Das Gesetz über -ie Altersversorgung für das Deutsche Handwerk.
Don Verwaltungsinspektor K. Heß, Städtisches Dersicherungsamt Gießen.
Aus der Stadt Gießen.
Veteran des Lebens.
Er wohnt in meiner Straße. Ost sehe ich ihn aus dem großen Hause heraustreten, das meinem gerade gegenüber liegt. Seine Haltung ist noch erstaunlich straff und seine frische Gesichtsfarbe steht in einigem Gegensatz zu dem schlohweißen Haar, das unter seinem Hut heroorquillt. Zuerst hielt ich ihn für einen älteren Angestellten, weil er mir vor allem dann begegnete, wenn ich mich auf dem Wege zum Büro befand. Aber ein Hausgenosse widerlegte diese Annahme. „Der ist weit älter, als er aussieht", sagte er nachdrücklich, „ich glaube, er ist schon über siebzig. Jedenfalls bezieht er schon seit langer Zeit Rente." ., .
Also ein Altersrentner, dachte ich, und wunderte mich über die Regelmäßigkeit, mit der der Mann seine Wohnung verließ und wieder in sie zuruck- kehrte. Der Zufall führte uns aber kürzlich ins Ge- sprach, und dabei erfuhr ich, daß dieser Alters- rcntner vortrefflichen Grundsätzen huldigt, von denen er offenbar nur in den seltensten Fallen abweicht. Wir standen beide im Bäckerladen und warteten auf die Frau des Meisters, die eben in die Backstube gegangen war. Nach einigen belanglosen Worten fragte ich ihn geradezu, wie es komme, daß er so regelmäßig am frühen Morgen oder auch in den Mittagsstunden auf der Straße anzutreffen sei. Er lächelte: „Danach bin ich schon oft genug ge- stagt worden, aber ich sehe in der Art, wie ich es mache, den wichtigsten Grund für meinen guten Gesundheitszustand. Sehen Sie, ich bin Altersrentner, ein Veteran des Lebens sozusagen, aber ich bleibe bemüht, mein Leben streng nach gewissen Richtlinien zu regeln. Und dazu gehört vor allen Dingen das zeitige Aufstehen und das Atmen in frischer Luft."
Die Frau des Meisters brachte uns unsere Brötchen und wir verließen den Laden. Draußen hielt mir der Mann mit dem schlohweißen Haar und der frischen Gesichtsfarbe noch einen bemerkenswerten Vortrag. Das Wichtigste neben allem anderen aber sei, so meinte er, daß jeder Mensch sich gewisse Aufgaben setze. Er könne zum Beispiel von sich behaupten, daß sein Leben auch heute noch voll ausgefüllt sei. Da wäre der große Garten, dann die Kanarienzucht und im Winter außerdem noch das Basteln. „Und immer wieder zwischendurch zu bestimmten Zeiten Bewegung und frische Luft, das erhält elastisch und gesund", nickte er mir vergnügt zu und verabschiedete sich händeschüttelnd.
Ich sah ihm nach. Daß ein solcher Philosoph und Lebenskünstler in ihm steckte, hätte ich wirklich nicht erwartet. Veteran des Lebens nannte er sich selber und strafte doch die Vorstellung, die man sich bei dieser Bezeichnung unwillkürlich machte, deutlich genug Lügen. Und hat das Leben in seiner bunten Vielfältigkeit nicht häufig genug solche Beispiele, die erkennen lassen, daß jedes neue Dasein eine neue Variation bedeutet? Dort drüben ging jedenfalls ein Weiser, und nie hätte ich vermutet, daß mir in dieser alltäglichen Straße ein solcher Weiser begegnen würde. Was aber dafür spricht, daß in der Alltäglichkeit die schönsten Wunder verborgen liegen. ' H. W. Sch.
Dem Festtagsbraten folgt der Eintopf.
