Abgeordneter, erklärte, daß die Kneaseinmischungs- vorlage des jüdischen Abgeordneten Broorn, die als „Neutralitätsgesetz" segelt, endgültig erledigt sei. Das amerikanische Volk habe das Vertrauen in Roosevelt wegen teiner Einmischungspolitik verloren. Die Teilnahme der Vereinigten Staaten von Nordamerika an einem neuen Weltkrieg sei keineswegs unvermeidlich. Der fortgesetzte Druck, den Roosevelt auf den Kongreß ausübe. um größere Vollmachten für seine Einmischung zu erhalten, damit die USA. „mit dem Blut und Geld seiner Bürger den „Weltpolizisten" spielen könne, werde den Senat ebensowenig beeindrucken, wie dies bei dem Abgeordnetenhaus der Fall gewesen sei.
Das Vorgehen des Senatsausschusses hat die Möglichkeit vergrößert, daß eine Aenderung der Neutralitätsgesetzgebung in der gegenwärtigen Sitzungsperiode des Kongresses nicht mehr zu- stände. kommen wird. In Kongreßkreisen ist die Neigung im Wachsen begriffen, sich bereits Ende Juli zu vertagen, um die unvermeidlich langwierige Aussprache über die Neutrali- tätsgesetzgebüng während der zur Zeit in Washington herrschenden Hitze zu vermeiden.
Immer neue Forderungen Moskaus.
Kleinlaute Stimmung in Loudon.
Dr.Li. London, 6.Juli.
Die ^Beurteilung der Derhandlungsaussichten mit Moskau ist in London weiterhin wenig hoffnungsvoll. Man hält es für nicht ausgeschlossen, daß Moskau ständig weitergehende Forderungen stellt, um damit Ziele zu verfolgen, die entweder nicht den gemeinsamen Absichten der drei Verhandlungspartner dienen, oder aber weitere Verhandlungen ganz unmöglich machen sollen. Die „Times" erklärt, die Schwierigkeiten hätten sich bei der Aufstellung der Liste der zu garantierenden Staaten ergeben. Die britischen Unterhändler hätten Belgien, Polen, Rumänien, Griechenland und die Türkei vorgeschlagen, die Sowjets hätten diesem Vorschlag zugestimmt, vorausgesetzt, daß Finnland, Estland und Lettland hinzu- gefügt würden. England habe daraufhin erklärt, daß es in diesem Falle seine Sonderinteressen an der Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit der Schweiz und der Niederlande in Er- wägung ziehen müsse. Die Sowjets hätten geantwortet, daß sie die Mittel und Wege für ihre Garantien im Westen prüfen müßten und vorgeschla- gen, 'zuerst einmal Verhandlungen über Militärabkommen mit der Türkei u n d Polen zu eröffnen. Gleichzeitig hätten sie definiert, was sie unter den direkten Angriff oder indirekten Angriff verstünden. Sie seien dabei so weit gegangen, daß man britischerseits befürchtet habe, daß die sowjetrussischen Vorschläge einer Einmischung in die innere Politik anderer Staaten gleichkäme. Moskau soll nämlich neben einer Garantie für die baltischen Staaten auch eine Rückversicherung für eine innenpolitische Veränderung in diesen Staaten verlangt haben. England und Frankreich stehen dagegen auf dem Standpunkt, daß eine derartige Forderung Moskaus zu weit gehe. Durch die Annahme einer solchen fowjetruffifchen Forderung werde Moskau in Die Lage versetzt, eigenmäch - tig und ohne englisches und französisches Dazutun über die Ingangsetzung der Paktmaschinerie zu entscheiden und damit die beiden westlichen Paktpartner in eine bewaffnete Auseinandersetzung hineinziehen zu können. Es wäre zweifelhaft, ob dann ein solcher Krieg geführt werde, um lediglich die Unabhängigkeit anderer Nationen zu verteidigen.
Auch Belgien wehrt sich gegen „Garantien".
