Nr. 128 Erstes Matt
189. Jahrgang
Montag, 5. Juni 1939
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Der Führer bei den alten Soldaten in Kassel.
Die ganze Nation unter heroischer Führung ist soldatisch.
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Unser Bild zeigt die Karlswiese mit den angetretenen 300 000 alten und jungen Soldaten vor dem Führer. — (Scherl-Bilderdienst, Berlin.)
Kassel, 4. Juni. (DNB.) Die ^urhessische Gau- hauptstadt, die Stadt der R e i ch s s o l d a t e n - tage, erlebte heute den schönsten und stolzesten Tag ihrer ruhmreichen Geschichte. Sie sah den Führer in ihren Mauern, sie hörte ihn sprechen zu den Soldaten des Weltkrieges, zu den Männern und Frauen des nationalsozialistischen Deutschland, zu den Waffenträgern des Großdeutschen Reiches. Nicht weniger als rund 300 000 Mann des NS.-Reichskriegerbundes sind nach Kassel gekommen, und sie haben die hohe Freude, heute den Führer bei sich zu sehen.
Gegen 10 Uhr war der Führer auf dem Flughafen Kassel-Waldau eingetroffen. Ein Meer von Flaggen überflutet die Stadt und gibt ihr ein unendlich farbenprächtiges Aussehen. Auf der Karlswiese sind in gewaltigem Block die ehemaligen Frontkämpfer angetreten. Tausende von Fahnen wehen über ihren Häuptern. Neben den Männern im blauen Rock des Reichskriegerbundes sieht man viele in Trachten, so die Tiroler Standschützen, die Kärtner, die Steiermärker, die Sudetendeutschen usw. Hunderttausende umsäumen das Feld und bereiten den Männern des Reichskriegerbundes einen begeisterten Empfang. 30 000 Menschen füllen allein die großen Tribünen, die drei Seiten des Platzes umsäumen.
Auf der Ehrentribüne sind die Vertreter des Staates, der Wehrmacht und der Partei anwesend. Gauleiter Weinrich, Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen und Oberbürgermeister Dr. Lahmeyer sind an der Spitze der Parteiführerschaft und der Behörden aus der festlichen Stadt erschienen. Man sieht den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h. c. Raeder, den Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst v. Brauchitsch, den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, läßt sich vertreten durch Generalmajor Bodenschatz. Man sieht ferner den japanischen Botschafter General Oshima mit sämtlichen Attaches der japanischen Botschaft, den italienischen Militärattache General Marras, General Rossi, den Präsidenten der italienischen Frontkämpfervereinigung und zahlreiche hohe italienische Offiziere.' Ungarn ist vertreten durch den Militärattache Oberst Dr. Hardy und mehrere führende Männer des ungarischen Frontkämpferverbandes. Als Vertreter Spaniens sieht man den bekannten General Queipo de Llano mit dem Militärattache Roca- mora und mehreren militärischen Begleitern. Bulgarien und die Slowakei haben ihre Militärattaches und ebenfalls Männer der Frontkämpfervereinigungen entsandt. Aus Finnland ist eine besonders starke Abordnung erschienen. Auf der Tribüne sieht man 14 finnische'Offiziere und Soldaten. Mehr als 200 ehemalige Lockstedter Jäger und Freiwilligenkämpfer werden später am Vorbeimarsch an dem Führer teilnehmen.
Um 10.25 Uhr trifft der Führer auf der Karlswiese ein. Als er die von der Straße zur Wiese führende Treppe herabschreitet, ist er all den Hundert- tausenden, die hier versammelt sind, sichtbar. Unaufhörlich klingen die Heilrufe auf und hallen weithin über die Stadt. Zur Ehrung des Führers senkt der NS.-Reichskriegerbund die Fahnen. Die Ehrenkompanien präsentieren.
Der Reichskriegersührer
General der Infanterie ^-Gruppenführer Reinhard begrüßt den Führer mit einer Ansprache, in der er u a. sagt: Wir sind glücklich und stolz. Ihnen, mein Führer, heute ins Auge sehen zu dürfen. In unserer aller Erinnerung lebt noch das gemeinsame Fronterlebnis, an dem Sie, mein Führer, wie wir, teil- genommen höben, und wir sind stolz darauf, daß der Schützengrabe ngei st im Nationalsozialismus seine Fortsetzung gefun- d e n hat.
