Ausgabe 
6.5.1939
 
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Opfer des polnischen Chauvinismus.

Volksdeutsche flüchten vor dem polnischen Terror über die Grenze.

Zusammenarbeit cntftel)enbe gegenseitige 21b* hängigkett hingewiesen und gerade deshalb die Be­hauptung der demokratischen Presse, Destschland versatge mit seiner Wirtschaftspolitik imperialistische Ziele, für Unsinn erklärt. Nein, wenn Deutschland allerdings seine Wirtschastsmärkt«, auf die es in erster Linie angewiesen ist, in Südosteuropa sowohl wie im Baltikum zu sichern und zu pflegen bestrebt ist, so fidjt es dies Ziel am besten erreicht in der politischen Unabhängigkeit seiner Handelspartner. So liegt den beiden Achsenmächten auch nichts mehr am Herzen, als die politische Konsolidierung des Balkans durch eine kluge Verständigungspolitik der Balkanstaaten selbst, die hier und da noch vorhan­dene Reibungsflächen abzuschleifen und durch einen vernünftigen Ausgleich der Interessen zu ver­trauensvoller nachbarlicher Zusammenarbeit zu kommen bestrebt ist. Daß hierbei die Achsenmächte ihre freundschaftliche und, wie es in der Natur der Sache liegt, gänzlich uneigennützige Vermittlung gern Au Verfügung stellen werden, ohne ihre Rat­schläge irgendwem aufdrängen zu wollen, geht aus den Berichten der römischen Presse über den Besuch Gafencus hervor, und der ungarische Außenminister Graf Csaky hat das in seinem Bericht über den Besuch der ungarischen Staatsmänner in Berlin und Rom bestätigt. Auch der in die gleiche Zeit fallende Besuch des jugoslawischen Außenministers Cincar Markowitsch in Berlin und sein Zu- sarmnentreften mit dem Grasen Ciano in Venedig werden zu Sondierungen in gleichter Rich­tung Gelegenheit gegeben Haden.

Jugoslawiens vertrauensvolles Verhältnis zu den Achsenmächten ist bei der Rückgliederung der Ostmark, wodurch Jugoslawien eine gemeinsame Grenze mit dem Großdeutschen Reich erhielt, bei der Errichtung des Protektorats in Böhmen und Mähren, wie nun wieder bei der Neuordnung in Albanien so offenkundig zu Tage getreten, daß die englischen Einkreisungspolitiker von vornherein dar­auf verzichtet haben, auch in Belgrad anzuklopfen. Der in Aussicht genommene Staatsbesuch des jugo­slawischen Prinzregenten Paul in Rom wird die­sen Kurs der Unabhängigkeit Jugoslawiens von den aggressiven Bündnisplänen der westlichen Demo­kratien noch unterstreichen. Die jugoslawische Regie­rung Zwetkowitsch ist im Begrift, das schwierigste Problem seiner Innenpolitik, die kroatische Frage, durch einen alle beteiligten befriedigenden Aus­gleich mit dem Kroatenftihrer Matschek aus dem Wege zu räumen. Wenn aus dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie das neue Jugoslawien ursprünglich alsKönigreich der Ser­ben, Kroaten und Slowenen" entstanden war und man sich in Agram und Laibach darunter einen föderativen Staat vorgestellt hatte, so hatten in der Folge die überspannten Zentralisierungsbestrebun­gen der Serben die Kroaten in die heftigste Op­position zur Belgrader Regierung getrieben. Was dem in Marseille durch Mörderhand gefallenen König Alexander nicht mehr gelungen war, der Ausgleich mit den Kroaten und damit die innere Konsolidierung seines Landes, scheint jetzt in greif­barer Nähe zu sein. Dann wird sich Jugoslawien wieder mit ungeteilter Aufmerksamkeit seinen außen­politischen Aufgaben widmen können, wozu nach der Verständigung mit Italien und Bulgarien die Herstellung gutnachbarlicher Beziehungen zu Un­garn gehört.

