Ausgabe 
5.10.1939
 
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würde, käuschl man nur nach aller englischer Praxis ein völkerrechtswidriges Verhalten des Gegners vor. um sich dann s e l b st außerhalb aller Gesetze des Völkerrechts zu stellen.

In der zweiten britischen Admiralitätsverlautüa- rung liegt eine offene amtliche Aufforde­rung zur unmittelbaren Beteiligung der Handelsschiffe an Kampfhand­lungen, und zwar durch angriffsweisesW»gehen gegen Kriegsschiffe. Die britisch» AdmiraWlt hat mit dieser Weisung offiziell für den Seekrieg die Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nicht­kombattanten aufgehoben, für die sich gerade Deutschland immer wieder eingesetzt hat. Sie hat mit ihr aber auch die Integrität der engli­schen Handelsschiffe preisgegeben, die kriegsrechtlich alle Handelsschiffe vor unmittelbarer Anwendung von Waffengewalt durch den Gegner schützt.

Bei chrem Vorgehen kann sich die britische Admi­ralität nicht darauf berufen, daß ihre Weisung eine Gegenmaßnahme gegen einen deutschen Befehl, feindliche Handelsschiffe grundsätzlich warnungslos anzugreifen, darstelle. Es wird nochmals festgestellt, daß ein solcher Befehl nicht erteilt wor- d e n ist. Vielmehr ist anzunehmen, daß die britische Behauptung nur aufgestellt wurde, um damit einen Vorwand zu dem den britischen Han­delsschiffen erteilten Rammbefehl zu erhalten.

Die britische Admiralität hat sich zu diesem letzten Schritt entschlossen, obwohl von deutscher Seite wiederholt auf die Gefahren hingewiesen worden ist, die sich aus einem angriffsweisen Vorgehen von Handelsschiffen für deren Besatzungen ergeben. Sie hak damit allein die Bet« antwortung vor der Geschichte für alle (Be­fahren zu tragen, denen die Besatzungen bri­tischer Handelsschiffe ausgesetzt sind, wenn sich aus einem ihren Weisungen entsprechenden Vorgehen der Handelsschiffe Kampfhand­lungen mit deutschen Kriegsschif- f e n entwickeln.

Ltm das Waffenausfuhrverbot in LIGA.

Washington, 4. Okt. (DNB.) Die Borah- Rede, die Den Kampf der Isolationisten für die Aufrechterhaltung des Waffenausfuhrverbots im Senatsplenum einleitete, hat im ganzen Lande großen Eindruck gemacht. Der Ausgang der Senats­debatte ist noch völlig unübersehbar, wenn auch die Befürworter eine Aufhebung des Waffenausfuhr­verbots behaupten, bereits 60 Senatoren auf ihrer Seite zu haben, von denen viele durch die Formel cash and carry umgestimmt wurden. Man glaubt, daß die Debatte mindestens vier Wochen dauern und das Endresultat ein Gesetz sein wird, das den Grundgedanken descash and carry beibehalten wird.

Daß der Neutralitätswille bei den meisten ehrlich gemeint ist, daß aber über'die einzuschlagenden Me­thoden größte Unklarheit herrscht, geht beispiels­weise aus den Leitartikeln derNew York Daily News", Amerikas größter Tageszeitung, hervor, die zwar Aufhebung des Waffenausfuhroerbots fordert, aber täglich ihre Leser vor dem brittscken Lügentrick, sentimentalen Drohungen und Bestechungen warnt. Die Lage Englands und Frankreichs fei sehr prekär, schreibtDaily News", aber das USA.=23oIt dürfe nicht vergessen, daß die Lage Amerikas, falls es in den Krieg verwickelt werde, heute viel gefähr­licher als 1917 fein würde. Solange nicht defi­nitiv die Ueberlegenheit des Kriegsschiffes über das Flugzeug erwiesen sei, bestehe nicht der Schatten einer Möglichkeit, daß Amerika eine neue Expe-

Robert Koch."

Em Emil-Jarmings-Film der Tobis (Gloria-Palast).

