Ausgabe 
6.9.1939
 
Einzelbild herunterladen

t*.

Mittwoch. 6. September 1Q39

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)

Nr. 208 Zweites Blatt

n? Ober 5er deut. Soldaten.

ßin Sechzehnjähriger erhärt das Eiserne Kreuz

nötige, gebrauchte Papier beseitigen möchten.

Die Papierkörbe im Freien sind eigentlich noch vielseitiger. Es steht ja auch meistPapier und Ab­fälle" darauf; sie sollen also so eine Art Mülleimer darstellen. Daher mag es wohl auch kommen, daß viele Menschen einfach aus Gewohnheit auch im Büro den Papierkorb mit den verschiedensten Dingen, wie Obst und Blumenabfällen usw., füllen. Ist das aber der Sinn eines Papierkorbs?

Solange es sich um Apfelsinen- und Bananen­schalen handelt, wird der brave Papierkorb, dieser stumme Diener, nicht gerade Schaden nehmen. Aber wenn wir z. B. eine zerdrückte Birne, eine ange­faulte Pflaume oder bergt, hineinwerfen, so dürfte diese Feuchtigkeit selbst dem besten Papierkorb nicht sonderlich zuträglich sein. Daheim bei unserem guten ledernen, rohr- und bastgeflochtenen Papierkorb würden wir wohl kaum auf den Gedanken kommen, Obstreste hineinzutun. Aber im Büro, was schadet das schon! Außerdem, wohin sollte man denn die Abfälle befördern? Au Hause gibt es einen Müll­eimer, aber im Büro?

Seien wir einmal ganz ehrlich! Haben wir uns überhaupt schon einmal Gedanken gemacht über diese scheinbar so belanglosen Dinge?Ich wickle die Gurkenschalen doch in Papier, da schadet es nichts, die Reinmachefrau sucht sie dann heraus", sagte zu mir kürzlich eine Arbeitskameradin. Ja, die gute Reinmachefrau freut sich bestimmt, daß sie diese ausgesprochen angenehme Arbeit verrichten darf, bloß weil wir zu bequem sind, die Abfälle in einen Eimer zu befördern! Wenn die Reinmachefrau aber nun einmal nicht Lust verspürt, unsere Pflaumen­kerne aus dem Papier herauszulesen, was dann? Run, dann kann es geschehen, daß trotz aller Vor- fortierung die Papiermühlen eine Nahrung bekom­men, auf die sie sauer reagieren, nämlich entzwei gehen!

Aber da ist ja Abhilfe ju, schaffen. Ein alter Marmeladeneimer mit Deckel läßt sich immer auf­treiben, und ein Platz für den Eimer findet sich auch bestimmt irgendwo in einem Abstellraum. Schließ­lich ist dies nicht nur eine selbstverständliche Rück­sichtnahme gegenüber der Arbeitskameradin, der das Säubern der Räume zufällt, sondern wir haben ouch die Verpflichtung, die uns anvertrauten Dinge schonend zu behandeln. Und noch ein dritter Ge­sichtspunkt kommt hinzu: Haben Sie schon einmal gem-rkt, daß die Luft in Ihrem Arbeitsraum etwas muffig war? Sehen Sie. das kommt nur zu oft von den Obst- und Blumenabfällpn im Pavierkorb! Bei besonders empfindlichen Menschen erregt dieser Fänlnisprozeß sogar Kopfschmerzen und Uebelkeit.

Gerade jetzt, wo wir rohes Obst auch zu den Awischemahlzeiten im Büro essen, wollen wir immer daran denken, daß ein Papierkorb fein Abfall­eimer ist!

von der Bereitschaft des einzelnen, der im Ver­trauen auf den Führer zum Aeußersten bereit war. Das höchste Ziel des Nationalsozialismus ist die Verwirklichung einer großen schicksalsverbundenen Gemeinschaft. Dieses nationalsozialistische Gedanken­gut wurde in diesen Tagen nicht zuletzt durch den Einsatz des Amtes für NS.-Volkswohlfahrt zur praktischen Tat, das seine Schlagkraft und schnelle Handlungsbereitschaft wieder bewiesen hat.

Gauleiter Sprenger, der alle Maßnahmen sofort durch persönlichen Einsatz unterstützte, nahm mehrmals Gelegenheit, sich von dem reibungslosen Verlauf der Arbeit und der Organisation zu über­zeugen. Der Gauleiter weilte wiederholt auf den Bahnhöfen und griff auch da, wo es am schwie­rigsten und lebhaftesten zuging, helfend mit ein.

