Ernteeinsatz des BOM. wird vorbereitet.
der Vortrag des Gauamtsleiters Dozentenbundführers Professor Dr. Kranz über das Thema „Der Rafsegedanke in der geistigen Auseinandersetzung unserer Tage". Ein weiteres Musikstück leitet dann über zur Eröffnung des 5. Reichsberufswettkampfes der Deutschen Studentenschaft durch den Leiter des Amtes Wissenschaft und Facherziehung, Straube. Schlußwort und Führerehrung erfolgt durch den Hochschulringführer Professor Dr. R i e h m.
Um 16 Uhr findet im Kameradschaftshaus der Kameradschaft Prockwitz im Wetzlarer Weg ein Tee- Rachmittag des Außenamtes statt. Um 16.30 Uhr wird eine Tagung des Studentenwerkes im Studentenhaus durchgeführt.
Den Abschluß des Tages bildet am Abend em Sommerfest in sämtlichen Räumen und im Garten des Studentenhauses, zu dem die gesamte Bevölkerung unserer Stadt herzlich eingeladen ist.
Gchachwettkampf Gießen — Marburg.
Der Gießener Schachverein trug dieser Tage in Dor- und Rückkampf einen Wettbewerb aus, bet dem seine Mitglieder Gelegenheit hatten, ihre Kräfte mit den Mitgliedern des Schachvereins Marburg, der unter der rührigen Leitung von Dr. Giese steht, zu messen. Beide Begegnungen endeten mit Siegen der Gießener Schachspieler. Der Dorkampf in Gie- ßen konnte mit 4:1 Punkten gewonnen werden, im Rückkampf behielten die Gießener Schachfteunde mit 4% 3/4 Punkten die Oberhand.
Vorsicht vor der Tollkirsche.
In ifnleren Wäldern reift allmählich die Tollkirsche, die schon Manchem Kind -um Verhängnis geworden ist, heran. In jedem Jahr kommen während der Sommermonate Vergiftungen durch Tollkirschen vor, und es ist deshalb Pflicht der Eltern und sonstigen Betreuer der Kinder, diese auf die Gefahr hinzuweisen, die die Tollkirsche bringen kann.
Die giftigen schwarzen Beeren, die an niederen Sträuchern wachsen, sind schön wie Kirschen anzu- sehen und laden verführerisch zum Naschen ein. Wurzel, Stengel, Blätter und Blüten, wie auch die Frucht selbst enthalten ein äußerst giftiges Älko- loid, das Atropin. Die Tollkirschen bringen, wenn sie genossen werden, wie der Name „Tollkirsche" schon unmißverständlich andeutet, von Sinnen. Das Sehvermögen wird gestört und der Kranke kann erblinden. Sonderbare Gehörtäuschungen treten auf und die Sprache wird lallend und schwer. Die Gesichtsmuskeln zucken und die Atmung geht schwer vor sich. Nach Herzbeschwerden und Hornbrennen führt das tückische Gift den Tod herbei. In der Medizin werden ganz kleine Mengen von Tollkirschengift zu Heilmittelzwecken verwendet.
Butterversorgung während der ürlaubozeit.
Um Meinungsverschiedenheiten über die Butter- Versorgung während der Urlaubszett klarzustellen, macht die Wirtschaftsaruppe Einzelhandel darauf aufmerksam, daß Familien, die ihren Urlaub auswärts verbringen, tijre Butter während dieser Zeit nicht durch Beauftragte bei dem Einzelhändler in Empfang nehmen dürfen, da diese Buttermenge als Ausgleich für die zurttsenden Urlauber Verwendung findet.
