dieses Jahr auf. Noch aber ist kein Stillstand und kein Ende abzusehen.
Gießen, das heute auf der Hardtterrasse eine geräumige und gut ausgerüstete Jugendherberge besitzt, erhielt seine erste Bleibe im Jahre 1922. Auch hier war der Anfang äußerst bescheiden. In einem längst abgerissenen Haus in der Schloßgasse fand die wandernde Jugend ihr erstes Heim. Bereits ein Jahr später aber gelang es, dafür würdigere Räume in dem Hause Asterweg 2 5 frei zu machen. Dort wuchs aus kleinen Anfängen unter der treuen Fürsorge der Stadtverwaltung und des Helferkreises, der sich im Jahre 1924 zusammen fand, die Herberge, bis ihr das alte Bürgerhaus zu eng wurde. Den Mitschaffenden am Werk ist manch liebe Erinnerung aus dieser Zeit lebendig. Dor allem ist auch der tätigen Mithilfe der Gießener Jugend selbst zu gedenken, sei es, daß sie sich bei der Werbung ober bei Geldsammlungen opferfreudig einfetzte, sei es, daß sie selbst mit Hand anlegte, um das Heim zu verschönern und besser auszurüsten. Sogar der Pinsel wurde geschwungen, und färben* frohe Räume und Bilder der heimatlichen Burgen gaben Zeugnis von Einsatz und froher Tat für gemeinsames Werk.
Die Ortsgruppe des Jugendherbergsverbands, die 1924 in Gießen ins Leben gerufen wurde, fand hier' bereits eine Herberge vor. Ihrem Schaffensdrang erschien es zu wenig, nur dieses Heim weiter zu fördern und feinen Ausbau ooranzutreiben. Sie setzte sich deshalb ein weiteres Ziel. Im Herzen unseres hauptsächlichen Wandergebiets, im Vogelsberg, gab es damals keine Raststätte für die Jugend. Hier mußte Wandel geschaffen werden. Auf dem Hoherodskopf konnte am 12. Oktober 1924 das neu geschaffene Heim eingeweiht werden. Mitten im Hochwald, auf der malerischen Felsgruppe gelegen, me den Gipfel des Bergs bildet, steht der einfache, nach Landesart mit Schindeln verkleidete Fachwertbau. Die Art seiner äußeren und inneren Gestaltung, zu der vorwiegend heimisches Holz herangezogen wurde, wie auch seine Lage lassen in besonderem Maße heimatliche Töne in seinen Gästen anklingen.
Die kommenden Jahre waren dem Ausbau der Herbergen gewidmet, von denen die in der Stadt von Jahr zu Jahr vergrößert werden mußte, um die immer mehr anwachsende Zahl der jungen Wanderer aufzunehmen, während im Oberwald durch die Errichtung des Jugendheims des Vogelsberger Höhenklubs auf der Herchenhainer Höhe, die in die Jahre 1925/26 füllt, auf lange Sicht ausreichende Uebernachtungsgelegenheit geschaffen wurde. Diel Arbeit machte auch der innere Ausbau der Ortsgruppe. Hunderte von Ausweisen mußten Jahr für Jahr an die Wanderer ausgestellt werden, und wie das so geht, sehr oft in letzter Minute, wenn die Reise schon angetreten werden sollte. Ein außerordentliches Maß stiller und entsagungsvoller Arbeit, was da immer erneut von den Helfern zu leisten war. Dazu kamen die Werbung, die Vorbereitung und Durchführung der Sammlungen u. a. m.
Marschierte die Stadtverwaltung mit ihrer Fürsorge für die Herberge stets mit an der Spitze der deutschen Gemeinden, so wollte auch die Ortsgruppe nicht dahinter Zurückbleiben. Im Rhein-Main-Gebiet gehörte sie zu den rührigsten und zu denen, die durch das Aufsuchen neuer Wege und durch selbständiges Handeln an der Weiterentwicklung des Herbergsgedankens stets tätig mithalfen.
