Ausgabe 
5.7.1939
 
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Nach zwanzig Jahren wieder in Flandern.

Erinnerungen auf der Flandern-Fahrt der Gießener Langemarck-Gchule.

Von Ernst Hölzel, Gießen*.

BerDun, Somme, Champagne, FlcmDern, Brenn­punkte des Kampfes an der Westfront, unauslösch­lich einaeprägt in die Erinnerung derer, die dort einst gestanden, gefochten und geblutet haben. Gleich in der Schwere des Ringens, in der Größe der Opfer, aber verschieden in der Art der Kampf­führung und in den Zügen der Landschaft, über dir er hinwegging.

Flandern! Gesegnetes Land mit wogenden Aehren- feldern, mit großen Lein- und Rübenschlägen, mit Weiden, auf denen Rinder, Pferde und Milchschafe ihr Futter suchen, mit Pappeln und Erlen, in Reihen, Gebüschgruppen und Hecken, mit sauberen Dörfern und über das ganze Land verstreuten Einzelhöfen, die aussehen, als wenn sie aus dem mit Spielzeug gefüllten Sacke eines Riesen gefallen wären, mit Städten, deren Bürgerhäuser, Rathäu­ser und Kirchen den Reichtum ihrer Bewohner ahnen lassen, mit Windmühlen und Kanälen. So sieht es der Reisende, der heiüe nach Flandern kommt.

Großkampf in Flandern.

Flandern! Eines Riesen Pflug muß über das Land gegangen sein. Zwar ist es Sommer oder Herbst, aber alles Grün scheint ertötet zu fein. Braun die Erde, soweit das Auge reicht. Man glaubt eine Mondlandschaft zu sehen, so reihen sich Trichter an Trichter. Niemand wird sagen können, wieviele den Tod in sich tragende Geschosse von denen der leichtesten Geschütze an bis zu den schwersten der Mörser und Schiffsartillerie sich ein­bohrten und einwühlten in die fruchttragende Erde, sie umkehrten und aus dem blühenden Land eine Wüste machten. Traurig ragen die Stümpfe der Straßenbäume, die dem Wanderer Schatten spen­den sollten, zum Himmel, zerschlagen sind die herr­lichen Parkbäume um die vielen kleinen Schlöß­chen, eine Wirrnis von Aesten, Stämmen, Wur­zeln und mit Wasser gefüllten Trichtern sind die Wälder. Kein Weg ist mehr begehbar, von Trich­ter zu Trichter springen schmutzstarrende, bärtige, von Hunger und Durst gequälte feldgraue Männer, kauern in den Trichtern, die sie mit dem Kochge­schirr ausschöpfen, um sich wenigstens trocken in ihnen bergen zu können. Gewehr, Maschinenge­wehr, Handgranate sind chre Begleiter. Und über sie hinweg rast der Orkan der Durchbruchsschlacht, ergießt sich ein Eisenhagel, wie man ihn nie zuvor gekannt hat. Alles soll er zerschlagen, was dort noch lebt. Und dann braucht der Engländer, der hier die Entscheidung erzwingen will, der den deutschen U-Booten an der Flandernküste ihre Stützpunkte abquetschen will, nur einzurücken in diese Zone des Todes und des Grauens! Zurück springt sein Feuer, der Weg für seine Sturmdivisionen ist frei. Da aber erwacht das Leben, das erloschen schien, da rattert da und dort ein Maschinengewehr auf, da schlagen dicht vor den dünnen Linien der deutschen Infan­terie die Laaen der deutschen Artillerie in die Reihen der Angreifer die Schwester hilft der Schwester. Da brausen die Tiefflieger heran, wäh­rend in den Höhen die Beobachter zu ergründen suchen, wo Freund und Feind sich dort unten auf der Erde voneinander scheiden. Darüber aber kämp­fen die Jagdflieger ihren Kampf. Von hinten wer­den bereits neue, frische Divisionen herangeführt, bereit, den Gegner wieder hinauszuwerfen, wenn es ihm gelungen fein sollte, trotz allen Heldentums der vorderen Linien irgendwo in sie einzubrechen. Namen klingen auf: Paschendaele, Becelaere, West, rofebeke, Gheluvelt, Langemarck und Poelkapelle und viele andere, Namen von Trümmerhaufen, zer­schossen wie all die vielen kleinen Gehöfte und Häuser in der weiten Landschaft. So steht Flandern vor dem Auge dessen, der es einst erlebte, was es heißt: Großkampf in Flandern!

