Nr. 32 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Dienstag, r.Februar 1939
Pradt und Verlag: VrSHIsche UniverstlStrdruckerei «.Lange in Sießen. Schristleitung und Seschäfttftelle: Schulftraß« 1
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Mittel einer friedlichen Beilegung des Konflikts zu betrachten, man ist entschlossen im 6«lle eines Scheiterns dieses Versuches die Frage °^ne_ und gegen den Mufti zu behandeln. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in diesem Falle öie arabischen Nachbarstaaten das englische Vorgehen mindestens durch Neutralität unterstützen wurden. 1 °
anderen Seite aber kann man sich vorstellen, daß sie im Konflikts falle, wenn eine Einigung zwischen den Palästinensern und Engländern unmöglich erscheint, jenen sehr aktuellen Interessen gegenüber !dem „Panarabischen" Ressentiment den Vorzug geben könnten.
Der Standpunkt der Z i o n i st e n, die vor allem Idurch Professor Dr. Weizmann (Manchester), Pro- jfessor Brodetsky (London), Ben Gurion und Scher- ttok (Jerusalem) vertreten sind, ist bekannt: Er stellt 8die völlige Umkehrung des Mufti-Programms Dar. Wichtig und von der Öffentlichkeit wenig bedachtet ist der Umstand, daß auch n i ch t z i o - m isti s che Vertreter der Jew.sh Agency hinzu- Zezogen sind, die sich in ihrer Auffassung zu den Zionisten — grob gesehen — etwa so verhalten, wie Vie arabischen Staaten zu den Arabern Palästinas. Unter den Nichtzionisten dürften auf der Konferenz 1 vor allem die britisch-jüdischen Vertreter, Lord Bear- sted und Neville Laski, zu einer besonderen Rolle i berufen sein. Obwohl die Gruppe, die sie repräsentieren, zahlenmäßig innerhalb des Weltjudentums wenig bedeutsam erscheint, so ist sie gesellschaftlich mit den maßgeblichen englischen politischen Kreisen W verbunden, daß ihr Einfluß auf die jüdischen Konferenzteilnehmer in der Richtung einer gewissen
I Mäßigung nicht unterschätzt werden darf.
Alles in allem rechnet man in London m i t weitgehenden Schwierigkeiten, die auf irr Konferenz auftauchen werden. Das geht schon lüraus hervor, daß man eine Dauer von mehreren Qochen ansetzt. London scheint die Konferenz als
Schiebung mit deutscher Südseekolonie.
Australien erwägt Verschmelzung des Neuguinea-Mandats mit dem Papuagebiet?
S y d n e y , 6. Febr. (DNB.) Nach einem Bericht aus Hobart, wo in dieser Woche eine Tagung des australischen Kabinetts stattfindet, soll Territorien- minister Harrison beabsichtigen, der australischen Bundesregierung vorzuschlagen, unverzüglich einen Ausschuß für die Prüfung der beabsichtigten Verschmelzung des Neuguinea-Mandats und des Papuagebiets zu ernennen. Beide Gebiete — bei dem Neuguineagebiet handelt es sich um das alte deutsche Schutzgebiet Kaiser-Wilhelm-Land — sollen nicht nur administrativ, sondern auch territorial eine Einheit bilden. Harrison halte eine solche Verschmelzung nicht nur für die Derteidiaung (!), sondern auch für die bessere wirtschaftliche Entwicklung für notwendig und weise darauf hin. daß Australien auf Grund des Mandats ermächtigt sei, das Mandatsgebiet als „integralen Teil des Commonwealth" zu verwalten. Nach der Verschmelzung werde die Einrichtung eines einheitlichen Kolonialdienstes für Nordaustralien sowie für das vereinigte Neuguineamandat und das Papuagebiet ermöglicht. Drastische Arbeitölosenkundgebungen
in London.
