Nr. 6 Erstes Matt
189. Jahrgang
Samstag. 7./§onntag. «.Januar 1939
Erfchemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatier Heimat >m Bild Die Scholle
Monatr-Vezugsprets:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für ^rahtnach» richten Anzeiger Sietzen postscheclionto:
Sronlfurt am Main 11686
Gietzemr Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitätsdruckerel R. Lange in Gießen. Schristlettung und Geschüftrstelle: Schulftraße 7
Annahme von Snzetqrn für die Mittagsnummer bis 8* /,Uhr des Dormittags
Grundpreise für l mm Höhe für Anzeigen von 22 mm
Breite 7 Rps., für Text« anzeigen vori 70 mm Breite bORpf.,Plahoorschrift nach vorh Dereinbg.25"^ mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-. Vereins», gemeinnützige Anzeigen iowie einspaltige Gelegenheitsanzei» gen 5 Rpf.. Familienanzeigen. Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen ORpf. Mengenabschiüsfe Staffel 8
Amerikas Land Heer.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
K. G. S. Neuyork, Dezember 1938.
Die beiden Umstände, daß Amerika keine allgemeine Wehrpflicht kennt und daß ein gewichtiger Teil der Abgeordneten in beiden Häusern des Bundesparlaments keine Freunde eines großen Wehrmachtsbudgets sind, zwingen die leitenden Armeestellen, häufia Reden an das Volk zu halten, in denen die Bedürfnisse der Heeresleitung geschildert und die Leistungen der Armee gepriesen werden. Einer Rede des Obersten Chaffee vom amerikanischen Generalstab entnehmen wir folgende Angaben:
Die amerikanische Armee besteht aus dem regulären Heer, der Nationalgarde und der Referoe- formation. Die reguläre Armee ist ein kleines Berufsheer von 12 300 Offizieren und 162 000 Mann. Hiervon tun aber nur 90 000 Mann wirklichen Militärdienst innerhalb der Vereinigten Staaten, und zwar einschließlich des Fliegerkorps. Don der Gesamtsumme sind 44 000 Mann in den ausländischen Besitzungen (Panama, Hawai und Philippinen) stationiert und etwa 38 000 Mann innerhalb Amerikas als Ordonnanzen oder im Verwaltungsdienst beschäftigt. Die N a t i o n a l g a r d e, die aus der Miliz der Einzelstaaten besteht, hat einen Bestand von 200 000 Offizieren und Mannschaften und kann im Kriegsfälle innerhalb von 30 Tagen an die Front gehen. Die organisierte Reserve besteht fast ausschließlich aus Reserve- vffizieren in einer Stärke von etwa 94 000 Mann. Diese Offiziere sind nicht gus dem regulären Heer hervorgegangen, sondern haben in vierjährigen Sommerkursen während ihrer Universitätsausbildung militärische Schulung erhalten. Anschließend werden sie jedes Fahr 3U zweiwöchigen Hebungen eingezogen. Man sieht hieraus, daß im Kriegsfall Amerika nur mit einem kleinen Heer den Kampf beginnen könnte und daß die große Masse erst nach Kriegsausbruch ausgehoben und ausgebildet werden kann. Ein zur Zeit im Bundeskongreß schwebendes Gesetz ermächtigt den Präsidenten, b e i Kriegsausbruch d i e allgemeine Wehrpflicht für alle Männer zwischen dem 21. und 31. Lebensjahre zu proklamieren.
Unter dem Präsidenten als Oberstkommandieren- dem und dem Kriegsminister steht der General- ft a b mit vier Abteilungen: 1. Personal, 2. Nachrichtendienst, 3. Truppenamt, 4. Waffenamt. Daneben steht eine kleine Kriegsplanungs-Abteilung. Die Armeeflieger unterstehen direkt dem Chef des Generalstabes. Geographisch ist die Bundesarmee in 9 Armeekorps auf dem Kontinent und 3 in Ueberfee (Panama, Hawai und Philippinen) eingeteilt. Fedes Korpsgebiet soll im Kriegsfall eine Armeedivision, zwei 'Nationalgarde-Divisionen und drei Reseroedivisionen aufstellen.