Es ist nicht Soldatenart, viele Worte zu machen, aber danken möchten wir.Jhnen, mein Führer, an dieser Stelle für all das, was Sie in unserem Vaterlande geschaffen haben. Die Fesseln von Versailles sind abgeschüttelt, stolz ist das Volk auf die wiedererlangte Wehrhoheit und auf die junge Wehrmacht, die dem deutschen Volke Achtung in der Welt verschafft. Den Traum aller Deutschen, biq Menschen, die die deutsche Sprache sprechen und die deutschen Blutes sind, zu vereinen, sehen wir in Erfüllung gehen. Heute wissen wir, daß diegroßenOpfer desWeltkriegesnichtumson st gebracht worden sind. Das, wofür die deutschen Soldaten im Weltkriege ihr Leben gelassen, hat die Erfüllung gefunden, und dies mit Ihrer Tat, mein Führer!
Würdig und soldatisch ist die jetzt folgende Totenehrung. Die Fahnen senken sich. Verhalten klingt das Lied vom guten Kameraden über den Platz. Dann sagte der Redner u. a.: Und nun weiter: zu euch Kameraden! Mit dem Befehl unseres Führers, alle ehemaligen Soldaten im N S. - R e i ch s k r i e g e r b u n d z u s a m m e l n , ist unser größter Wunsch in Erfüllung gegangen. Damit ist jede Zerrissenheit unter uns ehemaligen Soldaten beseitigt und die Trennung von Vater und Sohn aufgehoben.
Als ganz besondere Auszeichnung haben wir es alle empfunden, daß der Bund unter den unmittelbaren Befehl des Führers gestellt ist und daß aus dem alten Kyffhäuserbund der natto- nalsvzialistische Reichskriegerbund heroorgegangen
ist. Das mit diesen Anordnungen bekundete Vertrauen des Führers legt uns allen — insbesondere aber den Gliederungsführern des Bundes — ernste Pflichten auf.
Der NS.-Reichskriegerbund ist feil Generationen mit Volk und Familie verwurzell; er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Volksbund. Der Bund kann aber nur dann zum Nutzen für Volk und Bewegung geführt werden, wenn feine Führer die Fragen des nationalsözialistifchen Staates erkennen und die Entscheidungen aus ganzem Herzen bejahen. Deshalb legen wir besonderen Wert auf engste Zusammenarbeit mit der Partei.
Wir haben mit unseren Erfahrungen die Verpflichtung, Staat, Partei und Wehrmacht in ihren Aufgaben überall dort zu unterstützen, wo man unsere Hilfe braucht. Man wird sie gern fordern, wenn in unserem Bunde wie bisher die soldatische^ Tugenden: Wehrgeist, Disziplin und Kameradschaft, weiter gepflegt werden. Die Truppenteile der neuen Wehrmacht haben die Tradition der Regimenter des alten ruhmreichen deutschen Heeres erhalten, sie sollen die Erinnerung an die Taten dieser Truppenteile aus früheren Kriegen — besonders aus dem Weltkriege — pflegen und wacherhalten. Diese Erinnerung nehmt auch ihr mit in euer privates Leben und tragt sie hinein in euere Familie. Die Frontkameradschaft ist die Geburtsstätte des Nationalsozialismus geworden, und deshalb können wir auf die Pflege echter Kameradschaft nicht genug bedacht sein. Daß wir in engster Kameradschaft mit der aktiven Truppe leben müssen, ist selbstverständlich. Aber wir müssen auch in gleicher Weise Kameraden sein gegenüber der Partei und ihren Gliederungen. Kameraden müssen wir auch ganz besonders der Jugend gegenüber sein. Ihr mußt den Weg zum Herzen der Jugend finden und in ihr Verständnis für unser Ftanterlebnis erwecken.
Die Jugend soll wissen, daß ein Krieg kein Spaziergang ist, sie sott ober auch wissen, daß jeder Deutsche, wenn der Führer ruft, sein Letztes für das Vaterland einsehen muh. hierfür bildet die heroische Haltung des deutschen Soldaten im Weltkriege und die gleiche Haltung der Freiwilligen aus der jungen Wehrmacht bei den Kämpfen in Spanien ein mustergültiges Beispiel, das zur Nacheiferung aneifern soll.