Wiedersehen nach zwanzig Jahren.

Ueber zwanzig Jahre sind vergangen feit jenem Tage, an dem wir von dort schieden. Oft haben wir von ihm gesprochen, wenn alte Flandern­kämpfer zusammensaßen. Und nun nach dieser lan­gen Zeit sollte es ein Wiedersehen geben mit jenem Lande, in dem auch hessische Regimenter lange und mit Auszeichnung gefochten hatten. Dann kamen die Zweifel, was man wohl noch sehen würde von dem, was sich so tief eingeprägt hatte in die Er­innerung. Und noch etwas würde ganz anders fein als damals. Heute sollte der Frontsoldat von einst deutsche Jungen auf diesem von deutschem Blute getränkten Boden führen, mit ihnen auf dem Stück flandrischer Erde stehen, das uns geheiligt ist durch das Blut deutscher Kriegsfreiwilliger, von denen mancher gerade so alt war wie die Jugend, die zu ihren Gräbern wallfahrte. Heute sollte der Vater dem Sohn zeigen, wo er einst denTod von Ypern" geschaut hatte, der Lehrer dem Schü­ler, wo er fein Blutopfer für Deutschland brachte.

Langemarck war das Ziel der Flandern­fahrt der GießenerLangemarck- Schule"; zugleich aber galt es, den Jungen über­haupt die Brennpunkte jener Kämpfe um den Ypernbogen zu zeigen. Da von den an der Fahrt teilnehmenden Lehrern zwei die Flandern kämpfe selbst miterlebt hatten, und zwar beide im Rahmen derselben, nämlich unserer alten hessischen 25. Jn- fanterie-Dioision, konnte das nächste Ziel nur Ghe- luvelt an der Straße von Meenen nach Ypern fein. Aus dieser Straße war einst der Einsatz der von Frankreich rasch herangeführten Division erfolgt. Kameraden aus jenen Septembertagen 1917, von denen mich eine ganze Anzahl um diesen Bericht gebeten haben, werden uns im Geiste folgen können.

Auf der Dormarschstraße der 115er, 116er und 11 Zer.

Nach Moeskron, wo wir damals ausgeladen wurden, nach Jeperen, der viel umstrittenen Stabt, zeigen die Arme des Wegweisers, den wir mitten in Meenen antreffen. Wir sind auf der Dormarschstraße, auf der einst die Regimenter 115, 116 und 117 auf Lastkraftwagen Hine in geworfen wurden in den Kampf, der sich um Gheluvelt und seine Höhen entwickelt hatte.

Langsam fährt unser Autobusfrontwärts". Der- schwunden sind die schönen hohen Bäume, die einst die schnurgerade Landstraße begleiteten. Wir ken­

*) Der Verfasser hat als Leutnant und Kompanie­führer im Infanterie-Regiment 116 vom Oktober 1917 bis Februar 1918 an den Kämpfen in Flan­dern teilgenommen.

nen sie alle noch, weil sie uns Fliegerdeckung gaben. Ihre zerfetzten Stämme haben jungen Bäu­men Platz gemacht. Gheluvelt kommt heran. Alle Kriegsspuren scheinen verwischt, schmucke Häuser, eine schöne neue Kirche. Hier lag damals der Ge­fechtstroß des Regiments 116. Und nun steigt schon der K o e l b e r g vor uns auf,, die windige Ecke, deren granatdurchwühlte Straße die Regimentsge­schichte im Bild zeigt. Hier pflegte jeder im Tempo etwas zuzulegen!An den Koelenberg" heißt heute das saubere Wirtshaus, das dort steht. Hier schnit­ten einst die Hindernisse der Artillerieschutzstellung, hinter der die Masse der Arttllerie stand, die Straße.

