Ausgabe 
7.6.1939
 
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deutsch ° lettischen Ni cht a n gri ff s v e r- träges auf dem Bahnhof Friedrichstraße an.

Nachdem um 10 Uhr Außenminister Munters und um 10.15 Uhr Außenminister Selters vom Reichsaußenminister von Ribbentrop im Aus­wärtigen Amt empfangen worden sind, findet gegen 10.30 Uhr die feierliche Unterzeichnung der bejden Nichtangriffsverträge zwischen Deutschland und Est­land und Deutschland und Lettland statt. Während der estnische Außenminister Selters am Donnerstag­morgen Berlin im Flugzeug wieder verläßt, wird Außenminister Munters noch einige Tage in der Reichshauptstadt verweilen.

Polen enteignet deutschenBesih

K a t t o w i tz , 6. Juni. (DNB.) Durch Verfügung des polnischen Wojewoden in Kattowitz, Dr. Gra° c z y n s k i, vom 25. Mai wurde der Vorstand und Äufsichtsrat der Deutschen Bau - und Heim- stättengenossenschaft in Sarmin auf» gelöst. Gleichzeitig wurde ein kommissarischer Vor­stand und Aufsichtsrat eingesetzt. Zu Mitgliedern dieser beiden Organe hat Dr. Graczynski aus­

schließlich Nationalpolen ernannt, die niemals Mitglieder der Genossenschaft waren. Dor Zweck dieser Maßnahme, die ohne Angabe von Gründen erfolgte, trat bald darauf in der ersten Amtshandlung des neuen polnischen Vorstandes nm 31. Mai zutage. An diesem Tage ergriff der polnische Vorstand Besitz von dem Deutschen Haus in Sarmin und taufte es sofort in Polnisches Haus um.

Eine weitere Enteignung ordnet der pol­nische Wojewode in Kattowitz in Oderberg an. Die Genossenschaft Deutsches Schüler­heim würbe aufgefordert, ihren Besitz, wie er steht und liegt, dem Staat zu übergeben. Die Ent­eignung erfolgte auf Grund des polnischen Parzel­lierungsgesetzes vom 9. November. 1938, wonach Grundstücke mit den auf ihnen errichteten Gebäuden, die auf Grund des tschechischen Parzellierungs­gesetzes erworben wurden, in den Besitz des pol­nischen Staates übergehen können. In der Ver­fügung des Wojewoden heißt es, daß die Entschädi­gung nach der Uebergabe des Besitzes durch den Staat festgesetzt werden würde. Das Haus stellt einen Wert von 100 000 Zloty dar.

Die italienischen Legionäre in Neapel.

Große Begeisterung. Parade

Neapel, 6. Juni. (Europapreß.) Die Heimkehr der 20 000 italienischen Freiwilligen, die von 3000 spanischen Legionären begleitet waren, war für Neapel ein großes Ereignis. Die Stadt war mit den italienischen und spanischen Flaggen reich geschmückt und bot mit der Parade vor dem König und Kaiser ein großartiges militärisches Schauspiel. Die Truppentransportschiffe waren in der Nacht aus Cadiz eingetroffen. Bei Tagesanbruch wurden die Legionäre ausgeschifft. Sie nahmen auf dem Hafendamm bataillonsweise Aufstellung. Die Kriegsschiffe des ersten Flotten­geschwaders im Hafen waren ebenso wie alle an­deren Dampfer festlich geflaggt und die Mannschaf­ten zur militärischen Ehrenerweisung angetreten, als König und Kaiser Viktor Emanuel III. an Bord eines der Schiffe erschien. Dann begab sich der König und Kaiser mit seinem Stab, begleitet von Außenminister Graf Ciano, Parteisekretär Starace, dem spanischen Jnnennm^ister Serano S u n e r und den Unterstaatssekretären des Kriegs­ministeriums sowie dem Generalstabschef der Miliz auf die Mole, wo er die Front der Heimkehrer abschritt.

vor dem König und Kaiser.

Nachdem sich der König und Kaiser anschließend nach der Piazza Plebiscito begeben hatte, begann die große Parade der Legionäre unter stürmischen Beifallskundgebungen der Hunderttausende von Zu­schauern. Wie die Parade in Madrid, so wurde auch der Vorbeimarsch in Neapel von der Musik der Carabinieri eröffnet. Hinter ihr folgte der Kom­mandostab der Freiwilligen mit General Gam- bara an der Spitze. Vor den italienischen Legio­nären marschierten die drei Bataillone der spa­nischen Legionäre. Die ruhmreiche Divi- sionLittorio" bildete die Spitze der italie­nischen Abteilungen. Von der Bevölkerung wurden die Legisnäre mit unbeschreiblicher Begeisterung be­grüßt und mit Blumen überschüttet. Nach der Parade bereitete die Einwohnerschaft von Neapel dem König und Kaiser vor dem Königspalast eine große Huldigung.

