Nr. 51 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Montag, b. Februar 1939
Aus der Stadt Gießen.
Gesundes Leben durch richtigen Brotverzebr.
Lpd. Warum soll ich nicht das schöne. Helle Weißbrot essen, wenn cs mir schmeckt? Und Helles Roggenbrot gefällt mir mehr als dunkles! Wer das behauptet, ist ein Eher mit den Augen. Der Körper bgut zu jeder Zeit — nicht nur im Kindesalter — aus und braucht dazu die wertvollen Stosse, die im Hellen Auszugsmehl oder im wenig ausgemahlenen Rogegnmehl eben nicht enthalten find! Der höhere Nährwert des voll ausgemahlenen Mehls und dunkleren Roggenbrots ist darauf Zurückzuführen, daß die wertvollen Stoffe des Roggenkorns wie Eiweiß, Fett, Mineralien, Zellulose u. a. dicht unter der Schale sitzen und diese hochwertigen Schalenbestandteile nur durch das volle Ausmahlen des Kornes in das Mehl hineinkommen.
Dunkles Roggenbrot essen ist gesund! Nur ältere Leute, Kranke und solche, die von Jugend an ihren Magen immer nur mit Hellem Brot bedacht haben, so daß sie gar keine kräftige Kost mehr gewöhnt sind, werden es nicht vertragen. Die meisten Hausfrauen aber werden in ihrer Familie feststellen können, daß dunkles Brot sogar sehr gut bekömmlich ist. Der gesundheitliche Wert des Roggenbrots ist unbestreitbar. Es regt die Darmtätigkeit an und ist somit für die vielen Menschen in der Stadt mit vorwiegend sitzender Beschäftigung von unschätzbarem Wert. Das sollte jede Hcmsfrau und Mutter bedenken, und sie sollte ferner nicht übersehen, daß Roggenbrotverzehr die Kautätigkeit verstärkt und auf diese Weise die Zähne gesünder erhält, ja sogar der Zahnfäule entgegcnwirkt. Das hellere Roggenbrot ist nur für die, die bisher glaubten, das Weizengebäck nicht entbehren zu können. Es ist billiger als Weizenbrot und rationeller. Und warum sollten mir um jeden Preis Weizengebäck essen, während Roggenbrot schmackhafter und gesünder ist und uns durch unsere Klima- und Bodenverhältnisse in Deutschland jährlich 100 Kilogramm Roggen pro Kopf der Bevölkerung, aber nur 50 Kilogramm Weizen zur Verfügung stehen?
Was gesund ist, wissen wir nun! Warum dann noch die Aufregung, daß Brot und Brötchen vielleicht nicht so hell sind, wie wir es erwartet haben? Selbstverständlich waren Bestände der früheren Mehlmischungen vorhanden, und so mußte and) ein Teil des Weizenmehls mit der Beimischung von 7 v. H. Maismehl noch verbacken werden. Und aud) wenn die Brötchen mit dem neuen Weizenmehl nicht so hell wurden, wie man sich das dachte, kommt es denn darauf an? Ist »cs nicht entscheidend, daß sie besser geworden, daß idie Brötd)en lockerer geworden sind? Gesunde Er- inährung — richtiger Brotverzehr, das heißt jeden- Ifalls: Nicht nach dem Aussehen kaufen, nicht mit iden Augen essen, sondern mit Verstand!
Kampfformationen sammeln für das WHW.
Arn Samstagnachmittag und am gestrigen Sonn- ttag standen die'Führer und Männer der SA., der ff «und des NSKK. wiederum im Dienste des Winter- Hilfswerks. Mit allem Eifer sammelten sie am Samstag bis in den späten Abend hinein in den Straßen und in den Gaststätten für das große Werk des WHW. Den Spendern überreichten sie Abzeichen nach mancherlei Tiermustern, die überall flflotten Absatz fanden und der Sammlung zu einem Parken Auftrieb verhalfen. Wenn der Abzeichenvor- arat ausvcrkauft war, dachten die meisten Sammler aber nod) nicht an den Schluß ihrer Tätigkeit, sondern sie marschierten unermüdlich weiter von Waststätte zu Gaststätte, von Straße zu Straße, tunb immer wieder erhielt die Sammelbüchse neuen ..Zuzug". So wird man dank des hervorragenden (Einsatzes der SA., der ff und des NSKK. aud) vei dieser Sammlung wieder ein gutes Ergebnis» erwarten dürfen.
