Ausgabe 
5.1.1939
 
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Bericht über seine Afrikareise 1938 geben un5 fer­nen Afrika-Kolomalfilm zeigen. Am Donnerstag, 9. Februar, wird auf seiner großen Deutschlandfahrt der schwedische Dichter Albin Widen, Verfasser des BuchesHeim will ich wieder reiten", einen Vortrag mit Lichtbildern halten über das Thema Altschwedische Kulturüberlieferungen in der Ge­genwart". Albin Widsn unternimmt diese Vor­tragsfahrt ouf Einladung des Vortragsamtes der Reichsschrifttumsstelle. Der im November wegen Erkrankung des Vortragskünstlers Ernst Kreuz- träger verschobene VortragsabendKunterbunt" wird am Dienstag, 28. Februar, nachgeholt. Schließ? lich wird nochmals auf die aus Anlaß der 25-Jahr- feier des Goethe-Bundes vom 19. bis 26. März stattfindende Gießener Goethe-Festwoche hingewiesen. Der Oberbürgermeister der Stadt Gie­ßen hat das Protektorat der Festwoche übernom­men. Im Mittelpunkt der Festveranstaltungen wird der FestvortragGoethes Wirkung in der Gegen­wart" stehen, zu dem der Dichter Hans C a r o j s a gewonnen wurde. Zuvor wird der stellvertretende Leiter der Abteilung Schrifttum des Neichspropa- gandaministeriums, Regierungsrat Schlecht, einen Vortrag halten mit dem ThemaDichter mitten im Volk".

Aufruf!

Einzelhändler: Der Reichsberufswetttampf ruft Euch zum Schaufensterwettbewerb auf!

Born 14. bis 21. Februar 1939 findet, wie all­jährlich, der Schaufensterwettbewerb im Rahmen des Reichsberufswetlkampfes statt. Heber 70 000 Schaffende standen im vorigen Iahre im IBettbe- roerb. Durch die Ausscheidung aller jüdischen Be­triebe haben wir uns das Ziel gesteckt, sämtliche Schausenster des Einzelhandels in Wettbewerb zu stellen. Wir hoffen, daß alle Firmen restlos diesem Aufruf Folge leisten und somit, an der uns vom Führer gestellten Aufgabe im Rahmen seines Auf­bauwerkes mithelfen.

heil Hiller!

Der Kreisobmann, (gez.) Kahenmeier.

Wirtschaftsgruppe des Einzelhandels, Kreisgruppe Gießen, (gez.) Schutte.

Der Leiter des Schaufensterwettbewerbs, (gez.) Steinet.

WHW. Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Betr. Kohlenabrechnung am 6. Januar.

Die Kohlenhändler werden ersucht, die Kohlen­scheine der Serie C am Freitag, 6.Januar, 20.30 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle (Zigarrenhaus Moeser), Eingang Löwengasse, einzureichen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Rückseite der Kohlenscheine außer der Unterfchrift des Händlers auch die Unterschrift des Empfängers, dessen Woh­nung, Straße und Hausnummer und die genaue Bezeichnung der Kohlensorte tragen muß. Nach dem 6. Januar 1939 eingereichte Scheine sind wertlos.

WHW. Ortsführung Gießen-Süd.

Kohlenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden hiermit aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine der SerieC" am Donnerstag, 5. Januar, von 19 bis 20 Uhr, auf der Geschäftsstelle, Crednerftraße 24, einzureichen. Später eingereichte Kohlengutscheine werden nicht mehr angenommen.

WHW., Ortsgruppe Gießen-Aord.

Betr. Kohlenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie C) bis spätestens Donnerstag, 5. Januar, auf der Ge­schäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht mehr berück- sichtigt werden._________________

Leistungssteigerung durch deutsche Uebungswirtschast.

Fasching tief im Vollsbrauch verwurzelt. Auch wirtschaftlich ist er nicht zu unterschätzen. Tausende haben von ihm Nutzen, und auch er trägt bei zur wirtschaftlichen Belebung. Darum, wenn er lockt, olge seinem Rufe!