Zur Lösung der vielseitigen Aufgaben, die noch bevorstehen, wird jede Hilfe gebraucht und auch an­genommen. Zahlreiche Anfragen aus der Bevölke­rung geben Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß Geldspenden, Kleidungsstücke,. Wäsche und anderes Brauchbares mehr von den örtlichen NSV.-Dienst­stellen angenommen werden. Um der Partei ihre Arbeit weiterhin zu ermöglichen, wird vor allen Dingen auch erwartet, daß die Mitgliedsbeiträge für die NSV. weiterhin pünktlich eingehen. Es ist jetzt für jeden der Zeitpunkt gekommen, wo er zu prüfen hat, ob er seinen Einsatz und seine Mitarbeit in der NS.-Volkswohlfahrt verstärken kann, indem er seine Organisation durch höhere Beiträge unter­stützt. Die Partei liefert in diesen weltgeschichtlichen Tagen für jedermann den klaren Beweis, daß die NS.-Volkswohlfahrt weit über den Zweck eines privaten Verbandes hinaus ihre Aufgaben in höch­sten staatspolitischen Maßnahmen sieht. Sie bis zur

Ser dSR. wacker am Werk

Besondere Auszeichnung der Gießener Mädel.

korb nachzudenken? Schließlich ist es zur Selbst­verständlichkeit geworden, daß es in jedem Arbeits­zimmer, auf öffentlichen Plätzen und Straßen Pa­pierkörbe gibt. Wozu dann noch tiefgründige Be­trachtungen über dieses zwar nützliche, aber immer­hin bescheidene Ding anstellen? Nicht einmal im Konversationslexikon steht etwas über den Papier­korb! Wie dem auch sei, den wahren Wert des Papierkorbs erkennt man erst, wenn er fehlt. Sei es, daß wir unterwegs Obstabfälle loswerden wol­len, die wir als wohlerzogene Menschen nicht wild in die Gegend werfen können, oder sei es, daß wir im Büro oder daheim am Schreibtisch alles un-

Üortwfwn

Tageskalender für Mittwoch.

Gloria-Palast, Seltersweg:Paradies der Jung­gesellen." __

5. beim !lste.

s bann )e Luft, 5 deut, ab en", ollte' Blicks, > L che Te, n auf llen mir estenz Bomben, bann auf die englische ohl aber ie hol, lat. Und lndischen der da, auf bin, itshalbei et ihre rutschen," stakartil. H.Ev.

nehmen die jüngeren Jungmädel das Brombeer­blättersammeln allein, während die Zwölf- und Drei­zehnjährigen Heilkräuter und Hagebutten brechen. Um dieser Aktion in größerem Ausmaß Erfolg zu sichern, müssen zunächst genügend Dörranlagen ge­schaffen werden, da sich die meisten der Kräuter nicht in frischem Zustand verschicken lassen. Böden von Schulen und Gemeindehäusern sind hierzu vor­gesehen, ebenso wie Dörrgelegenheiten in Privat­haushalten. 1

Wenn man neben dieser zusätzlichen Arbeit auch überlegt, wieviel Nutzen von der Arbeit jener Mädel ausgeht, die in den Reihen des BDM. ihre Schu­lung in Luftschutz- und Sanitätswesen erhielten, die mit einem sicheren politischen und weltanschaulichen Wissen ausgerüstet und sozialpolitisch geschult auf Plätzen in den Betrieben stehen, dann erkennt man den Sinn jener jahrelangen Arbeit, mit der auch die nationalsozialistische Jugendbewegung eine große Gemeinschaft durchbildete und zufammengeschwecht ^Bereit und verantwortungsbewußt steht an ihren Aufgaben auch im Gau Hessen-Nassau eine Jugend, von'der der Führer sagte, daß siestrahlenden Her­zens erfüllen wird, was die Nation, der national­sozialistische Staat von ihr erwartet und fordert!"

Milck», Milcherzeugniffe ufto.

