4./5. November 1939
Nr. 259 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Die Krönt in der Heimat schützt die friedliche Arbeit.
Feldarbeit unter dem Schutze der Waffe.
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Gruppenadjutant und Batteriechef sprechen über die Geschützstellung.
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Im Feldquartier weit draußen im Gelände rund um unsere Stadt halten Soldaten treue Wacht. Tag für Tag und Nacht für Nacht, bei Sturm und Regen, bei Kälte und scharfem Nordwind, in tiefer Finsternis und erst recht in mondklarer Nacht stehen sie zum Schutze unserer Stadt auf Posten. In jeder Minute befinden sie sich gewissermaßen auf dem Sprunge, um an ihre Geschütze und Geräte zu flitzen, um dort feindlichen Fliegern mit einem unüberwindlichen Feuerriegel den Weg zu unseren Wohnstätten und Arbeitsplätzen zu versperren. Die Männer der Flak-Artillerie, die wir als „unsere" Flak-Artilleristen ansehen, haben schon in Polen zu den glänzenden Siegen unserer Waffen beigetragen. Ein Besuch bei diesen Männern unserer Luftwaffe, den wir in den letzten Tagen abstatteten, bereicherte uns um das schöne Erlebnis der Bekanntschaft mit Frontsoldaten von echtem Schrot und Korn.
Wo die Stellungen der Truppe zu suchen sind, tut hier nichts zur Sache, es mag genügen, wenn wir verzeichnen, daß es eine ganze Menge derart besetzter Punkte weithin im Gelände unserer engeren Heimat gibt. Der Waffenschutz, den die Flak für unsere Heimstatt gewährleistet, ist jedenfalls sehr stark. In den Stellungen ist alles in jeder Minute zu einem „heißen Empfang" unerwünschter Gäste aus dem Westen bereit. Und täglich wird dafür gesorgt, daß die Schlagfertigkeit der Männer an den Geschützen und den Geräten nicht „einrostet", sondern sich durch ständiges Ueben und Exerzieren an Geschützen und Geräten immer mehr verstärkt. Mag auch zwischendurch Arbeitsdienst zur Erfüllung der täglichen Obliegenheiten des Lebens in der Stellung die Männer für einige Zeit in Anspruch nehmen, im Vordergründe bleibt immer die Waffenausbildung und die Einsatzbereitschaft an der Waffe, zu jeder Minute bei Tag und bei Nacht. Da gibt es vielerlei zu tun, um das große Ziel sicherzustellen. Aber stets sehen wir Offiziere und Mannschaften mit aller Hingabe im Dienste ihrer soldatischen Pflicht.
Irgendwo im Gelände. Wir sind in der Stellung eines Scheinwerferzuges. Noch vor kurzer Zeit hatten Kartoffeln und Dickwurz dieses Stück heimatlicher Erde inne. Jetzt haben Flakartilleristen hier ihre Wohnunterstände in die Erde hineingebaut. Man sieht nicht viel davon. Die Stellung ist vortrefflich getarnt. Die charakteristischen Kennzeichen an dieser Stelle sind das „große Ohr" der Flak, nämlich das Horchgerät, und einer von den großen Scheinwerfern.
Wir treffen die Männer dieser Stellung beim Arbeitsdienst an. Es gibt ja — jeder alte Feldsoldat kennt das — in einer Stellung immer etwas zu arbeiten. Da wird der Bau der Unterstände vervollkommnet, es werden bessere Wegeverhältnisse geschaffen, Abzugsgräben für den Heberschuß an himmlischer Flüssigkeit gezogen, Holz zu Feuerungszwecken zerkleinert, an den Fernsprechleitungen ift meist auch etwas zu tun, und bei all solcher „Kurzweil" vergehen schließlich auch die Stunden.