Gießener Wochenmarktpreife.

Von Kreisrefereni Ewald Steinei.

Innerhalb der Berufserziehungsaufgabe der Deut­schen Arbeitsfront nimmt schon seit Bestehen die Deutsche Uebüngswirtschaft einen bedeutungsvollen Platz ein

Die heutige Wirtschaft braucht Männer, die nach nationalsozialistischen Grundsätzen ausgerichtet sind und die sich jederzeit als ihre Führer berufen füh­len. Mehr denn je tritt heute die Leistung in den Vordergrund. Nur der Tüchtiaste und nach Erfolg Strebende wird sich in Zukunft behaupten können. Adolf Hitler, der Führer aller Deutschen, gab den Weg frei und hat das deutsche Volk aufge­rufen, denKöniglichen Kaufmann" der deutschen Wirtschaft im Welthandel wieder erstehen zu lassen. Die Deutsche Uebüngswirtschaft ist diesem Aufruf gefolgt. Sie ist die berufliche Erziehungsstätte der deutschen Jugend. Jedem Jungen oder Mädel im kaufmännischen oder technischen Beruf bietet sie die erfolgversprechende, praxisnahe berufliche Weiterbil­dung. Somit ist sie für die Weiterbildung ein wah­rer Exerzierplatz vorhandener Fähigkeiten.

Nachstehend soll ein kurzer Aufriß einen Einblick in die Gesamtarbeit geben. Innerhalb und außer­halb des Reichsgebietes bestehen heute schon über 2000 Uebungsfirmen und Büros mit kaufmänni­schen und technischen Einrichtungen. Der Aufbau in der Ostmark und im Sudetenland wird in Kürze neue Firmen in unsere Reihen führen.

10 bis 15 zielbewußte Kameraden schließen sich unter Führung eines Leiters (Betriebsführer) zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen und stellen so­mit einen Betrieb (die Uebungsfirma) dar. Nach mehreren Uebungsabenden, wobei über Zweck, Auf­gabe und Form des Betriebes (der Uebungsfirma) eingehend beraten wird, beginnt die Gründung. Mit

dem Eintrag in das Handelsregister, welches für die Deutsche Uebüngswirtschaft den Sitz in Berlin hat, wird die Geschäftseröffnung vollzogen. Bei dem Antrag auf Eröffnung müssen eine Eröffnungs­bilanz, ein Organisationsplan und eine nach natio­nalsozialistischen Grundsätzen ausgearbeitete Betriebs­ordnung beigefügt werden. Dann beginnt die allge­meine Arbeit. Der Betrieb wird aufgeteilt nach den wichtigsten Abteilungen im kaufmännischen Beruf: Buchhaltung, Einkauf, Verkauf, Werbung, Kalku­lation und Betriebsführung. Die Abteilung Buch­führung versucht mit den im Gaugebiet arbeiten­den Bankübungsfirmen in Geschäftsverbindung zu kommen. Die Abteilung Einkauf holt bei den für sie zuständigen Firmen, die aus dem Reichsübungs­firmenverzeichnis zu ersehen sind, und bei Fabri­kanten Angebote ein und prüft diese auf ihre Preis­würdigkeit, wobei der im Preis günstiger liegenden Firma ein Auftrag erteilt wird. Die Abteilung Ver­kauf ist inzwischen schon bemüht, in Verbindung mit der Abteilung Werbung einen erfolgreichen Werbe­brief an die Kunden auszuarbeiten. Aus diesen Ge­schäftsvorgängen entwickelt sich bereits in kurzer Zeit ein reger Geschäftsbetrieb, der äußerst inter­essant ist und von jedem Mitarbeiter selbständiges Arbeiten und vollen Einsatz fordert.

