Nr. 260 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Montag, 6. November (939
9,116 ®<e6en" tteberprüfung der behelfsmäßigen Lustfchutzräume
Beseitigung von Mängeln und Fehlern
elchsluftfahrtmrnisterium wird für xetzt noch zu errichtende Splitterschutz-Vorrich- 11 k- «x » .. i m Ä tungen ist daher abzusehen. Für Splitterschutz-Vor-
Um dre Sicherheit der Bevölkerung gegen Lust- richtungen aus Sandsäcken dürfen nur noch Säcke lanrrsausmirFiinrttn mpifnohonh m ________.. .
mitgeteilt
en, um mit dem
34. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Richtigkeit und Zweckmäßigkeit der getroffenen Maßnahmen von den zuständigen Stellen überprüft werden. Von der Bevölkerung sind zur Vermeidung von Fehlern insbesondere folgende Punkte zu beachten:
angriffsauswirkungen weitgehend zu gewährleisten, ist vom Reichsminister der Luftfahrt'und Oberbefehlshaber der Luftwaffe angeordnet worden, daß
aus Bitumenpapier oder aus imprägniertem Piergewebe benutzt werden.
Zwischen dem bischöflichen Ordinariat in Eichstätt und der staatlichen Behörde ist ein langes Hin und Her wegen des Cranach-Gemäldes, 'obwohl die Rechtsansprüche der Kirche ziemlich feststehen. Beide Lager fechten zäh und spitzfindig um das wertvolle Stück.
Bischof Maximilian, klein, uralt und pergamenten, sitzt in dem mächtigen geschnitzten Lehnstuhl seines Arbeitszimmers und läßt sich Vortrag halten. Sein junger Vikar breitet die Gründe der Gegenseite vor ihm aus, eifervoll, beweglich und mit der schuldigen Reverenz. Eine Fliege surrt durch den hellen Raum, bumst an den Bücherschrank und turnt an dem venezianischen Facettenlüfter in die Höhe.
„Dieser ganze Handel freut mich nicht", sagt plötzlich der Bischof mißmutig und öffnet die sehr blauen alterssichtigen Augen. „Das wird langweilig. Ich lasse die Herren bitten, nichts mehr zu unternehmen. Ich werde das auf andere Weife ordnen. Schreiben Sie."
Der Vikar greift zur Feder, Schreibmaschine ist in Gegenwart des Hochwürdigsten Herrn verpöhnt,
In den Famllienblättern beginnen wir am Freitag mit dem Abdruck von Charles de Coster: „Die Hochzeitsreise". Der flämische Dichter ist durch seinen großartigen „Till Ulenspiegel" weltberühmt geworden. 3n feinem zweiten Roman „Die Hochzeitsreise", der von Karl Riller verfilmt worden ist, seht er der durch Reid, haß und Verfolgung nicht zu erschütternden ehelichen Liebe und Treue ein unvergleichliches erschütterndes Denkmal.
Gassicherheit.
Es wird vielfach versucht, mit Sandsäcken oüeß Sandschüttungen über Lichtschächten von Keller'« fenstern eine Gassicherheit zu erreichen. Mit der-« artige Maßnahmen wird praktisch eine Gassicherheit nicht erzielt, außerdem wird eine ausreichende Durchlüftung der Lustschutzräume erschwert und das Straßenb'ild verunziert. Die Gassicherheit ist für der« artige Fensteröffnungen nach den erlassenen Vov«
2. Reichsstraßensammlung in Gießen wieder ein großer Erfolg?
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Roman vonwallherkloepstr Copyright öy Carl Duntfcr Verlag - Berlin w 62
Fenster unterfcem Bürgersteig brauchen keinen Splitterschutz.
Splitterschutz-Vorrichtungen sind nur vor Fensteröffnungen notwendig, die über die Erdgleiche djo- über den Bürgersteig, hinausragen. Splitter- sch utz-Vorrichtungen vor Fensteröffnungen, die vollständig unter Erdgleiche liegen, sind daher zu entfernen.