Das Dritte Reich brachte auch für das Iugend- herbergswerk neuen Auftrieb. Die straffere Zusammenfassung aller aufbauwilligen Kräfte, die günstige Entwicklung des Wirtschaftslebens führten zu einer raschen Vervollkommnung der Heime, wandelten sie immer mehr aus reimen Uebernachtungs- gelegenhellen zu Stätten der Erholung, zu Stätten der Erziehung, in denen und vermittels derer der junge deutsche Mensch seine Heimat erlebt, die ihm Elternhaus auf seinen Fahrten sein sollen.
In Gießen wurde der immer größer werdenden Raumnot in der alten Herberge durch eine großzügige Entscheidung der Stadtverwaltung begegnet. Im Jahre 1935 entstand die neue Herberge auf der Hardtterrasse, die nach ihrer endgültigen Fertigstellung dem Jugendherbergsverband übereignet wurde. Damit kam für Gießen eine Entwicklung zum Abschluß, die sich überall in Deutschland vollzog. Vielfach waren nämlich die Herbergen Eigentum der Gemeinden oder privater Verbände, was der Einheitlichkeit ihrer Verwaltung
Feierliche Werweisimg
in das VM.-Werk „Glaube und Schönheit".
Gestern abend fand in der Schillerschule in feierlicher Form die Ueberweisung von 130 BDM.- ftamerabinnen in das B D M. - W e r k „Glaube und Schönheit" statt, um nun dort in den Ar- beitsaemeinschaften eine Arbeit fortzusetzen, die der Ausrichtung auf die ureigensten Aufgaben der Frau für Volk und Vaterland dienen soll.
Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Nur der Freiheit gehört unser Leben" fand die Feierstunde ihren Auftakt. Worte des Führers, die er beim Reichsparteitay 1933 zur deutschen Jugend sprach, wurden anschließend wiedergegeben und ließen erkennen, welche Aufgabe der Jugend um die deutsche Zukunft zugemessen ist.
Das Lied „Wenn die Stürme Leben wecken" kettete dann über zu einer kurzen Vorlesung aus einer Rede des Reichsju-gendführers Baldur von Schi rach, in der die Gedanken herausgestellt wurden, die die Arbeit des BDM.-Werkes maßgebend bestimmen sollen.
Das BDM.-Werk „Glaube und Schönheit" so hieß es in diesen Darlegungen, schließe eine Lücke in unserem Erziehungswesen. Den Organisationen IM. und BDM., ID. und HI. fei- die Aufgabe gegeben, die 10- bis 18jährigen zur Gemeinschaft zu erziehen; für die 18- bis 21jährigen, bzw. die 17= bis 21jährigen Mädchen aber sei eine besondere Erziehung zur gemeinschaftsgebundenen Persönlichkeit erforderlich. Deshalb bedürfe es einer Organisation, die aufgespalten in die verschiedenartigen Arbeitsgemeinschaften, der persönlichen Neigung und Befähigung Rechnung trage. Der Begriff „Glaube und Schönheit" solle den Angehörigen dieser Organisation gleichsam als ein Sternbild erscheinen, dem jede auf ihre Weise zuzustreben versuchen müsse. Das Streben nach Schönheit sei dem arischen
keineswegs zugute kam und die erzieherischen Aufgaben des Jugendherbergswerks nicht immer förderte. Der Wärmerer mußte mit verschiedenen Kopfgeldsätzen rechnen und traf Heime von ganz verschiedenartigem Ausrüstungsstand an. Öffc waren auch die Herbergen in Gebäuden untergebracht, die noch anderen Zwecken dienten, und damit ihr Betrieb erschwert. Das wurde anders. Der Jugendherbergsverband übernahm alle Herbergen als Eigentum oder doch wenigstens in seine alleinige Verwaltung. Jetzt konnte nach einheitlicher Planung der Weiterausbau des Netzes durchgeführt werden und die Etappen auf dem Wege zum Ziel wurden klar umriffen. Das Ziel aber war zunächst eine Vervollkommnung der Ausrüstung und eine einheitliche Verwaltung. Insoweit es erreicht war, konnte an die Neuschöpfungen gegangen werden. Das A>eal aber ist, Neubauten zu erstellen, die nach Lage und Raumaufgliederung, nach Gestaltung des äußeren und inneren Gesichts des Baues ihre Aufgabe an der Erziehung der deutschen Jugend mitzuwirken am wirkungsvollsten zu erreichen gestatten und ein Ausdruck des Wollens der nationalsozialistischen Jugendbewegung sind.
