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Nr. 154 zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Mittwoch. 5. Zuli 1939

Aus -em Reiche -er Krau

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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Kelch nur so gelöst werden, daß der Fruchtstengel in der Beere verbleibt. Entfernt man namlid) diesen keilförmigen Stiel zugleich mit den Blättern, fallen die Früchte zusammen. Sollen Birnen ihre reine weiße oder gelbe Farbe behalten, lege man die Früchte nach dem Schälen in kaltes Wasser, dem ein wenig Zitronensaft oder Essig beigefügt wurde. Früchte, die vor dem Kochen geschält werden sollen, lege man in ein Sieb, d'as man einige Augenblicke über Dampf hält; das Schälen geht dann leicht und sparsam vonstatten. Zum Ein füll en des Einmachegutes in Gläser stelle man diese auf ein in heißem Wasser ausgewundenes Tuch, damit sie nicht platzen. Die Gläser dürfen nach dem Waschen nicht ausgetrocknet werden, sondern werden zum Ablaufen der Tropfen umgestülpt aufgestellt. Beim Auswischen bleiben die Fäserchen des Tuches haften, die dann in den Glasinholt übergehen und ihn unter Umständen beeinträchtigen. Der Verschluß­rand der Gläser muß völlig trocken fein, damit die Gummiringe sich so luftdicht ansaugen können, wie es nötig ist, um die Haltbarkeit zu gewährleisten.

Die Reichsfrauensührerin hat sich mit ihrem Auf­ruf an olle Frauen und Mädel gewandt, ganz gleich, ob sie einer Organisation angehören oder nicht. Sie alle sollen die schwierige Loge kennen, die die Frau auf dem. Lande zu meistern hat. Jede Frau soll sich überlegen, wo sie helfen konn. Viele werden durch die eigene Familie oder durch an­strengende berufliche Tätigkeit nicht m der Lage sein, selbst auf dem Lande mit Hand onzulegen. Vielleicht ist es ihnen möglich, andere alleinstehende Frauen oder Mädel zu entlasten, die selbst aufs Land hinausgehen können. Oder sie nehmen der Landfrau Flick- und Stopfarbeiten ab, die während der Erntemonate sonst liegen blieben. Viele aber werden wenn sie sich ihre Zeit richtig einteilen, ein paar Nachmittage, ein Wochenende oder auch mehrere Tage oder gar Wochen frei machen kön­nen. Sie melden sich bei ihrer zuständigen Frauen­schaftsleiterin, die ihnen dann rnitteilt, wann und wo sie eingesetzt werden.

Vor allem soll die Landfrau im Haushalt entlastet und ihr die Sorge um die Kinder abgenommen werden. Während die Landfrau auf dem Felde arbeitet, da sie die Feldarbeit kennt und fie daher besser schafft als die ungeübte Städterin hält die Frau aus der Stadt den Haushalt in Ordnung, bereitet die Mahlzeiten vor und betreut die Kinder. Auch bei leichter Feld- und Garten­arbeit kann sie mithelfen. Mit Vertrauen begegnen die beiden Frauen einander denn jede kann ja von der anderen lernen und achtet das Tagewerk der anderen.Wir alle sind einer Mutter Kind", hat die Reichsfrauenführerin einmal gesagt,und diese Mutter heißt Deutschland". Ihr dienen wir in der selbstverständlichen Erfüllung unserer alltäg­lichen Pflichten. Sie ruft die Stadtfrau an die Seite der Landfrau niemand schließe sich aus, den die­ser Ruf erreicht und dem er gilt.

Dorothea Thimme.

Drei K i n d e r k l e i d e r in Rot-Weiß und zwei Mäntel aus Leinen haben wir heute skizziert. Das Kleidchen links besteht aus einem Miederfalten- rorf aus weißem Leinen und einem rot-weiß-karier- ten Blüschen mit weißer Zackenlitze und Perl­mutterknöpfen. Das Kleid in der Mitte hat einen in vier Teilen geschnittenen Glockenrock mit aufgesetzten Taschen und am Blüschen rot-weiße Stickereiftreifen, die geknotet auch den Gürtel und das Halsbündchen ergeben.