Alljährlich treten alle Uebungsfirmen zu einem Leistungswettbewerb an, bei dem jeder Mitarbeiter sein Können unter Beweis stellen muß. Am 18. No­vember vorigen Jahres, demTag der deutschen Uebüngswirtschaft", fand in Anwesenheit des Reichs­organisationsleiters Pg. Dr. Ley und zahlreicher führender Männer der Wirtschaft die Ehrung der vorjährigen 16 Reichssieger statt.

Hitier-Zugend Bann 116.

Stamm 1/116.

Am kommenden Samstag, 7. Januar, findet in der Neuen Aula der Universität ein Lichtbilder­vortrag des Reichskolonialbundes statt. Es nehmen daran sämtliche Gefolgschaften des Stammes 1/116 mit einer Abordnung von 50 Mann teil. Die Ein­heiten müssen um 20.15 Uhr ihre Plätze eingenom­men haben.

Tag der Polizei^ in Vorbereitung.

Am 29. Januar findet überall im Reich der Tag der Polizei statt, mit dem ein Groß-Einsatz für das Winterhilfswerk verbunden ist. Die Vorberei­tungen für Stadt und Kreis Gießen, wie über­haupt für den Kreis Wetterau der NSDAP., sind in vollem Gange. Für die große Aktion ist ein um­fangreiches Programm vorgesehen, das allerdings in feinen Einzelheiten heute noch nicht feftliegt.

An den Sammlungen, wie an den Veranstaltun­gen überhaupt, beteiligen sich die Polizei, die Gen­darmerie, die Feuerlöschpolizei (Freiwillige Feuer­wehren), die ff und die Technische Nothilfe. Für die eigentliche Sammlung sind die Tage des 28. und des 29. Januar vorgesehen. Als Sammelabzeichen werden diesmal die Verkehrszeichen in reicher Serie herausgebracht und damit gleich in gewissem Sinne eine Schulungs- und Verkeherserziehungsarbeit ge­leistet. Wer die Verkehrszeichen tatsächlich noch nicht kennen sollte, kann sie auf diese Weise kennenlernen.

Die Formationen werden sich nachdrücklich für einen großen Erfolg dieser Aktion einsetzen. Gleich­zeitig wird auf mannigfache Weise gezeigt werden, daß'sich die Polizei in all ihrem Handeln in den Dienst der Volksgemeinschaft stellt.

!1m den Dreikönigstag.

Weihnachtsbaums Ende. Und schon ruft der Fasching!

LPD. Der Dreikönigstag ist kein allgemeiner Feiertag mehr, aber auf dem Lande ranken sich noch mancherlei Gebräuche um ihn. In Bayern

wird einem alten Herkommen gemäß nach dem Frühgottesdienst mit Weihrauch durch die Stuben des Hauses gegangen, und an die Türpfosten wer­den die Anfangsbuchstaben der Hl. Drei Könige angeschrieben, auf daß Unheil von Haus und Hof ferngehalten werde. Verschiedentlich herrscht auch noch der Brauch, daß die Stern- oder Rauhnachts- sänger, ein Ueberbleibsel der mittelalterlichen Drei? köNigsspiele, von Gehöft zu Gehöft ziehen, um durch das Hersagen kurzer Sprüchlein Geschenk­gaben zu erbitten. Im Fränkischen gehört das Trinken der sogenanntenDreikönigsstärk" zu Ein­richtungen, an denen insbesondere die Alteingesesse­nen hängen.

Mit dem Dreikönigstag endet die engere Weih- nachtszeit. Damit ist auch die Zeit des Weihnachts­baumes um. In vielen Familien werden an diesem Tage zum letzten Male die Kerzen an dem Tannen- bäum angezündet. Sie erstrahlen zwar noch in ihrer glitzernden Pracht, aber trotzdem ist nicht mehr weihnachtliche Stimmung um die Bäume, die schon viele ihrer Nadeln zu Boden fallen ließen. Eines Morgens werden die Kugeln und die Sterne und die silbernen Schneefäden von den Tannen­zweigen genommen, und der Weihnachtsbaum wird wieder zum einfachen, schlichten Waldbaum. Er ver­läßt das wohnliche Reich der Stube, um nimmer­mehr dorchin zurückzukehren. Seine Zeit ist um, fein Traum ist ausgeträumt!

