Donnerstag, 5. Zanuar 1959
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nr. 4 Zweiter Blatt
ögruppenchei Vizeadmiral
im Oberkommando der Wehrmacht,
Die Handelsstatistik der drei französischen Vesitzun-
2.
3.
der
Marokko 6.3 Millionen. Vas pno öuiarmnen “ “7"'
aU 16 Millionen, zwei Fünftel dex Einwohner- träum vorgesehen.
und nachher NlVEA
Milliarden
Milliarden
Milliarden
Milliarden
Dann wird man Ihren Händen die Tagesarbeit nicht ansehen. Mit Nivea-Creme gepflegte Haut wird widerstandsfähig u. geschmeidig.
8,3
7,1
2,9
1,2
Milliarden
Milliarden
2,5
1,6
Franken Franken
Franken Franken
Franken Franken
bietet für das Jahr 1937 1. Algerien:
Gesamthandel
Frankreichs Anteil
Tunesien:
Gesamthandel
Frankreichs Anteil
Marokko:
Gesamthandel
Frankreichs Anteil
Großes Welttheater in Berlin
Aus dem vielfarbigen Gpielplan der Reichshauptstadt.
Diese Ziffern ergeben, daß rund fünf Siebentel des Handels von Französisch-Nordafrika auf den Verkehr mit dem Mutterlande, einschließlich dessen Kolonien, entfallen. Am stärksten dominiert Frankreich in Algerien, das schon über ein Jahrhundert den Franzosen gehört. In Tunesien fällt, wenn auch in starkem Abstand hinter Frankreich, noch der italienische Handel ins Gewicht; in Marokko der englische, belgische, amerikanische und deutsche.
Es ist also zunächst die handelspolitische Bedeutung Nordafrikas für Frankreich, wegen der die Franzosen so großen Wert auf diesen Besitz legen. Man kennt außerdem die französische Tendenz, bie wirtschaftlichen Beziehungen zum Mutterland und Kolonien möglichst sür das erstere zu monopolisieren. Das französische Kolonialreich gewinnt in vieler Beziehung für Frankreich immer mehr eine ähnliche Bedeutung wie das englische
Während sich die Berliner Einstudierung von Somerset Maughams „Freund Jack" in dem (gleichfalls von Hilpert geleiteten) Wiener Theater in der Josefstadt vorstellt, hat Hilpert eine Aufführung der Josefstädter in die Berliner K a m - mer spiele übertragen: Hermann B a h r's „W i e n e r i n n e n", die in der Jnszenietung Hans Thimigs in Wien einen so sensationellen Erfolg erringen konnten, wie er von dieser längst bekannten und etwas angestaubten Komödie doch wohl kaum zu erwarten war. Wenn es also nicht am Stück liegt, muß dieser Erfolg ein Verdienst des Theaters sein. In der Tat, wir haben gelernt, wie sie in Wien eine Wiener Komödie spielen oder spielen können. Was die Norddeutschen dem Spiel Bahrs mit einigen Bemühungen hinzutun müßten, das Wiener Temperament, die Sprache, den Tonfall, das „Wienerische" eben, das ist drunten an der Donau von selbst vorhanden. Bahrs Vorkriegskomödie — sie wird natürlich in den Kostümen der Jahrhundertwende und in den Jugendstilfalons gespielt, die Otto Niedermoser entworfen hat — stellt sich heute als eine Art kulturgeschichtliches Dokument dar, dessen Thema einfach „Wienerinnen" heißt. Da sind nun die besonderen seelischen. Elemente dieses Vorkriegs-Wiens und seiner Frauen eingefangen, und wie wundervoll werben sie auf der Bühne herausgestellt! Das Stück beginnt gleich mit einer großen Unordnung, mit einem Chorus durcheinander schreiender weiblicher Stimmen. Schlamperei und Unordnung brechen auch späterhin oft genug aus: wie sie bann burcheinanderschwatzen, wie sie sich über ein Nichts aufregen, wie an brei ober mehr Stellen ber Bühne zugleich gespielt unb gesprochen tbirb; und dieses Schwatzen und Tratschen über Verlobung und Schneiderinnen, diese Aufstände und Empörungen, biese komischen Verwirrungen unb Zänkereien: bas sind Meisterstückchen der Regiekunst, die Hans Thimig scheinbar nur so nebenbei und selbstverständlich hinlegt. Hier blüht sozusagen die Quintessenz des Wienerischen auf, hier ist die Luft wirklich mit einer unnachahmlich heitern und hellen Lustspielatmosphäre geladen, der die Berliner herzliches Verständnis und höchste Bewunderung entgegenbrachten. Unter den Wienerinnen stehen Hilde K r a h l, Jane Tilden und Dagny Seroaes obenan; unter den Wienern: Anton Edthofer, Herbert Aichinger und der Kaffeehausästhet Hans Unterkirche^s. Die erste Aufführung bewies, daß der große Erfolg den „Wienerinnen" von Wien nach Berlin gefolgt ist.
