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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nr.8l Drittes Blatt
Einigen«!
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Die oberhessischen Tierzüchtervereinigungen
er
leise.
(Fortsetzung folgt.)
lebhaftem Beifall auf- der stellv. Ortsgruppen- mit herzlichen Worten.
stand die Rassenfrage und unser Volk und Reich.
Im Anschluß an den mit genommenen Vortrag dankte
ten im Laufe der nächsten Woche und gegen Ende April ihre Iahres-Mitgliederversammungen in Gießen ab. Es handelt sich dabei um die Pferdezüchtervereinigung, die Züchtervereinigung für Fleckvieh, die Zuchtervereinigung für Rotvieh, die Schweinezüchtervereinigung und die Kreisfachgruppe Ziegenzüchter.
Höven? Hier ist meine Telefonnummer. , ,,^a, Fräulein Hegemann."
Der Lebensraum des Wildes ist der zusammenhängende Wald, in dem es vor allem mittelalte, trockene Stangenhölzer bevorzugt. Trockenheit und feste, steinige Böden sind Voraussetzung für sein Gedeihen. Innerhalb seines Wohngebietes ist es wenig standortstreu und hält den Wechsel schlecht. Anstand und Ansitz versprechen deswegen genau so wenig Erfolg wie Treiben und Drücken. Dagegen ist es ein ideales Wild für den leidenschaftlichen Pirschjäger. Seine Sinne sind sehr gut entwickelt.
Hinsichtlich der Aesung ist es wenig wählerisch. Den ihm vorangehenden Ruf, im Walde keine Schälschäden zu verursachen- hat es im Laubacher Gebiet, wo es in einem mit wertvollen Holzarten bewachsenen Gewöhnungsgatter gehalten wurde, voll gerechtfertigt. Die Brunft fällt in die Monate Oktober und November und ist von lebhaften Widderkämpfen begleitet. Nach einer Tragezeit von fünf Monaten werden ein, selten zwei, Lämmer gesetzt, die sehr widerstandsfähig sind. Feinde hat das Wild kaum, auch Krankheiten spielen keine große Rolle. Am meisten schadet ihm ein ungeeigneter Standort. Die weichen Schalen (Hufe) müssen abgenutzt werden. Sonst wachsen sie aus und behindern das Tier so, daß es kümmert. Deswegen gehört das Wild nicht in die Ebene mit ihrem weichen Boden, sondern ins Gebirge.
Das Urteil, ob sich seine Einbürgerung lohnt, ist überaus günstig. Es paßt in den Mittelgebirgswald, vermehrt sich dort gut und gestattet auf die Dauer eine verhältnismäßig bessere Nutzung als Rot-, Dam- und Rehwild. Die Wildschäden sind gering, Krankheitsverluste selten. Mit den bodenständigen Wildarten verträgt es sich gut. Bejagung ist nicht leicht und deswegen gerade für den leidenschaftlichen Jäger reizvoll. Starke Schnecken sowie die Wiliter- dccke stellen willkommene Beutestücke dar. Da es die Möglichkeit bietet, einen zahlenmäßig größeren Gesamtwildftand ohne Gefahr größerer Wildschäden zu halten, ist es geeignet, den Gesamtabschuß zu vergrößern und mehr wertvolles Wildbret zu liefern.
Es besteht natürlich immer die Möglichkeit, daß Muffelwild aus den Revieren, in denen es ausgesetzt wurde, auswechselt. Der Jäger muß sich darüber klar sein, daß es Schalenwild darstellt, das er nur bann bejngen darf, wenn er im Besitze eines dafür ausgestellten Abschußplanes ist. Selbstverständlich kommt bei den geringen Beständen eine Bejagung in unserem Kreise zunächst überhaupt nicht in Frage.
befreundet und möchte sehr gern seinen Aufenthalt erfahren. Er hat heute ohne Angabe eines Zieles das Krankenhaus verlassen. Da Sie mit ihm.bekannt sind und in letzter Zeit wiederholt beisammen waren, dachte ich mir..."
