Ausgabe 
6.7.1939
 
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Römischkohl 10 bis 15, Erbsen 20 bis 28, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 15 bis 18, bas Bündel 10 bis 15, Rhabarber 12 bis 14, Pilze 50, Kartoffeln, neue, % kg 10 bis 13 Pf., alte 5 Pf-, 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4 Mark, Pfirsiche, % kg 40 bis 45 Pf- Gartenhimbeeren 45 bis 60, Kirschen 32 bis 44, Heidelbeeren 52, Stachelbeeren 25 bis 35, Johan­nisbeeren 25 bis 32, Erdbeeren 30 bis 58 Pf., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Tauben, das Stück 60 bis 65 Psi, Blumenkohl, das Stück 20 bis 50 Pf., Salat 5 bis 12, Salatgurken 20 bis 40, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 15 Pf.

Schützt die heimatliche Pflanzenwelt!

Ein Sträußchen am Hute des Wandermannes kann sehr nett aussehen. Weniger schön ist es aber, wenn Ausflügler oder Wanderer mit großen Sträu- ßen in ihr Heim zurückkehren, die sie draußen in Wald und Flur ohne viel Ueberlegung zusammen­gerafft haben. Auch hier gilt das Wort vom Ge­meinnutz, der vor Eigennutz geht.

Vor allem jetzt, zu Beginn der Ferien und zu einer Zeit, die uns die schönsten Blumen und Pflan­zen beschert, ist es notwendig, noch einmal an diese Dinge zu erinnern, denn in Ferienlaune und -Über­mut wird gern auch in dieser Beziehung gesün­digt. Es fei nicht gleich an das böswillige und zwecklose Niederschlagen von Blumenbeständen, Stauden oder Uferpflanzen gedacht. Es genügt schon das unüberlegte Pflücken von schnellwelkenden Pflanzenarten, Buschwindröschen, die übrigens na­turgeschützt sind, usw. Wie oft sieht man dann, daß diese, nachdem sie unansehnlich geworden find, acht­los an den Wegrand geworfen werden. Wieviel Schaden ist schon durch übermäßiges Ab- und Her­ausreißen von wildwachsenden Blumen und Far­nen angerichtet worden! Früher überall zu findende Gewächse sind auf diese Weise jetzt zu Seltenheiten geworden.

Wo die Einsicht fehlt, muß das Gesetz mit Straf- bestimmungen nachhelfen, und Unkenntnis des Ge­setzes schützt nicht vor Strafe. Darum sei noch ein­mal darauf hingewiesen, daß 24 Pflmuenarten im ganzen Deutschen Reich vollkommen und neun teil­weise geschützt sind. Dazu gehören vor allem in die- ser Jahreszeit: Straußfarn, Königsfarn, Federgras, Türkenbund, das Große Buschwindröschen, Akelei, die Weiße Seerose, Seidelbast, der Gelbe Finger­hut und alle Rosetten tragenden Steinbrecharten (Saxifraga). Jeder sollte sich wenigstens diese Na­men einprägen und die Schutzvorschriften beachten, denn dies ist doch einfacher, als später eine Geld­oder Haftstrafe in Kauf nehmen zu müssen.

Familientog der Sippe Happel in Gießen.

Am 15. und 15. Juli (Samstag und Sonntag) veranstaltet der Famllien-Forschunasverbanü Happel in Gießen im Burghof seinen 3. Familientag. Be­merkenswert dürste fein, daß der aus der Kirchhai­ner Sippe stammende, am 18. Januar 1605 zu Heu­chelheim als Sohn des Pfarrers Johannes Happel geborene Georg Eberhard Happel über 40 Jahre als Lehrer, Prediger und später als Oberpfarrer in Alsfeld tätig war und feinem tatkräftigen Ein­satz die Neuerrichtung der Universität in Gießen am 5. Mai 1650 zu verdanken ist. Schon 1295 wur­den einzelne Happel in Roßdorf, 1320 zu Saasen, 1344 zu Windecken, 1351 zu Butzbach, 1433 in Lüt­zellinden, 1460 in Neukirchen, 1467 zu Mengsberg, 1502 zu Schotten usw. sestgestellt und ausgedehnte Sippen u. a. ab 1522 in Marburg, 1525 in Allen- dorf an der Lumda (später Kirchhain), ab 1530 in Mengsberg, ab 1532 in Grünberg, ab 1586 in Die­denshausen, ab 1597 in Harxheim bei Mainz, ab 1600 in Oberaula und in Watzenborn usw. erforscht, wozu die weiteren Abzweigungen und Sippen aus Oberhausen-Dreihausen, Rosenthal, Gilserberg- Jes­berg sowie Neukirchen-Ziegenhain usw. kommen.

