Ausgabe 
6.4.1939
 
Einzelbild herunterladen

schon seit Wochen die Segnungen deutscher Friedens- ordnung, deutscher Arbeitsplanung und deutscher Arbeitsbeschaffung kennen und schätzen gelernt hat. Am Vorabend dieses großdeutschen Osterfestes hielt der Reichsprotektor seinen Einzug in das festlich geschmückte Prag, in dessen Straßen nicht etwa nur der deutsche Beoölkerungsteil, sondern auch tsche­chische Männer, Frauen und Kinder mit grüßenden Fähnchen standen. Gibt es größere Gegensätze als diese Demonstration friedlicher Ordnungsarbeit einer­seits und der bewußt verlogenen Einkreisungshetze da draußen anderseits? Oder gibt es einen größeren Unterschied, als wenn das deutsche Staatsoberhaupt inmitten wahrhaft glücklicher Volksgenossen auf Deutschlands schönstem KdF.-Schiff eine kurze Er­holungsreise, Urlauber unter Urlaubern, nach Helgo­land macht, während verantwortliche Staatsmänner großer Nationen zur selben Zeit nicht einmal die drängendsten sozialen und wirtschaftlichen Sorgen ihrer Länder sehen wollen und statt dessen eine Ver­schwörung gegen das endlich zu Ruhe und Frieden gekommene Mitteleuropa anzetteln?

Gewiß, wir werden uns ein paar Feiertage lang auf der deutschen Friedensinsel ausruhen. Aber wir werden auch in diesen Tagen keine weltfrem­den Träumer sein, die sich selbstvergessen in der Hängematte der Selbstgenügsamkeit schaukeln. Wir werden auch in diesen Tages ein sehr wa­ches Auge für unsere Umwelt haben. Wir Deut­schen haben in unseren Mußestunden ganz gern einmal etwas für Romantik übrig aber wir Haden Gott sei Dank durch den Nationalsozialismus eine zu gute politische Erziehung genossen, als daß wir nicht in so bewegten Zeitläuften die stählerne Romantik der Märchenromantik bei weitem vor­zögen. Wir sind nicht mehr so leicht mit demo­kratischen Phrasen zu beschwatzen oder mit imperia- listrschen Drohungen einzuschüchtern, daß wir uns unser sauer Erarbeitetes noch einmal erpressen ließen.

Wir werden die Ruhe der Feiertage dieses groß­deutschen Osterfestes genießen und werden es also viel besser haben als unser Führer, den die De­peschen und die Regierungsgeschäfte und die Sorge um das von ihm geschaffene Großdeutschland bis in jede Stunde der Feiertage hinein verfolgen. Aber wir werden Schwert und Schild nicht in die Boden­kammer bringen, sondern in Reichweite halten: es ist für alle Beteiligten sehr nützlich, wenn man draußen in der Welt weiß, daß wir die Fehler der

Begrüßung in Prag.

Prag, 5.,April. (Europapreß.) Prag hatte am Mittwoch einen denkwürdigen Tag. Um 10 Uhr traf Reichsprotektor Freiherr von Neurath in Prag ein. An der Grenze des Protektoratsgebietes meldeten sich bei ihm der Militär-Bevollmächtigte, Generalleutnant F r i d e r i c i, mit dem Chef sei­nes Stabes, Oberst L o n g i n, und der dem Reichs­protektor zugeteilten Offizieren des Heeres und der Luftwaffe. Längs der Eisenbahnstrecke hatten die Ortschaften geflaggt. Vielfach stand die Bevölkerung Spalier und grüßte den vorüberfahrenden Reichs­protektor. Am Bahnsteig in Prag, der, wie die ge­samte Hauptstadt, mit Hakenkreuzfahnen und tsche­chischen Fahnen geschmückt war, wurde Freiherr von Neurath vom Oberkommandierenden der Hee­resgruppe III, General Blaskowitz, von dem Chef der Zivilverwaltung, Konrad Henlein, und Vertretern von Partei, Wehrmacht und Staat er­wartet.