Es ist eine große und überaus lohnende, aber auch schwierige Ausgabe, die sich der Film gestellt hat, den Beruf des Arztes als Helfer der Menschheit im Kampf gegen die Krankheit nicht nur in dem Manne zu sehen, der in der Sprechstunde und am Kranken­bett seinem leidenden Mitmenschen mit Rat und Tat zur Seite steht, sondern ebensosehr in dem Forscher, der in seinem Laboratorium mit Reagenzglas und Mikroskop um die Erkenntnis des Wesens der Krankheiten ringt und damit überhaupt erst die Voraussetzungen für ihre Bekämpfung und, was noch wichtiger ist, für ihr Vorbeugen schafft. Die Intuition des wahrhaftberufenen" Arztes und hie- exakten Ergebnisse der medizinischen Wissenschaft müssen zusammenkommen, damit die Heilkunde sich zum Segen der Menschheit voll 'auswirken kann. Das zeigt der Film an einem Ausschnitt aus dem Leben eines der ganz Großen der Medizin, der als Mensch wie als Arzt und als Forscher durch und durch eine Persönlichkeit war: RobertKoch, dem Begründer der modernen Bakteriologie, dem wir die Entdeckung des Milzbrand-, des Tuberkel- und des Cholerabazillus und wesentliche Erkenntnisse der Malaria und der Schlafkrankheit verdanken.

Der Film greift aus dem mit verbissener Hingabe seiner Forschungsarbeit gewidmeten Leben des großen Gelehrten die geradezu dramatische Episode seines Ringens um die Entdeckung des Tuberkel­bazillus heraus und gestaltet sie packend und er­schütternd. Wie am Anfang der Versuche Robert Kochs, die zu so umwälzenden Entdeckungen führen sollten, nicht nur der bohrende Erkenntnisdrang des Forschers stand, sondern mehr noch das Erbarmen des Menschenfreundes, der in feinem armen ostdeutschen Landkreis, wo er als Kreisphysikus wirkt, die ver­heerenden Wirkungen der Tuberkulose sieht, ohne helfen zu können, so steht am Ende der warmherzige Appell des zu Weltruhm Gelangten an die ihm hul­digende studentische Jugend der Reichshauptstadt, die Fahne der Wissenschaft zum Siege zu tragen im Dienst der Menschheit als Diener wahrer Mensch­lichkeit. Aber zwischen beiden Polen liegt ein un­sagbar schwerer Kampf mit dem Unverstand der Bevölkerung seines Kreises wie mit den Vorurteilen der gelehrten Welt und, was ihn am schwersten trifft, mit der Verständnislosigkeit seiner Frau, die nicht zu begreifen vermag, daß er sich in seiner Forschungsarbeit verzehrt, ohne Dank und Anerken­nung zu ernten, statt sich an dem behaglichen Leben eines Kreisphysikus Genüge sein zu lassen. Nur der Glaube an sich selbst, der eiserne, durch nichts zu erschütternde Glaube an die Beweiskraft [einer exaktenMethode", die er denTheorien" seiner wissenschaftlichen Gegner entgegenstellt, hält ihn auf­recht durch alle Verdächtigungen und Anfeindungen, durch alle Verständnislosigkeit und Enttäuschung.

Diesen gläubigen Menschen, der, besessen von sei­ner Sendung, seine Ehe zerbrechen, seinen engsten

ditionsarmee nach Europa sende, denn der USA.- Armee könnte durch feindliche Flugzeuge plötzlich die Rückkehr abgeschnitten werden. Außerdem könne es sich Amerika nicht leisten, seine Flotte nach dem Atlantik zu verlegen und den Stillen Ozean den Japanern freizugeben. Aehnliche Gedanken entwickelt der viel gelesene Publizist Walter L i v p m a n n, er schreibt: Die Kriegsteilnahme der USA. würde nicht nur die Sicherheit der Vereinigten Staaten, sondern die ganze westliche Hemisphäre gefährden. Unter allen Umständen müsse die USA.-Flotte über dem Süllen Ozean wachen. Es sei völlig undenkbar, eine Expeditionsarmee nach Europa zu schicken, die im Falle einer Niederlage verloren wäre.

Cash and carry.