In einer Anordnung der Hauptvereiniaung der Deutschen Milchwirtschaft zur vorläufigen Regelung der Lieferung bezuasscheinpsiichtiger Erzeugnisse wird festgelegt, daß Kleinverteller ober Hersteller, b'ie unmittelbar an Verbraucher liefern, Milch,

«Ä

!W!

fi1*

iMt

Grenze des Möglichen zu unterstützen, ist Pflicht jedes Volksgenossen. So wie die Soldaten opferbereit an den Grenzen des Reiches stehen, müssen wir eine opferbereite Front im Innern des Landes bilden. Gäste aus den Grenzgebieten in Gießen.

In den letzten Tagen find zahlreiche Frauen und Kinder sowie alte Leute aus den Orten der Grenz­gebiete in unserer Stadt angekommen, um in Gie­ßener Familien als Gäste Ausnahme zu finden. Die Gäste sollen hier eine Unterkunft genießen, die ihnen den zeitweisen Abschied von der Heimat er­leichtert und ihnen soviel von dem Wohnraum zur Verfügung stellt, daß sie sich gut aufgehoben wissen. Die Verpflegung der Besucher erfolgt zweimal täg­lich in verschiedenen Gaststätten und Sälen, wo zum Teil auch Morgenkaffee ausgegeben wird. Auf dem Bahnhof sowohl als auch in der zentralen Zuwei- sungsstelle und vor allem bei den Quartiergebern sanden die Gäste eine gute Aufnahme. Die NS.-> Frauenschaft und der BDM., Männer der Partei und ihrer Gliederungen, das Deutsche Rote Kreuz und viele andere freiwilligen Hilfskräfte haben bis­her unermüdlich bei Tag und bei Nacht alle ihre Kräfte eingesetzt, um den Gästen die Unterbringung in Gießen so leicht und so gut wie nur irgend möglich zu machen. Diese vorbildliche Hilfsbereit­schaft verdient ebenso wie die opferfreudige Mithilfe in den Familien alle Anerkennung und findet ihren schönsten Lohn in dem Bewußtsein, durch die gute Tat sich würdig zu erweisen der Größe unserer Zeit und der besonderen Verpflichtungen, die daraus für alle Volksgenossen sich ergeben.

Das Nachttämvchen im Vogelnest.

Wilhelm Bölsche, der feinsinnige Natur­beobachter, der in diesen Tagen im Alter von 78 Jahren gestorben ist, hat in einer seiner anschau­lichen Schilderungen auf eine merkwürdige Ent­deckung in der 'Tierwelt hingewiesen, die er das Nuchtlämpchen im Vogelnest nannte. Es handelt sich dabei um ein Vöglein von juwelenhaster Herrlich­keit des Gefieders, um die Amadine, die zu der Vogelgruppe der Webesinken gehört. Rücken und Flügel dieses entzückenden Tieres sind von durch­sichtigstem Grasgrün, das gegen die dunklen Schwanzspitzen in ein zartes Himmelblau verdäm­mert, am Halse durch ein ähnliches Blauband und einen schwarzen Samtstrich davon getrennt, eine leuchtend blutrote Kopfkappe, die tief bis über die Wangen herabfällt und prachtvoll gegen das Esten- beinweiß des Schnabels und die schwarze Kehle stebt; zu diesem Grün und Rot aber steht die Brust mit einem breiten Felde des unvergleichlichsten Lila in schönem Gegensatz, und die ganze Farbenhar­monie wird vollendet durch das satteste Dottergelb des Bauches.

Es war den Zoologen schon lange aufgefallen, daß die kleinen, noch nicht flüggen Nestjungen dieser und verwandten Prachtsinken in den Mund- und Schnabelwinkeln beiderseitig gewisse dick vorsprin­gende Kugeln zeigten, die bei den ausgewachsenen Tieren seltsamerweise vollständig verschwanden. Es war dies also eine Besondecheit der Kinderstube der

Jungamadinen. und zwar stellte es sich heraus^ daß diese kleinen Kugeln leuchteten, sowie die Nacht­lämpchen in einer menschlichen Kinderstube. In dem fast geschlossenen Webernest dieser Finken ist es nämlich dunkel, und so würde der alte Vogel zur Atzung der Jungen fein Licht haben, wenn nicht diese kleinen Lichtlein leuchteten, die höchst sinnreicher Weise von der Natur gerade dahin gesetzt sind, wo sie am besten der Nahrung den Weg weisen: nämlich in die Schnabelwinkel der Heinen Schnäbel selbst.