Was ist beim Obsteinmachen zu beachten...

an Zucker gespart, besteht die Gefahr, daß es nicht starr wird. Für Marmelade genügt Vs Kilo Zucker auf 1 Kilo Früchte. Keine zu lange Kochzeit, wo­durch wertvolle Geschmacks- und Nährstoffe zerstört werden. Auch zu langes Mitkochen des Zuckers ver­meide man, der dabei leicht karamelliert, d. h. braun wird. Die Farbe der Erdbeeren wird durch Ver­wendung von Rotzucker oder einer Beigabe von dunklem Kirschsaft erhalten. Früchte, die zu Saft verarbeitet werden, müssen durch Beschweren unter der Flüssigkeit gehalten werden. Kompottobst ist bei 80 Grad 25 bis 30 Minuten zu sterilisieren. Für den beliebten Rumtopf, in den alle Früchte des Jahres nacheinander eingelegt werden, nur aller­bestes Obst, besten Rumverschnitt oder reinen Alko­hol nehmen. Auch diese Früchte sind durch Be­schweren unter dem Saft zu halten, sie müsien täglich mit einem Silber- oder Porzellanlöffel um­gerührt werden; der Topf muß im Dunkeln stehen.

Bei den einzelnen Früchten ist folgendes zu be­achten: Stachelbeeren platzen nicht beim Kochen, wenn man sie am Stiel- oder Blütenende ein wenig einschneidet. Bei Erdbeeren darf der

Mit dem Reifwerden von Rhabarber und Stachelbeeren beginnt die Einmachzeit. Erd­beeren, Johannisbeeren, Kirschen, Pfirsische,Pflaumen und endlich e p f e [ un- Birnen folgen. Daneben die Fülle der Wildfrüchte: Holunder, Preiselbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Hagebutten und Schlehen all dieser Segen soll verwertet und für den Winter, haltbar gemacht werden. Die verschiedenen Früchte können auf die verschiedenste Weise Verwertung finden: als Gelee oder Marme­lade geben sie Brotaufstrich, als Säfte werden' sie zu Getränken und Puddings verwendet, zu Süß­most verarbeitet ersetzen sie alkoholische Getränke. Für das Gelingen des Einmachgutes in seinen ver­schiedenen Arten hat man einige Voraussetzungen zu beachten. Schnelles, sorgfältiges Arbeiten und peinliche Sauberkeit ist die erste Bedingung. Gute Einmachgläser, zweckmäßige Verschlüsse und ein­wandfreie Aufbewahrung gehören ebenfalls zu den Voraussetzungen. Beim Einmachgut selbst 'st zu beachten, daß nur reifes, festes Obst sich zur Her­stellung oon Gelee eignet, weiche Früchte sind zu Marmelade zu verarbeiten. Wasserreiche Früchte, wie Rhabarber und Erdbeeren, kann man auch trocken mit Zucker einschichten. Beim einzukochenden Obst richtet sich die'Menge des Zuckers nach der Art des gewünschten Fertigerzeugnisses: für Gelee rechnet man je Kilo Saft ein Kilo Zucker; wird

Koffer packen, ein Vergnügen.

Meist find die Koffer schon beim letzten Hausputz gründlich mitgereinigt worden. Sie stehen bereit zum Packen. Für diejenigen, die es versäumten, schnell eine Anleitung zur Reinigung des Kof­fers: Das Innere des Koffers wird zunächst gut ausgestäubt, Stoffutter ausbürsten. Die Außen­wände behandelt man erst mit einem fest ausge­drückten Leder. Alsdann reibt man sie am besten mit einer farblosen Schuhcreme ein, bürstet und po­liert sie tüchtig. Ist ein Koffer sehr abgestoßen und hat man keine Zeit mehr, um ihn ganz aufzu­färben, nimmt man für die abgestoßenen Stellen eine farbige Creme. Aber darauf achten, daß gründlich nachgerieben wird. Zu leicht färbt sonst beim Tragen die Kleider oder der Mantel.

Das Kofferpacken selbst ist eine Kleinigkeit, wenn man alles gut vorbereitet hat. Die reise- gewohnte Frau beginnt also nicht eher.mit dem 'Einpacken, bis die Kleider ausgewählt, die Wäsche­stücke nach Stückzahl bestimmt sind und alle die Kleinigkeiten bereit liegen, die manvielleicht" doch noch mitnimmt. Diese Ueberlegungen nehmen die längste Zeit in Anspruch. Dabei ist natürlich ent­scheidend, wie lange man reisen will, ob ins Ge­birge oder an die See, ob man sich an einem Ort fcstsetzt oder dauernd herumreist und sich damit auf das Notwendige an Gepäck beschränken muß, ob man in größter Zurückgezogenheit leben will, oder ob man in einen Kurort geht, woetwas los ist . Etwas Kopfzerbrechen erfordert auch die Berücksich­tigung des Wetters.'Es genügt nicht, daß man z. B. im schönen Monat Juli verreisen will, und daß die Wetterwarteschön und marin" angegeben bat. Eine gute Frau und Mutter sorgt für alle Möglichkeiten vor, auch für Kälte und 'Regentage. Man vergesse darum niemals einen warmen Anzug ober ein Wollkleid, einen wollenen Pullover, warme Strümpfe, einen Regen- oder Lodenmantel ober zumindest ben Regenschirm Auch der wollene warme Frühjahrsmantel sollte nicht zu Hause bleiben. Man braucht ihn nicht zu verpacken, sondern nimmt ihn, da man ja unterwegs doch das praktische Reisekostüm anzieht, über den Arm. So hat man auch gleichzeitig im Eisenbahnabteil eine weiche Rückenlehne.

