Donnerstag, 6.3uli 1959
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Nr. 155 Zweites Blatt
I
Lungmcidel sammeln Altmaterial
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger).
Schon
Das Geheimnis.
Wette gewonnen.
sich den
In diesem Augenblick explndierte d'e gnnze Bühne vor Lachen, allen voran Cornelius selbst Der Lor Hang siel zwanzig Verse zu früh, Romeo hatte feine
mußte. , „ _ .£
Ein derartiger Lachausbruch eruptiver Heiterkeit ereignete sich auch während einer „Romeo - und - Julia"- Aufführung in München. Der ganze Saal in Capulets Hause samt allen Gästen, Masken und Bedienten bog sich vor Lachen, Romeo prustete in die Kulissen, und sogar der wüteiide Tybald grinste von einem Ohr zum anderen. Nur einer lachte nicht — nämlich der Darsteller des Capulet, einer der berühmtesten Namen der deutschen Bühnen, nennen wir ihn Cornelius. Dieser, auch im Leben von sehr trockener Gemütsart, machte seinen Kollegen nach Schluß der Vorstellung die schwersten Vorwürfe, beschuldigte sie der Disziplinlosigkeit, schalt sie kindisch und behauptete, daß ihn nichts und niemand auf den Brettern zum Lachen bringen könnte, wenn *5 feine Rolle nicht vorjchriebe.
Die Jugend stellt immer wieder in
Odenwälder Heimatvereinigung.
Am Dienstagabend fand wiederum eine gut- besuchte Monätsoersammlung statt. Oberrevisor Hartmann gab einen Einblick in das kulturelle Leben der im Banat wohnenden Odenwälder, die sich durch die Jahrhunderte ihre Mundart, ihre Sitten und Lieder bewahrt haben. Studienrat Dr. Walther wies an Hand eingehender familien- kundlicher Forschungen nach, wieviele große Manner unserer Zeit aus dem Odenwald stammen. Der Austausch samiliengeschichtlicher Erinnerungen hielt die versammelten Landsleute noch lange beisammen.
Im übrigen ist es Nicht leicht, sich mit einem kleinen Hotelzimmer zu befreunden. Man laust also in einen Blumenladen, kauft sich einen Veilchen- strauß, stellt in ins einzige Wasserglas auf den etwas kippligen Tisch, und wie von einem Zaubertab berührt, wirkt jetzt das Zimmer heimelig und zuversichtlich.
Und dann kommt der Abend. Man knipst das Licht an. Das Zimer fühlt sich so erschrocken, so nackt. Dann zieht man die Vorhänge zu. Und nun kommt etwas, was dieses billige, schmale Hotel- zimmerchen über alle Hotelzimmer hebt, die man jemals erlebt hat. Man zieht also die Fcnstervor- hängc zu. Einfache, dunkle Vorhänge. Doch da ist etwas hineingestickt, ganz zart und unauffällig, aber doch so auffällig, daß man es gut lesen kann. Und da steht „Bleibe gesund!"
Und dieser gute Wunsch wirkt wie eine Liebkosung, wie eine heimliche, ganz schüchterne Lieb- kosung. Und nun, wo man im Bett liegt, ertappt man sich dabei, daß man zufrieden vor sich hm- lächelt. Max Jungnickel.
Jahren sind die Bienenzüchter, die in der „Jm- ker-Ortsfachgruppe Gießen und Umgebung" zusammengeschlossen sind, bestrebt, durch systematische Bienenzucht die Honigerträge ihrer Bienenvölker zu erhöhen. Ein wesentliches Mittel und ein entscheidender Faktor für diese Ertragssteigerung ist die B teil e'nb e leg sta t i o n im Krofdorfer Forst geworden, die seit dem Jahre 1931 besteht.