... und schon ruft der Fasching. Der närrische Prinz Karneval wird in sein Reich eingeführt. Die ersten Tage tritt er meist noch zaghaft auf und klimpert nur ganz leise mit den Glöckchen der Narenkappe. Aber bald wird sein Schellengeläute lauter und steigert sich immer mehr zu ungebun­denem Frohsinn. Wenn der Fasching 1939 zu froh­bewegtem Lebensgenuß und Tanz auffordert, dann wollen wir keine Spaßverderber sein und nicht griesgrämig beiseitestehen. Mit herzlichem Lachen, wenn es sein muß auch einmal ganz närrisch und ausgelassen, wollen wir mithin. Pflichttreue, ar­beitsame, schaffende und opfernde Menschen brau­chen auch einmal Entspannung und eine heitere Gesellschaft um sich. Seit Jahrhunderten ist der

* Gießen, 5. Jan. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Weiß­kraut 9 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 11, Unterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 40, Feldsalat, 1/io 12 bis 16, Tomaten, Vi kg 35 bis 50, Zwiebeln 12 bis 13, Meerrettich ß5 bis 55, Schwarz­wurzeln 30 bis 40, Kartoffeln, kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,65 Mark, Aepfel, kg 40 bis 50 Pf., Nüsse 50, Endivien, das Stück 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15 Pf.

Aus her engeren Heimat.

Landkreis Gießen

* Ruttershausen, 4. Jan. Die hiesige Krie­gerkameradschaft hielt im Kameradschafts­heim bei Kamerad August Schön ihren gutbesuchten Generalappell ab. Kameradschaftsführer W. Göbel eröffnete den Appell mit besten Wünschen an alle Kameraden für das neue Jahr. Der vom Schrift­führer L. Schreiner V. oorgetragene und von den Kameraden gutgeheißene Bericht über die Tätig­keit im Jahre 1938 brachte noch einmal die Arbeit des verflossenen Jahres in den Gesichtskreis der Kameraden. Rechner Schön gab den Kassenbericht bekannt, der einen Ueberschuß von annähernd 50 Mark auswies. Für 25jährige Mitgliedschaft erhiel­ten die Ehrenzeichen die Kameraden Konrad B o - denbender, Louis Seipp, Wilhelm Göbel, Ernst Geißler, Louis Röhrsheim, Heinrich Schwarz, Ludwig Guß mann, Louis Kor­ber, Karl M ü h l l ch , Friedrich Zecher, Lud­wig Müller und Heinrich Ettling. Die im Herbst aus der Wehmacht entlassenen jungen Kame­raden von hier haben sich als Mitglieder bei der Kameradschaft angemeldet. Die übliche Winterver­anstaltung der Kameradschaft soll am 11. Februar stattfinden.

00 Ederstadt, 4. Jan. Unter der Leitung des Oberturnwarts Wilhelm 9te itschmidt und des Dietwarts Ferdinand Weisel veranstaltete der TurnvereinGut Heil" am Neujahrstage einen Familienabend im Saale von Wedemann. Im Anschluß an die Grußworte des Dietwarts folgten Gedichtvorträge, gemeinschaftliche Lieder, turnerische Darbietungen und ein hübsches Nikolausspiel der Kinder. Den musikalischen Teil boten die Vereinsmit­glieder Hedwig und Karl Gör lach. Alle Darbie­tungen fanden den reichen Beifall der vielen Be­sucher. Noch Dankesworten an die Mitwirkenden schloß der Dietwart den Abend in der üblichen Weise.

Kreis Bübingen.

* Steinberg, 4. Januar. Beim Heuholen stürzte der 44 Jahre alte Invalide Robert Mis s a r so unglücklich, daß er mit einem kom­plizierten Unterschenkelbruch noch Gießen in die Klinik eingefiefert werden mußte. Da eine schwere Infektion eintrat, mußte dem bedauernswerten Mann in der Klinik das Bein amputiert werden. Der Verunglückte liegt leider schwer darnieder.