Im Empfangsraum des Bahnhofs wurde der Reichsprotektor vom Primator der Stadt Prag, K l a p k a, in tschechischer, und vom Vertreter des Primators, Professor Pfitzner, in deutscher Sprache begrüßt. Primator Klapka empfahl in seiner Ansprache dem Schutz des Reichsprotektorats die tschechische Nation, deren Verkörperung die Hauptstadt Prag darstelle. Die tschechische Nation werde ihn in der Erfüllung seiner Aufgabe unter­stützen. Professor Pfitzner betonte, daß die Ankunft des Reichsprotektors Symbol des Großdeutschen Reiches fei. Die Stadt Prag habe die Aufgabe, ein Ordnungselement für den weiteren Osten zu sein. Dem Reichsprotektor wenden sich die Herzen aller Deutschen im Protektoratsgebiet in Dankbarkeit zu, denn ihr Wunsch, die Heimkehr ins Großdeutsche Reich, sei in Erfüllung gegangen. Das Prager Deutschtum werde dem Protektor zur Seite stehen und verspreche seine Mitarbeit an der Verwirk­lichung des Friedenswerkes. In der alten Moldau- stlcht sei der Friede eingekehrt; es gebe nun keinen Völkerhaß, sondern nur noch einen Völkerfrieden, zur Mehrung des Ansehens des Großdeutschen Rei­ches. Freiherr von Neurath drückte in feiner Erwiderung den Dank für die Begrüßung aus. Seine Sendung gehe dahin, den Frieden zu sichern und zu erhalten.

Nach der Begrüßung schritt der Reichsprotektor .auf dem Bahnhofsplatz unter den Klängen des Präsentiermarsches die aus einem - Bataillonsstab mit Musikkorps und je einer Kompanie des Heeres, der Luftwaffe, deutscher und tschechischer Polizei bestehende Ehrenfront sowie die Front der deutschen Turner- und Studentenorganisationen ab. Dann begann die Fahrt zur Burg. Ein dichtes Menschen­spalier umsäumte die Hauptstraßen. Besonders stark war der Andrang an dem breiten Moldauufer, wo in erster Linie die deutsche und die tsche­chische Jugend Aufstellung genommen hatten. Deutsche Kinder mit Hakenkreuzfähnchen, die sie jubelnd schwenkten und immer wieder im Chor riefen:Wir danken unserem Führer!" Ihrer Freude gaben auch besonders Ausdruck die im Spa­lier mit aufmarschierten deutschen Studen­ten der ältesten deutschen Universität. Aber auch die tschechische Jugend hatte kleine weiß-rote Fähnchen in den Händen, mit denen sie winkte. Die tschechische Bevölkerung grüßte schlicht und ruhig den Reichsprotektor, der von seinem Wagen aus allen dankte. Während dann die Autokolonne die steile Straße zur Burg emporfährt, donnern durch die Lüfte die Maschinen der Luftwaffe.

Amtseinführung auf der Prager Vurg.

Prag, 5. April. (DNB.) Kurz nach %11 Uhr traf der erste Wagen der Ehreneskorte, die den Reichsprotektor begleitete, auf dem festlich ge­schmückten Burghof ein, wo ein Ehrenbataillon der Wehrmacht Aufstellung genommen hatte. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von B r a u ch i t s ch , der knapp vor dem Eintreffen des Reichsprotektors in Prag auf dem Prager Flugplatz eingetroffen war und Präsident Dr. Hacha einen Besuch abgestattet hatte, richtete an Freiherrn von Neurath eine Ansprache, in der er u. a. sagte: .Herr

Vorkriegszeit auf gar keinen Fall wiederholen wer­den, wie Adolf Hitler noch in Wilhelmshaven betonte. Wir werden gern das heitere, festliche Frühlings­gewand gegen den dunklen Winterrock vertauschen. Aber nach den Feiertagen werden wir wieder alle

Berlin, 6. April. (Ndz. Funkspruch.) Der Erz­bischof von Canterberry, Primas der anglikanischen Kirche, hatte es kürzlich im englischen Oberhaus und in der Kathedrale von Worchester fertigbekommen, das Ansehen seines Amtes und feiner Kirche in bis­her nie dagewefener Weife in den Dienst des politi­schen Tagesstreits zu stellen. Er hatte nicht nur den Führer unter bewußter Mißdeutung der deut­schen Politik verleumderisch angegriffen, sondern war auch für ein Zusammengehen mit den Tod­feinden des Christentums, den Bolschewisten, ein« getreten und hatte schließlich als Mitglied der rom- freien Christenheit sogar das unbegreifliche Angebot an den Papst gerichtet, eine christliche Einheitsfront zu erstellen. Da er dabei die Kühnheit besaß, so zu tun, als ob alle protestantischen Kirchen hinter seiner Haßpredigt ständen, ist es um so mehr zu begrüßen, daß der Leiter des Kirchlichen Außen­amtes der deutschen evangelischen Kirche, Bischof O. H e ck e l, ihm die verdiente Abfuhr in einer Er­klärung erteilt, die dieDeutsch-Evangelische Korre­spondenz" veröffentlicht.

