Ausgabe 
6.10.1939
 
Einzelbild herunterladen

barmungslos zerknäult, das ist nicht Roheit, das ist, daß ihrs endlich wißt, lauter Freundschaft.

Ein Mann, der träumt von seinem alten Hut! Die Frau aber, die Frau träumt von einem neuen.

Zecht nun trotz allem nicht ben Mann, der sol­ches sagt, boshafter Voreingenommenheit, er möchte nichts als zeigen, wo es da Unterschiede gibt.

Eine Frau liebt nicht einen Hut wre unsereins, sie liebt die Mehrzahl: Hüte. Und zu ihnen hat sie, wenn auch immer zeitweilig zu einem ein­zelnen, ein zärtliches Verhältnis, so eins, das die Ränder behutsam mit zwei Fingern anfaßt, um sie nicht zu verbiegen. Wenn sie vor dem Spiegel steht, betrachtet sie den neuen Hut mit einem Ge- fühlsverbrauch, dessen nie jemals ein Mann einem Hut gegenüber fähig wäre, den ein Mann nur selten überhaupt begreifen kann.

Darum begreift auch selten jemals ein Mann, daß seine Frau einen neuen Hut, den sie im Schau­fenster sieht, haben muß. Lieber Gott, versteht ihrs nicht, sie hat sich in diesen Hut verliebt, ihr glaubt nur nicht, daß es allen Ernstes so ist, weil ihrs nicht für möglich haltet. Aber hört doch hin, welche Koseworte sie für solchen Hut weiß, die sie euch kaum jemals sagte und da glaubt ihrs nicht? Sie ist verliebt.

So etwas pflegt nicht solange zu halten wie eine Männerfreundschaft was mehr taugt, dies oder das, darüber kann man streiten. Streitet, wenn ihr mögt, ich wollte keine voreingenommene Meinung herschreiben.

Das »Dorf der Schornsteinbauer".

x Ein Dorf ohne Schorn st ein zu sein und dennoch dasDorf der Schorn st einbauer" genannt zu werden, diese ans Paradoxe grenzende Berühmtheit kann die Gemeinde Pliezhausen in der Nähe von Tübingen für sich in Anspruch nehmen. In Pliezhausen sind mehr Schornsteinbauer zu Hause als in irgendeiner Stadt: sie haben in allen Kulturländern der Erde, ja selbst in den wenig zivilisierten Gegenden Afrikas Schornsteine in den Himmel getrieben. Wenn auch die meisten Männer immer wieder in die Heimat zurückkehrten, so blie­ben einige Pliezhäuser dennoch in der Fremde hän­gen. Es war nicht die Liebe, die sie draußen fest­hielt, sondern irgendeine Schornstein- und Kessel- bausirma, die den und jenen Handwerkern ganz für sich beschäftigen wollte, oder auch der Drang, sich selbständig zu machen. So haben die Stuttgar­ter Brauereien ihre Kesselmaurer aus Pliezhausen geholt« und die großen Schornsteinbau-

firmen im Reiche und in der ganzen Welt wurden von Plietzhäusern gegründet. Die Arbeiter und Handwerker dieser Firmen sind auch heute noch in Pliezhausen daheim und reisen von dort zu chren Arbeitsplätzen. In Pliezhausen selbst gibt es selt­samerweise nur zwei Firmen, die sich mit Schorn­steinbau befassen, einen richtigen Schorn- st e i n aber gibt es hier überhauptnicht. Etwa 25 bis 30 Schornsteine aller Arten und Größen er­richten die Pliezhäuser Schornsteinbauer durch­schnittlich im Jahr. In schwindelnder Höhe schweben sie wochenlang Tag für Tag. Sie blicken hinab auf Frabriken und Straßen, in Höfe und Gärten, aus Ströme und ebenso Bauernland. Trotz aller Gefahren lieben sie ihren Beruf, nicht zuletzt wegen dieser weiten Schau. Und sie tonnen stolz sein auf ihr Handwerk, mit dem sie den Ruhm deutschen Schaffens schon über die ganze Erde getragen haben.

Büchertisch.