Was ist das nun für ein Leuchten m der Kin­derstube der Amadine? Darauf konnte man erst Antwort geben, nachdem überhaupt das Leuchten der Tiere in der Natur mehr erforscht war. Nicht nur die Glühwürmchen und Leuchtinfusorien ver­breiten ja im Dunkel einen grellen Glanz, sondern auch allerhand Tieraugen, wie die der Katzen und Eulen. Bis vor etwa 100 Jahren glaubte man nun, daß das Katzenauge einEigenlicht" habe. Erst Prevost hat nachgewiesen, daß es sich beim Leuchten des Katzenauges um eine ganz zufällige Reflexerscheinung für den Beschauer handelt, die mit eigener Leuchtkraft des Tieres nichts zu tun hat. Diese Feststellung erschien zunächst so unge­heuerlich, daß noch der große deutsche Physiologe Johannes Müller in eingehenden Experimenten die Tatsache beweisen mußte. Einer der genialsten Schüler Müllers, Brücke, konnte dann zum ersten Male zeigen, daß auch das menschliche Auge, wenn man es im dunklen Raum mit einer Blendlaterne bestrahlt und dann einen Beobachter an dieser Lichtquelle vorbei hineinblicken läßt, für diesen Be­obachter leuchtet. Es war ein anderer großer Phy­siologe und Schüler Müllers, du Bois-Reymond, in dessen Auge zuerst dasKatzenlicht" gezeigt wurde. Und an dies Experiment schloß sich emer der größten medizinischen Fortschritte aller die Erfindung des Augenspiegels durch Helmholtz, der einen Hilfsapparat konstruierte, um me Brückesche Theorie des menschlichen Augenleuchtens seinen Schülern möglichst anschaulich zu zeigen, und dabei zu seiner großen Freude plötzlich die men ch- liche Netzhaut beobachten konnte. Auch die 'Macht­lämpchen" der Amadine leuchten nun. wie Ohun bargetan hat, nach ber Methode des Katzenauges. Die winziaen blauen Glühbirnen, die das finftere Nest des Finken illuminieren, wirken als ein raf­finierter Reflektierapparat, indem sie die schwachen Stäubchen Dämmerlicht der nicht absolut dunkeln Neststube konzentrieren und hell zurückstrahlen. Das Wunderbarste ist aber, daß dieses reflektierte Licht hier im Dienste eines bestimmten Nutzuveckes steht und von der Jungamadine zu ihrer eigenen Futte- rung angezündet wird. c-

f Schil. ..erziel, Men.« TQuens,

9. Denn ?eut, "e Gnq.

Teil

Oie Partei im höchsten Einsatz.

Vorbildliche Volksgemeinschaft bewährt sich in der helfenden Tat

NSG. An die Partei, Amt für Dolkswahlfahrt i im Gau Hessen-Nassau werden in diesen Tagen die i Höchsten Anforderungen gestellt. Unser Gau, der : durch feine geographische Lage in besonderer Weise bei den augenblicklichen Maßnahmen zur Reichs- 1 Verteidigung in Bereitschaft gezogen wird, ist dazu berufen, in allererster Linie die Einsatzbereit­schaft der NS.-Dolkswahlfahrt unter Beweis zu stellen.

Täglich treffen aus allen Richtungen die Trans­portzüge mit Zehntausenden Rückwanderern aus den gefährdeten Grenzgebieten ein, so daß die Partei gewaltige Aufgaben, die die Abfertigung und Verpflegung solch' großer Transporte mit sich brin­gen, zu|en hat. Wie einst in den Jahren des Aufbaues, wo man die wirtschaftliche Not des deut- fchen Volkes durch groß angelegte Maßnahmen zu lindern hatte, muß das Amt für Volkswohlfahrt auch heute wieder unter den geänderten politischen Verhältnissen ohne vorherige Erfahrungen, sozu­sagen aus dem Nichts heraus, handeln und ent­scheiden. Die Gauamtsleitung unter Führung ihres Gauamtsleiters Haug gab sofort die Rahmen­richtlinien für die Arbeit der Kreise heraus und blieb in engster Zusammenarbeit mit der Gau­leitung und dem Reichsnährstand.

Die Stunde des sofortigen Einsatzes aller Kräfte hatte das unvergleichlich Schöne an sich, daß wie­der in Gemeinschaft gehandelt und gearbeitet wurde.