Kreis Biedenkopf.

A Gladenbach, 4. Jan. Die beiden Land- Wirtschaftsschulen in Gladenbach und Bie­denkopf werden in diesem Jahre von etwa hundert Schülern und Schülerinnen besucht. Der Män­nerturnverein Gladenbach kann auf fein 30jähriges Bestehen zurückblicken.

A Endbach, 4. Ion. Auf der Straße nach Weidenhausen kam das Auto des Dr. med. Scheuster aus Weidenhausen infolge Glatteis ins Schleudern und überschlug sich. Der Fahrer l.trug erhebliche Verletzungen davon, während der 'Beisitzer unverletzt blieb. Das Auto mußte stark beschädigt abgeschleppt werden.

A Weidenhausen, 4. Jan. Bei reger Be­teiligung der Ortseinwohner machte Bürgermeister Michel in einer B ü r g e r v e r s o m m l u n g be-

MM «UW«

Noman von Hubert Rausse.

Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.

(Nachdruck verboten!)

23. Fortsetzung.

Er schwenkte den Hut, er zog Elisabeth neben sich, er hupte, daß der nächste Schutzmann er­bleichte, und sprang mit hoher Fahrt in die Reihe der Autos, die von der Gedächtniskirche her den Kurfürstend amm hinunterfuhren.

So, nun bestimme! Weißt du, wie der Dollar steht? Mir ist gerade noch ein guter Kauf ge­lungen. Wohin fahren wir?"

Ins Bett", sagte Elisabeth.Ich wenigstens. Ich bin müde und esse zu Hause'"

Das war noch nicht dagewesen. Gerade jetzt, wo er glaubte, ihr Vertrauen, ihr Entgegen­kommen, mehr noch, ihre Freundschaft, vielleicht auch ihre Liebe errungen zu haben, gerade jetzt diese klare und schroffe Ablehnung.

Es tat ihm innerlich weh ... Und auch Elisa­beth bereute das Wort, kaum daß es ihren Lippen entschlüpfte. Jago fuhr seinen Wagen m Die (3araae und bummelte durch den Tiergarten der Innenstadt zu. Er gehörte zu den Menschen, die sich gesund-' laufen und gesundschlafen können.

Die Bäume waren gelb und braun gesprenkelt. Unten auf den Wiesen zwischen den Sträuchern hing ein erster feiner Nebel. Die Lust war ganz still und doch löste sich Blatt um Blatt und schwebte langsam torkelnd zu Boden.

Der Winter stand vor der Tür.

In Toledo saßen sie jetzt auf der Terrasse im Freien und hatten braune Wangen und warteten darauf, daß die fernen Spitzen der Sierra Nevada eine weiße Haube zeigen würden.

Und hier er hieb mit feinem Stock ins feuchte @ra5 hier roch es nach welkem Laub und faulendem Holz. .

Nun war er fast ein Jahr in der Heimat! Er hatte Glück gehabt, er hatte nicht nur von Rem­scheid her die alten Vorkriegsbeziehungen wieder angebahnt, er hatte das Südamen tage schäft er­weitert und darüber hinaus eine Reihe Objekte erworben, die in einer vernünftigen Zeit wieder wirkliche Werte fein würden.

Glück gehabt! Er lachte laut hinaus und er« schrak bann über sich selbst. Die Verhältnisse fa'tten ihm alles leicht gemacht, weiter nichts. Er hatte sich an dem großen Ausverkauf beteiligt; das war,

wahrhaftigen Gotts, keine Kunst. Aber wo es ge­golten hätte, da hatte 'et versagt.

Elisabeth!

Was wußte er im Grunde von ihr? Er begann zu laufen und hieb mit dem Stock grimmig durch Die Luft. Daß sie ein prachtvoller Kerl war, und daß er sie liebe, mit jener knabenhaften Verliebt­heit, die ihn restlos beglückte, aber leider nicht weiter brachte. ,

Er würde wieder die Jte fragen müssen, diesen lieben Menschen und Kameraden, die für den Brasky viel zu schade war.