In kaufmännischen Klauseln verbirgt sich man­ches Geheimnis. So auch in der Klauselcash and carry, von der jetzt in den Verhandlungen des USA.-Kongrefses, aber auch sonst im Wirtschafts­verkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Eng­land zum Leidwesen der Londoner City nur zu deutlich die Rede ist. Was die Klausel an sich be­sagt, verrät die wörtliche Uebersetzung. Das Wort cash bedeutet so viel wie ,Kasse" oderbares Geld", das Wortcarry so viel wietränen" oder transportieren". Beides zusammen will sagen: Bezahle bar und hole dir deine Ware selbst!" Diese Klausel hält also nicht viel vom Kundendienst, und sie klingt um so barscher, als große geschäftliche Transaktionen im allgemeinen auf dem Kreditwege vor sich gehen und der Ver­käufer sich um die Zuführung der Ware sorgt. Don dieser Gepflogenheit will man nun in USA. nichts mehr wissen. Alle Geschälte mit England sollen fortab nach dercash ana carry-Klausel vor sich gehen. Warum diese Forderung? Sie hängt natürlich mit dem Kriege zusammen. Aber zunächst weniger mit dem gegenwärtigen als mit dem vergangenen Krieg, dem Weltkrieg. Damals nämlich hatten die Vereinigten Staaten keineswegs diecash and carry-Klausel gefordert. Und so kam es, daß Eng­land am Schluß des Weltkrieges an die Vereinigten Staaten mit einer Riesensumme von mehreren Mil­liarden verschuldet war. Amerika hatte ange­nommen, daß England, wie es sich gehört, diese Milliarden Kriegsanleihen prompt zurückzah- l e n würde. Indessen Onkel Sam täuschte sich ae- waltig. Noch heute sind die Schulden Englands an Amerika nicht zurückgezahlt, ja, nicht einmal die Zinsen wurden bezahlt! Die Spuren des Weltkrieges schrecken also, und daher die For­derung Amerikas: Bezahle bar und hole dir deine Waren selbst. Sowohl das eine als auch das an­dere ist heute für England eine peinliche Sache! Das Pfund genießt kein Vertrauen mehr, sackt täglich mehr und mehr ab, und der ehemalige Reichtum Englands schwindet auf diese Weise wie der Schnee an der Sonne dahin. Da macht das Barzahlen keinen Spaß. Aber auch mit dem A b holen der Waren in Amerika hapert es. Der britische Fracht- raum vermindert sich dank der deutschen U-Boot- roaffe von Tag zu Tag. Wie gesagt: eine sehr pein­liche Angelegenheit für das stolze Albion, das bisher des Glaubens war, der Bankier der Welt zu fein und die Meere beherrschen zu können!

Deutschland hält sich strikt an das Gaskampfverbot.

London, 5. Oft (DNB. Funkspruch.) Unter- staatssekretär Buller erklärte im Unterhaus, die deutsche Regierung habe der britischen durch den Schweizer Gesandten in London mittellen lassen, daß Deutschland am Genfer Protokoll, das die Verwendung von Gas und Bakte­rien verbietet, fest halten werde, voraus­gesetzt, daß die britische Regierung das Protokoll ebenfalls einhalte.

Mitarbeiter von der tückischen Krankheit dahingerafft sieht und doch kein Verzagen, kein Abirren, ja nicht einmal ein Zögern und Zweifeln fejint, gestaltet Emil Hannings in ergreifender Schlichtheit. Neben die klare Zielstrebigkeit des Forschers stellt er die Güte und tiefe Empfindsamkeit des Menschen­freundes, der am Sterbebett des armen Kätners­töchterleins wie in der Todesstunde seines Assisten­ten nichts als Mensch ist, der im Ringen um das Vertrauen seiner Frau warme Töne seiner Liebe findet und am Ziel feines Forschens, am Ende eines nervenzermürbenden Kampfes die Brille abnimmt, sich über die Stirn streicht, die von nächtlicher Arbeit müden Augen wie ahnend in die Ferne gerichtet, sich für einen kurzen Augenblick ganz der Entspan­nung hingibt, die jedem Vollbringen folgt. So gibt Emil Janmngs ein überzeugendes Bild der schlich­ten Größe eines Mannes, der hier für eine ganze Welt stillen deutschen Gelehrtentums steht, das um Anerkennung seiner Leistungen kämpft, nicht um des persönlichen Ruhmes willen, sondern der Sache wegen.