3m Abschnitt der Heften.

Weiter geht's, im Westen wird eine Höhenlinie sichtbar: der Y p e r n b o g e n. An Nachtigall vorbei ist baldD e i m l i n g s e ck" erreicht, wo die Straße von Meenen nach Ypern sich mit der von Wervik nach Becelaere kreuzt. Nun liegt das Großkampf­gelände des 25. September, des 4. und 9. Oktober 1917 vor uns. Wir halten an. Dort das Gebäude in lichten Bäumen kann nur Schloß Gheluvelt fein, vor uns, wo die Straße die Höhe erreicht, liegt Gheluvelt, nach links hin wissen wir Zand- v o o r d e .Das ist der Abschnitt der Hessen gewesen, der damals gerade zum Brennpunkt der Schlacht Ijeworden war. Als wir später in Gheluvelt oben landen und rückwärts schauten nach Osten ins landrische Land, da wurde jedem klar, wie bedeu­tend und ausschlaggebend der Besitz dieses von Dix- muide bis zum Kemme! ziehenden Höhenzuges, der westflandrischenBerge", für den Besitz Flanderns überhaupt sein mußte. Hier amDeimlingseck" aber war der Augenblick, um das Geschehen des Groß­kampfes in der Landschaft selbst aufleben zu lassen. Und während nun im Geiste der Engländer wieder

aus dem Bulgarenwald gegen Gheluvelt zum Sturme antritt, die Maschinengewehre der 116er ihn in der Flanke packen und fürchterliche Ernte halten, die 115er ihn im Gegenstoß aus ihren Stel­lungen werfen, gelingt ihm bei der rechten Nach­bardivision der Einbruch. Der Augenblick höchster Gefahr für die hessische Division und die Gheluoelt- Stellung ist gekommen. Hier, wo wir gerade stehen, wird das 11/116 im schwersten Feuer in die Flanke geworfen, dort in beit Trümmern des Schlosses Gheluvelt hat die 5/116 damals im Feuer der bei­derseitigen Artillerien am 4. Oktober von 9 Uhr vormittags bis zum Angriff der Eingreifdivision um 3 Uhr nachmittags dem Engländer ein Hall geboten und gleich den anderen Kompanien des Bataillons entscheidend mitgewirkt am Abwehr­erfolg des Tages. Und während der Frontsoldat jener Tage versucht, seinen Hörern an diesem Bei­spiel das Wesen des Kampfes in Flandern zu er­klären, entstehen in ihm selbst Bilder von Män­nern, die damals ihr Leben ließen, von anderen, die mit dem aanzen Einsatz chrer Person den Tag gewinnen halfen, von unerschrockenen Meldern, ab» stürzenden Flugzeugen und all den vielen Einzel­dingen, die erst das Gesamtbild enfftehen lassen. Ein merkwürdiges Gefühl ist es dabei, zu wissen, daß dort, etwa 200 Meter von der Straße ent­fernt, auf der wir stehen, ein Granattrichter tag, zu gedeckt mit einer Stubentür von jenem Gehöft dort, das wirZollernhof" getauft hatten, und daß dieser Granattrichter tagelang der Gefechtsstand eines Kompanieführers war, der man selbst gewesen war. All' die braven Männer werden dann wieder lebendig, die hier zu einer verschworenen Gemein­schaft wahrer Frontkameradschaft zusammenwuch­sen.Aus unserem Granattrichter weiden heute die Kühe^ schrieb ich abends in Ypern einem mei­ner damaligen Metaer. (Schluß folgt.)

Gießener Studenientag 1939.