„Ja, ich weiß, wo er ist",wurde Maxie unterbrochen. „Er war nämlich am Vormittag auf einen Sprung heroben, um seinen Koffer einzustellen. Ich sollte feine Mutter davon verständigen, daß er wieder einen Posten als Reiseleiter bei der Monachia-Gesellschaft angenommen hat. Wegen plötzlicher Erkrankung eines anderen Herrn war zufällig etwas frei. Er hat schrecklich geeilt, und sein Autobus ist um zwei Uhr abgefahren. Die Venedig- Strecke. Georg kommt erst in acht Tagen zurück. Ich war eben bei Frau Holl und.habe den Koffer hingebracht.
Maxie seufzte. Heute ging ihr vieles krumm. Sie sagte ärgerlich: „Das ist mir aber schon sehr unangenehm? Das hat ja entsetzlich pressiert!"
Anna Schwiebus zuckte die Schulter.
„Georg muß doch etwas zum Leben haben, nachdem es mit dem Krankenhaus nichts mehr ist", erklärte sie sehr verständig und musterte Maxies elegante Tuchjacke. „Bei unsereinem ist das nicht so einfach, wie Sie glauben. Was sind achtzig Mark, wenn einer so gut ist wie Georg und immer die Hälfte herschenkt? Und anständig daherkommen muß er doch auch als Arzt. Und seine Versuche haben ihn auch Geld gekostet. Da kann man nicht viel zurücklegen."
Maxie bearbeitete ihre Unterlippe und dachte: Sieh mal, die weiß ja viel mehr non ihm als ich! Das ist nicht gerade erhebend. Wie kann ich denn wissen, daß er solche Schwierigkeiten hat! Er hat nie einen Ton davon geredet. Es fielen ihr plötzlich eine Menge Kleinigkeiten ein, die Georgs Bild in diesem Sinne abrundeten und denen sie bisher keine Bedeutung beigemessen hatte.
„So knapp geht es bei ihm her? Meinen Sie?"
„Wo soll er es denn her haben? Seine Mutter ist Witwe und wäscht für die Leute. Keinen Mann und drei Kinder. Da heißt es, die Pfennige Zusammenhalten. Es kostet doch alles: die Kleider, die Miete, das Leben. Georg kommt doch auch von unten. Ahnen Sie, wie schwer da der Aufstieg ist? Wenn man nichts hat als ein bißchen Verstand und seinen guten Willen? Wenn man sich auf jede nächste Stufe durchkämpfen und durchhungern muß? Ohne Freunde, ohne Geld, ohne Fürsprache?"
„Das habe ich alles nicht gewußt", sagte Maxie
in üblicher Weise.
Die Kameraden und ihre Angehörigen verweilten dann noch längere Zeit in froher Geselligkeit.
Tagung der Grundstücks- und Hypothekenmakler in Gießen.
Die Fachgruppe Grundstücks- und Hypothekeir- makler, Zweigstelle Bad-Nauheim und Umgegend, hielt am Samstag ihre Tagung in Gießen im „Hess. Hof" ab.
Zweigstellenleiter Fritz Stroh (Bad-Nauheim) eröffnete die gut besuchte Versammlung mit einer Reihe fachlicher und geschäftlicher Mitteilungen und begrüßte besonders den Leiter der Bezirksgruppe III (Hessen), Dr. Scha ch (Frankfurt a. M.), und Notar Dr. K n ö p f e l (Bad-Nauheim).
Dr. K n ö p f e l hielt sodann einen Vortrag über „Gesetzliche Beschränkungen im Grundstücksverkehr". Er erläuterte an Hand der gesetzlichen Vorschriften die verschiedenen Genehmigungen für Veräußerung und Belastung von Grundstücken und grundstücksgleichen -Rechten unt) führte die Zuhörer in einem
Stadtteil Klein-Linden.