Straßenbild nicht verunstalten.
Splitterfchutz-Vorrichtungen verunstalten häufig das Straßenbild. Auch in dieser Beziehung muß auf eine die Verunstaltung des Straßenbildes ver- meidende Ausführung geachtet werden.
Verwendung von Sandsäcken.
Di-e Verwendung von Sandsäcken, insbesondere von Jutesäcken, für Splitterschutz-Vorrichtungen ist in mancher Beziehung unrichtig gehandhabt worden. Um alle noch bestehenden Irrtümer zu beseitigen, wird daher folgende, allein gültige A n o r d n u n g über die Verwendung von Sandsäcken gegeben:
a) Bei der Verwendung von Jutesäcken ist größte Sparsamkeit geboten, da diese Säcke vor allem für die Ernährungswirtschaft und Landwirtschaft be- stimmt sind. Von der Verwendung von Jutesäcken
Bei der Sammlung war diesmal auch das leb« hafte Interesse derjenigen berücksichtigt, die sich von den Abzeichen der Winterhilfe eine regelrechte Sammlung anlegen. Kameradinnen des BDM. hatten in eifriger Arbeit die verschiedenen Sorten den Schwerter und Dolche zu einer Serie zusammengesteckt und so den Abzeichensammlern die Mög« llchkeit verschafft, ohne sonderliche Mühe in den Besitz aller Abzeichenformen zu kommen. Mit einem kleinen Aufgeld wurden auch diese Zusammenstellungen abgesetzt.
Wie wir auf Anfrage bei der Kreisamtsleitung der NSV. hören, wurden alle Abzeichen abgesetzt. Nach einem bisherigen Ueberblick läßt sich erkennen, daß das Ergebnis auch diesmal ein sehr befriedigendes fein wird. Die zweite Reichsstraßensammlung darf also wiederum als ein Sieg der Einsatzbereitschaft der Sammler und der Opferbereitschast der Bevölkerung gewertet werden.
Rolauslässe.
Notauslässe sind bei der Herrichtung der Luftschutzräume in vielen Fällen entweder falsch an- gesegt, oder überhaupt nicht vorgesehen worden. Ausreichende und richtiggelegene, möglichst weit vom Luftschutzraum-Zugang entfernte Notauslässe müssen unbedingt vorhanden sein, um auch bei etwaigen Versperrungen des Zuganges ein Verlassen des Luftschutzraumes zu ermöglichen.
Sofern im Luftschutzraum nur ein Fenster vorhanden ist, ist es ratsam, dieses Fenster zum Notausstieg auszunutzen. Ist kein geeignetes Fenster vorhanden, so muß ein Notausgang durch anschließende Räume (Nachbarkeller, Kellerflure usw) weit entfernt vom Zugang zum Luftschutzraum, vorgesehen werden. Notausstiege durch Fensteröffnungen sind so herzurichten, 'daß ein Aussteiaen °uch tatsächlich gewährleistet ist. Es ist z. B. nicht zulässig, vor oder hinter Notausstiegöffnungen fest eingebaute Gitter zu belassen. Notausqänge, die durch unmittelbar benachbarte Gebäude in das Freie führen, sind besonders zweckmäßig, da sie zugleich eine gegenseitige Hilfeleistung der Luftschutz- raum-Jnsassen benachbarter Häuser ermöglichen. Von Brandmauerdurchbrüchen zur Schaffung derartiger Notausgänge ist daher weitgehend Gebrauch zu machen.
Sptitterschuh-Vorrichtungen.
Dorgeschriebene Abmessungen b e s s e r b e a ch t e n.