Die spanischen Legionäre und dreitausend italie­nische Freiwillige fahren von Neapel sofort weiter nach R o m, um am Mittwochvormittag am Vorbei­marsch vor Mussolini teilzunehmen.

GememsameAbwehr des Kommunismus

Oie alte Freundschaft zwischen Deutschland und Ungarn.

den anderen Nationen seine konstruktiv» Mitarbeit auch weiterhin anbieten, so wie Präsident Roose­velt das in seinem Appell vom 1. April getan habe. Das stelle nicht eine Verwicklung in Bündnisse oder eineWeltverbesserei", sondern intelligentes natio­nales Selbstinteresse dar.

Die deutsche Antwort.

Dazu schreibt der Deutsche Dienst: Mit einer im­merhin beachtlichen Verspätung hat sich der Staats­ekretär im amerikanischen Außenamt, Mr. W e l - e 5, einenRechtfertigungsversuch" jenes fragwür­digen Friedensappells des Herrn Roosevelt abge­rungen. Er hat nicht weniger als fünf Wochen gebraucht, um nach der vernichtenden Antwort des Führers die Sprache wieder z u finden. Sein Rechtfertigungsversuch ist eine einzige kraft­lose, Phraseologie, die wirklich nicht dazu angetan ist, hierzulande Eindruck zu machen, geschweige denn überzeugend zu wirken. Wir nehmen allerdms mit Interesse zur Kenntnis, daß nun auch Mr. Welles von den Grausamkeiten und Ungerech­tigkeiten des Versailler Diktates zu sprechen beginnt. Will er sich dadurch den Anschein besonderer Anparteilichkeit mit einem leichten An­flug von Vorwurf geben, wenn er behauptet, sich dafür einzusetzen, daß Amerika möglichst nicht in einen Krieg verwickelt wird, daß aber auchdie Vertreter Der militärischen Eroberungsmethoden nicht ermutigt oder unterstützt werden", so quittie­ren wir sie als eine lapidare Feststellung, die i m

krassem Widcrspruch zu seiner bis­herigen Handlungsweise steht. Als Lauf­bursche Roosevelts hat Mr. Welles bisher keine Mühe gescheut, die sträflich, leichtfertige Ein­mischungspolitik Roosevelts in euro­päische Angelegenheiten zu fördern und durch ge­heime und offene Zusagen die Vertreter der West­mächte, die die Einkreisungspolitik gegen Deutsch­land betreiben, zu ermutigen und zu unterstützen. In Deutschland ist es nicht üblich, sich in amerika­nische Angelegenheiten einzumischen. Es ist uns hier völlig gleichgültig, ob in USA. ein oder hundert Neger gelyncht werden. Wir veranstalten keine Pro­testkundgebungen, weil im öffentlichen Schulwesen Amerikas katastrophale Zustände herrschen. Wir gründen keine Komitees zur Errettung der ameri­kanischen Christenheit, weil dort 55 v. H. aller jungen Leute außerhalb jeder Kirche stehen. Wir erlauben keineStop-Roosevelts-Paraden", weil der derzeitige Präsident in Washington imperialistische Absichten auf militärische Beherrschung Südameri­kas hat. Wir lassen auch keine Emigranten aus USA. zum Kriege gegen Amerika und zum Sturz der amerikanischen Regierung hetzen.

Mit einem Wort: Wir stellen durch unser Verhal­ten unter Beweis, daß das deutsche Volk mit dem amerikanischen Volk in Ruhe und Frieden zu leben wünscht. Will das der­zeitige Regime in Washington nun endlich durch ein gleiches Verhalten dasselbe beweisen oder nicht?

Belgische Absage an die Einkreiser

Nur eine Politik der Unabhängigkeit und der Enthaltung.