Für Verbraucher, die wcchrend ihres Urlaubs nicht in Pensionen und Gaststätten untergebracht sind, sondern sich selbst verpflegen, gelten folgende Richtlinien: Der Einzelhändler hat dem Verbraucher vor Antritt seines Urlaubs auf der Rückseite des Bezugsausweises folgenden Vermerk einzutragen: „Umstehender Verbraucher ist in der Zeit vom .. . bis .... in meiner Kundenliste gestrichen und erhält infolgedessen auch von meinem Betrieb keinerlei Zuteilung." Im Interesse einer geregelten Versorgung werden sowohl die Verbraucher als auch die Einzelhändler gebeten, sich genauestens an diese Richtlinien zu halten. -______________'
RSG. In diesem Jahre ist wieder starker Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande. Besonders macht er sich in den nächsten Wochen zur Erntezeit bemerkbar, da es gut, die reichen Früchte der Erde in die Scheuer zu bringen. Die Bauern in dieser Zeit schweren Schaffens zu unterstützen und zu helfen, die Ernährung des deutschen Volkes sicherzustellen, ist mit die Ausgabe der Volks- gemeinschast. In der vordersten Front der Helfer steht die Hitler-Jugend, die auch in unserem Gau in großem Umfange für die Einbringung der Ernte eingesetzt wird. Die besondere Aufgabe der BDM.-Mädel wird es feiif, vor allem die Bäuerin zu entlasten.
Der BDM.-Obergau 13 Hessen-Nassau bereitet zur Zeit in Zusammenarbeit mit der Laichesbauernschast die technischen und organisatorischen Doraussetzun- gen für den Ernteeinsatzdienst der Mädel und Jung- mädel vor. Die Einheiten, die sich zur diesjährigen Erntehilfe gemeldet haben, werden ausschließlich in Gemeinschaftsiagern untergebracht. In Schulräu- men, Hitler-Iugend-Heimen und warmen Scheunen
Bei der sommerlichen Hitze ist auf der See und den großen Fischhäfen der Nordsee Hochbetrieb. Denn die Dampfer der Hochseeflotte bringen täglich neue Anlandungen von frischen Seefischen zur Löschung heran. So sind in den letzten Tagen gerade die billigen und begehrten Konsumfische, wie Seelachs, Rotbarsch, Schellfisch und Kcckeljau in reichen Mengen an Land gebracht und von dort aus in die Verbraucherstädte des Binnenlandes versandt worden. Daneben sind aber auch Feinstsche, wie Heilbutt, Rotzunge und Steinbutt in großen Men- gen eingebracht. Alle diese Fische warten nun in den Spezialfischgeschäften, sauber und appetttlich in Eis gepackt, auf den Käufer. Da das Fffchfleffch gerade im Sommer besonders schmackhaft ist, sollte also auch in dieser Jahreszeit die Hausfrau die wöchentlichen Fischmahlzeiten beibehalten. Sie leistet damit einen großen volkswirtschaftlichen Dienst, nicht nur für die Fischwirtschaft selbst, sondern sie erleichtert die Flerschversorgung, in der bekanntlich durch den stark gestiegenen Verbrauch, wie auch durch
In diesem Jahre wird im Stadtteil Klein-Linden eine Bautätigkeit entfallet, wie kaum in einem Jahr zuvor. Dabei herrscht nach wie vor große Nachfrage nach Wohnungen; kaum sind die Neubauten begonnen, so sind die Wohnungen auch schon vermietet. Namentlich Militärpersonen und Angestellte der Kliniken sind die Bezieher der neuen Wohnungen.
Die heimischen Bauhandwerker sind nicht in der Laae, die Baulustigen zufriedenzustellen, denn das Arbeiterpersonal ist knapp. So kommen denn aus den benachbarten hessischen und preußischen Ortschaften Bauunternehmer in den Stadtteil, um sich an den Arbeitsoergebungen zu beteiligen. "Vn erfreulicher Weise haben sich viele ältere Leute, zum Teil noch solche, die auf dem Altenteil faßen, wieder zur Arbeit gemeldet, einmal, um ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, zum andern, um ihren Lebensunterhalt durch neuen Verdienst zu verbessern. Da namentlich auch die Nachbar-, Freundes- und Verwandtenhilfe in vielen Fällen in Anspruch genommen wird, so wird den Baulustigen die Erbauung ihrer Häuser erleichtert. Erdaushub, Erdabfuhr, Sand- und Steinanfuhr werden vielfach auf diese Weise erledigt. Es sind dies Maßnahmen, die
werden sie schöne Unterkunft und bequeme Schlaf- gelegenhellen finden. Die Uebernachtungslager stehen unter der Konttolle der zuständigen Untergauärztinnen, des BDM., die auch für gesundheitsdienstlicke Schutzmaßnahmen verantwortlich sind. Der tägliche Einsatzdienst beim Dauern erfolgt einzeln. Die Dauer der Arbeitszeit wird im örtlichen Fall vorn Bauernführer und der Gruppenführerin bestimmt, so daß eine lleberanftrengung der Mädel von vorn- herein ausgeschlossen ist. Iungmädeln unter 12 Jahren ist die Teilnahme am Ernteeinsatzdienst nicht gestattet.