In vorbildlichem Einsatz Helsen die NS.-Frauen­schaft, HI. und BDM., fowie zahllose Helfer und Helferinnen. Wenige Stunden, nachdem sich die politischen Verhältnisse ernsthaft zugespitzt hatten, dampften auf allen Bahnhöfen, die von den Trans­portzügen berührt wurden, die Feldküchen. Von hilfsbereiten BDM.-Mädeln wurden die dampfen­den Kessel mit Tee und Suppe an die Bahnsteige gebracht. Den Durchreisenden wurden Erfrischungen und Brötchen in ausreichendem Maße gereicht. Rasch wurden Quartiere für Mütter und Kinder beschafft und für alle vorkommenden Fälle Vorsorge getroffen. Immer wieder rollten neue Züge an und fuhren von allen Bahnhöfen unseres Gaues aus wieder weiter zurück ins Innere des Landes.

Die Partei mobilisierte für ihre Aufgaben sofort alle ihre verfügbaren Kräfte. Schwestern der NS.° Schwesternschaft und des Reichsbundes der Freien Schwestern wurden eingesetzt und allerorts eine ausreichende ärztliche Ueberwächung fichergestellt. Kranke wurden sogleich dem nächsten Krankenhaus zugeführt. Einige Heime des Amtes für Dolkswohl- fahrt sind zur Aufnahme von werdenden Müttern bereit und zum Teil schon damit belegt.

Die Arbeit der Partei im Gau Hessen-Nassau in diesen ereignisreichen Tagen nicht ab. Selbst die Nächte hindurch standen die hilfsbereiten Kräfte jederzeit zur Verfügung und leisteten oft unter größten persönlichen Entbehrungen Unerhörtes und Außergewöhnliches. In vielen Füllen waren Helfer und Mitarbeiter Tage und Nächte nicht mehr zur Ruhe gekommen und leisteten das Aeußerste, was von Menschen gefordert werden kann. Bei allem Ernst der Zeit waren es Bilder der Freude und Begeisterung, wenn man die Bereitschaft jedes ein­zelnen beim Einsatz beobachten konnte. NSV.-Hel­fer standen bei strömendem Regen an ihren Feld­küchen und sorgten, daß den Rückwanderern eine kräftige Nahrung geboten werden konnte. Kam ein Zug an, bemühten sich Frauen der NS.-Frauen- schaft, Jungen und Mädel der HI. um die Ange- fommenen, vor allem um die Kinder, und bemäch­tigten sich des Gepäcks. Kurz: alles war in regster Tätigkeit und Hilfsbereitschaft.

Ruhe und Besonnenheit, aber auch harte Ent- : schlossenheit im Gesicht jedes einzelnen verrieten zwar den Ernst der Stunden, zeugten aber ebenso Obhut geben will."Während sich Merker zu kurzer Rast nieberläßt, werden bann erste Fragen laut nach dem Wie unb Woher des Gefangenen, nach Merkers Erlebnissen im Kampf.

Ms falle es ihm schwer, die Geschehnisse zu be­richten, spricht Merker, Wort für Wort lanafam wägend, die eigene Person möglichst in den Schat­ten stellend:Sehe ich mich doch, bei einem Angriff ber Franzosen aus d»r Flanke auf unfern Flügel des Regiments, plötzlich abgetrennt unb herausge- löft aus bem Verband ber anberen, vier Franzosen gegenüber. Ein Blick nach ber Mitte des Regiments zeigt mir die ganze Verzweiflung der Lage. Alles übrig» ae'ht ohne Ue-berlegen, im Banne einer maß­tosen Wut über die schon nahezu verloren» Schlacht, im Banne iener Worte vom ruhmvollen Untergang, bie b»n .Aufruf" beschlossen. Ich habe dem einen das Baioneft in die Schenkel gerannt, dem anderen, ehe er sich versah, mit bem Kolben über den Schä­del gehauen. Beide sanken sie um vom anderen Flügel tarierte das Velotonfeuer der Kameraden, in meinem eigenen Schädel drehte sich alles hier machte ber Jäger Merker eine ausruhende Bause, als schiene des Gesagten schon zu vieles drehte sich alles", sprach er zögernd weiter,ich sah einen Augenblick lang wie im Traum die Sonnenrosen daheim im Garten - bis sie zu kreisen ansingen, aroße feurige Räder, unb ich wie blind mit bem Gewehr um mich schlug. Mit erhobenen Hauben fand ich den Kerl da", er.wies au seinen Gefange­nen,vor mir, mich wie einen Teufel an starrend.