Der Gauleiter beim Fahrteu-Wettkochen des BDM.
NSG. Am Sonntag besuchte Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger in Begleitung der Obergauführerin Else Riese verschiedene BDM.- und Jungmädelgruppen in Oberursel. Königstein, Hof- Heim, Frankfurt und Offenbach, die. wie überall im Gau, den Wettstreit um das beste Fahrtengericht austrugen.
An ein Fahrtengericht werden besondere Anforderungen gestellt. Es muß nicht nur nahrhaft und bekömmlich, sondern aud) leicht - zu beschaffen fein. Damit alle Mädel mit auf Fahrt gehen können, muß es billig fein, ohne daß die Qualität darunter leidet.
Um einige erpobte und allen Anforderungen genügende Fahrtengerichte zu erhalten, bat der Obergau Hessen-Nassau einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem die besten Essen ausgezeichnet werden. Aus den vielen Vorschlägen wählte die Gruppe das beste aus, und am gestrigen Sonntag war es so weit, daß das Wettkochen beginnen konnte.
Ueberall wurde der Gauleiter von den um die Kochherde versammelten Mädels mit einem frohen Lied herzlich begrüßt. Eintopf, Suppe, Griesgerichte. „Himmel und Erde" usw., jede Gruppe hatte ihre
besondere Spezialität entwickelt, die sie zur Probe bot. Hier ließ sid) der Gauleiter die Zutaten nennen, dort die Zubereitung und den Preis, überall wußte er, als alter Soldat, aus der eigenen, reidjen Erfahrung einen guten Rat oder einen Hinweis zu geben. Ganz besonders sah er darauf, daß die Belange unserer neuzeitlichen Ernährung und Nah- rungsführung genügend berücksichtigt werden. Von den vielen Gruppen, die der Gauleiter am Sonntagvormittag aufsuchte, konnten die in Offenbad) feine besondere Anerkennung entgegennehmen, weil hier in vorbildlicher Weise die Gegebenheiten unserer Nahrungsmittelversorgung genutzt und dabei außerordentlich günstige Preisverhältnisse erzielt worden waren.
Wenn im Sommer die Mädel im VDM. auf Fahrt gehen, dann braucht keine Mutter Sorge zu haben, daß etwa am Essen gespart würde. Ganz im Gegenteil! Der Wettbewerb zeigte, daß der BDM. sich dieser Seite der Fahrten genau so annimmt, wie er die -Fahrtpläne, um Ueberanftrengungen zu vermeiden, von den Aerztinnen überprüfen läßt und für gute Uebernachtungsmöglichkeiten sorgt. E. K.
Gesundheitsdienst im BDM.
Don Obergnuarziin Dr. Jtia pihen, Gießen.
NSG. Wenn die Parole des „Jahres der Gesundheit" in der Hitler-Jugend lautet: „D u h a st d i e Pflicht, gesund zu sei n", so bedeutet das für die Jugend, daß sie erkennen und verstehen lernt, welch große Verantwortung sie für die Gesunderhaltung ihres Körpers trägt. Für die Aerzteschaft, insbesondere für die Aerzte und Aerztinnen der HI. und des BDM. heiß es, daß sie der Jugend den Weg zeigen müssen zur Erhaltung und Höherführung der Gesundheit.
Das ist nun nicht so zu verstehen, als ob ausgerechnet nur in diesem einen Jahr nach besonderen Richtlinien gelebt werden und der BDM.- Dienst nad) gesundheitlichen Forderungen ausgerichtet werden soll. Das wird, wie in den vergangenen Jahren seit Entstehen der Jugendbewegung. auch in den folgenden die Ausgabe der BDM.-Aerztin sein und bleiben. Aber in diesem Jahr, das unter der Parole „Du hast die Pflicht, gesund zu sein" steht, wollen wir noch einmal mit frischem Mut unsere ganze Kraft und die unserer Mitarbeiterinnen auf die Gesundheitsführung aus- richten, und wir wollen trotz aller Schwierigkeiten den Gedanken der Gesunderhaltungsverpflichtung gegen den eigenen Körper bis in die kleinste Einheit tragen und in der Führerinnenschaft erneut das Verständnis für ihre große Verantwortung an der Gesunderhaltung und der Gesundheitsförderung im Dienst wecken.
