Ausgabe 
6.4.1939
 
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Donnerstag, b. April 1939

189. Jahrgang

Ar. 82 Erstes Stau

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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er

der Kluften bringen die zweieinhalb Millionen

Handels- und Hafenstadt. Denn auf dem Wege vom Gefängnis zum Bahnhof hatte er in Gent entdeckt, daß am Militärhospital dieser Stadt noch eine fran­zösische Inschrift stehengeblieben war. Gleich am fol­genden Tage nach seiner Freilassung überpinselte er diese und wurde wegen groben Unfugs sofort wie­der verhaftet. Der dritte Außenseiter der belgischen Kammer ist der Technokrat Leo F r e n s s e n , eben- alls in Antwerpen gewählt. Gingustaf nagel" von besonderer Prägung, wird er alles tun, um nach seinem Wunsch Esperanto als Umgangssprache

werden müßten.

Zu den bemerkenswerten Ergebnissen der belgi­schen Kammerwahl gehört auch der Gewinn eines Kommersitzes durch die flämischen Nationa- listen. Gerade bei dieser Wahl, die so ganz und gar unter dem Gedanken einer Wiedergewinnung der belgischen nationalen Einheit gestellt wurde, sind hie flämischen Nationalisten von allen Parteien auf das heftigste angegriffen worden. Selbst unter Be­rücksichtigung der Tatsache, daß die Wähler dieser Partei meist flämische Bauern sind, die an ihrer einmal gefaßten politischen Ansicht mit ziemlicher Zähigkeit jahrelang festhalten, glaubte man, daß die Partei Stafde Clerqus einige Sitze werde ab­geben müssen. Das Gegenteil ist eingetreten. Die flämischen Nationalisten haben sich gehalten und so­gar noch einen Sitz dazu gewonnen.

Sieht man nun nach diesem Bekanntwerden des neuen politischen Kräfteverhältnisses in die belgische Zukunft, so kann man guten Gewissens behaupten, daß sich die Lage gegenüber der vor vier Wochen

liches ändern, der neue Vertiefung konnte.

Heute nun, nachdem der belgischen Wähler

rer Adolf Hitler. Und wenn wir uns auch hier wieder auf Herz und Nieren selbst prüfen, dann kommen wir im Endeffekt zu einem sehr einfachen Ergebnis: was könnte uns heute noch solche Anstren­gungen und Sonderleistungen schwer machen, jo, was können sie uns schon ausmachcn, wenn wir wissen, was roirfür eine zielbewußte Staatsführung unter diesem Mann haben und welche Erfolge dar­aus entstanden sind. Es sind Erfolge, wie sie kein anderer lebender Staatsmann in seinem Lebensbuch verzeichnen kann, Erfolge, die weite Kreise Deutsch­lands im gewohnheitsmäßigen Skeptizismus der Systemzeit für Ausgeburten einer verrückten Phan­tasie gehalten hätten, wenn derartiges früher auch nur angedeutet worden wäre, Erfolge vor allem, die von'keinem einzigen Rückschlag begleitet worden sind!

Für kurze, wohlverdiente Feiertage zieht sich die Nation nun auf dieInsel des Friedens" zurück, wie einer unserer führenden Männer das neue Deutschland einmal inmitten einer unruhevollen Umwelt treffend genannt hat. Auf dieser vergrö­ßerten Insel des Friedens feiern mit dem Altreich ein deutsches Osterfest die Männer, Frauen und Kinder der befreiten Ostmark, des Sudetenlandes, des Landes an der Memel und die Bevölkerung Böhmens und Mährens, deren tschechischer Teil nun

in Belgien einzuführen.

Sieht man von diesem für den unterhaltenden Teil der künftigen Kammersitzungen sicherlich recht bemerkenswerten Zuwachs ab, so läßt sich an wich­tigen Punkten im Ergebnis dieser Wahl, neben dem Sieg des nationalen Gedankens und dem Zu- ammenbruch der Rexisten, die Niederlage des Marxismus als das dritte bemerkenswerte Er­eignis festhalten. Aus doppeltem Grunde hatte man den Kommunisten Erfolge prophezeit. Einmal, weil man glaubte, daß die Mitwirkung der Marxisten bei der kürzlichen A n e r k e n n u n g d e r na t i o - nalspanischcn Negierung durch Belgien die radikaleren Elemente nach links treiben würde, anderseits, weil der bekannte ehemalige marxistische Abgeordnete Dr. M a r t e a u x diesen Weg schon vorausgegangen war. Wie das Wahlergebnis jetzt zeigt, haben die Kommunisten nicht ein Mandat zu den neuen Sitzen, die sie schon innehatten, hin- zugcwinnen können. Die Sozialdemokraten hin­gegen Haven sechs Sitze abgegeben, und zwar an die weiter rechts stehenden Parteien. Der Grund für diese Abwanderung läßt sich wahrschein­lich darin erblicken, daß die Sozialdemokraten mit ihrem Schlachtruf:Kampf der Deflation!" nur einen Teil ihrer bisherigen Truppen zum Mitgehen bewegen konnten, jene nämlich, die zu den Gehalts­und Lohnempfängern gehören. Die kleinen selb­ständigen Gewerbetreibenden und Kaufleute hin­gegen sagten sich, daß dieserKampf der Deflation", was zu deutschkeine Gehaltskürzungen" heißt, mit ziemlicher Sicherheit neue Steuern zur Folge haben würde, die dann von ihnen aufgebracht

Feiertage in Gelassenheit.