Brüssel, 5. Juli. (DNB.) Die klare holländische Stellungnahme zu dem britischen Versuch, eine „Garantie" der neutralen Staaten in das geplante Bündnis mit den Sowjets einzubeziehen, hat in Belgien große Beachtung gefunden. Die „Nation Belge" schreibt: Die Beweggründe, aus denen Holland gegen die Rolle protestiert, die es spielen soll, ohne daß man es überhaupt um seine Meinung befragt hat, gelten auch für uns. Wir würden es nicht verstehen, wenn der belgische Ministerpräsident Pierlot nicht in einer unserer diplomatischen Lage entsprechenden Form die Stellungnahme seines holländischen Kollegen nachahmen würde. Belgien müsse sich heute gegen diejenigen verteidigen, die es in eine internationale Koalition oder in einen ideologischen Block hineinziehen wollten. Man wisse, daß die heutige, in freier Wahl angenommene Politik der Unabhängigkeit jede Zweideutigkeit untersage. Die „Nation Belge" sei niemals ein Freund dieser Politik gewesen und habe sie auch immer nur als ein Provisorium angesehen. Das Schlimmste aber, was es gebe, sei, zweierlei zur gleichen Zeit zu unternehmen. Jetzt sei es das beste, aus jeder diplomatischen Kombination und aus allen Militärbesprechungen herauszubleiben. Das Blatt betont dann, daß die von England angestrebte rate» hündische „Garantie" für Holland, Belgien und die Schweiz unvermeidlich den Versuch heraufbeschwö- ren würde, Belgien indas englisch-französische Bündnissystem hineinzuziehen. Darüber hinaus würde sich eine sowjetrussische Einmischung in belgische Angelegenheiten kaum vermeiden lassen, und eine solche wolle Belgien unter keinen Umständen. „Ving- tifeme Sidcle" schreibt, daß die Belgien bereits gegebenen Garantien Deutschlands, Eng- lands und Frankreichs die einzig nützlichen seien.
Tientsin-SloSade wird verstärkt.
Schanghai, 5.Juli. (Europapreß.) Der Befehlshaber der japanischen Nordchina-Armee General S u g i y a n a inspizierte die japanischen Blockademaßnahmen in Tientsin und erklärte, daß die Blockade ohne Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen in Tokio weiter verschärft würde, bis England seine Politik ändere. Die englisch-japanischen Verhandlungen würden zwecklos, wenn sie nicht vom ersten Augenblick an bewiesen, daß die britische Politik die Unterstützung Tschiangkaischeks aufgebe und der neuen japanischen Ordnung im Fernen Osten keine Hindernisse in den Weg lege. Die nordchinesische javanfreundliche Presse unterstreicht diese japanische Auffassung. Die englischen China-Behörden werden beschuldigt, die im Rücken der japanischen Streitkräfte operierenden chinesischen Freischärler zu unterstützen und ihnen durch Waffenlieferungen Vorschub zu leisten.
Deutschland und Holland wirtschaftlich eng verflochten.
Neichswirtschastsminister Funks Besuch im Haag.
Haag, 5.Juli. (DNB.) Mittwoch traf Reichsminister Dr. Funk in Begleitung seiner Gattin im Haag ein. Am Bahnhof wurde der deutsche Gast durch den Staatssekretär des niederländischen Wirt- chaftsministeriums und den Chef des Protokolls empfangen. Dann machte der Minister Besuche bei dem niederländischen Ministerpräsidenten Dr. C o l - jin und dem Wirtschaftsminister Dr. Steen» berghe. Mittags fand ein Essen in der deutschen Gesandtschaft statt, an dem führende Persönlichkeiten der Niederlande teilnahmen.
Dann besuchte der Minister das Deutsche Haus im Haag. Abends gab der niederländische Wirt- chaftsminister Steenberghe zu Ehren des deutschen Gastes ein Essen, zu dem auch der niederländische Derkehrsminister und der Kolonialminister, erner zahlreiche führende Persönlichkeiten der niederländischen Wirtschaft teilnahmen. Minister Steenberghe sprach die Ueberzeugung aus, daß dieses Zusammentreffen die seit langem bestehenden freund- chaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten weiter fördern werde.