Ungarns Verhältnis zu Jugoslawien ebenso wie zu Rumänien ist belastet durch die im Friedens- diktät von Trianon erzwungene Abtretung weiter ehemals ungarischer Gebiete an Jugoslawien und Rumänien, wodurch rund 500 000 Madjaren unter die Herrschaft Belgrads und- gar 1,4 Millionen Madjaren unter die Bukarests gekommen sind. Die Nationalitätenfrage steht also zwischen diesen Mäch­ten als schwierigstes Problem. Der Erfolg, den die ungarische Reoisionspolitik bei dem Auseinanderfall der Tschecho-Slowakei durch Rückgliederung der Karpotho-Ukraine freilich dank ganz besonderer Umstände gehabt hat, wird in Bukarest und Belgrad zum Nachdenken angeregt haben, so daß eine groß­zügige Minderheitenpolitik heute vielleicht eher als ' selbstverständliche Voraussetzung für eine Konsolidie­rung des Balkans betrachtet wird. Auch Bul­garien gehört in diesen Rahmen, das den Der- iuft der Süddobrudscha an Rumänien noch nicht verschmerzt hat. Qjs sind also hier überall, wo nach den Friedensdiktaten so wenig wie früher die Staatsgrenzen mit den Volksräumen sich decken, latente Konfliktsstoffe vorhanden, und nur eine von großen Gesichtspunkten ausgehende und von dem Willen zur Verständigung geleitete Politik wird einen Ausgleich der verschiedenen nationalen Inter­essen schaffen können, der allein der Konsolidierung des Friedens auf dem Balkan zu dienen vermag. Das eine aber scheint schon jetzt festzustehen, die Zeiten sind vorbei, wo die Balkanvölker nur willen­lose Figuren auf dem politischen Schachbrett der Großmächte waren. Der Balkan hat sich als fein günstiges Operationsfeld für die verantwortungs­losen Umtriebe zynischer Einkreisungspolitiker er­wiesen.

Dasselbe gilt für die nach der Auflösung des russischen Zarenreiches im Nordosten entstandenen baltischen Randstaaten, die vornehmlich von England heiß umworben wurden, es jedoch verstanden haben, ihre Unabhängigkeit zu wahren. Die soeben im englischen Unterhaus abgegebene Er­klärung des Unterstaatssekretärs Butler, daß Eng­land nicht beabsichtige, die Garantie auch auf diese baltischen Staaten auszudehnen, darf man wohl als ein Zeichen dafür nehmen, daß England es nicht darauf ankommen lassen möchte, sich auch hier einen Korb zu holen. Wie lächerlich die besonders von der englischen Presse immer wieder geflissentlich aus­gestreuten Behauptungen sind, als ob Deutschlands Wirtschaftspolitik im Nordosten imperialistische Ziele verfolge und die Unabhängigkeit der baltschen Staa­ten bedrohe, haben die Ereignisse der letzten Wochen und Tage schlagend erwiesen. Lediglich mit Litauen hatte Deutschland Überhaupt ernsthafte Differenzen, die in dem Augenblick beseitigt worden sind, als man sich in Kowno entschloß, das einst sich widerrechtlich angeeignete deutsche Memelland dem Reich zurückzugeben. Eine Tat, die der klugen Realpolitik Litauens alle Ehre machte und ihren Lohn fand in dem großzügigen Entgegenkommen, mit dem das Reich die wirtschaftlichen Interessen Litauens durch Gewährung eines Freihafens in Memel und sonstiger Erleichterungen vollauf berück­sichtigt hat. Damit ist die Voraussetzung für gut­nachbarliche Beziehungen geschaffen, so daß Litauen, das erst vor kurzem nur unter dem Druck eines polnischen Ultimatums den Raub Wilnas als fait accompli hingenommen hat, kaum Lust verspüren wird, sich auf irgendwelche Abenteuer einzulassen, die gegen das Reich gerichtet sind.

