Ausgabe 
6.7.1939
 
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Abgeordneter, erklärte, daß die Kneaseinmischungs- vorlage des jüdischen Abgeordneten Broorn, die als Neutralitätsgesetz" segelt, endgültig erle­digt sei. Das amerikanische Volk habe das Vertrauen in Roosevelt wegen teiner Einmischungspolitik verloren. Die Teilnahme der Vereinigten Staaten von Nordamerika an einem neuen Weltkrieg sei keineswegs unvermeidlich. Der fortgesetzte Druck, den Roosevelt auf den Kongreß ausübe. um größere Vollmachten für seine Ein­mischung zu erhalten, damit die USA.mit dem Blut und Geld seiner Bürger denWeltpoli­zisten" spielen könne, werde den Senat eben­sowenig beeindrucken, wie dies bei dem Abgeord­netenhaus der Fall gewesen sei.

Das Vorgehen des Senatsausschusses hat die Möglichkeit vergrößert, daß eine Aenderung der Neutralitätsgesetzgebung in der gegenwärtigen Sit­zungsperiode des Kongresses nicht mehr zu- stände. kommen wird. In Kongreßkreisen ist die Neigung im Wachsen begriffen, sich bereits Ende Juli zu vertagen, um die unver­meidlich langwierige Aussprache über die Neutrali- tätsgesetzgebüng während der zur Zeit in Washing­ton herrschenden Hitze zu vermeiden.

Immer neue Forderungen Moskaus.

Kleinlaute Stimmung in Loudon.

Dr.Li. London, 6.Juli.

Die ^Beurteilung der Derhandlungsaussichten mit Moskau ist in London weiterhin wenig hoffnungs­voll. Man hält es für nicht ausgeschlossen, daß Moskau ständig weitergehende Forderungen stellt, um damit Ziele zu verfolgen, die entweder nicht den gemeinsamen Absichten der drei Verhandlungs­partner dienen, oder aber weitere Verhandlungen ganz unmöglich machen sollen. DieTimes" erklärt, die Schwierigkeiten hätten sich bei der Aufstellung der Liste der zu garantierenden Staaten ergeben. Die britischen Unterhändler hätten Belgien, Polen, Rumänien, Griechenland und die Türkei vorgeschlagen, die Sowjets hätten diesem Vorschlag zugestimmt, vorausgesetzt, daß Finnland, Estland und Lettland hinzu- gefügt würden. England habe daraufhin erklärt, daß es in diesem Falle seine Sonderinteressen an der Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit der Schweiz und der Niederlande in Er- wägung ziehen müsse. Die Sowjets hätten geant­wortet, daß sie die Mittel und Wege für ihre Ga­rantien im Westen prüfen müßten und vorgeschla- gen, 'zuerst einmal Verhandlungen über Mili­tärabkommen mit der Türkei u n d Polen zu eröffnen. Gleichzeitig hätten sie defi­niert, was sie unter den direkten Angriff oder indirekten Angriff verstünden. Sie seien dabei so weit gegangen, daß man britischer­seits befürchtet habe, daß die sowjetrussischen Vor­schläge einer Einmischung in die innere Politik an­derer Staaten gleichkäme. Moskau soll nämlich neben einer Garantie für die baltischen Staaten auch eine Rückversicherung für eine innenpoli­tische Veränderung in diesen Staaten ver­langt haben. England und Frankreich stehen da­gegen auf dem Standpunkt, daß eine derartige For­derung Moskaus zu weit gehe. Durch die An­nahme einer solchen fowjetruffifchen Forderung werde Moskau in Die Lage versetzt, eigenmäch - tig und ohne englisches und französisches Dazutun über die Ingangsetzung der Paktmaschinerie zu ent­scheiden und damit die beiden westlichen Paktpart­ner in eine bewaffnete Auseinandersetzung hinein­ziehen zu können. Es wäre zweifelhaft, ob dann ein solcher Krieg geführt werde, um lediglich die Unabhängigkeit anderer Nationen zu ver­teidigen.

Auch Belgien wehrt sich gegenGarantien".

