zunächst eine Gefallenenehrung. Nach einem Fackelzug zum Friedhof, wo' durch Kranzniederlegung das Andenken der verstorbenen Gründer und Kameraden geehrt wurde, ging es zum Ehrenmal bei der Schule, wo in feierlicher Weise der Gefallenen des Weltkrieges gedacht wurde.
Es schloß sich dann ein Appell im Saale der Wirtschaft Hock an. Die Festansprache hielt der Kameradschaftsführer Richard Schäfer. Er gab in großen Zügen einen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung und weitere Entwicklung der Kameradschaft, die am 4. August 1889 von 24 Kameraden gegründet wurde. Sie trat bald dem Bezirk Grünbera bei und gehörte damit dem Landesverband „Hassia" an. Fünf von den Gründern leben noch. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges wurde der Kameradschaft am 26. Juli 1914 durch den damaligen Großherzog Ernst Ludwig zum 25jähri- gen Bestehen eine Schleife verliehen. Im Weltkrieg gaben 7 Mitglieder von der damals 34 Mann zählenden Kameradschaft ihr Leben hin. Auch in der Systemzeit blieb der alte Soldatengeist in der Kameradschaft lebendig. Schon 1920 zeigt sie eine Mitgliederzahl von 48, sämtliche Kriegsteilnehmer sind Mitglieder, 1925 beginnen die Schießübungen.
Nach der Einführung der Wehrpflicht und Gründung des NS.-Reichskriegerbundes stellt sich weiterer Zuwachs ein, so daß die Kameradschaft heute 60 Mitglieder zählt, eine beachtliche Zahl für ein kleines Dorf. Mit dem Bekenntnis zur Parole des Bundes „Soldatentum und Nationalsozialismus" schloß der Kameradschaftsführer.
Anschließend nahm er eine Anzahl Ehrungen vor. Zunächst überreichte er den fünf noch lebenden Gründern: Karl Pitz, Philipp Pfaff, Heinrich Pfeffer, Karl V i e h l und Ludwig Zimmer die goldene Ehrennadel für 50jährige Mitgliedschaft. Folgende 9 Mitglieder: Herrn. Dörr, Otto Kröll, K. Sch l e e r, E. Schlosser, Hch. Schmidt III., Karl Schmidt II., Karl Schmidt III., Wilhelm Sprankel und Georg W i e ß n e r erhielten die silberne Ehrennadel für 25jährige Mitgliedschaft. Die weiteren neun Mitglieder: Peter Aff, Hermann Birkelbach, Jakob Klös, Philipp Lind, Philipp Pfaff, August S ch l ö r b , Karl Trailer, Karl Viehl und Heinrich Wirth wurden durch Überreichung eines Bildes des Führers für eine Mitgliedschaft von 40 und mehr Jahren ausgezeichnet.
Für die Partei sprach Ortsgruppenleiter Schütz (Grünberg). Er erinnerte an Die Zeit vor 25 Jahren und wies weiter darauf hin, daß auch in der
Systemzeit die Krieaerkameradfchasten Vaterlands, liebe, Treue und wehrhafte Gesinnung hochgehalten haben. Diese Tugenden sind auch heute nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht für die geistige Verfassung des Volkes nötig, denn neben einer starken militärischen Macht hilft die vom NS.. Reichskriegerbund gepflegte Wehrgesinnung mit an der Sicherung des Friedens. „
Weiter sprach noch Untergaufuhrer Roth (Grun- berg), der die Glückwünsche des Unterverbandes überbrachte. Er betonte die Aufgabe der Kriegerkameradschaften, auf deren geschichtttche Entwicklung er kurz ein ging und'die heute im NS.-Reichskrieger- dund in 40 000 Kameradschaften etwa 3 Millionen Mitglieder aufweisen, wovon 70 v. H. Frontkämpfer und Kriegsteilnehmer sind. Kameradschaftsführer Albrecht G r 0 ß h a u s (Grünberg) überreichte als Geschenk der Kameraschaft Grünberg eine Plakette mit dem Bildnis des Führers. Gedichtvorträge von Schülern, mehrere Chöre des Gesangvereins und die Musikoorträge, ausgeführt von Mitgliedern der Kapelle des Kiegerhorstes Gießen, umrahmten den gut verlaufenen Festabend.