Er hielt mit seiner Erzählung inne. Von ber Straße her nahten zwei versprengte Jager, riefen ihn an unb kamen hinzu. Sie hatten den - ager Merker von fern bei feiner grauenvollen Arbeit gesehen und ihn verloren geglaubt.

Mit stummem Schweigen umstanden die Jager vom Königsgrenadier-Regiment Nr. 7 ihren Karne, roden, der sich nicht erklären konnte, worum sie ihn so sonderbar anf(hauten. S>e aber wußten es. Der freiwillige Jäger Merker zählte sechzehn Jahre an diesem denkwürdigen 2. Mai 1813, dun Tag der verlorenen Schlacht von Großaörschen. Wenig» Tage fnäter schmückte die Brust Merkers das Eiserne Kreuz, wohl als einen der Jüngsten, der in bamah ger Zeit diese hohe Auszeichnung trug.

Wenig später in Krieg trifft Prinz Wilhelm mit seinem Bruder Karl den freiwilllgen Jager M»rker. Merker hat sich Mit ein paar Kameraden auf den Dachboden eines Hauses begeben um von dort en Einritt des Prinzen wohl heiser beobachten zu kön­nen. Aber der Prinz entdeckt ihn. ..Der Kofonta - iäger Merker, welcher das Eiserne Kreuz bat, stand in einer Dachluke, um uns zuzusehen; wir ließen ihn runterkommen, und er mußte uns seine ganzen

g.

ifion ha! Breitung ich spie- is vorn rolitischeü !rhält> er Wehl. ij einet en, uni die di!

drrsrlba Roten, insgesamt eutschlond stet war eine oirl ufs statt' stärkste aus dem agstabhr' Singer - icht zu jjtplin be; rige Aui> macht hat. dem Gf n, wie sie1 gemeldet

rauen M i; der Ka> isenhasteii ; in (einet t und isie tische Zu' Kriegs' ihre Ent' ankt hatte, itet. Dl- jeder im natio* , gehalten j on außen. angetastet , besondere is-, Schasi Aeichsban Notenbanr Östlichen cht hatt^ Kden na- lrie

die,e 3n *

lich-nZ z-rE en wie Zrdenu-v tS

Mit Selbstverständlichkeit und Disziplin haben sich gleich den Frauen die Mädel unseres Gaues in neuen Aufgabengebieten eingefunden. In erster Linie sind die Stadteinheiten der Untergaue zu erwähnen, die in kürzesten Fristen für -'den Bahnhofsdienst unter Anleitung der NS.-Frauenschaft bereitstanden, um sich bei ber Verpflegung der NSV.-Transporte nützlich zu machen. Außerdem hat der Obergau Hessen-Nassau noch willige Kräfte gertug, um an Plätzen einzuspringen, an denen man nicht einmal mit der Hilfe von Mädels gerechnet hatte. So gingen 100 Mainzer und 110 Wormser Mädel in Konserven­fabriken. In Hanau halfen Mädel beim Einrichten des Lazaretts und nähten und kochten für die Soldaten. In allen größeren Standorten unseres Gaues stehen Meldedienste zur Verfügung. Vorbildlich waren dann die Gießner Mädel, die schon in den ersten Tagen beim Austragen der Gestellungsbefehle halfen und weiterhin in jeder Stadtqruppe 20 $ftäbel mit Fahrrädern für die Dienste der Stadt, der NSV. fowie der Kreisleitung stellen.

lieber diese freiwilligen Dienste hinaus bereitet sich im gesamten Obergau Hessen-Nassau der Ernte­einsatz zur Hackfruchternte vor. In einzelnen Teilen des Gaues haben die ßanbuntergaue bereits mit ihrer Arbeit begonnen. Weiterhin betätigen sich Junqrnädeleinheiten bei der Obsternte, beim Fall­obstlesen, beim Steinobstentkernen für bas Honig- kochen und dem Zubereiten des Dörrobstes. Außer­dem setzt in den nächsten Tagen das Tee- und Kräutersammeln aller hessen-nassauischen Iungmadel ein Vorerst werden in der Hauptsache Brombeer­blätter gesammelt, die zu einem wohlschmeckenden deutschen Tee verarbeitet werden. Svater uber- E rieb Nisse erzählen. Er ift sechzehn Jahre alt er hatte einen Franzosen gefangen und mehrere bles­siert." So heißt es int eigenen Bericht des Prinzen.