An- und Rückfahrt zum Ort des Einsatzdienstes sind für die Mädel kostenlos, ebenso wie die Kranken- und Unfallversicherung. Die Einheiten aus den Großstcckten werden möglichst auf benachbarte ländliche Untergaue verteilt, um große Anfahrten zu vermeiden.
MeDungen zum Ernteeinsatzdienst nimmt jede Untergaudienststelle für die kommenden Ferien» wachen sowohl wie für die Haupteinsatzzeit im Herbst entgegen.
die Seuchenausfälle eine Kürzung der Zuteilungen an den Verarbeiter eintreten mußte.
Jedermann wird sich freuen, nun wieder frische Fettheringe auf dem Tisch zu sehen. Den Hering kennt jeder und schätzt juna und alt, ganz gleich- güllig, wie er zubereitet ist. Deswegen bemüht man sich auch, die gesamte deutsche Heringsfischerei jetzt der Volksernährung nutzbar zu machen. Keine andere Zeit des Jahres wie die Sommer, und Herbstmonate bieten eine so günstige Gelegenhell, den Eigenbedarf an Heringen aus eigenen Fängen zu decken.
Wem aber diese Fische noch nicht zusagen, der findet sicher Gefallen an den Räucherfischen, die in jeder Menae zu haben sind. Aus dem Bodensee sind außerdem zur Zeit Blau- und Srlberfelchen zu haben, die wegen ihres feinen Fleisches sehr geschätzt werden. Wer die Zubereitung sommerlicher Fischgerichte kennenlernen will, der besuche einen Kursus in der nächsten Fffchlehrküche, oder hole sich Rat bei den kochkundigen Helferinnen des Deutschen Frauenwerkes.
angesichts der sehr knappen Arbeitskräfte zu begrüßen find.
Die regste Bautätigkeit im Stadtteil Klein-Linden herrscht rechts der Landstraße nach Lützellinden zu, in der ehemaligen sog. „Wüstung , die beim Ausbau durch die Stadtverwaltung eine neue Benennung erfahren dürste. Nachdem schon vor einigen Jahren die einstige Gemeindeverwallung von Klein- Linden dieses Gelände für Bauzwecke erschlossen hatte, stehe heute allein auf der rechten Straßenseite schon zehn fertige kleinere und größere Wohnhäuser, Ein- und Mehrfamilienhäuser. Bei vielen dieser Häuser wurden in vielem Jahre Derbesse- rungs« und Weiterbauten, Stallbauten und (Sorten- planierung&arbeiien vorgenommen, und mer heute der einstigen „Wüstung" einen Besuch abstattet, wird seine Freude an der Ordnung haben, die dort geschaffen wurde. Die letzten freien Plätze wurden in diesem Jahre durch die Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung an Privatleute abgegeben, die schon jetzt ihre Genehmigung zum Hausbau in Händen haben.
An her Waldweide geht ein Zweifamilienhaus eines Heuchelheimer Einwohners seiner Vollendung
Adreßbuch-Eintragvnge« prüfen!