Brüssel, 7.Juni (DNB.) Der außenpoli­tische Kammerausschuß nahm am Dienstag den Bericht des flämisch-katholisch en Abgeordneten und Kammerpräsidenten van Cauwelaert über die belgische Außenpolitik an. Der Bericht enthält einige sehr bemerkenswerte Einzel­heiten über die Stellungnahme Belgiens zu inter­nationalen Fragen. Einleitend wird erklärt, daß Belgien im Interesse seiner Sicherheit und Existenz äußerste Wachsamkeit zeigen und die von König Leopold festgelegttPolitik bet Unab­hängigkeit und des Gleichgewichtes" mit unbedingter Treue befolgen müsse.

Der Bericht formuliert dann eine deutliche Absage an die Politik derkollektiven Sicher­heit" und der Einkreisung. Belgien will, so heißt es in dem Bericht, von jeder militärischen Verpflichtung gegenüber dem Auslände, sei sie kollektiv oder gegenseitig, frei bleiben. Es be­absichtige, sich, vorsätzlich aus den Streitigkeiten seiner Nachbarn herauszuchalten. Belgien werde ^dem dieser Staaten durch seine Politik der Unabhängigkeit und der Enthaltung

und durch die peinliche Bewahrung der Unverletz- barfeit seines Bodens den Frieden an den gemein­samen Grenzen sicherstellen, aber es werde sich widersetzen, das belgische Gebiet für einen Angriff ober eine militärische Operation, die gegen einen anderen Staat ge­richtet märe, zu benutzen. Belgien sei nicht mehr durch ein internationales Statut gebunden, das es verhindern würde, seine politische Linie frei ab- zu ändern, ohne gegen internationale Verpflichtun­gen zu verstoßen. Belgien wolle. und müsse einer Politik der Unabhängigkeit, des Gleichgeivichtes und des Friedens treu bleiben.

In dem Bericht wird ferner stark die Soli­darität zwischen Belgien und Holland unterstrichen und zum Außenhandel erklärt, daß es zwecklos märe, einen Ausgleich für die erlittenen Verluste hur bei den großen Demokratien zu suchen. Schließlich erwähnt der Bericht auch die Kolonial­frage.

Der Annahme des Berichtes durch den Ausschuß mar eine lebhafte Aussprache über die Unabhängig- feit Belgiens vorausgegangen.

Bubapest, 6. Juni (DNB.) Reichsminister Dr. Frick wurde am Dienstag um 13 Uhr von Reichs­verweser von Horthy in einer etwa 25 Minu­ten dauernden Privataudienz empfangen. Anschlie­ßend gab der Reichsverweser zu Ehren des deut­schen Gastes ein Frühstück im kleinen Kreise, an dem auch Staatssekretär Pfundtner, sowie der Budapester deutsche Gesandte und der ungarische Außenminister Graf Csaky teilnahmen. Bocher hatte Dr. Frick dem Ministerpräsidenten Graf T e - leki einen Besuch abgestattet.

Am Abend gab Innenminister Dr.Keresztes- Fi scher ein Essen. Innenminister Keresztes-Fischer begrüßte dabei in einer Ansprache den Minister als Vertreter des befreundeten und benachbarten Großbeutschen Reiches, den hervorragenden und ge­treuen Mitarbeiter seines Führers den deutschen Staatsmann, der feine aufrichtige Freundschaft für Ungarn so oft bewiesen hat und dessen Wirken mit der kameradschaftlichen Zusammenarbeit unserer beiden Verwaltungen so eng verbunden ist. In diesem Sinne wurden auch die Grundlagen für bie gemeinsame Abwehr ber kom - munistischen Wühlarbeit niedergeleat. In der ungarischen Verwaltung sind die Ueberliefungen der eigenftändischen nationalen Geschichte lebendig. Za diesen Ueberfiefungen gehört auch die Freund- schaft zu dem großen deutschen Volk und dem Deutschen Reich, die Pflege der h e r k o m m l i - chenengenVeziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Ich erhebe mein ©las auf die Gesund- beit des Führers des Deutschen Reiches, auf bas Glück und die Größe des deutschen Volkes und auf bas persönliche Wohlergehen Eurer Exzellenz und Ihrer hocyvereyrten Gattin."