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In Oberhessen gingen das „Vater-Bender- Heim" auf der H e r ch e nh a i n e r Höhe und die Jugendherberge in Lauterbach, die in einem städtischen Gebäude sich befand, in den Besitz des Landesverbands über. Das erstgenannte Haus erfuhr eine gründliche Umgestaltung und ist mit feinen 100 Betten neben Gießen die größte Herberge unserer engeren Heimat. In Laubach entstand im gräflichen Park eine idyllische Meide, in B ü - dingen konnte das 1930 von dem Verband erworbene Haus im Seemenbachtal umgebaut und erroetiert werden. B ad-Na uheim erhielt im vorigen Jahr durch das Entgegenkommen her Stadtverwaltung, die dem Verband ein Haus mitten im Grünen am Hange des Johannisberg schenkte, eine Herberge, die eine seit Jahren sehr fühlbare Lücke im Herbergsnetz schloß. Diese war entstanden durch den Wegfall der Friedberger Herberge, die im Winter 1932/33 in der dortigen Kaserne eben erst entstanden war. Für Butzbach ist ein Neubau am Schrenzer vorgesehen und bereits finanziert. Er kommt zur Erstellung, sobald die Platzfrage in Verbindung mit dem neu zu schaffenden Sportfeld gelöst ist. Einstweilen ist von der Stadt eine Zwischenlösung geschaffen, weil das
Menschen von Natur aus eingegeben. Ihm offenbare sich im schönen Menschen die ewige Gottheit. Das Streben nach Schönheit' vermöge aber allein die Gründung einer Einrichtung nicht zu rechtfertigen, die im Rahmen der weltanschaulichen Erziehungsgemeinschaft der deutschen Jugend entstehe. Diese werde vielmehr von jeher durch den Glauben bestimmt. Darunter sei die geheimnisvolle Kraft zu verstehen, die die gefallenen Kameraden in allen Gliederungen der NSDAP, zur letzten Hingabe befähigt habe. Den nachfolgenden Generationen müsse die gleiche Glaubenskraft zu eigen sein. Dor allem das junge Mädchen müsse Trägerin und Hüterin des Glaubens fein. Das BDM.-Werk „Glaube und Schönheit" müsse dem erzieherischen Willen Adolf Hitlers dienen.
Im weiteren Verlauf der Feier hielt die Untergauführerin Käthe Pfeffer eine kurze Ansprache über die Notwendigkeit der Vorbereitung der Mädchen für ihren zukünftigen Beruf als Hausfrau und Mutter. Alle Arbeit müsse den großen Lebensnotwendigkeiten unseres Volkes dienen, alle Arbeit müsse darauf gerichtet fein, dem Werke des Führers zu dienen und ihm selbst damit Freude zu machen. Das kommende Jahr solle der fruchtbaren und praktischen Arbeit gewidmet sein.
Mit einem Derswort von Baldur von Schirach („Wo einer denkt entsteht ein Funke") und mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Nun laßt die Fahnen wehen" klang die Feier aus.
Dann nahm die Untergauführerin die Gruppeneinteilung vor und übergab die neugebildeten Gruppen ihren Führerinnen. Die Arbeit wird nun m den Arbeitsgemeinschaften Gesundheitsdienst, Sport und Gymnästik, Volkstanz, Werkarbeit, Literatur, Auslandskunde und Hauswirtschaft ausgenommen.
kleine Heim in der ßanggaffe den in den letzten Jahren unheimlich angeschwollenen Strom der Wanderer auf der Nord-Südstraße einfach nicht mehr fassen konnte. In Gedern ist der im Jahre 1929 erstellte Neubau noch unverändert im Betrieb. Schlitz sucht Ndch eine endgültige Lösung. Im Schloß Berleburg ist seit einigen Jahren die dortige Herberge untergebracht. Sie hat 200 Betten und erfreut sich als Schullandheim besonderer Beliebtheit. Auch hier ist ein Neubau das Ziel. Einen solchen erhoffen wir auch für Alsfeld, das bisher nur eine recht kleine und kaum mehr ausreichende Bleibe aufzuweisen hat. In Schotten bietet schon seit einer ganzen Reihe von Jahren ein kleines Eigenheim den Wanderern und Schiläufern auf ihrem Weg zum Hohen Vogelsberg Rast und Unterkunft.