Der Dienst im BDM. hat einen ganz neuen Typ der Aerztin mit ganz veränderten Aufgaben geschaffen Die BDM.-Aerztin behandelt nicht kranke Mädel, sondern sie erlebt als Kameradin den Dienst in jeder Form, auf Fahrt, im Lager, bei Aufmärschen, Schulungen und beim Sport. Als Kameradin trägt sie die Verantwortung für die Gesunderhaltung und Gesundheitsführung ihrer gesunden Mädel. Auf diese Weise wird die Aerztin mitten hineingestellt in das Leben der Jugend, und darauf beruht ihr großer Einfluß auf die Gesundheitsführung der Jugend.
Es würde zu weit führen, alle Aufgaben des Gesundheitsdienstes der BDM.-Aerztin zu umreißen. Sie hat dafür zu sorgen, daß nur gesunde Mädel im Dienst stehen, daß kranke Mädel in ärztliche Behandlung überführt werden, daß Erholungsbedürftige verschickt werden und daß schließlich der Dienst so gestaltet t^irb, daß er von den Mädels der ^ver
schiedenen Altersstufen geleistet werden kann und ihre Natürlich-gesunde Entwicklung unterstützt.
Diese Aufgaben führen von der Einstellungsuntersuchung, bei der das Jungmädel den Gesundheitspaß ausgehändigt bekommt, über die laufende Kontrolle bei den Gesundheitsappellen, zur Sicherung von Lager und Fahrt und nicht zuletzt zu den Schulungen der Mädel in gesundheitlichen Fragen und Ausbildung der Führerinnen und einer Reihe von Mädel in der „Ersten Hilfe" bei Unfällen und im Gesundheitsdienst.
Wichtiger als all diese dienstlichen Formen und Forderungen aber ist die enge kameradschaftliche Verbundenheit zwischen Mädel, Führerinnen und Formationsärztinnen. Sie ermöglicht es uns, unseren jungen Kameradinnen Beraterinnen und Helferinnen in all ihren gesundheitlichen Sorgen zu fein, und immer wieder erlebt die BDM.-Aerztin die Freude, daß das Mädel fid; aud) bei den gesundheitlichen Fragen in der Hahl ihres Gatten vertrauensvoll bei der ärztlichen Kameradin Rat holt.
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Napoleon ist an allem schuld". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Kameliendame".
Wieder WHW -Wunschkonzert im Wehrkreis IX.
NSG. Das in den Vorjahren mit großem Erfolg durchgeführte WHW.-Wunschkonzert im Wehrkreis IX wird aud) in diesem Jahre veranstaltet. Die Uebertragung erfolgt vom Reichsender Frankfurt und seinen Sendern am 27. Februar 20.15 bis 22 Uhr (Märsche, Soldatenlieder) und von 22.30 bis 24 Uhr (neue Tanzmusik).
Achtung
Kraftrad- und Krastwagenfahrer!
Nach polizeilicher Vorschrift muß jeder Fahrer eines Kraftrades bis 250 ccm Zylinder-Inhalt und jeder Fahrer von Zugmaschinen, Elektrokarren, Traktoren usw. bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km,'st im Besitz des Führerscheines der
Klasse IV fein. Um allen in Frage kommenden Volksgenossen die Möglichkeit zum Erwerb des Führerscheines Kl. IV 311 geben, führt die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, in Zusammenarbeit mit der NSKK.-Motorstandarte 147 einen Lehrgang durch. Die Teilnehmer werden tbeoretijd) und praktisch auf den Erwerb des Führerscheines Klasse IV vorbereitet. An dem Lehrgang fön* nen auch Volksgenossen teilnehmen, die noch kein Kraftfahrzeug besitzen. Die Fahrprüfung kann auf einem zur Verfügung gestellten Fahrzeug erfolgen.