Reichswirtschaftsminister Funk dankte für den überaus liebenswürdigen Empfang. Holland und Deutschland seien nicht nur durch eine alte bewahrte
Nachbarschaft verbunden, sondern auch durch eine enge wirtschaftliche Derpflechtuna, Die auf der natürlichen Ergänzung der beiden nationalen Wirtschaften beruhe. Der persönliche Meinungsaustausch, den Minister Steenberghe an- gebahnt habe, werde dazu beitragen, die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern noch enger und erfolgreicher auszugestalten. Es sei dies auch durch die Vernunft geboten, da die beiden Länder wechselseitig ihre besten Kunden sind. Er freue sich, daß man beiderseits bemüht sei, durch verbesserte Organisation der Zahlungssysteme das beiderseitige Handelsvolumen zu erhöhen. Die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Holland und Deutschland und das beiderseitige aufrichtige Bemühen, auftretende Schwierigkeiten zu beseitigen, gäben den Beweis dafür, daß auch unter verschiedenartigen Wirtschaftssystemen ein gemeinsamer Erfolg erzielt werden könne, wenn man nur den Mut habe, sich von den Dogmen und der Theorie in der Wirtschaft frei zu machen und das zu tun, was gut und notwendig fei. In der Wirtschaftspolitik sei das richtig, was zum Erfolg führe.
Mönchen rüstet zum Tag der Deutschen Kunst.
Berlin, 6.Juli. (DNB.) Unter den großen Festen der Nation nimmt der Tag der Deutschen Kunst seit Jahren einen Ehrenplatz ein. Von den Vorbereitungen, die München nun zum vierten Male für diese festlichen Tage vom 14. bis 16. Juli getroffen hat, sprach der Gauleiter-Stellvertreter N i p p v l d vvm Tradittvnsgau München - Oberbayern vor der Presse. Das herrliche Farbenkleid Münchens, feiner Straßen und Plätze werde in diesem Jahre an vielen Stellen noch reicher und prächtiger erscheinen. Erweitert um die Symbole der seit Jahresfrist erworbenen Reichsteile werde ich auch der Festzug darbieten. Allmählich würden die schönsten Symbole in edlem Metall ausgeführt, um auch späteren Geschlechtern einen Begriff von der hohen bildnerischen Kunst im Reiche Adolf Hitlers zu vermitteln. Ein F a r b e n f i I m rief den großartigen Gesamteindruck des vorjährigen Festzüges von neuem wach, und einige ausgestellte Proben der in Gold und anderen Edelmetallen nachgebildeten Reichsinsignien gaben eine Vorstellung von der handwerklichen Güte und dem künst
lerischen und materiellen Wert der im Festzug mit- geführten Stücke.
Eine großartige Kulturkunögebung des deutschen Volkes werden auch in diesem Jahre die Darbietungen der sechs Münchener Theater fein. Deutschlands beste Orchester und Chöre werden wiederum Konzerte im Freien geben. Die Tanzgruppen der Berliner und her Wiener Staatsoper sowie des Deutschen Opernhauses werden ebenfalls an den verschiedenen Stellen miteinander wetteifern. Ein großer Erfolg verspricht das neue Volksfest spiel „Triumph des Lebens" zu werden, das nach Ideen von Karl Stemp- I i n g e r als monumentales Massenspiel von Hans Niedecken-Gebhard zum ersten Male in das Programm des Tages der Deutschen Kunst eingefügt und an allen drei Abenden im Dante- Stadion aufgeführt wird. 3500 Tänzer und Tänzerinnen sollen neben Tausenden von Laien acht bewegte Massenszenen aus dem Leben des Volkes darstellen. Der Tag der Kunst findet feinen Abschluß mit einer Festnacht der Künstler.
Brief aus der Reichshauptstadt.
Don unserer berliner Schristleiiung.
Berlin, 5. Juli 1939.