Dort, wo die Splitterschutz-Vorrichtungen vor k enf^-unt) Türöffnungen in den Außenwänden bes Luftschutzraumes in den Abmessungen so knapp gehalten worden sind, müssen sie auf die Abmes- mWen gebracht werden, die als verbindliche Mindestmaße vorgeschrieben sind. Diese Maße sind mit erläuternden Bemerkungen in der am Schluß empfohlenen „Anleitung für die behelfsmäßige Herrichtung von Lustschutzräumen" angegeben.'
Nicht besser kann die gegenseitige Hilfeleistung zum Ausdruck kommen als jetzt, wo in jeder Stunde der eine auf die Rücksicht des anderen angewiesen ist. Wir haben nachts die Ortschaften verdunkelt. Dienst und Arbeitsprozeß müssen dennoch weitergehen, soll der Lebensorganismus des Volkes nicht stocken. Es stehen auch mehr ältere Menschen heute in Arbeit als früher. Sie verfügen in der Regel nicht mehr über die körperliche Gewandtheit und Sehschärfe der jüngeren Volksgenossen. Ahnen fällt es schwer, sich in der ungewohnten Dunkelheit zurechtzufinden. Hier ergibt sich die Pflicht für die körperlich besser Gestellten, einzu- behilflich zu sein. Im allgemeinen geschieht das auch. Immerhin kann es nicht schaden, wenn dann und wann wieder einmal auf diese Selbstverständlichkeit hingewiesen wird. Kameradschaft, im Felde wie daheim, darin beruht die Stärke und Unüberwindlichkeit des deutschen Volkes. dak.
Die verkaufsoffenen Sonntage vor Weihnachten.
Die Verkaufssonntage vor Weihnachten 1939 sind durch einen Erlaß des Reichsarbeitsministers an die Verwaltungsbehörden geregelt worden. Es ist bei dem schon seit Jahren erprobten Verfahren'geblieben, die zwischen dem 8. und 24. Dezember liegenden Sonntage fteizugeben, in diesem Jahre also der 10., 17. und 24. Dezember. In dem Erlaß des Relchsarbeitsministers ist darauf hingewiesen, daß für den 24. Dezember eine besondere Regelung notwendig ist, da nach 17 Uhr kein Verkauf mehr statt- finden darf. Da unter den jetzigen Verhältnissen noch die Verdunkelung hinzukommt, wird von der in dem Erlaß gegebenen Möglichkeit, die Verkaufsstunden ganz oder teilweise auf den Vormittag zu legen, sicherlich in verstärktem Maße Gebrauch gemacht werden.
Am Bahndamm tot aufgefunden.
Am gestrigen Sonntagvormittag wurde die im 16. Lebensjahre stehende Irene Wolf aus Lollar am Bahndamm zwischen Fronhausen und Niederwalgern tot aufgefunden. Das Mädchen, das in Gießen in einem Geschäft tätig war und stets am Abend mit der Bahn nach Lollar zurückkehrte, hat auch am Samstagabend zur gewohnten Zeit die Arbeitsstätte in Gießen verlassen, um mit dem Zuge gegen 20 Uhr nach Lollar zurückzukehren. Statt ins Elternhaus Heimzukommen, fand man das bedauernswerte Mädel gestern morgen tot am. Bahndamm liegend auf. Ob es sich um einen Un= glücksfall handelt oder ob der Tod des Mädchens auf eine andere Ursache zurückzuführen ist, unterliegt zur Zeit noch der behördlichen Ermittelung. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft in Marburg zunächst beschlagnahmt und zur weiteren Aufklärung der Todesursache nach Marburg überführt.
brauch von Chlorkalk, Lysvl und Spiritus steigt ins "fchmaue und flößt Nikotine Besorgnis ein.
„Wenn ich nur die Ansteckungsquelle herausbekäme", seufzte er einmal bei ihr. „Irgendwer muß die Krankheit doch eingeschleppt habenl" Er wäre vermutlich hochbefriedigt, wenn er wüßte, daß der so unrühmlich abgeschobene Parsunke der Bazillenträger und somit der Unglücksrabe war. „Andererseits hat diese Epidemie auch ihr Gutes, weil man jetzt höheren Orts auf unsere Zustände aufmerk am wird", blinzelt er Nikotine pfiffig an.