Die Volks- und Schülerbücherei, die allen Kreisen der Bevölkerung zugänglich ist, zählt gegenwärtig 572 Bände gegenüber 563 im vorhergehenden Jahre. Davon sind 168 unterhaltenden und 309 belehrenden Inhalts. Die Zahl der Jugendbücher beläuft sich auf 95. Die Bücherei wurde von 133 (im Vorjahr von 108) Lesern benutzt, nämlich 58 Erwachsenen und 75 (67) Jugendlichen. Es wurden im ganzen 467 (591) Bücher an 34 (40) Ausgabetagen entliehen. Von Erwachsenen wurden 128 (170) und von Jugendlichen 339 (421) Bücher gelesen. Die höchste Ausleihung betrug 31 Bände. Im verflossenen Jahr wurden 9 Bücher neu erworben. Die Kosten wurden durch Lesegelder und freiwillige Spenden aufgebracht. Erwerbslose, Bedürftige und Kinder von Kinderreichen erhalten die Bücher ohne Entgelt. Die Bücherei wird von einem Lehrer unserer Volksschule geleitet.
Ein Abend der Gießener Polizei.
Die Ortsgruppe Gießen des Kameradschaftsbundes Deutscher Polizeibeamten vereinigte am Samstag im „Burghof" die dienstfreien Beamten der Gießener Polizei und der Gendarmerie zu einem Gemeinschaftsabend. Stellv. Drtsgruppenroart Pitzer hieß die Besucher willkommen, insbesondere den neuen Kommandeur der Gießener Schutzpolizei und stellv. Polizeidirektor Major Hellwege-Emden. Dann
282 Verkehrssünder im Kreis Gießen.
Im Laufe des Monats März waren im Landkreis Gießen immer noch 282 Fälle von Uebertretungen der Vorschriften der Straßenverkehrsordnung festzustellen. Von diesen 282 Verkehrssündern kamen 243 noch einmal mit gebührenpflichtigen Verwarnungen davon, gegen 39 mußte jedoch Anzeige erstattet werden. Diese hohe Zahl von Verkehrsverstößen im Verlaufe eines einzigen Monats beweist eindringlich die Notwendigkeit und Wichtigkeit der weiteren Verkehrserziehung zur Sicherung des Verkehrs auf den Landstraßen und nicht zuletzt auch zur Wahrung der berechtigten Belange aller Verkehrsteilnehmer selbst.
Oberhessische Tierzüchter tagen in Gießen.
Von der Universität Gießen.
Der planmäßige ao. Professor für Kinderheilkunde Dr. Walter Keller in der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen ist zum planmäßigen ord. Professor ernannt worden. Nach mehrjähriger Assi- stententätigkeit habilitierte sich Keller 1927 in Heidelberg für Kinderheilkunde und wurde später Oberarzt der' Kinderklinik. 1934 wurde er als Chefarzt der Kinderklinik des Städtischen Krankenhauses nach Mainz berufen. Zm vorigen Jahre wurde ihm der Lehrstuhl für Kinderheilkunde in Gießen unter Ernennung zum ao. Professor übertragen. Seine Arbeiten "betreffen hauptsächlich Tuberkulose, Infektionskrankheiten, Allergie.
Von der Gendarmerie.
(Ernannt wurde mit Wirkung ab 1. April 1939 der Gendarmerie-Hauptwachtmeister Herrmann in Gießen zum Gendarmeriemeister. Versetzt wurden mit Wirkung ab 1. April 1939 Gendarmeriemeister Braun von Laubach nach Watzenborn-Steinberg, Gendarmerie-Hauptwachtmeister B e i e r I e i n von Steinheim bei Offenbach a. M. nach Lollar, Gendarmerie-Hauptwachtmeister Philipp von Hirschhorn (Neckar) nach Hungen.
mit starkem Beifall aufgenommenen Darlegungen *• deren Bedeutung für
wart Pitzer dem Redner , ,
Er schloß hierauf den offiziellen Teil des Abends
daß er zu Ihnen kommt?"
„Natürlich, Fräulein Hegemann? Wo soll er denn sonst hin mit seinem Koffer? Er wird sich unterwegs auf gehalten haben. Vielleicht ißt irgendwo zn Mittag."