Diesem ersten Berliner-Wiener Austauschgastspiel werten weitere folgen. Daß sie so glücklich begonnen haben — an der Donau nicht minder als an der Spree — das wollen wir als ein schönes und glückbringendes Vorzeichen für die Zukunft buchen.
Gerhard Bohlmann.
Kunst und Wissenschaft.
Verleihung des Preises für Bildende Kunst der Reichshauptstadt.
Die Reichshauptstadt hat 1938 erstmalig den Preis für die Bildende Kun st" in Höhe von 1OOOO RM. gestiftet. Der Preis ist in erster Linie für Nachwuchskünstler gedacht. Im Einvernehmen mit dem Reichsminister für Volksauf- klärunq und Propaganda sind jetzt von Oberbürgermeister und Stadtpräsident Dr. Lippert als Preisträger bestimmt worden: Bildhauer Anton Gräuel, Maler Heinz Trapp, Maler und Graphiker Alfred Kitzig. Weiter hat der Oberbürgermeister eine „Medaille für Bildende Kunst gestiftet, die erstmalig dem Bildhauer Professor Arno B r e k e r und dem Maler Professor Franz
für England.
Was die Methoden und den Stand des wirtschaftlichen Aufbaues betrifft, so sind auch in dieser Beziehung die statistischen Ziffern lehrreich. In Algerien balancieren die Aus- und Einfuhrwerte annähernd, mit einem gewissen Ueberschuß der Ausfuhr. In Tunesien überwiegt die Einfuhr die Ausfuhr merklich, und in Marokko tut sie es ganz bedeutend. Daraus geht hervor, daß in diesen Gebieten — Tunesien wurde 1881 erworben, Marokko endgültig erst durch den Weltkrieg — noch bedeutende Investierungen im Dienst einer Aufbauwirtschaft stattfinden. Die früher herrschende Meinung, daß die Franzosen an kolonialwirtschaft- licher Energie nicht besonders hoch einzuschatzen seien, muß aufgegeben werden. Wer das Bild des marokkanischen Haupthafens Casablanca jetzt und noch vor 15 Jahren vergleicht, der staunt über die inzwischen geschehene 'Veränderung. Auch Tunesien schreitet fort. Bevor die „Compagnie Franco-Afri- caine" in dem Hauptolivengebiet von Tunesien zu arbeiten begann, stand dort eine halbe Million Oel- bäume. Heute sind es vierzehn Millionen! Man muß sich diese Zahl vorstellen, vierzehn Millionen Bäume, um zu ahnen, welch eine Bodenfläche da erst bearbeitet, umgebrochen, getränkt und tragfähig gemacht werden mußte. Länger als eine Stunde fährt der Zug durch diese Baumreihen; jeder Baum steht vom nächsten 25 Meter entfernt, und zwischen den Bäumen wogen Getreidefelder.
Die drei nordafrikanischen Gebiete ergänzen die Getreideproduktion des europäischen Frankreich auch in ungünstigen Jahren bis zur vollen nationalen Bedarfsdeckung. Auch die afrikanischen Erzoorrate sind bedeutend. Dazu liefern Tunesien und Algerien zusammen ein Drittel der gesamten Welterzeugung an Phosphaten, ungerechnet die noch kaum m Angriff genommenen marokkanischen Phosphatlager.