Von der Hitze des Tages ein wenig ausruhend, itzt man auf der Gartenterrasse eines Kaffeehauses am Potsdamer Platz und sieht dem Treiben der Spatzen zu, die sich zwischen den dichtbesetzten Tischen an den herabfallenden Kuchenkrümeln gütlich tun oder gar, wen die Ausbeute auf dem Fußboden zu gering ist, keck und dreist auf die Tische hüpfen, um nach Nahrung Ausschau zu halten. Niemand stört oder vertreibt die Spatzen, die sich hier als tägliche „Stammgäste" einfinden. Plötzlich ieht man, wie sich der hüpfenden und pickenden Spatzen eine merkliche Unruhe bemächtigt. Es ist, als ob einer her Spatzen eine Nachricht verbreitet hätte. Es muß eine sehr wichtige Nachricht sein, denn schon — husch! — schwirrt der Spatzenschwarm von bannen, um sich wenige Meter entfernt in der Bellevuestraße auf dem Fahrdamm niederzulassen. Was war geschehen? Ein Wunder war geschehen. Wenigstens ein Wunder für die Spatzen: eine Pferdedroschke war vorgefahren und — nun atzten und schmatzten die Spatzen nach Herzenslust wie einst in den seligen Zeiten, als statt der elektrischen Bahnen, Kraftwagen und Autobusie noch Pferdebahnen und Hunderte von Pferdefuhrwerken den Potsdamer Platz alltäglich überquerten. Wer verstehen konnte, was sich die Spatzen in ihrer ausgelassenen Freude über ihr „gefundenes Fressen" erzählten, der konnte deutlich hören, wie ein junger Spatz zu feiner Spatzenmama sagte: „Wie schön, daß es endlich wieder einmal Kuchen gibt!" Woraus deutlich hervorgeht^ daß den Spatzen ein kräftiges Pferd lieber ist als 10 Luxuslimousinen mit 100 Pferdekräften und daß noch immer der alte Satz gilt: „Was dem einen fein Kuchen ist, ist dem anderen — feine Hausmannskost!"
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Berlins Statistiker arbeiten nicht nur exakt, sondern auch schnell, wie bas Ergebnis der Volkszählung in der Reichshauptstadt beweist. Nach dieser Zählung waren am 17. Mai dieses Jahres in Berlin 4 332 337 Personen anwesend. Diese „Anwesenheitsliste" gibt indessen noch keine Auskunft über die Wohnbevölkerung Berlins, da ja auch bie Fremden mitgezählt wurden, die sich am Stichtage vorübergehend in Berlin aufhielten, während btejenigen Berliner und Berlinerinnen in her Statistik fehlen, die zur selben Zeit von Berlin vorübergehend abwesend waren. Gegenüber der letzten Volkszählung vom Jahre 1933 kann die Reichshauptstadt ein Mehr von rund 90 000 Köpfer buchen. Was die Statistiker Berlins weiterhin ermittelten, ist die interessante Tatsache, daß von den gezählten 4 332 337 Personen 1 988 747 dem männlichen und 2 349 590 dem weiblichen Geschlecht angehören, was einen U eberschuß von 366 843 Frauen und Mädchen ergibt. Noch interessanter aber ist, daß im Verhältnis zur Volkszäh
lung von 1933 die männliche Bevölkerung um 26 732, die weibliche aber um 63 104 Personen zugenommen hat. Wenn man sich hierüber in Berlin wie überhaupt über den großen Frauenüberschuß der Reichshauptstadt bereits den Kopf zerbricht, so ist das etwas verfrüht, weil zunächst abgeroartet werden muß, wie sich im ganzen Reich ö-ie Zahl der männlichen Bevölkerung zur weiblichen verhält, und ob auch im Reich die weibliche Bevölkerung in so starken Ausmaßen zunahm wie in Berlin. Unbestritten bleibt allerdings, daß die Berliner Junggesellen sich in Zukunft sehr quälen müssen, denn wer die Wahl (unter so vielen Frauen) hat, hat die Qual.