Reichsn^yister Dr. Frick antwortete mit folgenden

Worten: ,^>err Minister! Für die liebenswürdigen Worte, die Euer Exzellenz an meine Frau und mich gerichtet haben, und für den großartigen Empfang, der uns hier bereitet worden ist, sage ich Euer Exzellenz meinen aufrichtigen und herzlichen Dank. Es ist mir eine wirkliche Freude, daß ich der vor längerer Zeit an mich ergangenen Einladung zum Besuch in Ungarn nunmehr habe Folge leisten können. Ich begrüße es ganz besonders, daß ich Gelegenheit habe, in Ungarns altehrwürdiger Hauptstadt persönlich der kameradschaft­lichen Verbundenheit Ausdruck zu geben, die sich zwischen unseren beiden Verwaltungen im Geiste der erprobten deutsch-ungari-, schen Freundschaft herausgebildet hat. Sie bewährt sich in der gemeinsamen Abwehr ber kom­munistischen Wühlarbeit, und sie hat es uns auch auf anderen Gebieten ermöglicht, die unsere Ver­waltungen gemeinsam interessierenden Fragen in offener, vertrauensvoller Aussprache zu behandeln. Ich bin überzeugt, daß auch ber Meinungsaustausch mit Eurer Exzellenz als dem Haupt der inneren Verwaltung des vergrößerten Ungarns zur wei­teren Vertiefung ber verständnisvol­len Zusammenarbeit unserer beiden Ver­waltungen beitragen wird. Damit bienen wir ber hohen Aufgabe, bie herkömmlichen engen Freund­schaftsbeziehungen zwischen unseren beiden Län­dern zu fördern und auszubauen. In diesem Sinne erhebe ich mein Glas auf bie Gesundheit Seiner Durchlaucht des Herrn Reichsverwesers, auf das Glück und Gedeihen des ungarischen Volkes sowie auf bas persönliche Wohlergehen Eurer Exzellenz."

Nach bem Abendessen fand ein großer diplo­matischer Empfang in den Festräumen des Innen­ministeriums statt.

Vom Frieden nur - geredet.

In den zwei Jahrzehnten seit Versailles nichts getan.

Washington, 6. Juni. (DNB.) Die in eng- lischer Übersetzung in Hunderttausenden von Exem­plaren verbreitete Antwort des Führers auf RooseveltsEinMischung in deutsche Angelegenheiten hat dem Präsidenten und seinen Mitarbeitern bas Wort verschlagen. Sie mußten nichts darauf zu antworten und haben in den darauffolgenden Wochen den ganzen peinlichen Vorfall nicht einmal erwähnt.

Heute nun berührte Roosevelts enger Mitarbeiter und Vertrauter, der Vizeaußemnimster Welles, RooseveUsAppell" seitdem zum ersten Male wie­der in der Öffentlichkeit, unb zwar in einer Rede vor der Neuyorker Vereinigung früherer Studenten der Columbio-Unioersität anläßlich der jetzt in ganz Amerika stattfindenden Abgangsfeiern an den Universitäten und Hochschulen. Welles versuchte jedoch keineswegs dem Führer zu antworten, oder auf irgend eine feiner Argumente einzugehen, son­dern er beschränkte sich darauf, den Schritt seines Chefs zu rechtfertigen, offenbar weil nach ber Ant­wort des Führers die Kritiken an Roose­veltsAppell" sehr häufig und scharf geworden sind. Welles behauptete,der Appell sei im höchsten Interesse des amerikanischen Volkes erfolgt und habe eine dynamische Wirkung auf ver­zweifelte Männer und Frauen in ber ganzen Welt ausgeübt". Er habe eine heilsame Wirkung auf eine Generation gehabt, die immer stärker habe fürchten müssen, daß man dem Schatten des Krieges nicht entgehen könne. Was immer bie Weltgeschichte als offizielle Antwort auf diesen Appell ber Vernunft buchen werde, so bleibe bie Tatsache bestehen, daß man ber Welt noch einmal gezeigt habe, wie durch Selbstbeherrschung und Vernunft ein Krieg vermie­den und ftiedliche Lösungen für die Probleme un­serer modernen Welt gefunden werden können. Er, Welles, sei betroffen über bie in Amerika weit verbreitete Ansicht, daß es für

Amerika genüge, nicht in einen fremden Krieg verwickelt zu werden. Unendlich wichtiger sei jedoch, daran zu arbeiten, daß es über­haupt nicht zum Krieg komme, denn wenn der Krieg ausbreche und sich ausbreite, so sei die Ge­fahr ber Hineinziehung Amerikas viel größer, als wenn es gar nicht erst zum Krieg komme.