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Damit sind der Stand und die nächsten Aufgaben in unserer engeren Heimat kurz gekennzeichnet. Vorausschauend läßt sich sagen, daß nach Lösung dieser Aufgaben neue kommen werden. Denn unaufhaltsam wachsen die Uebernachtungszifsern. Schon wird es hie und da wieder zu eng, schon müssen hie und da Erweiterungen für die Zukunft erwogen werden. Ein Ende ist nicht abzusehen. Das Jugendherbergswerk ist aus einem Wunschbild einzelner, denen das eigene Erleben zum verpflichtenden Einsatz geworden war, zu einem nicht mehr hinwegzudenkenden Bestandteil unseres völkischen Lebens geworden, der jeden Deutschen mit Stolz und Freude erfüllt und an dessen weiteren Gedeihen jeder durch seine Gabe am Reichsopfer- und Werbe tag mithelfen wird.
Lornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Gaukulturwoche im Kreis Wetterau: 16 Uhr im Oberhessischen Museum Eröffnung der Ausstellung „Unser Dorf- und Hausbuch"; im Stadttheater 20 Uhr Festoorstellung „Minna von Barnhelm". — Die Gießener Jugendherberge hardtterrasse" ist für jedermann zur Besichtigung geöffnet. — Gloria- Palast (Seltersweg): „Ein hoffnungsloser Fall". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Männer müssen so sein". — Cirkus Barley: 20.15 Uhr auf Oswalds- garten Eröffnungsvorstellung. — Don 19 bis 20 Uhr Maienblasen vom Turm der Johanneskirche. — Artilleristenkameradschaft 1895: 20.30 Uhr hessischer Hof" Kameradschaftsabend.
Tageskalender für Sonntag.
Gaukulturwoche im Kreis Wetterau: Stadttheater: 11.30 Uhr Feierstunde mit Ansprache des Kreisleiters Backhaus; Uraufführung „Prinz Eugen". 11 bis 12 Uhr Standkonzerte am Kreuzlatz und am Ludwigsplatz. — Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Meine Schwester und ich". — Die Gießener Jugendherberge „Hardtterrasse" ist für jedermann zur Besichtigung geöffnet; 15.30 Uhr Treffen des Ortsoerbandes. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Ein hoffnungsloser Fall". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Männer müssen so fein". — Cirkus Barley: 15.30 und 20.15 Uhr Vorstellungen auf Oswalds- garten. — Deutsche Stenografenschaft, Ortsverein Gießen: 8.30 Uhr in der Öffentlichen Handelslehranstalt (Wernerwall 11) Frühjahrs-Ortsvereins- Wettfchr eiben.
Spielplan des Stadttheaters vom 7. bis 14. 2Hai.
Am Sonntag, 7. Mai, findet im Stadttheater die Eröffnung der Gau-Kulturwoche Hessen-Nassau 1939 statt. Gleichzeitig veranstaltet das Stadttheater seine 50. Morgenfeier, das seltenste Jubiläum, das eine Bühne Deutschlands bisher erlebte. Die erste Mor-
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genveranstaltung fand am 1. Dezember 1935 statt. Die Gau-Kulturwoche wird mit einer Ansprache des Kreisleiters Backhaus eröffnet. Ferner spricht der Intendant des Stadttheaters Hermann Schultze- Griesheim. Hierauf findet die , Uraufführung „Der Prinz Eugen", drei Szenen von Eberhard Wolfgang Moller statt. Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim. Bühnenbild Karl Löffler. Musi» kalifche Umrahmung der Feier: die Werkschar. Dis Anfangszeit der Veranstaltung ist auf 11.30 Uhr festgesetzt worden, nicht, wie irrtümlicherweise bekanntgegeben wurde, um 11 Uhr. — Am Abend noch einmal „Meine Schwester und ich", musikalisches Lustspiel von R. Benatzky. Spielleitung Gert Buchheim, am Flügel Joachim Popelka, Tänze Thea Maaß. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr.