F. W. v. Oertzen, Das ist Polen?" In Leinen RM. 4,80. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München. Dieses nach dem Abschluß des deutsch-polnischen Paktes 1934 zurückgezogene und nun unter völlig veränderten politischen Aspekten in neu überarbeiteter und erweiterter Fassung er­scheinende Buch, das mit dem Willen zur Ordnung und Gerechtigkeit geschrieben ist, hat nur das eine Ziel: das Gesicht Polens zu zeigen, wie es, ent­gegen aller Schönfärberei der heuchlerischen Demo­kratien, in seiner ganzen zynischen Niedertracht und Brutalität in Wirklichkeit war, und damit der deutschen und der europäischen Oeffentlichkeit scho­nungslos die Wahrheit zu sagen über das zur Ge­nüge durchschaute politische Spiel des in Versail­les zum Leben erweckten polnischen Staates. Daß sich dabei die Fülle des von F. W. v. Oertzen bei- gebrachten Materials zu einer erschütternden An­klage verdichtet, ist allein Polens Schuld. Von wel­chem Geiste dieses Werk beseelt ist mögen die Ka­pitel über Josef Pilsudfki erweisen, die der ge­schichtlichen Leistung des großen Marschalls vollste Gerechtigkeit widerfahren lassen. Um so rücksichts­loser aber werden die dunklen Machenschaften un­verantwortlicher Friedensstörer angeprangert.

Ilse Ttetge: Diana fährt nach Schweden. Mit Bildern von O. A. Brasse. Preis gebunden 2, RM. Globus-Verlag Berlin. In einer leichten und natürlichen Darstellung hören wir von einem hübschen und klugen Mädel, das auf seiner Ferienreise ein großes Erlebnis hat und Freunde fürs Leben gewinnt. Immer interessant, weiß bk Derfajjertn von Anfang bis zu End« zu fejjeln^

aus geschaltet, es kann nicht unter

e n

Oesei und Dagö

f die

age, wie

lind Unterführer mit innerer Bildung fehlen. Ins- I tesondere stelle die höhere Schule den aus-

Männer- und Frauenhüte

Höflichkeit dienstbar. . .

Ich sagte: neben der Hosentasche und meine les tatsächlich. Und beider, der Hosentasche und des x Lutes Dienst an der Höflichkeit ist etwas nega- tber Art. Nicht wahr, die Hände nicht in den

Icw-m]

tiJ erlainz J

werden nach Aerzten, die Kassenpraxis aus­üben, und nach Aerzten, die nur f ü r Privat­patienten zur Verfügung stehen. Pflicht der in der Heimat verbliebenen Aerzte ist es, für die ab-

ie&gabe" sind.

Die kriegswichtige Ausgabe der Schule.

8-j Y| tötrb inb cj

Mische Fie Mittwoche l tauch! der Dia fr- llungsM 1 verschied!? in arbeite

ms all«, m, ihn

besser vei» h. nichts tat: «t, war t el ZU veH

trsailler K gt hat,» an."

item

Nach einer kurzen Unterbrechung ist schon wenige 5aae nach Krtegsbeginn überall in Deutschland der Schulunterricht wieder ausgenommen vordem InWeltanschauung und Schule" legt lberstudiendirektor I a n tz e n dar, welche Auf- pben die Schule in dieser Zeit zu erfüllen hat. In wenigen Jahren würde der gesamte geistig und tchmsch vorgebildete Nachwuchs für Truppe und Wirtschaft ausbleiben, wollte man zu Beginn von Kriegen, deren Dauer nicht abzu'sehen ist, alle kchulen schließen. Moderne Kriege könnten weder nit Analphabeten gewonnen werden, noch mit Nassen, denen Techniker und Ingenieure, Aerzte

«<

\. eii!

".ist' 1 IW

e Bombt gefallen ist t eine klü itet hms zmn W| sahnen wi- ' sich hinter^ Nationen £! Truppt M Jmet 6hrj seinem \ Jubelnd P| ist der inb

Stolz m

' die

Stolz y Eiserne Z« e MJ» *|

verdient jiTbereiiijl ernxnteiJ -st eist

ein'8'ä eitsE^

WO 2

aplav^ von

Entwicklung durch die langsame Durchgabe der Heeresberichte entgegenkommen. Genau so wie der tundfunk aber die Zeitung mit ihren Erläuterun- en, Sachdarstellungen und Karten nicht ersetzen MN, so bleibt neben dem Bedürfnis nach der hnellen Unterrichtung durch Radio in der Truppe uch das Bedürfnis nach Lese st off leben» ig. Die eigentümliche, etwas nervöse Spannung, ie jeder Feldzug mit sich bringt, auch die Müdig- u eit, die das Bedürfnis nach kurzer und kurz- Das Ä veiliger Lektüre hervorruft, empfiehlt natürlich eine eichliche Versendung v o n Zeitungen an i e Front, die dort immer willkommeneSie-

Don Christian Bock.