„Nicht wahr, Sie benachrichtigen mich - sogleich, wenn er kommt oder wenn Sie etwas von ihm
Aus der Stadt Gießen.
Die Kleingärtner.
Den langen Winter über lagen die Kleingärten am Rande der Stadt kaum anders da wie abge- crntetes, leeres Ackergelände. Die Bäumchen und Sträucher standen gleich dürren Reisern, die einge- ; frorenen Pumpen glichen dicken strohumwickelten Vogelscheuchen, und die Gartenhäuschen kamen sich i in dieser verlassenen Umgebung sehr einsam vor. Nur einige von ihnen, an die sich Stallung und Pferch für Hühner anschlossen, empfingen zweimal am Tage Besuch, den die Betreuung des Federviehs erforderte, das feit Weihnachten mit gern gehörtem Gegacker feinen Ei er fegen anzeigte.
Nun haben feit einigen Tagen die Einzelgänger in der Frühe Gesellschaft bekommen. In den Häuschen herrscht rege Geschäftigkeit. Es wird gehämmert und gefügt, ausgebessert und erneuert an Zäunen und Wegeinfassung, an Dächern und Fensterverputz. Wo der Frühling schon so kraftvoll am Werk ist, will kein Kleingärtner müßig zusehen. Wie zierliche Flämmchen ist das zarte Grün an den Sträuchern der Johannes und Stachelbeeren. Die Himbeeren setzen mehr und mehr Knospen an, und auch das harte Dorngerank der Brombeeren bricht auf. Es wird nicht mehr lange dauern, und die Pfirsichbäume stehen im schönsten Rosaflor. Die zum Teil abgeernteten Feldsalat- und Spinatbeete leuchten in sattem Smaragd, die Erdbeerpflanzen haben aus verwitterten Blätterbüscheln bereits frische Herzen getrieben, auf den Zierrabatten lächeln die zarten Blumengesichter der kleinen Stiefmütterchen, die Schwertlilien und Tulpen recken ihre schilfartigen Blätter, die wie eine Leibgarde den Blütenschaft umschirmen werden, der bei den Narzissen schon den bald aufplatzenden gelben Blütenkelch tragt Primeln und Aurikeln wetteifern mit ihnen.
Spaten und Rechen kommen vorerst nicht mehr zur Ruhe. Wo das Land von Unkraut gesäubert und Dung untergegraben ist, wird die Erde umgeworfen und zu ansehnlichen Beeten eben und frei von Steinen gerecht. Schmale Fußpfade, die zwischen den Beeten an gespannter Schnur entlang getreten werden, grenzen die gleichmäßig langen und breiten Rechtecke voneinander ab. Kein Kleingärtner arbeitet oberflächlich. Jeder ist mit Liebe und Hingabe dabei, alles nach seinem Geschmack so toön wie möglich zu gestalten. Bedächtig werden Karotten, Radieschen und Kresse gesät, Puffbohnen, Erbsen und Steckzwiebeln in guten Abständen und Reihen ge- !cgt.
Es ist eine Lust, den Emsigen zuzuschauen, denen die Freude im Gesicht strahlt, daß endlich wieder die Tage der Kleingarten-Arbeiten angebrochen sind.
P. B.
Dornotizen.
Tageskalender für TNillmoch.
Stadttheater: 19.30 bis gegen 22.30 Uhr „Der fliegende Holländer". — Gloria-Palast (S etter s- weg): „Die Frau am Scheidewege". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Drei wunderschöne Tage". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung hiesiger Künstler im Turmhaus am Brand.
Sladtthealer Gießen.
Heute abend findet die letzte Aufführung von „Der fliegende Holländer", romantische Oper von Richard Wagner, statt. Musikalische Leitung Joachim Po- pelka. Spielleitung Gert Büchheim. Chöre: Hemz Markwardt. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 26. Vorstellung der Mittwoch^Miete statt. Anfang 19.30, Ende gegen 22.30 Uhr.