Für das französische Bewußtsein find diese wirtschaftlichen Werte aber nur die eine Seite des großen nordafrikanischen Besitzes. Die andere ist die bevölkerungspolitis ch e, das heißt m diesem Falle besonders die militärische. Algerien hat 7,2 Millionen Einwohner, Tunesien 2 6, Marokko 6,3 Millionen. Das sind zusammen mehr
Frankreich und Nordafrika
Von Dr. Paul Rohrbach.
gen in Nordafrika, Algerien, Tunesien und Marokko, "* das folgende Bild:
zahl des europäischen Frankreichs. Mehr als 90 d. H. sinh Eingeborene: Araber, arabisierte und reine Berber, die letzteren namentlich in den Gebirgsgegenden. Als Soldatenmaterial gelten die Berber, der Hauptstock der Bevölkerung, gleichviel ob sie noch ihre alte, eigne Sprache oder arabisch sprechen, als gut. Es gib! auch französische Stimmen, die sich darauf berufen, daß zwischen dem Berber und dem Südeuropäer physisch kein großer Unterschied besteht und daß, wenn nur das Hindernis des Islam überwunden werden könnte, eine Assimilierung z. B. der grundtüchtigen berbe- rischen Bauernbevölkerung der Großen und Kleinen Kabylei keine geringe bevölkerungspolitische Hoffnung für Frankreich bedeute. Auf jeden Fall ist es klar, was 16 Millionen Seelen für die Rekrutierung des französischen Heeres ausmachen!
In diesem Bild Nopdafrikas gibt es einen dunklen Punkt, und das ist die französische Siedlung. Frankreich ist zu menschenarm, um außer mit seinem Geld auch mit seinem Blut zu kolonisieren. Von den 900 000 Europäern, die in Algerien wohnen, ist noch nicht die Hälfte französischer Herkunft. West-Algerien ist stark mit Spaniern durchsetzt, in Ost-Algerien gibt es Italiener. Der Druck auf Annahme der französischen Staatsangehörigkeit ist noch nicht gleichbedeutend mit Assimilierung. Unter den französischen Kolonisten in Algerien trifft man viele Elsässer und auch Nachkommen deutscher Einwanderer, die schon vor langer Zeit auf den Ruf französischer Agenten dorthin gegangen sind.
Von den rund 100 000 Europäern in Marokko
führung eines „bürgerlichen Trauerspiels" alles andere als ein realistisches Spiel: eine Vision ist es, von einem genialen Spielleiter geschaut und mit ; allen theatralischen Mitteln in die Wirklichkeit der Bühne gebannt, eine Aufführung, die — wie „Richard III." — unter den Berliner Inszenierungen eine Sonderstellung einnimmt, die visionäre Leistung, ; eines großen Stilkünstlers. Friedrich K a y ß l e r als Meister Anton und Käthe Gold als Klara in den Hauptrollen tragen die Last des Abends.
Gleicht dieser Hebbel einer schweren nordischen Ballade, so wird im Kleinen Haus ein französisches Chanson angestimmt: Marcel Pagnols „Südfrüchte", das letzte Stück einer Trilogie, dem des Autors „Goldener Anker" und „Fanny" vorausgegangen find. In den Bühnenbildern von Rochus ©liefe, die die Wohnungen der Marseiller Kleinbürger und die Gassen und Cafes der Stadt ungemein charaktervoll nachbilden, entfaltet der Spielleiter Gustaf G r ü n d g e n s ein so echtes und verblüffendes Stück südfranzösischen Lebens, daß man sich nicht wunderte, wenn unsere Schauspieler plötzlich französisch sprechen würden. Mit so leichter Hand, so zart und tändelnd leitet Gründgens die Aufführung, daß sie wirklich wie ein französisches Volkslied erklingt, in dem die Düsterkeit" des Todes und die Heiterkeit des Daseins dicht neben einander stehen, in dem Wehmut und Uebermut zu gleichen Teilen gemischt sind. Käthe Dorsch, bie vor Jahren als bie junge Fanny des bekannten „Goldenen Ankers" auftrat, zeigt jetzt ihre weibliche und warme Kunst als alternde Frau und besorgte Mutter, die ihren Sohn (Hermann Braun) unbekannten Versuchungen ausgesetzt sieht. Der Cesar Werner Krauß': welche vollblütige und lebensnahe Gestalt eines alten cholerischen Kneipwirts, den Krauß mit der dämonischen Besessenheit des großen Schauspielers darstellt. Ihnen und den änderen Künstlern dankte jubelnder Beifall. Auch eine der Vorstellungen des Staatstheaters, die für die nächsten Wochen ausverkauft sein dürfte. *