Zwischen Deutschland und den andern baltischen Staaten bestanden keinerlei territoriale Differenzen. Freilich hat die Minderheitenpolitik, die Lett­land und Estland den Resten des baltischen Deutschtums gegenüber getrieben haben, häufig genug zu berechtigten Klagen Anlaß gegeben. Unter der Zareukone waren es ja die feit den Zeiten des deut-

Thorn, 5. Mai. (DNB.) In Walddorf (Kreis Graubenz) drangen zwei Polen in das Haus des volksdeutschen Landwirts Oskar Pommerenke ein und orderten mehrere anwesende Volksdeutsche auf, das Haus zu verlassen, während eine etwa 20 Mann tarfe polnische Gruppe vor dem Haus wartete. Als >ie Volksdeutschen, um Streitigkeiten zu vermei­den, das Haus verließen, zerstörten die Ein­dringlinge die gesamte Einrichtung des Hauses. Die draußen wartende Menge, die zum Teil mit Karabinern bewaffnet war, chlug indessen die Fensterscheiben e i n. Als die Hausinsasfen auf den Boden flüchteten, holten die Polen eine Leiter, bestiegen das Dach, rissen die Dachsparren ab und bombardierten die Eigentümer des Hauses mit Steinen. Darauf schoß der Sohn Pommerenkes in. Notwehr aus die Polen, von denen zwei verletzt wurden. Die Polizei ver­haftete Pommerenke und sechs andere Volksdeutsche. Das Dorf Walddorf ist für jeden Verkehr gesperrt worden.

Die deutsche Bevölkerung des Dorfes W o l z (Kreis Graudenz) wurde von polnischen Banden ebenfalls in unglaublich st er Weise ter­rorisiert. Fast allen Volksdeutschen wurden die Fenster eingeschlagen. Ferner versuchte man, die Bewohner aus den Häusern z u vertreiben. Ein großer Teil der Einwohner konnte sich in höchster Eile über d i e nahe­liegende Grenze n ad) Deutschland bringen. Das zum größten Teil von Deutschen be­wohnte Dorf ist jetzt fast menschenleer. Es sind nur noch wenige Deutsche anwesend, die von Haus zu Haus gehen, das Vieh der geflohenen Volksdeutschen üttern und versuchen, einen Teil der Habe zu ret­ten. In Liebenwalde (Kreis Schwetz) wurden die Volksdeutschen Hermann und Emil Mahtis in ihrer Wohnung von Polen überfallen und mißhandelt. Einem wurden die Zähne einge» chlagen und der Unterkiefer gespalten, während der andere derart mißhandelt wurde, daß er besinnungs­los liegenblieb. Auch die Deutsche Volksbü­cherei in Ka11owitz - Zalenze ist restlos z e r- t ö r t worden. Polen brachen die Türen auf, zer- chlugen die Inneneinrichtung, zerrissen einen Teil >er Bücher und begossen sie mit Tinte. Ein anderer Teil wurde gestohlen.

EF. Paris, 6. Mai.

Dem Ministerrat, der am Samstagvormittag zu- ammentritt, mißt man starke Bedeutung bei. Mi­nisterpräsident Daladier wird die grundsätzliche Haltung Frankreichs zu den brennenden außen­politischen Fragen umreißen. Es handelt sich um die Grundzüge der Erklärung, die der Ministerpräsident am kommenden Donnerstag bei Eröff­nung der parlamentarischen Session abgeben wird. Der Ministerpräsident wird ihr die Bedeutung einer Regierungserklärung geben und die Kammer auf­ordern, darüber abzustimmen. Man glaubt, Dala- dier habe auch die Absicht, eine Vers cPä rsung der Pressezensur herbeizuführen. Anlaß hier­zu würde der Aufsehen erregende Artikel Marcel Deals imOeuvre":Wir wollen nicht für Dan­zig ft erben!" bilden. Vielfach ist man allerdings der Meinung, Daladier werde es vorläufig bei einer Drohung bewenden lassen, da die Presse und der Rundfunk sich in der letzten Zeit deutlich be­müht hätten, den Wünschen dex Regierung zu ent- prechen.

Die französischen Behörden versuchen mit allen Mitteln, insbesondere durch Rundfunkaufrufe und Pressekommentare gegen die Ang st psychose anzukämpfen, die sich infolge der unverantwort­lichen Hetze und Verleumdungskampagne in den demokratischen Ländern in den letzten Wochen in Frankreich breit gemacht hat und das Geschäftsleben empfindlich lähmt. In den meisten Zeitungen kann man täglich an auffälliger Stelle die Schlagworte lesen:Nehmt wie gewöhnlich Eure Einkäufe vor; Ihr stärkt dadurch die nationale Verteidigung!" Nun hat in der Nacht zum Samstag auch der Vorsitzende des Pariser Stadtrats, LeProvostdeLaunay, überall Plakate anschlagen lassen, in denen es heißt: Die internationalen Ereignisse, die Gefahrenpsy­chose und die krankhafte Erwartung neuer Reden verhindern die alltäglichen Käufe und