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** Arbeitsjubilare b e i der Stadtver­waltung. Am l.Juli konnte der bei dem Sozial­amt der Stadt Gießen tätige Verwaltungsober- fekretär Albert Schneidmüller auf eine un­unterbrochene Tätigkeit von 35 Jahren bei der Stadt Gießen zurückblicken. Am heutigen 6. Juli kann der ebenfalls beim Sozialamt tätige Verwaltungsober­sekretär Alex K a r n b a ch auch auf eine 35jährige Tätigkeit zurückschauen. Die beiden Arbettsjubilare erhielten Glückwunschschreiben des Herrn Oberbür­germeisters, in dem ihre Dienste bei der Stadtver­waltung Anerkennung fanden.

** Sirenen werden erprobt Am morgi­gen Freitaa werden die Großalarmgeräte (Luft­schutzsirenen) überprüft. Das Ertönen der Alarm­sirenen an diesem Tage hat keinerlei Bedeutung für die Bevölkerung.

Sippentag der Stammler.

Zum ersten Male trafen sich im Großdeutschen Reich die aus dem Geschlecht der Stammler Ursprung: Peter Stammler der Aeltere in Stutt­gart um 1529 zu einem Sippentag in Frankfurt a. M., um Rückschau zu halten über die völkische Vergangenheit und Pflege des über ganz Deutschland und in USA. verbreiteten Stammes. An diesem Sippentag nahmen etwa 70 Glieder der Stammesfamille teil, so aus Darmstadt, Worms, Kassel, Frankfurt, Halle, Berlin, Hamburg, Köln und Karlsruhe. Es wurde beschlossen, den im Jahre 1911 nach zwanzigjähriger Arbeit fertiggestellten Familienstammbaum der fünf Hauptlinien so zu­sammenzufassen, daß er nach Art einer deutschen Familiengeschichte bis zum Jetztstand ergänzt, ge­druckt und als Standardwerk vorgelegt werden kann. Die Stammler werden künftig alle Jahre im Juli zu einem Sippentag zusammentreten. Als Tagungsort für 1940 ist Grünberg in Ober­hessen vorgeschlagen.

Nach zwanzig Jahren wieder in Flandern.

Erinnerungen auf der Flandern-Fahrt der Gießener Langemarck-Gchule.

Don Ernst Hölzel, Gießen*.

(Fortsetzung und Schluß.)

Und nun geht es hinauf nach Gheluvelt selbst Links der Straße am Dorfeingang steht noch ein Bunker, einst Gefechtsstand eines KTK. (Kampstruppenkommandeur). Noch ragt die Wind­mühle weithin sichtbar ins Land. Wir biegen an der Kirche um, kommen zum Schloß. Ein kleiner Steinhaufen scheint der letzte Rest des allen Schlosses zu sein. Dafür steht ein neues Gebäude da, aber der Park ließ sich nicht wieder m so kurzer Zeit schaffen. Es wird noch lange dauern, bis die Nachfolger jener schönen Bäume von da­mals ihren Schatten über das Schloß werfen. Schon kommt B e ce laer e heran. Wir stehen am ersten deutschen Ehrenfriedhof eines der Kriegsfreiwilligenregimenter von 1914. Schwaben sind es gewesen. Unter einer gepflegten tiefarünen Rasendecke mit einfachen Holzkreuzen, überschattet von hochwacksenden Pappeln, schlummern sie hier dem letzten Appelle entgegen. Wir folgen dem Höhenrücken nach Norden. Bekannte Namen tra­gen die Wegweiser: Zonnebeke, Morslede und Passchendaele, unser nächstes Ziel. Ergriffen stehen wir beiden, die wir hier im November und Dezember in Regen, Nebel und Schlamm ge­legen hatten, am Ostrand des Dorfes. Dort lag 116, dort 117, dort wurde der eine am Abend des 1. Dezember 1917 verwundet, dort nahm der andere am Abend des 2. mit der Divisionssturm­abteilung die verlorene Stellung wieder.