Während bei dem Umfang der Herrenanzüge jedes einzelne Stück sehr überlegt sein will, können wir Frauen mit unseren modernen Kleidern, die ja wirklich keinen Platz wegnehmen, ruhig etwas groß- zügiger sein. Bei den Wäschegarnituren rechnet man \ gewöhnlich pro Person ein Mal pro Woche. Ader ; die reifeerfahrene Frau nimmt für jedes Familien- [ Mitglied noch ein Mal Wäsche extra mitfür alle 1 Fälle", was bei übergroßer Hitze oder Krankheit l immer einmal in Anwendung kommen kann. Ganz : falsch ist es, an Strümpfen, Taschentüchern und i Schuhzeug zu sparen. Letzteres muß natürlich vor allem bequem sein. Für alle eingepackten Gegen-

Warum helfenwir der Landfrau? i

Es gab eine Zeit in Deutschland, in der die Men- ! schen aneinander vorbeigingen, ohne die Not und ] die Sorge, ohne Freud und Leid auf dem Gesicht ] des anderen zu beachten. Ein jeder schaute vor sich . hin und kannte nur die Last, die ihm selbst aufge- ; geben war. Heute sind wir endlich wieder dabei, ein- ; ander kennen zu lernen, heute rücken ro 1 r näher zusammen; denn wir wissen, daß^ das Schicksal des einen auch den anderen trifft, ötabt . und Land sind nicht mehr getrennt. Wenn der Bauer nicht mehr stark ist, kann auch der Städter kein gesundes Leben führen und wenn die Men­schen in der Stadt nicht in geordneten Arbeits- verhältnissen leben, fehlen den Menschen auf dem Lande notwendige Voraussetzungen für einen lei­stungsfähigen bäuerlichen Betrieb. Wir sind a u f - einander angewiesen und wollen Sorgen gemeinsam tragen. .

In diesen Sommermonaten gehen un|ere Gedan­ken zu den Menschen auf dem Lande. Dies Erntearbeiten stellen höchste Anforderungen an die Landbevölkerung. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend muß jeder sein Letztes drangeben, da­mit nichts auf dem Felde umkommt und die Nah­rungsmittel für den langen Winter geborgen wer­den In diesem Jahr fehlt es wieder an den not­wendigen Hilfskräften auf dem Lande deshalb müssen die Menschen aus den Städten emfpnngen. Auch an die deutschen Frauen und Mädchen erging di« Aufforderung sich zur Verfügung zu stellen. Viel ist schon von der Ueberlastung der Bäuerin gesprochen, der in Haus, Hof, Garten und Feld un­zählige Pflichten ouferlegt sind. Jetzt können die Frauen und Mädel in den Städten zeigen, daß sie diese Not nicht nur kennen, sondern auch bereit sind, ihren Kameradinnen auf dem Lande tätige Hilfe durch ihrer Hände Arbeit zu brin- g e n. Die Bäuerin soll wissen, daß fie nicht allein ist, sondern daß die Gemeinschaft der Frauen für sie eintritt, wenn sie allein nicht fertig wird.

füllen von Fleischtunken, für Salate, in den Hefe­teig oder zu Auflaufen. Oft verleiht sie dann solchen Gerichten erst den richtigen Geschmack. Nur darf man nicht zuviel daran geben, damit der @e|d)niatf der Speise nicht verloren geht. Ist viel iaure Muck) vorhanden, dann läßt fid) eine sehr schone Nach­speise Herstellen. Man schlagt unter die Milch Zitronensaft, Zucker und etwas Fruchtsaft Aus 1 Liter Flüssigkeit rechnet man 12 Blatt Gelatine, 1/2 weiß V2 rot, die eingeweicht und in ganz wenig kochendem Wasser aufgelöst und gut mit der Milch verrührt wird. Man stellt die Speise zum Steis- werden kühl. Nicht abgekochte, saure Milch laßt man d i ck werden und ißt sie zu Schwarzbrot und Obst oder Kartoffeln. Sehr fest gewordene Milch gießt man auf ein Seihtuch, läßt die Molke abtrop­fen und verwendet den Ouarg dann zu einem Quarggericht oder als Brotaufstrich. _____

Unsere Milch darf nicht sauer werden.