Verleihung
des Treudienst-Ehrenzeichens.
In Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste hat der Führer dem Professor Walter Schultze in Gießen und dem Kreisvetermarrat Dr Wilhelm Ludwig Schmidt in Alsfeld das silberne Treudienft-Ehrenzeichen für 25jahnge treue Dienstleistung verliehen.
Muffelwild im Kreis Gießen
Von Ernst Holzel.
Vornan von Walther Mepffer.
<lopllLighl bg datl Juncker VerIag/Aerlin>VZ5
37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Maxie kratzte ihren ganzen Mut zusammen und leerte ihr volles Herz aus.
„Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, wie ich w Georg stehe? Wir haben uns auf der Reise tennengelernt. Erst war alles gut und schön, und wir hatten uns schrecklich gern. Und dann kam auf einmal etwas dazwischen, eine Kleinigkeit nur, und !die gegenseitigen Mißverständnisse rissen nicht mehr ab. Na und jetzt find wir eben ganz auseinander, und daran bin ich schuld, weil ich Georg so einen dummen Brief geschrieben habe. Dieser Brief beruhte aber auf einem Irrtum, wie ich vorhin erfahren habe, und ich möchte das jetzt aufklaren und gutmachen. Vielleicht kann mir Georg vergeben. Es ist sehr wichtig, daß ich ihn treffe."
„Beruhigen Sie sich nur! Sie sind ja ganz auf- .geregt!" beschwichtigte Frau Holl und tätschelte ihrem Besuch die Hand.
„Das zwischen mir und Georg ist richtig verliebt, kann ich Ihnen sagen. Denken Sie nur, er hat meinetwegen seine Stellung aufgegeben.
„Den Werkarztposten, von dem er mir immer vorschwärmte?"
„Ja, den. Er ist mit feinem Koffer fort, und nie- tmanb weiß, wohin. Ich habe so Angst. Wenn er chch nun etwas antut?" klagte Maxie.
„Das schlagen Sie sich gekost aus dem Kopf, Fräulein Heqemann. Meine Puben sind so erzogen, daß sie nicht gleich den Verstand verlieren, wenn ihnen einmal etwas verquer tzeht. Aber wegen seiner Entlassung mache ich mir Sorge. Er war so froh mm diesen Unterschlupf, und nun if er wieder ohne Stellung. Was hat denn in dem Brief fo Furcht- Lares gestanden?"
„Nicht viel. Aber ich habe ihm abgeschrieben."
„So, so! Das ist allerdings schlimm. Georg ist nn solchen Dingen sehr feinfühlig. Das mtt dem Brief, fürchte ich, wird sich schwer ms Gleis bringen lassen", sagte Frau Holl bekümmert.
Maxie ließ den Kopf hangen, und eine Träne schlich sich über die rechte Packe.
„Haben Sie ihn denn so gern?, -fragte die alte grau behutsam.
„Kennen Sie zufällig eine gewisse Anna Schwiebus?"
„Sehr gut. Die hat bei uns mal im Haus gewohnt. Ein armes, braves Ding, die Anna. Sie hat jetzt einen Zeitungsstand und muß sich kümmerlich durchschlagen."
„Könnte ich ihre Adresse haben?" fragte Maxie, die plötzlich einen neuen Einfall hatte.
;,Sic wohnt gar _nid)t weit von Ihrer Fabrik. Ich schreibe Ihnen Straße und Hausnummer auf."
Maxie bedankte sich und hatte cs auf einmal furchtbar eilig, wegzukommen. Sie schützte das Mittagessen vor. Vor dem Aufbruch fingen ihre Blicke noch einmal die ganze Stube ein; es war ihr, als nähme sie ein Stück des Geliebten mit sich fort. Sie nannte dem Chauffeur, der vor dem Haufe wartete, Annas Adresse. Der Mann deutete stumm mit seinem Daumen auf den Taxameter, der eine beträchtliche Summe anzeigte.