Wir leben in einer herrlichen, großen, aber auch ernsten Zeit. Deutschland ist umgeben von Neid und Mißgunst. Wenn es.den Platz unter der Sonne sich erhalten will, dan muß jeder Mann und jede Frau, jeder Junge und jedes Mädel willens sein, für des Vaterlandes Größe und Macht und für den Erhalt des deutschen Volkes alles einzusetzen. Niemand' wünscht sich einen Krieg, denn in unser aller Erinnerung lebt noch der Weltkrieg, der vor 25 Jahren begann. Wir Frontsoldaten sind dem Führer von Herzen dankbar, daß er bei all den Taten, die zur Schaffung des Großdeutschen Reiches führten, uns den Frieden erhalten hat. Wenn uns aber von verantwortungslosen Kriegshetzern unser Lebensrecht bestritten wird, bann, mein Führer, sollen Sie wissen, baß Ihre alten Frontkameraben aus bem Weltkriege unb bie Soldaten, die aus der jungen Wehrmacht entlassen sind unb in unseren Reihen stehen, bereit sinb, ihr Letztes,, ihr Leben, für bie Erhaltung von Deutschlands Macht unb Größe hinzugeben. Im bedingungslosen Vertrauen werden wir Ihrem Befehl, mein Führer, stets folgen.
Im Namen aller ehemaligen Soldaten, die vereint im NS.-Reichskriegerbund marschieren, bitte ich Sie, mein Führer, das Wort zu ergreifen.
Der Führer spricht.
Meine Kameraden!
Es ist zum ersten Male, daß ich nn einem Reichskriegertag teilnehme, das erste Mal, daß ich zu euch, ehemalige Soldaten der alten und auch neuen Wehrmacht, spreche!
Der Reichskriegerführer des NS.-Neichskrieger- bundes, Kamerad Reinhard, hat mich in eurem Namen begrüßt als einen Soldaten des Weltkrieges und als den Führer und
Berlin, 4.Juni. (DNB.) Nachdem Prinzregent Paul und Prinzessin Olga von Jugoslawien am Samstagmittag Gäste des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop und Frau im Neuen Palais in Potsdam gewesen waren, am Nachmittag zu einem Teeempfang bei Neichsminister Dr. Goebbels unb Frau in Schwanenwerber geweilt hatten unb am Abend in Anwesenheit bes Führers an einem Abendessen, bas ber Reichsminister bes Auswärtigen unb Frau von Ribbentrop im Hotel Kaifer- hof gaben, teilnahmen, würbe ber Prinz regent am heutigen Sonntagvormittag im Schloß Bellevue von Generalfelbmarschall Göring zum Besuch bes Richthofen-Geschwabers in Döberitz und anschließend der Luftkriegsakademie und Luftkriegsschule in Gkttow abgeholt.
Nachdem in Döberitz der hohe Gast zusammen mit bem Generalfelbmarschall unter ben Klängen ber jugoslawischen Nationalhymne die Front ber Ehrenformation abgeschritten hatte, besichtigte ber Prinz- regen t Flakgeschütze verschiebenen Kalibers sowie Kampf- unb Aufklärungsflugzeuge der verschiedenen in der deutschen Luftwaffe geflogenen Muster. Die Erläuterungen gab Generalfeldmarschall Goring persönlich, dessen Worten ber Prinzregent mit größtem Interesse folgte. Inzwischen waren Jagbflug- zeuge des Richthofengeschwaders gestartet, um durch exakt ausgeführte Uebungen Proben ihrer hohen fliegerischen Ausbildung zu geben.
Nach einer kurzen Besichtigung der Unterkunftsräume im Fliegerhorst ging die Fahrt weiter zur
Kanzler des deutschen Volkes uni) Reiches. In beiden Eigenschaften möchte ich diesen Gruß nun erwidern. Als Führer grüße ich euch in Vertretung des deutschen Volkes, namens all der Millionen deutscher Menschen, die mir nicht nur auf Grund eines verfassungsmäßigen Rechtes, sondern als Ausdruck ihres Vertrauens bas Schicksal ihres eigenen Lebens unb bamit bas Schicksal bes Reiches anoertraut haben. Das beutsche Volk ist gerabe in biesem Jahr von bem Gefühl des heißen Dankes beseelt gegenüber jenen, die einst bie schwerste und edelste Pflicht erfüllten. Als alter Soldat aber grüße ich euch mit der Empfindung der Kameradschaft, die sich im tiefsten Sinne nur dem eröffnen kann, der im Kriege die edelste Verklärung dieses Begriffes erlebte. Denn nur dem erschließt sich der herrliche Sinn einer männlichen Gemeinschaft am ergreifendsten, der sie unter dieser härtesten Erprobung des Mannesmutes und ber Mannestreue sich bewähren sah.
