Ausgabe 
5.5.1939
 
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Parade am polnischen Nationalfeiertag Schmährufe auf Deutschland ausbrachten undbas polnische Danzig und polnische Ostpreußen" hochleben ließen. Die französische Position zu dem Danziger Problem sei klar: Die erneute Versicherung des französischen Außenministers, dem polnischen Botschafter gegen­über, lasse keinen Zweifel über die französische Hal­tung aufkommen Der dem Quay d'Orsay nahe­stehendePetit Parisien" hält es für erforderlich, erneut zu behaupten, die Aufrechterhaltung des Freistaates Danzig und der polnischen Rechte auf dieses Gebiet sowie die' polnische Souveränität über das gesamte Korridorgebiet gehörten zu den Lebensinteressen des französischen Bundesgenossen in Osteuropa. Man wisse in Warschau, daß Polen in Verteidigung dieser Lebens­interessen in absoluter Form a u f den totali­

tären Bei st and Englands und Frank­reichs rechnen könne, aber London und Paris würden Polen nicht daran hindern, mit Deutschland einen Boden der Verständi­gung zu suchen, wenn die polnische Nation es wünsche

Die außenpolitische Mitarbeiterin desOeuvre meint, bezüglich des Korridors werde Beck zwar den Bau einer Autostraße ablehnen, dafür aber die Abschaffung aller Zollformalitäten vorschlagen. Im Zusammenhang mit dem Artikel Marcel Deals, der gestern imOeuvre" erklärte, die Franzosen wollten nicht für Danzig fallen, unter­streicht der Leitartikel desOeuvre", daß diese Stel­lungnahme eine schwerwiegende Debatte einleiten werde. Uebrigens sei dasOeuvre" auf Grund die­ses Artikels in Polen verboten worden.

Ungarns außenpolitischer Kurs.

nachbarliche Verständigung mit Rumänien und Jugoslawien angestrebt.

Budapest, 4. Mai. (Europapreß.) Außenmini­ster Graf C s a k y erstattete im Außenausschuß des Abgeordnetenhauses über die Besuche der unga­rischen Staatsmänner in Rom und Berlin so­wie über die allgemeine außenpolitische Lage einen Bericht, worüber am Donnerstagabend eine aus­führliche amtliche Mitteilung veröffentlicht wurde. Darin heißt es, Graf Csaky habe vor allem auf den freundschaftlichen Empfang hingewiesen, der von den Achsenmächten den ungarischen Staats­männern zuteil geworden sei. Bei den Besprechun­gen habe es sich herausgestellt, daß die Auffassungen der Achsenmächte mit denen der ungarischen Politik übereinstimmten. Was sie wollten, sei ein dauer­hafter und gerechter Friede. Ungarn suche eine vernünftige Verständigung mit Ru­mänien und eine aufrichtige Freundschaft mit Jugoslawien. Zn dieser Richtung liege das Angebot an die rumänische Regierung auf den Abschluß eines Minderheiten Abkom­mens. Ein solches Abkommen würde manche Hin­dernisse beseitigen, die einer Annäherung noch im Wege stünden. Auch die befreundeten Achsenmächte wünschten aufrichtig, daß Ungarn sich seinen beiden südlichen Nachbarn annähere, wenn sie auch nicht einmal in Form von Ratschlägen sich in diese Fragen eingemischt hätten. Ueber die Beziehungen zur Slowakei äußerte der Minister sich dahin, daß er den früheren, freundschaftlichen Erklärungen der ungarischen Regierung nichts hinzuzufügen habe. Zum Schluß betonte der Außenminister, Ungarn stütze sich zunächst auf seine eigene Kraft, daneben aber auch auf die natürliche Unterstützung durch seine Freunde und könne so seine friedliche^ Aufbau­arbeit ruhig und auf längere Sicht in Angriff nehmen.

Die Lösung der kroatischen Frage.

Belgrad, 4. Mai (Europapreß). In der Lö­sung der kroatischen Frage ist wieder eine Ver­zögerung eingetreten. Der Vertrauensmann Matscheks, Abgeordneter Sudaschitsch, kehrte nach Verhandlungen mit dem Prinzregenten Paul und dem Ministerpräsidenten Z w e t k o -

witsch am Donnerstag nach Agram zurück. Man nimmt an, daß Subaschitsch gewisse Gegenvor­schläge mitgebracht hat. Es ist nicht ausge­schlossen, daß die Verständigung erst nach der Rück­kehr des Prinzregenten Paul aus Rom erfolgt.