Der Sonntag brachte nach dem Wecken und einem Platzkonzert der Kapelle ab 12 Uhr das Einholen von 18 G a ft d e r e i n e n , die sich dann zu einem Umzug durch das festlich geschmückte Dorf aufstellten Mittlerweile war auch Kreisführer Dr. M 0 n - narb (Gießen) in Begleitung seiner Mitarbeiter eingetroffen. Nachdem die Kreisführung, wozu sich auch noch Ortsgruppenleiter Schütz (Grünberg) gesellte, am Ehrenmal Aufstellung genommen hatte, sand hier ein Vorbeimarsch der 350 Kameraden, voraus ein Fahnenblock mit 20 Fahnen sowie der im Zuge mitmarschierenden Abteilungen SA. und NSKK. statt. Der Festzug bewegte sich dann zum Festplatze an der idyllisch im Tal liegenden Bing- mühle.
Nach Begrüßungsworten des Kameradschafts- führers Schäfer sprach Kreisführer Dr. Mon- narb. Er beglückwünschte die Kameradschaft zu ihrem Jubiläum und kennzeichnete dann die Aufgaben der Kriegerkameradschaften, stets die alten soldatischen Tugenden zu pflegen. Er wies auf den Reichskriegertag in Kassel hin, bei dem der Führer durch sein Erscheinen seine alten Frontkameraden geehrt habe. Der vom Führer geschaffene NS.« Reichskriegerbund vereint jetzt alte und junge Sol- baten im gleichen Geiste der Einsatzbereitschaft und Wehrtüchtigkeit, wodurch eine geistige Abwehrfront neben der stählernen Front geschaffen wird. An- schließend überreichte er zwei verdienten Mitgliedern das vom Reichskriegerführer Reinhard verliehene silberne Ehrenkreuz 2. Klaffe, den Kameraden Attbürgermerster Peter Aff und Fabrikant August S cy l ö r b.
Ortsgruppenleiter Schütz (Grünberg) gab bann einen Ueberblick über die politische Entwicklung der letzten sechs Jahre, in der Großbeutschland vom Führer geschaffen wurde. Er erinnerte an das Opfer der zwei Millionen Gefallenen des Weltkrieges, deren Blut die Saat für Deutschlands Auferstehen war und deren Taten unserer Jugend stets als Vorbild dienen soll. Er schloß mit dem Gelöbnis zu Führer und Vaterland.
Es folgte bann kameradschaftliches Beisammensein offiziellen Feier einsetzende starke Regenwetter be- unb Volksfest, das durch das bald nach Schluß der einträchtigt wurde.
Bauern!
Großbeutschland braucht zur Sicherung seiner Freiheit dringend eine Steigerung der Fetterzeugung. Steigert deshalb jetzt beträchtlich den Oel- fruchtanbau, ohne die Viehwirtschaft zu vernachlässigen. Die neuen erhöhten Oelsaatpreise sicher Luch die Wirtschaftlichkeit des Anbaues. 3eht ift es Zeit, Raps und Rübsen zu bestellen. Laßt Luch dabei vom Reichsnährstand beraten!
GROSSGARAGE
-flltet U/eiten
Roman von Harald Baumgarten
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35 (Schluß.)
Vallendar ließ den Brief sinken. „Nun bist du ein reiches Mädchen, Charly! Du konntest halb Bärenbruch kaufen, wenn Bärenbruch verkäuflich wäre."
Sie legte ihm die Arme um den Hals. Er beugte sich zu ihr nieder und küßte sie, und zwischen zahllosen Küssen sagte sie leiser: „Ich hab dich so lieb, Werner! Was soll ich mit dem Geld?"
Mitten in der kleinen sanften Bucht, die der See bildete, lag das Schwanenhaus. Es ruhte auf sechs moosbewachsenen Pfählen über dem Wasserspiegel. Wenn das Schwanenmännchen, dem irgend jemand den Namen „Perseus" gegeben hatte, einen Spaziergänger auf der Uferpromenade sah, wandte es den Kopf. Manchmal hob es sich zu kurzem Flug und ließ sich, die Kraft der gestutzten Schwingen ausnutzend, auf den Seespiegel gleiten, daß das Wasser eine silberne Furche zog. Das aber tot es nur, wenn es vertraute Bekannte sah.
