Ausgabe 
5.1.1939
 
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Tannenwe^ um Phirosophenwald.

Immer weiter dehnt sich die Stadt nach Osten aus. Immer mehr Häu­ser wachsen zwischen Eich­gärten und Philosophen­wald heran. Ein neuer Straßenzug ist mit dem Tannenweg entstan­den. Von dem baumbe- standenen Hügel (dem Schliefplatz) aus bietet sich ein schöner Ausblick auf die Häuser am Phi­losophenwald. Unser Bild zeigt einen Teil der dort entstandenen Häuser.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Gießener fugend beim Eislauf.

Die Gießener Eisbahn hat das etwas fragwür­dige Wetter der vergan­genen Tage einigermaßen gut überstanden. Ein klei­ner Teil der Eisfläche konnte so hergerichtet werden, daß sich darauf laufen läßt. Das Spiegel­eis der Tage vor Weih­nachten ist allerdings hinüber"! Bei dem schö­nen Wetter des gestrigen Tages war es für die Kinder selbstverständlich, daß sie mit ihren Schlitt­schuhen zur Eisbahn zo­gen. In ihrem Optimis­mus waren sie überzeugt, daß man laufen kann. Und man konnte es tat­sächlich! Der Eisverein hat, soweit es in seinen Kräften stand, dafür ge­

sorgt, daß eine einigermaßen gute Bahn zustande kam. Also konnte sich die Jugend tummeln. Am Abend zogen die Erwachsenen im Schein der elek­

trischen Tiefstrahler ihre Bogen und Kreise auf der Eisbahn. (Aufn.: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

E. V. in G. 1. Grundsätzlich ist der Vermieter verpflichtet, die Mietwohnung für die Mietzeit in einem zum vertragsmäßigen Gebrauch geeigneten Zustand zu erhalten. Aus Ihrer Anfrage ist zu entnehmen, daß die Feuchtigkeit des Hauses schon

immer bestand, also auch bei Abschluß des Miet- vertags vorhanden war. Der Mieter kann deshalb wohl berechtigt 'fein, für die Dauer des infolge der Feuchtigkeit minderen Gebrauchswertes der Woh­nung einen entsprechend geringeren Mietzins zu entrichten, evtl, sogar Schadenersatz zu verlangen. Falls der Mieter jedoch den Mangel der Wohnung bei Abschluß des Vertrags gekannt hat, stehen ihm diese Ansprüche nicht zu. Aber auch in diesem

Falle kann der Mieter fristlos die Wohnung kün­digen, wenn ihre Benutzung infolge der Feuchtig­keit mit einer erheblichen Gefährdung der Gesund­heit verbunden ist. In Ihrem Falle wird es wohl gut sein, wenn Sie sich mit dem Mieter, da er ja nicht ausziehen will, auf einen geringeren Mietzins einigen, der bei dem bestehenden Mangel der Woh­nung angemessen ist. 2. Eine Umstellung des Hindenburgwalls auf Wechselstrom ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

H. A. in G. 1. Einen im Jahre 1932, also vor sechs Jahren, geleisteten Offenbarungseid brauchen Sie heute nicht mehr anzugeben. Dies folgt daraus, daß das Gericht, bei dem der Offenbarungseid ge­leistet wurde, fünf Jahre seit dem Schluß, des Jah­res, in dem die Eintragung dessen, der den Eid geleistet hat, in das Schuldverzeichms erfolgte, diese löscht. 2. Nach dem, was Sie in Ihrer Anfrage vor­tragen, kann es wohl möglich fein, daß das Gesetz über die Bereinigung alter Schulden auch für Sie gilt. Falls eine gütliche Schuldenreinigung mit Ihren Gläubigern nicht möglich war, können Sie die Hilfe des Amtsgerichts in Anspruch nehmen. Falls je­doch das Gesetz über die Bereinigung alter Schul­den nicht angewcndet werden kann, müssen Sie wohl oder übel Ihre Gläubiger pfänden lassen.

3. W. Tr. Die Eintragung in die Handwerker­rolle ist vor der gewerblichen Anmeldung des Be­triebs vorzunehmen. Die Bescheinigung über den erfolgten Eintrag in die Handwerkerrolle ist bei der gewerblichen Anmeldung vorzulegen.

Buntes Allerlei.

Arbeitsdienstsprache.

Im Arbeitsdienst ist die Jugend aus allen Gegen-' den Deutschlands, aus allen Ständen und Schichten der Bevölkerung vereint, und so ist in den Lagern eine eigene Sprache entstanden, in der viele Aus­drücke aus einer Mundart der Umgebung und an­dere aus der Zunftsprache, aus der Sprache des Handels, der Großstadt und aus der Sprache ehe­maliger Soldaten hervorgegangen find. Diese Sprache ist etwas Lebendiges, das sich dauernd verändert und an dem jeder Arbeitsmann mitwirkt. Kommt einer auf Urlaub, so erzählt er nicht selten unbewußt in seiner Lagersprache. Eine Anzahl Pro­ben von dieser Arbeitsdienstsprache stellt Horst See­mann in der Zeitschrift des Deutschen Sprach­vereinsM uttersprache" zusammen. Es wird vom Essen gesprochen, und wir hören, daß sein Magenfahrplan zum Beispiel für Wirsingkohl den schönen AusdruckFußlappen" vorrätig hält; Rennfahrersuppe" ist Erbsensuppe,trockener Os­kar" trocken Brot, und der Kaffee wird scherzhaft Negerbrühe" genannt. Der AusdruckMaßnahme", der aus der Fachsprache der Planung stammt, hat im Arbeitsdienst verschiedene Bedeutung. Zunächst wird damit ein Arbeitsvorhaben bezeichnet, dann überhaupt jede Baustelle;die Arbeitsmänner gehen auf die Maßnahme" heißt es. Schließlich bezeichnet der Arbeitsmann damit aber auch fein Mädchen. Ich habe eine neue Maßnahme", das ist dasselbe wieIch habe ein neues Mädchen kennengelernt".