Don dem neuen Adreßbuch für Stadt- und Landkreis Gießen 1939, das demnächst erscheint, liegen nur noch am heutigen Freitag und am morgigen Samstag die Abschnitte I, II und III zu jedermanns Einsichtnahme offen. Der Abschnitt I enthält die Angaben über bie NSDAP., Behörden, Schulen, Kliniken, Verbände, Vereine usw. Im Abschnitt II ist das alphabetische Einwohner- und Firmenverzeichnis des Stadtkreises Gießen zusammengefaßt. Abschnitt III enthält die Angaben über die Straßen und Häuser von Gießen. Die Bevölkerung und die beteiligten Behörden und öffentlichen Körperschaften werden gebeten, die Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit umgehend, und zwar noch heute oder morgen, oorzunehmen, damit Fehler vermieden werden. Die Einsichtnahme erfolgt in der Abteilung Adreßbuchverlag in unferem Geschäftshaus Schulstraße 7, 2. Stock, Eingang von der Kaplaneigosse aus.
entgegen. In der Bergstraße ist bei einem Zweifamilienhaus das Kellergeschoß aufgeführt. Es sind ferner noch im Bau ein Einfamilienhaus auf der Wann, ein Zweifamilienhaus in der Hegstrahe, ein Wvhrchaus in der Dammstraße und zwei weitere Wohnhäuser in der oberen Frankfurter Straße. Auf dem Schildberg, auf dem vor zwölf Jahren noch nicht ein einziges Wohnhaus stand, stehen heute sechs stattliche größere Wohnhäuser. Der Bau zweier weiterer ist für die nächste Zell geplant, eins wurde bereits begonnen.
Daß auch an älteren Wohnhäusern zum Teil kleinere, zum Teil größere Erneuerungs« und Umbauarbeiten gegenwärtig vorgenommen werden, bringt die Sommerzeit mit sich, vor allem aber der gewaltige wirtschafüiche Aufschwung, der wie in allen Orten, auch im Stadtteil Klein-Linden zu beobachten ist.
Die Bewohner der Häuser, der schon begonnenen und der noch zu beziehenden, haben auch den Wunsch, den zu erfüllen die Stadtverwaltung sich nicht verschließen wird: Sie möchten ihre Straßen so in Ordnung gebracht haben, daß sie diese auch bei schlechten Wetter passieren können.
Briefkasten der Hedattioa.
(Rechtsgutachten sind ohne Derbindlichkett der Schriftleitung.)
Alker Mbonncnt Nach Artikel 2 des Gesetzes zum wetteren Abbau der Notverordnungen in der Reichs- versicherung vom 19. 4. 1939 sind bie Ruhensbestimmungen bei Zusammentreffen von Invalidenrente mit Pensionsbezügen (Ruhegeld, Warteaeld usw. mit Wirkung vorn 1.7.1939 beseitigt worden. Sie haben mithin vom 1.7.1939 ab Anspruch auf die volle Invalidenrente. Es ist anzunehmen, daß Sie noch im Lause des Monats Juli Nachricht von der Landesversicherungsanstalt erhalten.
A. Sch. In G. § 185 des Angestelltenversicherungsgesetzes schreibt vor, daß bei der Weiterversicherung und Selbstversicherung Beiträge in der dem jeweiligen Einkommen entsprechenden Gehattsklaffe zu enttichten falb. Unter Einkommen ist hier das taffächliche Gesamteinkommen zu verstehen, namentlich neben Einkünften aus abhängiger oder selbständiger Tätigkett, Einkünfte aus Land» und Forst- wirtschaft, aus Kapttalvermögen und andere wiederkehrende Bezüge. Diese Bestimmung -gilt auch für diejenigen Versicherten, die f. 3t unter günstigeren Bestimmungen sich zu fteiwilliger Weiterversicherung entschlossen haben. Die Aenderung ist im Reichsgesetzblatt S. 118/1928 enthalten und am 1.4.1VM in Kraft getreten. Zu niedrig geklebte Marken können durch Nachzahlung ausgewertet werden. Wir empfehlen Ihnen, dieserhalb unmittelbar mit der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, Berlin-Wilmersdorf, Ruhrstrahe 2, in Verbindung zu treten.
Markiumschau für die Hausfrau.
Oie Hochseefischerei schafft Konsumfische und Heringe heran..