Wir Deutschen, die wir geographisch und poli­tisch in ein sehr wechselvolles, ja oft unruhiges Klima gestellt sind, haben einen anstrengenden Win­ter hinter uns. Im Angesicht der Osterfeiertage pflegen wir selbst nach einem so unfreundlichen Vor­frühling wie jetzt aufzuatmen, wie haben den Win­ter auf alle Falle überwunden, es kann nicht mehr fchlimm werden, was an Frühlingsstürmen noch bevorstehen kann. Die Osterfeiertage sind alljährlich ein kurzes Ausruhen nach dem Winter und eine Umstellung auf die wärmere, hellere Jahreszeit, und wenn es nicht gerade noch einen verspäteten Schnee- sturm zu den Feiertagen gibt oder wenn es nicht gerade wie aus Eimern vom Himmel heruntergießt, bann tragen wir dieser Umstellung auch äußerlich gern Rechnung, indem wir die Winterkleidung end­gültig auf mindestens ein halbes Jahr verbannen und uns frühlingshaft wie die Natur kleiden.

Stärker noch als im klimatischen Bereich waren in diesem Winter die Störungen in der politischen Atmosphäre um Deutschland herum. Sie stellten wiederholt große Anforderungen besonderer Art an die Nation. Solche Anforderungen waren in der Zeit vor der Machtergreifung verbunden mit den für die Systemzeit typischen Depressionen politischer , und psychischer Art; die Bevölkerung litt damals unter dem drückenden Bewußtsein, daß die billigen und planlosen Künste der verschiedenen Regierungs­koalitionen ein Gemisch aus Fortwurstelei und par­teipolitischem Lotteriespiel waren. Und wenn wir vor uns selber ehrlich sind, dann spielten wir uns und anderen alljährlich um die Oster- und Frühlings­zeit'mehr oder weniger geschickt eine Komödie vor, als wenn nun mit dem Herannahen des Som­mers wenn nicht alles, so doch irgend etwas besser werden müßte.

Die besonderen Anstrengungen, die die groß- deutsche Nation im vergangenen Winter auf sich nahm und deren Auswirkungen bis an dieses Oster­fest heranreichten, find wiederholt von niemandem dankbarer anerkannt worden als von unserem Fuh-

erheblich gebessert hat und die Bildung einer dauerhaften und arbeitsfähigen Regierung nicht ausgeschlossen ist. Der Hauptstreitpunkt, der Fall Martens, hat sich erledigt, weil Dr. Martens bereits am Wahltage seinen Rücktritt von der Mit­gliedschaft in der flämischen Medizinischen Akademie angekündigt hat. Die Meinungsverschiedenheiten über die zukünftige Gestaltung der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik bestehen zwischen den Liberalen und dem rechten Flügel der Katholiken auf der einen Seite sowie den Marxisten und den christlichen Demokraten auf der anderen Seite nach wie vor. Trotzdem werden die drei großen belgischen Parteien, in deren Hände wieder aufs neue das Schicksal Belgiens gelegt ist, zu einer Einigung kommen müssen, wenn sie nicht das parlamentarische System als erledigt beweisen wollen.

Das englisch-polnische Abkommen.

n a I e r Einigkeit und Stärke. Die Libe­ralen haben mit zehn Sitzen über vierzig vorn Hundert gewonnen. Sie wurden gewählt, weil sie mit einer an Sturheit grenzenden Konsequenz im Falle Martens ihre Meinung vertreten hatten, die gegen jede die nationale Kraft schwächende Ten­denz gerichtet war. Die anderen Sieger, die Katho­liken, erhielten ihre zusätzlichen' zehn Abgeordneten, weil sie, die alte traditionelle Partei, die jahrzehnte­lange Alleinherrscherin in Belgien war, den bel­gischen Staatsgedanken mit unerschütterlicher Festig­keit verkörpert hat.

Des weiteren erhielten die Katholiken Stimmen, weil die Stimmen der früheren rexistischen Wähler sozusagen freigeworden waren. Zu lange Zeit hatte De grelle seine Wähler hingehalten. Noch bevor es zur Wahl kam, verließen ihn seine Abgeordneten. Ein noch so heftiges Auftreten im Parlament wird ihm in Zukunft ebenso wenig nützen wie seine maßlose Deutschenhetze, die er tn diesem Wahlkampf als letztes Mittel erfolglos an­gewandt hat. Außer ihm werden der Schulinfpektor Gramme ns und derTechnokrat" Frenfsen sich bemerkbar machen. Herr Grammens ist ein Mann, der mit Farbtopf und Pinsel in Flandern herumzog und, soweit doch noch neben den flämi­schen französische Inschriften vorhanden waren, sie mit Oelfarbe überzog. Als er daraufhin mit Ge­fängnis bestraft, dann wieder freigelassen wurde, weil ihn die flämischen Nationalisten als Spitzen- kandidaten in Antwerpen aufgestellt hatten, blieb