Die Milch gerinnt nicht während des Sommers, wenn man folgendes beachtet: Es müssen alle Ge­fäße und Flaschen, in denen sie beim Händler ye- bolt wird, peinlich sauber und irisch sein. Bevor die Milch zum Kochen in einen Topf gesuut wird, empfiehlt es sich, diesen mit k a l t e m, s r l - schen Wasser auszu spulen. Das Anbren­nen der Mild) wird somit verhindert. Sie wird so­fort abgekocht und erkaltet tn kühles Waf­er gestellt, das oon Zeit zu Zeit erneuert werden muß, da es allmählich die Zimmertempe­ratur annimmt. Wie vielen Hausfrauen passiert es, daß die Milch in der warmen Jahreszeit sauer wird, weil sie nicht sofort abgekocht oder kühl gestellt wurde. U n b r a u ch b a r i st s l e d e s h a l b nicht Man kann sie noch verwenden zum Auf-

Das 8-Bahnenkleid rechts hat den Nahten auf­gesetzte schmale Blenden aus rotem Leinen, die sich geknöpft an den Aermeln und geknotet als Gürtel wiederholen. Knöpfchen: weißes Leinen.

Der Mantel aus dickem Seinen mit der Paffe und den 2 Falten (vorne wie im Rücken!) hat auf­gesetzte Taschen, große Leinenknöpfe, einen kleinen Pubikragen und breit abgesteppte Nähte. In Prin­zeßform ist der Mantel rechts aus feinerem Seinen geschnitten. Er hat Perlmutterknöpfe und einen hinten gebundenen Gürtel.

Ferien zu Sause.

-Dieses Jahr bleiben wir zu Hause", hat Vater verkündet. Zuerst sind alle ein wenig unglücklich, aber dann hat Mutti plötzlich die Zauberformel ge­funden:Kinder, Ferien zu Haus wird herrlich! Und nun macht Mutti ein Programm. Naturlid) muß vom ersten Ferientage an über dieser ganzen Zeit etwas Festliches, etwas Besonderes liegen. Das fängt schon mit dem blumengeschmückten Früh- stückstisch auf dem 'Balkon an. Außerbern gibt es natürlich in den Ferien schon zum Frühstück für jeden einmal etwas Besonderes, vielleicht eine Mar­melade, die Mutter sonst nur für die Gäste spendiert.

An schönen Tagen sind die Festprogramme natür­lich unerschöpflich, und jeder darf vorschlagen, Wünsche äußern es ist einfach herrlich. Es ist natürlich, daß man bei solchen Ferienausflugen solche Orte meidet, wo alles hingeht. Das Schöne ist ja gerade, daß man so ungebunden drauf los wandern kann. Und wenn man sich wirklich einmal ein bißchen verläuft ober babei einen Umweg macht, es ist ja nicht fd)Iimm, benn bie Kinder haben ja Ferien. Und es gibt nichts Schöneres, als wenn die Kinder auf solchen Wanderungen durch die Na­tur das Seb en der Pflanzen und Tiere, ihre Namen und all die Wunder der Welt spielend kennenlernen. Aber die Betonung liegt eben aufspielend". Nur feine mütterlichen ober väterlichen Kollegs. Die Mutter braucht sich übrigens gar nicht darüber auf­zuregen, wenn sie eine Frage ihrer Kinder nicht be­antworten kann. Sie ist ja kein wanderndes Natur­kundemuseum. Es macht ja auch so viel Spaß, gemeinsam mit seinen Kindern zu Hause die gesam­melten Pflanzen an Hand von Büchern zu enträt­seln und einzuordnen. Bei solchen Wanderungen muß Mutter auch schon mal in den Ferien beide Augen zudrücken können, wenn abends auf dem frisch gescheuerten Küchentisch schmutzige Steine und Pflanzen ausgepackt werden, ober wenn sie plötzlich die langentbehrten Einmachgläser voller Frösche und Stichlinge wieberfinbet. Es sind ja Ferien!

Das Wichtigste aber in diesen Ferien zu Hause ist dasf ür-einand er-Zeit-h oben". Es ist ja wirklich nicht welterschütternd, daß die Hand­arbeit fertig wirb, wenn Mutter doch nun einmal unbedingtmit dabei fein muß". Und sich aalen kön­nen, einmal recht von Herzen ausschlafen unb was all der Freuden mehr sind, die man ben Sei­nen in diesen Ferientagen antun kann, ganz abge­sehen von all ben Sieblingsspeisen, die in dieser herrlichen Zeit auf den Tisch kommen? Unb da soll noch einer sagen: Ferien zu Hause wären nicht schön sie sind sogar wunderschön!

KlNDERKlEiDEk UND HANTEL IN ROT-WEISS