Rege Bautätigkeit in Gießen-Klein-Q'nden
GROSSGARAGE
U/e&ten
Roman von Harald Baumgarten
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Am nächsten Tage stand der gleiche Mann vor der Garage, als ich wegsuhr. Ich konnte fahren oder gehen — immer tauchte aus weiter Entfernung dieser Mensch auf, dessen Gesicht ich aber nie genauer zu erkennen vermochte. «Sie können sich nicht oorstellen, wie nervös mich der Gedanke machte, ständig und überall verfolgt zu werden. Ich grübelte, was der Kerl von mir wolle, wie wohl fein Gesicht aussähe ... Daher auch erschrak ich so furchtbar, als ich ihm heute abend ganz unvermutet ..."
„An der Ecke Kurfürstendamm und Joachims» taler Straße —?" Vallendar beugte sich über den Disch.
Sie nickte. ,Ha, da sah ich chn deullich. Er stand auf dem Bürgersteig und starrte mich mit einem gehässigen Blick an. Seine Augen stachen, drohten. Sie kündeten etwas, das mich im Innersten erschauern ließ."
„Aber Charly!" Römer nahm ihre Hand, die sie ihm willig überließ, „das sind doch nur Phantastereien! Das ist doch Zufall! Das gibt es doch gar nicht! Wir werden einmal ausspannen müssen. Sie arbeiten zuviel."
Sie nahm seinen Trost hin, ohne zu zeigen, ob sie ihm glaubte.
Vallendar aber glühte. Da war es, das Aben- teuer! Ein junger Mensch — fühlt sich verfolgt. Seltsamer Mister Burd, der verschwindet und nichts von sich hören läßt; wiederkommt, sich in den Mietwagen in einer Garage verkriecht und stirbt ... Seine Stimme wurde bezwingend; sie war von solcher offenen Hilfsbereitschaft gesättigt, daß Charly acffhorchen mußte. „Bitte, Fräulein Charly", und keiner von ihnen dreien bemerkte die vertrauliche Anrede, „bitte, können Sie mir den Mann beschreiben, der Ihnen solchen Schrecken einjagte?"
Charly nahm die Speisekarte, auf deren Vorder, feite das kleine, erlesene Hotelmenü getippt war. Sie drehte das Blatt um, und schon machten ihre Finger leichte Striche über das Papier.
„Bitte!" Vallendar reichte ihr den goldenen Blei- stift, mit dem er seine Anmerkungen auf der Probe in die Rollen einzuzeichnen pflegte. Differ Dleisttft war eine Art Talisman; Vallendar hatte einmal nickt geprobt, weil er ihn vergessen hatte. Charly nahm ihn und zeichnete.
Ein Gesicht entstand auf dem Papier. Eine schmale, hohe, aber schlechtgeformte Stirn, tief
liegende Augen, eine Nase, deren breites Ende Min- der Wertigkeit des Charakters verriet. Dann ein Mund, der ein wenig geöffnet war. Das Kinn floh nach rückwärts; es deutete auf Schwäche und Haltlosigkeit. Aber wenn man die Züge im ganzen be- ttachtete, verloren sie alle die Merkmale und bildeten den Gesamteindruck eines zwar leichffinnigen, aber keinesfalls widerwärtigen Gesichtes.
„So war der Mann!" sagte sie und legte den Bleisttft auf das weiße Tischtuch. Dabei zitterte ihre Hand. In ihrem jungen Antlitz lag jetzt keine Spur von Angst, vielmehr eine wache Tatkraft.
Römer betrachtete eine Weile das Bild, dann legte er es beiseite. „Und nun wollen wir endlich von etwas Erfreulicherem reden, Charly! Sie schlafen sonst die ganze Nacht nicht. Wissen Sie, was ich vorhabe? Ich will meine Praxis aufgeben."
Man merkte, daß ihre ganze Zuneigung Römer entgegenkam. ,Hhre Praxis? Das kann nicht Ihr Ernst sein! Sie wollen doch nicht fort von hier?"
„Doch! Ich habe gestern mit Geheimrat Wiesener gesprochen. Er will sich zur Ruhe setzen. Sie wissen doch, daß er draußen in Gatow bie Kinderklinik hat? Ich möchte sie übernehmen. Ich möchte nur noch Kinderarzt fein. Vielleicht wird es was. Was meinen Sie, Charly?"