Das neue Schillertheater der Reichshauptstadt, das unter der Leitung seines Intendanten Heinrich George kürzlich mit „Kabale und Liebe" die Spielzeit und seine neue Aera eröffnete, bringt Shakespeares „König Heinrich IV., erster Teil", jenes Königsdrama m dem sich der junge Heinz noch mit Sir John Falstaff unb seinen Genossen tummelt, währenb er im zweiten Teil zum königlichen Nachfolger seines Vaters, zu Heinrich V., heranreifen wirb, bem bas nächste ber Königsbramen gewibmet ist. Der Spielleiter Ernst Legal hat bei ben zahlreichen kurzen Szenen für einen raschen Dilberwechsel zu sorgen und bevorzugt daher eine anbeutende, stilisierenbe Buhnenausstattung, der Robert Herlth den schweren büsteren Charakter bes Mittelalters aufpragt Auf der Ebene ber großen Staatsaktion führt ber König Paul Wegeners und der Percy Claus C lau- f e n 5 1 in ber Mitte ber Schenkenszenen steht Falstaff, den Heinrich George mit breitem, behäbigem Humor unb gewinnender ^Menschlichkeit spielt.
Nach ber großen Historie Shakespeares bie kleinere Vernarb Shaws: bie D o l k s b uh n e nimmt „Cäsar und Kl-opatra in Berlin lange nicht gegeben, in ben Spielplan auf. Richarb Weichert läßt bie Komöbie, bie mehr einem geschichtlichen Bilderbogen als einem Theaterstück mit
E ich h o rst verliehen würbe.
Heidelberger Reichsfestspiele 1939.
Die Heibelberger R e i ch s f e st s p i el e 1 9 3 9 finben vom 12. Juli bis 20. August statt. Zur Aufführung sinb Schillers „R ä u b e r", Gerhart Hauptmanns „Florian Geyer', Eichenborffs „Freie r" unb Shakespeares „Sommernachts-
Berlin, an der Jahreswenbe.
Der Ausländer, der sich um die Jahreswende in Berlin aufhält und sich in ber Zeitung über die Aufführungen der Theater unterrichtet, wirb erstaunt sein über ben Reichtum unb bie Mannigfaltigkeit bes Berliner Spielplans, besten Stücke sich, geographisch betrachtet, vom Norbbeutschen Hebbel bis zum Wiener Hermann B a h r erstrecken; ein Spielplan, ber die klassische Tragödie ebenso umfaßt wie das ^moderne Lustspiel und den unterhaltsamen Schwank, der Raum hat für französische und englische Komödien — G. B. Shaw ist augenblicklich der meistgespielte Autor in Berlin — also ein buntes, farbenfrohes und reichbelebtes Programm, wie es einer aufgeschlossenen und geistig regsamen Weltstadt würdig ist. Der Ausländer wird über diese Vielseitigkeit und Weltoffenheit nicht wenig erstaunt sein, ist ihm doch von seiner Presse die Kultur des nationalsozialistischen Deutschland stets als engstirnig, beschränkt und chauvinistisch bargestellt worben! Unb wenn der .Frembe nun prüft, wo eigentlich bie großen Erfolge bieses Spielplans liegen: keineswegs bei ben luftigen Schwänken unb heiteren Possen, sie liegen überhaupt nicht bei ben „leichten Stücken", sonbern bei ben schweren und ernsten Tragöbien der Weltliteratur. Lothar M ü t h e l s „Hamlet"- Inszenierung, weit über hundert Male vor ausverkausten Häusern gespielt, die „Emilia Galotti" und der „G y g e s" (Gründgens), ber monumentale „R ichard III." (Fehling) gehören zu ben Aufführungen, für bie schon sofort nach Ankünbigung sämtliche Karten verkauft sind. Der Berliner ist also keinesfalls von dem Verlangen nach „leichter Ware" beherrscht; im Gegenteil, er sucht das tragische, stilvoll gespielte unb ftilbilbenbe Theater!