Es heißt darin, auf dem Boden der reformatorisch geprägten Kirchen werde ein ernster Kampf gegen jene Mischprodukte von Reli­gion und Politik geführt, durch die Geheim­nis und Gehalt des Evangeliums, Wesen und Form der Kirche ihre geistliche Vollmacht verlieren. In diesem Ringen der Geister bereite die Rede des Erzbischofs von Canterberry eine schmerzliche Enttäuschung. Es gehe schlechterdings nicht an, d i e politischen Ziele Englands mit

miteinander in der großdeutschen Volksgemeinschaft unter Führung Adolf Hitlers so zäh wie bedachtsam am Bau des Reiches weiterschaffen, jeder an seinem Platz, und dabei unsere gesamte Umgebung sehr aufmerksam im Auge behalten. B. R.

OerTob des Königs von Irak

Hatten englische Agenten die Hand im Spiel ?

Beirut, 5. April (Europapreß Funkspruch). Der Tod des Königs Ghazi vom Irak wird in der syrischen Oeffentlichkeit erregt besprochen. Es wird daran erinnert, daß bereits kürzlich die Rei­fen des Kraftwagens des Königs angeschnit- ten worden waren und es wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß sowohl bei dem damaligen Attentatsversuch als auch jetzt englische Agen- tendieHand im Spiele gehabt hätten. Dabei wird betont, daß die britische Politik im Irak in der, letzten Zeit mit großer Entschlossenheit den ira-

SOWJET- RUSSIAND

VMiockia. f ' SYRIEN f

\ IRAK \

.Ankara

e Trapezunt

TÜRKEI

tischen Bestrebungen zur Selbständigkeit entge» gengetreten sei, mit dem oftensichtlichen Ziel, die für England lebenswichttgen Oelquellen von Moss ul im Kriegsfälle zu sichern. Diesem britischen Druck hätten schließlich der keineswegs englandfreundliche König und der Ministerpräsident Nuri Said, offenbar aus Gründen der Staats- raison, nachgegeben. Dies habe bei der Ar­mee, die die Trägerin des nationalen Willens zur Selbständigkeit und zur Unabhängigkeit von der britischen Politik sei, Mißstimmung heroorge- rufen. Daraus habe sich auch die bereits vor eini­gen Wochen schnell unterdrückte M i l i t ä r re- volte ergeben. Die Erbitterung über die englischen Umtriebe haben sich jetzt in der Ermordung des englischen Konsuls in Mossul Luft zu machen versucht. Nachträglich wird aus Bagdad ge­meldet, daß auch die Familie des Konsuls von der Menge erschlagen wurde. In der Er­bitterung der Volksmassen gegen England wird ein Beweis dafür erblickt, welchen Haß die englischen Intrigen um die Oelquellen von Mossul im Volk wachgerufen haben.

von Böhmen und Mähren im Raume des Großdeutschen Reiches erblickt. Ich brauche wohl nicht zu versichern, daß dieses Bestreben des Herrn Reichsprotektors sowohl meinerseits als auch auf Seiten des gesamten tschechischen Volkes, das in die- en Ländern seit uralten Zeiten sein einziges Heim hat, ein volles Verständnis und die auf­richtige Mitarbeit finden wird. Wenn ich dem Herrn Reichsprotektor den schönsten Erfolg wünsche, wünsche ich hiermit auch meinem Volke eine glückliche Zukunft."

Prags erster Zapfenstreich.