Als ob es nicht immer so wäre, hat der Film Robert Koch, dem einfachen Kreisphysikus aus Wöllstein, den auf der Höhe seines wissenschaftlichen Ruhmes stehenden Berliner Pathologen Rudolph Virchow gegenübergestellt. Ihn spielt Werner Krauß als den selbstüberzeugten, eisig-kalten Medizinpapst", der nicht ohne Eitelkeit, Herrsch­sucht und Dünkel und mit der ganzen Voreinge­nommenheit des berühmten Mannes die Forschun­gen Kochs mit einer Handbewegung abtut, ja gar nicht an sich herankommen läßt, wohl aus dem in­stinktiven Gefühl heraus, daß das Werk Robert Kochs seine eigenenTheorien" ernstlich erschüttern könnte. Der Film könnte, zumal durch das Her­ausstellen des politischen Gegensatzes zu Bismarck und der höfischen Beziehungen Virchows, den Ein­druck erwecken, als ob dieser seinen wissenschaftlichen Ruhm nicht seinen bahnbrechenden Leistungen allein zu verdanken habe, zu Unrecht, und es wird Wer­ner Krauß, wie seine Rolle als Gegenspieler Robert Kochs angelegt ist, nicht leicht gemacht, die schwar­zen Schatten auf dem Charakterbild Virchvws zu mildern. Das nächtliche Zusammentreffen der Beiden in der Anatomie, für unser Empfinden der Höhepunkt des Films, beleuchtet für einen Augen­blick die Tragik eines Mannes, der einen Irrtum erkennt, aber nicht groß genug ist, ihn sofort und unumwunden einzugestehen.

Raimund Schelcher, den Gießenern von sei­nem Wirken am Stadttheater bekannt, spielt den jungen Assistenten Robert Kochs, schlicht und grad­linig, vvn inbrünstigem Feuer für die Sache des Meisters erfüllt, feine Braut Viktoria von B a l - last o, Theodor Loos, den Assistenzart Dr. Gaffky, Paul Otto den Landrat von Wollstein. Die Frau des Forschers, die aus ihrer Enge nicht heraus kann und an Der Besessenheit des Mannes ihr persönliches Glück zerschellen sieht, spielt Hildegard Grethe, sie wußte begreiflich zu machen, daß Verzicht und Opfer oft genug der Lebensgefährtin eines großen Mannes Schicksal ift, Die dumpfe Atmosphäre blinden Unverstandes und fanatischer

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Siegreiche Heimkehr der Leibstandarte ffAdolf Hitler" Neue Garnison für einige Zeit in Prag.

Wünsche und das Gelöbnis unserer unverbrüch Wiidei lichen Treue fassen wir zusammen in dem Ru': I r Vehr Unser Führer Sieg Heil! , !

Prag, 4. Ott. (DNB.) Die Leibstandarte ff Adolf Hiller" bezieht am 4. Oktober z u r ü ck k o rn- rnend aus dem Feldzug in Polen, wie planmäßig vor Kriegsausbruch für den 1. Oktober vorgesehen war, für einige Zeit ihre Garnison in Prag, und wird bei dieser Gelegenheit vom Reichsprotektor begrüßt. Anläßlich dieses Ereig­nisses erfahren wir über die Kampfhandlungen des Regiments in Polen folgendes:

Nachdem das motorisierte Regiment von Ber­lin-Lichterfelde ausgerückt war, trat es sofort am er ft en Gefechtstage in die Kämpfe in Polen ein. Am ersten Kriegstag war dem Regiment der Auftrag gestellt, den Proszna- Abschnitt für den Vormarsch der bei Groß- Wartenberg eingesetzten deutschen Kräfte zu öffnen. Der Auftrag wurde befehlsgemäß durchgeführt. In den folgenden Tagen führte die Standarte einen Dorstoß gegen d i e Warthe durch. Der Uebergang über den Fluß wurde durch das Regi­ment erzwungen. Im weiteren Verlauf erhielt das Regiment den Auftrag, weit vorgestaffelt vor an­deren Kräften südlich LodH vorbeizu- stoßen und den Kräften der VIII. Armee den Weg nach Lodz zu öffnen. Bei der Losung diefer Aufgabe kam es zu harten Gefechten bei P a b i a n i c e , die vollen Erfolg hatten.