Eine solche Theatergemeinde, bie sich in den letzten fünf Jahren nationalsozialistifcher Theaterpolitik gesammelt unb geb Übet hat, reagiert mit unglaublicher Feinfühligkeit auf alle Absichten der Bühne und auf alle, auch bie leisesten Abstufungen ber Aufführungen. So sind es nicht nur die wenigen Kunstberichterstatter der Zeitungen, bie Zuschauer selbst sind es, bie die Aufführung von Hebbels „Maria Magdalene" im S t a a t s t h e a t e r unter Leitung Jürgen Fehlings sogleich als eine ber großen theatralischen Ereignisse bieses Winters emp- finben, so baß sie nach ben Aktschlüssen benommen vor der Bühne verharren unb erst allmählich in bie Gegenwart zurückfinden können. Es ist wieder der Stilwille eines großen Spielleiters, eines Norddeutschen, der Hebbels Werk zu so beklemmender, atemraubender Wirkung bringt. Die Handlung vom Zusammenbruch einer engherzigen, kleinbürgerlichen Welt schreitet hier mit schicksalsschweren Schritten über die Bretter, auf die Cesar Klein einen ker- kerähnlichen, kahlen Raum gebaut hat. Wieder läßt Fehling (wie im „Richard III.") kein Textwort aus, alle Monologe, jedes Beiseitesprechen wird gegeben, aber wie sind diese Sätze, die im Buch vielleicht nüchtern wirken, hier ausgedeutet unb vertieft worden, mit welcher großartigen, unerschütterlichen Gelassenheit werden sie vorgetragen, wie schicksalsvoll kann ein Schweigen werden, wie bedeutsam ein Windstoß oder das Knarren einer Tür! Dabei ist diese Auf
sind 70 000 Franzosen. Marokko ist für Frankreich eine große Hoffnung, man ist stolz darauf, was man dort mit französischem Kapital und französischem Unternehmungsgeist geschaffen hat. In Marokko geht es sozusagen „französisch-amerikanisch" her. Eine Sorge ist T u n e f i e n. In Algerien fühlt sich der Franzose zu Hause, in Tunesien nicht. Hier hat sich auch, wie es heißt, 'infolge der großen Menschenverluste Frankreichs im Weltkrieg, durch die auch die Kolonisten in Afrika dezimiert wurden, der französische Grundbesitz gegen bas Andrängen ber italienischen Siebter nicht voll behaupten können. lieber bie nationale Statistik ist in Tunesien viel Streit. Blutmäßig ist jedoch das französische Element unzweifelhaft in ber Minderheit gegen das italienische, währenb allerdings auf ber Kapitalfeite Wirtschaft die Franzosen dominieren.
Aus alter Welt.
Gefährlicher Landesverräter durch einen Hitlerjungen unschädlich gemacht!
Wilhelmshaven, 2. Jan. (DNB.) Dich Pressestelle des Kommanbos ber Marinestatioich Norbsee teilt mit: Der Jungzugführer ber HI« unb Derwaltungslehrling bei ber Stabtverwaltuncj Wilhelmshaven Hellmuth Gerharbt hat voq einiger Zeit einen Spion beim Photographiere^ militärischer Anlagen im Festungsbereich von Wilj helmshaven überrascht. Gerharbt verfolgte auf. beni Rade ben flüchtenben Täter, konnte ihn nach lange« Verfolgung stellen unb bis zum Eintreffen ben Polizei fe'sthalten. Als Anerkennung für fein ent! schlostenes und umsichtiges Verhalten, durch da^ ein gefährlicher Landesverräter uni schädlich gemacht werden konnte, hat Gerhardt vom Kommandierenden General ber Marinestation
Norbsee, Abmiral Saalwächter, ein wertvolles Buch mit eigenhändiger Widmung zum Geschenj erhalten. Darüber hinaus hat der Amtsgruppenchef
Canaris, dem Jungzugführer feine besonder« Anerkennung ausfprechen und ein größeres Geld« gescheut überreichen lassen.