Dienstag, 9. Mai, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr: Uraufführung in Anwesenheit des Verfassers: „Ter Alte geht um", Volksschauspiel von Karl Ruckels- hausen. Spielleitung Hans Geißler. Dienstag-Miete 31. Vorstellung.
Mittwoch, 10. Mai, Anfang 19.30 Uhr, Endg 23 Uhr: Zum letztenmal „Die Königin Isabella", Schauspiel von Hans Rehberg. Spielleitung Hannes Razum. Mittwoch-Miete 30. Vorstellung.
Donnerstag, 11. Mai, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr: Einmaliges Gastspiel der Staatsschauspielerin Lil D a g o v e r in „Spiel im Ernst", Komödie von Gerhard T. Buchholz. Spielleitung Karl Heinz Martin. Außer Miete!
Freitag, 12. Mai, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr: Zum letztenmal „Ein ganzer Kerl", Komödie von P. Buch. Inszenierung Hans Geißler. Freitag-Miete 31. Vorstellung.
Sonntag, 14. Mai, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr: „Der Alte geht um", Volksschauspiel non Karl Ruckelshausen. Spielleitung Hans Geißler. Außer Miete.
(Eine Sonder-Ausstellung „Das Dorf- und Hausbuch" findet während der Dauer der Gau-Kulturwoche im Oberhessischen Museum (Altes Schloß) statt.
DI.-Zungbann 116.
Führerlagung in Gießen.
Am Sonntag, 7. Mai, Antreten der Fähnlein- und Jungstammführer des Jungbannes 116 Wetterau in Winterdienstuniform, Stiefelhose oder Schihose, Jungenschaftsbluse und Mütze, in Gießen pünktlich um 9.30 Uhr auf dem Ludwigsplatz.
Mit dem Treudienst-Ehrenzeichen ausgezeichnet.
Das silberne Treudienst-Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste erhielten bei der Fahrkartenausgabe. Gepäck- und Eilgutabfertigung Gießen: Reichsbahn» Sekretär Heinrich Becker, Reichsbahn-Assistent i. R. Speier, Reichsbahn-Lademeister Funk, Körn» topp, Reichsbahn-Ladeschaffner Volk und die Güterbodenarbeiter S e m m l e r und Albach. Den
Geschichten ans aller Welt.
Ein Meteor in der guten Stube.
Ndz. Tokio.
„Alles Gute kommt von oben", sagt ein deutsches Sprichwort. Eine Hausfrau in Pokohama wird sich dieser Auffassung in Zukunft nur noch sehr bedingt anschliehen, denn sie hat eigentlich die Erfahrung gemacht, daß auch weniger Gutes aus jenen Höhen herabkommen kann, die sich unferem Auge in tiefer Bläue verschließen. Als die Frau in ihrem nach japanischer Art leicht gebauten Haus beschäftigt war, horte sie plötzlich aus dem anstoßenden Zimmer einen gewaltigen Lärm, als ob das ganze Haus einstürzen wolle. Sie eilte schreckerfüllt in den Nachbarraum und sah zu ihrem Erstaunen, daß ein etwa kopfgroßer Stein in dem Zimmer auf der Matte lag. Es ergab sich, daß ein fast 10 Pfund schwerer Meteorsplitter bas Haus durchschlagen hatte.
Ein Kugelblitz stellt sich vor.
Ndz. Kopenhagen.