Diese Belegstation befindet sich in landschaftlich reizvoller Umgebung im Krofdorfer Forst, in einem idyllischen Waldtal, und ist vom Forst- haus Waldhaus aus in
legftation im Krofdorfer Forst war die wichtigste Voraussetzung, daß in zweieinhalb Kilometer Umkreis keine Bienen gehalten werden. Diese Voraussetzung ist erfüllt. Die Belegstation der Ortsfachgruppe Gießen gilt als eine von der Reichsfachschaft anerkannte Beleg- statiön. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Ein gelöstes Kaffeehausproblem.
Der Reichsdeutsche, der nach Wien kommt und dort ein Kaffeehaus besucht, darf jetzt in wirklicher Gewissenserleichterung aufatmen. In Gewissenserleichterung ob der Trinkgeld- frage? Ja! Denn das war eine Wissenschaft für sich.' Im Altreich bedient im allgemeinen e in Kellner eine bestimmte Reihe von Tischen. In Wien ist es aber ganz anders. Da gibt es einen Kellner, der den Kaffee bringt, dann einen Kellner, der drei oder vier Glas Wasser dem Gast auf den Tisch stellt und endlich den Zeitungsträger. Zum Ueber- druß aber kassiert keiner dieser genannten Kellner die Rechnung: dafür ist vielmehr die Respektsperson des Kaffeehauses da, nämlich der Herr Zählkellner oder der Herr „Ober". Die Verteilung der Trinkgelder unter eine solche Fülle hilfreicher Geister war nun eine Spezialwissenschaft, bei der cs der Gast aus dem Altreich — wie sich wohl begreifen läßt — jedermann recht machen wollte und es kaum ohne tiefgründige Kenntnis des Wiener Wesens jedem recht machen konnte. Nun ist diese Seelenpein vorbei. Denn der Reichskommissar Gauleiter Burckel hat den einheitlichen Bedienungsgeldzuschlag von 15 v. H. festgesetzt. Das ist etwas mehr als im Altreich, wo man mit 10 v. H. herumkommt. Es^ist aber zu berücksichtigen, daß der Besucher des Wiener Kaffeehauses neben seiner Schale „Ruß , Kapuziner", „Verkehrt", „Melange" oder wie die ganze Stufenleiter der Kaffeemöglichkeiten in Wien sonst noch heißen mag, eine erhebliche Menge von Wasser vertilgt. Zu einem Schälchen Kaffee pflegen je nach der Dauer M Aufenthaltes zwei bis sechs Glas Wasser „serviert" zu werden. Daß der Besucher des Wiener Kaffeehauses bei diesem ausgiebigen Wasserqenuß ein zähes Sitzfleisch zu entfalten pflegt, ist eine zugleich gerichtsnotorische wie weltbekannte Tatsache. Der Trinkgeldzuschlag von 15 v. H. ist also verdient.
Hochschulnachrichten.
Der bekannte Rassenforscher und Bevölkerungs- Politiker Staatsrat Professor Karl A st e l wurde zum Rektor der Universität Jena ernannt. — Der Astronom Professor Adalbert Prey (Wien) wurde wegen Erreichens der Altersgrenze von feinen Amtspflichten entbunden. Prey war seit 1909 Extraordinarius in Innsbruck, seit 1917 Ordinarius in Prag und als solcher seit 1930 in Wien. — Der Erlanger Rechtshistoriker Geheimrat Dr. phil. et jur. Bernhard Kübler vollendete in diesen Tagen sein 80. Lebensjahr. Er wirkte seit 1912 in Erlangen und ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften des In- und Auslandes sowie Ehrendoktor der Universität Athen. Er ist Herausgeber des Wörterbuches der römischen Rechtssprache und Verfasser einer Geschichte des römischen Rechts. — Geheimrat Professor Dr. August Borchert, Ge- neralarzt a. D., feierte in diesen Tagen seinen 7a. Geburtstag. Er war seit 1895 bis 1916 Chefarzt des Diakonissenhauses in Posen und im Kriege beratender Chirurg des Feldheeres. Er ist seit langem Schriftleiter von „Langenbecks Archiv für klinische Chirurgie" und vom „Zentralblatt für Chirurgie . — Dr med. vet. habil. Felix Schmid wurde zum ordentlichen Professor der Parasitologie und der veterinärmedizischen Zoologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover ernannt.