NSG. Nach den Festtagen mit all den guten Sachen steht uns am nächsten Sonntag wieder etwas Besonderes bevor. Arn 8. Januar begehen wir den ersten Eintopfsonntag im neuen Jahr. Jrn alten Jahr Haden wir treu an dem schönen Brauch unserer Volksgemeinschaft festgehalten, und auch das Jahr 1939 wird uns ebenso bereitfinden. An die guten Sammelergebnisse der ersten Eintopfsonntage des gegenroärtgen Winterhilfswerkes werden sich auch die drei noch bevorstehenden Eintopfsonntage ebenbürtig anschließen. Der 8. Januar soll nach den Freuden und dem Glück des ersten Weihnachtsfestes in Großdeutschland ein besonderer Beweis unserer Opferbereitschaft sein. Das neue Jahr, in das wir alle mit großen Hoffnungen und Wünschen eingetreten sind, soll mit einem gemeinsamen Bekenntnis zur Gemeinschaft unseres 80-Millionen-Dolkes beginnen, an dem jeder gemäß feinen Mitteln teil- nehmen wird.
Die Reichsregierung hat am 21.12.1938 ein Gesetz verabschiedet, das den selbständigen Handwerkern, die durch ihre Beiträge die Zukunst ihrer Gesellen und Lehrlinge sichern, nunmehr auch eine eigene Altersversorgung gewährleistet. Das Gesetz ist im Reichsgesetzblatt, Teil I, Seite 1900/38, veröffentlicht und bestimmt im wesentlichen folgendes:
Selbständige Handwerker, die in die Handwerks- rolle eingetragen sind, werden für den Fall der Berufsunfähigkeit und des Alters, sowie zugunsten der Hinterbliebenen in der Angestelltenversicherung versichert. Da die Bestimmungen des Angestellten- Versicherungsgesetzes ’ (ADG.) anwendbar erklärt sind, sind solche Handwerker ausgenommen, die das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben und beim Inkrafttreten des Gesetzes (1.1:1939) bereits berufsunfähig waren. Eine Einkommensgrenze — wie sie für die 'Angestellten besteht — gibt es nicht; die Versicherung umfaßt vielmehr das gesamte Jahreseinkommen des einzelnen Handwerkers.
Obgleich das Gesetz jeden Handwerker zur Versicherung verpflichtet, besteht doch die Möglichkeit, entweder die Dersicherungsfreiheit geltend zu machen oder die Befreiung von der halben Beitragsleistung zu beantragen. Die Befreiung tritt dann ein, wenn und solange der Handwerker mit einer öffentlichen ober privaten Lebensoersicherungsunternehmung für sich und seine Hinterbliebenen einen Versicherungsvertrag für den Fall des Todes und des Erlebens des 65. Lebensjahres abschließt und mindestens soviel aufwendet, wie er zur Rentenversicherung der Angestellten zu zahlen hätte. Wer also beispielsweise ein Monatseinkommen von 250 Mark hat (Klasse D der Angestelltenversicherung), hätte — falls er sich zur Vollversicherung in der Angestelltenversicherung entschließt — 12 Mark als Monatsbeitrag zu entrichten Er kann sich von dieser Verpflichtung befreien, wenn er ebenfalls mindestens 12 Mark monatlich zum Ankauf einer privaten Rente verwendet. Entschließt er sich aber zum Abschluß eines auf Kapitalauszahlung aerichteten Versicherungsvertrages, dann muß die Versicherungssumme 5000 Mark betragen, und es müssen außerdem etwaige Gewinnanteile zur Erhöhung der Dersicherungsleitung verwendet werden. Die Dersicherungsfreiheit beginnt mit dem Kalendermonat, in dem der Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen wird. Für die lieber« gangszeit gilt die Regelung, daß Versicherungsfrei- heit mit dem 1.1.1939 beginnt, wenn der Lebensversicherung sve r tra g vor dem 1.7.1939 abgeschlossen wird. In Fällen der vollen Befreiung von der Angestelltenversicherung ist ein besonderer Antrag nicht erforderlich. Der Handwerker hat lediglich die Unterlagen, auf Grund deren die Befreiung beansprucht wird, zu Kontrollzwecken greifbar aufzubewahren,
Handwerker werden auf Antrag von der halben Beitragsleistung befreit, wenn und solange sie für ihre Lebensversicherung mindestens halb so viel aufwenden, wie sie zur Rentenversicherung der Angestellten zu zahlen hätten. In diesen Fällen muß, wenn der Lebensversicherungsvertrag auf Kapitalauszahlung gerichtet ist, die Versicherungssumme mindestens 2500 RM. betragen, und es müssen etwaige Gewinnanteile zur Erhöhung der Dersiche- rungsleistung verwendet werden. Neber den zu stellenden Befreiungsantrag — dem der Versicherungsschein oder eine Bescheinigung der Lebensversicherungsunternehmung, die letzte Prämienquittung und der letzte Einkommensteuerbescheid beizufügen sind — entscheidet die Ausgabestelle für die Versicherungskarten. Die Ausgabestelle vermerkt bann auf der Versicherungskarte, daß der Handwerker halbversichert ist. Die Halbversicherung beginnt mit dem Kalendermonat, in dem sie auf der Versicherungskarte vermerkt wird; sie beginnt am 1.1.1939, wenn der Lebensversicherungsvertrag vor dem 1.7.1939 abgeschlossen und die Halbversicherung vor dem 1.10. 1939 beantragt wird.