Westwärts gen Langemorck.

Und nun wenden wir uns westwärts gen Sange mar cf. In Poelkapelle steht noch ein alter, zusammengeschossener und ausgebrannter englischer Tank, ein Denkmal erinnert an den Artti-Richthofen"', den jungen französischen Jagd­flieger Gun e mer, der nach 52 Lustsiegen hier den Fliegertod fand. Kurz darauf stehen wir auf dem größten englischen Friedhof. Ueber 40 000 ruhen hier in flandrischer Erde. Noch ragen Bun­ker mitten aus ihm heraus, vor denen mancher der stillen Schläfer den Tod gefunden haben mag. Nur drei Deutsche ruhen in dieser jedem Frontsol­daten heiligen Erde. Sie verteidigten chren Bunker bis zum letzten Atemzug, und der Feind gab ihnen die letzte Ruhe als eine Ehrung der Tapferen dort, wo sie getreu gewesen waren bis zum Tod. Ganz anders ist das Bild dieses Friedhofes mit seinen unendlich vielen Steingrabrnälern, seinem hoch­ragenden Steinkreuz als das, was wir seither von deutschen Friedhöfen gesehen hatten, und voller Er­wartung folgten wir nun der Straße nach Sange» marck. Eine heckendurchsetzte, fast ebene Flache ist es, über die einst die Männer vomGrünen Korps", vielfach fast noch Knaben, mit dem Deutschland, Deutschland über alles" auf den Lip­pen gegen das festungsartig ausgebaute, von kampf­erprobten Kolonialsoldaten verteidigte Dorf an- stürmten.

Auf dem patenfriedhof der deutschen Studenten.

Hier auf dem Ehrenfriedhof, dem Patenfriedhof der deutschen Studenten, fanden über 11000 von ihnen ihre letzte Ruhestätte. Schweigend stehen wir vor der Pforte zur Vorhalle. Deuffche Jugend grüßt deutsche Jugend mit dem Kranz aus Eichengrün deutscher Wälder. Ergreifend ist die schlichte Feier im Chrenhof inmitten mächtiger Quader aus Sand­steinen von der Weser. In gleicher Weise erfaßt uns, die mir ihre Kameraden norm Feinde waren, wie die Jungen, denen sie Vorbild sein sollen, die Gewalt des Augenblicks, stehen wir unter dem Vanne der Gefühle, denen der Direktor der Sange- marck-Schule zugleich als Soldat des großen Krie­ges Ausdruck verleiht. Utü> stumm gehen wir durch den hohen Buchengang den Weg zu chrer Ruhe­statt. Aus der Enge des Ganges führt er uns an die Grenze des in voller Blüte stehenden Mohn­feldes. Taufende und aber Tausende roter Mohn- blüten gleichen den jungen Helden, die ihr Herz­blut gaben fürs Vaterland. Schweigend betreten wir den gewundenen Steinweg, sehen den Wasser­graben, der den ganzen Fri^hof umgibt, gestillt mit dem Element, das den Kampf in Flandern gekennzeichnet hat, kommen an Bunkern vorüber, um die einst der Kamps der Flandernschlacht tobte, und treten ergriffen ein in den Heldenhain. Deuffche Eichen, schön und gleichmäßig gewachsen, stehen über grünem, kurzem Rasen, auf dem sich HolH- kreuz an Holzkreuz reiht. Schlanker sind diese Kreuze als sonst auf unseren Krieg er fried Höfen, sie sollen uns zeigen, daß es Knaben und Jünglinge waren, die hier für Deutschland starben. Ihr Sieb, dasDeutschlandlied", vereinigt uns alle noch ein­mal im Ehrenhof, und tief ergriffen von der Schön- hell, Einfachheit, Gepflegthell, gepackt von der Symbolik und der Größe des hier festgehaltenen Geschehens verlassen mir den heiligen Boden der Ruhestätte deutscher Jugend.