Selbstverständlich muß die ganze Mannschaft zu jeder Minute alarmbereit sein, um den Abwehrkampf gegen feindlichen Fliegerbesuch aufzunehmen. Tritt dieser Fall ein, dann hat der Mann am „großen Ohr", dem Horchgerät, als erster eine sehr wichtige und verantwortungsvolle Funktion zu erfüllen. Mit seinem Gerät hat er — und kann er — die Anflugrichtung des feindlichen Fliegers schon zu einem Zeitpunkt festzustellen, in dem von dem Flieger selbst noch nichts zu sehen ist. Auf Grund seiner Wahrnehmungen werden die Scheinwerfer und die Geschütze in die ermittelte Richtung eingestellt und ständig den Korrekturen unterworfen, die sich aus etwaigen Aenderungen im Anflugweg des Fliegers ergeben. Der Mann am Horchgerät muß ein außerordentlich scharfes Gehör besitzen, um selbst die feinsten Fluggeräusche mit Sicherheit schon zum frühesten Zeitpunkt aufzufangen. Bei Alarm tritt auch die
Mannschaft am Scheinwerfer sofort in Aktion. In wenigen Sekunden beginnt der Maschinensatz zur Stromerzeugung seine Arbeit, und vom gleichen Augenblick ab richten sich vom großen Scheinwerfer aus Lichtbündel von weit über eine Milliarde Ker- zen-Stärke, in etwa 0,50 Meter Durchmesser der Lichtsäule, hinauf in gewaltige Höhen der dunklen Nacht, um dort mit ihrem Lichtstrahl den an« fliegenden Feind zu erfassen. Gleichzeitig stehen in allen Feuerstellungen die Geschütze zur Feuereröffnung bereit, denn sobald die von zahlreichen Stellungen aus tätigen Scheinwerfer den Feind in ihrem Lichtkegel haben, sprechen die Geschütze ihr gewichtiges Wort.
Hier in dieser Stellung
besuchen wir auch „Klein-Nauen", die Funk- und Fernsprechbude, die sich den großen Bruder bei Berlin als Namensvetter erwählt hat. Die Männer der Antenne und der Strippe müssen auch hier Tag und Nacht gewaltig „auf der Scheibe" fein.
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Auf einem anderen Geländepunkt stehen wir inmitten der Stellung einer leichten Flakbatterie. Hier treffen wir ein schönes Idyll an. Ein Bauersmann mit feinen beiden Kühen vor dem Pflug stürzt den Acker um, damit er neue Saat aufnehme. In feiner unmittelbaren Nachbarschaft aber sitzen Flakartilleristen an ihrem 2-cm-Flakgeschütz bei Zielübungen.
So geht die Arbeit des Landmanns im wahrsten 5Urne des Wortes im Schutze der Waffe weiter.
Denn auch diese Artilleristen sind in jeder Minute bereit, die unmittelbar neben ihrer Waffe liegende scharfe Munition einem angreifenden Feind entgegenzuschleudern. Und diese Geschosse sind ein Teufelszeug. Sie sind so hochexplosiv, daß sie schon bei dem geringsten Widerstand krepieren und dem in ihrem Wirkungsbereich befindlichen Feind zum todbringenden Verhängnis werden. Das Ausstößen eines solchen Geschosses selbst auf einen dünnen Verspannungsdraht des Flugzeugs bedeutet für dieses schon die Vernichtung. Dazu kommen eine ungeheure Feuergeschwindigkeit und große Reichweite, so daß der angreifende Feind in einen Feuerhagel gerät, der ihm die kleinen Granaten wie Hagelfchloßen entgegenwirft. Für Flieger im Tiefangriff ist diese kleine und außerordentlich nach allen Seiten hin bewegliche Kanone der gefürchtetste Gegner. Schon mancher Flieger hat durch diese Waffe fein Ende gefunden. So scharf diese „Granatenspritze" im Kampf ist, so friedlich zeigt sie sich bei unserem Besuch. Hier geht während der Hebung alles still und friedlich zu, dennoch sieht man den Männern an, daß sie an ihrer Waffe und an den Hilfsgeräten mit außerordentlicher Anspannung aller geistigen Kräfte arbeiten.