Irgendwo steht beim alten Lichtenberg ein Satz: ,ber Kopf sei nur eine Art Hut, den man Zwar Keilen trage, der aber bei den eigentlichen Gala- beni)eiten unseres Lebens abgenommen werden

s Musse."

Das ist nun mehr auf Köpfe als auf Hute ge­münzt, aber man sieht, es besteht zwischen Kops inb Hut eine mehr als zufällige und körperliche Beziehung. Ein Hut ist mehr als eine Kopfbe- l^ckung, die gegen Unbill der Witterung, gegen Hagelschlag und Regen, Wind und Hitze schützen litt. ,

Der Hut ist mchr geworden: es gibt ja kaum ein Ding, das nicht im Umgang mit uns neben stimm bloßen Zweck auch eine Bedeu tun g be- bmmt. Der Hut, aber nur der männliche Hut, if- wie kein anderes Ding unserer Kleidung (neben her Hosentasche) in einer wunderlichen 2lrt Der

cbX\

dratkilometer, sind sie doch dünn besiedelt, da der kärgliche Boden wenig hergibt. Industrie fehlt wenn man von wenigen kleinen Säge­werken absieht vollständig. Der gesamte Moon- sund-Archipel wird von etwa 80000 Menschen be­wohnt, davon leben rund 70 000 auf den beiden genannten Inseln.

ort: Ji, SH«'

>'« brifrj '«imt,; Hetzen, j , ®aribjk Mälr. allen u metfe

en nur 9 and tt|

Die Durchführung des SeistandSpakteszwischenEstland und der Sowjetunion.

Bedeutsame Auswirkungen des Handels­abkommens.

Reval, 6. Okt. (DNB. Funtspruch.) Nach einer amtlichen Mitteilung von estnischer Seite nähern sich die estnisch-sowsetrussischen Verhandlungen in Reval über die Durchführung des Beistandspaktes seinem Ende. Die estnisch-sowjetrussische Militärkom- Mission habe überdie Gebiete gesprochen, die der Sowjetunion auf Grund des Beistandspak­tes zur Benutzung als Stützpunkte über­lasten werden sollen, wozu die Inseln Oesel und Dagö sowie Baltisch-Port gehören. Nach dem endgültigen Abschluß der Arbeiten der Kommission könne bald die tatsächliche Durch­führung des Paktes erwartet werden.

In einem Leitartikel beschäftigt sich die offiziöse Baltic Times mit dem neuen estnischstowj etrussischen Handelsabkommen. Als eine der wichtigsten

Rachrichienhunger an der Front.

Zahlreiche Kompanien des Heeres habenzu- ammengelegt" und sich auf gemeinsame Kosten linen der tragbaren Kofferempfänger angeschafft Die sie in ähnlicher Form auch als Autoempfänger in weitem Umfange Eingang gesunden haben. So |tarf ist der Durst nach Neuigkeiten. Und zwar ein Durst" im üreigentlichen vollen Wortsinn. Denn >er richtige Durst ist als körperliche Mangelerschei- .itung noch viel empfindlicher als der Hunger und jar nicht zu vergleichen jenem anderenDurst"- Zefühl, das Anlaß zum Kippen eines Glases Bier leibt. Diesen Durst meinen wir, wenn wir von dem Bedürfnis der Feldgrauen nach Nachrichten spro hen. Denn selbst kleinere und auch größere Trup- ?enverbände sehen im Verlaufe eines Feldzuges :ur jeweils einen sehr kleinen Teil der Gesamt- tont. Im Grunde merken sie nur, ob es vorwärts -'sder rückwärts geht, etwa so, wie der naturkun- Iige Wanderer an dem Lauf der Sonne oder der jestirne oder an den Windseiten der Bäume merkt, b er nach Westen oder Osten, nach Süden oder lorben marschiert, wenn menschliche Siedlungen der andere Hilfsmittel einfach nicht da sind. So atte denn auch die Heimat bei dem eben beendig- 8enDeutschen Feldzug in Polen" einen viel grö­ßeren und klareren Ueberblick über die Operationen cis die Front. Da ist es durchaüs begreiflich, wenn sich eine Kompanie einen leicht beweglichen Emp- fangsapparat zulegt, wie denn auch unsere Sender furch die langsame Durchgabe der Heeresberichte fern Bedürfnis nach Genauigkeit, also letztlich nach einer anschaulichen Vorstellung von der tatsächlichen