Wenn man Glück hat, kann man viel erleben, ja sogar unverhofft einer — Filmexpedition beiwohnen. Ein solches Glück hatten vor kurzem die Besucher des Berliner Zoologischen Gartens. Anhnungslos wandelte man unter schattigen Bäumen in der Nähe der neugefchaffenen Freianlage für Bären und Wölfe, eines aus Naturstein erbauten und von tiefen Gräben umgebenen Fels- massios, als unversehens ein Trupp beherzter Männer auf dem Plan erschien, um mit Hilfe von vielen Tonfilmgeräten das Heulen der Wölfe auf- ßunehmen. Heulende Wölfe für einen Film? In der Tat! In dem in allen übrigen Teilen schon fertig gedrehten Karl-Ritter-Film Kadetten", der in der friderizianifchen Zeit spielt, benötigt man ein kurzes Wolfsgeheul. Versteht sich, daß man sich nicht mit einer künstlichen Geräuschkulisse begnügen will. Nun weiß aber jeder Zoo-Besucher, daß die Wolfe der Freianlage vortrefflich zu heulen verstehen. Es lag also sehr nahe, dieses echte Wolfsgeheul für den Ufa-Film einzufangen. Doch hatte man diesmal die Rechnung ohne die Wölfe gemacht: f i e heulten nicht! Keinerlei gütliches Zureden und langes Warten half. Als dann die Filmmänner erfuhren, daß die Wölfe nur dann zu heulen pflegen, wenn die Glocken der nahen Kaiser- Wilhelm-GÄächtniskirche ertönen, stiegen die Männer vom Filmtontrupp auf den Aussichtsturm des Zoo und veranstalteten mittels Stahlplatten und dröhnenden Hammerschlägen ein mächtiges „Glockenläuten". Allein, was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Auch die Wolfe wollten von einer künstlichen „Geräuschkulisse" nichts wissen und blieben nach wie vor stumm. Sie heulen eben nur bei echtem Glockenläuten. So blieb dem Filmtrupp nichts andere übrig als kehrtzumachen und wiederzukommen, wenn die Glocken der Gedächtniskirche läuten, um — mit den Wolfen zu heulen. Den Besuchern des Zoo entging auf diese Weise zwar eine reizvolle Filmaufnahme, sie nahmen aber die Gewißheit mit nach Hause, daß die Direktion der Ufa „keine Mühe und Kosten scheut", um der Wirklichkeit des Lebens so nahe wie irgend möglich zu kommen.
Der mit den Verhandlungen in Tokio betraute britische Botschafter Eraigie erklärte der japanischen Presse, eine Beilegung des Streitfalls werde in dem gleichen Augenblick unmöglich sein, in dem Gewalt gegen die englische Niederlassung angewendet werde. Das müsse zu einer Katastrophe führen. Im übrigen stellten die japanischen Forderungen für ihn ein Rätsel dar, namentlich die japanische Forderung auf Mitarbeit Englands in China.
Die große Rahmenübung der Nachrichieniruppe.
Bad Wildungen, 5. Juli. (DNB.) Am Dienstagabend kamen die Operationen der linken
Arme von Blau, die nach Südoften im Vormarsch war, zum Stillstand. Mittwochmorgen wurde der Angriff fortgesetzt, in Richtung auf Eoburg, wo sich starke Kräfte von Rot konzentriert hatten. Der rote Widerstand sollte an dieser Front gebrochen, die hier eingesetzten Verbände von Rot vernichtet werden. — Das Oberkommando der Armee, die zu diesem Angriff befohlen ist, hatte seinen Stand von Eschwege nach Hünfeld vor- verlegt. Die Nachrichtentruppe hatte sämtliche Verbindungen zu den Korps und den der Armee direkt unterstellten Verbänden ausgebaut. Das riesige Netz der Fernfeldkabel, der schweren und der leichten Feldkabel ist von den neuen Gefechtsständen des Armeeoberkommandos aus im Betrieb.
Auf dem Wege von Eschwege nach Hünfeld haben
Oie Schuld an der Wirtschaftskrise.
Don Dr. Earl Wellihor.
Wie herkömmlich alle zwei Jahre um die Wende Juni/Juli, so ist auch jetzt wieder eine Vollversamm- lung der Internationalen Handels» k a m m e r abgehalten worden. Tagungsort war Kopenhagen. Während auf der vorigen Tagung, der zu Berlin im Sommer 1937, die Erwartung vorherrschte, daß auf einer bald em- zuberufenden internationalen Wirtschafts-, 2Bat)- rungs- und Schuldenkonferenz die wichtigsten Storungen her Konjunktur beseitigt werden konnten, hat in Kopenhagen niemand nach dieser Richtung ernsthafte Hoffnungen geäußert. Durch die bethen Gutachten, die der Tagung Vorlagen (ein englischer und ein französischer Professor hatten sie ausgearbeitet), wie auch durch die Reden der Abordnungsführer zog sich wie ein roter Faden tue Frage: wer trägt d i e Schuld an der Krise? Es liegt nahe, daß die wahrhaft Schuldigen sich durch Verdächtigung anderer zu entlasten suchen. Dabei ist doch unverkennbar, daß die Redner der großen westlichen Demokratien im Grunde d i e Methoden mißbilligten, mit denen ihre Regierungen eine neue Wirtschaftsordnung herbei- zuführen suchten. Sonst wäre unmöglich am 28. Juni — am Gedächtnistag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages — eine Entschließung ein- gebracht worden, die feststellte, daß es für die Bedürfnisse der Menschheit genügend Roh» ft o f f e gebe und daß es Sache der besitzenden Völker sei, eine gerechte Verteilung durchzuführen. Diese Verteilung ist bisher versagt worden. Der Ehrenpräsident der Internationalen Handelskammer, der Italiener Pirelli, hat in scharfen Worten von dem „fehlenden Ausgleich" gesprochen, für den die besitzenden Mächte verantwortlich seien.