Dom 6. bis 9. Juli findet wie wir vor etwa 14 Tagen bereits eingehend berichteten in Gie­ßen der Studententag 19 3 9 statt. Am mor­gigen Donnerstag, 6. Juli, abends, erfolgt die Er­öffnung des Studententags. Um 21 Uhr werden die Kameradschaften mit ihren Altherrenschasten sich am Studentenhaus zu einem Fack elzug auf« stellen. Mit dem Musikzug der SA.-Standarte 116 an der Spitze beginnt um 21.30 Uhr am Stu­dentenhaus Der Fackelmarsch. Zunächst geht es im Schweigemarsch bis zum Univerfitätsgebäude, wo die Totenehrung in der Universität er­folgt. Eine Abordnung wird in dem verdunkelt lie- Senden Gebäude einen Kranz am Ehrenmal der niverfität niederlegen. Hierauf erfolgt der Weiter­marsch des Fackelzugs, von der Universität ab nun­mehr mit Marschmusik und mit dem Gesang von Marschliedern. Der Marsch fuhrt durch folgende Sttaßen: Lüdwigstraße, Ludwigsptatz, Kaiserallee, Moltkestraße, Hitlerwall, Landgrafenstraße, Land­graf-Philipp-Platz, Brandplatz, Sonnenstraße, Kreuz­platz, Seltersweg, Horst-Wessel-Wall, Bahnhofstraße,

Neustadt zum Oswaldsgarten. Dort wird bann der Studentenfichrer Frank den Studententag mit einer Ansprache eröffnen.

Der Etudentenführer Frank und der Hochschul- ringführer Dr. R i e h m wenden sich mit einem Ausruf an die Gießener Bevölkerung, die zu den Deranstaltungen herzlich ein geloben wird. In dem Aufruf werden als Höhepunkte be­zeichnet: die Eröffnungskundgebung am Donners­tag, 6. Juli, 22.15 Uhr auf Oswaldsgarten, die Sportwettkämpfe am Freitag, 7. Juli, vormittags und nachmittags auf dem Universitäts-Sportplatz, die Hauvtkundgebung am Samstag, 8. Juli, 10 Uhr, in der Aula und die volksdeutsche Morgenfeier am Sonntag, 9. Juli, 11 Uhr, im Garten des Studen­tenhauses. Dann heißt es in dem Aufruf: Dor allem bitten wir sämtliche Akademiker, durch den gemeinsamen Fackelmarsch zum OswaDsgarten ihrer Verbundenheit mit dem jungen nationalsozia­listischen deutschen Studenten Ausdruck zu geben. Wir wollen auch hier unsere Geschlossenheit für Führer, Volk und Vaterland beweisen."

Der Ernteeinsatz der HZ. im Gau Hessen-Nassau

NSG. Wie in den vergangenen Jahren, erfolgt auch der diesjährige Ernteeinsatz der Hitler-Jugend des Gaues Hessen-Nassau unter Beteiligung aller zur Verfügung stehenden Kräfte. Die Anforderun­gen an die HI. richten sich nach der Jahreszeit und den örtlichen Verhältnissen. Die Orts- bzw. Kreis» bauernführer wenden sich über die Arbeitsämter an die örtlichen zuständigen HJ.-Dienftstellen und for­dern bei diesen die Einheiten zum Ernteeinsatz an. Die Arbeitsämter veranlassen die Beurlaubung bzw. Befreiung der Schüler, Lehrlinge und aller sonstigen benötigten Mitglieder der HI. und des BDM. In den Ferien erfolgt ein direkter Einsatz nach Anfor­derung der Ortsbauernführer über die Arbeitsämter durch die Dienffftellen der HI.

Der gesamte Einsatz erfolgt unter Führung der HI.- und BDM.-Diensfftellen sowie ihrer Führer und Führerinnen. Oertliche Sonderregelungen über den Einsatz werden im gegenseitigen Einvernehmen der Organisattonsabteilungen mit den Bauerntums« referenten des Gebietes, der Landesbauernschaft und dem Landesarbeitsamt getroffen. Verantwortlich für den Ernteeinsatz sind örtlich die Führer der Banne, die von sich im engsten Einvernehmen mit den Kreis- bauernführern und den Arbeitsämtern den Einsatz sämtlicher Formationen der HI. und des BDM. veranlassen. Vor dem eigentlichen Einsatz haben sich die örtlichen Führer bzw. Führerinnen mit dem

für die Einsatzstelle zuständigen Ortsbauernführer in Verbindung zu setzen, um die Verteilung der einzelnen Jungen und Mädel auf die Betriebe, die Art Der Verpflegung und Unterbringung, Die An­meldung zur Krankenkasse ufw. zu regeln.