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Wir Deutsche wissen aus einer eigenen schmerzlichen Geschichte, wie lange es gedauert hat, bis der Reichsgedanke über den Stammesgedanken siegte, ja, wir leiden heute noch da oder dort an einem Zwiespalt zwischen den landmannschaftlichen Einflüssen. Wir verstehen daher auch sehr wohl die Problematik des jugoslawischen Nachbarstaates die deshalb jetzt so empfindlich stark die Szene' beherrscht, weil der junge König noch minderjährig ist und von der Regentschaft begreiflicherweise keine endgültigen Entscheidungen von w-ütttagender Bedeutung erwartet werden können. Schon eine nahe Zukunft wird zu zeigen haben, ob vielleicht durch Verhandlungen hinter den Kulissen ein Ausgleich zwischen Serben und Kroaten soweit vorbereitet ist, daß bald eine tragfähige Grundlage für eine gesetzliche Regelung gefunden werden kann In diesem Fall wäre mit einer baldigen Anteilnahme der Kroaten an den Beratungen der Skuptschina in Belgrad zu rechnen, die sie seit langen Jahren gemieden haben. Dr. Ho.
Auch Dr. Stojadinowitsch, der jetzt so plötzlich durch eine Bewegung aus den Reihen seiner eigenen Partei gestürzt wurde, hat sich um diesen Ausgleich bemüht, genau so wie eine Reihe früherer südslawischer Minlsterpräsidenten und in erster Linie König Alexander selbst, der im Oktober 1934 in Marseille ermordet wurde. Wir können hier nur in rohesten Umrissen die Elemente dieses Pro- blems umreißen. Sie Kroaten sind römisch-katho- "fch und schreiben die lateinische Schrift. Ihre gewerbliche und landwirtschaftliche Leistung gleicht sich den mitteleuropäischen Maßstäben weitgehend an. Ihr kulturelles Leben war durch lange Jahrzehnte entscheidend von Wien beeinflußt. Die Serben gehören der griechisch-orthodoxen Kirche an, schreiben das cyrillische Alphabet und haben unter der jahrhundertealten türkischen Herrschaft einen harten Kampfgeist entwickelt. Komplizierend wirkt ober noch der Einfluß des Islams in Bosnien. Die Zahl der Mohammedaner beträgt 1,35 Millionen. Diese Mohammedaner sind aber bis auf einige Volkssplitter in Südserbien keineswegs „Türken", sondern Jugoslawen, die in der Zeit der Türkenherrschaft zum Islam übergetreten waren. Das Kroatische und das Serbische sind als Sprachen eng miteinander verwandt; das gilt insbesondere von öer Schriftsprache, die die lebhaftesten Antriebe von Ragusa, dem heutigen Dubrovnik, erhielt, das als Stadt am Meer südeuropäischen Einflüssen zugänglich war.
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Nr. Ley in London.
Die Tagung des Komitees „Freude und Arbeit" wird durch Chamberlain eröffnet.
London, 6. Febr. (DNB.) Die Tagung des Internationalen Beratungsausschusses des W elt- ko n g r c s s e s „F r e u d e u n d A r b e i t" in London wurde durch Ministerpräsident Chamber- o"’? eröffn. In dem Beratungsausschuß sind 22 Lander vertreten. In erster Linie sollen die notwendigen Vorbereitungen für den nächsten Weltkongreß im Jahre 1940 getroffen werden. Deutschland ist durch Reichsleiter Dr. Ley vertre- öer gleichzeitig Präsident des Internationalen Zentralburos ist.