Zielbewußte Bienenzucht.
Aus der Arbeit der Zmker-Ortsfachgruppe Gießen.
seit mehreren
Dienst der großen Aufgaben, die für unsere Volksgemeinschaft zu erfüllen' sind. Am gestrigen Mittwoch sah man zahlreiche Jungmädel mit kleinen Handwagen unterwegs, die von Haus zu Haus gingen, überall an den Türen nach Altmaterial fragten und einen kleinen Wagen nach dem anderen mit Papier, Alteisen, Staniol usw. füllten, um das im Hause wertlose, in der Zusammenfassung aber wertvolle Material zusammenzutragen und am Sammelplatz abzuliefern. Unser Bild zeigt die Jungmädels mit voll- beladencm Wagen unterwegs.
Am gestrigen Mittwoch gegen 17 Uhr ereignete sich auf der Reichsautobahn in der Gemarkung Grüningen ein schweres Automobil u n - glück, bei dem leider ein Insasse des Autos das Leben verlor. Ein Auto aus Berlin, das mit einem Ehepaar besetzt war, kam beim U e b e^r h o len eines Motorradfahrers zu weit seitwärts ab und geriet auf die Grünfläche. Dabei überschlug sich der Wagen, der anscheinend mit hoher' Geschwindigkeit fuhr, mehrmals. Das Ehepaar wurde herausgeschleudert. Unglücklicherweise stürzte der Ehemann auf die betonierte Fahrbahn, wo er mit einem doppelten Schädelbruch auf der Stelle tot liegen blieb. Die Ehefrau wurde auf die Grünfläche geschleudert und kam dadurch glimpflicher davon, immerhin mußte sie mit inneren Verletzungen von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes m die Klinik verbracht werden. Das Auto, das von der Frau gesteuert worden war, wurde sehr stark beschädigt nach Gießen abgeschleppt. Die motorisierte Bereitschaft der Straßenpolizei Frankfurt, die Gendarmerie und die Kriminalpolizei von Gießen weilten kurz nach dem Unglücksfall an Ort und Stelle, um die erforderlichen Feststellungen zu machen.
Gietzener Wochenmorktpreise.
* Gießen, 6. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse A 12%, D 10%, Wirsing, % kg 15 bis 16, Weißkraut 15 bis 20, gelbe Ruben 25, das Bündel 12 bis 14, rote Rüben 10 bis 15,
Aus der Stadt Gießen.
Llrlaubsfieber ...
Manche Leute sind in den Tagen vor dem Urlaub von einer Unrast befallen, wie sie schlimmer nicht bei den Amerikafahrern des vergangenen Jahrhunderts aufgetreten sein kann. Koffer werden ein- und ausgepackt, die halbe Wohnungseinrichtung möchte man mitschleppen, dann wieder merkt man voller Verzweiflung, daß das nicht geht, und ist nun entschlossen, den Weg in die Ferne nur mit einer Aktentasche anzutreten. Weil das aber auch wieder nicht geht, fängt die Aufregung von neuem an.
llrlaubsfieber ist eine böse Sache und zumeist schuld an allem, was sich hinterher an Mißhellig- keiten einstettt. Also Ruhe und nochmals Ruhe! Zweckmäßig fängt man ein paar Tage vorher zu packen an und schreibt sich auf einen Zettel, was unbedingt mitgenommen werden muß und was sonst an notwendigen Maßnahmen zu treffen ist. So ein Zettel ist eine gute Gedächtnisstütze, angefangen vom „Platzkartenbesorgen" bis zum „Schlussel beim Hauswart abgeben". Zwischen diesen beiden hat all das andere Platz, und was man ausgeschrieben hat, kann man nicht mehr vergessen!