Der Einsatz erfolgt in unserem Gau einzeln und in Gruppen. Die Stärke der Gruppen wird den je­weiligen Erfordernissen angepaßt. Die Führung übernimmt in allen Fällen die HI. Die städtischen Einheiten werden besonders über dos Wochenende eingesetzt werden. Jungen und Mädel werden dann bei den Dauern übernachten. Es ist geplant, in aus­gesprochenen Landwirtschaftsgebieten Ernteeinsatz­lager einzurichten. Alle sonstigen Lager werden ebenfalls regelmäßig in der Landwirtschaft einge­setzt. In Zusammenarbeit mit den Kreisbauernfuh- rern legen Die Lagerleiter einen Tag m der Woche fest, an dem das ganze Lager eingesetzt werden kann. Ebenso werden Fahrtengruppen Der Hitler- Jugend vom Fahrtenführer in dringenden Fällen selbständig eingesetzt. Beim Einsatz des BDM. wäh­rend der Erntezeit wird es sich in erster Linie um eine Unterstützung der Landsrau handeln. Die Bauern und Landwirte werden durch den Orts- bauernführer darüber aufgeklärt werden, daß die Jungen und Mädel nicht als vollwertige Arbeits­kräfte anzusehen, also dementsprechend zu behan­deln und in die Arbeit erst einzusühren sind.

Aus den Gießener Gerichissälen.

Sezirksschöffengerichl Gießen.

Der Ed. G. in Dorf-Gill war beschuldigt, am 17. Dezember 1938 in Dorf-Gill durch fahrlässiges Hantieren mit einer Lampe den Brand Der Hof- re ite seiner Ehefrau und seines Nachbars Bender verursacht zu haben. Er hatte an diesem Tage gegen 17 Uhr in der Scheune gearbeitet. Als Beleuchtung benutzte er eine kleine Sturmlaterne, die er an einem Haken an der Türe eines Nebenraumes auf­hängte. Die Lampe ließ der Angeklagte brennend hängen, während er feiner Frau, die im Kuhstall arbeitete, half. Plötzlich ertönte Feueralarm. Ob der Brand durch Die Lampe verursacht wurde, konnte nicht einwandfrei festgestellt werden.

Der Vertreter der Anklage stellte die Entschei­dung in das Ermessen des Gerichts. Der Verteidi­ger beantragte Freisprechung. Urteil:Der Ange­klagte jft Der fahrlässigen Brandstiftung nicht schuldig und wird daher frei ge sp r o ch e n."

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Unter Ausschluß Der Öffentlichkeit wurde gegen Den L. L. in Lollar verhandelt. Es wurde ihm zur Last gelegt, am 4. März 1939 in Gießen sich der Amtsanmaßung und Freiheitsberaubung schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte gab sich gegen­über einem Studenten und einer Same, Die er auf der Straße ansprach sowie später bei Der Zeugin allein, als Polizeibeamter aus und nahm an Der $eugin eine körperliche Untersuchung vor, angeb- llch, weil ihr Begleiter im Verdacht stehe, krank zu

sein und sie angesteckt zu haben. Er beabsichtigte, sich hierdurch Die Zeugin gefügig zu machen.

Das Gericht sprach den Angeklagten der Amts- anmahung schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Sttaferschwerend kam das Leugnen Des Angeklagten, seine Vorstrafe wegen Notzucht und Die äußerst verwerfliche Tat, begangen an einem noch nicht 20 Jahre alten Mäd­chen, in Betracht.

Große Strafkammer Gießen.

Anna B a e tz aus Freudenberg, ohne festen Wohnsitz, war des Rückfalldiebstahls beschuldigt. Sie hatte am 17. August 1938 in Vilbel eine Einkaufs­tasche, in Der sich Fleisch und Wurst sowie ein kleiner GelDbettag befanden, entwendet.