Versicherungsfreiheit sowohl als auch die Halbversicherung enden mit dem Ablauf des Kalendermonats, in dem für die Lebensversicherung nicht mehr der erforderliche Betrag aufgewendet wird, oder — im Falle der Kapitalversicherung — die Versicherungssumme unter die erforderliche Mindesthöhe sinkt.
Ein Verzicht auf die Versicherungsfreiheit und Halbversicherung ist jederzeit möglich. Es können jederzeit die vollen Beiträge entrichtet werden. Halbversicherte legen in solchem Falle der Reichsversicherungsanstalt die Versicherungskarte zur Löschung des Vermerks über die Halbversicherung vor.
Hinsichtlich der Versicherungsleistungen gelten die Bestimmungen des Angestelltenversicherungsgesetzes, jedoch erhalten Halbversicherte beim Eintritt des Der- sicherungsfalles den halben Grundbetrag und die Steigerungssätze, die den ermäßigten Beiträgen entsprechen. Die Gewährung eines Heilverfahrens für einen Halbversicherten kann die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte davon abhängig machen, daß er die Kosten zur Hälfte trägt. Hat ein halbversicherter Handwerker nach dem Ende der Halbversicherung rrfinbeftens 60 Beiträge entrichtet, die dem
NSG. Der Beauftragte für die Durchführung des Vierjahresplanes Hermann Göring hat angeordnet, daß alle deutschen Betriebe in der Zeit vom 2. bis 15. Januar 1939 entschrottet werden.
Aufgabe dieser Entschrottungsaktion ist es, aus jedem Betrieb die überflüssigen Alteisenmengen herauszuziehen, um sie der Wiederverwertung in der Eisen- und Stahlindustrie zuzuführen; denn diese Materialien sind für uns kostbare Devisen. 1938 sind noch, trotz steigender Erfassung des Jnlandanfalles, allein in den ersten sechs Monaten 558 231 Tonnen Schrott im Werte von 30 Millionen Mark aus dem Auslande eingeführt worden. Nach vorsichtiger Schätzung dürfte für das Jahr 1939 mit einer Einfuhr im Gesamtwerte von 45 Millionen Mark zu rechnen sein. Jedem wird bei Kenntnis dieser Sachlage klar, daß durch die restlose Erfassung des verbrauchten und nutzlos herumliegend en Altmaterials die Einfuhr von ausländischem Schrott bedeutend gesenkt werden kann. Damit würde unsere Devisenbilanz eine nicht unwesentliche Entlastung erfahren. Obwohl das rohstoffarme Deutschland schon heute 90 v. H. seines Schottbedarfs selbst aufbringt, stößt man immer noch auf die erstaunliche Tatsache, daß von dem gesamten verwendeten Eisen, nach zuverlässigen Berechnungen, in den Städten 20 bis 22 v. H. und auf dem Lande sogar 35 bis 45 v. H. sinnlos dem Verderb preis gegeben werden. Hier klafft eine Lücke, die es unter allen Umständen zu schließen gilt.