Ministerpräsident Chamberlain beschäftigte sich in seiner Begrüßungsansprache mit der Frage der Freizeitgestaltung. Die Verlängerung der Freizeit für den Arbeiter bedeute, daß man Organisationen schaffen müsse, um immer mehr Menschen an der Erholung.nicht nur als Zuschauer teilnehmen zu lassen. Die Ausspannung könne verschiedene Formen annehmen, wobei die geistige Entspannung ebenso wichtig sein könne wie die rein körperliche Erholung. Es habe in der ganzen Ge-
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3uflofiai»ien5neue$efliemn6 . Die Liste der neuen jugoslawischen Minister trägt em untrügliches Kennzeichen der Eigenart der letzten Krise: Gerade bei den Ministern, die mehr in- nen- als außenpolitische Bedeutung haben, wird nannich in jedem einzelnen Fall angegeben, aus welchem Teil Jugoslawiens der Minister stammt, z^B. also aus Nord-Bosnien oder dem Banat oder süd-Serbien oder Dalmatien oder Montenegro usw. Diese Betonung der landsmannschaftlichen Z u s a m m e n s e tz u n g des neuen Kabinettes zeigt, daß schon bei der Auswahl der einzelnen Minister der Wme mitgesprochen hat, alle Landschaften des Staates zu berücksichtigen. Besonders stark sind in öer Regierung vertreten Slowenien, Bosnien und Dalmatien, offenbar, weil von den Minister dieser Landschaften eine gewisse vermittelnde Rolle zwischen Kroaten und Serben erwartet »wird. Denn der eigentliche Ursprung des neuen Kabinettes ist der Versuch, wieder einmal einen „A u s g l e i ch" zwischen Serben und Kroaten herbeizuführen.
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Englands Lage in einem Festlandskrieg
Außerordentliche Schwierigkeiten für die Entsendung einer britischen Expeditionsarmee.
schichte noch keine Generation so viel Interesse an diesen Fragen und auch an der Frage der rechten Ausnutzung der Freizeit genommen wie die jetzige. Wenn England auch ein Jnselvolk sei und sich früher oft seiner Isolierung gerühmt habe, so sei es doch richtig, daß das englische Volk niemals mehr Wert aus internationale Beziehungen gelegt habe als heute. Die Nationen verwendeten viel' zu viel Zeit darauf, Gegensätze zu erörtern, und daher sei es besonders befriedigend für ihn, so meinte Chamberlain, daß jetzt einmal ein Punkt erörtert werde, in dem allgemeine Uebereinftimmung bestehe. ' *
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Jugoslawiens neuer Außenminister.
Der neue jugoslawische Außenminister Dr. Alexander C i n c a r - M a rk o w i t s ch ist 1889 in Belgrad geboren. Er spezialisierte sich nach abgeschlfs-neni Rechtsstudium in Belgrad noch an den deutschen Universitäten in Freiburg, München und B e r l i n. Den Weltkrieg machte er als Reserveoffizier mit und wurde mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Anfang 1918 trat er in den diplomatischen Dienst ein. Er war der erste jugoslawische Konsul in Zara, der italienischen Enklave an der dalmatinischen Küste, dann leitete er bas Gene-
Beginn Öer Palästina-Konferenz
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
London, 7. Febr. (DNB.) Die Londoner Arbeitslosen setzten am Montagabend die Reihe ihrer drastischen Kundgebungen fort. Diesmal hatten sie sich die Halle des Grosvenor-Hotels ausgesucht, in dem gerade ein Essen stattfand, an dem der Luftschutzminister Sir John A n d e r \ o n teil» nahm. Die Arbeitslosen legten sich in der Halle des Hotels auf den Boden nieder und verlangten im Sprechchor, mit dem Minister zu verhandeln. Dann wiederholten sie immer wieder im Chor: „Anderson futtert, während wir hungern!" Als Polizei erschien, schrien sie: „Frauen und Kinder werden im nächsten Krieg hingemetzelt werden." Die Polizei konnte nur schwer mit den Arbeitslosen fertig werden, da sich die Liegenden nicht nur aneinander sestklammerten, sondern sich zum Teil auch an den in der Halle befindlichen Gegenständen festhielten. Eine zweite Kundgebung fand zur selben Stunde vordemSavoyhotel statt, in dem ein Staatsempfang zu Ehren des Internationalen Weltkongresses „Freude und Arbeit" stattsand, »
VMader Prognosen für ZweikowM.