„Schon gut", sagte sie obenhin. „Fnhrsn Sie möglichst rasch, bitte." Dann stieg sie ein. Während sie in dem schäbigen, unpersönlichen Wageninnern saß, bedrängten sie viele Gedanken, die alle mit Georg zu tun hatten. Eine Aussöhnung Mit ihm erschien ihr plötzlich riesenschwer. Georg war kein Mann, der heute so und morgen so dachte. Maxie wurde immer unglücklicher, je länger die Fahrt dauerte. Um zu Anna Schwiebus zu gelangen, mußte man die halbe Stadt durchqueren. Sie wußte selbst nicht recht, was sie bei diesem jungen Mädchen wollte, das sie so lange zu Unrecht verdächtigt hatte. Es war einfach ein Drang, diese Unbekannte endlich von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen. Vielleicht würde hinterher manches klarer sein.
Anna Schwiebus war nicht zu Hause. Maxie stieg
„Schrecklich! Auch damals noch, als ich den Brief schrieb. Das kommt mir erst jetzt zum Bewußtsein. Ich habe nie aufgehört, ihn zu lieben. Ach!"
„Na, nun lassen Sie es gut sein. Es wird schon wieder recht werden. Wollen Sie ein paar frühere Aufnahmen von Georg sehen?" Frau Holl ging an die Kommode und holte ein altmodisches Album herbei, das sich als wahre Fundgrube entpuppte. Da gab es einen ganz winzigen, rundlichen Georg Holl, der mit dem Hinterteil nach oben auf einem Eisbärfell lag; dann einen aufgeschossenen Knaben, der mit zu kurzen Aermeln an einem vergoldeten Stühlchen lehnt; weiter einen Abiturienten Holl unter einem Haufen magergesichtiger junger Leute, die feierliche Gehröcke trugen. Auch ein Bergsteiger Holl war da mit einem imposanten Seil um die Brust. Kurz, eine Menge Bilder, die ein heulbereites Mädchen von ihrem Schmerz ein wenig ablenftcn. Die in Plüsch gebundene Chronik endete mit einem außergewöhnlich gut gewachsenen Herrn in Badehose, der nach einem unsichtbaren Punchingball schlug - - -
„Wollen Sie eins? Ich habe sie doppelt."
„Oh!"
„Welches denn?"
Maxie entschied sich ohne Besinnen für das Eisbärfell. Während Frau Holl ihr das Bildchen m Seidenpapier wickelte, verriet Maxie:
„Georg hat auf dem Gebiet der Blutforschung eine große Entdeckung gemacht, wie ich vorhin erfahren habe. Unser Professor meint, er habe eine glänzende Laufbahn vor sich. Sie brauchen sich also über diesen Punkt nicht länger den Kopf zu zerbrechen, Frau Holl."
„Ist ihm seine Lieblingsarbeit endlich geglückt? Das freut mich aber! Ich bin eine einfache Frau und verstehe ja nichts von diesen Dingen. Aber das weiß ich: Georg ist tüchtig. Man hat sich schon als Bill) auf ihn verlaßen können", erklärte Frau Holl voll Mutterstolz.
Maxie steckte bas Bild in ihr Täschchen und seufzte:
„Wenn ich nur wüßte, wo er ist. Glauben Sie,
Die Wiedergabe einer Mitteilung des Kreisjägermeisters des Jagdkreises Gießen anläßlich des Kreisjägerappells am 11. März, wonach im Kreise Gießen Muffelwild ausgesetzt worden sei, durch den „Gießener Anzeiger", hatte Fragen aus Jäger- und Nichtjägerkreisen über Aussehen, Lebensweise und Eigenschaften zur Folge, deren, Beantwortung deswegen auch noch gegeben erscheint, weil mit der „Laubacher Ecke" nicht nur der edle Hirsch und der „König der Nacht", der Uhu, im Kreise Gießen Standwild wurden, sondern auch das Muffelwild.