Es war wirklich eine jammervolle Welt!

War es eine jammervolle Welt?

Ihm fiel ein spanisches Liedchen ein, und er fang es, rüstig auf den großen Stern ^schreitend,, in den Abendhimmel hinein. Weihnachten wollte er bei der Mutter verbringen. Sie fehlte ihm, jetzt wußte er es mit einem Male ganz klar. Er würde die Brüder wieder sehn, die in andern Teilen des Landes und der Welt Filialen und Vertretungen leiteten. Man würde sich aussprechen, man wurde frei werden von all diesen äußeren Einflüssen; man würde wieder der Jago werden, der echte, rechte, dem es doch wirklich nicht an Mut gefehlt

hatte.

Aber jetzt und hier? In Deutschland und m dieser Zeit? . . .

Da blitzte vor seinen Füßen eine Kastanie im Licht einer Laterne. Sie stak noch halb in der weißen Lederhülle. Er löste sie. Sie war braun und glänzend, wie der Nußbaumschrank in seiner Mutter Zimmer. .

Er steckle sie in die Tasche. .Es wurde wirklich Zeit, daß er nach Hause kam. Am Abend m der Bar sah er den Tanzenden zu. Plötzlich stand der Chef neben ihm: eine Dame bäte, ihn sprechen zu können, sie warte noch draußen.

Eine Dame? Jung?" .

Sollte Elisabeth? Vielleicht war sie mit Jte und Brasky ... ?

Ihm klopfte das Herz plötzlich bis zum Hals.

Draußen stand die Argesilla

Sie gab ihm ihre schmale Hand, sie zeigte ihm das stille Leuchten ihrer dunklen Augen. Sie sah von unten zu ihm auf:

Sind Sie allein, Don Jago?"

Ganz allein!" sagte Jago und küßte die kleine braune Hand.Ganz allein mit meinen Traumen von Toledo!" . . ,

Man kannte die Tänzerin, aber sie war eigenmd) nur in der Halle, im Speisefaal, in den großen öffentlichen Räumen zu sehen, meistens allem oder in einer Begleitung, der Theater und Geschäft leicht anzumerken war.

Sie fielen also auf in der Bar. Sie sprachen spanisch, der Chef mühte sich selber, um einen seltenen Süd wein, der bei Jerez zu Hause war, richtig zu kredenzen: Es war ein Pedro limenes, ein vornehmer Bruder jenes Manzanillo, den man in allen Tabernen und luftigen Gesellschaften von Südspanien trinkt. Goldgelb lag er in der Schale, sein harzsüßer Duft erfüllte den Raum.

Die Argesilla bestellte sich Wasser, um den schweren Wein nach spanischer Sitte zu mischen.

Der Kellner brachte auch geröstetes Brot, kleine Backfische und Oliven.Der Chef hat in Malaga gelernt", fügte er erklärend hinzu.

Fast wie zu Haus!" luchten beide und tränten

Was soll man tun?" sagte Jago.Eigentlich sollte man Weihnachten in Deutschland fein, unterm Tan- nenbaum. Kennen Sie die Sitte? Es ist nirgends so behaglich wie auf Weihnachten in Deutschland. Aber am Christabend gehört der Mensch zu seiner Mutter!"

Werden Sie in Toledo sein?"

Nein, in Madrid! Das Haus da ist größer."

So würde ich eine deutsche Tanne einpacken und damit nach Madrid zur Mutter fliegen!"

Fliegen?" fragte Jago.

Ich habe den Flug MadridBarcelonaParis schon zweimal gemacht. Er ist ebenso wundervoll, wie unsere Eisenbahnen abscheulich sind."

sich zu.

Draußen habe ich Heimweh gehabt!" sagte Jago.