Belgrad, 6. Febr. (DNB.) Die Regierung Zwetkowitsch wird sich voraussichtlich am Donnerstag der Skupschtina vorstellen. Dienstagvormittag soll auf Antrag von 184 Abgeordneten der graf'- tionsvorsitzende der Jugoslawisch-Radikalen Gemeinschaft gewäblt werden. Man erwartet, daß der Parteiführer Dr. Stojadinowitsch gewählt werden wird, nachdem der jetzige Minister» Präsident Zwetkowitsch in der letzten Skup- schtina diesen Posten inne hatte. In einer Mittei» lung von Regierungsseite heißt es, daß die Regierung Zwetkowitsch ein Arbeitskobinett sei, und zunächst die Aufgabe habe, den am 1. April in Kraft tretenden Haushaltzu sichern. Weiter wird daran erinnert, daß die Regierung Zwetkowitsch aus der Jugoslawisch-Radikalen Gemeinschaft beroorgegangen fei, der 14 non ihren 18 Mitgliedern angehörten. Außerdem wird auf die Porteiämter des M i n i st erst r ä s id e n t e n verwiesen. So hat es den Anschein, daß die Regierung Zwetkowitsch eine bestimmte Frist ungestört wird arbeiten können. Die entscheidenden Faktoren für ihren Bestand dürsten das Vertrauen des Prinzregenten Paul und ihre Erfolge bei der Lösung der kroatischen Frage sein.
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Frankreich „tief befriedigt".
P oris, 7. Februar. (Europapreß.) Die Pariser Morgenblatter bringen in großer Ausmachung die Erklärung Chamberlains über die französisch-englische Solidarität. Sie betonen, daß man in Paris oon dieser Erklärung „tief befriedigt" fei. Die Erklärungen Chamberlains seien um so nützlicher, als Frankreich infolge feiner geographischen Lage gezwungen sei, die s p a n i s ch e n F l ü ch t l i n g e auf seinem Boden aufzunehmen. Chamberlain habe, ohne jemand zu nahe zu treten, zu verstehen gegeben, daß England mit all seiner Kraft im Falle der Gefahr auf feiten Frankreichs stehe. Die Lage sei daher vollkommen klar.
. abs. London, 6. Februar 1939.
Dte verschiedenen Versuche, die seit dem Ausbruch der palästinensischen Unruhen im Frühjahr 1936 gemacht worden sind, das verworrene Problem des Heiligen Landes einer konstruktiven Lösung zuzu- sühren, sind bisher ebenso zahlreich wie ergebnislos gewesen. So ist nichts verständlicher als einige Skepsis gegenüber der Londoner Palästina-Konferenz, die am 7. Februar beginnt. Diese Zurückhaltung scheint nicht zuletzt auch ihre Rechtfertigung zu finden in dem innerarabischen Zwist, der in den letzten Wochen anläßlich der Frage der Zusammensetzung der palästinensisch-arabischen Abordnung in einer so peinlichen Weise die an sich uralten Differenzen zwischen den großen Sippen der Na- schaschibis und der Husseinis bloßlegte.