Nunmehr bat die DAF. eine der wichtigsten Aktionen, nämlich die Entschrottung aller deutschen Betriebe, übernommen, die mengenmäßig den größten Anfall erbringen wird. Die Entschrottungsaktion hat mit der ersten Januarwoche begonnen und sieht die Millionen DAF.-Walter am Werk. Jeder Arbeitskamerad, gleichgültig an welche Platze er schafft, hat das Recht und die moralische Verpflichtung, auf jene Werte aufmerksam zu machen, die seit Monaten oder Jahren brachliegen. Wenn man mit offenen Augen gerade durch die Betriebe der ländlichen Gegenden wandert, wird man oftmals gewaltige Mengen an Maschinenteilen vorfinden, die angeblich „stückweise wiederverwertet" werden, während sie jedoch schon jahrelang an der gleichen stelle liegen und bereits bedenkliche Spuren der lleber- alterung und Verrostung aufweisen. Dieser für die deutsche Wirtschaft sv wichtige Rohstoff muß weg
vollen Jahreseinkommen entsprechen, so erhält er den vollen Grundbetrag.
Das Gesetz läßt zweifellos in vielen Fällen die Frage berechtigt erscheinen, ob und welche Beiträge zum Wiederaufleben früherer Versicherungen nachentrichtet werden können. Denn erfahrungsgemäß haben die meisten Handwerker nach der Beendigung ihrer Lehr- und Gesellenzeit ihre durch die Pflichtzahlungen zur Invaliden- und Angestelltenversicherung erworbenen Anwartschaften durch freiwillige Weiterversicherung nicht aufrechterhalten, und es könnten demgemäß die früheren, verlorengegangenen Marken sich nicht rentensteigernd auswirken. Dieser Tatsache hat der Gesetzgeber insofern Rechnung getragen, als er zugelassen hat, daß Handwerker für die Zeit ihrer Selbständigkeit, frühestens aber seit dem 1. Januar 1924, Beiträge bis zum 31. Dezember 1941 wirksam nachentrichten können. Diese freiwillig nachentrichteten Beiträge gelten für die Erfüllung der Wartezeit als Pflichtbeiträge, d. h. die Wartezeit ist bereits mit 60 Beitragsmonaten — anstatt, wie bei freiwilliger Versicherung, mit 120 erfüllt. Wie hinsichtlich der Leistungen, so bestimmen sich auch die Beiträge nach dem Angestellten-Dersicherungsgesetz.
geräumt werden. Jeder Betriebsführer hat persönlich die Initiative zu übernehmen und festzustellen, welche Schrottmengen auf feinem Grundstück nutzlos herumliegey. Er wird dabei der Mithilfe sämtlicher Arbeitskameraden, vor allem aber der DAF.- Walter des Betriebes, gewiß fein dürfen. Der gesammelte Schrott soll zunächst auf dem Betriebsgelände aufgestapelt werden. Der Abtransport wird in der Zeit vom 15. Januar bis 30. März erfolgen.
Für diese Aktion wurden vom Reichskommissar für Altmaterialverwertung in den Gauen und Kreisen besondere Arbeitsausschüsse angeordnet, die unter Leitung des jeweiligen Gau- bzw. Kreisbeauftragten der NSDAP, für Altmaterialerfassung stehen. In den Ausschüssen sind Vertreter der verschiedenen Arbeitsgebiete als technische Sachverständige zusammengefaßt.'
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Städttheater: 20 bis 22 Uhr Gastspiel „Meiper- Sextctt Comedian Harmonists". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Pour le m£rite". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Nanu, Sie kennen Korff noch nicht!"
Einmaliges Gastspiel
Meister-Sextett Lomedian harmonists.
Heute abend wird das Meister-Sextett, Comedian Harmonists, im Stadttheater Gießen ein einmaliges heiteres Gastspiel geben. Die Comedian Harmonists haben bei uns fast in jedem Jahr Triumphe feiern können. Die Comedian Harmonists bringen ein vollkommen neues Programm. Das einmalige Gastspiel beginnt um 20 Uhr und endet um 22 Uhr.
Goethe-Vund und kaufmännischer Verein.
Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein Gießen gibt heute sein Doriragsprogramm für die zweite Winterhälfte bekannt. Äm 12. Januar wird an Stelle des erkrankten Fliegers Hans Bertram die bekannte Kunstfliegerin und Europameisterin Liefet Bach einen Vortrag mit Lichtbildern und Schmalfilm halten über das Thema „10 Jahre Kunstflug. Erlebnisse und Abenteuer aus einer Fliegerlaufbahn". Ferner wird der Frontdichter P. C. E11 i g h o f f e r auf seinen Wunsch an Stelle einer Lesung aus eigenen Werken einen spannenden
Schrottsammlung der DAF. in allen betrieben.
Alle Arbeitskameraden zur Mithilfe aufgerufen.
Nordische Tafelfreuden.
(Sin Reisebericht von D G. Schumacher.
Der Unterschied zwischen den gastronomischen Eigenarten Schwedens und Norwegens ist ebenso groß wie der Unterschied zwischen beiden Ländern überhaupt. Was die Speisefolge anlangt, steht hier der naturhaftere Norweger dem verfeinerten Schweden gegenüber. Um es kurz zu fassen: die schwedische Küche ist eigentlich eine französische zuzüglich größerer Mengenabgabe. Ein schwedisches Stück Braten ist eben dreimal so groß wie ein französisches, und das gilt bei allen anderen Speisen auch, bei denen uns immer wieder ihr Umfang auffällt. Ganz besondere „Spesialiteter" kennt die schwedische Küche kaum, nur daß sie Fisch und Großwildbraten bevorzugt. Die bleibende Eigenart der schwedischen Küche besteht noch immer in dem bekannten „smorgasbrod“, das heißt Butterbrottisch, den ein reisender Franzose sehr bezeichnend „buffet ä la discretion“ nannte, denn der Dreiste und Flinke kann vom Smorgasbrod zwischen zwei Eisenbahnzügen unglaublich viel für fein Geld verzehren. Solche Leute find eben eine Sorte von Stößern, die der Schwede löngft fürchten gelernt hat. Den bekannten Smorgasbrod brauche ich nicht weiter zu beschreiben. Bezeichnend ist bei ihm die Zugehörigkeit malerischer Batterien geistiger Getränke, die der Schwede indessen vorsichtig und bescheiden genießt. Da der schwedische „snaps“ oder „akvavit“ (in Schweden schreibt man Fremdwörter erfreulicher Weise genau so, wie man spricht!) bei großen und kleinen Mahlzeiten einen wesentlichen Begleiter darstellt, soll hier noch Näheres darüber gesagt werden. Der Schwede trinkt seinen „snaps“ eiskalt und zur Anregung des Appetits. Der „alcva- vit“ ist mit Kümmel oder Anis gewürzt, während der „brännvin“ — der Branntwein — ohne Gewürz bleibt.
Weit eigentümlicher ist die norwegische Küche. In ihr kommt die köstliche wikingerhafte Naturnähe noch zum Ausdruck, welche die Ragouts, die Haschees und Frikassees nicht bevorzugt..., denn der Norweger will die Grundstoffe seiner Speisen sofort übersehen können...! So hat er denn auch für Klopse und falschen Hasen keine Vorliebe
Fische und Sahne — fiske og flöde — sind das A und O des Norweger-Essens. Die unzähligen Arten von See- und Flußfischen werden dort in den besten und frischesten Stücken und auf verschiedenste Art bereitet: mit sehr reichlich zerlassener Butter oder sehr dicker Sahne, mit Schlagrahm oder pa
niert, mit süßen oder sauren Tunken, mit Gurken, Tomaten, Pilzen, Mixed Pickles, mit Meerrettich oder in Aspik — aber darunter bleibt es deutlich Fisch, der dort auch das Aroma des eben aus dem Meere geholten Fanges hat.
Der Hummer, der auf den Märkten der nordischen Hafenstädte verhältnismäßig billig verkauft wird, stellt dort keinen Luxus dar und ist somit auch auf mittleren Speisekarten kein seltener Gast. In Bergen sah ich, wie nach neuester Art der Hummer gleich nach dem Fange auf 24 Stunden ohne Nahrung in einen Tank voll fließenden filtrierten Seewassers kommt, wodurch alle Nahrungsreste aus ihm entfernt werden; erst bann kommt er in die Küche. Die meist mit zerlassener Butter oder Worcestersoße angerichteten Hummer werden tapfer mit beiden Händen angefaßt, denn das Zweckmäßigere ist auch hier das Aesthetischere.