Amerika habe, fo gestand Welles so­dann ein, in den zwei Jahrzehnten seit Versailles nichts getan, nm die Grausamkeiten, Ungerechtigkeiten, Dummheiten des Versailler Friedens in Ordnung zu brin­gen. und das amerikanische Volk könne kaum mit Befriedigung auf seine Rotte in dieser kritischen Uebergaugsperiode zurückbllcken. Die Spitzen und das Volk in Amerika hätten sich begnügt, vom Frieden zu reden, anstatt praktisch an einer wahren Befriedung zu ar­beit e n.

Heute aber sehe sich Amerika der Frage gegenüber, ob es weiter bei einer Isolation verbleiben und ruhig zusehen sollte, bis bie Katastrophe komme, falls sie kommen müsse, um bann hinterher aus bem allgemeinen Zusammenbruch bie paar Brocken zu retten, biss noch zu retten seien.

Amerika, so verlangte Welles, müsse alle fried­lichen Staaten ermutigen und dadurch zu einer friedlichen Lösung ber ernsten Probleme beitragen. Amerika müsse selbst so stark rüsten, daß es sein Land schützen und zusammen mit ben Nachbarn diesen Erdteil gegen Angriffe verteidigen könne. Amerika müsse seine Neutralitätsgesetz­gebung so abändern, daß es möglichst nicht in einen Krieg verwickelt werde, gleichzeitig aber die Vertreter der militärischen Eroberungsmethoden nicht ermutige, ober gar unterstütze. Amerika müsse

DasSorgenkind des englischen Kabinetts".

Britische Negierung auf gefährlichem Boden".

Sonöon, 7. Juni. (Europapreß.) Zur außen­politischen Lage nimmt am Mittwoch dieT i - m e s" Stellung. Das Blatt stellt u. a. fest, das englisch-polnische Verhältnis habe eine Konsolidierung erfahren. Aus dem Zwischenzustand ber gegenseitigen Deistandsversprechungen werde jetzt ein endgültiges und dauerhaftes Abkommen entstehen. Fortschritte nach dieser Richtung hin seien am Dienstag in den Gesprächen erzielt wor­ben, die ber polnische Botschafter Graf Raczyn - s k i mit Chamberlain und Lord Halifax über bie militärischen, wirtschaftlichen und finanziel­len Probleme des Abkommens geführt habe.

Das Blatt gibt bann zu, baß bie Verhandlungen mit Moskau das Sorgenkind des eng­lischen .Kabinetts find. Für den heutigen Mittwoch erwartet das Blatt eine auf die Berhanb- lungslage bezügliche Darstellung ber Regierung im Unterhaus. Von ben drei Punkten herrscht nur, wie bie Zeitung erklärt, über einen wirklich Einigkeit, nämlich über die Art, wie das Sowjetabkommen mit den Grundsätzen ber Genfer Liga in Einklang­gebracht werden soll. Ein weiterer Punkt bezieht sich auf ben Moskauer Wunsch, daß im Kriegsfälle kein Sonderwaffenstillstand bzw. -Friede geschlos­sen werben darf. Der Stein des Anstoßes bleibt die Moskauer Forderung nach einer G a - rantie ber baltischen Staaten, die ihre strenge Ablehnung gegenüber Beistanbs- verpflichtungen offen zu erkennen gegeben Haden. In diesem Zusammenhang wird besonders die fin­nische Erklärung alsüberraschende Wendung" be­zeichnet.

Daily Expreß" setzt seinen Feldzug gegen die Verhandlungen mit Sowjetrußland fort. Das Blatt schreibt u. a., die britische Regierung be­finde sich so lange auf gefährlichem Boden, wie sie die Verhandlungen mit Sowjetrußland fort­setze. lieber bie offene Sprache, bie berDaily Ex­preß" seit einigen Tagen gegenüber ben Verhand­lungen mit Sowjetrußland anroenbef, ist der mar­xistischeDaily Herald" natürlich sehr em­pört. Es sei eine große Gefahr, wenn man jetzt versuche, gegen die Verhandlungen mit Sowjetruß- lanb zu Felde zu ziehen und einfach behaupte, daß eine Einigung unmöglich fei. Grundsätzlich habe man sich bereits geeinigt (?). Man arbeite jetzt nur noch an Einzelheiten, und es bestehe daher kein Grund für Ungeduld ober Verzweiflung.

Gamelin in London.

Im Kriegsfall alleinigerDberbefehlshaber über Franzosen und Engländer.