Als Krönung des Tages, an dem der Reichs- Protektor fein Amt übernahm, erlebte Prag sei­nen ersten Zapfenstreich seit Kriegsende. Die herrlichen alten deutschen Bauwerke waren in das gleißende Licht mächtiger Scheinwerfer ge­taucht. Schon lange vor Beginn strömten Tausende Deutsche und Tschechen zum großen Platz vor den Haupteingang der Prager Burg, die selbst in fest­licher Illumination erstrahlte. Unter den Klängen des Porckschen Marsches ziehen die fünf Musikkorps des IV. Armeekorps vor die Burg. Fackelträger mar- chieren in Zweierreihen auf und teilen sich dann zu einem leuchtenden Spalier. Aus dem Portal des ersten Burghofes tritt der Reichsprotektor, an feiner Seite der tschechische Staatspräsident Dr. Hacha, der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 3, General der Infanterie Blaskowitz, und eine große Zahl von deutschen und tschechischen Ehren­gästen. Die Illumination des erstep Burghofes er­lischt. Kurze Kommandos ertönen. Der Führer des Zapfenstreiches, der Adjutant der 24. Division, Ma­jor Winkler, erstattete General Blaskowitz Mel­dung. Bevor der Zapfenstreich beginnt, klingen alte preußische und österreichische Märsche auf. Ein Kommando kündet den Beginn des großen Zapfen- treiches und nun ertönt das Locken der Spiel- mannszüge und, geblasen von zwei Trompeterkorps ertönt von fern die Kavallerie-Retraite., Während­dessen geht der Blick hinüber zu der sich zu Füßen der Burg ausbreitenden Stadt. Eine verschwende­rische Lichtfülle wirft ihren Glanz auf die Wasser der Moldau. Die Patina-Kuppel der ehrwürdigen Niklas-Kirche ragt weit über die spitzen Dächer der Kleinseite im Strahlenbündel der Flak-Scheinwer- er. Ein Augenblick Stille. Das Kommando:Helm ab 3um Gebet!" hallt über den Platz. Die Musik intoniert den ChoralIch bete an die Macht der Liebe". Dann folgen die Lieder der Nation und werden begeistert von den Tausenden mitgesungen.

Eine Kundgebung der NSDAP, in Prag.

Zum ersten Male feit den umwälzenden Ereig­nissen des März 1939 fand am Mittwoch im Prager Deutschen Haus eine große Kundgebung der NSDAP, statt, die von der Kreisleitung in Prag veranstaltet wurde. Der kommissarische Kreisleiter, Ingenieur Hoß, erinnerte an den Kampf des deut- chen Volkstums um feine Lebensrechte, an die 20 Jahre lange Irreführung und Ausnutzung des tschechischen Volkes durch fremde Elemente und chließlich an den Sieg des Führers und der natto- nalsozialisttfchen Idee und damit der Ordn u'n g und der Dolk e r v e rsöhnung im böh­mischen Raum. Das tschechische Volk hat in den letzten Monaten und Wochen so viel an Un=^ echtem und Krampfhaftem abgeschüttelt, daß es ihm heute schon möglich sein muß, zum deutschen Meu­chen ein inneres Gefühl herzustellen. Gerade die junge tschechische Generation bewun­dere den Führer von der Stunde an, da er am ersten Tage des Einmarsches mit seinen Trup­pen nach Prag kam und sich hier frei und offen den Deutschen sowie dem tschechischen Volk zeigte.

Oer Reichsprotektor tritt sein Amt an.

Scharfe Zurechtweisung des Erzbischofs von Canterbury.

Keine Verwechslung der politischen Ziele Englands mit der Sache des Christentums.

Reichsprotektor! Als Inhaber der mir vom Führer verliehenen vollziehenden Gewalt in Böhmen und Mähren heiße ich Sie an dieser historischen Stätte willkommen. Durch ein Jahrtausend waren Böhmen und Mähren ein Teil des Deutschen Reiches. Immer wird das Schicksal Großdeutschlands auch das Schick­sal dieses Landes sein. Vor wenigen Wochen haben deutsche Truppen den Schutz der böhmisch-mährischen Länder übernommen. Sie kamen nicht als Eroberer, sondern um die Voraussetzungen zu schaffen für ein friedliches Zusammenwirken der in diesem Raum lebenden Bevölkerung. Durch das Ver­trauen des Führers find Sie, Herr Reichsprotektor, dazu berufen, dieses Land nach Jahrzehnten fort­gesetzter innerer Spannungen einer besseren Zukunft entgegenzuführen. Es ist mir als Oberbefehlshaber des Heeres eine besondere Freude, Ihnen für die Durchführung Ihrer hohen Aufgabe die aufrichtigsten Wünsche der Wehrmacht aussprechen zu können."

Hierauf erwiderte der Reichsprotektor:Herr Generaloberst! Ich danke Ihnen für Ihre guten Wünsche. Gleichzeitig ist es mir eine angenehme Pflicht, Ihnen als dem Oberbefehlshaber des Heeres den Dank für die vorbildliche Leistung und Haltung der Truppe aussprechen zu können. Indem ich nun­mehr mein Amt als Reichsprotektor für die Länder

Große Parade auf dem Wenzelspich.