Derkehrsunglück auf ber Reichsaulobahn vor Gericht
Vor ber Potsbamer Strafkammer begann bid Derhanblung wegen bes folgenschweren Verkehrst Unfalles, bem am'3. November 1938 auf ber Reichs^ autobahn Magbeburg—Berlin brei Mitglieber betf Reichsanwaltschaft beim Volksgerichtshof zum Opfers fielen. Beim Zusammenstoß ihres Dienstwagens mit) einem unbeleuchtet am Raube ber Fahrbahn stehens den Lastzüge wurden Oberreichsauwalt P a r e ij unb ber Erste Staatsanwalt Dr. (Seipel getötet* währenb Reichsauwalt Parrisius erheblich ver-^
letzt wurde. Der Kraftwagenführer kam im wesentlichen mit dem Schrecken bavou. Als slrafrechtlichi verantwortlich wurden ber Kraftfahrer Paul Kon » necke unb fein Begleiter Otto Wiesenberg als Fahrer bes Lastzuges sowie ber 52jährige Straßen» meifter Kurt Kliche unb ber Streifenbebienftete' ber Reichsbahn Otto Buchholz als verantwort-. liche Aufsichtsperfouen ber Reichsautobahnverwal» tung feftgefteüt. Es wirb ihnen berufsfahrlästigS Tötung und berufsfahrlässige Körperverletzung zuv Last gelegt, ben beiben Fahrern außerdem lieber» tretung ber Reichsstraßeuoerkehrs- unb Zulastuugs- orbnung unb ber vorläufigen Autobahnbetriebs» unb Berkehrsorbuung.
Tauweller brichl die Eisdecke.
Das anhaltende T a u w e t t e r ber letzten TagÄ brachte eublich bie Eisdecke ber Nebenflüsse besi Rheins im Mittelrheingebiet zum Aufbruch. DaÄ Eis ber unteren Nahe trieb inzwischen ab Auch • ber Eisgang von ber mittleren unb oberen Nahs ging reibungslos vouftatten. Den größten Eisgang brachte bie Mosel. Das Lahn-Eis ist ebenfalls an vielen Stellen aufgeb rochen. Bei Lahn,. Mosel unb Nahe waren mit bem Eisgang beträchtliche Schwankungen ber Wasserstäube verbunden. Eine ernstliche Hochwassergefahr besteht aber keines» falls. Die Rheinschiffahrt bewegt sich in geordnetes Bahnen.
Der Tod in der Lawine.
In einem Seitental des Ferret-Tales im untex reu Kanton Wallis ereignete sich ein schweres L a - wiueu-Unglück. Fünf junge Leute, die eine Schi-Tour unternommen hatten, wurden verschüttet. Eine Staublawine löste sich von dem 3830 Meten hohen Mont Bolent und riß alle fünf Schi-Fahrer in bie Tiefe. Zwei ber Verschütteten konnten lebend, obwohl mit ernsten Verletzungen, geborgen werben, währenb bie brei anberen trotz ber eifrigen Nachforschungen noch nicht gefunden würben. — Ein weiteres Lawinenunglück ereignete sich oberhalb Wolf» gang bei Davos. Ein Engländer hatte eine gesperrte Strecke am Parseuu befahren, wurde von einer Lawine verschüttet und konnte nur noch als Leichs geborgen werden.
Im Kanton Bern ereignete sich beim Hahnen-^ 01005, dem berühmten Schigeläude über Adelboden, ein Lawiuenuuglück. Der 30 Jahre alte Hellmut Birkenstock aus Freiburg i. Br. stieß bei ber Abfahrt auf eine Mächte, bie sich loslöste und in Gestalt einer Lawine ben Hang hinuuterwälzte. Birkenstock würbe von ben Schneemassen mitge- riffen unb konnte, wenn auch sofort Hilfe zur Stells war, erst nach IV2 Stunden angestrengtester Arbeit aus bem Schnee befreit werben. Die sofort vorge- nommenen Wiederbelebungsversuche waren leiber erfolglos.