,Hch könnte mir kaum einen schöneren Beruf vor- stellen", sagte sie leise. Ihre Blicke trafen sich. In Römers Augen brannte eine große Frage. Und in den ihren stand ein Zaudern.
Vallendar erhob sich. Wie zufällig hatte er vorhin die Speisenkarte in seine Iackettasche geschoben. „Ich muß noch einmal telephonieren. Entschuldigen Sie mich, bitte!" Er ließ die beiden allein, hörte noch, wie Römer in einem überaus zärtlichen Ton „Charly!" sagte ...
Der (Empfangschef Schwarz hatte eben ein wenig Ruhe. Der letzte Abendzug, der immer eine Menge Gäste brachte, war schon vor einer halben Stunde eingelaufen.
Vallendar ging auf ihn zu; er beugte sich über den Tisch.
„Die Polizei hat uns bereits verständigt", sagte Schwarz. „Morgen wird das Gepäck adgehott. Der Inspektor meinte, es sei ein ganz normaler Todesfall."
Unvermittelt hielt Vallendar ihm Charlys Zeichnung entgegen. „Haben Sie den Mann mal irgendwo gesehen, lieber Schwarz?"
„Seit wann sind Sie denn Maler, Herr Vallendar?" lachte der Empfangschef. „Na, also! Dann war es doch wohl Frau Larfens Agent. Ja, ganz bestimmt. Das fft der Mann, der sich nach Mister Burd erkundigte und mit ihm einen Vertrag abschließen wollte!"
*
Der linke Flügel des Tores versperrte die Einfahrt ins Filmgelände. Als aber der Pförtner den großen Wagen in die schnurgerade Straße, die auf das Tor zujührte« einbiegen sah, schob er den linken Flügel
zurück. Der Wagen von Frau Larsen! Er wartete, bis sie an ihm vorbeigefahren war. ,4>rr Pernau hat schon gefragt!" rief er ihr schnell nach.
Margit dankte freundlich. War Werner 23aIIenbar denn noch nicht da? Sie hatte ihn heute ftüh angerufen, aber bas Tönnchen hatte erzählt, er fei schon ganz früh fortgegangen.
Der Chauffeur fuhr um den großen Parkplatz herum. Margits Blick überflog die Reihe der Autos. Vallendars Zweisitzer fehlte!
Der Fahrer öffnete den Schlag. Margit Larfen ftieg aus. Langsam ging sie über die Knuppersteine Des Hofes der Kantine zu. Filmkünstler tarnen ihr entgegen und grüßten sie höflich.
Eine helle, harte Herbstsonne tauchte das Gelände in ein klares, schimmerndes Licht. Die Bäume hatten schon fast alle Blätter verloren. Aber auf den Tischen vor der Kantine lagen noch die bunten Decken, und einige Schauspieler saßen mit hochgeschlagenen Rockkragen an ihnen, um zu frühstücken. Ihre geschminkten Gesichter wirkten in dem harten Sonnenlicht merkwürdig grell.
Margit Larsen fiel es nicht auf; sie war zu sehr daran gewöhnt.
Die Lampe vor der Einfahrt zu den Ateliers leuchtete rot. „Aufnahme!" bedeutete es. „Nicht einfahrenI" Man hörte laute Rufe. Im Atelier 7, dessen geroaltige Schiebetüren offen standen, wurde eine Massenszene gedreht.
Ein Inspizient, der schon öfter mit Margit gearbeitet hatte, kam auf sie zu. „Soll ich Pernau holen, gnädige Frau? Er fft vorhin in die Dramaturgie gegangen. Ich mache den neuen Film. Scheint aber noch allerlei Schwierigkeiten mit dem Drehbuch zu geben."
,Lch setze mich so lange hinein. Sagen Sie, bitte, Pernau, daß ich ihn erwarte!"
Die Gaststube war leer. Die paar Solisten, die frei waren, hockten trotz des kühlen Wetters im Garten. Sie faßen so, daß die Sonne ihre Gesichter beschien. Manche hatte bie Augen geschloffen, als genossen sie ein Sonnenbad am Strande des Meeres.