Brüssel, 5. Juli. (DNB.) Die klare hollän­dische Stellungnahme zu dem britischen Versuch, eineGarantie" der neutralen Staaten in das ge­plante Bündnis mit den Sowjets einzubeziehen, hat in Belgien große Beachtung gefunden. DieNation Belge" schreibt: Die Beweggründe, aus denen Hol­land gegen die Rolle protestiert, die es spielen soll, ohne daß man es überhaupt um seine Meinung befragt hat, gelten auch für uns. Wir wür­den es nicht verstehen, wenn der belgische Minister­präsident Pierlot nicht in einer unserer diplo­matischen Lage entsprechenden Form die Stellung­nahme seines holländischen Kollegen nachahmen würde. Belgien müsse sich heute gegen diejenigen verteidigen, die es in eine internationale Koalition oder in einen ideologischen Block hineinziehen woll­ten. Man wisse, daß die heutige, in freier Wahl an­genommene Politik der Unabhängigkeit jede Zweideutigkeit untersage. Die Nation Belge" sei niemals ein Freund dieser Poli­tik gewesen und habe sie auch immer nur als ein Provisorium angesehen. Das Schlimmste aber, was es gebe, sei, zweierlei zur gleichen Zeit zu unternehmen. Jetzt sei es das beste, aus jeder diplomatischen Kombination und aus allen Militär­besprechungen herauszubleiben. Das Blatt betont dann, daß die von England angestrebte rate» hündischeGarantie" für Holland, Belgien und die Schweiz unvermeidlich den Versuch heraufbeschwö- ren würde, Belgien indas englisch-franzö­sische Bündnissystem hineinzuziehen. Darüber hinaus würde sich eine sowjetrus­sische Einmischung in belgische Angelegen­heiten kaum vermeiden lassen, und eine solche wolle Belgien unter keinen Umständen.Ving- tifeme Sidcle" schreibt, daß die Belgien bereits gegebenen Garantien Deutschlands, Eng- lands und Frankreichs die einzig nützlichen seien.

Tientsin-SloSade wird verstärkt.

Schanghai, 5.Juli. (Europapreß.) Der Be­fehlshaber der japanischen Nordchina-Armee Gene­ral S u g i y a n a inspizierte die japanischen Blockademaßnahmen in Tientsin und erklärte, daß die Blockade ohne Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen in Tokio weiter verschärft würde, bis England seine Politik ändere. Die englisch-japanischen Verhandlungen würden zweck­los, wenn sie nicht vom ersten Augenblick an be­wiesen, daß die britische Politik die Unterstützung Tschiangkaischeks aufgebe und der neuen japanischen Ordnung im Fernen Osten keine Hindernisse in den Weg lege. Die nordchinesische javanfreundliche Presse unterstreicht diese japanische Auffassung. Die eng­lischen China-Behörden werden beschuldigt, die im Rücken der japanischen Streitkräfte operierenden chinesischen Freischärler zu unterstützen und ihnen durch Waffenlieferungen Vorschub zu leisten.

Deutschland und Holland wirtschaftlich eng verflochten.

Neichswirtschastsminister Funks Besuch im Haag.

Haag, 5.Juli. (DNB.) Mittwoch traf Reichs­minister Dr. Funk in Begleitung seiner Gattin im Haag ein. Am Bahnhof wurde der deutsche Gast durch den Staatssekretär des niederländischen Wirt- chaftsministeriums und den Chef des Protokolls empfangen. Dann machte der Minister Besuche bei dem niederländischen Ministerpräsidenten Dr. C o l - jin und dem Wirtschaftsminister Dr. Steen» berghe. Mittags fand ein Essen in der deutschen Gesandtschaft statt, an dem führende Persönlichkei­ten der Niederlande teilnahmen.

Dann besuchte der Minister das Deutsche Haus im Haag. Abends gab der niederländische Wirt- chaftsminister Steenberghe zu Ehren des deutschen Gastes ein Essen, zu dem auch der nieder­ländische Derkehrsminister und der Kolonialminister, erner zahlreiche führende Persönlichkeiten der nie­derländischen Wirtschaft teilnahmen. Minister Steen­berghe sprach die Ueberzeugung aus, daß dieses Zusammentreffen die seit langem bestehenden freund- chaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nach­barstaaten weiter fördern werde.