Die Angeklagte besttitt jegliche Schuld. Sie war seit dem Jahre 1908 mit kurzen Unterbrechungen im Gefängnis oder Zuchthaus und verbüßt zur Zeit wieder eine Zuchthausstrafe. Es wurden ihr die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht ausgesprochen. Die Angeklagte ist eine erblich belastete, haltlose, willensschwache Person. Sie stammt aus einer Trinkerfamilie. Aus ihrer wenig glücklichen Ehe gingen 20 Kinder her- oor. Mit den noch lebenden Kindern hat sie keiner­lei Verbindung. Durch die Beweisaufnahme wurde die Angeklagte überführt. Nach dem amtsärztlichen Gutachten rft sie auch voll verantwortlich.

Der Vertreter der Anklage beantragte eine Zucht­hausstrafe von einem Jahr sechs Monaten und aus dieser und Der Strafe, Die zur Zeit verbüßt wirb,

eine Gesamtzuchthausstrafe von zwei Jahren zu bilDen, Der Angeklagten Die bürgerlichen Ehrenrechte für Die Dauer von Drei Jahren abzuerkennen und Die Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Der Verteidiger war der Ansicht, daß Die Schuld nicht nachgewiesen fei, stellte aber für den Fall einer Verurteilung, mit Rücksicht auf den geringen Wert Der gestohlenen Sachen, Dem Gericht anheim, auf eine niedrigere Freiheitsstrafe zu erkennen.

Die Angeklagte wurde vom Gericht eines Dieb­stahls im wiederholten Rückfall schuldig gesprochen und als gefährliche Gewohnheitsverbrecherin unter Einbeziehung der durch Urteil des Amtsgerichts Frankfurt a. «Dl. vom 4. Oktober 1938 erkannten Zuchthausstrafe zu einer Gesamtzuchthaus- ftrafe von zwei Jahren verurteilt. Bei den im Urteil vom 4. Oktober 1938 ausgesprochenen Nebenstrafen (Aberkennung Der bürgerlichen Ehren­rechte) behält es sein Bewenden. Ferner wurde vom Gericht die Sicherungsverwahrung angeordnet.

Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Julius Weidmann in Köppern hatte sich wegen Be­trugs im Rückfall zu verantworten. Er hatte im Dezember 1938 und im Januar 1939 in Nieder- Efchbach von einem Dortigen Schreinermeister unter Der Vorspiegelung, er könne ihm Schnittholz ver­schaffen, das teilweise aus öffentlicher Versteigerung unD teilweise von Bauern stamme, Beträge von zweimal 50 Mark unD 10 Mark erschwinDelt.

Der Angeklagte, Der geständig war, hat wegen Eigentumsoergehens bereits ganz erhebliche Strafen (etwa Drei Jahre Gefängnis und Drei Jahre Zucht­haus) verbüßt. Der SachoerstänDige hält ihn für einen haltlosen, oerborbenen Menschen, auf den die Vorstrafen nicht Den geringsten EinDruck machen, aber für voll verantwortlich.

Der Bertreter Der Anklage beantragte, Den An­geklagten als gefährlichen Gewohnheitsverbrecher zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr sechs Mona­ten zu verurteilen, ihm Die bürgerlichen Ehrenrechte für Die Dauer von Drei Jahren abzuerkennen und die Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Der Verteidiger war der Ansicht, daß Der Ange­klagte kein Gewohnheitsverbrecher, fonDern ein halt­loser Mensch sei, unD stellte Dem Gericht anheim, von Sicherungsverwahrung abzusehen.

Der Angeklagte ist nach Dem Urteilsspruch des Gerichts fchulbig eines Betrugs im Rückfall uirb mürbe als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, unter Abzug von vier Monaten 19 Tagen Untersuchungshaft, sowie zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt. Dem An­geklagten wurden Die bürgerlichen Ehrenrechte auf Die Dauer von Drei Jahren aberkannt. Ferner wurde die Sicherungsverwahrung angeordnet.

Amtsgericht Gießen.