Nach Erfüllung dieses Auftrages wurde das Regiment einem Korps der X. Armee unterstellt, das den Vorstoß auf Warschau durchzu­führen hatte, und es wurde von diesem Tage an bei Gefechtshandlungen eingesetzt, die im Raume westlich Warschau zur Einschließung starker polnischer Kräfte am Bzura-Abschnitt führ­ten. Es gelang dem Regiment in den Gefechtstagen bis 3um 20. September den stark überlegenen Geg­ner über d i e Bzura zurückzuwerfen und mehrfache Durchbruchsversuche der Polen an diesem Frontabschnitt zu verhindern. Die Gefechte waren durchweg durch außerordentliche Härte gekennzeich­net, zumal es sich beim Gegner um Kräfte des Pilsudski-Regiments handelte.

Nach einem kurzen Ruhetag am 21. September wurde das Regiment aus der Unterstellung des Korps gelöst und einer Division zugeteilt, die die Einschließung der Festung Modlin zum Auftrag hatte. Nach der Kapitulation der Festung hatten die Kriegshandlungen für das Regi­ment ihr Ende gefunden.

Prag begrüßt die Leibstandarte. Feierlicher Empfang auf dem Wenzelsplatz

Prag, 5. Okt. (DNB.) Prag hat der ^-Leib- ftanbarte des Führers einen feierlichen Empfang bereitet. Der Wenzelsplatz war mit Hakenkreuzfah- nen und weißrotblauen tschechischen Fahnen reich geschmückt. Den Abschluß bildete die Ehrentribüne, überragt von dem schwarzen Hoheitszeichen auf weißem Tuche. Viele Zehntausende von Deutschen und Tschechen säumten den Platz. Als die Spitze der ^-Leibstandarte, zwei Panzerspähwagen, gegen 16 Uhr den Platz erreichte, erschollen brausende Sieg-Heil-Ruse. Mit dem Präsentiermarsch und er­neuten Sieg-Heil-Rufen wurde das ruhmgekrönte Feldzeichen der Standarte begrüßt, als ihr Kom- mandcmr, Obergruppenführer Sepp Dietrich, und die Offiziere vor der Ehrentribüne Aufstellung nahmen. Prag sah dabei die ersten Träger des Eisernen Kreuzes von 1939. Unter den Ehrengästen bemerkte man Staatssekretär Brigadeführer

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geführt. Durch sträflichen Uebermut und Unvernunft einer Regierung ist ein großer Teil des polnischen Volkes in schwerstes Leid gebracht worden.

Sie, die Leib standarte, haben an diesen Kämpfen hervorragenden Anteil genommen. G« haben an Ihre jungen Fahnen unvergängliche ßar» beeren geheftet. Wir gedenken heute in dieser Stunde aber ganz besonders auch derer, die ihr Leben für die Freiheit und Sicherheit DeutschlaM dahingegeben haben." Die Menge entblößt ihr Haupt, tief ergriffen harrte sie im Stillschweigen, bis die Weise des alten Liedes ,Zch halt' einen Kameraden" verklungen war. Dann schloß btr Reichsprotektor:

In dieser feierlichen Stunde gehen unsere Gedm- ken zu unserem Führer, und alle unsere

Die Ansprache des Reichsprolettors.

16.45 Uhr erschien der Reichsprote!«

tor für Böhmen und Mähren, Freiherr von Neurath mit seinem Kabinettsches Gesandten Völkers und Legationsrat von Holleben. Stille herrscht über dem ganzen Platz, als der Reichsprotektor die folgende Ansprache an die heimgekehrten Krieger richtete:

Offiziere und Soldaten der Leibstandarte2M Hiller"! ,

Ich und mit mir die ganze deutsche Bevölkerung Prags begrüße Sie bei Ihrem Einzug in die Hauptstadt des Protektorats Böhmen und Mähren mit stolzer Genugtuung. In einem Feldzug vvn unerhörter Wucht und Schnelligkeit, wie ihn die

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Am Pulverturm vorbei ging der Weg am Neu« f bauüfer entlang, lieber die Moldaubrücke hinweg J derAdols-Hitle r "-Kaserne zu. Längs des ganzen , v Weges standen die Menschen Kopf an Kops. W Deutsche und Tschechen sahen voll Bewunderung Die vorbeidefilierenden Truppen.