An derGvihe aller hessischen Landkreise
Vom Landratsamt Gießen wird uns die erfreuliche Mitteilung gemacht, daß der Landkreis Gießen mit seinem Ergebnis bei der Sammlung für das WHW. am „Tag der deutschen Polizei" an der Spitze aller hessischen Landkreise steht und mit seinem Sammelertrag von 8753,50 Mark, mit einziger Ausnahme des wesentlich größeren Stadtkreises Mainz, auch alle übrigen hessischen Stadtkreise übertrifft.
Verleger Konrad Schneider f.
Lpd. Butzbach, 5. Febr. Im Alter von 69 Jahren starb der bekannte oberhessische Zeitungsverleger und Bud)druckereibesitzer Konrad. Schneide r. Er war der. Gründer und Herausgeber der „Butzbacher Zeitung" und der „Butzbacher Heimatblätter". Als begeisterter Turner blieb er bis in seine letzten Lebensjahre der Turnsache treu. Viele Jahre lang stand er in Butzbach, im Gau Hessen und im Mittelrheinkreis der früheren Deutschen Turnerschaft an führender Stelle.
Raubmörder Dörr in Köln festgenommen.
LPD. Frankfurt a. M., 5. Febr. Der wegen Raubmordes an der Witwe Kirchner in Eschborn gesuchte Albert Dörr, geboren am 29.7.1912 in Wiesbaden, konnte gestern durch die Mithilfe von Presse, Rundfunk und Publikum durch die Kölner Kriminalpolizei in Köln fe ft genommen werden. Dörr wollte in Köln eine Familie aufsuchen, um Geld zu leihen. Er traf nur die Kinder in der Wohnung an, die ihm erklärten, daß er später vorsprechen möchte, wenn die Eltern anwesend seien. Als die Eltern nach Hause kamen und von dem Besuck) des Mannes hörten, kam ihnen sofort der Verdacht, daß es fid) nad) der Beschreibung um den Raubmörder Dörr handeln mußte, auf'den durch Presse und Rundfunk in den letzten Tagen wiederholt hin- gewiesen worden war. Die Eltern beachrichtigten sofort die Kölner Kriminalpolizei, die Dörr festnehmen konnte, als er gegen 21.30 Uhr erneut bei der Familie vorsprechen wollte. Dörr legte unter dem Druck der überraschenden Festnahme ein Geständnis ab. Er wird zur Aburteilung nad) Frankfurt a. M. überführt.
Rundfunkprogramm
Dienstag, 7. Februar.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 11.30: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Komponisten der Ostmark. 15: Kleines Konzert. Klaviermusik. 15.30: Frauen der Vergangenheit: „Marie Belli Gontard". 16: Nachmittagskonzert. Einlage etwa 17: Das Mikrofon unterwegs. 18: Volk und Wirtschaft: Bulgarien—Deutschland, zwei Handelspartner stellen sich vor. 18.15: Neues für den Bücherfreund. 18.30: „Die hohe Rhön ist ein gar rauhes Gebirg." Manuskript: Otto Wehn. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19.45: Kraftfahrzeug-Winterprüfungsfahrt 1939: Start und 1. Etappe. 20: Nachrichten, Grenzecho. 20.15: Orchesterkonzert. 21: Haydn- Zyklus IX des Reichssenders Stuttgart. 9. Abend. Kaiserkrönung Franz II. Frankfurt am Main 1792. 22: Nachrichten. 22.20: Politische Zeitmigsscham 22.35: Nachtmusik. 24: Nachtkonzert.
DerBildhauerZosephThorak.
Zum 50. Geburtstage am 7. Februar.
Der Bildhauer Joseph Thorak, der am 7. Februar 1889 in Salzburg geboren ist, steht heute an rftcr Stelle unter denen, die vom Reiche rn.it ^rvßplastischen Aufgaben betraut werden. Darin spricht fid) einmal die Anerkennung aus, die das Neue Deutschland dem bedeutenden Künstler zollt, um andern das Verhältnis, das zwischen dem großen baulichen und bildnerischen Plan des Reiches und der besonderen Begabung Thoraks besteht, er inneren Dynamik des Zeitgeschehens fymbolhaf- j?n Ausdruck zu verleihen. Dazu kommt, daß Tho- :ak auf eine eigene und überzeugende Weife das iclöft hat, was den vorherigen Generationen das iroße Problem war: die Einordnung der Skulptur 1 die Architektur, so daß erstere nicht mehr nur Schmückendes Beiwerk sondern ebenbürtiges Teil des Ganzen ist.