Die Schlacht von Großgörschen war trotz erbitter­ten Widerstandes verlören worben. Am 20. und 21 Mai besiegt Napoleon noch einmal die Verbün­deten bei Bautzen. Aber bie Kraft eines Aufstands, ber in Preußen von ber Jugend emporgetragen mar unb der im freiwilligen Jäger Merker ein Gleich­nis bei Großgörschen gesunden hatte, war nicht zu brechen. Schon in den Tagen des August hatte Der malte Glanz des schweren Eisenkreuzes auf der Brust des Jägers einen größeren unb leuchtenden Strahlenkranz erhalten in den Siegen von Groß­beeren, an ber Katzbach unb bei Dennewitz.

®er kennt heute ben Namen des freiwilligen Ja­gers Merker. Wer weiß von dem bescheidenen Stolz, der diesen Sechzehnjährigen erfüllte, als er dem Prinzen Wilhelm schlicht unb offen erzählte, was ihm die Auszeichnung eingetragen hatte.

' --- -------

te

S Aus der Stadt Gießen.

.Eli,

>ie^ Ser Papierkorb ist kein Abfalleimer.

Mußten Lohnt es sich denn überhaupt, über einen Papier, sstUlliz : - - - .... ~ "Ü

re95. rUnSl

Die Rangliste des Königsgrenadier-Regiments Nr. 7 nennt einen freiwilligen Jäger namens August Eduard Karl Merker. Die D|'fi= ziersrangliste gibt fein Alter mit 16 Jahren an und vermerkt, daß er das Eiserne Kreuz für die Schlacht von Großgörschen 1813 erhalten habe.

Vernichtend geschlagen war der korsische ^^fer unb seine Riesenarmee aus der eisigen Wüste Ruß­lands heimgekehrt. Die im verborgenen geschürten Flammen inneren Widerstandes brachen nun m Preußen auf zu loderndem Feuer. In der einsamen Mühle zu Tauroggen schließt Porck eine Konvention ohne Befehl des zögernden Königs. Eine lange Zett bangen Wartens und Zweifels verrinnt, bis endlich der König, von ber Jugenb gedrängt, seinenAuf­ruf an mein Volk" erläßt. Erfüllt von dem zwingen­den Gedanken, daß esnur einen ehrenvollen Frie­den ober einen ruhmvollen Untergang" geben könne, erhebt sich die Jugend einer lange geknechteten Na­tion unter alten bewährten Führern. Bald steht das Lützowsche Freikorps. Unb der Sturm bricht los mH der ganzen unaufhaltsamen Gewalt jugenbheben Mutes. Da sammelt noch einmal Napoleon 450 OOU Mann und reißt erneut die Führung der Ereignisse <m sich.

Großgörschen. Es ist beinahe Abend. Heber den Himmel fegen längliche Wolkenfetzen dem Horizont ZU, wo in rotem Dunst die Sonne untergeht. Stille liegt über bem Schlachtfeld, doppelt lähmend nach dem Lärmen des Tages. Der Dust der Wiesen und der Blumen, nun stärker werden in der Stille des Abends des 2. Mai, mischt sich mit bem Brandge­ruch des Pulvers, der aus dem Schlachtfeld auf« steigt.

Durch eine verlassene Gasse des Ortes Großgör- Ichen geht mit müden Schritten der Jäger Mer­ker, einen Gefangenen vor sich herführend. Sein Gesicht ist gezeichnet vom Erlebnis des mörberiühen Kampfes. Eine harte Falte gräbt sich von ber Nase Zu ben Winkeln des Mundes hinab, da er mit fort« -währendemallons, allons den Gefangenen zum schnelleren Gehen zu bewegen sucht. Fast am Aus­gang des Ortes findet er drei Kameraden. Noch aveiß er nichts davon, daß an diesem Tage vom Jägerbataillon des Königsgrenab,er-Reg^ments Nr. 7 nur fünf Kameraden lebend aus der Schlacw her- Dorgegangen sind. Mürrisch unb mübe nach ben Strapazen bes blutigen Tages empfangen die Kame­raden den Jäger, der feinen ©e fange ne n m ihre