. Ein schweres, mit Wolkenbruch und Hagelsckauem verbundenes Gewitter, daß kürzlich über Kopenhagen niederging, hat allerlei Unheil angerichtet, aber es hat sich auch einen wirklich guten Witz geleistet. Es hat einen Kugelblitz sozusagen zur fach- wissenschaftlichen Untersuchung in die Urania-Sternwarte geschickt, und ausgerechnet zu einem Astronomen, der vor diesem Besuch an der Realität der oft gemeldeten Kugelblitz-Erscheinungen zweifelte. Magister Luplau Janssen, einer der bekanntesten dänischen Astronomen, war abends in der Urania« Sternwarte mit einer kleinen technischen Arbeit beschäftigt und hatte auf das heranziehende Unwetter kaum geachtet. Plötzlich hörte er ein kräftiges Zischen, und im gleichen Moment sah er eine große, kugel« förmige Lichtmasse durch die geöffnete Spalte Der Kuppel hereinsausen. Ein paar Meter von seinem Sitz rollte die Lichtkugel, Deren Durchmesser er auf einen halben Meter schätzt, durch das Observatorium zur geöffneten Tür und durch diese die Treppe hinunter. Unten befindet sich des Astronomen Wohnung, Deren Küchentür geöffnet mar. Der Astronom
verfolgte die helle Kugel und sah sie durch die Küchentür rollen, vorbei an feiner jungen Frau, Die gerade Anen Teller abtroefnete. Sie ließ kaltblütig übrigens nicht einmal bei diesem ungewöhnlichen (Ereignis den Teller fallen! Beide Eheleute konnten nun beobachten, wie Der Kugelblitz sich durch die offene Tür Des Kachelofens den Ausweg ins Freie suchte. Gleich darauf war oben Das Geräusch von zwei lauten Pistolenschüssen zu hören — Der Kugelblitz war offenbar an der Schornsteinöffnung explodiert. Eine Ofenkachel hat der Blitz bei feinem Weg durch den Ofen zerschlagen, sonst hat Der rücksichtsvolle Besucher keinen Schaden angerichtet. Er ist nach der Meinung Des Astronomen genau Der Zugluft gefolgt, Die von oben Durch Den Spalt Der Kuppel durch Die offenen Türen strich. Magister Janssen bekennt, daß er vor diesem augenscheinlichen Beweis ebenso wie manche seiner Kollegen den Be-, richten über Kugelblitze skeptisch gegenübergestanden und an optische Täuschungen geglaubt habe. Nach diesen Berichten tritt der Kugelblitz nicht immer so rücksichtsvoll auf wie bei seinem Besuch in Der Kopenhagener Urania-Sternwarte, wo er nicht einmal Die elektrische Beleuchtung gestört hat.
Der Futzball und die Kaffeekanne.
Ndz. Kopenhagen.
In Asiens in Dänemark ist im Fußballkampf zwischen den Mannschaften von Asiens und Udbyhöj Die Asiens-Mannschaft für besiegt erklärt worden aus einem Grunde, Der in Der Sportgeschichte einzig dastehen Dürfte. Ein Spieler dieser Mannschaft hatte den Ball so kräftig gestoßen, daß er die Grenzen Des Sportplatzes überflog und in einem benachbarten Garten landete. Unglücklicherweise wär es der Garten des Lehrers H. P. Nielsen, der ohnehin auf die Fußballer nicht gut zu sprechen ist, weil ihr lärmendes Treiben ihm Die ruhige Erholung im Grünen schmälert. Nun hatte sich Der Fußball auch ausgerechnet Den Kaffetisch im Garten als Landungsplatz ausaesucht und Dabei Die Kaffeekanne umgeworfen. Lehrer Nielsen erklärte Den xu ihm fommenDen Parlamentären zornig, er werde ihnen den Ball nicht aushändigen, sondern ihn
morgen mit einer saftigen Beschwerde Der Polizei als Beweismittel übergeben. Große Verzweiflung auf dem Sportplatz, wo die Spannung in dem bisher unentschiedenen Spiel gerade den Höhepunkt erreicht hatte. Der Schiedsrichter forderte Die Fußballer von Asiens auf, schleunigst einen anderen Fußball zu beschaffen. Sie hatten keinen zur Verfügung und das Spiel konnte Darum nicht fortgesetzt werden. Unentschieden aber blieb es nicht. Der Schiedsrichter proklamierte vielmehr Die Mannschaft von Udbyhöj zum Sieger, weil ihr Gegner durch eigene Schuld kampfunfähig geworden sei.
Elefanten vertragen keinen Flugzeuglärm.
