Ausgabe 
4.11.1939
 
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Nische Zeitung kalkuliert die Mehrkosten, die den Reedern durch eine zehn« bis zwanzigtäglge Kon­trolle in britischen Häsen erwachsen.

Es ist dabei nicht ganz leicht, das britische Vor­gehen zu verstehen. Es kann unmöglich im Interesse Großbritanniens und seiner Versorgung mit über­seeischen Gütern liegen, wenn sich die neutralen Reeder in zunehmendem Maß weigern, ihre Fahrzeuge durch Gewässer zu schicken, in denen die britische Kontrolle nahezu hundertprozentig ist. Wenn es dazu käme, daß Großbritannien in seiner Versorgung aus überseeischen Ländern allein auf die eigene Handelsflotte ange­wiesen wäre, so ständen die Dinge für unseren Hauptgegner keineswegs gut. Die englische Handels­flotte ist um etwa eine Million Tonnen kleiner als die Handelsflotte vor 25 Jahren; dabei ist der Einfuhrbedarf des Jnselreichs um etwa ein Fünftel größer. Der Anteil der neutra­len Länder an der gesamten Welthandelstonnage hat sich gegenüber der Zeit des Weltkrieges beträcht­lich erhöht. Sprechen also diese Tatsachen für ein entgegenkommendes Verhalten Großbritanniens ge­genüber der neutralen Schiffahrt, so muß es ein sehr gewichtiger anderer Umstand sein, der die bri­tische Kriegsflotte und die Kontrollorgane veranlaßt, mit einer sachlich nicht notwendigen Rigorosität zu verfahren. Dieser Umstand ist der Wunsch, die Neu­tralen zu einer ausdrücklichen oder doch stillschwei­genden Parteinahme für Großbritannien und Frankreich zu gewinnen.

Es ist in der Seekriegsgeschichte immer wieder oorgekommen, daß eine zur See schwache Kriegs­partei sich von den Neutralen eine schlechtere Behandlung gefallen lassen mußte und gefallen ließ als die gegnerische Partei. Deutschland ist nicht willens und ist entschlossen, dies durch die Tat zu bekräftigen, sich durch die Neutralen schlechter behandeln zu lassen als seine Gegner. Es ist aber auch in der Seekriegsgeschichte oft vorgekommen, daß sich die Neutralen nicht stark genug fühlten, gegenüber beiden Kriegsparteien mit gleichemMaß zu messen. Es konnte zuweilen schei­nen, als zeigten sich die Neutralen gegenüber den britischen Zumutungen willfährig, da sie auf die Dauer hiergegen nichts ausrichten zu können glaub­ten. Das Hervortreten der Räteunion hat den Dingen eine sichtbare Wendung gegeben. Wenn auch in der Moskauer Note zunächst nur vonEntschä­digungen" die Rede ist, die für Verluste bei der Kontrolle gefordert werden sollen, so würde sich doch zweifellos die Moskauer Regierung auf die Dauer keine Behandlung gefallen lassen, wie sie Groß­britannien den kleinen neutralen Ländern hat an­gedeihen lassen.

Gerade die letzten Tage haben Anhaltspunkte da­für gebracht, daß man sich in Großbritannien in der Dersorgungsfrage keineswegs so sicher fühlt, wie das aus den Erklärungen des Londoner Rundfunks und aus den Verlautbarungen des In­formationsministeriums hervorzugehen scheint. Die Einschränkung in der Lebensmittelzuteilung, die Großbritannien mit äußerster Beschleunigung durch­zuführen bemüht ist, ist in mehreren Punkten be­trächtlich schärfer als die Einschränkung des von der britischen Seemacht vom unmittelbaren Verkehr mit überseeischen Ländern abgeschnittenen Deutschlands. Man tröstet sich in London damit, daß sich das System derGeleitschiffe", also der für Handelsfahrzeuge bereitgestellten militärischen Be­deckung, bald eingespielt haben werde, und daß auf der anderen Seite ein sehr beträchtlicher Teil der deutschen Unterseeboote versenkt oder außer Gefecht gesetzt sei. Die letzte der beiden Behaup­tungen ist durch den deutschen Heeresbericht vom 28. Oktober widerlegt worden; die erste der beiden Behauptungen erscheint nach der sowjetrussischen Note in der Konterbande- und Kontrollfrage in einem wesentlich anderen Lichte als früher. Ein Land, das wirklich wirtschaftliche Neutralität wah­ren will, wird sich einem britischen Kon­voi nicht anvertrauen dürfen, weil es da­mit für Deutschlands Gegner Partei nimmt und auf entsprechende deutsche Gegen­wirkungen rechnen müßte.

Blick über den Mein in Feindesland.

Ausblick von der rechten Rheinseite auf französische Bunkerstellungen unmittelbar am Strom. (PK.-Atlantik-M.)

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Im Vorfeld des Westwalls.