Auf dem Semmel.

Vier Jahre ging der Kamps um Ppern, das nun mit seinen drei Türmen vor uns auffteigt. Doch zunächst fahren wir nur durch die Stadt hindurch. Denn wir wollen nicht hier gewesen fein, ohne das Auge Flanderns", den K e rn m e l, erstiegen zu

*) Der Verfasser hat als Seutnant und Kompanie­führer im Infanterie-Regiment 116 vom Oktober 1917 bis Februar 1918 an den Kämpfen in Flan­dern teilgenommen.

haben. Wer einmal hier oben gestanden hat, ver­steht seine Bedeutung als die alles beherrschende Höhe. Vor uns liegt W y t s ch a e t e , wo die gro­ßen Minensprengungen den Beginn der Flandern- schlacht ankündigten. Dort schauen wir hinein nach Frankreich. Lille, Tourcoing, Roubaix mit ihren vielen Schornsteinen werden sichtbar. Weller west­lich liegen Bailleul und Armentiöres, wo im Früh­jahr 1918 der Einbruch in die Stellung der portu­giesischen Division erfolgte, wo die 25. Division Ende April zum Einsatz kam, und wo sie Eiche Juni, Anfang Juli 1918 diespanische Krankheit" (Grippe) packte.

3n Opern.

Ppern, wo wir die Nacht verbringen, ist wieder vollkommen (bis auf einen kleinen Rest an der Tuchhalle) aufgebaut Dort, wo die Straße nach QJleenen die Stadt veriäß.t haben die Engländer den über 54 000 Engländern, deren Ruhestatt man nicht kennt, einen Gedenkbogen in Art eines Stadt­tores errichtet Allabendlich um 9 Uhr ruht dort der Verkehr und belgische Kriegsinvalide ehren die Toten mit dem englischen Signal ,Letzte Post". Wer an ehemaligen Frontkämpfern in der Stadt weilt, nimmt an dieser einfachen, wirkungsvollen Feier teil. Wir trafen dort eine kleine Abteilung derBritish Le gi o n" die ihre Kriegsaus- zeichnuitgen trug und ihre Fahne senkte zu Ehren ihrer toten Kameraden. Wir aber gedachten all derer, die hier im wellen Haüllreis um Ppern ruhten, indem wir stumm die Hand zum Gruße hoben. Das bot den Anlaß, zu einer Begrüßung mit den Männern von deranberen Seite", die auch z.T. hier in Flandern gekämpft hatten, viel­leicht unsere unmittelbaren Gegner aewesen waren. Gleiche Gründe hatten sie wie uns hierher geführt, Äeiche Gefühle mögen sie erfüllt haben. Es war die Achtung des ehrlichen Frontkämpfers vor dem Frontkämpfer, als wir den uns unbekannten eng­lischen alten SoDctten die Hand zum Abschied reich­ten. Ich glaube, daß keiner von uns diese kurzen Minuten missen mochte.

Bei Nieuport am Meer.

Aus dem Houthulster Wald, den wir am nächsten Tag besuchen, ragen noch die abgestorbe­nen Baumkronen hervor, die allmählich erst von jungem Grün verkleidet werden. Das Flandern- kreuz, das Ehrenmal der gefallenen Dlamen und zugleich der geistige Mittelpunkt der vlömischen Be­wegung bei DixmuLe, führt uns an das lieber» schwemmungsgebiet von 1914 heran, wo das durch die gesprengten Schleusen bei Nieuport einströ­mende Wasser als unbezwingbare Gegner in den Kampf um Ppern 1914 eingriff. Wir besuchen den Langen Max", ein eingebautes 38-om-Schiffsge­schütz, das einst Dünkirchen beschoß, und erreichen bei Nieuport das Meer, lieberaö in den Dünen südlich und nördlich Ostende erkennt man noch Ge­schützstände u. ä., und schließlich stehen wir an der

Mole von Zeebrügge, wo zur Wb-ezett noch die Wracks der englischen Schiffe aus dem Wasser ragen, die am 23. April 1918 von den (bnglänbern versenkt wurden, um damit die Ausfahrt aus dem U-Boothafen Zeebrügge zu sperren.