Diese trifft eines Tages Bürgermeister Heller.
„Sie haben ja jetzt Hochbetrieb, Fräulein Ferber?" „Das kann man wohl sagen. Wenn wir jetzt das Spital nicht hätten, wie?"
„Wie geht es Doktor Severin? Hat er schon eine neue Praxis. Es ist ewig schade um den Herrn, das sagen jetzt alle."
„Tja, so einen Arzt bekommt Eschelbrunn so rasch nicht wieder, Herr Bürgermeister. Aber die Schwierigkeiten mit dem Krankenhaus haben es ihm hier verleidet. Niedergelassen hat er sich bis jetzt noch nicht; der darf ruhig wählerisch sein. Was glauben Sie, was der in einer Großstadt für Aussichten hat!" übertreibt sie.
„Vielleicht könnte man ihn bewegen, daß er wieder hergeht?"
„Da bin ich überfragt; das weiß ich nicht. Kaum. Wo er doch das Krankenhaus hier verkaufen will" erwidert sie achselzuckend.
Die zweite Reichsstraßensammlung führten diesmal die Männer der Kampfverbände der Bewegung zu einem vollen Erfolg. Schon am Sarnstagvorrnit- tag begann die Sammelaktion. Zu früher Morgenstunde batten sich Kameraden der ff und des NSKK.'auf den Weg gemacht und forderten liebenswürdig mit ihren klappernden Büchsen zur Spende auf. Der Wochenmarkt war dabei ein dankbares Feld der Betätigung für die Sammler, und in kurzer Zeit wurden gerade dort viele Abzeichen verkauft. Einen Sturmführer des NSKK. sahen wir eifrig bei der Sammeltätigkeit, obwohl er nur für kurze Zeit der Beurlaubung von der Wehrmacht in der Heimatstadt weilte und am Abend wieder zur Rückkehr an die Westfront bereit sein mußte.
Am frühen Nachmittag und nach kurzer Mittagspause zwischen Dienst und Sammeltätigkeit starteten dann die Kameraden der SA., der Ma- rine-SA. usw. mit den roten Büchsen. Sie schwärm» ten zum Teil in die Innenstadt aus, andere wieder machten fick auf den Weg in die Außenviertel unh schmückten diejenigen Volksgenossen, die in die Stadt wollten, mit den schönen Schwertern. Die Abzeichen wurden gerne gekauft. Manche Frau und manches Mädchen wählte sorgfältig die Lieblingsfarbe im Halbedelstein, anderen wieder erschien die Form des Schwertes oder des Dolches als das wesentliche, und dank der reichen Auswahl, die es dabei gab, fand jedermann etwas für seinen Geschmack. So war es kein Wunder, daß schon am Samstagnachmittag ein großer Teil aller Abzeichen verkauft war, und für die Kameraden, die am Sonntagvormittag zu sammeln Auftrag hatten, war es schon nicht mehr so leicht, eine volle Büchse zur Ablieferung zu bringen.
„Ich danke Ihnen, Herr Friedrich. Können wir das gleich regeln?"
„Warten Sie, ich telesthoniere an den Notar, daß ich meinen Versteigernngstermin zurückziehe." Er aeht ans Telephon und läßt sich mit dem Notariat Arnfeld verbinden. Fünf Minuten später ist die Sache erledigt, er hängt den Hörer ein und kommt auf Nikotine zu. „Bin ich nicht ein sorgsamer Bräutigam. Habe ich mir jetzt einen Kuß verdient oder nicht?"
„Sie haben, Herr Friedrich!"
„Wollen wir nicht „du" sagen, Nikotine?"
„Gern, Herr Friedrich."
„Jetzt hast du dich bereits versprochen. Na, das wird schon noch werden", lacht er gutmütig. „Wann hast du denn gedacht, daß wir Hochzeit machen?" j
„Wenn diese Krankenhaussache auseinandergeklaubt ist und mich die Kinder nicht mehr brauchen."