„Da kommt Perseus!" sagte Margit Larsen.
Dr. Romer schloß hinter ihr die Tür der Veranda. Nebeneinander gingen sie durch den Garten, der sich zum See hinabsenkte. Die Aeste der Bäume glitzerten im Rauhreif; der Kies knirschte unter ihren Schritten. „Ich glaube, mein Nachfolger wird wenig Sorge mit Ihnen haben, gnädige Frau. Ihr Aussehen ist ganz vorzüglich!"
Sie lachte. „Ich fühle mich auch wohl, obgleich ich fast jeden Tag im Atelier stehe. Der neue Film geht gut vorwärts!"
Perseus, der Schwan, schwamm aufmerksam vor der Uferpromenade hin und her.
Margit warf Brot ins Wasser. „Er weiß genau, daß ich immer etwas für ihn habe. Er überwintert im Schwanenhaus. Manchmal kommt ein Wärter, um nach ihm zu sehen."
Romer betrachtete, wie sie in ihrer anmutigen Art das Brot ins Wasser warf. Er bewunderte sie. Kein Wort, das die nahe Vergangenheit berührt " hatte, war zwischen ihnen besprochen worden. Und doch hatte jeder gleichgülttge Satz, der bei dem Abschiedsbesuch Dr. Romers gesprochen worden war, unter dem Eindruck des Erlebnisses gestanden, daß Vallendar und Charly sich gefunden hatten.
Die erste Winterkälte zauberte auf ihre Wangen ein zartes Rot. Was für eine'Kraft steckt doch in einem Menschen! empfand Romer. Der Sturm braust über ihn hin, beugt ihn tief, und doch richtet er sich wieder hoch und blüht wieder auf — anders und vielleicht noch schöner als früher ... „Ich habe Sie noch nie so heiter gesehen, Frau Larsen,
wenn Sie arbeiten, wie gerade heute. Macht Ihnen die neue Rolle solche Freude?"
„Ja", erwiderte sie und ging langsam weiter, „man muß ganz eins sein mit seiner Kunst. Es darf keine Unstimmigkeit zwischen Wollen und Können bestehen." Voll blickte sie ihn an. „Ist es nicht so, als stünde man auf einer Scheibe, die sich dreht, und wir kreisen um den Inhalt unseres Lebens und bekommen jeden Tag neue, andersartige Ausblicke — und andere, uns selbst fremde Gefühle? Und wenn wir zurückblicken, können wir über das lächeln, worüber wir zuvor meinen mußten ..." Sie schwieg eine kurze Weile. „Ich habe keine Furcht mehr", fuhr sie leise fort, „keine Furcht vor der Zukunft. Das, was ich kommen sah, ist oorübergegangen. Aus einem Schiffbruch habe ich etwas Köstliches gerettet: den Glauben an mich selbst. Sehen Sie, Doktor, das ist die Harmonie, die mich heiter stimmt!"
Der Schwan ruderte unter die Aeste der Trauerweiden, die sich in das Wässer des Sees hinab- fenkten.
Margit hatte die Hand leicht auf Romers Arm gelegt. „Eigentlich beneide ich Sie, Doktor. Es muß doch wundervoll fein, für so viele Kinder wie ein Vater sorgen zu können! Wann ziehen Sie nach Gatow?"
„Von morgen ab wohne ich bereits draußen in der Klinik. Zuerst wird es freilich ein wenig einsam für mich werden." Er lächelte sie an. „Aber ich hoffe, die Scheibe, auf der ich stehe, wird auch weiterrücken. Der Egoismus unseres Herzens ist ein hartnäckiger Feind, Frau Larsen. Er bedrängt uns am meisten, wenn wir glauben, ihn besiegt zu haben."
Die Uferpromenade endete. Margit blieb stehen. „Wir werden uns doch nicht verlieren, Doktor?"
„Ader nein! Im Anfang werde ich sehr viel Arbeit haben. Ich muß doch auch noch meine Praxis in der Stadt abwickeln. Aber bei der Premiere sehen wir uns bestimmt!"