Bei allem wohlbegründeten Mißtrauen muß man aber dennoch zugeben, daß bisher fein Versuch auf einer so breiten Grundlage unternommen worden ist, das Problem zu meistern, wie die Londoner Konferenz. Wenn man einmal von dem organisatorisch recht bedenklichen Umstand, daß die Engländer mit den Aarabern und den Juden getrennt verhandeln, absieht, so ist die gegenwärtige Konferenz der erste Versuch, nicht nur die unmittelbar Beteiligten, nämlich außer den Engländern die Palästina- Araber und die Zionisten, zu einer gemeinsamen Aussprache zu bringen, sondern darüber hinaus auch Vertreter jener arabischen und jüdischen Gruppen deren Schwergewicht nkcht in Palästina selbst gelegen ist. Gerade hierdurch aber wird der gegenwärtige Versuch vielleicht der eigentlichen Sachlage gerechter als die bisherigen: denn letzten Endes liegen die Grenzen des Palästina-Problems weder am Jordan, noch am Mittelmeer
Eine einigermaßen sichere Prognose über den Ausgang der Konferenz ist gewiß unmöglich. Doch vermag ihre Zusammensetzung andererseits nicht unwichtige Hinweise zu vermitteln über die Verteilung der Kräfte, die für diesen oder jenen Vorschlag zu aktivieren sind. Der Standpunkt des Vertreters des Muftis und der Jstiklal-Partei ist hinreichend bekannt. Er ist identisch mit den Kampf- jiclen der arabischen Freischärler und lauft auf die sofortige und endgültige Beendi- au na der jüdischen Einwanderung, die A u f h e b u n g d e s M a n d a t s und den Abschluß ^ues Bündnisvertrags zwischen einem u n - abhängigen arabischen Palästina und Groß- britanmen hinaus. Die Forderungen der Naschaschi- bis (Nationale Verteidigungs-Partei), die einen großen Teil des arabischen Grundbesitzes, der arabischen Beamtenschaft und der Orangepflanzer vertreten, weichen an sich nicht erheblich von jenem Programm ab. Auf der anderen Seite aber weiß man, daß sie eher zur Diskussion dieser Grundsätze bereit sind als ihre innerarabischen Gegner, und daß diese Bereitschaft lediglich durch die Drohungen des Mufti-Kreises gezügelt wird.
Mit der Teilnahme Transjordaniens, Aegyptens, Iraks, Saudi-Arabiens und des Jemen hat die arabische Sache in London eine Hilfe gefunden, die nicht in jeder Hinsicht alle Zweifel auszuschließen geeignet ist. So sehr auch dem Mufti und seinen Gesinnungsfreunden das Gefühl einer allgemeinen arabischen Verbundenheit auf der Konferenz zugute kommen mag, das jene Vertreter der arabischen Sache Palästinas zweifellos entgegenbringen, so ist auf der anderen Seite ihre Haltung England gegenüber doch wesentlich positiver, als dies den Arabern Palästinas unter den gegenwärtigen Umständen möglich ist. Die Furcht vor der politischen Aktivität der Türkei, die das Arabertum bereits Alexandrette gekostet hat, und die Spannung am Mittelmeer seit dem abessinischen Kriege haben die Interessen der selbständigen arabischen Staaten ungewöhnlich eng an England gebunden, eine Tatsache, die der Lärm der Bomben und Schüsse in Palästina häufig übersehen läßt. Ohne Zweifel werden die Vertreter dieser Staaten beftrebt fein, ihr Gefühl arabischer Verbundenheit Palästina gegenüber mit ihren außenpolitischen Interessen möglichst weitgehend parallel zu halten. Auf der
gung.
Für (E n glaub kämen besondere Schwierigkeiten hinzu. Die Größe einer Expeditionsarmee hänge von der Zahl der Schiffe ab, die. England für den Transport zur Verfügung stellen könne, ohne den Bestand der Flotte zu gefährden. Es würde eine Verrücktheit sein, Englands Militärmacht zu Lande auf Ko st en seiner Seemacht zu vergrößern. Da die Verteidigung gegen Luftangriffe heute für England äußerst wichtig sei, könne England es sich nicht leisten, die Luftverteidigung durch ein weitgehendes Eingreifen in einen Landkrieg zu schwächen. Außerdem bedinge eine Verstärkung des Landheeres auch eine Verstärkung der Luftwaffe und eine stärkere inanzielle Belastung. Schließlich aber seien die Ge- ahren für die Zufuhr von Brennstoffen und Munition, von der'die Schlagkraft moderner Armeen abhänge, heute bedeutend erhöht. Durch die Unterhaltung einer britischen Armee auf Kontinent würde dieses Gefahrenmoment nur größer und wesentlicher.