„Du nimmst ein bißchen viel Rücksicht, finde ich. Gut, mir ist es recht."
„Ich möchte aber, daß die Verlobung bis dahin geheimgehalten wird, ja?"
„Einverstanden; aber meiner Mutter darf ich es doch schonend beibringen?"
In diesem Augenblick geht die Haustür. Friedrich sieht nach. Es ist der Gendarmeriekommandant, der ihm heimliche Zeichen macht. Friedrich dirigiert den Beamten in die gute Stube.
„Ich komme wegen diesem Parsunke. Er wird wegen Zechprellerei steckbrieflich gesucht. Der windige Bruder hat eine Masse Vorstrafen. Ein halbes Jahr, schätze ich, werden sie ihm diesmal schon aufbrummen. Dem seine Spitzbubenvisage hat mir gleich nicht gefallen. Ist er im Kontor?"
„Ja, im Kontor", stottert der Hopfenhändler verdutzt. „Nein, aber so etwas! Man darf heute keinem Menschen mehr trauen. Gerade jetzt, wo der Kerl sich eingearbeitet hat, muß das passieren. Das ist aber zuwider für mich. Soll ich mit hinüber?" Damit ist Parsunkes Eschelbrunner Gastspiel aus.
Nikoline nimmt diese wunderbare Gelegenheit wahr, sich flink und flüchtig zu verabschieden. Sie eilt heim, und es ist ihr alles andere denn bräutlich zumute. Sie hat Severin aus der Patsche,geholfen,
hier wird noch nach gemütlicheren Methoden regiert. Der Inhalt des an den zuständigen Minister gerich« teten Schreibens besagt, daß der Bischof seine'wohl- fundierten Ansprüche auf das kostbare Bild frei« willig an den Staat abtrete, der es der Allgemeinheit in einer der öffentlichen Sammlungen zugänglich machen möge. Er verbinde mit dieser Zession lediglich das Ersuchen, der amtsbekannten Notlage des Fundortes Eschelbrunn ein geneigtes Augenmerk zuzuwenden und, falls möglich, den Antrag dieser Stadt zu berücksichtigen, die seines Wissens das Projekt der Bodenmelioration und Trinkwasserversorgung zum Gegenstand habe. Er gestatte sich auch, auf die kürzlich ausaebrochene Typhusepidemie hinzuweifen, die feine Fürbitte zweifellos unter«, stützen werde.
-Haben Sie, Herr Vikar? Gut. Sehen's, ich steh auf dem Standpunkt: haben wir das Bild vorher in feinem Wert verkannt, brauchen wir es jetzt auch nicht. Eine Heklige ist die Person auch nicht, also friedfertig sein."
Der junge Vikar schwitzt. Was werden die im Ordinariat dazu sagen? Was seine Räte haarklein ausgetüftelt haben, schmeißt der Bischof mit diesem Brief um. Ist das nun Vergreistsein oder hohe Po- littk und noch größere Schlauheit oder ganz einfach Kindersinn und gutes Herz, um den Eschelbrunnern zu helfen? Der Vikar ist noch nicht lange im Amt und vermag es nicht zu entscheiden. Er schichtet verwirrt seine Papiere, küßt den Fingerring und geht. —
Der Minister läßt nach Eingang dieses Schreibens die beiden Referenten kommen. Nach Ablauf einer Stunde sagt er lächelnd:
„Wenn man in Eichstädt so nobel ist, dürfen wir uns nicht lumpen lassen. Aber Scherz beiseite. Ich glaube, man kann es verantworten. Uebrigens schwebt die Oedlandgeschichte schon eine Ewigkeit. Die Experimente dieses Herrn von Depenau haben Hand und Fuß, und der Boden scheint wirklich gut zu sein. Man müßte ja viel Geld in diese Sache hineinpuloern, aber ich bin überzeugt, es wird sich rentieren. Die Sachverständigengutachten sind glänzend. Und diese Epidemie, auf die ich da aufmerksam gemacht werde, spricht ebenfalls dafür. Wir haben ja noch mehr Pläne und Notstandsgebiete in Reserve, aber in Ansehung der Besonderheit des Falles könnte man dieses Eschelbrunn zuerst dran- nehmen. Haben die Herren etwas einzuwenden? Nicht? Dann genehmige ich es. Herr Rat, Sie ver- anlassen, daß mit den Vorarbeiten begonnen roirb.*
Damit ist das fernere Schicksal Eschelbrunns entschieden.