Auch in der amerikanischen Armee bildet d i e Infanterie das Rückgrat des Heeres. Der amerikanische Infanterist ist mit einem halbautomatischen Gewehr ausgerüstet, das fünfmal so schnell schießen kann wie' das im Weltkrieg benutzte Springfield-Gewehr. Feder achte Mann trägt das automatische Browning-Gewehr, die leichteste und tragbarste Art des Maschinengewehrs. Außerdem ist jeder Infanterist mit Stahlhelm, Gasmaske und Bajonett ausgerüstet. Eine Kompanie besteht aus 120 Mann. Das Bataillon besteht aus drei Gewehrkompanien und einer Maschinengewehrkompanie. Die Maschinengewehre sind der sogenannte 30-Kaliber-Browning-Typ. Fede Maschinengewehrkompanie eines Bataillons hat 12 solcher Maschinengewehre. Das Regiment besteht aus drei Bataillonen und einer Artillerie-Kompanie. Letztere hat 37-Millimeter-Tankabwehrgeschütze und 50= Kaliber-Fliegerabwehrmaschinengewehre sowie den 81-Millimeter-Mörser für Rauchschleier oder Sprengungen. Zu dem Regiment gehören außerdem die Nachrichtenabteilung und Lastwagen für Verpflegung und Munition.
Die Fnfanteriebrigade besteht aus zwei oder mehr Regimentern, und die Division wird gebildet aus einer ober mehr Brigaden mit Zusatz von Feldartillerie und Pionieren sowie anderen benötigten Truppenteilen. Ein großer Teil der Infanterie ist im Laufe der letzten Fahre motorisiert worden. Das Armeekorps umfaßt mehrere Divisionen mit zusätzlicher Artillerie, Tanks, Pionieren und Beobachtungsflieger. Die höchste Einheit ist die Armeegruppe, die aus mehreren Korps mit Artillerie, Kavallerie, Flugzeugen und den sonstigen Waffengattungen besteht und so organisiert ist, daß sie auf irgendeinem Kriegsschauplatz völlig unabhängig operieren kann. Die oben geschilderte Infanterie-Division hat eine Brigade Feldartillerie. Die F e l d a r t i l l e r i e ist ebenfalls in Bataillone und Regimenter eingeteilt. Die kleinste Einheit ist eine Batterie von vier Geschützen. Hauptsächlich wird das 75-Millimeter-Geschütz, eine Verbesserung des gleichkalibrigen französischen Geschützes benutzt. Außerdem werden Haubitzen und Mörser benutzt, und zwar die 105-Millimeter-Hau- bitzen und 240-Millimeter-Morser. Bei den Kanal leriedivisionen werden die erheblich beweglicheren 75-Millimeter-Haubitzen auf Packpferden ober Maultieren mitgeführt. Die F l u g w a f f e des Heeres ist, wie überall, in vier Typen eingeteilt: Beobachtung, Angriff, Verfolgung und Bombardierung. Die neuesten Typen haben soeben tn Rekordzeit einen Demonstrationsflug nach Buenos Aires und zurück ausgeführt. Das amerikanische Kriegsministerium hofft bis 1940 die Zahl der Flugzeuge auf 2320 gebracht zu haben Hierzu werden 2368 Offiziere, 25 728 Mann und 740 Flugkadetten benötigt. Das Ministerium ist sich klar darüber, daß die bei der zivilen Luftfahrt ausge
bildeten und beschäftigten Flieger eine wertvolle Reserve bilden, aber nicht in großem Umfang zum Kriegsdienst herangezogen werden können, denn gerade im Kriegsfall werde man im Inland viele schnelle Flugzeuge für den Transport wichtiger Personen oder wichtigen Materials benötigen. Außerdem könnte die zivile Luftflotte, ähnlich wie die Handelsmarine, als eine Art Hilfskreuzer eingesetzt werden. Man weist hier darauf hin, daß General Franco, der nur 12 Transportflugzeuge zur Verfügung hatte, innerhalb von zwei Monaten 18 000 Mann mit Maschinengewehren und sonstiger Ausrüstung von Nordasrika nach Spanien befördern
konnte. Fedes Flugzeug beförderte 32 Mann und machte zwei Flüge täglich.
Schließlich braucht die amerikanische Armee eine großzügige Planung von Vorräten für den Kriegsfall. Bekanntlich gibt es in Amerika weder Mangan noch Chrom, Antimon, Zinn, Gummi, Seide und andere wichtige Rohstoffe, die sowohl für die Flugzeugfabrikation wie für andere Armeezwecke dringend benötigt sind, aber jeweils aus Ueberfee importiert werden müssen. Ein dem Bundeskongreß vorliegendes Gesetz ist dazu bestimmt, größere Vorräte von diesen kriegswichtigen Rohstoffen in Amerika zu speichern sowie eine größere Anzahl von in Friedenszeiten nicht mit Kriegsmaterial beschäftigten Fabriken mit Formeln und Modellen zu versehen, die bei Kriegsausbruch den alsbaldigen Beginn der Fabrikation dieser Dinge ermöglichen sollen.