So einhellig und klar bei Thorak die Verbindung ,0n Zeiterlebnis und Gestaltung ist, so eindeutig ift mch in seinem Schaffen die Beziehung zwischen vanbmerflidjem Können und künstlerischer Phantasie. Senn Kunst nicht nur von Können kommt, wenn Cunst geradezu der Superlativ von Können ist: so I birgt Thoraks Werk hierfür ein epochales Beispiel, .horak ist aus dem Handwerk heroorgegangen. I C-Sein Vater war Töpfermeister, und er selbst wuchs 11 der Töpferei auf, besuchte die Wiener Kunstschule zunächst, um sich in der Kunsttöpferei ausgubilden. '..'n einem Schloß des Zaren Ferdinand von Bul- üarien findet sich eine erstere größere dekorative Gchinuckarbeit, bei der dock) schon die Verbindung nit der Bauform hervortritt. Das war in den Äanderjahren, die Thorak als jungen Mann durch de Balkanländer führten. Vier Jahre Studium an i»r Wiener Akademie folgten. Aber von unterwegs Intte der Künstler bereits soviel eigenes Formwissen i.ütgebrad)t, daß diese Akademiezeit nicht mehr wesentlichen Einfluß auf seine Entwicklung haben t innte.
Por allem in technischer Hinsicht, in der Erfor- | h)ung der handwerklichen Möglichkeiten, dex ver- ! | siebenen Verfahren, haben Thoraks Wanderjahre S i ire besondere Bedeutung gehabt. Im Unterwegs- s in fand und — was noch mehr bedeutet — erfand c neue Verfahren, um die bildnerische Wirkung |cgon vorn Material aus zu erhöhen. So vor allem (eine Wachstechnik, von der Wilhelm von lobe erzählt: „Bei feinen Studien nad) der Na- iliir, wie bei seinen Skizzen war Thorak bestrebt,
an die Stelle des unkünstlerischen Gipses und Plastilins gleich für die vorbereitenden Arbeiten ein besseres und künstlerisch wirkendes Material ausfindig zu machen. Dies ist ihm in der Tat gelungen, und seine Erfolge in den letzten Ausstellungen (Bode sd)rieb das 1929) beruhen wesentlich auf diesem Material in seinen Wachsmodellierungen und seiner
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(Scherl-Archiv-M.)
Behandlung des Wad)ses, worin er selbst Gruppen von lebensgroßen Figuren aufbaut. Hier beweist er seine starke handwerksmäßige Findigkeit und Gewandtheit in der Art, wie er einen Tonkern her- stellt, auf den er die dünnen Wachstafeln schichtweise auflegt und jede aufs feinste durchmodelliert und wie er die Naturfarbe des Wachses für seinen jeweiligen Zweck auszunutzen weiß. Er hat nämlich
beobachtet, daß das Wachs in den verschiedenen Monaten, je nach den Blumen, aus denen die Bienen ihren Honig gewinnen, verschiedene Farbe und Konfisten hat, die er je nach dem Charakter des Bildwerkes, den er darin zum Ausdruck bringt, wählt." Diese „handwerksmäßige Findigkeit und Gewandtheit" zeigt sich bei Thorak aber nicht nur in der Materialfrage sondern ebenso in allen Form- öingen. Durch sie entstand auch, was anderswo einmal hervorgehoben wird, daß „feinen Gestalten innere Belebtheit und Bewegtheit aller Glieder eigen" ift.