Der Bedeutungswandel ist wohl aus dem Sinne desVorhabens" zu erklären; wenn der Arbeits­mann etwas vorhat, dann trifft er sich mitihr . Die kurzen Stiefel, die stets tadellosgewienert" (geputzt) sein müssen, nennt erKnobelbecher"; vor der Besichtigung herrscht allgemeinSpatenfieber" (Lampenfieber) im Lager. DerHackenknaller" ist einer, der bei jeder, auch unpassender Gelegenheit in übertriebener Weise die Hacken zusammenschlägt; man nimmt ihn wegen seinerAngabe" gernauf die Schippe" (d. h. macht ihn lächerlich).

Eine Schlange, die Eier frißt.

Unter den Tieren gibt es Allesfresser und Spe­zialisten, die sich auf eine ganz bestimmte Nahrung beschränken. Merkwürdig ist unter den Letzteren eine Schlange, deren Hauptnahrung aus Eiern besteht und deren Körper Besonderheiten aufweist, die ihr das Eierfressen möglich machen. Es handelt sich um die Eierschlange (Dasypeltis scabra), ein Tier von etwa 80 Zentimeter Länge, das im südlichen und tropischen Afrika beheimatet, aber schon bis Mittel­ägypten und Südarabien vorgedrungen ist. Ihr Vor­gehen wird in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" geschildert. Wenn die Schlange ein Nest gefunden hat, so versucht sie, in der Nestmulde oder am Boden ein Widerlager zu finden, das ein Weg­rutschen des Eies verhindert, und dann stülpt sie sich gleichsam darüber. Selbst Eier, deren Durch­messer beträchtlich größer ist als der der Schlange, werden als Ganzes ausgenommen. Sie werden in Mund und Speiseröhre hmemgewürgt, was der Schlange möglich wird, da die beiden Unterkiefer­äste nicht miteinander verwachsen sind, sondern durch ein elastisches Band zusammengehalten werden. Ein geschlossener Schultergürtel fehlt, und so wird das Ei beim Hinabgleiten in die Speiseröhre nicht be­hindert, die eine merkwürdige Anpassungserschei­nung zeigt: Fortsätze der ersten 24 Rückenwirbel ragen in die Speiseröhre hinein, und sobald sich der Mund hinter dem eingewürgten Ei schließt, treten die Zähne in Tätigkeit. Das Ei wird zertrümmert, sein Inhalt gleitet weiter zum Magen, während die Schalentrümmer wieder ausgespien werden. Der Eingang der Luftröhre liegt nicht wie beim Men­schen weit hinten, da die Schlange hierdurch ersticken könnte, sondern am Grunde der sehr beweglichen Zunge, die während des Schlingens herausgestreckc wird und so den Luftröhreneingang freihält, so daß die Atmung nicht behindert wird. C. K.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr.-Hans Thyriot; für den übrigenTeil.ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 38: 10843. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

im Alter von 60 Jahren.

Heuchelheim, Gießen, Sinn, den 4. Januar 1939.

Gießen (Asterweg 39), den 5. Januar 1939.

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Vom 16. Januar 1939 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für den Monat Oktober 1938 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben.

Gießen, den 2. Januar 1939.

Direktion der Städtischen Betriebe.

Die Beerdigung findet am Freitag, dem 6. Januar, nach­mittags 3 Uhr, von dem Trauerhause, Heuchelheim, Wilhelmstraße 26, aus statt.

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Bekanntmachung.

Die Strom- und Gasgelder^ im Stadt- und Heber« landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Strom­gelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage und die Gasgelder noch innerhalb 10 Tagen ohne kosten an die Kasse der Städtischen Betriebe Gießen, Gar­tenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 27707 oder auf die auf den Quittungskarten ver­zeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei Ueber- schreiten der Zahlungstermine müssen die Beitrei-

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heim­gang unserer lieben Entschlafenen

Fräulein Ida Hofmann

sagen wir herzlichen Dank.

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1. Donnerstag, den 12. Januar 1939:

'Lichtbilder- und Schmalfilmvortrag der bek. Kainstfliegerin und Europameisterin Kiesel Bach: 10 Jahre Kunstflug. Erleb­nisse und Flugabenteuer aus meiner Fliegerlaufbahn.

2. Montag, den 23. Januar 1939: Dichterlesung Wilhelm Schilfer liest aus eigenen Werken.

3. Donnerstag, den 2. Februar 1939: Schmalfilm­vortrag des Frontdichters P. C. Ettier­hoff er: Meine Afrikareise 1938. Ein Vor­trag und Film aus unseren Kolonien.

4. Donnerstag, den 9. Februar 1939: Vortrag des schwedischen Dichters Albin Wi<16n: Altschwedische Kulturtiberlieferungen in der Gegenwart. Mit Lichtbildern.

Zusammen mit dem Oberhessischen Kunstverein.

5. Mittwoch, den 15. Februar 1939:

Lichtbildeivortrag von Prof. Dr. Wraldmann: Wien, die Stadt der deutschen Ostmark.

6. Dienstag, den 28. Februar 1939:

Vortragsabend des Vortragsmeisters Ernst Kreuzträger:Kunterbunt, eine Stunde deutschen Humors.

7. Donnerstag, den 9. März 1939:

Eichtbildervortrag von Dr. Peter Supf: Werdezeit der deutschen Fliegerei.

8. Vorn 19.-26. März 1939:

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