„Darüber würde ich mich sehr freuen. Vallendar wird prachtvoll sein. Wir hoffen alle auf einen großen Erfolg." Sie reichte ihm die Hand. „Auf ein ftohes Wiedersehen, Doktor!"
Er beugte sich über ihre Hand und küßte sie. „Auf Wiedersehen, Frau Larsen!"
Er blieb stehen und sah ihr nach, bis sie in ihr Haus zurückgekehrt war. Dann hob er den Kopf, log tiefe frische Winterluft ein und begann, den Berg hinaufzusteigen.
Es ist der letzte November. Fritz Huckemann steht vor der Garage Atter Westen und hält seine Uhr in der Hand.
23on der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche schlägt es sechs Uhr abends.
Noch eine Stunde, denkt Fritz Huckemann, dann bin ich der Pachter Der Garage! Noch eine kleine Stunde, und ich bin selbständig!
Es hat dieses Jahr sehr früh geschneit. Weiß und weich liegt die Schneejchicht, die heute .iach- mittag vom Himmel herabfiel, auf den Straßen Die Baume tragen weiße Mutzen Die Kind-r schlittern; wenn sie atmen, dampft es. Alles tUngt
gedämpft. Das Leben der Riesenstadt läuft wie auf Socken.
Fritz Huckemann sieht die Tankstelle an, an der jetzt große neue Schilder prangen. „Winteroel! Jetzt Oelwechsel! Schutzhauben für den Kühler!"
Ich wäre schon dumm gewesen, wenn ich nein gesagt hätte! Ich habe es genommen — das Geld, das mir Fräulein Sandner vorgeschossen hat, damit ich die Garage pachten konnte. Recht hat sie gehabt, als sie mir sagte: ,Es ist ja nur, damit unsere Wagen gut untergebracht sindll Ja, da könnt ihr ein Haus darauf bauen, meine Herrschaften, einen ganzen Wolkenkratzer! Die Hilde — was für ein praktisches Mädel! ,Nimm das Geld, Fritz — gibst es ja wiederll hat sie gesagt.
Und es wird gehen! Es wird großartig gehen! Eine Stunde noch, dann ist der Vertrag wirksam. Der Notar Grussendorf hat ihn aufgeschrieben und gestempelt., „Beginn: 30. November, 7 Uhr abends."
So, nun wird er, Fritz Huckemann, noch mal schnell nach dem Rechten sehen, ehe die Wagen aus der Stadt kommen! Es ist wieder mel Wechfel. Das alles muß er nachher noch mit Mühsam besprechen! Fritz läuft in den Tunnel hinein.
Die Wagenwäscher versammeln sich eben. Es können schon ein paar Wagen gewaschen werden. Sie arbeiten in der Nische. Das Wasser zischt.
„'nen Abend!" ruft Fritz laut, obwohl es gar nicht nötig wäre, denn an Der Tankstelle hat schon jeder ihn begrüßt.
„'n Abend, Herr Huckemann!"
Wie das klingt! Man muß doch ein wenig straffer hatten ... „'n Abend, Leute!" Er muß lachen, er ist zu glücklich. „Also es bleibt natürlich alles beim alten, nicht wahr? Wenn Id) nun sozusagen der Chef bin ..."
„Natürlich, Herr Huckemann! Uns is nich bange."
„Na, dann wascht mal schon! Ich überprüfe nachher die Wagen!" Ein bißchen aufspielen muß man sich; es würde einen sonst zersprengen.
Jetzt geht er den Gang hinunter. Das muß alles frisch gestrichen werden! Die Türen der Boxen recht freundlich! Das wird er bald mit Hilde besprechen.
Er bleibt stehen. Das Häuschen draußen in Nedlitz ist wunderbar und gar nicht teuer. Das kann er sich leisten. Wozu hat er denn das Kapital ausgenommen? Das ist eine gute Anlage. Im Januar wird geheiratet. Fritz sieht die zweiundeinhalb Stuben unten und die zwei Räume oben im ersten Stock, die etwas schräge Wände haben, vor sich. Die Einrichtung! Es kostet allerhand Kleingeld. Aber er wird Den Laden hier schon in Schwung bringen, daß es klappt.