Frank, Unterstaatssekretär Dr. v. Burgs, borff, den Wehrmachtsbevollmächttgten bei® Reichsprotektor, General Friderici, und bei Befäsishaber der Ordnungspvlizei, Generalleutnant von Kamptz. Tschechischerseits waren erschien® als Vertreter des Präsidenten Hacha Genera Hrabcik und General Marvan von den tsch^ chischen Regierungstruppen sowie General Fas. sati, der Polizeidirektor von Prag, Dr. Chai, v a t.

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Weltgeschichte noch nie erlebt hat, hat bas deutsche Heer einen Feind niedergerungen, sein Land be­setzt, feine Armee, soweit sie nicht gefallen oder j Aa über die Grenze entwichen ist, als Gefangene ad-

gung, defilierte an der Ehrentribüne vorbei uri wurde überall, besonders aber beim Einbiegen in die Hauptstraße Prags, den Graben, von der m- ibeuer figen Menge immer wieder aufs herzlichste b-e« ||S. üb grüßt. Unaufhörlich erschollen die Sieg-Heil-Rufe, Blumen wurden den Kämpfern zugeworfen, mit Tausenden Keinen Hakenkreuzuümpeln ihnen zu« gewinkt.

Verranncheit kennzeichneten in den erschütternden Eingangsszenen Hilde Körber und Josef Sie­ber als Kätnersehepaar, Bernhard Mine11i als eifernder Anführer einer Gesundbetersekte und Paul Dahlke als tückischer Lehrer in Wollstein. In der Rolle des Alten Kaisers haben die Gießener Ge­legenheit, ihren früheren Intendanten Dr. P r a s ch zu sehen. Mit sonorer Stimme, nicht ohne Pathos spricht Friedrich Otto Fischer den Bismarck in der Reichstagssitzung.

Die Regie Hans S t e i n h o f f s hat den Film von Paul Josef Cremers und Gerhard Men­zel nach dem Drehbuch von Walther Wasser­mann und Silier und unter wissenschaftlicher Mitarbeit des bekannten Arztdichters Dr. Hellmuth Unger, dem wir eine knappe Biographie Robert Kochs verdanken, in einfachen großen Linien zu einem grandiosen Denkmal kämpferischen deutschen Forschungsgeistes gestaltet. Es ist ihr aud) gelungen, freilich durch scharfe Verengung der Dinge, das hier zur Debatte stehende wissenschaftliche Problem klar hinzustellen und einen Eindruck zu geben von der selbstlosen Hingabe an das Werk, die die medizi­nische Wissenschaft von allen denen unerbittlich for­dert, die in den Bann der Forschung- geraten. Die Sendung des Arztes, von der Robert Koch so ganz erfüllt war, hat in Emil Hannings einen ein­dringlichen Künder gesunden.

Dr. Fr. W. Lange.

Hochschulnachrichten.

In der Nacht zum Dienstag ist der Staatsrecht­ler der Deutschen Universität in Prag, Professor Dr. Fritz Sander, einem Herzschlag erlegen. Professor Sander ist besonders in der Kampfzeit des Sudetendeutschtums als einer der Führer im Rechtskampf hervorgetreten. Er war es auch, der sich an die Spitze des Widerstandes stellte, den die Deutsche Universität Prag zur Berufung Professor Kelsens nach Prag, die seinerzeit vom tschecho- slowakischen Staat betrieben wurde, entgegensetzte.

Es ist übertragen worden: dem Professor Dr. med. Ernst Bach der Lehrstuhl für Geburtshilfe und Gynäkologie in Marburg; dem Professor Dr. Carl (fuge! der Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte in Greifswald; dem Professor Dr. K. G. Felle- rcr der Lehrstuhl für Musikwissenschaft in Kiel; dem Professor Dr. Rolf Fricke der Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre in Karlsruhe; dem Professor Dr. Ulrich Knoche der Lehrstuhl für Klassische Philologie in Hamburg.