ie i che nd e n Nachwuchs für diese Derufsgrup- pn. Es widerspräche dem Wesen des totalen Krie- 625, wollte man wie zu Beginn des Weltkrieges werstürzt unb willkürlich die exakte schulische Er- zichung für diese wichtigen Berufsgruppen dadurch In Frage stellen, daß man Jungen wie ungelernte Arbeiter in Fabriken schickt, um dann später bei im Männern empört festzustellen, daß sie chren stchkichen Anforderungen nicht genügen.

Der Aufsatz betont daß ein geregelter Cchulunterricht die Voraussetzung für den «i-folgreichen Einsatz der kriegswichtigen deutschen Wissenschaft und Technik sei. Selbstverständlich Müsse der Schulunterricht auf die Nahziele im gestellt werden, die sich durch den beson­deren Bedarf der Nation an Fachkräften für die Zweige der totalen Kriegführung ergeben. Die Aufstellung von Kriegslehrplänen erscheine pierläßlich. Stundenzahl und Stundendauer muh- i-n im Notfall beschränkt werden, unbedingt er-

Losentaschen haben den Hut nicht auf dem »opf behalten, das ist höfliche, gebildete Art. Den Lut abnehmen bedeutet Höflichkeit.

Aber hat man nicht zuweilen einen feierlichen Hut auf dem Kopf, ist ein Zylinder nicht geradezu en Symbol der Feierlichkeit? Ja schon aber bei der Feier selbst, scht, tft er nicht dabei, da bleibt ei draußen, er wird zumindest in zwei Fingern ge« falten auf dem Kopfe, dem er zugehort, da b'.cibt er nicht. Er begleitet nur feinen Herrn auf ihn Wege zum feierlichen Orte hin und zeigt den Stuten auf der Straße an: Scht, mein Herr geht & einer hohen Feier!

Ich wollte indessen ebensowohl über Damen- wie u>er Männerbüte sprechen, und ich muß hun er- ftlen, daß ich (eben an dieser Stelle) mein Blei frnlegte und eine Dame anrief.Ich schreibe ge* rcde , sagte ich,über Hüte, könntest du nur mcht ^er Damenhüte etwas erzählen?" ..

Ich schriebe dieses kurze Telephongesprach bter M» weil es rundweg alles Wesentliche über den unterschied zwischen Männer- und Frauenhuten nut vnemmal sagt. Ich hatte cs kaum gefragt:Kannst jr mir über Damenhüte etwas erzählen? Da "in aus der Hörermuschel der spontane Ausruf. ; -Ach^du, ich habe mir grade einen neuen Hut ge-

wesenden Aerzte einzutreten. Sie betreuen zugleich die Praxis der zum Wehrdienst eingezogenen Aerzte. Auch das Einkommen der eingezogenen Aerzte soll soweit wie möglich erhalten bleiben. Der Reick)s- gesundheitsführer hat deshalb neue Grundsätze für ie Verteilung der ©efamtoergütun« gen durch die Kassenärztliche Vereinigung erlassen. Danach werden die Gesamtoergütungen sowohl, an die in der Heimat verbliebenen wie auch an die zum Wehrdienst einaezogenen Aerzte verteilt. Die Vergütung der abwesenden Aerzte erfolgt nach den gleichen Grundsätzen wie bei den in der Heimat verbliebenen, die für die Vertretung der anderen Aerzte keine zusätzliche Vergütung erhalten. Den zur Wehrmacht eingezogenen Aerzten wird von ihrem bisherigen Nettoeinkommen ein Betrag abge­setzt zum Ausgleich dafür, daß sie für ihre Person den Lebensunterhalt von der Wehrmacht erhalten. Für ledige Aerzte erhöht sich dieser Abzug.

Wehrmachtshilfe in der Landwirtschaft.