(Fortsetzung folgt)
an das Weitere darf man nicht denken. Sie stürzt sich in die Arbeit, fertigt einen Pattenten ab und klappert mit dem Geschirr in der Küche. Ein Teller zerbricht, und Scherben sollen Glück bedeuten — wie idiotisch. Heute gerät ihr vieles daneben, und man muß es hinnehmen und darf nicht Feurio schreien. Während sie unter Kopfschmerzen ein Schnitzel klopft, kommt Dr. Wenz in die Küche.
„Von Erlangen ist jetzt der Befund da. Sie haben Kulturen anlegen müssen; darum hat es so lange gedauert. Was meinen Sie? Koch^Eberthsche Ba- zillenk Typhus. Haben Sie Worte für diese Schweinerei? Heute sind wieder fünf Neue erkrankt. Ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Das ist nur auf diese unglaubliche Wasserverhält- nisse zurückzuführen. Wenn der Misthaufen nicht neben dem Brunnen steht, ist den Leuten hier nicht wohl. Na, ich werde ihnen den Amtsarzt schon auf den Pelz schicken", leert Dr. Wenz sich aus. Er läuft seit geraumer Zeit im Schillerkragen herum, trägt ungeb ügelte Beinkleider und sucht sich mit dem hiesigen Dialekt anzufreunden, der in seiner märkischen Kehle eine befremdliche Färbung an nimmt.
„Es ist nur ein Glück, daß wir das Krankenhaus haben", fährt er fort. „Ich werde jetzt veranlassen, daß alle Dienstboten und alle schwereren Fälle ins Spital eingewiesen werden."
„Und die Kasse? Sie kennen doch die Vorschriften."
„Mit der Kasse werde ich schon fertig. Ich bin nicht Doktor Severin. Ich rede mit dem Potzöbersten und überzeuge ihn, daß wir beide am selben Strang ziehen, und daß nicht am falschen Fleck gespart werben darf. Oder soll diese Epidemie über unfern Ort binausgreifen?" Er hat sich in Eifer geredet und schmettert das Wort „Epidemie" mit feiner Hellen, tiberschnappenden Jungenstimme wie einen Fanfarenstoß. Er verlangt Isolierungsmaßnahmen bei der Kasse.
Und er setzt tatsächlich eine generelle Genehmigung durch, so daß es nicht mehr nötig ist, sich wegen jedem neuen Fall an die Strippe zu hängen. Er ist voll Betrieb und Geschäftigkeit. Er mobilisiert die Sanitätskolonne, er bestellt kilogrammweise die Desinfektionsmittel, und er kommandiert die Schwestern herum, daß ihre gestärkten Haubenzipfel flattern. Die verwaisten Spitalzimmer füllen sich, und schließlich muß das Trüppchen der „Hundertjährigen" und der anderen Diagnose in ein Nebengebäude übersiedeln, damit Platz wird. Dr. Wenz macht die vorbeugenden Einspritzungen dutzendweise und jagt den Eschelbrunnern einen heilsamen Schrecken vor dem Wort „Infektion" ein. Der Ver
baut, daß ein ständiger lüft- und lichtdichter Abschluß des Luftschutzraumes erreicht wird. In einigen Fällen sind sogar überflüssigerweise die Fenster der nicht als Luftschutzräume hergerichteten Nachbarkeller licht- und luftdicht zugebaut worden. Solche falschen Ausführungen müssen auch im Interesse der Gesunderhaltung der Gebäude vermieden werden und sind daher zu ändern. In derartig abgedichteten Lustschutzräumen gelagerte Lebensmitteloorräte (Kartostl fein, Obst, Gemüse usw.) verderben außerdem aus Licht- und Luftmangel in kürzester Zeit.