Zeitschriften.

Der Ministerrat für die Reichsverteidigung verordnete kürzlich eine Aenderung des Luftschutz­gesetzes. Darüber berichtetDie Sirene". Prak­tische Winke zur Verdunkelung werden den Volks­genossen in der AussatzreiheLehren und Lernen" gegeben. Unter der UeberschriftWir wissen Rat!" gibt das Präsidium auf Anfragen praktische Rat­schläge über alle den Luftschutz betreffende Fragen.

Ein Feldpostbrief.

£on Max Zrmgnickel.

Als ich heute in alten, vergessenen Briefen blii« terte, da stieß ich auf einen angegrauten, etwa; stockfleckigen Bogen, der sich jahrelang, wie aus M sicht oder Scham, verborgen hielt. Jetzt auf einmal war er da, machte sich so gutmütig und so selbst« verständlich breit, und fing mit feiner kindlichen Schrift, auf Linien gezogen, froh und herzlich an zu sprechen:Wenn ich erst groß bin und der Krieg noch immer tobt, pflege ich verwundete Soldaten Dann bringe ich ihnen Wasser, kühle ihre Wunden und versuche, daß sie rasch gesund werden. Wenn dann einer von ihnen wieder hergestellt ist, heirÄk ich ihn, und wir ziehen zusammen in ein hübscher Häuschen. Dann setze ich mich jeden Abend mit ihm ans Fenster, und indem die Sonne untergeht, ei« zählt er mir von seinen Abenteuern, die er im Kriege erlebt hat."

Und nun steht die Zeit wieder da, in der mi'ch dieser Brief erreichte. Ich lag, durch den Hals g*« schossep, in einem Kownoer Lazarett. Eine Barak'e, durch die der Winterwind pfiff und fegte. In der Ecke puffte und bibberte ein dickbäuchiger Kanone»« ofen. Die Heimat war weit, aber das Bild bet Heimat umschloß mich wie ein warmer, glitzernder Reis, legte sich um mein Herz und machte es stütz.

Da bekamen wir ßiehe5gabenpafete. Aus meinem Bett lag ein Päckchen, kindlich verschnürt mit Wolle, Zwirn und Bindfaden. Wahrhaft dauerhaft mi« schnürt. Und in diesem Päckchen, in Zeitungspapier eingeschlagenr ein Paar Wollhandschuhe. Jawohl, ein Paar graue, selbstgestrickte Wollhandschuhe. Um) die Zeitung, in der sie verwahrt lagen, war dir Dorfzeitung aus Hildburghausen. Ich weiß es not) wie heute. Wollhandschuhe! Auf dem Krankendes! Und aus Thüringen. Vorläufig konnte ich sie aller­dings nicht gebrauchen, aber aus lauter Lange­weile fing ich an, sie überzuziehen. Kaum bin i<h mit der rechten Hand in dem Handschuh drin, ta fühlte ich schon etwas Papierenes, etwas Knistern­des, das sich da hineinverkrochen hatte. Es war dieser kleine, kinderschöne, einfältige Bries.

Als ich ihn las, ging ein heller Schein von Freude durch mein Herz. Ich las den Bries immer Wieder. Laut konnte ich ihn nicht lesen, denn ich hatte durch den Schuß die Sprache verloren, aber ich las den Brief mit dem Herzen, las ihn so lang«, bis ich ihn auswendig konnte, stellte mir das Ge­sicht der Schreiberin vor: ein Kindergesicht am) Thüringen. Und es ging mir wie ein Licht auf: es lohnt sich wahrhaftig, für ein Volk, in den dieser Brief geschrieben wurde, zu kämpfen und, wenn es fein muß, sich in Stücke hauen zu lassen.

Die Handschuhe siird schon lange hin, vergesse^ vertan, verbraucht.. Der kleine, selig schlichte Brie: lebt, ist das Abbild einer reinen, lieben Seele blieben. Und das kleine Mädchen, das diesen Bties einst mit tiefgesenktem Scheitel schrieb?! MelleiM sitzt es in diesem Augenblick um den Lampenkreir und füttert ihr Kind zur Nacht. Es wird scho» so sein»

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