Berlin, 5. Oktober. (DNB.) Das Oberkom­mando der Wehrmacht hat dafür Sorge getragen, daß die Landwirtschaft bei der Einbringung der Hackfruchternte und während der Herbstbestellung von der Ersatzwehrmacht, soweit es die Ausbildung der Truppe gestattet, weitgehend unterstützt wird. An Maßnahmen ist die Abstellung von Gespannen und Kraftfahrzeugen, die Gestellung von Erntekommandos sowie in Aus­nahmefällen die Einzelbeurlaubung von Soldaten vorgesehen. Ferner gelangen die Kriegsgefan­genen vordringlich in der Landwirtschaft zum Einsatz. Darüber hinaus wird bis zur Beendigung der Hackfruchternte und der Herbstbestellung weit­gehend von weiteren Einziehungen von Wehrpflichtigen, die in der Landwirtschaft tätig sind, Abstand genommen.

Dagö in den Vordergrund politischen und strate­gischen Interesses gerückt. Es handelt sich um die müßten Inseln im Moonsund-Archipel. Die wirt­schaftliche Bedeutung dieser Inseln ist sehr gering. Obgleich sie recht erheblichen Umfang haben, Oesel rund 2600 Quadratkilometer und Dagö 960 Qua-

Man hat auch in Estland bei kühler Beurteilung erkannt, daß eine Bedrohung Estlands bei freundschaftlicher Zusammenarbeit mit Sowjetruß­landnun in keiner Weise mehr möglich ist. Denn der große östliche Nachbar hat seine ersten Ver­teidigungsstellungen nun weit in die mittlere Ost­see vorgeschoben. Englische Zukunststräume dürfen damit in ihrem letzten Rest im Hinblick auf die Ostsee ausgeträumt sein.

Baltischport bisher der Name emer kleinen, völlig unbedeutenden estländischen Stadt an der Küste des finnischen Meerbusens, heute ein oftgenannter Hafen und künftiger Flottenstützpunkt

Ja, so ist es. Es wurde mir sofort klar: Der Hut der Dame hat ja mit dem Männethut nichts, garnichts zu schäften, er M kaum mehr als den Namen mit ihm gemein, es ist überhaupt em In- ftrument ganz anderer Art. Er hat tatsächlich kaum eine einzige Funktion des männlichen Hutes, er hat nicht einmal die Aufgabe, gegen Wind und Wetter zu schützen.

Ach welches Wort für einen Damenhut: Kopf­bedeckung! Was, ich bitte euch, ruft eine Dame jo fort, wenn es plötzlich vom Himmel regnet? Mein Hut, mein Hut!" ..

Der Hut der Dame hat selbst seinen ursprüng­lichsten Sinn eingebüßt, den einer Kopfbedeckung.

Das klingt womöglich böse, aber es ist so böse nicht. Schließlich ist der ganze äußere Habitus Europas nicht so reinpraktisch , wie er aus steht (abgesehen vielleicht von Regenmänteln die ge- radezu für Wolkenbrüche konstruiert lind), schließ- lich geht auch ein Mann mit feinem Hut unter der schützenden Simse der Häuser, wenn es un­versehens regnet

Trotzdem hat natürlich der Mannechut eher nach den Sinn einer Kopfbedeckung behalten.

aber der Unterschied zum Damenhut kommt wie- der heraus, wenn man sichs ansteht, wie der Mann und wie die Frau einenneue n" Hut erlebt: die grau träumt von ihm der Mann hat Angst vor ihm.

Was ein rechter Mann ist, der hat am liebsten einen Hut, den er ein paar Jahre kennt der halt mit seinem Hut. eine männliche Freundschaft, eine, bei der es gelegentlich ein paar in die Seiten gibt, aber solche Freundschaft taugt etwas, so ein Hut, der macht auch ein paar Stürme nut, wenn es feinen Herrn zu schützen flilt, der ,st überall dabei, der bänqt treu am Garderobenhaken, wenn fein fierr mit ein paar Freunden einen Abend lang um ein paar gute Flaschen sitzt, der trottet lustig schief auf seinem Kopf mit heim, wenn er guter 6hm. mung dann nach Haufe geht ober menn fein Herr einen heiligen Zorn hat, aller Welt und allen Menschen auf ihr flucht, dann laßt sich fo em ftut allch einen Faufthieb auf den Hut gefallen und nimmt die Beulen gelassen hin, das ist wie em gutes männliches Einverständnis mit feinem Herrn.