Die anderen Dinge aber, jene nämlich, die einen harmlosen Urlaubsreisenden unterwegs und dann am Erholungsort anfallen tönen, kann man schlecht auffrf)teiben.'(Es ist mich schon beffer, man lernt die Heilmittel dagegen auswendig und durchdenkt sie so, daß sie in Fleisch und Blut über^en Das ist gar nicht so schwer. „Sei nicht leichtsinnig , „Sei nicht waghalsig" „Sei nicht rücksichtslos und verbanne nicht jeden vernünftigen Gedanken aus deinem Gehirn!" Das genügt schon. Wer nicht leichtsinnig ist, steckt nicht Kopf und Arme zum Abteilfenster hinaus! Wer nicht waghalsig ist, wird nicht beim Schwimmen seine Kräfte überschätzen, weil er mit Gewalt über den See schwimmen will! Wer nicht rücksichtslos ist, bepflastert die Straßen nicht mit ausgespuckten Kirschkernen, auf denen dann andere ausrutschen und sich Hals und Beine brechen. Und wer auch im Urlaub einigermaßen klar denkt, wirst keine zerschmetterten Bierflaschen ins Wasser der Badestelle und raucht im -Walde weder Zigaretten, noch Zigarren, ndch steckt er eine Pfeife an. Er wird sich im Urlaub so benehmen, wie er es von allen anderen Urlaubern erwartet. Das ist nämlich der beste Maßstab.
Der Urlaub soll der Erholung dienen und weder vocher einen Anlaß zu revolutionären Umwälzungen und Ausschreitungen in der Wohnung sein, noch nachher die Ursache für sich lange hinziehende Schadenersatzzahlungen an Leute, mit denen man im Urlaub zusammen kam und die Schaden erlitten haben, weil man seine Gedanken nicht beisammen hatte.
Vornotizen.
Tageskatender für Donnerstag.
Gießener Studententag: 21.30 Uhr, Fockelmarsch ab.Studentenhaus, 22.15 Uhr Eröffnungskundgebung auf Oswaldsgarten. — Gloria-Palast: „Der arme Millionär."
SetriebSführer, gebt Sonderurlaub!
Ein Aufruf Dr. Leys zu den Reichswettkämpfen der SA.
Der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat au$ Anlaß der Reichswettkämpfe der SA. und des damit verbundenen Führerappells einen Aufruf an alle Betriebsführer erlassen, in dem es heißt:
„Auch in diesem Jähre ruft die SA. wieder ihre Männer zum Reichswettkampf der SA. zusammen.
In Verbindung hiermit ist ein Führerappell unbesetzt, an dem die SA.-Führer bis einschließlich Sturmführer teilnehmen sollen.
Ich richte daher an alle Betriebssichrer die Bitte, den SA.-Führern und SA.-Männern ihrer Betriebe, wie kn den vergangenen Jahren, auch in diesem Jahre die Teilnahme an den Wettkämpfen bzw. an. Führerappell durch Gewährung von Sonderurlaub für die Tage vom 20. bis 24. Juli 1939 zu ermöglichen." __________________
Diese mit selbstgefälligem Pathos geäußerte Behauptung reizte den Darsteller des Romeo — den witzigen und heute an den Bühnen Westdeutschlands ehr'bekannten Schauspieler Wilhelm B. — Zum ofortiqen Widerspruch. Er sei bereit, eine Wette einzugehen und verpflichte sich, Cornelius an jeher beliebigen, vorher bestimmten Stelle seiner Rolle auf offener Bühne zum Lachen zu bringen.
Unter großem Halloh aller Kollegen wurde die Wette um eine Flasche Sekt abgeschlossen, und sofort wurde die Souffleuse geholt, die die Rolle des Waisenknaben übernahm. Sie stach mit ihrem spitzen Finger aufs Geratewohl in das Textbuch hinein, und'siehe da!, ähre Nagelspitze ruhte auf dem erjten Aufzug, fünfte Szene, Vers 128—130, in der Capulet seine Gäste mit folgenden Worten zuruck- halten will:
Nein liebe Herrn, denkt noch ans Weggehn nicht! Ein kleines, schlechtes Mahl ist schon bereitet. — Muß es denn sein? — Nun wohl!