chen Ritterordens im Lande ansässigen Deutschen gewesen, die als Grundbesitzer und Gelehrte, Handel- ünd Gewerbetreibende diese Gebiete der europäischen Kultur erschlossen und erhalten hatten. Der Ratio- nalismus der nach dem Zusammenbruch des Zaren­reiches selbständig gewordenen und vorwiegend durch deutsche Waffen vor dem Bolschewismus geschützten jungen Völker hat jedoch durch eine rücksichtslose Agrarreform und entsprechende Maßnahmen in den Städten dafür gesorgt, daß die Stellung des bal­tischen Deutschtums erschüttert wurde. Immerhin hat die estnische Regierung dem . Deutschtum, das nur noch etwa 18 000 Köpfe bei einer Gesamtbevölkerung von rund einer Million beträgt, eine gesetzlich ge­sicherte Kulturautonomie gewährt, und auch Lett­land hat sich für seine etwa 70 000 deutschen Staats­bürger (von rund 2 Millionen insgesamt) zu einer solchen Kulturautonomie verstanden, wenn sie auch nicht gesetzlich verankert ist wie in Estland. Im übrigen unterhält das Reich zu beiden baltifd)en Staaten, wie auch der Führer in seiner letzten Reichstagsrede hervorhob, rege wirtschaftliche Bezie­hungen, die auch politisch ein freundschaftliches Ver­hältnis wünschenswert machen. Es ist deshalb zu begrüßen, daß soeben zwischen Lettland und dem Großdeutschen Reich ein Nichtangriffspakt zustande gekommen ist und ein ähnlicher Vertrag auch mit Estland in Aussicht steht. Damit hat das Reich erneut den Beweis dafür angetreten, daß es, wie der Führer in feiner Antwort auf die arrogante Botschaft Roosevelts heroorgehvben hat, jederzeit unter der Voraussetzung der Gegenseitigkeit bereit ist, Nichtangriffspakte mit den Landern abzuschlie­ßen, die es wünschen. In Riga und Reval hat man um so lieber die Hand dazu geboten, als damit der Neutralitätswille der beiden baltischen Staaten, die bislang nur Nichtangriffspakte mit der Sowjetunion hatten, eindeuig bekundet wird.

Das ist in einem Augenblick besonders bemerkens­wert, in dem England alles daransetzt, durch haltlose Bangemacherei überall die kleinen Staaten aus

Wilde Hetzreden in pofen.

Warschau, 5. Mai (DNB.) In Po sen fand eine von allen polnischen Parteien einberufene Hetzversammlung statt, in der die Besetzung Danzigs und Ostpreußens und die Herbeiführung derOdergrenze" einschließlich Breslaus gefordert wurde. In der Menge wurde eine Puppe mitgeführt, die den Führer am Galgen darstellte (!). Jedesmal, wenn das Wort Hitler fiel, brach die Masse in wilde Schtnährufe gegen den Führer aus. Nach Absingen deutschfeindlicher Lieder begab sich die aufgehetzte Menge zum deutschen Generalkonsulat, wo wüste Schmährufe gegen Deutschland und gegen Adolf Hitler ausgestoßen wurden. Eine dichte Poli­zeikette hatte Mühe, den aufgestachelten Mob vor tätlichen Angriffen zurückzuhalten. Dafür aber hiel­ten sich die verhetzten Elemente an Volksdeut­schem Eigentum schadlos. So wurden an der Konditorei Erhorn die großen Schaufensterscheiben eingeschlagen, die Gardinen zerrissen, Stühle auf die Strdße geschleudert, ganze Torten in die Menge geworfen. Ein Wagen deutscher Marke, der vor der Konditorei parkte, wurde von der Menge schwer beschädigt, umgedreht und die Reifen zerschnitten. Höchst peinlich war allerdings die Ueberraschung, als ein polnischer U l a n e n o f f i z i e r aus einem nahegelegenen Kino herauskam und sich als Besitzer des Wagens erwies.