Reichswirtschaftsminister Funk dankte für den überaus liebenswürdigen Empfang. Holland und Deutschland seien nicht nur durch eine alte bewahrte

Nachbarschaft verbunden, sondern auch durch eine enge wirtschaftliche Derpflechtuna, Die auf der natürlichen Ergänzung der beiden nationalen Wirtschaften beruhe. Der persönliche Meinungsaustausch, den Minister Steenberghe an- gebahnt habe, werde dazu beitragen, die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Län­dern noch enger und erfolgreicher auszugestalten. Es sei dies auch durch die Vernunft geboten, da die beiden Länder wechselseitig ihre besten Kunden sind. Er freue sich, daß man beider­seits bemüht sei, durch verbesserte Organisation der Zahlungssysteme das beiderseitige Handelsvolumen zu erhöhen. Die guten Wirtschaftsbeziehungen zwi­schen Holland und Deutschland und das beiderseitige aufrichtige Bemühen, auftretende Schwierigkeiten zu beseitigen, gäben den Beweis dafür, daß auch unter verschiedenartigen Wirtschafts­systemen ein gemeinsamer Erfolg erzielt werden könne, wenn man nur den Mut habe, sich von den Dogmen und der Theorie in der Wirtschaft frei zu machen und das zu tun, was gut und not­wendig fei. In der Wirtschaftspolitik sei das richtig, was zum Erfolg führe.

Mönchen rüstet zum Tag der Deutschen Kunst.

Berlin, 6.Juli. (DNB.) Unter den großen Festen der Nation nimmt der Tag der Deutschen Kunst seit Jahren einen Ehrenplatz ein. Von den Vorbereitungen, die München nun zum vierten Male für diese festlichen Tage vom 14. bis 16. Juli getroffen hat, sprach der Gauleiter-Stellvertreter N i p p v l d vvm Tradittvnsgau München - Ober­bayern vor der Presse. Das herrliche Farbenkleid Münchens, feiner Straßen und Plätze werde in diesem Jahre an vielen Stellen noch reicher und prächtiger erscheinen. Erweitert um die Symbole der seit Jahresfrist erworbenen Reichsteile werde ich auch der Festzug darbieten. Allmählich würden die schönsten Symbole in edlem Metall ausgeführt, um auch späteren Geschlechtern einen Begriff von der hohen bildnerischen Kunst im Reiche Adolf Hitlers zu vermitteln. Ein F a r b e n f i I m rief den großartigen Gesamteindruck des vorjährigen Festzüges von neuem wach, und einige ausgestellte Proben der in Gold und anderen Edelmetallen nachgebildeten Reichsinsignien gaben eine Vorstel­lung von der handwerklichen Güte und dem künst­

lerischen und materiellen Wert der im Festzug mit- geführten Stücke.

Eine großartige Kulturkunögebung des deutschen Volkes werden auch in diesem Jahre die Darbie­tungen der sechs Münchener Theater fein. Deutschlands beste Orchester und Chöre werden wiederum Konzerte im Freien geben. Die Tanzgruppen der Berliner und her Wiener Staatsoper sowie des Deutschen Opernhauses wer­den ebenfalls an den verschiedenen Stellen mitein­ander wetteifern. Ein großer Erfolg verspricht das neue Volksfest spielTriumph des Lebens" zu werden, das nach Ideen von Karl Stemp- I i n g e r als monumentales Massenspiel von Hans Niedecken-Gebhard zum ersten Male in das Programm des Tages der Deutschen Kunst ein­gefügt und an allen drei Abenden im Dante- Stadion aufgeführt wird. 3500 Tänzer und Tänze­rinnen sollen neben Tausenden von Laien acht be­wegte Massenszenen aus dem Leben des Volkes dar­stellen. Der Tag der Kunst findet feinen Abschluß mit einer Festnacht der Künstler.

Brief aus der Reichshauptstadt.

Don unserer berliner Schristleiiung.

Berlin, 5. Juli 1939.