Auf dem Prager Wenzelsplatz reihte sich Fahne an Fahne an den Häuserfronten. Abwechselnd weh­ten die deutschen und tschechischen Flaggen im Winde. Eine unübersehbare Menschenmenge drängte sich hinter dem Spalier, das von Militär, tschechischer Polizei und deutschen Schülern gebildet worden war. In der Mitte des Wenzelsplatzes war die Ehrentribüne errichtet, deren Rückwand rechts die deutsche Flagge, links die tschechische Staatsflagge und in der Mitte ein großes Hakenkreuz, umrahmt von einem goldenen Lorbeerkranz, trug.

Kaum hatte der Reichsprotektor mit feiner Be­gleitung die Ehrentribüne betreben, nahte die Spitze der Parade, die Generale mit ihren Stäben, die in ihren Fahrzeugen am Reichsprotektor und dem Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchttsch, vorüberrollten. Eine Stunde bot sich nun ein packendes militärisches Schauspiel: Zunächst Infanterie im strammen Paradeschritt, scharf aus­gerichtet Kraftradschützen und motorisierte Maschi­nengewehrzüge, die Schwadronen der Kavallerie, Pioniere, motorisierte Verbände mit Panzerspäh­wagen und Kampfwagen sowie schwere Artillerie und Abteilungen des Flieger-Regiments Hermann Göring. In geringer Höhe donnerten die Maschinen der Luftwaffe über die Paradestraße hinweg. Den Kampfeinsitzern folgten die schweren Bombenflug­zeuge. Nach den Fliegern marschierte eine Hundert­schaft und eine motorisierte Bereitschaft der deut­schen Ordnungspolizei vorüber. Den Schluß bilde­ten leichte und schwere Tanks.

Empfang der tschechischen Regierung.

Nach der Parade begab sich der Reichsprotektor wieder auf die Burg, wo er die tschechische Regierung empfing. Bei ihrer Ankunft trat Der Ehrenposten der Wehrmacht unter Gewehr. Der Reichsprotektor nahm Gelegenheit, jeden der Herren emzeln zu begrüßen. Der tschechische Ministerpräsi-

?cJan den Reichsprotektor willkommen und brachte zum Ausdruck, daß der staatliche und kulturelle Rahmen des Führererlasses für die Län­der Böhmen und Mähren weit genug sei, um dem tschechischen Volkstum eine freie Ent­wicklung zu gewährleisten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Neuordnung die f e st e Grund- lage^für eine glückliche Zukunft darstel- len möge und die neu anbrechende Zeit des Reichs- protektorats erfolgreich und ruhmvoll sein werde Reichsprotektor Freiherr von Neurath dankte mit herzlichen Worten.

Abendtafel auf der Burg.

Um 19 Uhr gab der Reichsprotektor auf der Burg emL Weichtafch tu der u.a. erschienen

der Solche des Christentums zu ver­wechseln und zu einem christlichen Weltprogramm zu erheben.

Die Tatsache der Propagierung eines Zusammen­gehens mit Sowjetrußland könne ebenso wie ihre Begründung aus depi Munde eines verantwortlichen Kirchenmannes nur mit Verwunderung und Empörung vernommen werden. Der Pri­mas der Kirche von England scheue sich nicht, nach dem Satz, daß der Zweck die Mittel heilige, den Bolschewismus zum Bundesgenossen anzurufen. Das sei weder vor Gott, noch vor der Christenheit zu rechtferttgen, geschweige denn vor den christlichen Märtyrern und Opfern des Bolsche­wismus.

Der anglikanische Erzbischof spüre wohl selbst hin­reichend, daß sein angekündigtes Bündnis mit dem römischen Papsttum in der romfreien Christenheit wenig Anklang finden werde. So sei er bereit, seinerseits die Führung der nichtrömischen Christenheit zu übernehmen. Diese Friedensaktion richte sich aber gegen bie L e - bensrechte Deutschlands. Sie sei also im Grunde keine Aktion für den Frieden, sondern gegen den gerechten Frieden. Darüber hin­aus verstoße sie gegen den Gei st der Refor­mation. Die deutsche evangelische Christenheit jedenfalls werde, wo sie auch immer lebe, für sich die heilsame Lehre ziehen, ihre Verpflichtung gegen die Reformation Dr. Martin Luthers und ihre Dienstbereitschaft am eigenen Volkstum um so stren­ger, gewissenhafter und hingebender zu erfüllen.