In der Aula der Posener Universität fand eine Kundgebung" der polnischen Studenten­schaft statt, der auch Vertreter des akademischen Senats beiwohnten. Der stellvertretende Vorsitzende desAllpolnischen Jugendverbandes" erklärte: 1410 habe man die Deutschen bei Tannenberg geschlagen, jetzt aber werde man sie bei Berlin (!) zu­sammenhauen. Die Rückgabe Danzigs, die Einverleibung Ostpreußens und Schlesiens seien Mindestforderungen", deren Erfüllung diege­rechte Odergrenze" für Polen mit sich bringen würde. Heber diesesMinimum" hinaus forderte der Redner auch noch das Lausitzer Gebiet für Polen. In diesem Augenblick brachen die Stu­denten in Hochrufe auf diepolnische Lausitz" aus.

verlangsamen das Geschäftsleben. Es hängt von jedem Bürger, der fein Vaterland liebt, ab, diese Geschäftslähmung zu bekämpfen. Kaufen, Ver­brauchen und Bestellen bedeutet, den Glauben m unsere Geschicke zu stärken. Alle, die diesen Aufruf befolgen, indem sie die ihnen möglichen Ausgaben vornehmen, arbeiten für die nationale Verteidigung."

Die englischen Gegenvorschläge für Moskau.

London, 5. Mai. (Europapreß.) Ministerpräsi­dent Chamberlain wurde im Unterhaus von der Opposition einem Trommelfeuer von Fragen mit Bezug auf die Verhandlungen zwischen Eng­land und der Sowjetunion unterworfen. Chamber­lain verweigerte auch bei dieser Gelegenheit eine nähere Auskunft über den Stand der Verhandlun­gen und lehnte es ab, die Vorschläge der Sowjet­union vom 15. April zu veröffentlichen. Er teilte mit, daß die erwartete Stellungnahme der fran­zösischen Regierung zu den neuesten englischen Gegenvorschlägen in London eingegangen ist und nunmehr in Kürze mit der Absendung der Vor­schläge nach Moskau gerechnet werden könne. Diese sollen nach einem Bericht desDaily Telegraph" am Freitagabend in Form von neuen Instruktionen für den englischen Botschafter in Moskau ab gegan­gen sein. Die englische Regierung halte darin an ihrer Auffassung fest, daß ihre vertraglichen Der- pflichtungen auf die zwischen Deutschland u n d d er Sowjetunion gelegenen Staa­te n beschränkt bleiben sollen. Die englische Presse glaubt zu wissen, die Sowjetunion wolle nur dann auf die englischen Bestrebungen eingehen, wenn England auch bestimmte Verpflichtungen i m Fernen Oftcn gegenüber Moskau eingehe.

ihrer selbstgewählten Neutralität herauszulocken. Demgegenüber vertritt Deutschland den Standpunkt selbstverständlicher Achtung des Neutralitätswillens der kleinen Staaten, die in ihm die beste Sicherung ihrer Unabhängigkeit und ihrer Lebensinteressen sehen. Dieser Auffassung entsprang auch der Ent­schluß Deutschlands, der von Schweden und Finn­land gewünschten Befestigung der südlichen Alands­inseln zuzustimmen. Wir haben über die Vor­geschichte dieses Schrittes bereits berichtet. Er macht erneut deutlich, daß Deutschland weit davon entfernt ist, den berechtigten Lebensinteressen der kleineren Staaten und ihren Wünschen auf Sicherung ihrer Unabhängigkeit sich zu widersetzen. So tritt die ruhige Gelassenheit, mit der Deutschland feine Frie­denspolitik nach allen Seiten hin fortsetzt, wo man ihm mit Verständnis entgegenkommt, in auffallen­den Gegensatz zu der aufgeregten Geschäftigkeit der westlichen Einkreisungspolitiker, die durch die Aus­bootung Litwinow-Finkelsteins völlig aus dem Kon­zept gekommen zu sein scheinen. Wir haben keinen Anlaß, uns an dem in Paris und London betrie­benen Rätselraten zu beteiligen darüber, was der Wechsel im sowjetrussischen Außenkommissariat grabe in diesem Augenblick intensiver Verhandlungen über bas Einbeziehen Moskaus in bie Einkreisungspolitik ber westlichen Demokratien zu bedeuten hat. Aber bie nervösen Fragen, ob Stalin etwa bie Sowjet­union in bie Isolierung zurückführen, wolle, bie Moskau vor ber europäischen Bünbnispolittk Litwi­nows bevorzugt hat, ober ob der Sturz Litwinows nur ein Druck fein solle, um England und Frank­reich für einen auch bie fernöstlichen Interessen ber Sowjetunion umfassenben Pakt willfährig zu machen, biese Unsicherheit zeugt nicht gerabe von Selbstvertrauen in bie Beweiskraft ber eigenen Ar­gumente für eine Politik, bie unter der Maske der Antiaggressionsfront" den Aufmarsch der Nutz­nießer des Status quo gegen die Vorkämpfer einer neuen gerechteren und besseren Ordnung Europas vorbereiten soll. Fr. W. L.