Gafencus Sefuch in Rom.

Rom, 4. Mai (Europapreß). Zum Abschluß über die römischen Besprechungen des rumänischen Außenministers G a f e n c u schreibt Gayda im halb­amtlichenGiornale d'Italia", die Besprechungen hätten mit aller wünschenswerten Deutlichkeit die aemeinjamen Interessen Italiens und Rumäniens und ihre Uedereinftimmung mit den Grundsätzen der Achse hervortreten lassen. Es könnten noch Schwierigkeiten bei der Klärung der Beziehungen Rumäniens zu anderen mitJta- lien befreundeten Donau ft aalen zu überwinden sein; aber auch diese würden allmählich im Geiste einer Interpretierung der gegenseitigen Jntressen im Hinblick auf die Zukunftsaussichten ausgeräumt werden. Auf diesem Wege seien die Besprechungen Gafencus mit Mussolini und Graf Ciano ä u ß e r st befriedigend gewesen als Beitrag zu einer weitherzigen Prüfung und zu daraus sich ergebenden Lösungen, die allein von dem freien Urteil Rumäniens abhingen.

Bulgariens Hevrsionswünsche.

Sofia, 4. Mai (Europapreß). Die bulgarische Presse setzt ihre Propaganda für die Erfüllung der bulgarischen Revisionswünsche fort. Die Zeitung Mir" veröffentlicht einen Artikel, der den Palkan- frieden behandelt und in dem gesagt wird, alle gegenwärtigen Bestrebungen der Balkanländer ziel- ten daraus hin, den Frieden auf dem Balkan xu erhalten. Ohne Befriedigung der bered)- tigten Ansprüche Bulgariens sei aber eine Balkan-Einheit und eine Balkan-Verständigung nicht möglich. Jeder Balkanstaat wünsche den Frie­den. Dieser Friede müsse aber gerecht sein, und nur ein gerechter Friede könne die Völker des Bal­kans vor einem allgemeinen Chaos bewahren.

Paris blickt nach Moskau.

Der Sturz Litwinow-Finkelsteins und seine Folgen.

Paris, 5. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Ab- gang Litwinow-Finkelsteins gibt den Blättern aus­giebig Gesprächsstoff. Einerseits will man es für sicher halten, daß der Wechsel im sowjetrussischen Außenkommissariat keine Aenderung der Sowjet­politik gegenüber den Westmächten bedeute, ja sogar noch eine energischere Zusammenarbeit erwarten lasse. Anderseits erblicken zahlreiche Blätter in diesemMoskauer Theatercoup" eine Erpres­se r t a k t i k d e r S o w j e t s, um auf die Engländer einen Druck auszuüben, und befürchten, daß Sow­jetrußland sich auf eine mehr ober weniger aus­geprägte Isolierung zurückziehen könnte oder gar sich in irgendwelche Abmachungen mit Deutschland einlassen würde. Es fehlt auch nicht an scharfen Ar­tikeln gegen jegliche Einbeziehung der Sowjets in die westeuropäische Politik und gegen irgendwelche Bündnispolitik mit den weltrevolutionären Bolsche­wisten.

DerMatin" sagt, die Anhänger der Hypothesen eines neuen Kurses der Sowjetpolitik, sei es im Sinne der Neutralität, fei es im Sinne einer An­näherung an Deutschland, betrachteten Litwinow- Flnkelstein als den Vertreter der französisch-sow- jctrussifchen Politik eines unteilbaren Friedens; diese Leute stützen sich darauf, daß der Führer in feiner Reichstagrede davon abgesehen habe, Sowjetrußland anzugreifen. Die Gegner dieser Hypothese unter­streichen dagegen, daß Litwinow-Finkelstein gar feine persönliche Politik gehabt hätte und daß die Verhandlungen Moskaus mit den Westmächten den Ideen Stalins genau entsprächen. Ihre Meinung sei, daß es sich nur um einen Per­sonenwechsel, nicht aber um eine Wandlung Der sowjetrussischen Außenpolitik handele. Der Augenblick für die Ausbootung Litwinow-Finkel­steins sei gut gewählt, denn nach Ansicht Stalins würde die Ungnade Litwinow-Finkelsteins unwei­gerlich die Westmächte und unmittelbaren Nachbarn Sowjetrußlands, die eine Annäherung Moskau Berlin befürchteten, veranlassen, sich In den Ver­handlungen mit Moskau nachgiebig zu zeigen.

London lavpt im Dunkeln.

London, 5. Mai (Europapreß). Aus der Lon­doner Morgenpresse geht hervor, baß man in po­litischen Kreisen noch immer keine einleuch­tende Erklärung für den Fall Litwinows gefunden hat. Nach den Informationen desDaily Telegraph" hat der Londoner Sowjetbotschafter Maiski bei seinem Aufenthalt in Moskau seine Instruktionen sämtlich von Stalin erhalten und mit Litwinow nur wenig Fühlung gehabt. Soweit heute Leitartikelbetrachtungen zum Rück­tritt Litwinows vorliegen, setzen sie entweder hinter die Absichten Stalins ein großes Fragezeichen ober beschränken sich auf einige lobende Horte für den ehemaligen Außenkommissar. Unter der Überschrift Stalins Geheimnis" schreibtDaily Mail", Stalin habe beschlossen, die Außenpolitik in eigene Hand zu nehmen. DerDaily Expreß" will wissen, Stalin habe die gesamten Mitarbeiter Litwinows nach einer vierstündigen Konferenz im Kreml aus dem Außenkommissariat entfernt.

Vernon Bartlett sagt in derNews Chronicle", viele Diplomaten in London glaubten, baß jetzt ein tiefgehender Umschwung in der sowjet- russischen Außenpolitik bevorstehe. Die Sowjetunion

habe schon des öfteren deutlich ihre Zweifel an der Aufrichtigkeit der Absichten der britischen Regierung zum Ausdruck gebracht, und man könne die Möglich­keit, daß diese Zweifel ihren Einfluß auf die Sow­jetpolitik gehabt hätten, nicht von der Hand weisen. Die Pessimisten erklärten jetzt, daß Hitler stets den Kommunismus, niemals aber Sowjetrußland

K

Litwinow-Finkelstein. (Scherl-M.)

als solches angegriffen habe und daß es für Stalin offen stehe, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Man dürfe außerdem nicht vergessen, daß zwischen Deutschland und Rußland bzw. dem faschistischen Italien in der Vergangenheit herzliche Beziehungen bestanden hätten. Gegen alle die Befürchtungen einer sowjetrussischen Isolierung oder Verständi­gungspolitik mit Deutschland ständen jedoch die scharfen Worte Stalins in der Verteidigung der kleinen Länder

Molotow.

Der neue Mann im Moskauer Autzenkommissariat.

Mieccslaw Michajlowitsch Molotow ist in der nordrussischen Stadt Wjatka geboren, die schon näher dem Ural als Moskau liegt. Die alte Stadt hot rein provinziellen Charakter und zählt nur knappe 60 000 Einwohner. Der junge Molotow be­reitete sich an der Realschule für technische Studien vor, kam aber schon als 19jähriger im Jahre 1909 mit revolutionären Zirkeln in Fühlung und wurde wiederholt verbannt Es gelang ihm aber, illegal während des Krieges nach dem damaligen Peters­burg zurückzukehren. Er bereitete als Mitglied des inneren bolschewistischen Ringes die bolschewistische Revolution vom November 1917 mit vor. Zunächst war er in der Wirtschaftsverwaltung Nordrußlands talig und schlug dann die rein parteiorganisatorische Laufbahn em. Sojuurde er 1921 also noch zu Lenins Zeiten Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, 1924 Mitglied des Poli­tischen Büros, 1928 Sekretär des Moskauer Partei­komitees. Diese Etappen seiner Parteilaufbahn zei­gen eine starke Parallele zur Entwicklung Stalins

Die Lösung der Hausgemeinschaft mit Juden.

Berlin, 4. Mai. (DNB.) Die Reichsregierung hat ein Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden er­lassen, bas am 4. Mai 1939 in Kraft getreten ist. Mit diesem Gesetz ist die rechtliche Grundlage für die Lösung der Hausgemeinschaft mit Juden geschaffen. Da zwischen deutschen Volks­genossen und Juden eine Hausgemeinschaft nicht bestehen kann, ist die Möglichkeit geschaffen, Juden auch gegen ihren Willen aus deutschen Wohnstätten zu entfernen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, diejenigen Juden, die aus deutschen Wohnstätten entfernt werden müssen und die von der Möglichkeit der Auswanderung keinen Gebrauch machen wollen oder können, in jüdi­schen Häusern unterzubringen, um auf diese Weise den den Juden in diesen Häusern zum Teil besonders reichlich zur Verfügung stehenden Raum durch Aufnahme weiterer jüdischer Familien auszunutzen. Um Störungen der öffentlichen Sicher­heit zu vermeiden, ist eine behördliche Mitwirkung bei der Durchführung des Gesetzes vorgesehen. Der gesetzliche Mieterschutz für Juden fällt erst weg, wenn durch eine Bescheinigung der Gemeindebehörde nach­gewiesen ist, daß die anderweitige Unter­bringung des jüdischen Mieters sichergestellt ist. Ein Jude, der in einem jüdischen Hause zur Miete wohnt, behält dagegen den Mieterschutz un­eingeschränkt. In gleicher Weise bleiben langfristige Mietverträge zwischen Juden unangetastet, während ein Nichtjude, der einen solchen Vertrag mit einem Juden abgeschlossen hat, ihn jederzeit unter Ein­haltung der gesetzlichen Frist kündigen kann, wobei jedoch die Kündigung gegenüber dem jüdischen Mie­ter erst zulässig ist, "wenn seine anderweitige Unter­bringung durch eine Bescheinigung der Gemeinde­behörde nachgewiesen ist.

Um die Zusammenführung der Juden in jüdischen Häusern zu fördern, steht den Gemeinden außer der Befugnis zum zwangsweisen Abschluß von

Mietverträgen und Hntermietoerträgen zwischen Juden das Recht zu, die Anmeldung solcher Räume zu verlangen, die an Juden vermietet sind ober für die Unterbringung von Juden in Frage kom­men. Weil ein Jude in einem nichtjüdischen Haus seine Wohnung erst zu räumen braucht, wenn seine anderweitige Unterbringung sichergestellt ist, kommt eine Räumungsfrist nur in Frage, wenn sich der anderweitigen Unterbringung nachträglich Hindernisse entgegenstellen ober wenn die fofortiae Räumung ohne ernstliche Schädigung der Gesund­heit eines Betroffenen nicht durchführbar ist.

Das Gesetz ist wie bei einer rein jüdischen Ehe anzuwenden, wenn in der Mischehe der Mann Jude ist und Abkömmlinge aus der Ehe nicht vor. Händen find. Ist dagegen allein die Ehefrau Jüdin, der Ehemann aber deutschblütig ober Mischling zweiten Grabes, so findet bas Gesetz keine An- wenbung. Das Vorhanbensein von Abkömmlingen, bie nicht Juden sind, schließt die Anwendung des Gesetzes immer aus, auch wenn die Ehe nicht mehr besteht.

Die Gemeinden haben in Zusammenarbeit mit der Partei dafür Sorge zu tragen, daß die Lösung der Mietverhältnisse mit Juden und die Unter­bringung der räumungspflichtigen Juden plan» mäßig und ohne Störung vor sich geht. Da der Wegfall des Mieterschutzes für Juben von einer Mitwirkung der Gemeindebehörde abhängt, emp­fiehlt es sich, in allen Fällen, in denen die Kün­digung gegen einen jüdischen Mieter ausgesprochen werden soll, zunächst mit der Gemeindebehörde Fühlung zu nehmen. Volksgenossen, die bisher i n jüdischen Häusern wohnen, können in chren bisherigen Wohnungen verbleiben, es ist ihnen zu raten, von Kündigungen adzufehen, solange nicht Maßnahmen der Gemeindebehörde Anlaß dazu geben.

Molotow. (Scherl-M.)

selbst, der bekannllich noch heute keinen Posten in der eigentlichen staatlichen Verwaltung bekleidet, sondern als Generalsekretär der Kommunistischen Partei die tatsächliche Macht in Händen hält und zumroten Zaren" geworden ist. Molotow dagegen wurde Ende 1930 Vorsitzender des Rates der Volkskommissare, also das, was man in EuropaMinisterpräsident" nennt. Im Jahre 1936 wurden Gerüchte von Paris aus verbreitet, baß auch Molotow abgesagt und in eine Art Ver­bannung durch Ernennung zum Gesandten in einem kleinen Lande geschickt werden solle. Diese Mel­dungen fanden keine Bestätigung. Aber schon da­mals hieß es, daß Molotow seine guten Beziehun­gen zu Woroschilow zugute gekommen seien, der seit dem 6. November 1925 als Volkskommissar für Heer und Flotte und Vorsitzender des Revo­lutionären Kriegsrates an der Spitze der Roten Armee steht. Molotow wird als ausführendes Or­gan Stalins angesehen, diese Meinung findet eine starke Bekräftigung darin, daß er alsMinister­präsident" durch fast neun Jahre alle die vielen Wechselfälle der Sowjetpolitik glücklich überlebt hat.

Hm die dritte Kandidatur Roosevelts.

Washington, 5. Mai. (DNB. Funkspruch.) Innenminister Ickes, der Intimus des Präsiden­ten, erklärte der Presse, Roosevelt sei der ein­zige Kandidat, der in den Präsidentschafts­wahlen von 1940 siegen könne. Roosevelt müsse sich also im Interesse des Landes zum d r i t- t e n Male auf ft eilen lassen, denn die Nation brauche einen liberalen Präsidenten. Roosevelt sei sein Kandidat und der Kandidat aller liberalen Demokraten. Ickes be­hauptete, die Aussichten für einen konservativen Demokraten seien gering; denn wenn schon das amerikanische Volk konservativ wählen wolle, werde es gleich einen Republikaner wählen.

Wie wenig die Amerikaner die Ueberzeugung des rührigen Innenministers zu teilen scheinen, zeigt eine Probeabstimmung des amerikanischen Instituts für Öffentliche Meinung, das derartige Ab­stimmungen regelmäßig veranstaltet. Dieses Jnsli- tut teilte am Donnerstag mit, daß bei der letzten Abstimmung nur 23 v. H. der Wähler eine dritte Präsidentschaft Roosevelts be­fürworten. 33 v. H. hätten erhärt, sie würden für Roosevelt stimmen, wenn er als Kandidat der demokratischen Partei ausgestellt würde. 55 v. H. aber hätten für die Wahl des als aussichtsreichster republikanischer Präsidentschaftskandidat gel­tenden Neuyorker Oberstaatsanwalt Thomas D e - wey abgeftimmt.

Die Rüstungsforderungen der amerikanischen Marine.

Washington, 5. Mai. (Europapreß.) Admiral Leahy, der Chef der Operationsabteilung des Admiralstabes, hat vor dem Marine-Ausschuß des Repräsentantenhauses erklärt, die Vereinigten Staa­ten müßten unverzüglich ihr Programm für die Marineaufrüstung durchführen, sonst würben sie in einen Zustand der Unterlegenheit gegenüber den anderen Flottenmächten geraten und' konnten deren Vorsprung nicht mehr aufholen. Die Vereinigten Staaten müßten jederzeit in der Sage fein, ihre Küsten gegen jede mögliche Allianz und ohne fremde Hilfe zu verteidigen. Die sechs hauptsäch­lichen Flottenmächte, von den Vereinigten Staaten

abgesehen, hätten gegenwärtig 604 neue Kriegs­schiffe mit zwei Millionen Tonnen im Bau oder würden sie demnächst auf Kiel legen.

Dem Marine-Ausschuß des Repräsentantenhauses wurde ein Gesetzentwurf unterbreitet, der für das am 1. Juli beginnende Haushaltsjahr 8 21 Mil­lionen Dollar für Neubauten vorsieht. Dieses Programm umfaßt u. a. den Bau zweier Pa nzersch i f fe von je 45 000 Tonnen, mehrere Kreuzer und Torpedoboots» Zerstörer sowie den Ankauf von 500 Flugzeu­gen zur Verstärkung der Luftstreitkräfte der Ma­rine, die damit auf 2132 Flugzeuge gebracht werden.

Nordirland von der

Wehrpflicht ausgenommen.

London, 4. Mai. (Europapreß.) Zu ungewöhn­lichen Lärmszenen kam es im Unterhaus, als Mi­nisterpräsident Chamberlain bei der zweiten Lesung der Militärvorlage verkündete, daß die nordirische Provinz Ul st er nicht in di e Wehrdienst pflicht einbezogen wer­den würde. Bei der Opposition erhob sich ein Pro- teftfturm, der Chamberlain nötigte, seine Rede zu unterbrechen und den Sprecher des Hauses zum Einschreiten zu veranlassen. Nordirland, so erklärte Chamberlain, sei zwar ein Teil des englischen Kö­nigreiches, und es wäre deshalb ganz natürlich, daß es denselben Gesetzen unterworfen sei wie auch England, Schottland und Wales. Die Regierung wolle aber dennoch alles vermeiden, was die Schlagkraft des Landes beeinträchtigen könne.

Weiter stellte Chamberlain bei der zweiten Le­sung der Vorlage zur Einführung der Militärdienst- Pflicht fest, daß jeder aufgerufene Junggeselle einen Schilling täglich als Entgelt erhalten werde. Ver­heiratete Männer erhalten 17 Schilling je Woche. Die Kinderzulage für Familienväter wird noch fest­gesetzt werden.

Die Ausnahme Nord Irland von der Wehrpflicht wird von den irischen Nationalisten als ein persön­licher Sieg über England angesehen. In Belfast hielten sie Donnerstagabend eine Versammlung ab, an der mehr als 2000 Anhänger der Irischen Re­publikanischen Armee (IRA.) teilnahmen. In der Versammlung wurde eine Proklamation verlesen, in der sämtliche Einheiten der IRA. in Nordirland auf gefordert wurden, sich marschbereit zu hal­ten. Die Zivilbevölkerung könne ruhig fein, sie werde von IRA. gegen jegliche militärische Ein­mischung Englands geschützt werden. Verschiedene Verbände hatten am Donnerstagabend in London eine Kundgebung organisiert, die im Zeichen des Kampfes gegen die Wehrpflicht stand. Mehr als 5000 Männer und Frauen zogen durch die Hauptstraßen der Stadt und trugen Pla­kate mit sich, auf denen gegen die Einführung der Wehrpflicht protestiert wurde. Zu ernsteren Zwi­schenfällen ist es nicht gekommen.

Oer deutsche Wahlsieg in Mittelpolen.

Zu Wochenbeginn fanden wie wir schon kurz berichtet haben in der Wojewodschaft (Provinz) Lodz einzelne Gemeindewahlen statt, wie über­haupt jetzt in Polen die Zeit der Gemeindewahlen gekommen ist. Aus vielen Minderheitengebieten wer­den unberechtigte Stteichungen in den Wählerlisten gemeldet. Es spricht auch gegen die polnischen Wahl­methoden, daß seit Bestehen des Staates die Zahl der Minderheitenvertreter in den verschiedenen Körperschaften vom Sejm bis zur Dorfgemeinde herunter ungewöhnlich schwankt. Unter liefen Um­ständen ist die Wahl von 21 Deutschen unter insgesamt 65 Stadtverordneten in 3 Städten der Provinz Lodz überaus bemerkenswert, beson­ders jetzt, da die polnische Presse zur Verblüffung der Welt den Anspruch auf Danzig, Ostpreußen und Schlesien anmeldet und die Rosse der polnischen Kavallerie-Regimenter in Stettin tränken will. Solche Extravaganzen haben nur das Ergebnis, auf die Zahl und Bedeutung der Minderheiten in Polen aufmerksam zu machen. Für uns Reich?' deutsche aber ist wesentlich, daß in den Wojewod­schaften Lodz und Warschau, den Herzprovinzen von Mittelpolen, nicht weniger als 300 000 Volksdeutsche leben, davon 180 000 Deutsche in einem zusammen­hängenden deutschen Siedlungsgebiet des ßobier Plateaus, während sich die übrigen Volksdeutschen auf Sprachinseln verteilen. Diese großen regel­mäßigen Schwabendörfer wurden vor etwa 150 Jah­ren in noch ungerodetem Waldgebiet gegründet, woran heute freilich dank des Fleißes der Bewohner nur noch erinnert, daß sie beliebte Sommerfrischen