Von der Hitze des Tages ein wenig ausruhend, itzt man auf der Gartenterrasse eines Kaffeehauses am Potsdamer Platz und sieht dem Treiben der Spatzen zu, die sich zwischen den dichtbesetzten Tischen an den herabfallenden Kuchenkrümeln güt­lich tun oder gar, wen die Ausbeute auf dem Fuß­boden zu gering ist, keck und dreist auf die Tische hüpfen, um nach Nahrung Ausschau zu halten. Niemand stört oder vertreibt die Spatzen, die sich hier als täglicheStammgäste" einfinden. Plötzlich ieht man, wie sich der hüpfenden und pickenden Spatzen eine merkliche Unruhe bemächtigt. Es ist, als ob einer her Spatzen eine Nachricht verbreitet hätte. Es muß eine sehr wichtige Nachricht sein, denn schon husch! schwirrt der Spatzenschwarm von bannen, um sich wenige Meter entfernt in der Bellevuestraße auf dem Fahrdamm niederzulassen. Was war geschehen? Ein Wunder war geschehen. Wenigstens ein Wunder für die Spatzen: eine Pferdedroschke war vorgefahren und nun atzten und schmatzten die Spatzen nach Herzenslust wie einst in den seligen Zeiten, als statt der elek­trischen Bahnen, Kraftwagen und Autobusie noch Pferdebahnen und Hunderte von Pferdefuhrwerken den Potsdamer Platz alltäglich überquerten. Wer verstehen konnte, was sich die Spatzen in ihrer aus­gelassenen Freude über ihrgefundenes Fressen" erzählten, der konnte deutlich hören, wie ein junger Spatz zu feiner Spatzenmama sagte:Wie schön, daß es endlich wieder einmal Kuchen gibt!" Woraus deutlich hervorgeht^ daß den Spatzen ein kräftiges Pferd lieber ist als 10 Luxuslimousinen mit 100 Pferdekräften und daß noch immer der alte Satz gilt:Was dem einen fein Kuchen ist, ist dem anderen feine Hausmannskost!"

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Berlins Statistiker arbeiten nicht nur exakt, son­dern auch schnell, wie bas Ergebnis der Volks­zählung in der Reichshauptstadt beweist. Nach dieser Zählung waren am 17. Mai dieses Jahres in Berlin 4 332 337 Personen anwesend. Diese Anwesenheitsliste" gibt indessen noch keine Aus­kunft über die Wohnbevölkerung Berlins, da ja auch bie Fremden mitgezählt wurden, die sich am Stichtage vorübergehend in Berlin auf­hielten, während btejenigen Berliner und Berline­rinnen in her Statistik fehlen, die zur selben Zeit von Berlin vorübergehend abwesend waren. Gegen­über der letzten Volkszählung vom Jahre 1933 kann die Reichshauptstadt ein Mehr von rund 90 000 Köpfer buchen. Was die Statistiker Berlins weiter­hin ermittelten, ist die interessante Tatsache, daß von den gezählten 4 332 337 Personen 1 988 747 dem männlichen und 2 349 590 dem weiblichen Ge­schlecht angehören, was einen U eberschuß von 366 843 Frauen und Mädchen ergibt. Noch inter­essanter aber ist, daß im Verhältnis zur Volkszäh­

lung von 1933 die männliche Bevölkerung um 26 732, die weibliche aber um 63 104 Personen zu­genommen hat. Wenn man sich hierüber in Berlin wie überhaupt über den großen Frauenüberschuß der Reichshauptstadt bereits den Kopf zerbricht, so ist das etwas verfrüht, weil zunächst abgeroartet werden muß, wie sich im ganzen Reich ö-ie Zahl der männlichen Bevölkerung zur weiblichen verhält, und ob auch im Reich die weibliche Bevölkerung in so starken Ausmaßen zunahm wie in Berlin. Unbestritten bleibt allerdings, daß die Berliner Junggesellen sich in Zukunft sehr quälen müssen, denn wer die Wahl (unter so vielen Frauen) hat, hat die Qual.