Diese Worte waren mehr als unverfänglich, sie waren vollständig harmlos, und die ganze Buhne verbrach sich den Kopf, wie der junge Wilhelm -b. es anstellen wollte, den unerhört buhnenlicheren Cornelius gerade an dieser Stelle zürn Lachen zu bringen. Es wurden Wetten abgeschlos en, und die Erwartung stieg. So kam der nächste Abend heran. Die ersten vier Szenen gingen über die Bretter, während eine nicht geringe Spannung über her ganzen Bühne lag, um so mehr, als her witzige und von Einfällen sprühende Romeo o sen jugab daß er noch immer nicht hie geringste Ahnung habe woburch er den Capulet zum Lachen bringen wollte. So kamen die kritischen Verse heran. Capulet
trat vor und begann:
Nein, liebe Herrn, denkt noch ans Weggehn nicht. Ein kleines, schlechtes Mahl ist schon bereitet.
Schon wollte er todernsten Gesichtes mit einem Triumph in den Augen die letzten Worte der kritischen stelle sprechen, als Romeo schnell auf Capulet zutrat unh, wahrscheinlich, weil ihm m der Verlegenheit nichts anheres emftel, ihm jenes ost gebrauchte unh sehr populäre Zitat ms Dhr ^P^-
Cornelius stutzte einen Moment zwang sich aber in seiner Rolle fortzufahren, er breitete hie Arme aus unh sprach mit Pathos:
„Muß es, benn sein? — Nun wohl!"
Romeo zitiert Götz.
Eine Theatcranckdotc, die den Vorzug hat, wahr zu sein.
Jeher Schauspieler kennt hie Lachepibemien aus offener Bühne, hie sich unaufhaltsamer verbreiten als Honig auf her Buttersemmel unh anfterfenber sinh als hie Pest. Einer her Darsteller bekommt plötzlich einen Lachreiz, vielleicht weil ihm ein Witz eingefallen ist, den er schon immer den Kollegen erzählen wollte, ober weil in her ersten Reihe ein alter Herr mit einem komischen weißen Bart sitzt ober aus sonst irgenbeinein Grunde. Der Lachreiz ist nicht befonbers groß, er würbe in einer anheren Situation kaum ein flüchtiges Lächeln Hervorrufen, aber her Schauspieler weiß genau: er muß tobernjt bleiben, tausend Augen hängen gebannt an seinem Antlitz, er darf sich auch nicht das leiseste Zucken um die Mundwinkel erlauben, unh biefes Bewußtsein steigert den Lachreiz ins Enorme.
Die Worte der Rolle kommen immer stockenber und mit gepreßtem Atem aus seinem Munde, er beginnt rot anzulaufen, die tollsten Grimassen zu schneiden, mit den Zähnen zu knirschen und sich mit hüpfenden Schultern vom Publikum abzuwenden. Seine Kollegen merken natürlich, was los ist, sie werden sofort vom Lachbazillus angesteckt und platzen gewöhnlich noch früher los, ganz abgesehen von den bühnenunsicheren Statisten, die ihrer Heiterkeit keinen Zwang antun unb offen herausprusten. Keiner auf der Bühne weiß, warum er lacht, aber jeher ist sich bewußt, baß es verboten ist unb bie ganze Szene geschmissen wirb. Unh trotzbem: es hat Lachanfälle gegeben, die her Vorhang beenben
wenigen Minuten zu er- , ,f .