Der Schirokko, ber nach den starken Schnee-- fällen in bem Hinterlande von Triest auftrat, hatte zahlreiche Lawinenstürze zur Folge. In ber, Gegend von Görz würben zwei Bauern von Schnee- massen verschüttet und getötet. Eine Lawine oex- legte bie Eisenbahnlinie Görz—Piedicolle in ber Nahe von Cracova Sierravalle. Ein Bahnarbeiter konnte einen ber Unfallstelle sich nähernden Zug rechtzeitig aufhalten, so baß kein Unglück geschah. Kinder von einem Wolfrudel in Polen angefallen^
Ein gefährliches Abenteuer mit Wölfen hatten: sechs Kinder, darunter vier Mädchen, auf dem Wege zwischen Siejkowicze unb Kowezua in der Woiwodschaft Wilna zu bestehen. Die Kinber, bie sich auf bem Heimweg vom Gottesdienst befanden, wurdeir von ben Bestien verfolgt unb angefallen. Zwer Landarbeiter, bie ben Kinberu zu Hilfe kamen, konnten gegen bie Bestien nichts ausrichten, da sie keine Waffen besaßen. Zweifellos wären bie Kinber unb bie Landarbeiter den Wölfen, die ihnen bereits : schwere Bißwunden beigebracht hatten, zum Opfer gefallen, wenn nicht zufällig eine Polizeistreife des ■ Weges gekommen wäre, die das Rudel mit einigen i Revolverschüssen verjagen konnte.
Tödlicher Betriebsunfall auf einer Warnemünder Werft.
. Auf einer Jachtwerft in Warnemünde kam es ztt • einem schweren Betriebsunfall. Beim feit» t lieben Verschieben eines an Land gesetzten Motor» > bootes setzte bie Ballung ab, so baß bas Boot iir - Bewegung geriet. Dabei würben zwei Arbeiter g e 1 tötet, einer sthmer unb .vier leicht verletzt.
fortlaufender Handlung gleicht, im Stile ein"'- gro- zen ägyptischen Revue spielen, für bie Hans Weid e m ann einige großartige Bühnenbilber geschaffen hat: bie Wüstennacht mit ber riesigen Sphinx, an ber sich Cäsar und Kleopatra zum ersten Male begegnen, ober bas prachtvolle römische Staatsschi'ff vermögen die Bühne zu einer Lanbschaft zu erweitern ober dem Zuschauer bie Ahnung von imperialer Macht vorzutäuschen. Den alternben Cä- ar gibt Carl Kuhlmann, wie es im Sinn und Stil einer solchen Revue liegt, mehr als überlegenen Weltmann denn als unnahbaren Imperator, unb Geraldine Katt (Kleopatra) überrascht durch bie reife und bewußte Art, mit ber sie bie wiberspen- tige kleine Königin barstellt.
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Im Berliner Norben, wo bie Häuser Heinz Hilperts, das Deutsche Theater und bie Kammer- piele, zusammenliegen, ist eine Hebensroürbige Wiener Invasion eingebrochen. Im Deutschen Theater bescherte Hilpert als Weihnachtsgabe ein Weihnachtsmärchen für die großen Kinder, die ähig unb willens sinb, sich einige Stunden ber bunten, phantastischen Zauberwelt Ferbinand Raimunds hinzugeben: „Der Bauer als Millionär ober das Mäbchen aus- ber Feenwelt". Der nüchterne Vernünftler mag mäkeln, baß burch bie Geschichte bes Millionenbauers Fortunas Wurzel eben boch nur die sehr banale Moral bewiesen werde, daß Geld allein nicht glücklich macht — bie empfänglichen Zuschauer waren gottlob anderer Meinung und folgten dem farbigen, schillernden Reigen, den die Feen, Zauberer, Nymphen, Genien um die irdischen Menschen bes Zauberspiels schlingen. Hilpert gibt das Stück Zauberei etwa so, wie es 1826 über die Bühne des Josefstädter Theaters gegangen sein mag, er läßt Maschinen und Prospekte (Bilder von Ernst Schütte) spielen, Lichter und Farben sprühen, Musiken spielen und Nymphen und Genien tanzen, kurz, es wird ein echtes, rechtes, wunderbares Wundermärchen, dessen innerer Fnenschlicher Gehalt auch hinter der schillernden Schale ergreifend spürbar wird. Hans M 0 - s e r s' Wurzel erweist sich als die Leistung eines tiefen, hintergründigen Komikers, und aus der Menge der Märchengestalten — das Programm zählt etwa vierzig Person-en auf — seien Angela Sa11 0 ker als liebliche Göttin der Jugend, Karl E h m a n n als „hohes Alter", Wilfried S e y - ferth als schwäbelnder Magier und Gerda Maurus als Lacrimosa erwähnt.