Die kknlisch-sranzösifche ?ntereffengememschaft.
London, 6. Febr. (DNB.) Premierminister Chamberlain erwiderte auf die Anfrage eines Labour-Abgeordneten, die Kammererklärung Bonnets vom 26. Januar besage, daß im Falle eines Krieges, durch den beide Länder bedroht würden, alle Streitkräfte Großbritanniens Frankreich zur Verfügung stehen würden, ebenso wie alle Streitkräfte Frankreichs England zur Verfügung stehen würden. Das entspreche völlig den Ansichten der britischen Regierung. Wenn es auch unmöglich sei, im einzelnen alle sich etwa ergebenden Möglichkeiten zu prüfen, so sehe er, Chamberlain, sich doch verpflichtet, klarzustellen, daß die Interessengemeinschaft, die Frankreich und England verbinde, derartig sei, daß jede Drohung gegen d i e Lebensinteressen Frankreichs, von welcher Seite sie auch käme, die sofortige Zusammenarbeit Englands auslösen müsse.
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Dr. Ley dankte zunächst für den herzlichen Empfang. Dann führte er aus: „Die Idee, Freude und Arbeit, ist ein Teil meines Lebenswerkes. Ich freue mich, daß auch unser italienischer Kamerad Bupp etti mit uns auf gleichem Wege tätig ist. Wlr wollen den schaffenden Menschen Sonne in den Alltag bringen! Wir haben natürlich alle in dem Land, dos wir hier vertreten, eine Fülle o°n ^beit, so daß die Freizeit nicht immer sehr groß ist. Aber gerade diese Tatsache sollte uns alle veranlassen, die nach der Arbeit verbleibende Zeit >o auszunutzen, daß sie uns möglichst viel Kraft ver- Mittelt. Dr Ley erinnerte an die Freizeitkongresse m Los Angeles, in Hamburg und in Rom und gab Der Ueberzeugung Ausdruck, daß auch die Sitzung des Internationalen Beratungsausschusses zum Segen der schaffenden Menschen aller Völker verlaufe.
Anschließend erstattete Generalsekretär Dr M a n- t h e y den Tätigkeitsbericht über den Stand der Freizeitarbeit und über die Aufgabenstellung des Zen- tralbüros. Dann begaben sich die Teilnehmer in den
County Cricket and Sports Club, wo sie von ^^berdare, dem Vorsitzenden des englischen Ausschusses für Leibesübungen, empfangen wurden.
Savoy-Hotel ein Empfang der britischen Regierung zu Ehren des Internationalen Beratungsausschusses statt, bei dem der britische Ge- sundheitsminister Elliott den Vorsitz führte
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London,?. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der Militärkorrespondent der Times legt die Schwierigkeiten dar, die sich für die Entsendung einer britischen Armee nach dem Kontinent im Falle eines Krieges ergeben würden. In einem Rückblick auf den Weltkrieg stellt der Korrespondent zunächst fest, daß England noch nie unter so günstigen Bedingungen in einen Krieg gezogen sei als 1914. Keine Bedrohung öer britischen Inseln aus der Luft und materiell und aeographisch bessere Lage der Flotte, stärkere wirtschaftliche Lage, stärkere Verbündete — das sei heute a lies anders. Die Idee einer unbe
grenzten militärischen Anstrengung sei für England undurchführbar und graue Theorie. Ebenso sei der Gedanke eines absoluten Sieges durch völlige Entwaffnung eines Feindes lediglich eine Spekulation, roie die Kriege in Spanien und China bewiesen. Die moderne Verteidigung werde ein furchtbares Abschreckungsmittel gegen angreifende Truppen fein. Hinzu komme, daß die Industrie nur schwer mit dem ungeheuren Verbrauch an Kriegsmaterial Schritt halten könne. Schon daraus ergebe sich eine allgemeine Grenze für eine militärische Anstren-
Gießener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für (Dberliefjcn