Lettland und Estland.

Der bevorstehende Abschluß der Verhandlungen über Nichtangriffspakte mit Lettland und Estland lenkt bie Aufmerksamkeit auf biese beiben baltischen Staaten, bie sich vom Rigaischen bis zum Finnischen Meerbusen erstrecken und als ihren wlchttgsten Landnachbarn Sowjettußland haben. Vor einigen Jahren machte der einflußreiche Bolschewik Schdanow bie recht anzügliche Bemerkung, daß bie Rote Armee eines Tages bas kleine Fenster im Ostseeraum auf« machen konnte, um nachzusehen, was bort vorgeht. Beide Staaten verdanken ihre staatliche Selbständig­keit, genau so wie Litauen und Polen, der immer­hin erwähnenswerten und nicht ganz zu vergessen­den Tatsache, daß die deutschen Armeen im Weltkrieg die Dampfwalze des zaristischen Ruß­lands zerstörten. Auch unseren Hausfrauen sind Lettland und Eslland nicht ganz ferne Begriffe, denn gelegentlich finden sich auf Eierkiften ober Butter­fässer n die Herkunftsbezeichnungen Latvija ober Eesti aufgebruckt. Beide Länder haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten sehr bemüht, burd) Stan­dardisierung ihrer landwirtschaft­lichen Ausfuhr einen erweiterten und sicheren Markt zu verschaffen. Denn neben ber Forstwirt­schaft ist bie Lanbwirtschast die wichtigste Quelle nationalen Einkommens. Lettland ist so groß wie Böhmen (als geographischer Begriff) und ber Freistaat Sachsen zusammengenommen, zählt aber nur knapp zwei Millionen Einwohner bei einer Bevölkerungsbichte von 29 Menschen auf einem Quadratkilometer. Estland ist etwas kleiner als Böhmen. Die Zahl feiner Einwohner kann auf etwas über 1,1 Million geschätzt werden, und die Bevölkerungsdichte ist mit 24 Menschen auf einem Quadratkilometer noch geringer als in Lettland. Die Städte beider Länder haben als deutsche Gründun- gen auch heute noch einen guten und vollen Klang tm deutschen Dolksbewußtsein. Wir nennen in Lett- land: Riga mit fast 400000 Einwohnern, bann Libau, Dünaburg, Mitau unb Windau; in Estland ist die Hauptstadt Reval, bas estnisch Tallinn heißt und 125 000 Einwohner zählt, sowie Dorpat be­kannt, dessen Universität von Gustav Adolf ge­gründet wurde und bis in eine nahe Vergangenheit eine deutsche Hochschule war.

Oie kroatische Frage.

Eine Krisis in den BcrständigungH.

Verhandlungen.

Agram, 5. Mai (Europapreß). lieber die scr« bisch-kr»> tischen Verständigungsverhanblungen teilte das Blatt der Kroatischen Bauernpartei, -Hroatski Dnevnik", nach Beendigung ber Konferenz, bie Matschek am Freitagoormittag mit führenden Mit­gliedern seiner Partei abgehalten hatte, unter ber ÜberschriftDerftänbigung abgelehnt!", mit, der Vertrauensmann Matscheks, Abgeorbneter Suba- tschitsch, sei am Donnerstag mit bem Flugzeug aus Belgrad zurückgekehrt. Er habe eine Mitteilung an Matschek überbracht, die' Minister­präsident Zwetkowitsch vom Königlichen R e - gentjehaftsrat erhalten habe. Darauf habe Subatschttsch dem Ministerpräsidenten Zwetkowitsch wie folgt geantwortet:Herr Ministerpräsident! Ich habe den Auftrag, Ihnen folgende Mitteilung zu machen: Präsident Matsd)ek stellt nach meiner Rück­kehr fest, baß der Königliche Regentschaftsrat die Verständigung, die zwischen Ihnen als Mini­sterpräsident unb dem Mandatar ber Krone unb ihm am 27. April abgeschlossen würbe, a b g e lehnt hat".