AuSklang.

Unsere Fahrt hat chren entferntesten Punkt er­reicht. Beim Rückweg über die schönen flandrischen Städte Brügge und Gent fällt uns ein, daß wir hier an der Straße von Brügge nach Torheut im Dftober 1918 Eingreifdivision bei dem Marinekorps waren und daß wir nach der Flandernschlacht im Oktober 1917 nördlich von (9ent als Grenzdevision an der holläittnschen Grenze schöne Tage der Er­holung verlebten.

Weller geht es über Brüssel nach Löwen, und nun wird die (Erinnerung wach an jene trüben Novembertage 1918, als auf diesen Straßen unsere Regimenter aus schwersten Abwehrkämpfen heraus den Rückmarsch in die hessische Heimat vollzogen.

Es sind gemaltige Eindrücke, die bei einer solchen Fahrt denjenigen packen, der um dieses Land selbst einmal mit Einsatz von Leben, Blut und Gesund- hell gerungen hat und der in diesem Kampfe, in dem erst der Marrn sich bewährt, nie ab reißende Bande zu anderen Menschen, gegründet auf gegen­seitiger Achtung und im Schwersten erprobter Ka­meradschaft, geknüpft hat. Und ich glaube auch, daß hier der alte Frontkämpfer der einzig Berufene und Fähige ist, um denen, die nicht das große Er­leben hatten. Geschehen und Sinn des Frorttlebens aufzuzeichnen. Es gibt in jenen Städtchen und Städten auch eine andere Art der Einführung; das sind, Schauen, Sammlungen usw. verschiedenster Art. Sie sind für unser Empfinden geschmacklos, ja z. T. geradezu beleidigend und für ein sentattans- lüfternes Publikum geschaffen. Wir können auf alle diese Dinge verzichten, wenn wir uns vertiefen m die Geschichte der Kämpfe in Flandern und wenn wir am Ort ihrer Ruhe die zu uns reden lassen, die mitDeutschland" lln Herzen und auf den Lip­pen hier eingingen zur großen Armee all derer, die einst starben, damit Deuffchland' lebe.

Da diese hinter uns liegendeFlandernfahrt" die erste von wetteren sein soll, sei schließlich dem Be­dauern darüber Ausdruck gegeben, daß es uns die­ses Mal nicht möglich war, Friedhöfe aufzufuchen, auf denen Söhne unserer Heimat ruhen. Dabei ist mit Sicherhell anzunehmen, daß gerade auf den Friedhöfen in der Umgebung von Gheluvelt man­cher brave hessische Soldat seine letzte Ruhe gefun­den hat. Die Notwendigkeit, die Zell bis zum letzten Augenblick auszunutzen, da nur zwei Tage für Bel­gien zur Verfügung standen, verbot Nachforschun­gen an Ort und Äelle; wir haben das sehr be­dauert. Wenn es aber vorher der Reiseleitung be­kannt wäre, auf welchem Friedhof, die ja alle Nummern haben, das Grab sich findet, für dessen Besuch Angehörige in der Heimat bairtbar wären, so könnte dieser Wunsch sicherlich in den meisten Fallen erfüllt werden.

Aus den Gießener Gerichtssälen.

Meine Strafkammer Gießen.

Durch Urteil des Amtsgerichts Friedberg wurde 5)ermann Schoon aus Bremen zu einer Haft­strafe von 6 Wochen verurteilt uni> seine Unter­bringung in ein Arbeitshaus angeorbnet Er wurde am 18. April in Heldenbergen betroffen, als er ohne Zweck, Mittel und Erwerb im Lande umher­zog. Bis Herbst 1937 hatte der Angeklagte feinen Wohnsitz in Bremen. Seit dieser Zeit ist er auf Wanderschaft, und er zog geregelter Arbeit das Leben auf der Landstraße vor. Bei dem Ange­klagten handett es sich um einen völlig entwurzel­ten, Willensschwächen Menschen.