Zwei AeujahrsboWasten.
Schon die erste Woche des neuen Jahres hat in aller Deutlichkeit eine Reihe von politischen Problemen aufgezeigt, mit denen sich die Welt auf die eine oder andere Weise wird auseinandersetzen müssen. Für das deutsche Volk stand am Eingang zum neuen Fahr die Silvesterbotschast des Führers. Sie ging von der stolzen Feststellung aus, daß es in Den hinter uns liegenden zwölf Monaten gelungen ist, das größte Problem unserer außenpolitischen Lage zu lösen durch die Errichtung des Großdeutschen Reiches, das alle im mitteleuropäischen Raum geschlossen siedelnden Deutschen in einem Staat und unter einer Führung vereinigt. Der genialen Staatskunst des Führers gelang diese kühne Tat, weil er in den oorauegegangenen Fahren zielbewußt die Voraussetzungen dazu geschaffen hatte: eine auf die nationalsozialistische Weltanschauung gegründete neue Volksgemeinschaft, ein unerschütterliches politisches Regime und eine starke Wehrmacht. Daraus ergeben sich mit zwingender Logik die Aufgaben, die dem deutschen Volk für die Zukunft gestellt sind: Die Erziehung unseres Volkes zur nattonalsozialistischen Gemeinschaft ist eine Aufgabe, die niemals beendet wird, denn der Gemeinscyaftsgedanke will ständig geübt sein, wenn er den unlöslichen Kitt eines großen Volkes bilden soll, der es, in zielbewußt ausgerichteter Arbeit verbunden, zu höchsten Leistungen und, wenn es nottut, auch zu äußerstem Einsatz befähigt. Aufbau und Verstärkung unserer Wehrmacht verdienen weiterhin unsere ganze Aufmerksamkeit, denn mir wissen aus den Erfahrungen unserer tausendjährigen Geschichte, daß nur ein stets bereitgehaltenes scharfes Schwert die weit gespannten, fast nirgends natürlich geschützten Grenzen des Reiches sichert und, wie es uns das verflossene Fahr erst wieder eindringlich gelehrt hat, allein die Gewähr bietet, Ehre und Lebensinteressen der Nation zu verteidigen. Und schließlich nannte der Führer als dritte Aufgabe die Durchführung des D i e r j a h r e s p l a n s, der die Freiheit des deutschen Volkes auf wirtschaftlichem Gebiet sichert. Das Problem des Mangels an Arbeitskräften, namentlich an Facharbeitern — noch vor einem Jahrfünft im Zeichen des Millionenheeres von Erwerbslosen schier undenkbar — ist heute geradezu zum Angelpunkt unserer Wirtschaftspolitik geworden. Planmäßiger Arbeitseinsatz, wohldurchdachte Rationalisierung der Produktion und ihrer Methoden, Ausbildung eines hinreichm- den Nachwuchses an Facharbeitern auf allen Gebieten find dringende Maßnahmen, die mit aller Energie durchgeführt werden müssen, um so mehr, als die wirtschaftliche Eingliederung der neuen Reichsgebiete, die ja durchweg trotz dem Vorhandensein einer strebsamen Bevölkerung und reicher Naturschätze in völlig desorganisiertem, ausgepowertem und notleidendem Zustand zu uns gekommen sind, uns vor Aufgaben gestellt hat, deren Lösung die äußerste Anspannung aller Kräfte fordert.