Der Menge des verbrauchten Rahmes nach zu urteilen hat Norwegen einen Ueberfluß an fettreicher Milch. Die Sahne wird in allen ihren Formen reichlich genossen. Dicker Rahm kommt literweise auf den Tisch — bei Bauern wie bei Städtern — und wird an Stelle von Wein und Bier genossen, daneben auch zu der überaus beliebten Roten Gr ätze gegeben. Diese wird ohne färbende ober künstliche Beigaben aus bem Saft von Erdbeeren, Himbeeren usw. hergestellt.
Hammelfleisch liebt ber Norweger ebenso wie ber Engländer und Türke! Auf keiner besseren Gasttafel fehlen die Mutton-chops, vielleicht ber vielen angelnden Briten zuliebe, und auch bie englischen Soßen- släschchen fehlen nicht. Der Norweger selbst liebt große einfache Braten. Schweinernes wirb wenig gegessen, bagegen viel Rindfleisch. Das Geflügel wirb fast immer nur gekocht und mit gebundenen Tunken verschiedenster Art gereicht. Kein Mahl am Ende aber ohne bie schon erwähnte röde gröd med flöde (Rote Grütze mit Sahne) und zum Schluß ber Myse- Dft, ein wie helles Nugat aussehender frischer Ziegenkäse, ber in großen Quadratwürfeln auf ben Tisch kommt. Rund um ben riesigen Käseteller läuft ein Spruchbanb: „Skjaer pent of Osten“ — bas heißt: Schneide manierlich vom Käse ab. Er fehlt weder beim ersten Frühstück noch zu allen anberen Mahlzeiten, und man ißt ihn mit Butter bestrichen, dazu kjeks. Dieser Haferkeks, ein knuspriges, zartes, ungezuckertes Gebäck, wird auch mit Butter und Fruchtmark zum Frühstück gegessen. Es ist „vikings frokost“, also ein Wikingerfrühstück.
Die norwegische Konditorei liefert einfache, gute Tortenware von ansehnlichen Mengen. Der Schlagrahm läßt sich schneiben. Auch gefrorene Schlagsahne
ist beliebt. Schokolade wird billig in manchen Sorten im Lande selbst verarbeitet. Eier werden nicht nur zu Gebäcken und Süßspeisen viel verwendet, sondern auch an Punsch gerührt. Sie flammen aber vielfach aus Einfuhrware.
Reicher Schmuck kleiner Landesflaggen und Topfblumen kennzeichnen zu Lande und zu Wasser die norwegische Tafel, auf der, wie gesagt, die Menge des Gereichten die Finessen übertrifft. Der Norweger ist ein starker Esser — sein Klima verlangt das j — aber er verhüllt diese auffällige Tatsache durch beste Tischsitten.
Keinen Schluck nimmt ber Norweger — und hier gilt das gleiche für den artigen Schweben — ohne nicht jebesmal einem ber Tischgäste mit einem ehrlichen „Skai“ zuzutrinken. Das ist alter germanischer Brauch: das Tischgemeinschaftsgefühl!
Merkwürdiges vom Tierlaut.