London, 7. Juni. (DNB. Funkspruch.) General Gamelin, ber am Dienstag in London ein« traf, wird bis Freitag in London bleiben. Am Mittwoch besucht er zusammen mit Lord Gort die Militär sch ule in Sandhurst. Anschließend wird er ben Truppenübungsplatz Adlershot auf­suchen. Am Donnerstag veranstaltet die britische Regierung ihm zu Ehren ein Frühstück; abends findet im Unterhaus ein Essen statt. Freitag wird General Gamelin Unterredungen mit dem Verteidigungsminister Lord Chat­fi eld haben. Mittags veranstaltet Lord Gort ihm zu Ehren ein Abschiedsfrühstück, und nachmittags verläßt er London wieder.

lieber die Besprechungen berichtet ber diploma­tische Korrespondent berTimes", daß wichtige technische Probleme während des Besuches mit ihm erörtert werden müßten. Außerdem werbe man engNscherseits verschiedene Angelegenheiten vor» bringen und u. a. auch über bie neue Wehr­pflicht Bericht erstatten. Im Leitartikel begrüßt

bieTimes" ben Besuch ©amelins und erklärt u. a., durch derartige Besuche werde das gegenseitige Ver­trauen gestärkt. Das sei ein unschätzbarer Beitrag für die Wirksamkeit der gemeinsamenSicherheits­maßnahmen", d. h. also für die Einkreisung.

In beträchtlicher Ausmachung meldetDaily Mail" aus Paris, dort sei gestern erklärt worden- daß England sich grundsätzlich bereit er» klärt habe, daß im Kriegsfälle General Gamelin alleiniger Oberbefehlshaber der vereinigten französischen und britischen Streit­kräfte sein werde.

Eingeständnisse der pariser presse.

Paris, 7. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Be­suchsreise des französischen Generalissimus G a - melin nach London wind von der Pariser Presse am Mittwochfrüh mit einem aufschlußreichen Be­gleitkonzert unterstrichen. Dabei machen einige Blätter in Zusammenhang mit ben neuen militäri­schen Problemen, die ben französischen und bri­tischen Generalstäben gestellt seien, das unfreiwil­lige Eingeständnis, ganz offen von einem Pro­blem ber Koalition" lies Einkreisung zu sprechen.

So definiert beispielsweise die sowjethörige Zei­tungOrdre" dieses Koalitionsproblem mit fol­gender Formel: Verteilung ber Streitkräfte auf mehrere Kriegsfronten und damit in Zusammen­hang natürlich die Frage des Kommandos an den verschiedenen strategischen Punkten. DerE x e 1- sior" meint, daß die Besprechungen Gamelins mit den britischen Militärchefs das ganze weite Gebiet ber französisch-britischen Zusammenarbeit sowohl z u Haube, zu Wasser und in der Luft um­fassen werde. Diese Zusammenarbeit sei seit län­gerer Zeit schon in fester Weise hergestellt. Aber die Entwicklung ber internationalen Lage mache erneut Beratungen notwendig. (!) Im Lause seiner Lon­doner Besprechungen werde General Gamelin wahrscheinlich auf die Entsendung franzö­sischer und englischer Militarmissio- nen in bie verschiedenen Länder besprechen, denen die beiden Großmächte militärische Beistandsver­sprechen gegeben haben.

Wehrpflicht-Schwierigkeiten in England.

London, 6. Juni. (Europapreß.) Bei der Durch­führung ber Wehrpflicht haben sich bereits jetzt Schwierig feiten ergeben. Arbeitsminister Ernest Brown teilte im Unterhaus am Dienstag mit, daß von den Wehrpflichtigen, die im Sep­tember einberufen werden sollten, die Hälfte erst im Oktober eingezogen werden würde. Eine entsprechende Verschiebung würde im März nächsten Jahres eintreten. Die erste Gruppe von un­gefähr 34 000 Mann würde planmäßig am 1. Mi jur Mitte des Monats einberufen werden.

Oer Attentäter

gegen die Herzogin von Kent.

London, 6. Juni. (Europapreß.) Wegen des Attentats auf die Herzogin von Kent am Montagabend wurde der Täter, ber fünfunb« vierzigjährige Lebwedge Vincent Lawlor, am Dienstagnachmittag vor bem Polizeigericht vernom­men. Die bei bem Attentat anwesenden Polizei­beamten wurden gleichfalls verhört. Das Gericht verhängte einen Haftbefehl für die Dauer von zu­nächst acht Tagen. Bei dem Täter handelt es sich um einen gebürtigen Australier, ber in der letzten Zeit bei bem Neubau der Waterloo-Brücke beschäftigt war.