Böhmen und Mähren übernehme, fordere ich Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Unser Führer Adolf Hitler Sieg-Heil!" In den Ruf stimmte die versammelte Menge begeistert ein und hörte die Staatshymnen an. Auf das Kommando: "Heißt Flagge!" geht unter den Klängen des Prä­senttermarsches neben der Rsichskriegsflagge und der Flagge des tschechichen Staatspräsidenten auf dem rechten Flügel der Prager Burg die Reichs- d i e n st f l a g g e am Mast empor zum Zeichen, daß der Reichsprotektor feinen Einzug in die Prager Burg hält, während eine vor der Burg aufgestellte Batterie 19 Salutschüsse abgibt.

Hieraus erfolgt die offizielle Einführung des Reichsprotektors durch den Oberbefehlshaber des Heeres in die Burg selbst. Staatspräsident Hacha stattete hieraus dem Reichsprotektor einen Besuch ab, den der Reichsprotektor erwiderte. Um 11.50 Uhr erfolgte die Abfahrt zur Parade. Im ersten Wagen hatten der Reichsprotektor und der Ober­befehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brau- chitsch, Platz genommen, im zweiten Wagen folgten Staatspräsident Hacha und der Leiter der Kanzlei des Staatspräsidenten, Staatsminister Havelka. Be­gleitet wurde die Wagenreihe von einer Ehren­eskorte des Kradschützenbataillons.

waren: StaatspräsLent Dr. Hacha, Minister Dr. Havelka, Minister Dr. F i s ch e r , General S i ° r o v y , General F i a I a , der Chef der tschechischen Pvkizei Dr. Charvat, Oberbürgermeister Dr. Klapka, sein Stellvertreter Prof. Dr. P f i tz n e r von der Prager deutschen Universität, der Ober­befehlshaber der Heeresgruppe III, General der Infanterie Blaskowitz, der Kommandierende General des IV. Armeekorps Generalleutnant von Schwedler, der Kommandierende General des XVI. Armeekorps Generalleutnant Hoeppner, der WehrmachtÄbevollmächtigte im Protektorat Böhmen und Mähren, Generalleutnant Fride - r i c i, Staatssekretär Karl Hermann Frank, Bot­schafter Ritter, Ministerialdirektor Dr. von Burgsdorfs, der Chef der Zivilverwaltung beim Heeresgruppenkommando III, Reichskommis­sar Gauleiter Henlein.

Der Reichsprotektor

führte in einer Ansprache aus: In dieser historischen Stunde ist es mir eine besondere Ehre, als Beauf­tragter des Führers auf der historischen Kaiserburg in Prag mein verantwortungsvolles Amt als Reichsprotektor zu übernehmen. Ich weiß, daß sich heute wiederum eine geschichtliche Wende vollendet hat, die vor tausend Jahren König Wenzel einzu­leiten versuchte. An dieser Aufgabe ist Habsburg gescheitert; aber unser Führer Adolf Hitler hat sie gemeistert zum Glück beider Volker und zum Frieden Europas und der Welt. Es wird meine und meiner Mitarbeiter Aufgabe sein, die Länder Böh­men und Mähren im Lebensraum des Großdeut- fchen Reiches zu Glück und Wohlstand zu führen. Ich hoffe nichts sehnlicher, als daß das tsche­chische Volk unsere und sein eSen düng erkennt und mir die schwere Aufgabe zu seinem Besten durch ehrliche Mitarbeit erfül- l e n hilft. Möge aus dem vertrauensvollen Zusam­menwirken für die Welt die Erkenntnis reifen, daß der Friede Europas in der Hand des Man­nes liegt, in dessen Auftrag ich in diesem Gebiet mein Amt als Reichsprotektor für die Länder Böh­men und Mähren führen werde. Das ist in dieser Stunde mein heißer Wunsch.

Staatspräsident Dr. hacha

antwortete:Euer Exzellenz! Meine sehr geehrten Herren! Auck dos tschechische Volk ist sich mit mir der geschichtlichen Bedeutung der Stunde voll bewußt, in welcher die hervor­ragende Persönlichkeit des Herrn Reichsprotektors in unseren beiden Ländern sein verantwortliches Amt im Auftrage des Führers antritt. Unserem Volke waren in feiner langen Geschichte und insbe­sondere in der letzten Zeit schwere Prüfungen be schieden. Es bringt uns aber einen unschätz­baren Trost, daß der Herr Reichsprotektor das Ziel seiner hohen Sendung in der Förderung des Wohlergehens und des Wohlstandes