„Von seiner Phantasie, seinem Geschmack und seinem ungewöhnlichen manuellen Können geleitet", (Bode) entwickelt sich nun aus dem Kunsthandwerker Thorak der vom kühnsten Flug der Phantasie getragene Künstler. Das wachsende äußere Format seiner Gestalten ist erfüllt von dem Ausmaß innerer Größe, das Verhältnis also auch hier wieder ausgeglichen und harmonisch. Eine Zeit arbeitet Tho, rat in Berlin im Atelier Ludwig Manzels. Dann geht er feine eigenen Wege weiter, die nun ganz zur Großptaftik und zum Porträt führen. Aufträge, die er nach seiner Wiener Akademiezeit durch den türkischen Staat erhielt, wie das Befreiungsdenkmal der Stadt Eskifchüfir oder das Denkmal des Befreiers Atatürk mit dem aufbäumenden Roß zeigen bereits den Weg. Dabei entstehen gleichzeitig Frauengestalten von Thorak, deren herbe Musikalität ihre Bewunderer fand. Vor allem aber wurde sein Name 1935 durch die vom Amt Rosenberg in Berlin veranstaltete Ausstellung bekannt, auf der man neben Modellen und Zeichnungen der im Auftrage der türkischen Regierung geschaffenen Denkmäler die überlebensgroßen Bildnisbüsten führender Staatsmänner sah. Die Namen beweisen den Instinkt auch in der Erfassung dessen, was diese Zeit überragt: es waren die Bildnisbüsten des Führers, Hindenburgs, Mussolinis, Pilsudskis, Kemal Paschas. Seither gehört Thoraks Werk in die vorderste Linie des deutschen und des europäischen Schaffens.
Es ist richtig, daß das Bildwerk, das für Jahrhunderte oder Jahrtausende bestehen soll, das Steinbildwerk vor allem, über den Meister hinaus leben muß. Aber am Geburtstage des Künstlers wollen wir daran denken, daß nicht nur jene beiden Figuren vor dem Deutschen Haus auf der Pariser Weltausstellung, daß beispielsweise auch die Mittelfigur zur Bekrönung des Märzfeldes in Nürnberg, daß große Steinreliefs für den Reichsbankneubau in Berlin aus Thoraks Händen hervorgegangen find. Und unvergeßlich für jeden Besucher der Eröffnungsausstellung im Hause der Deutschen Kunst in München ist die Erinnerung an Thoraks damals
zuerst aufgestellte Skulptur „Kameradschaft", der zwei männlichen Akte, in deren Schreiten man sowohl die „etwas michelangelesk schlichte Formgebung" des Künstlers, von der Bode spricht, wie den aufrechten und lebensstarken Glauben des Menschen Thorak spürt.
Rudolf Adrian Dietrich.
Neues Leben in der Nominier Herde.
Im Staatsjagdrevier Rominter Heide in Ostpreußen sind die dort ausgesetzten Auerochsen nad) einigen Wochen des Eingewöhnens in die freie Wildbahn gekommen, und zu dem Stier, den drei Kühen und zwei Kälbern hat fid) in der Zeit vor Weihnachten noch ein Kalb gefeilt, das von einer der Kühe gesetzt worden ist. In nychster Zeit sollen auch L u ch s e ausgesetzt werden, die ja heute in Deutschland unter Naturschutz stehen. Zwei Kätzin- nen sind für die Nominier Heide bereits beschafft worden, ein Kuder (männlicher Luchs) soll in Finnland gefangen, werden. Das Damwild der Rominter Heide, das Degenerationserscheinungen zeigte, hat man im Vorjahr stark abgeschossen, dafür sind 20 Stück Damwild aus Holstein neu ausgesetzt worden, denen nod) weitere 20 Tiere aus der Kurmark Brandenburg folgen werden. Den erneuerten Dam- wildbestand will man im Laufe der nächsten Jahrs auf etwa 300 Stück anwachsen lassen.
Hochschulnachnchten.
Professor Dr. Willi Prion, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Berlin, ist im Alter von 59 Jahren g e - ftorben. Professor Prion, 1879 in Haspe in Westfalen geboren, war zunächst Reichsbankbeamter, wurde 1910 Privatdozent in München, 1913 Professor der Handelswissenschaften in Berlin; 1920 ging er nach Köln, 1925 wieder nach Berlin, wo er seitdem ununterbrochen an der Technischen Hochschule und zugleid) als Honorarprofessor an der Universität tätig war. Professor Prions Spezialgebiet war das Bank- und Geldwesen. Von seinen zahlreichen Arbeiten seien genannt: „Das Wechsel- diskontgeschäst", die „Preisbildung an der Wertpapierbörse", „Deutsche Kreditbanken im Kriege", „Kapital und Betrieb", „Ingenieur und Wirtschaft", die „Selbstfinanzierung der 'Unternehmungen". Eine allgemeine Betriebswirtschaftslehre unter dem Titel „Die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb" erschien in drei Bänden 1935 bis 1936.