Man kommt bei der Durchleuchtung schwieriger Tatbestände der Wahrheit immer am nächsten, wenn man nach ganz einfachen Formeln sucht. Die zwanzigjährige Wiederkehr der Unterzeichnung des unseligen Versailler Vertrages regt zu Betrachtungen an, die auf eine solche einfache Formel münden. Es war der Gruppe der Siegermächte im Jahre 1919 nicht um die Schaffung eines echten und dauerhaften Friedens zu tun. Sie lebten in dem beklemmenden Gefühl, „nicht gründlich genug gesiegt zu haben". Da sich die Tatsache der freiwilligen Waffenniederlegung durch Deutschland nicht aus der Welt schaffen ließ, wurden „Verfehlungen" konstruiert, die sich Deutsch- land — angeblich — habe zuschulden kommen lassen und die im Friedensvertrag ihre Sühne finden müßten. Hierdurch gewannen die Männer, die im Jahre 1919 in Paris und feinen Vororten bie einzelnen Friedensverträge ausarbeiteten, den Vorwand, sich von den Versprechungen zurückzuziehen, die Präsident Wilson auch in ihrem Namen gegeben hatte. Wirtschaftlich sollte der Weltkrieg — wenigstens soweit Deutschland in Betratst kam — nicht liquidiert werden. Nur in einem grundlegenden Punkte täuschte man sich: es stellte sich heraus, daß die wirtschaftliche Not eines großen Volkes die wirtschaftliche Not aller anderen Völker verewigt.
Wirtschaftstechnisch läßt sich der grundlegende
bie Nachrichtenzüge eine F e l d d a u e r l i n i e gelegt. Während über sie schon gesprochen wird, sind weitere Einheiten dabei, das vielarmige Kabel zu legen. Am Rande begleitet es bie Straßenzüge, hoch aufgehängt überquert es bie Wege unb Straßenkreuzungen. An diesen sogenannten Ueberweqen gibt es für bie Nachrichtentrupps die schwerste Arbeit. Wie Telegraphenarbeiter müssen sie hier hoch über der Erde die zentnerschweren Kabel hochzur- ren, verklemmen unb so sichern, daß der Betrieb klappt. Für Ortsgespräche steht in Hünfeld der Armee die S t a b s d e r m i 111 u n g zur Verfügung mit etwa 60 Anschlüssen, für Ferngespräche unb Fernsprüche die Hauptvermittlung mit mehreren hundert Anschlüssen. Der technische Apparat dieser Nachrichtenzentrale ist derart durchdacht unb aufgebaut, daß er der größten Beanspruchung durch die Armeeleitung gewachsen ist und den größten unb schnellen Verbänden des modernen Heeres Befehle zuleiten und alle Möglichkeiten, bie bie Motorisierung neuzeitlicher Truppenverbände bietet, restlos ausnützen kann.
Der ungarische General- stabschef in Berlin.
Berlin, 5.Juli. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht empfing in feinem Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei den Generalstabschef der Königlich Ungarischen Honved, General der Infanterie von Werth, im
Beifein des Königlich Ungarifchen Gesandten von S z t o j a y. Bei der An- und Abfahrt des ungarischen Gastes erwies die Wache „Führer" des Jn- fanterie-Regiments „Großdeutschland" im Ehrenhof die Ehrenbezeigung.
Der ungarische Generalstabschef befindet sich zur Zeit als Gast des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, zu einem mehrtägigen Besuch in Deutschland, um Truppenteile unb Einrichtungen des deutschen Heeretz kennenzulernen: u. a. ist eine eingehende Besichtigung des W e stw alle s vorgesehen. — Unser Bild zeigt die Begrüßung des ungarischen Generalstabschejs durch Generaloberst von Brauchitsch bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof. — (Scherl-Bilderdienst-M.)