Wenn man Glück hat, kann man viel erleben, ja sogar unverhofft einer Filmexpedition bei­wohnen. Ein solches Glück hatten vor kurzem die Besucher des Berliner Zoologischen Gar­tens. Anhnungslos wandelte man unter schattigen Bäumen in der Nähe der neugefchaffenen Frei­anlage für Bären und Wölfe, eines aus Naturstein erbauten und von tiefen Gräben umgebenen Fels- massios, als unversehens ein Trupp beherzter Män­ner auf dem Plan erschien, um mit Hilfe von vielen Tonfilmgeräten das Heulen der Wölfe auf- ßunehmen. Heulende Wölfe für einen Film? In der Tat! In dem in allen übrigen Teilen schon fertig gedrehten Karl-Ritter-Film Kadetten", der in der friderizianifchen Zeit spielt, benötigt man ein kurzes Wolfsgeheul. Versteht sich, daß man sich nicht mit einer künstlichen Geräuschkulisse begnügen will. Nun weiß aber jeder Zoo-Besucher, daß die Wolfe der Freianlage vortrefflich zu heulen ver­stehen. Es lag also sehr nahe, dieses echte Wolfs­geheul für den Ufa-Film einzufangen. Doch hatte man diesmal die Rechnung ohne die Wölfe ge­macht: f i e heulten nicht! Keinerlei gütliches Zureden und langes Warten half. Als dann die Filmmänner erfuhren, daß die Wölfe nur dann zu heulen pflegen, wenn die Glocken der nahen Kaiser- Wilhelm-GÄächtniskirche ertönen, stiegen die Män­ner vom Filmtontrupp auf den Aussichtsturm des Zoo und veranstalteten mittels Stahlplatten und dröhnenden Hammerschlägen ein mächtigesGlocken­läuten". Allein, was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Auch die Wolfe wollten von einer künstlichenGeräuschkulisse" nichts wissen und blie­ben nach wie vor stumm. Sie heulen eben nur bei echtem Glockenläuten. So blieb dem Filmtrupp nichts andere übrig als kehrtzumachen und wieder­zukommen, wenn die Glocken der Gedächtniskirche läuten, um mit den Wolfen zu heulen. Den Be­suchern des Zoo entging auf diese Weise zwar eine reizvolle Filmaufnahme, sie nahmen aber die Ge­wißheit mit nach Hause, daß die Direktion der Ufa keine Mühe und Kosten scheut", um der Wirklich­keit des Lebens so nahe wie irgend möglich zu kom­men.

Der mit den Verhandlungen in Tokio betraute britische Botschafter Eraigie erklärte der japani­schen Presse, eine Beilegung des Streitfalls werde in dem gleichen Augenblick unmöglich sein, in dem Gewalt gegen die englische Niederlassung ange­wendet werde. Das müsse zu einer Katastrophe füh­ren. Im übrigen stellten die japanischen Forderun­gen für ihn ein Rätsel dar, namentlich die japanische Forderung auf Mitarbeit Englands in China.

Die große Rahmenübung der Nachrichieniruppe.

Bad Wildungen, 5. Juli. (DNB.) Am Dienstagabend kamen die Operationen der linken

Arme von Blau, die nach Südoften im Vormarsch war, zum Stillstand. Mittwochmorgen wurde der Angriff fortgesetzt, in Richtung auf Eoburg, wo sich starke Kräfte von Rot konzentriert hatten. Der rote Widerstand sollte an dieser Front gebrochen, die hier eingesetzten Verbände von Rot vernichtet wer­den. Das Oberkommando der Armee, die zu diesem Angriff befohlen ist, hatte seinen Stand von Eschwege nach Hünfeld vor- verlegt. Die Nachrichtentruppe hatte sämtliche Verbindungen zu den Korps und den der Armee direkt unterstellten Verbänden ausgebaut. Das rie­sige Netz der Fernfeldkabel, der schweren und der leichten Feldkabel ist von den neuen Gefechtsständen des Armeeoberkommandos aus im Betrieb.

Auf dem Wege von Eschwege nach Hünfeld haben

Oie Schuld an der Wirtschaftskrise.

Don Dr. Earl Wellihor.

Wie herkömmlich alle zwei Jahre um die Wende Juni/Juli, so ist auch jetzt wieder eine Vollversamm- lung der Internationalen Handels» k a m m e r abgehalten worden. Tagungsort war Kopenhagen. Während auf der vorigen Tagung, der zu Berlin im Sommer 1937, die Erwartung vorherrschte, daß auf einer bald em- zuberufenden internationalen Wirtschafts-, 2Bat)- rungs- und Schuldenkonferenz die wichtigsten Sto­rungen her Konjunktur beseitigt werden konnten, hat in Kopenhagen niemand nach dieser Richtung ernsthafte Hoffnungen geäußert. Durch die bethen Gutachten, die der Tagung Vorlagen (ein englischer und ein französischer Professor hatten sie aus­gearbeitet), wie auch durch die Reden der Abord­nungsführer zog sich wie ein roter Faden tue Frage: wer trägt d i e Schuld an der Krise? Es liegt nahe, daß die wahrhaft Schuldigen sich durch Verdächtigung anderer zu entlasten suchen. Dabei ist doch unverkennbar, daß die Redner der großen westlichen Demokratien im Grunde d i e Methoden mißbilligten, mit denen ihre Regierungen eine neue Wirtschaftsordnung herbei- zuführen suchten. Sonst wäre unmöglich am 28. Juni am Gedächtnistag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages eine Entschließung ein- gebracht worden, die feststellte, daß es für die Be­dürfnisse der Menschheit genügend Roh» ft o f f e gebe und daß es Sache der besitzen­den Völker sei, eine gerechte Vertei­lung durchzuführen. Diese Verteilung ist bisher versagt worden. Der Ehrenpräsident der Inter­nationalen Handelskammer, der Italiener Pirelli, hat in scharfen Worten von demfehlenden Aus­gleich" gesprochen, für den die besitzenden Mächte verantwortlich seien.