Licht- und Luftzufuhr sind gewährleistet, wenn ein Fenster als Notausstieg hergerichtet wird. Auch durch Deffnung von Fenstern und Türen kann die notwendige Durchlüftung sichergestellt werden. Ztt diesem Zweck ist die gassichere Abdichtung bei diesen Fenstern oder Türen so auszuführen, daß sie ge-i. öffnet werden können. Auch bei der Ausführung dev Splitterschutz-Vorrichtung vor nicht zu Notausstieges bestimmten Fenstern ist auf eine Durchlüftungsmöglichkeit durch Fensteröffnungen zu achten. Die Split'- terschutz-Vorrichtungen sind in solchen Fällen voix der Hauswand einige Zentimeter abgerückt ausztt- führen.
d) Als Splitterschutz-Vorrichtung bereits verwendete Säcke brauchen nicht entfernt zu werden, sofern bei der Herrichtung die Bestimmungen über Dicke, Hohe, Befestigung usw. von Sandsackpackungen beachtet worden sind. Um diese Jutesäcke gegen Ver- rotfung ölird) Nässe zu schützen, sind sie mit Holz- tafeln, Pappe usw. nach allen Seiten abzudecken oder mit anderen geeigneten Mitteln zu schützen. Ein Anstrich von Jutesäcken mit Kalkmilch zur besseren Kennzeichnung während der Verdunkelung hat zu unterbleiben, da Kalkmilch das Jutegewebe zerstört.
c) Jutesäcke vor Fensteröffnungen sind zu entfernen, wenn die vorher erwähnten Bestimmungen für die Herrichtung von Sandsackpackungen nicht beachtet worden sind. Dafür sind entweder andere Splitterschutz-Vorrichtungen herzurichten, oder Sandsacke aus Bitumenpapier, imprägniertem Papierge- mebe oder aus Kiefern, Latten usw. zu verwenden. Auf jeden Fall sind Jutesäcke über Lichtschächten von Kellerfenstern, die unter Erdgleiche liegen, zu ent= fernen, da sie überflüssig sind. Die Jutesäcke sind zu entleeren, zu trocknen und für andere Verwendungszwecke bereitzuhalten.
Licht und Luft im Luftschuhraum.
Bei der Herrichtung von Splitterschutz-Vorrichtungen werden vielfach alle Fester des Luftschutz- raumes z. B. durch Anschütten von Erde so zuge-
Der Mensch sucht die Gemeinschaft. Der Egoist er verloren wäre, wenn die anderen Menschen den gleichen Egoismus zeigten. Schon in friedlichen Zeiten ist der eine auf die Hilfe des anderen angewiesen, wieviel mehr erst in Situatio- nen, in denen der Zusammenhalt die Voraussetzung ™ rS.a5 gingen großer Aufgaben ist. Kein Mensch weiß, ob er nicht auch einmal fremde Hilfe in Anspruch nehmen muß. So wird der Hilfreiche,/.'--i—VuD öen Egoisten immer beschämen. Deutschland steht behelfsmäßig hergerichteten Luftschutzräume auf wieder einmal im Verteidiungszustand feines — - -
Hechts, feiner Freiheit, seines Bodens. Der Sieg ist gewiß Er ist gewiß, weil das neue Deutschland öen Grundsatz auf gestellt hat: Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Wir werden allen Schwierigkeiten trotzen, weil unsere Lebensgemeinschaft auf gegenseitiger Hilfe auftzebaut ist.