An einer anderen Ecke dieser Stellung übt sich die Bedienungsmannschaft eines kleinen Scheinwerfers in der Verfolgung aller Kreise und Kurven, die ein Flieger hoch oben in der Luft zieht, der als Uebungsobjekt übenber Kameraden auf der Erbe mitwirkt. Auch hier an dem kleinen Scheinwerfer, der die finstere Nacht mit einem Lichtbündel von 250 Millionen Kerzen- Stärke weithin zu durchbringen vermag, finb bie Männer mit größter Gespanntheit bei ihrer Arbeit. Wir sehen, wie sie selbst auf die kleinste Schwenkung, Steigung oder auf den plötzlichen Sturz des Fliegers mit einer Exaktheit und Schnelligkeit reagieren, bie einen Begriff vermittelt von der „Anhänglichkeit", mit bet biete Scheinwerfermänner ihr Gerät einem feinblichen Flieger an bas Flugzeug „anhängen". Man kann sich vorstellen, daß es den feindlichen Fliegern Misch
unangenehm sein muß, . wenn sie sich von den gewaltigen Strahlenbün- deln der großen unb der kleinen Scheinwerfer er» faßt sehen unb nunmehr die Flakgeschütze ihre „Grüße" heraufschicken.
Andere Männer biefer Stellung sind beim weiteren Ausbau von Stellungseinrichtungen beschäftigt, jeder hat seine Dienstverrichtungen, bie bie Zeit voll ausfüllen, aber die stete Feuerbereit» schaft in keiner Weise vermindern.
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Unser Besuch gilt nun an einem anderen Punkt einer schweren Flakbatte- rie. Hier begegnen wir der Krone dieser Waffe. Wir kommen gerade in dem Augenblick an, da an den Geschützen Unterricht im Gange ist unb bie Be-
bienungsmannschaft immer wieder in bie Feinheiten der flakartilleristischen Schießkunst eingeführt wirb.
Da hören wir wieber an der „Seele der Batterie", dem Kommandogerät, die geheimnisvolle Sprache der Zahlen usw., sehen die Männer kleine Räder drehen und Kurbeln bewegen, das ganze Gerät je nach dem Erfordernis des Hebungsobjekts nach allen Richtungen hin bewegen und dabei jeden einzelnen feine engbegrenzte und doch für den Gesamterfolg mit ausschlaggebende Tätigkeit ausüben. Das alles geht in so wunderbarer Ruhe und mit so absoluter Sicherheit vor sich, daß man vorbehaltlos den Eindruck mitnimmt: diese Männer ver
stehen ihr Handwerk und sind ihrer Aufgabe gewachsen, nämlich das Gehirn der gesamten Batterie zu sein. Wie drohende Warnfinger sind die langen Rohre der schweren Geschütze emporreckt, in den Geschützständen sind die Mannschaften eifrig beim artilleristischen Unterricht.
Wir beobachten eine Bedienung, die sich eifrig mit den Feinheiten des Zünderstellens beschäftigt, und wir sehen auch hier, daß die Männer von der großen Bedeutung ihres Dienstes durchdrungen sind. Es sind ganz „anständige Brocken", die von den Männern bei ihrer Hebung in Gestalt von Granaten auf den Arm genommen werden. Aber mit der absoluten Sicherheit des gut ausgebildeten Soldaten hantieren sie mit diesen „Liebesgaben".
Auf dem Rundgang durch die Stellung, bei dem wir vortrefflich ausgebaute Stände für die Geschütze und die übrigen Instrumente sehen, fernen wir auch einige Hnterstände kennen. Der ehemalige Soldat des Weltkrieges kann hier die Feststellung machen, daß die Kunst des Hnterstandbaues aus eigener Kraft und mit eigenem technischen Können der Truppe auch heute bei den jungen Soldaten zu Hause ist. Wir können jedenfalls mit allem Respekt vermerken, daß die Männer Hnterstände gebaut haben, die vorzüglich getarnt sind und ein für Feldverhältnisse annehmbares Wohnen ermöglichen.
Mit Genugtuung wird uns von dem Batteriechef auch erzählt, daß sich das Verhältnis solcher Batterie zu den Bewohnern eines nicht weit entfernt liegenden Dorfes herzlich gestaltet hat, die Männer von der freundlichen Gastlichkeit der Dorfbewohner sehr angenehm berührt sind und sich in ihrer freien Zeit gern dort aufhalten. Für die Bewohner dieses Dorfes ist diese Anerkennung des Batteriechefs jedenfalls ein schöner Lohn für ihre Soldatenfreudigkeit.
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Mittlerweile bricht die Abendämmerung an. Wir haben nur einen kleinen Teil der Flakartilleristen rund um unsere Stadt besucht. Aber wir hören» daß es in allen anderen Stellungen genau so stramm kriegsmäßig wie hier in den besuchten Stellungen zugeht, dort die gleiche Einsatzfrercdig- keit und Hingabe an die Waffe herrscht wie hier, kurzum der Gürtel zum
Schutze unserer Stadt überall die gleiche Stärks und Festigkeit aufweist und damit die Sicherheit für unsere Bevölkerung so weitgehend wie nur irgend möglich gegeben ist.