So sollte schon dies kaum übersehbar weite und vielseitige innerpolitische Arbeitsfeld, das vor dem deutschen Volke liegt, ängstlichen Gemütern tn aller Welt den Gedanken rauben, als ob Deutschland auf der Suche nach neuem außenpolitischem Lorbeer den Weltfrieden bedrohen könnte. Der Führer hat die Grenzen der außenpolitischen Interessen des Reiches in aller Offenheit abgesteckt. Und er hat in seiner Neujahrsbotsckaft erneut erklärt, daß der Platz Deutschlands bestimmt und feftgelegt sei. „Die Verpflichtungen", so sagte er, „die aus unserer Freundschaft für das faschistische Italien erwachsen, sind uns klare und unverbrüchliche." Die bereits in München unterzeichnete deutsch-englische Erklärung, wie die noch im Dezember zustandegekommene deutsch-französische Hebereinkunft sind der beste Beweis dafür, daß Deutschland auch in seiner neugewonnenen Machtstellung den Frieden solange zu bewahren wünscht, wie ‘es mit seiner Ehre und seinen nationalen Lebensinteressen zu vereinbaren ist. Wir kennen nur einen grundsätzlichen Feind: den jüdischen Bolschewismus als Feind jeder menschlichen Gesittung und völkischen Ordnung. Deshalb ist nach wie vor unsere politische Einstellung im politischen Weltraum bedingt durch den Antikominternpakt. „Im übrigen aber", so erklärte der Führer, „haben wir immer nur den einen Wunsch, daß es auch im kommenden Jahr gelingen möge, zur allgemeinen Befriedung der Welt beizutragen." Die deutsch-englischen Marinebesprechungen über die Durchführung dec Klausel des deutsch-englischen Flottenabkommens, die Deutschland das Recht einräumt, sein Bauprogramm für schwere Kreuzer und H-Boote zu erhöben, ohne daß damit bas Verhältnis der Gesamttonnage von 35:100 zwischen der deutschen und britischen Flotte geändert wird, zeigten erneut, daß Deutschlands Wehrpolitik ausschließlich von seinem Sicherheitsbedürfnis diktiert ist und sich streng an die vertraglich übernommenen Verpflichtungen hält.
Kann es eine schärfere Diskrepanz in Grundauf- fasiung und politischer Methode geben, als zwilchen dieser Neujahrsbotschaft des F ü h r e r s die sich bet aller Offenheit und Klarheit streng an den nationalen Jnteressenkreis be« beutschen Volkes hält unb der letzten Kongreß-Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die statt den Staats- Haushaltsvoranschlag zu begründen, was ihr eigentlicher Zweck gewesen wäre, ganz auf die Außenpolitik abgestellt war und von beleidigenden Angriffen auf die autoritären Staaten nur so strotzte. Damit hat der schon Monate hindurch vornehmlich gegen das nationalsozialistische Deutschland geführte Agitationsfeldzug seinen Höhepunkt erreicht. Roosevelt selbst, Staatsoberhaupt unb Regierungschef ber Vereinigten Staaten in einer Person hat sich nicht für zu gut gehalten, mit gröblichen Verleumdungen
polens Außenminister beim Führer.
Besprechung mit dem Reichsaußenminister in München.
München, 6. Jan. (DNB.) Der in München weilende polnische Außenminister Oberst Beck begab sich am Freitagvormittag um 12.30 Hhr mit dem Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop zu einer Besichtigung des Führerbaues und von dort aus in das Haus der Deutschen K u n st zu einem Rundgang durch die Deutsche Architekturausstellung, wo anschließend das Mittagessen eingenommen wurde. Am Nachmittag fand eine Besprechung zwischen Reichsaußenminister von Ribbentrop und dem polnischen Außenminister Beck im Hotel Vier- jahreszeiten statt. Um 19.30 Hhr gab der Reichsaußenminister zu Ehren des polnischen Gastes im Hotel Vierjahreszeiten ein Abendessen, an dem der polnische Botschafter in Berlin, Lipski, der Kabinettschef des polnischen Außenministers, Graf Lubienski, Reichsstatthalter General Ritter von Epp, Reichsleiter Oberbürgermeister F i e h l e r, der deutsche Botschafter in Warschau, von Moltke, der Ches des Protokolls, Gesandter Freiherr von Doernberg, und die Herren der Begleitung des polnischen Außenministers sowie die den Reichsaußenminister begleitenden Herren teilnahmen.
Der polnische Außenminister hat am Freitagabend 22.30 Uhr München wieder verlassen. Zu seiner Verabschiedung hatten sich auf dem Münchener Hauptbahnhof Reichs- außenminister v. Ribbentrop, der deutsche Botschafter in Warschau v. Moltke und ber Chef bes Protokolls Gesanbter Freiherr von Doernberg sowie Reichsleiter Oberbürgermeister Fi eh l er einge- sunben. Der polnische Außenminister trat bie Weiterreise in Begleitung bes Berliner Botschafters Lipfki an.