Die kategorische Erklärung Mcttscheks, daß die Verhandlungen abgebrochen jeien, hat in Belgrader Regierungskreisen offenbar Ueberraschung hervor- gerufen. Ministerpräsident Zwetkowitsch hatte bis Freitagabend noch kein Schreiben des Inhalts erhalten, daß Matschek die Verhandlungen als ab­gebrochen betrachte. Der Presse erklärte Minister­präsident Zwetkowitsch, im Laufe der Verhandlun­gen, die in Agram zwischen ihm unb Dr. Matschek geführt worden seien, seien in den letzten Tagen von beiden Seiten Vorschläge ausgear­beitet worden, bie gegenwärtig noch immer geprüft mürben. Man will aus biefer Erklärung des Ministerpräsidenten schließet, daß er feiner« feits die Verhandlungen noch nicht als abge­brochen betrachte und der Meinung sei, das letzte Wort sei noch nicht gefallen.

Generaloberst von Brauchitsch kehrt aus Libyen zurück.

Vorzüglicher Eindruck der italienischen Leistungen.

Mailand, 5. Mai. (Europapreß.) Generaloberst von Brauchitsch traf in Begleitung Luftmar- schall Dalbos unb Unterftaatsfefretärs General Pariani in Tripolis ein, wo er im Flughafen eine Truppenschau abnahm. Zwischen Benghasi und Tripolis waren bie Flugzeuge in ber syrischen Wüste in einen heftigen Sanbsturm geraten. Bei einer Windstärke von hundert Kilometer in der Stunde war jede Sicht unmöglich. Die Flugzeuge mußten eine Notlandung vornehmen. Sie erfolgte ohne Zwischenfall auf einem für Notlan­dungen vorgesehenen Felde. Generaloberst v. Brau­chitsch, General Pariani unb Luftmarschall Ball'" blieben im Häufe eines Straßenwärters, bis sich ber Sandsturm gelegt hatte, unb setzten bann den Flug nach Tripolis fort.

Generaloberst von Brauchitsch wirb in Begleitung General Parianis am Samstagvormittag im Flug' zeug nach Rom zurückkehren, wo er an bem Tag bes italienischen Heeres teilnimmt. Wäh- renb feiner Libyenreife hat ber Oberbefehlshaber bes Heeres, bem überall bie herzlichsten Kundgebun­gen von der Bevölkerung zuteil würben, Gelegenheit gehabt, bie kolonisatorische Aufbauarbeit bes solch'' stischen Italiens in Norbafrika kennen zu lernen unb auch einen wertvollen Einblick in bie bortige mist' tärische Organisation zu nehmen. Der Generaloberst hat wiederholt bem Generalgouverneur von Libyen, Marschall Dalbo, unb bem Staatssekretär Pariani seine hohe Anerkennung sowohl für bie kulturellen als auch für bie militärischen Leistungen bes be« freunbeten Italiens in diesem Gebietsteil bes italie­nischen Imperiums zum Ausbruck gebracht. Sämt­liche Truppenteile unb Truppengattungen b-Jbeu hinsichtlich ihrer vorbildlichen Haltung, Organisation und Leistungsfähigkeit den vorzüglichsten Eindruck hinterlassen.

O>e itdlienifäie Lustwaste.

Rom, 6. Mai. (DND.) Die Faschistische Kammer hat mit der Aussprache über die Haushaltspläne der Wehrmacht für bas Rechnungsjahr 1939/40 be­gonnen und ben Voranschlag für bie Luftwaffe naa) einer Rede des Unterstaatssekretärs im Luftfahrt«

Daladier fordert außenpolitisches Vertrauensvotum der Kammer.

Kampf gegen die Angstpsychose in Frankreich.