Den Mannern der Flakartillerie gebührt für ihren schweren Dienst bei Tag und Nacht, bei jedem Unwetter und bei jeder Kälte unser aller Dank uni) Anerkennung. Statten mir ihnen einen Teil dieses Dankes dadurch ab, daß wir ihnen, wenn sie aus ihren Feldstellungen zu Besuch in die Stadt kommen, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen trachten. Denken wir auch daran, daß Liebesgabensendungen nicht nur bei unseren Kämpfern! im und vor dem Westwall oder an der Wasserkante Freude auslösen, sondern auch in den Stellungen der Flakartillerie in unserer engeren Heimat froh« Stimmung bereiten.
Wie wir uns im Schutze dieser starken Waffe tags« über der friedlichen Arbeit und abends unb nachts der Erholung widmen können, fo gibt es auf der anderen Seite im Kriegerleben unserer Flakartilleristen ständig nur des Dienstes ewig gleichgestellte' Hhr. Deren ehernes Gesetz für die Soldaten durch Beweise unserer herzlichen Verbundenheit etwas leichter zu machen, sei uns allen als den Beschützten eine besondere Verpflichtung. B.
(Aufnahmen [5]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Zeder opfert für das Kriegs-MW.!
Die Innere Front int ihre Pflicht.
NSG. Am heutigen Samstag beginnt die zweite Reichsstraßensammlung des diesjährigen Kriegs» winterhilsswerks, bei der der Gau Hessen-Nassau erneut den Beweis seiner geschlossenen sozialen Tatbereitschast erbringen wird. Wieder werden, wie in jedem Jahr im November, die Männer der SA., der ff, des NSKK. und des NSFK. die roten Opferbüchsen schwingen und von jedem Volksgenossen einen Beitrag fordern. Als Vorbilder des Einsatzes für das Vaterland in der Inneren Front haben sie dazu ein Recht. Zu den Männern der Kampfformationen treten am Wochenende in manchen Orten unseres Gaues noch die Block- und Zellenleiter der NSV. um die Lücken zu schließen, die durch Einberufungen in den Reihen der Formationen entstanden sind.
Die erste Reichsstraßensammlung war im GaU Hessen-Nassau ein großer Erfolg. Er gab Zeugnis von dem Willen unserer Bevölkerung, durch Opfer- bereitschaft die Innere Front stark und unüberwindlich zu machen. Die zweite Reichsstraßensammlung muß in ihrem Ergebnis diesen Beweis erneuern und erhärten. Deshalb ergeht auch an diesem! Wochenende an jeden Einzelnen der Ruf, den Beitrag für dieses soziale Werk zu geben, der seiner finanziellen Lage entspricht. Eine selbstverständliche Pflicht muß es natürlich sein, daß jeder nicht nur für sich ein Abzeichen kauft, sondern ein zweites dazu für einen Soldaten an der Front.
Eine besondere symbolhafte Bedeutung kommt bef dieser Reichsstraßensammlung den Wzeichen zu. Sie stellen Waffen dar, die unsere Vorfahren zu ge« brauchen wußten, wenn Ehre und Freiheit auf bent Spiele standen. Diese Schwerter und Dolche sollen jetzt den unerschütterlichen Willen des deutschen Volkes zum Ausdruck bringen, nunmehr mit dein Schwert zu verteidigen und zu bewahren, was in den Jahren feit der Machtübernahme in friedlicher Arbeit errungen und aufgebaut wurde. Stets waren Schwert und Dolch das Zeichen deutscher Wehrhaftigkeit. Heute, Samstag, und morgen, Sonntag, wird jeder Volksgenosse im Gau Hessen-Nassau durch den Erwerb dieser Abzeichen bekunden, daß der gleiche wehrhafte Geist, der unsere Vorfahren beseelte, auch in uns lebendig geblieben ist.
Bedienungsmannfchast am Scheinwerfer.
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Beim Unterricht im Zünderstellen.
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Schweres Flakgeschütz in Stellung.
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