Wieder blickt er nach der Uhr. Die Stunde will nicht vergehen. Schrecklich lang, so'ne ganze Stunde! Er geht zum Chauffeurzimmer und öffnet die Tür.
Preetz sitzt da und wartet auf einen Anruf. Bald wird er die ersten Wagen von Der Wohnung abholen.
„Na, Preetz, was macht der Sohn?"
„Ausjezeichnet, Fritz! Der wächst jewalttg. Ick sage dir: Wenn der mich sieht — er kennt mich janz jenau —, Der dreht Die HänDchen schon immer so.
als Drehe er ’n SteuerraD. Der wirD mal Chauffeur!"
„Na, Preetz, Das kannst Du Dir ja noch 'ne Weile überlegen! llebrigens — ich wollte mal was fragen ..Er druckst ein bißchen rum.
„Was is denn, Fritz?"
„Na, ich meine, du haft Doch Erfahrungen. Wir hoffen doch nun auch, meine Hilde — ich meine —"
„Ach so? Ihr heiratet? Na, bet kann ja noch 'ne Weile dauern, bis ich dir da mit meine Erfahrungen aufwarten kann."
Fritz legt den Kopf in Den Nacken. „Wer kann Das wissen, Preetz?" Sein Lächeln schwankt zwischen Verlegenheit und Stolz.
„Ach, so is bet?" Preetz schmunzelt verständnisinnig. „Na ja, denn sieh bloß zu, daß Deine Frau bis dahin Freundinnen hat! Denn jeht alles wie am Schnürchen!"
Hritz Huckemann -begibt sich wieder hinaus.
Oben steht der Tankwart Hellmuth und wartet auf Kunden.
Ein Kopf schiebt sich aus dem Bürofenster. „Fritz! Verzeihung, — wollte sagen: Herr Huckemann!"
„Schon gut, Herr Mühsam! Ich komme!"
Fritz geht ins Büro. „Also passen Sie auf, Herr Mühsam! Box 26 wird frei. Der Doktor Römer zieht ja nun nach Gatow. Da kommt Steinberger ’rein. Und das „Fräulein" soll ’ne besondere Box bekommen. Fräulein Sandner will den Wagen behalten. Nehmen wir 11! Und Dann Die übrigen Neueinstellungen ..." Sie reden hin und her.
Die Wagen kommen. Die Uhren schlagen sieben.
„Stopp!" Huckemann reckt sich. „Jetzt bin ich Päch' ter, Herr Mühsam! Natürlich: „Herr Huckemann — das muß sein, lieber Mühsam. Aber sonst — es bleibt alles beim alten!"
„Danke schön, Herr Huckemann! Danke schön! Ich bleibe heute lange im Büro. Ich muß Die Abrech' nungen noch machen."
Fritz tritt vor seine Garage.
Ein großer Wagen verläßt eben Die Ausfahrt- Er stoppt; seine Lichter funkeln wie eine gan3e Italienische Nacht.
Der geht nach Treuenbrietzen! denkt Fritz. Den Garagewagen seh' ich nicht wieder! Einen Augenblick erinnert er sich Daran, wie Der Wagen vor vier Wochen mit Preetz am Steuer einfuhr, geradewegs aus Hamburg. Was hat sich da alles getan! Die ganzen Verhandlungen! Dem James Miller hoben sie ordentlich was aufgebrummt; auch Schmal uno Schramm sind nicht gut weggekommen .. • 2lk>er nun Schluß! Nun fängt alles neu an! Er blutt auf die Straße.
Zwei Wagen kommen hintereinander her: dos „Fräulein" und der „Star". Das „Fräulein" fahrt voraus, und der „Star" folgt der Vorspur so genau, als hätte das „Fräulein" ihn im Schlepptau.
Huckemann winkt mit beiden Händen. Es ist ja dos letztemal, daß Fräulein Sandner aus dem Geschoss kommt. Sie wird bald heiraten; Herr Vallendar har sie zum letztenmal abgeholt. „Willkommen, öj’®' lein Sandner! Willkommen, Herr Vallendar! Mm* I kommen in meiner Garage!"