Die angenehme, unaufdringliche Kapelle spielte mit leisem Kastagnettengeklapper einen spanischen Tanz.

Die schwarzen Augen der Argesilla suchten die hellen Don Jagos. Die Musik schwang in ihrem Blut, und ihr Körper sehnte sich nach der erregen­den Besessenheit, die der Körper dem Körper zu geben vermag.

Sie tanzten.

Ich tanze schlecht", sagte Jago,ich habe in Deutschland vieles verlernt."

In der Heimat ist es sofort wieder da. Wissen Sie noch, wie wir in Sevilla tanzten? Damals, ich war noch ein Kind."

Er wußte es noch.

Wenn ich die Augen schließe, Lacita, sehe ich den Raum noch vor mir. Es ging einige Stufen hinab. Die Lust war schwer von den Weinen, die in großen Fässern an den Wänden lagerten. Drau­ßen brüllte der heiße Tag, und ein paar Sonnen­streifen lagen quer und zitternd in dem kühlen Raum. Eine Mandoline spielte, und dann kam ein Kind und sang und tanzte, jagte, raste den Fan­dango. Das warst du, Lacita!"

Sie sah ihn mit ihren großen Augen an und nickte. Um sie war Heimat, in ihr war Seligkeit.

Heimat?

Jago drängte die Wallungen des Blutes zuruck. Seine Heimat war Deutschland.

Er sah der Tänzerin zu, die noch nicht gegessen hatte. Sie löste mit ihrer kleinen festen Hand das helle Fleisch aus den brennend roten Hummer­muscheln und trank dazu in kleinen Schluckern Sie hatte die angeborene Sicherheit Der großen Welt. Sie merkte die Blicke gar nicht, die von allen Tischen her und von den tanzenden Paaren zu ihr heruber- gingen.

Sie ließ ihn erzählen, und ihre großen Augen gingen immer wieder zu seinen Lippen.

Oh", sagte Jago, und in seiner Stimme klang etwas mit, das er für Dankbarkeit hielt,Der Ge­danke ist ganz ausgezeichnet!"

Die großen Augen sehen ihn an, fragend, for­schend.

Beide Gedanken", sagte Jago,der mit dem Flug und auch der mit der Tanne."

Dann tanzten sie wieder. Die Menschen Drängten sich und lachten und waren voller Fröhlichkeit. Es waren wenig Deutsche darunter. Für einen Augen­blick kam es Jago zum Bewußtsein. Doch der Kahl köpfige dort mit der Brille sprach deutsch. Aber er war wohl keiner.

Der Tango war von einer süßen Verhaltenheil. Die Argesilla schmiegte sich an ihn, und das erfüllte ihn wie berauschenden Wein. Sie war der beffere Partner, aber sie machte nicht den leisesten Ansatz, ihn zu führen. Sie war da und war ihm hinge­geben. Er legte den Arm fester um ihre Taille, um sich ihrer gertenhaften Biegsamkeit zu freuen. Sie wuchsen und schmolzen zusammen und genossen wie ein Neues den gemeinsamen Tanz.

Plötzlich hörte Jago deutlich ein Brocken aus den vielsprachigen Unterhaltungen ringsum deut­lich die beiden Worte: die Hellfahr! Irgendwo sprach hier im Raum irgend jemand von Elisabeth. Er straffte sich. Seine Gedanken gingen zu ihr. Die Tänzerin spürte deutlich, wie er ihr entglitt.

Sein Kopf war klar.

Er zeigte auf die leere Flasche Pedro .limenej.

Wissen Sie eigentlich, daß dieser echt spanische Name deutschen Ursprungs ist? Im sechzehnten Jahrhundert hat ein Deutscher, der Kölner Peter Simsen, die Rieslingtraube in Spanien eingeführi. Aus Peter Simsen wurde Pedro Timenez."

Die Argesilla richtete ihre großen A'^en auf ihn, sie sagte trauria:Ja, c-j !" ri. 'A --'H. Dies deutsche Volk Jhrcr Hcm'a. "