Bon fo einem Hut trennt sich ein Mann nicht gern - beareift man das? Den beulte er wieder aus und glättet chn, fo gut es geht, und fchenk ihm noch zu allerletzt em neues Band und tragt h7 noch ein Jahr und will nicht einen neuen. Ein Mann und fein Hut, ine halten zusammen, uni wenn ihr letzt, t»i? ein Mann feinen Hut er-

Reval, 5. Okt. (Europapreß.) Durch den jüngst | Sowjetrußlands am Eingang bes Finnischen Meer­abgeschlossenen estländisch - so wj etrussi- busens, d. h. jenem Teil der Osftee, der an seinem scheu Beistandspakt sind neben dem Hafen Ostende das einzige östliche Fenster des russischen Baltischport auch die Inseln Oesel und j Riesenreiches' nach Europa und den Meeren der i Welt ist. Wer den Finnischen Meerbusen sperren konnte, der besaß die Macht, dieses Fenster zu schließen. Deshalb mußte ein in seinen Grundzügen bereits vorhandenesGibraltar der nord- ö st l i ch e n O st s e e" auch den wirklichen Charak­ter eines solchen erhalten und in den Besitz bzw- die Verfügung jenes übergehen, der es am, meisten benötigte Sowjetrußland. In allernächster Zu­kunft bereits soll also neues Leben dort pul­sieren, wo eben nicht mehr als 700 Menschen Pensionäre, Seeleute und Fischer in paradiesi­scher Ruhe ihren Lebensabend verbringen, oder aber ohne ftaft und Raffsucht ihren Berufen nach­gehen. Rund 50 Kilometer von der heutigen Haupt­stadt des Freistaates Estland entfernt befindet sich diesesGibraltar" an der denkbar günstigsten Stelle.

Wirklich bedeutend sind diese Inseln jedoch nur in strategischer Hinsicht. Die Englän­der zeigten lebhaftes Interesse für die Inselgruppe und hofften, sich auch hier für lange Zeit festsetzen zu können. Die strategische Bedeutung der Inseln geht insbesondere aus ihrer Lage im Hinblick auf den finnischen Meerbusen hervor. Es gilt der Satz, daß, wer diese Inseln besitzt, auch den Schüssel zum Finnischen Meerbusen in Händen hält. Die Wasserstraßen innerhalb der Inselgruppe sind zwar nicht tief, aber es aibt zahlreiche Anker­plätze, deren Benutzung mühelos möglich ist. Selbst größte Kriegsschiffe schwere Kreuzer und Schlachtschiffe haben hier bereits geankert. Ties sind auch die Hauptdurchfahrtsstraßen, was eine schnelle Umgruppierung der Seestreitkräfte errnög-

?rgibt, fo iden Schc

halten bleiben müsse aber die Re gelmäßig» keit des Unterrichts. Die Erfahrungen des Weltkrieges hätten gezeigt, welche schweren Ge­fahren die Jugend in ihrer Charakterentwicklung ausgesetzt sei, wenn der Schulbetrieb nicht in aller Strenge aufrecht erhalten werbe. Der Unterricht dürfe nicht nur äußerlich, sondern müsse auch ge­haltvoll und verantwortungsvoll weitergeführt wer­den. Das gelte in gleicher Weife für Volksschule, Mittelfckule, Fachschule und höhere Schule.

Der Aufsatz äußert sich auch über den außer­schulischen Einsatz der Jugend. Wäh­rend eine Heranziehung Unter-Vierzehnjähriger für Kriegswirtfchaftszwecke im wesentlichen nicht in Frage komme, sei der Einsatz im zivilen Luftschutz und bei Materialsammlungen ein selbst­verständlicher zusätzlicher Hilfsdienst der Schul­jugend. Darüber hinaus fei es zu billigen, wenn von Fall zu Fall ein Arbeitseinsatz für gelegent­liche besonders dringliche Aktionen verabredet werde. Eine befonbere Stellung nehme der Einsatz in geschlossenen Gruppen bei der Einbringung der Ernte ein.

Oie Sicherung der ärztlichen Versorgung.