Man kommt bei der Durchleuchtung schwieriger Tatbestände der Wahrheit immer am nächsten, wenn man nach ganz einfachen Formeln sucht. Die zwan­zigjährige Wiederkehr der Unterzeichnung des un­seligen Versailler Vertrages regt zu Betrachtungen an, die auf eine solche einfache Formel münden. Es war der Gruppe der Siegermächte im Jahre 1919 nicht um die Schaffung eines echten und dauerhaften Friedens zu tun. Sie lebten in dem beklemmenden Gefühl,nicht gründlich ge­nug gesiegt zu haben". Da sich die Tatsache der freiwilligen Waffenniederlegung durch Deutsch­land nicht aus der Welt schaffen ließ, wurden Verfehlungen" konstruiert, die sich Deutsch- land angeblich habe zuschulden kommen lassen und die im Friedensvertrag ihre Sühne finden müßten. Hierdurch gewannen die Männer, die im Jahre 1919 in Paris und feinen Vororten bie ein­zelnen Friedensverträge ausarbeiteten, den Vor­wand, sich von den Versprechungen zurückzuziehen, die Präsident Wilson auch in ihrem Namen gegeben hatte. Wirtschaftlich sollte der Weltkrieg wenigstens soweit Deutschland in Betratst kam nicht liquidiert werden. Nur in einem grundlegenden Punkte täuschte man sich: es stellte sich heraus, daß die wirtschaftliche Not eines großen Volkes die wirtschaftliche Not aller anderen Völker verewigt.

Wirtschaftstechnisch läßt sich der grundlegende

bie Nachrichtenzüge eine F e l d d a u e r l i n i e ge­legt. Während über sie schon gesprochen wird, sind weitere Einheiten dabei, das vielarmige Kabel zu legen. Am Rande begleitet es bie Straßenzüge, hoch aufgehängt überquert es bie Wege unb Straßen­kreuzungen. An diesen sogenannten Ueberweqen gibt es für bie Nachrichtentrupps die schwerste Ar­beit. Wie Telegraphenarbeiter müssen sie hier hoch über der Erde die zentnerschweren Kabel hochzur- ren, verklemmen unb so sichern, daß der Betrieb klappt. Für Ortsgespräche steht in Hünfeld der Armee die S t a b s d e r m i 111 u n g zur Verfü­gung mit etwa 60 Anschlüssen, für Ferngespräche unb Fernsprüche die Hauptvermittlung mit mehreren hundert Anschlüssen. Der technische Appa­rat dieser Nachrichtenzentrale ist derart durchdacht unb aufgebaut, daß er der größten Beanspruchung durch die Armeeleitung gewachsen ist und den größten unb schnellen Verbänden des modernen Heeres Be­fehle zuleiten und alle Möglichkeiten, bie bie Mo­torisierung neuzeitlicher Truppenverbände bietet, restlos ausnützen kann.

Der ungarische General- stabschef in Berlin.

Berlin, 5.Juli. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht empfing in feinem Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei den Generalstabschef der Königlich Ungarischen Honved, General der Infanterie von Werth, im

Beifein des Königlich Ungarifchen Gesandten von S z t o j a y. Bei der An- und Abfahrt des unga­rischen Gastes erwies die WacheFührer" des Jn- fanterie-RegimentsGroßdeutschland" im Ehrenhof die Ehrenbezeigung.

Der ungarische Generalstabschef befindet sich zur Zeit als Gast des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, zu einem mehr­tägigen Besuch in Deutschland, um Truppenteile unb Einrichtungen des deutschen Heeretz kennenzulernen: u. a. ist eine eingehende Besichtigung des W e stw alle s vorgesehen. Unser Bild zeigt die Begrüßung des ungarischen Generalstabschejs durch Generaloberst von Brauchitsch bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof. (Scherl-Bilderdienst-M.)