Alles war chr feit Jahren vertraut; der niedrige, langgestteckte Raum, die weißen Gardinen an den Feifftern, die Holzttscke. Sie kannten jeden der Kellner. Vallendar ist nicht gekommen! dachte sie immer wieder. Vallendar, der es sonst nicht aushalten kann, bis der Drehtag beginnt!
Ein Mann in einem wehenden weißen Kittel kam durch die Tür. Er trug ein offenes, graues Sporthemd. Hinter ihm tauchten einige andere auf; zwei von ihnen trugen große Intelligenzbrillen. Sie alle redeten hefttg mifeinanber und warfen beim Eintreten in die Gaststube, als sie Margit erblickten, die eben erst angesteckten Zigaretten fort.
Pernau streckte beide Hände aus. „Morgen, Margit! Dich hätten wir also endlich hier. Wo ist denn Werneü"
,Lch weiß nicht, Jonny. Er sagte gestern, er woffd pünktlich um 10 Uhr hier fein.
Der Regisseur fetzte sich neben sie. Er stellte oorj „Herr Maaß, Herr Sieber — die Drehbuchautoren. Das ist Rohr, mein neuer Regieassistent. Setzt euch, Kinder!"
Alle Blicke wandten sich Margit zu. Pernau griff in bie Tasche. ,Hch muß rauchen, Margit! Noch sind ja keine Aufnahmen."
„Bitte, Jonny, es stört mich nicht. Gib mir auch eine Zigarette!"
Pernau schob die Zigarettenschachtel zur allgemeinen Bedienung in die Mitte des Tisches. „Mik bem Drehbuch geht es so nicht, Margit. Es fehlt was. Ja, ich weiß, es klingt alles sehr hübsch, und bie Direktion fft begeistert. Aber es fehlt was -- glaub mir altem Filmhasen! Es fehlt der dramatische Konflikt! Dabei fft es ein wunderbarer Stosst Was meinst du zu dem Titel, Margit? Lwischett den 2Htern‘?"
„Wird er zugkräftig sein, Jonny?"
„Der Film wird es fein, wenn man mich machen läßt. Und ich setze mich durch! Die Herren Drehbuchautoren werden sich umstellen muffen. Det ganze zweite Teil muß neu geschrieben werden!"
Maaß rückte an feiner Brille. „Pernau will beit Konflikt zwischen den beiden Frauen mehr heraus« gearbeitet haben, gnädige Frau. Aber Sieber und ich — wir versprechen uns nichts davon. Wenn wüt bas machen, was Pernau will, verliert Ähre Rolles die Frau des Ingenieurs rückt bann in den Vordergrund."
„Unsinn, Kinder! Frau Larsen macht das schon. Röhr, geben Sie mal das Drehbuch her!" Er blätterte in bem dickleibigen Band.
Margit faß ganz fttll. Sie kannte bas Buch, fH hatte es gelesen.
Die beiden Autoren schüttelten unauffällig die Köpfe und sahen Margit bedeutungsvoll an. Natürlich würde die Larsen auf ihrer Sette fein; Pernau wollte immer hoch hinaus. „Wir haben für die Frau des Ingenieurs keine Besetzung", tastete Sieber.
Pernau schlug mit der Faust auf eine Seite bei Buches. ier fft der Bruch! Aber ihr habt recht: Es fehlt an der Besetzung. Vallendar hätte wahrhaftig kommen können. Schließlich soll er ja die Hauptrolle spielen." Er wandte sich an Marait. „Paß auf, wie ich es meine! Die Frau des Ingenieurs, bas ist die Frau, die zwischen den Alter« steht. Zwischen der Jugend und den Jahren, da sie verzichten und sich bescheiden muß. Noch nicht ganz dort und nicht mehr ganz hier. Sie darf ja nicht alt fein. Aber irgendein Schimmer von Verblühen muß um sie sein — solch ein leiser Hauch. Die Sempach ist besetzt; sie wäre vielleicht bie emsige, bie bas konnte." Er blätterte weiter unb strich hastig einige Szenen an.
(Fortsetzung folgt)