I«: 1
1 II
Ulfe
/
MH
N&V- - % Ä - - 7;
M M M
■
W
Ml,' \
Der Führer unb Reichskanzler empfing, wie schon berichtet, am Donnerstagnachmittag a uf.be mBerghofin Gegenwart bes Reichsministers bes Auswärtigen, von Ribbentrop, ben polnischen Außenminister Oberst B e ck , ber auf seiner Rückreise von Monte Carlo nach Warschau einen zweitägigen Aufenthalt in München genommen hatte. — Auf unserem telegraphisch aus München übermittelten Silbe sieht man bie Begrüßung Oberst Becks nach seiner Ankunft auf bem Berghof burch ben Führer. — (Presfe-Jllustration-Hoffmann-M.)
Das Programm für Lhamberiams Rom-Reise.
Kurzes Zusammentreffen mit Daladier und Bonnet in Paris.
abs. ß o n b o n , 6. Januar.
Ministerpräsident Chamberlain und Außenminister Lord Halifax werden nun doch mit dem französischen Ministerpräsidenten D a l a d i e r und Außenminister Bonnet in Paris Zusammentreffen, ehe sie sich nach Rom begeben. Das am Freitag ausgegebene amtliche Programm der Reise sieht vor daß die beiden englischen Minister am Dienstag in Paris gegen 17.30 Hhr eintreffen werden. Sie werden sich Dort ungefähr zwei Stunden aushalten und zusammen mit Daladier und Bonnet im Quai d'Orsay den Tee nehmen. In politisch interessierten Kreisen mißt man dieser Aenderung des Reiseprogramms eine gewisse Bedeutung bei, da noch vor wenigen Tagen von französischer Seite der Gedanke einer französisch-englischen Vorbesprechung mit dem Hinweise abgelehnt worden war, daß Frankreich keine englische Vermittlung in ben zwischen Frankreich und Italien strittigen Fragen wünsche. Beachtung findet in englischen Kreisen die Rede D a l a ö i e r s in Algier, weil sie gegenüber feinen Aeußerungen in Korsika und Tunis eine wesentlich verschärfte Tonart erkennen lasse. Ministerpräsident Chamberlain begab sich am Freitagnachmittag nach CH e - q u e r s , wo er sich bis Montag aufzuhalten beab- ^^l'm'Mittwochnachmittag werden die britischen Minister i n R o m eintreffen, wo sie in der Villa Ma- bama Wohnung nehmen werben. Am Albend werben sie an einem Bankett teilnehmen, bas Mufio- l i n i zu ihren Ehren im Palazzo Venezia gibt. Nach Kranznieberlegungen am Donnerstagoormittag werben sie sich zum Quirinal begeben, wo sie v o m König unbKaiser in Audienz empfangen werden. Für den Nachmittag sind sportliche Vorführungen im Forum Mussolini vorgesehen. Am Abend werden die britischen Gäste einer Einladung bes
Außenministers Graf Ciano folgen. Für den Freitagvormittag ist ein Besuch beim Papst vorgesehen. Außenminister Lord Halifax wird Rom bereits am Samstagvormittag verlassen, um sich zur Sitzung der Genfer Liga nach Genf zu begeben. Ministerpräsident Chamberlain wird Sonntagabend wieder in London eintreffen.
„Daily Telegraph", der im allgemeinen über die Haltung des „Foreign Office" gut unterrichtet ist, teilt mit, daß bas Zusammentreffen ber britischen mit ben französischen Ministern in Paris a u f eine AnregungberLondonerRegierung zurückgehe. Nach einer gewissen Distanzierung von bem italienisch-französischen Problem meint bas Blatt, abgesehen von einigen im wesentlichen englisch-italienischen Fragen würben sich die Besprechungen in Rom auf einen allgemeinen Gedankenaustausch über die internationale Lage und ihre voraussichtliche Entwicklung beschränken.
Chamberlain zur Botschaft Roosevelts.
London, 6. Jan. (DNB.) Premierminister Chamberlain hat sich veranlaßt gesehen, zur Konqrestbotschast bes Präsibenten Roosevelt eine Erklärung abzugeben, in ber er u. a. barauf hinweist, baß man sich in Englanb klar ber Tatsache bewußt sei, nur mit Hilfe von Freiheit und Frieden hoffen zu können, die Früchte, für die man feit Generationen gearbeitet habe, für sich und die Nachkommen zu erhalten und zu entwickeln. In diesem Zusammenhänge würden die vom amerikanischen Präsidenten zum Ausdruck gebrachten Gefühle als weiteres Zeichen für die lebenswichtige Rolle der amerikanischen Demokratie in Weltangelegenheiten begrüßt werben.