Wegen der angeordneten Unterbringung in ein Arbeitshaus legte der Angeklaate Berufung ein. Die Berufung wurde, entsprechend dem Antrag des Anklagevertreters, als unbegründet verworfen.

Der I. M. aus Gießen erhielt einen Strafbefehl über 3 Wochen Haft wegen Uebertretung der Stra­ßenverkehrs-Zulassungsverordnung. Er fuhr am 7. November 1938 gegen 18 Uhr einen Lastwagen, obwohl er derart unter dem Einfluß von Alkohol stand, daß er sich lln Verkehr nicht sicher bewegen konnte. Auch hatte er keine Vorsorge getroffen, daß er andere nicht gefährden konnte. Es Handelle sich darum, daß er damals den H. Schr. in Gießen, der mit seinem Fahrrad aus der Krofdorser Straße kam, zu Fall brachte, wodurch der Radfahrer töd­lich verletzt wurde. Das Verfahren wegen fahr­lässiger Tötung ist mangels ausreichender Schuld des Angeklagten eingestellt worden.

Gegen den Strafbefehl legte der Angeklagte Ein­spruch ein. In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Gießen am 31. März 1939 wurde er zu einer Haftstrafe von 3 Wochen, abzüglich 11 Tage Untersuchungshaft, verurteilt. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. Nach dem Gutachten des Sachverständigen, gestützt auf die Blutproben und die Beobachtung des Ange­klagten nach dem Zusammenstoß, war der Ange­klagte nach dem Alkoholgenuß, wenn er auch zu den Alkoholgewöhnten zu rechnen ist, nicht mehr fahrtüchtig.

Der öerteibiger vertrat die Ansicht, daß dem Angeklagten weder Unsicherheit im Fahren, noch das Bewußtsein der Unsicherheit nachgewiesen wer­

den könne. Als Fahrer in einem Bisvgeschäft sei er zu den Alkohol gewöhnte n zu rechnen, und er sei nicht unsicher im Sinne des §2 der Straßenver­kehrsordnung gewesen. Der Verteidiger beantragte Freisprechung und ttn Falle einer Verurteilung die Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt an» Zusehen.

Die Berufung wurde als unbegründet verworfen.

Durch Urteil des Amtsgerichts Gießen vom 24. April 1939 wurde der R. R. aus Watenstadt wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt. Der Angeklagte machte sich am 6. August 1938 mit einem Mädchen in G. bekannt, wobei er sich als Rudi Weber, Schacht- bzw. Bau­meister ausgab und dem Mädchen die Ehe ver­sprach. Später machte er auch gegenüber den Eltern des Mädchens falsche Angaben und Derspre-- chUngen, die ihn daraufhin wiederholt beherbergten und beköstigten, ohne eine Gegenleistung zu for­dern. Ferner lieh ihm das Mcllnhen, weil er an­gab, sein Geld sei auf ein Konto in Braunschweig überwiesen, nach und nach etwa 150 Mark. Als ihm wiederholt Vorhalt gemacht wurde, er sei ver­heiratet, leugnete er dies hartnäckig. Trotzdem er verheiratet und Vater von drei Kindern ist, verlobte er sich mit dem Mädchen und verschickte Verlobungs­karten. In Gegenwart des Angeklagten sagte eines Tages seine Ehefrau zu dem Mädchen: ,Zhr Freund ist mein Mann!" Der Angeklagte war aber so dreist, zu behaupten, er kenne die Frau gar nicht.

Der im wesentlichen geständige Angeklagte legte gegen das Urteil Berufung ein, und zwar wegen der Strafhöhe.

Der Verteidiger bestritt die Dereicherungsabsicht des Angeklagten; dieser habe nur in Beziehungen zu dem Mädchen kommen wollen. Er beantragte Herabsetzung der Strafe. Der Vertreter der An­klagte beantragte, die Berufung zu verwerfen, und führte weiter aus, der Angeklagte fein einschlägig vorbestraft und gegen Heiratsschwindler müsse streng vorgegangen werden.

Die Berufung des Angeklagten wurde denn auch als unbegründet verworfen. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Angeklagte habe das Mädchen m übler Weife getäuscht, er habe es nicht nur auf Liebschaft, fonoern auch auf Geld abgesehen.

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