nur einen Tag zu Wahlvorbereitungen in der

London, 6. April. (Europapreß.) Ueberein- stimmend melden die Londoner Morgenblätter den Abschluß eines Abkommens zwischen England und Polen. Sie bezeichnen die bisher erzielten Ab­machungen als dasRahmenwerk zu einem auf Geger^eitigkeit beruhenden Defenfiv-Bündnis". Die Paraphierung des Vertrages werde sofort vor­genommen werden. Die englisch-polnische Erklärung soll von Chamberlain noch am Donnerstag im Unterhaus bekanntgegeben werden. Die Blätter be­tonen erneut, Polen habe keine Neigung ge­zeigt, eine ähnliche Abmachung mit den Sowjets abzuschließen, auch wünsche es nicht eine Einbeziehung der Sowjetunion in das neueSicher­heitssystem". In unterrichteten Kreisen spricht man mit Bezug auf die englisch-sowjetrussische Fühlung­nahme davon; Moskau stelle gewisseG a r a n t i e"- Bedingungen.

Der polnische'Außenminister wird am Donners­tagmittag die in Portsmouth liegenden Ein­heiten der englischen Flotte besichtigen. Außen­minister Beck hatte in seinem Hotel eine Aussprache mit dem amerikanischen Botschafter und dem ungarischen Gesandten. Für Freitagmorgen ist eine Aussprache mit dem französischen Bot­schafter (Sorbin anberaumt. Im Laufe des Freitag wird sich Beck dann nach Warschau zurückbegeben. Zusammenkunft Generaloberst Keitels mit General pariani.

Brüssel, 4.April 1939.

Man hatte der Kammerwahl in Belgien eigentlich mit wenig Erwartung entgegengesehen. War man doch allgemein der Ansicht, daß diese von den Libe­ralen herausgeford^rte Abstimmung keine Ueber- raschungen bringen könne. 63 Katholiken, 23 Libe­rale, 20 Rexisten, 16 flämische Nationalisten, 9 Kom- mumfteu und der frühere Ministerpräsident van Zee- land, der sich, ohne einer Partei anzugehören, Leon Degrelle auf dessen Herausforderung im April 1937 erfolgreich zu einem Wahlduell gestellt hatte das war die Besetzung der alten belgischen Kammer, die im Vorsommer 1936 gewählt und am 6. Marz dieses Jahres von König Leopold aufgelost wurde, eigentlich sich aber noch bis 1940 hätte halten sollen. Wenn man die Gegensätze zwischen den einzelnen Parteien kannte, so brauchte man keine Wcchl- geometrie zu treiben, um festzustellen, daß sich an diesem fatalen Gleichgewicht nichts Wesent- '' ' - u Wahlkampf also nur eine

ihre Stimmen abgegeben haben, denkt man ein wenig anders über den Fall. Zwar sind die großen Überraschungen erwartungsgemäß ausgeblieben. Trotzdem diese Wahl hat Klarheit gegeben. Darum, weil die eingetretenen Verschiebungen zwar nicht ausreichen, um das politische Kräfteverhältnis umzugestalten, wohl aber genügen, um die Ansicht des belgischen Volkes sehr deutlich zu machen. Dabei steht über allem anderen der Wunsch nach natio-

Belgien, nach der Wahl

Von unserem Pls.-Korrespondenten.

Berlin, 5. April (PUB.) Am 5. und 6. April findet in Innsbruck eine Zusammenkunft zwi- scheu dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel, und dem Unter st aatssckretär des köuiglich-italieni- schen Kriegsministeriums und Chefs-des Ge- n e r a l ft a b e s des italienschen Heeres, Armee- general Pariani, statt.

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Die Mitteilung hat in der Londoner Presse starke Beachtung gefunden. Daily Herold bringt diesen Bericht als die Meldung des Tages unter der UeberfchriftDie Heerführer der Achse berate n". Times hebt vor allem die Be­deutung der Tatsache hervor, daß diese Zusammen­kunft sofort im Anschluß an die pol­nisch-britischen Besprechungen erfolgt sei.

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Bilder berichten links von der feierlichen Begrüßung des Reichsprotektors in Böhmen und Mähren Freihcrrnvo n m euraty NN Borhof der Prager Burg dura) den iuoer- beleblsbaber des Sjeeres Generaloberst vonBrauchit, ch und rechts von der eindrucksvollen P a r ° d e der deutschen Wehrmacht zu Ehren des Reichsprotektors auf dem W-nzel-pKtz " Blaa Rechts von Freiherr von Neurath sieht man <d°s Gesicht vom Sjut verdeckt) den Präsidenten der Pr°t°kt°r°tsr-g,-rung Dr. Sjacha, .n der Reche lm s «grüßend) den Prag. Rech A^general Sirovy. Einen ausführlichen Bericht der Feierlichkeiten in Prag finden unsere Leser un Innern des Blattes. (Scherl-Bilderdienst-M.)