F. K. in Heuchelheim erhielt einen Strafbefehl über 20 RM. Er fuhr anfangs April, nachmittags 15K Uhr, auf Der als Stoppstraße gekennzeichneten Gqstenstraße nach Der Innenstadt, ohne anzuhalten. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wandte Der Ver­teidiger Des Angeklagten ein, daß Dieser täglich nur bis 14 Uhr nachmittags arbeite und Daher als Täter nicht in Frage kommen könne. Um inzwischen Die Sache aufzuklären, wurDe Die VerhanDlung auf nächsten Freitag vertagt.

Aus der engeren Heimat.

ßin Volkswagen beim Schotten-Rennen.

NSG. Anläßlich des RennensRund um Schot­ten" kommt ein KDF.-Wagen in unseren Gau und wird auf der Rennsttecke gezeigt. Es handelt sich Dabei nicht nur um Vorführ führten, sondern gleich­zeitig um Prüffahrten auf Der für Diesen Zweck he- anders geeigneten Strecke. Die normale Fahrweise wird gezeigt. Die Straßenlage, die Schleudersicher, heit und das Steigunasvermögen. Bereits am Samstag werden während des Dorrennens mehrere Fahrten durchgeführt. Am Sonntag fährt Der KdF.- Wagen kurz vor Beginn, des Rennens die Sttecke ab. WähreiÄ) des Rennens steht er an einer Stelle der Rennstrecke, wo gleichzeitig Handzettel verteilt werden, die nähere Auskünfte über Die technischen Einzelheiten geben. Zum Schluß des Rennens wird Der KDF.-Wagen bei der Neutralisierung Der Reun­tre cke noch einmal überall zu sehen fein. Durch Die Anwesenheit des KdF.-Wagens bei dem Rennen Rund um Schotten" ist allen motorinterefsierten Volksgenossen die Gelegenheit geboten, triefe deutsche Neuschöpfung kennenzulernen.

Von einem Auto angefahren.

* Langsdorf, 5. Juli. Auf Der Land­straße Langsdorf Hungen wurde gestern in der Garmarkung Langsdorf der hiesige Einwohner Willy Roth von einem Personen­auto aus Wölfersheim angefahren. Mit schweren Verletzungen mußte Der bedauerns­werte Mann nach Hungen in das Krankenhaus eingeliefert werden. Die Persönlichkeit des Auto­lenkers ist bekannt. Die Untersuchung über die Schuldftage ist noch im Gange.

Absturz in der Scheune.

In Lützellinden (Kreis Wetzlar) stürzte der 60 Jahre alte Landwirt Johannes Gerth, als er auf dem Boden seiner Scheune Heu holen wollte, in Die Tenne ab. Der bedauernswerte Mann erlitt dabei einen schweren Schädelbruch. dec chon nach kurzer Zeit seinen Tod herbeiführte.

In Gleiberg (Kreis Wetzlar) stürzte eben- alls in Der Scheune Der Landwirt Philipp Leib nfolge eines Fehltritts von einer Leiter ab. Mit einem O b e r sch e n ke l b r u ch mußte der bedau­ernswerte Mann von Der Bereitschaft Gießen des Deuffchen Roten Kreuzes nach Gießen in Die Klinik verbracht werben.

Unfälle auf dem Lande.

Die 65jährige Frau Maria Hauser von Wat- z e n b o r n - S t e i n b e r g zog sich durch einen un- glücklichen Sturz einen Unterschenkelbruch zu. Der Kraftfahrer von der Heidt aus Gatben- teich erlitt bei einem Unfall schwere Prellungen im Rücken, die seine fofortige Einlieferung in die Klinik nach Gießen notwendig machten. Dem 25- übrigen Bahnarbeiter Karl Apel aus Rödgen kürzte bei seiner Arbeit eine Kohlensäureftasche auf den Fuß. Der bedauernswerte Mann erlitt Dabei eine erhebliche Bruchverletzung. Die Eheftau Anna Gontrum aus Münster erlitt, als sie einen Wagen in Die Scheune schieden helfen wollte, einen Armbruch. Bei einem Autounfall stieß Die 30jährige Frau Maria Diehl aus Berstadt mit großer Wucht gegen Die Windschutzscheibe und erlitt Dabei schwere Prellungen und vchnittverletzunger^