Wenn ich nun heute zu Ihnen, meine Kameraden, spreche, dann erlebe ich in der Erinnerung auch selbst wieder die Gewalt jener Zeit, die nunmehr ein Vierteljahrhundert hinter uns liegt und bie besonders die Soldaten des alten Heeres einst als die größte Ihres eigenen menschlichen Daseins empfunden haben und die sie auch jetzt noch immer in ihrem Banne bezwungen hält.
Fast 25 Jahre liegen hinter uns seit jenen uns alle auch heute noch auf das gewaltigste packenden Wochen, Tagen und Stunden, da das deutsche Volk nach einer langen, friedlich behüteten Zeit des Auf. stieges gezwungen war, für sein Dasein ein- z u t r e t e n. 20 Jahre aber sind vergangen, da man uns nach einem beispiellos heldenhaft geführten Widerstand jenes Diktat aufzwang, das in der Theorie bestimmt sein sollte, der Welt eine neue Ordnung zu schenken, und bas verflucht war, in der Praxis jede vernünftige, auf der Anerkennung natürlichster Lebensrechte basierende Ordnung zu zerstören.
Was haben diese 5 Jahre von 1914 bis 1919 an schicksalhaft Großem, Erschütterndem unb Erniedrigendem für unser Volk gebracht? Welches Leid war die Folge unseres Zusammenbruchs, in welche Tiefen der Demütigung, Entehrung und Not wurde Deutschland geworfen! Wie gewaltig i ft aber auch ber Wandel, der das zum Untergang bestimmte Reich am Ende doch noch aus dieser beabsichtigten Vernichtung zurückriß und einem neuen Aufstieg entgegenführte, von dem mir glauben, daß er besser unb vor allem dauerhafter fundiert sein wird als irgendein ähnlicher Vorgang in unserer früheren deutschen Geschichte. Wenn Soldaten zusammenkom-
Luftkriegsschule in Gatow, deren Anlagen ber Kommanbeur, General ber Flieger Schulz, bem Gast bes Führers erläuterte. Unter Führung bes Kommandeurs traten sodann der Prinzregent unb Generalfelbmarschall Göring einen längeren Gang durch bie ausgedehnte Anlage ber Kriegsschule an, wobei bie Gemeinschaftsräume mit besonderem Interesse in Augenschein genommen wurden. Prinzregent Paul hatte hier auch Gelegenheit, die Kriegsschüler bei ihrer sportlichen Ausbildung, beim Geräteturnen, Boxen, Schwimmen und beim Fußballspiel zu beobachten. Der militärische Teil der Besichtigungsfahrt faiid gegen mittag mit einem Rundgang durch bie Luftkriegsakabemie in Gatow ihr Ende.
Im Kasino ber Luftkriegsakabemie war inzwischen Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Olga, begleitet von Frau Emmy Göring, eingetroffen. Hier speisten bie Königlichen Hoheiten mit ihrem Gefolge zusammen mit Generalfelbmarschall Göring unb Frau Göring in einem kleinen Kreise ber Generalität ber Luftwaffe.
Am Nachmittag begaben sich Prinzregent unb Prinzessin Olga sowie Generalfelbmarschall Göring und Frau Göring zusammen mit ihrer näheren Umgebung auf bie Pacht „Karin II.", um über bie Havel bei schönstem Segelwetter die Glienicker Brücke zu erreichen.
Am Sonntagabend gaben zu Ehren des. hohen Besuchs Generalfeldmarschall Göring und Frau Göring in der Goldenen Galerie des Charlottenburger Schlosses einen Abendempfang.
Prinzregent Paul und Generalfeldmarschall Göring schreiten die Reihen ber ausgestellten Flugzeuge des Jagdgeschwaders Richthofcn in Döberitz ab. — (Scherl-Bilderdienst, Berlin.)
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Prinzregent Paul in Döberitz und Gatow.
Mit Generalfelbmarschall Göring bei der Lustwaffe.