reichen. Die Belegstation bietet em erheblich anderes Bild als ein Bienenstand schlechthin. In einem Häuschen (im Bild oben links) befindet sich ein be- fonbers leistungsfähiges Volk her sogenannten „Kramer Bienen" (einer Züchtung aus her Ostmark), besten Drohnen, also bie männlichen Trager her Erbeigenschaften, die Leistungsfähigkeit des Volkes weiterzutragen haben. Diese Uebertragung der guten Erbeigenschaften geschieht dadurch, daß viele junge Völker mit ihren ebenfalls aus leistungs- öhigen Völkern stammenden und bewußt gezüchteten Königinnen zu dieser Belegstation gebracht werden. Dort unternehmen die Königinnen ihren Hochzeitsflug, um schließlich, begattet von einer her Drohnen bes Stockes her Belegstation, in ben eigenen Stock zurückzukehren unb mit hem Eierlegen zu beginnen. So wirb also bie Königin zur Trägerin sowohl her eigenen guten Eigenschaften als auch her bes ausgesucht leistungsfähigen Drohnenvolkes her Belegstation im Krofb'orfer Forst. Gegenwärtig be- finben sich aus hem Gelände der Belegstation etwa 200 junge Völker mit ihren Königinnen.
Für die Einrichtung und Anerkennung der Be-
Gießener Gtudententag 1939.
Tag des Sportes.
Nach her Eröffnung bes Gießener Studenten- tages 1939 am heutigen Donnerstagabend ist der morgige Freitag der „lag des Sporte s". Um 8 Uhr erfolgt auf den Häusern her Korneradschaften bie Flaggenhissung. Von 8.30 bis 11 Uhr finben auf dem Universitäts-Sportplatz bie Vorentscheidungen unb von 15 Uhr ab die Schlußkämpfe statt. Um 18 Uhr folgt, ebenfalls auf bem Universitäts- Sportplatz, bie Siegerehrung. Den Tag beschließt am Abend ein Empfang burch den Studentenfüh- rer Frank im Studentenhaus, zu bem Einladungen an zahlreiche Persönlichkeiten ergangen sind.
BOM.-Iirhrerinnen
ins Egerland abgefahren.
In her Zeit vom 6. bis 17. Juli führt der BDM.- Dbergau 13 Hessen-Nassau sein diesjähriges Fuhre- rinnenlagcr als Großzeltlager bei Eger im Subeten- lanb burch. An ihm nehmen 1100 Mähet- und Jungmäbelführerinnen unb Führerinnen bes BDM.- Werkes „Glaube unb Schönheit" teil. Wenn in ben vergangenen Jahren bie Führerinnenlager bie Vertreterinnen bes hesten-nassauischen BDM. in bie lanbschaftlich schönsten Teile im Norben und Sähen bes Altreichs führten, so 1937 nach Rügen unb 1938 nach Oberbayern auf der Schongauer Alb, wollen bie Tage in her Egerer Zeltstaht bas Erlebnis subetenbeutschen ßanbes unb seiner Menschen vermitteln. r , . .
Der Lagerplan bringt u. a. Ernteeinsatz m her Umgebung von Eger, Fahrten nach Franzensbah, Karlsbad unb Marienbah, Besichtigungen in der Porzellan- unb Glasinbustrie unb eines Braunkohlenbergwerkes, Besuch einer Vorstellung her Wallenstein-Festspiele in Eger, Durchführung von Dorfgemeinschaftsabenben in umliegenben Dörfern, ein offenes Singen auf dem Egerer Marktplatz usw. Der interne Lagerbetrieb steht unter bem Leitwort „Sport. Spiel unb Singen" unb sieht eine straff organisierte Zusammenfassung her Lagerteilnehmerinnen in halben Hunbertschaften vor. _
Die Abfahrt zum Egerlager erfolgte am gestrigen Mittwoch vom Frankfurter Sübbahnhof aus mit einem Sonberzug.
Schweres Autounglück bei Grüningen
Ein Toter.
Billiges Zimmer im Hotel, ganz oben. Man schwebt über bem roten Dächergewimmel der kleinen Stabt. Alle Dinge in diesem schmalen Zimmer- chen wirken wie über einen Leisten geschlagen, wie mit einem Hobel nivelliert. Unb bann scheint bas Zimmer jebem Eintretenben zuzurufen: „Lebe palen'" An her Wanh aber unb in ben Bilhern, bie daran hängen, versinkt bas Zimmer in jenen wolkenlosen Himmel, wo papierne Täubchen unb K. G. v o n Fischer. 1 Vergißmeinnicht schweben.