Ein weites Gebiet, mit dem man sich'bisher noch wenig beschäftigt hat und das doch viele auffallende Erscheinungen zeigt, sind die Lautgebungen ber Tiere. Man kennt sie von ben Haustieren, ben großen Fleischfressern unb einigen anberen bekannten Arten, man hat besonbers ben Vogelgesang ein- gehenb beobachtet und beschrieben, aber darüber hinaus kennt man wenig von den Lauten, die andere Tiere hören lassen. Bei den wirbellosen Tieren ist mit Ausnahme der Insekten fast nichts über von ihnen erzeugte Laute bekannt; daß man die von ihnen hervorgebrachten Geräusche nicht hört, ist kein Beweis dafür, daß sie solche auch nicht von sich geben, man hat vielmehr mit kräftigen Lautverstärkern neuerdings mancherlei Töne in der Tierwelt vernommen, die vorher unbekannt waren. So wollte man ein „Singen" ber Regenwürmer, ja sogar „geigenbe Töne" beobachtet haben, aber bei ber s Nachprüfung zeigte es sich, daß es sich nur um ein merfroürbig raschelndes Geräusch hanbelt, bas sie vielleicht burch das Reiben ihrer feinen Borsten auf bem Bob en beim Fortbewegen Hervorrufen. Früher war bie Schweigsamkeit der Fische sprichwörtlich, aber heute weiß man, daß manche Meerfische, oe- sonders solche mit offenen Schwimmblasen, wenn sie an die Oberfläche kommen, Geräusche erzeugen; diese werden vielleicht durch bas Entweichen eines Gases aus ber Schwimmblase hervorgerufen. Die „Orgelmusik" ber Frösche, bie oft einen stimmungsvollen Akkord in ber Sommerlandschaft abgibt, ist so genau beobachtet worben, baß man aus ber 23er» : fdjiebenbeit dieser Töne sogar die verschiedene Art Iber Frösche angeben kann. Don ben schwanzlosen
Amphibien wurde immer gesagt, daß sie keine Laute von sich geben; man hat jedoch neuerdings bei bem gewöhnlichen Wassermolch, wenn er seinen Kopf über bie Oberfläche des Wassers steckt, ein zartes Pfeifen vernommen. Die Stimme ter Reptilien wird allgemein als ein zorniges Zischen bezeichnet. Bei den Schlangen stimmt dies ja auch, aber es gibt manche Echsenarten wie die scharfschreienben Geckes, bie ganz anbere Laute von sich geben. Schildkröten zischen in der Art der Reptilien, die größeren Arten lassen jedoch in der Brutzeit sehr laute Töne erschallen, bie an bas Freudengegacker einer Henne erinnern, bie ein Ei legt. Auch Kroko- bile und Alligatoren begnügen sich nicht mit einem bloßen Zischen, sondern lassen nachts ober früh am Morgen oft ein Gebrüll hören, bas an ben Rui bes Löwen erinnert und schon manchen Reisenden erschreckt hat, bis er feststellte, woher es kam.
Die Beuteltiere gelten als schweigsame Geschöpfe, mit Ausnahme des „tasmanifchen Wolfes" und des „tasmanischen Teufels"; diese beiden seltsamen Tiere haben ihren Namen wegen der merkwürdigen Laute erhalten, die sie ausstoßen. Ein langgezoge- nes, melancholisches, auf- unb absteigendes Geheul bei bem „Wolf", ein gräßliches grelles Schreien bei bem „Teufel". Die Känguruhs, die selbst beim Kämpfen unb beim Werben keinen Laut von sich geben, lassen doch, wenn sie erschreckt werben, ein hagenbes Geheul erschallen. Selbst bei ben Säugetieren gibt es manches zu erforschen; seltsame Lautäußerungen haben bie Klippdachse, bie zischen, wenn sie gegen einen Feind vorgehen, sanft schnurren, als ob sie sängen, wenn sie freudig erregt sind, während ihr Geschrei des nachts bisweilen wie der Ruf böser Geister klingt. B.
Zeitschriften.
— Die „Jllustrirte Zeitung Leipzig" wendet sich in ihrer letzten Ausgabe bes Jahrganges 1938 bem Auslanb zu. Der einleitenbe Beitrag ist der finnischen Wehrmacht gewidmet und gibt an Hand interessanter Bilder und Texte einen lebendigen Querschnitt durch die Wehrmacht dieses jungen Staates. Ein anderer Aufsatz führt nach ber Königsbucht auf Spitzbergen. In bem Beitrag „Tönender Rauch" folgen mir den Spuren Livingstones an ben Dictoriafällen des Sambesi. Die nächsten Seiten erinnern an bas große Erbbeben in Messina vor 30 Jahren. An bie Bildseiten „König Enzios Gefängnis" und „Schwerttanz ber Tuaregs" schließen sich Bilder vom Feterballspiei, einem japanischen Neujahrsbrauch, an.