B. London.
„Die Flieger werden gebeten, Die (Elefanten nicht zu erschrecken!" So steht in einem offiziellen englischen Regierungsbericht, Den eine Kommission zur Neuregelung der Verkehrsvorschriften für Flugzeuge ausgearbeitet hat. Die Kommission empfiehlt ein allgemeines Verbot, den Londoner Zoo zu überfliegen und gibt Dafür folgende Begründung: Die Beamten des Zoo erklären, daß eine öffentliche Gefahr für Das Publikum daraus entstehen könnte, wenn Die (Elefanten durch niedrig fliegende Flugzeuge in Panik versetzt würden und ausbrächen. Die Elefanten sehr temperamentvolle Tiere, sind schon durch ähnliche Vorfälle erschreckt worden und haben Dabei ihre Wärter verletzt. Ein (Elefant in Panik wäre sehr wohl imstande, Die Einzäunung nieder- zureißen und draußen im Regents Park Unglücksfälle zu verursachen. Außerdem wird dringend empfohlen, Die (Erlaubnis für Firmen zum „Reklame- fliegen" stark einzuschränken oder ganz aufzuheben. „Gegen Die Benutzung von Flugzeugen zu Reklamezwecken", heißt es in dem Memorandum, „kann aus mindestens drei Gründen Einspruch erhoben we.rden. Erstens ist es eine Art Unanständigkeit oder eine grobe Unziemlichkeit, Den Himmel, der allen gehört, für Den geschäftlichen Vorteil einiger zu benutzen. Zweitens wegen Des unnötigen Lärms; Drittens wegen der unnötigen Gefahr." Um Das Publikum gegen die Gefahren Des niedrigen Fliegens zu schützen, sollten nur mehrmotorige Maschinen, Die, auch wenn ein Motor versagt, ihre 'Höhe einhalten können, Die Erlaubnis haben, dichtbevölkerte Orte zu überfliegen. Endlich sollte strengerer Gebrauch davon gemacht werden, Fliegern,
die gegen Die Vorschriften verstoßen haben. Den Fliegerschein zu entziehen. Der Lärm wird als „der Hauptfeind aller Annehmlichkeit" bezeichnet, und es wird empfohlen, ,Haß der Luftfahrtminister sich mit diesem Problem besonders beschäftigen sollte, mit dem Ziel, für jedes Flugzeug Das Maximum von Geräusch, das es verursachen Dürfe, festzulegen."
Die Dame mit dem Backenbart.
i i Ndz. Paris.
Frankreichs „Dame mit Dem Backenbart", Mme. Paul Delait, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Seit einiger Zeit lebte sie bereits im „Ruhestand" und widmete sich nur der Ueberwachung Des Geschäftsganges eines kleinen Cafes, das sie in Raon- l'Etape in Den Vogesen besaß. Frau Delait war eine geborene Clementine Plateaux. In ihrem fpäj teren Leben hatte man sie allerdings besser „Clem Plateaux genannt. Ein Männername hätte ihr besser angestanden, denn auf ihrer Oberlippe sproß ein dichter Schnurrbart und um ihre Wangen ein kräftiger Franz-Josephs-Bart. Ihr Bart war so dicht, daß sie mit einem Zirkus ganz Frankreich bereiste und überall eine der größten Attraktionen bildete. Schließlich aber wurde ihr die Neugier Der Menschen doch über, sie verließ Die Zirkusschau und führte ein sehr zurückgezogenes Leben in ihrer Wohnung in Epinal, die sie nur verließ, um ge- legentlich in ihrem Cafe nach Dem Rechten zu sehen.
Die Salamiwurst als Mordwaffe.
Ndz. Budapest
Wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges" wurde in Budapest ein Taxichauffeur verhaftet, der einem Kollegen im Streit Den Schädel eingeschlagen hatte. Die Polizei verlangte Die gefährliche Waffe und beschlagnahmte eine gwtze harte Salamiwurst. Vor Dem Streit mit Dem legen hatte Der Autolenker diese Wurst einem Fahrgast abgenommen, der Die Taxe nicht bezahlen konnte oder wollte. Die Wurst, die er eigentlich essen wollte, benutzte Der rabiate Kraftfahrer ve einem Streit als Waffe, und nun wird sie bei Strafprozeß als „gefährliches Werkzeug" auf De Richtertisch liegen.