Nach den für die ärztliche Versorgung des deut­schen Volkes ergangenen Anweisungen gibt es nur eine ärztliche Front, der alle Aerzte angehören. Der Arzt erfüllt seinen Dienst an der Gesundheit bei der Wehrmacht oder bei der ärztlichen Versorgung der Zivilbevölkerung. Jede Zersplitterung ist dabei

Bestimmungen bezeichnet das Blatt die A u s b a * lancierung der Handelsbilanz zwischen beiden Staaten in Höhe von jeweils 39 Millionen Estenkronen. Dadurch werde sich der Handelsverkehr zwischen Estland und Sowjetrußland vervier­fachen. Nach einer Auszählung der von beiden Seiten zu liefernden Waren hebt das Blatt als bid bemerkenswerteste Bestimmung des neuen Ver­trages die darin enthaltene Transitklausel hervor, die Estland, dessen Verbindung mit dem Atlantik durch zwei Blockaden behindert werde, das Recht gebe, Waren über d i e Häfen bes Eis­meeres und bes Schw arze n Meeres zu versenden und zu bekommen. Die Sowjetunion habe bis vor kurzem im estnischen Außenhandel keine wichtige Rolle gespielt, der Transit sei gleich Null gewesen. Das neue Abkommen schasse hierin eine neue Sachlage. Nichts wäre natürlicher als ein leb­hafter Verkehr Estlands mit seinem großen östlichen Nachbar. Es bestehe kein Zweifel daran, daß dieser Vertrag von gleichem Nutzen für beide Parteien sei, vorausgesetzt, daß sie in gleicher Weise an seiner Erfüllung interessiert feien.

Lord Halifax vor dem Oberhaus.

London, 5. Okt. (DNB.) Der englische Außen­minister LordHalifax sprach Mittwoch im Ober­haus. Im Verlauf feiner Rede erklärte Halifax, daß Friedensvorschläge unter folgenden Gesichtspunkten betrachtet werden müßten:

1. die U m st ä n b e, unter denen sie gemacht wer­den;

2. die R e g i e r u n g, von der sie gemacht werden, und

3. die Sicherheit, die man haben könne, daß irgendein Abkommen, zu dem man gelangen würde, auch eingehalten wird.

Aus aller Welt.

Ehrenpalenschafl für die Kinder von Gefallenen.

Der Stadtrat von Kiel hat beschlossen, die Ehrenpatenschaft für die Kinder der gefallenen Kriegsteilnehmer der Stadt zu übernehmen. Es wurde eine besondere Verwaltungsstelle für die Ehrenpatenschaften geschaffen, der die Aufgabe über­tragen ist, die verwaisten Kinder zu betreuen, den Müttern jederzeit in allen Sorgen und Nöten mit Rat zur Verfügung zu stehen und über die gesunde Entwicklung und das Fortkommen der Kinder zu wachen. Voraussetzung für die Ehrenpatenschaft ist, daß der Vater von Kiel aus zum Wehrdienst ein­berufen worden ist ober als aktiver Soldat von Kiel aus an den Kampfhandlungen teilgenommen hat und der Wohnsitz der Familie Kiel ist.

Ein Gummiring, der zum Tode führte.

In Mannheim hat sich ein eigenartiger Unglücksfall mit tödlichem Ausgang zu getragen. Ein 15jähriges Mädchen, das feiner Mutter beim Obstsinkochen half, wickelte sich spielerisch einen Gummiring von den Kochgläsern um den Finger und vergaß, ihn vor dem Zubett­gehen abzunehmen. Ueber Nacht staute sich in dem Glied das Blut derart, daß der Finger morgens ganz dunkel gefärbt war. Statt sofort den Arzt zu holen, versuchte die Mutter, das gestaute Blut durch Mcrssieren wieder in den Blutumlauf zu treiben. Das gelang auch, aber zum Unheil, denn das Mädchen war nun dadurch, daß das abgestor­bene Blut in die Blutbahn kam. verloren. Der Arzt konnte nicht mehr helfen, das Mädchen starb. Rechtzeittge Arzthilfe hätte das Mädchen durch Amputieren des Fingers noch retten können.

Hauptschriflleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantworllich für Politik, Feuilleton und die Bilder: vr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Pro­vinz, Sport und Wirtschaft: Ernst Blumschein. An­zeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den In­halt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Ver­lag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezuaspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig