Nr. (04 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Freitag.5. Mai 1939
entümer über 69 v. H. der A n -
ver-
polen in ßrtoortung Der JteDe Becks
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach oorh.Dereinbg.25°/„ mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche AnzeigenbRpf. Mengenabfchlüsfe Staffel B
ten Volksgesundheit ist. Wie dem auch sei, es gilt rein wirtschaftlich natürlich das Argument, daß minderte Gesundheit verminderte Leistungsfähigkeit
turlandes, während die restlichen 7 v. H. der Landeigentümer übe b a u s l ä ch e verfügten. IV2
durch die Tatsache illustriert wird, daß im Jähre 1927 nur 23 v. S). der männlichen und 5 v. $). der weiblichen Bevölkerung über fünf Jahr lesen und schreiben konnte. Durch den Mangel an primitiver Bildung wird der einzelne häufig nicht in der Laae sein, seine wirtschaftlichen Interessen wahrzuney- men und zahlt für sein Analphabetentum mit der Minderung seines Einkommens. Ein gewisser Bildungsstand eines Volkes ist über den Einzelfall hinaus zweifellos Voraussetzung für völkischen Wohlstand.
Schließlich wird als Armutsgrund noch ein vierter angeführt unter dem Stichwort „unmoralische Praktiken". Das Wort unmoralisch will hier in weitestem Sinne verstanden werden. Kennzeichnen will man den Hang des Durchschnitts
ägypters zu Spiel, Lotterien, Narkotika usw. Es ist vielfach festgestellt, daß Familien, die kaum über das Notwendigste verfügen, solchen Leidenschaften huldigen, und dadurch den an sich erträglichen Lebensstandard in gefährlicher Weise herunterdrücken. Auch hier ist die entgegengesetzte Wirkung, daß Armut zu solchen Neigungen verfuhrt, auf der Hand liegend. Es gibt kaum eine ägyptische Regierung, die die Aenderung der wirtschaftlichen Lage der Landbevölkerung nicht als ihre vornehmste Aufgabe bezeichnet hätte. Aber kaum einer Regierung ist es geglückt, die zugestandenermaßen unerhört große Aufgabe einer erfolgreichen Lösung zuzuführen. Dabei wird in immer weiteren Kreisen des Landes eine grundlegende Lebens- und Daseinsreform für die Fellachen als unumgängig notwendig und dringend bezeichnet, und immer stärker wird die Erkenntnis, daß hier revolutionäre Verwaltungsakte notwendig sind, will man einer revolutionären Haltung der. Massen zuvorkommen.
v. H. der Lanüeigner befaßen mehr als die Hälfte allen Grund
der französischen Presse. D)e Zeitungen meinen, die Rede Becks werde fest, aber konziliant sein und an der Lage nichts ändern. Einige Blätter erhalten „eine Kompromißregelung" für möglich. Offensichtlich auf höheren Wink sind die mehr oder wenigen deutlichen Mahnungen und Warnungen an Polen, den Bogen nicht zu überspannen, aus der Presse verschwunden. Statt dessen hält man es für angebracht, die „unbedingte Treue Frankreichs zu seinen Verpslichtun- g e n" und die Notwendigkeit, die wachsame und feste Politik fortzusetzen, zu unterstreichen. Oberst de la Roque bestärkt im „Petit Journal" Polen in seinem Chauvinismus, indem er von jahrhundertealten Rechten und Lebensinteressen Polens an der Weichselmündung und in Danzig phantasiert und die erstaunliche Forderung erhebt, daß „Polens Rechte auf Danzig" jetzt ^gewisse Garantien" erhalten müßten.
Der „Excelsior" will wissen, daß Oberst Beck „i n keinem Punkt nachgeben" werde und erinnert daran, daß die Zuschauer bei der Truppen-
und damit vermindertes Einkommen bedingt. Der Gesundheitszustand des Volkes wird am deutlichsten offenbar durch die außerordentlich hohe Todesrate in Aegypten, die sich im Jahre 1935 auf 31 Todesfälle auf das Taufend der Bevölkerung bezifferte. Nicht weniger eindrucksvoll ist die Tatsache, daß in Aegypten 9 5 v. H. der Bevölkerung von der ägyptischen A u g e n k r a n k h e i t befallen find, und daß es bei einer Gesamtbevölke- rung von 14,5 Millionen nicht weniger als 120 000 Völligblinde gibt. Nicht weniger als 10 Millionen Menschen sind von der ruhrartigen Bilharzia- Krankheit geplagt. Erschreckend sind auch die Ziffern die sich bei den Rekrutierungen für die Armee ergaben. 82 v. H. der Rekruten waren aus gesundheitlichen Gründen dien st untauglich, 14 v. H. krank, aber diensttauglich und nur vier v. H. wirklich gesund.
Bei solchen Ziffern ergibt sich die Frage, wie es um die ärztliche Versorgung des Volkes bestellt ist. Im Jahre 1936 waren in Aegypten . 3265 Aerzte registriert. Das ergibt einen Arzt auf .5000 Menschen. In Frankreich ist das Verhältnis 1 :1600 und in den Vereinigten Staaten 1 :800. Da aber 66 v. H. der ägyptischen Aerzte in den «Städten praktizieren, die Städte aber nur 16 id. S). der Bevölkerung beherbergen und somit 24 10. H. der Aerzte 84 v. H. der Gesamtbevölkerung «betreuen müssen, kommt auf dem Land in Aegyp- iten ein Arzt auf 12 000 Menschen. Bei Verteilung ider Aerzte auf Stadt und Land liegt keineswegs ein iärzllicher Drang nach der Stadt vor. Die Armut Ider Landbevölkerung, die auch nicht die Ikleinste Ausgabe für ärztliche Hilfe riskieren kann, rrft der zwingende Grund für solche Verteilung der kAerzteschaft.
Als weiterer Grund für die Armut wird in den Veröffentlichungen der Kommission die „U n b i l - ldung des Volkes" genannt, die am besten
Berlin, 4. Mai. (DRV.) Auf Grund eines bei früheren Gelegenheiten zwischen der deutschen und der lettischen Regierung angebahnten Meinungsaustausches sind die Regierungen der beiden Länder nunmehr übereingekommen, einen Richtangriffspakt abzuschliehen, über dessen Inhalt bereits Ueberelnstimmung besteht. Desgleichen werden zwischen der Reichsregierung und der Regierung Estlands Verhandlungen über den Abschluß eines Richlangriffspaktes geführt, die gleichfalls bereits weil fortgeschritten sind.
Befriediqunq in Lettland.
Riga, 5. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der lettische Rundfunk und die Presse brachten am Freitagmorgen die Meldung, daß Deutschland und Lettland übereingekommen sind, einen Nichtangriffspakt ab
zuschließen. Die Nachricht wird im ganzen. Lande mit Genugtuung ausgenommen.
Mißbehagen in England.
London, 5. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Verhandlungen über Nichtangriffspakte zwischen Deutschland und Lettland bzw. E st - l a n d werden von den Londoner Blättern lediglich kurz verzeichnet. Bei aller Knappheit lassen die Blätter jedoch erkennen, wie ärgerlich man in London darüber ist, daß die baltischen Staaten den englischen Einkreisungsbestrebungen damit unmißverständlich den Rücken kehren. So meldet die „Daily Mail" resigniert aus Helsinki, daß weder Finnland noch die baltischen Staaten in die „Antiangriffsfrontbemühungen" der britischen Politik einbezogen zu werden wünschten.
Warschau, 5. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Presse steht ganz im. Zeichen der heutigen Rede des Außenministers, die die Antwort der Regierung auf die deutschen Vorschläge bekanntgeben wird. Der Außenminister wird seine Rede sofort nach Eröffnung des Sejm, um 11.15 Uhr, halten. Die Presse kündigt ein vollbesetztes Haus an und erwartet, daß auch das diplomatische Korps anwesend sein wird. Die Blätter fordern die Besitzer öffentlicher Lokale aus. die Rundfunkrede zu übertragen, damit sie der gesamten Oeffeutlichkeit unmittelbar zugänglich gemacht wird. Für den Empfang der Rede eines polnischen Staatsmannes sind bisher noch niemals so umfassende Vorbereitungen getroffen worden.
Paris ffä'rtt Seck den »en.
Paris, 5. Mai (DNB. Funkspruch). Nach wie vor steht Danzig, besonders im Hinblick auf die bevorstehende Rede des polnischen Außenministers, im Mittelpunkt der außenpolitischen Betrachtungen
Berlin, 4. Mai. (DRB.) Der Reichsminister des Auswärtigen, von Ribbentrop, hat am Donnerstagabend mit dem fahrplanmäßigen Zug die Reichshauplftadl verlassen, um sich, wie bereits gemeldet, zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Oberitalien zu begeben. Auf der Reise, an der auch Frau von Ribbentrop teilnimmt, wird der Reichsauhenminister von Unterstaatsfekretär Gaus, Gesandten Dr. Schmidt, dem Leiter des persönlichen Stabes, Vortragenden Legationsrat hewel, und dem stellv. Leiter der Presseabteilung, Vortragenden Legationsrat Dr. Schmidt, begleitet. Reichsauhenminister von Ribbentrop wird nach kurzem Aufenthalt in München am Samstagvormittag um 11 Uhr in Mailand eintreffen. Der italienische Außenminister wird, nach einer Meldung von Europapreß aus Mailand, schon am Samslagvormiltag mit einigen Beamten in Mailand eintceffen, um den Reichsminister des Auswärtigen zu empfangen. Rach einer gemeinsamen Fahrt durch die Stadt werden sich die beiden Herren zum Grand-Hotel Villa d'Este am Lomer-See begeben, wo die Besprechungen sofort beginnen. Die Unterhaltung wird am Sonntag fortgesetzt. Es ist auch eine Rundfahrt im Motorboot auf dem Lomer-See vorgesehen.
Das Abendblatt „Sera" schreibt, die internationale Lage verleihe dieser Begegnung der beiden Außenminister Bedeutung. Es handele sich darum, d i e Ergebnisse ihrer diplomatischen Besprechungen der letzten Wochen in Berlin, Venedig und Rom im Rahmen der Achsenpolitik zu prüfen sowie die solidarische Stellung zu den E i n k r e i su n g s v e r s u ch e n der westlichen Demokratien, gegen die sich Deutschland und Italien zur Wehr sehen mühten. Ohne sich irgendwie aufzuregen, sy schreibt Giornale d'Jtalia, mühten Italien und Deutschland gegen diesen hinterlistigen Angriffsplon ihre Verteidigung organisieren, die nicht nur militärischen, sondern auch wirtschaftlichen und politischen Charakter habe und sich nicht auf Europa beschränke, sondern auf die ganze Welt ausdehne. Die Begegnung am Lomer-See sei ein neuer Beweis für die aktive Solidarität der beiden Achsenmächte: sie werde ihren verantwortungsbewuhten Willen zur Wachsamkeit und Abwehr bekräftigen.
Die Solidarität der Achse.
Rom zum Sturz Litwinow-Finkelsteins.
R. G. 9t 0 m , 4. Mai.
Die bevorstehende Zusammenkunft des Reichs- außenministers v. Ribbentrop mit dem italienischen Außenminister Graf Ciano findet in Italien große Beachtung. Die Auslassungen der römischen Blätter
Deutsch-lettischer Nichtangriffspakt
Auch Verhandlungen mit Der estnischen Regierung.
die Entspannung und den Frieden begünstigen. Nicht nur in Moskau werde man nun die Lage mit mehr Sinn für die Wirklichkeit prüfen, sondern auch in London und Paris werde man sich die neu entstandene Situation überlegen müssen.
In den Pariser und Londoner Meldungen der römischen Blätter wird vor allem die Verwirrung und Kopflosigkeit unterstrichen, die die Ausschaltung Finkelsteins aus den in Gang befindlichen Verhandlungen im Lager der englisch-französischen Einkrei- sungspolitiker hervorgerufen habe. Nach den Fehlschlägen, die dieser Politik bereits durch Jugoslawien und Rumänien zugefüat worden seien, so schreibt die „Tribuna" in ihrem Leitartikel, könne die unerwartete Verabschiedung Litwinow- Finkelsteins das Vorspielzumendgültigen Zusammenbruch des ganzen trügerischen Planes bilden, dem Chamberlain all seine Kräfte gewidmet habe. Vielleicht werde dies England und Frankreich veranlassen, ihre Haltung nachzuprüfen in der Absicht, die europäische Lage nicht mehr gegen die Achsenmächte, sondern auf der Grundlage eines realen Friedenswillens durch Zusammenarbeit aller für den Krieg und Frieden verantwortlichen Großmächte zu lösen.
Das Organ der faschistischen Gewerkschaften, „Jl Laooro Fascista", gibt den Polen den Rat, über das Verschwinden des sowjetrussischen Außenkommis- sars wenige Stunden vor der angekündigten Rede des Obersten Beck nachzudenken und nicht durch eine Versteifung der polnischen Haltung zur Verschärfung der Lage beizutragen. Das italienische Volk wünsche, daß Polen nicht aus falschem Stolz Irrtümer begehe; denn die Vorschläge des Führers feien von Mäßigung und Gerechtigkeit beseelt.
und Bodens. Diese Feststellung steht in engem Zusammenhang mit der Tatsache, daß 1,5 v. H. der Bevölkerung, das sind etwa 232 000 Menschen, überdie Hälfte des Volkseinkommens verfügen und im Jahr ein Durchschnittseinkommen von 420 Pfund haben, während die restlichen 98,5 v. H. der Bevölkerung etwa 6,5 Pfund je Kopf und Jahr haben. Berechnet man das Einkommen der Landeigentümer unter 5 Feddan Besitz, so ergibt sich ein Einkommen von etwa vier Pfund je Kopf und Jahr. Einer ägyptischen Standardfamilie von fünf Köpfen steht also ein Jahreseinkommen von 20 bis 32,5 Pfund zur Verfügung. Da es Familien gibt, die über ein höheres Budget verfügen, liegt das Budget zahlreicher anderer Familien noch unter dieser Norm und damit dicht an der Grenze des Existierenkönnens.
Neben der Einkommenverteilung wird der Gesundheitszustand des Volkes als Armutsursache angeführt, wobei natürlich auch die umgekehrte Reihenfolge in Betracht gezogen werden dürfte, nämlich daß die Armut Ursache der schiech-
Die Mnisterzusammenkunfi am Comer See.
Ribbentrop und Ciano besprechen die Ergebniffe der letzten diplomatischen Begegnungen
Armut im reichen Land
Don unserem S. K -Korrespondenten.
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Bezugspreir:
Mit 4 ^Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11688
sind allgemein auf den gleichen Ton gestimmt: E r - neute Bekräftigung der engen Zusammenarbeit der Achsenmächte auf politischem Gebiet, vor allem gegenüber dem Cinkreisungs- versuch der Demokratien.
In Verbindung mit den Einkreisungsplänen der Demokratien findet in Rom naturgemäß die „Torpedierung" Litwinow -Finkelsteins große Beachtung. Man betrachtet den Rücktritt des jowjetrussischen Außenkommissars als ein Anzeichen dafür, daß Stalin mit den Bindungen, die Sowjetrußland gegenüber England und Frankreich eingehen sollte, nicht einverstanden gewesen sei. „Po- polo d'Jtalia" schreibt, diese plötzliche Torpedierung Finkelsteins drohe den ganzen Plan einer Koalition gegen die Achsenmächte zunichte zu machen. Die „Stampa" betrachtet die Entlassung Litwinows als einen neuen Schlag gegen die Demokratien, mit denen der ausgeschiedene Volkskommissar immer die engste Fühlung unterhalten habe. Das Blatt schreibt, mit diesem bolschewistischen Juden scheide eine verabscheuenswürdige Gestalt, d i e rechte Hand Edens beim schändlichen Versuch, Italien mit Sanktionen auzuhungern, aus der internationalen Politik. Es sei kein Geheimnis, daß Stalin nur mit Mißtrauen der Richtung Finkelsteins gefolgt sei, die immer engere Bande zwischen Moskau und den westlichen Demokratien knüpfen wollte. Litwinow-Finkelstein sei der Erfinder der Formel des „unteilbaren Friedens" und des ungeheuerlichen Einkreisungsplanes von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer und Stillen Ozean. Seine schroffe Entlassung werde wahrscheinlich die Politik Stalins gegen eine zu enge Verbindung mit den Demokratien unterstützen. Dieser Wechsel könne nur
Kairo, Mai 1939.
Wer zum erstenmal nach Aegypten kommt und sich auch abseits der bekannten und großen Touristenverkehrswege bewegt, der wird; wenn er zu schauen versteht, tief beeindruckt von dem krassen Gegensatz zwischen Armut und Reichtum. Paläste stehen neben verlassenen Elendshütten, Luxus prunkt neben schlummerndem Elend am Rinnstein. Erbarmungslos und hart, ohne den Puffer der Mittelschicht, prallen Reichtum und Armut aufeinander. Und die Frage nach der Ursache solcher Armut in einem Land, das reich und blühend scheint, wird immer wieder gestellt.
Diese Frage wird auch aufgeworfen in einer Enquete der „Gesellschaft für oziale Studien" in Kairo. Mehrere Ursachen gründ ätzlicher Art werden in den veröffentlichten Ergebnis en für die ins Auge springende Armut in Aegypten genannt. An erster Stelle wirtschaftliche. Im Jahre 1935 wurde das Gesamteinkommen des ägyptischen Volkes auf etwa 150 Millionen Pfund geschätzt. In Jahren mit gutenBaumwollernten und Preisen ist es höher, in schlechten Jahren geringer. Das genannte Jahr kann als Mitteljahr angesprochen werden. Umgerechnet auf den Kopf der Bevölkerung betrug das Einkommen in diesem Jahr etwa 12 Pfund. Das erscheint wenig im Vergleich zum Einkommen in anderen Staaten, das beispielsweise in Schweden im Vergleichsjahr 60 Pfund betrug, in den Vereinigten Staaten gar 80 Pfund pro Kopf der Bevölkerung. Dieser gewaltige Unterschied der Einkommenshöhe wurde einigermaßen ausgeglichen durch das niedrige Preisniveau für solche Güter, die für den Massenkonsum bestimmt sind, und durch die Anspruchslosigkeit. Was die Lage in Aegypten aber erschwert und die eigentliche Armut bedingt, ist die Verteilung des Einkommens. Genaue Statistiken liegen darüber nicht vor, da eine Einkommensteuer erstmalig in diesem Jahr erhoben wird.
Aber ein Ueberblitf über die Verteilung des kultivierten Landes läßt Rückschlüsse auf die Einkommenverteilung zu. Im Jahre 1935 gab es in Aegypten 2 365 604 Landeigentümer, die ins« gesamt 5836 959 Feddan Land besaßen. 93 v. H. der Landeigentümer verfügten über 31 v. H. des Kul-
Oie polnische Minderheit in Großdeutschland.
Reichsinnenminister Dr. Frick.gibt im Maiheft der „Deutsch-Französischen Monatshefte" eine Darstellung der fremdvölkischen Minderheiten in Großdeutschland. Er stellt fest, daß die polnischen Arbeiter, Landwirte und Handwerker von dem wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands den gleichen Vorteil gehabt haben wie die deutschen. Heute gebe es kaum einen polnischen Arbeitslosen im Reich, während man das leider von den deutschen Arbeitern in Polen nicht sagen könne. Für den Schulunterricht der Kinder von Polen in polnischer Sprache sei allein die Erklärung der Eltern bestimmend, ohne jede Trübung durch die Behörden. Schon wenn sieben polnische Kinder in einer deutschen Gemeinde vorhanden sind, könne die polnische Schulgesellschaft eine polnische Privatschule einrichten. Oeffent- liche polnische Volksschulen würden schon auf An traa von 40 Eltern errichtet. Es existieren in Großdeutschland jetzt sechs öffentliche Volksschulen, 56 private Volksschulen mit polnischer Unterrichtssprache. Dort werden 1239 Schüler in 65 Klassen unterrichtet. Von den 65 Lehrern sind 30 polnische Staatsbürger. Weiter bestehen zwei höhere polnische Schulen in Beuthen und Marienwerder. Sie sind der polnischen Jugend aus dem ganzen Reich zugänglich und mit Internaten versehen. Im übrigen kann polnischer Sprachunterricht an Jugendliche und Erwachsene ohne jede behördliche Einschränkung erteilt werden. Zur Pflege des kulturellen Lebens der polnischen Minderheit im Reich bestehen etwa 1400 Vereine, die zusammengefaßt sind in der Liga der Polen in Deutschland. Außerdem besteht die Union der polnischen Schulgesellschaften in Berlin. Auch gibt es zwei gewerkschaftliche Verbände der polnischen Arbeiter, zahlreiche Genossenschaften und 26 polnische Dolks- banken. Die Liga der Polen gibt mehrere polnische Zeitschriften heraus. Polnische Wochenblätter gibt es außerdem in Schlesien, in Berlin, in Ostpreußen und im Ruhr gebiet.
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Druck und Verlag: vrühlsche UnivcrRtätsöruderd R. Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze ?