Das Muffelwild (Ovis musimon L.) ist das einzige europäische Wildschaf. Seine Heimat sind die Bergwälder Korsikas und Sardiniens. Seit etwa 100 Jahren ist es auf dem festländischen Europa eingebürgert worben, und fein Bestand in Mitteleuropa übertrifft heute an Kopfzahl den in der Heimat. Es find im Laufe der Zeit alle möglichen Einbürgerungen fremder Tierarten in Deutschland erfolgt ober versucht worben, zu denen selbst das Känguruh gehörte, aber die Masse hat alle Hoffnungen enttäuscht ober ist von der Jägerwett abgelehnt worden. Anders das Muffelwild, das sogar in die Weidmannssprache Eingang fand. Dabei wurde aus dem „Moufflon" seiner Heimat das „Muffelwild", -das bei -der hastig kauenden Aesungs- aufnahme „muffelt".
Wer das Muffelwild bejagen ober volkswirtschaftlich bewerten will, muß seine Biologie kennen. Das auf gedrungenen stämmigen Läufen mit weichen Schalen stehende Wild ist ein ausgesprochenes Gebirgstier. Seine Körpermaße stimmen in Länge und Stockmaß etwa mit dem Rehwild überein, dagegen beträgt das Gewicht (aufgebrochen und abgeschlagen) beim Widder 35 bis 45 kg, beim Schaf 25 bis 30 kg, also wesentlich mehr als beim Rehwild. Die Färbung und Zeichnung der Decke ändern stark ab und lassen in der Nähe das Wild geradezu bunt erscheinen, während es in der Wild bahn außerordentlich gut getarnt ist. Ein besonders auffallendes Merk- ,mal kann der blendendweiße „Sattelsleck" auf beiden Seiten des Rumpfes fein. Wie wir es auch bei Hausschafen beobachten können, sind die Hörner gedreht und werden deshalb als „Schnecken" bezeichnet. Da es sich um Hornträger und nicht um Geweihträger (Hirsch,Reh) handelt, werden die Hörner nicht abgeworfen und neu gebildet, sondern sie -wachsen immer weiter, um mit acht bis zehn Jahren den Höhepunkt der Entwicklung zu erreichen. Auch die weiblichen Tiere können bis zu zehn Zentimeter lange Stümpfe tragen.
die vier entsetzlichen Treppen wieder hinunter, wartete verzagt in einem nahe Cafe, hatte einen kleinen Zusammenstoß mit einem jungen Mann, der zudringlich werden wollte, und versuchte gegen 16 Uhr ihr Glück noch einmal. Die Mietdroschke wartete unterdessen. Diesmal war die Schwiebus daheim. Sie empfing den vornehmen Besuch mit Verwunderung und leichter Verlegenheit. Maxie nannte ihren' Namen und bekam in einem Mansardenkämmerchen, eigentlich mehr einem Derschlag mit schräger Wand und Dachlucke, einen wackligen Stuhl angeboten. Das Mädchen Anna selbst nahm auf einem großen Holzkoffer Platz und verdeckte mit seinem schmalen Rücken einen halben Brotlaib und einen ungejpülten Teller.
„Ich kann mir denken, daß Sie erstaunt sind, Fräulein", begann Maxie flott das Gespräch. „Die Geschichte ist die: ich bin mit Herrn Doktor Holl!
wurde des vor einigen Tagen tödlich verunglückten Kameraden Gendarmeriehauptwachtmeister Haas (Nieder-Ohmen) in üblicher Weise gedacht.
Der neue Kommandeur der Gießener Schutzpolizei, Major Hellwege-Emden, richtete eine kurze Ansprache an seine Kameraden von der Gießener Polizei und betonte dabei besonders den hohen Wert der Kameradschaft als ausgezeichnete Grundlage für die Erfüllung des Dienstes.
Dann hielt der Landesfchulungswart im Kamerad- fchaftsbund Deutscher Polizeibeamten, ^-Untersturmführer B e u k e aus Darmstadt, einen kurzen Vortrag über „Weltanschauung und nationalsozialistisches Denken". Im Mittelpunkt der aufschlußreichen und
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