Eine Aufnahme aus der frei gemachten Zone vor dem Westwall. Man steht einen gut getarnten Grabenabschnitt der ersten deutschen Linie. (PK.-Brucker. Scherl-M.)

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....derFesselballon verbranntevollständig!"

Oie deutsche Lustwaffe bei jedem Wetter auf dem posten.

P. K. Weit vorgeschoben an der deutschen West­grenze liegt der Einsatzflughafen, von dem aus gerade die erste Rotte einer Staffel st a r t e t. Seit acht regnerischen Tagen hat die Sonne nicht einen Blick durch die Wolken riskiert, aber heute hat sie endlich ein Einsehen gehabt und scheint in schönen breiten Streifen auf das herbst­liche Land. Die Flieger bleiben etwas länger als gewöhnlich. Sollten sie vielleicht bei dem günstigen

Wetter einen Franzosen oder Engländer erwischt haben? Aber das ist doch kaum denkbar, daß die Brüder schon am ersten einigermaßen schönen Tag wieder frisch, fröhlich und frech über die deutsche Grenze kommen und unsere Stellungen ausspionie­ren wollen?! Immer mehr Soldaten der ersten Staffel stehen am Befehlsstand und sehen zum Himmel, nach Westen. Die Rotte läßt sich noch im­mer nicht sehen.

Da kommt vom Flugwackkommando der Rund- ruf, daß über der L u f t v e r t e i d i g u n a s- zoneWesteinfeindlicherFesselballon ab geschossen sei. Und fast gleichzeittg mit die- ser Meldung tauchten am Horizont die beiden Ma­schinen auf, kommen näher und stoßen nun im Tiefflug auf den Platz herunter, ziehen wieder hoch und wackeln im Weiterfliegen mit den Tragflachen: das Siegeszeichen!

Sie haben ihn geholt!"Die aufaeblasene Konkurrenz hat ein Loch im Bauch!"Aus ist s mit dem Spionieren!"Wieder eine Leberwurst weniger!!"

Die Kameraden aus dem Rollfeld rennen zu den beiden Maschinen, die gerade ausrollen, im Triumphzug tragen sie die beiden Flieger zum Befehlsstand. Und dann geht das Erzählen los

Wir waren ja eigentlich nur gestartet, um nach dem Rechten zu sehen", erzählt der junge Pilot, der den Fesselballon abschoß.Als wir genügend Hohe gewonnen hatten, flogen wir in westlicher Richtung auf die Grenze zu, denn bei der klaren Luft konnten wir weit sehen und hatten dann bald entdeckt, daß da drüben etwas in der Lust war. Was es war, konnten wir nicht gleich erkennen, da sind wir dann eben etwas näher herangeflogen. Ein Wind­stoß und wir sahen deutlich die blau-weiß-rote Kokarde. Na, und dann ist's eben geschehen?"

Der Kreis der Zuhörer hat sich erheblich ver­größert, jeder will hören, wie es gelang, der un­förmigen Wurst über die Grenze beizukommen

Die aufgeblasene Konkurrenz hing am Schlepp­seil weit über die Grenze zu uns herüber und lenkte, wie wir feststellen konnten, das Feuer einiger Batterien Artillerie auf die Landstriche vor dem Westwall. Das haben wir ihm natürlich sehr übel genommen und ihn aus 400 Meter Entfernung be**»it5 befunkt. Er fing wunschgemäß auch gleich zu brennen an, und wir sahen, wie die Boden­besatzung fieberhaft begann, den Ballon einzuziehen. Aber ehe er nur wenige Meter tiefer geholt werden konnte, setzten wir ihm noch eine gut gezielte Lage MG.-Feuer in den Leid.

Der Beobachter in der Gondel, der mit seinem Funkgerät das Arttlleriefeuer geleitet hatte, sprang mit dem Fallschirm über Bord und segelte seinen eigenen Linien zu. Der Ballon ver­brannte noch in der Luft und zwar voll­ständig. Eine mächttge schwarte Wolke blieb noch eine Weile da stehen, wo noch Augenblicks vorher ein dicker Ballon gestanden hatte. Ja, und dann sind wir wieder heimgeflogen."

Langsam ist es dunkel geworden. Nur noch ganz schwach dringt das Licht durch den Zelteingang. Einer fragt:War denn keine Abwehr da, die den Ballon schützte?"

Die Flak schoß wohl ganz gut, aber wir sind den Geschossen so gut ausgewichen wie es ging, und, wie ihr seht, ging es ganz gut! Sie schossen mit Leuchtspurmunitton, und wir sahen ihre Geschoß­bahnen ganz genau."

Und die Jäger? Waren denn keine feindlichen Jäger in der Nähe", will einer wissen.

In der Nähe ist gut gesagt", lacht der Flug­zeugführer.Als der Ballon bereits ver­brannt war und rojr schon wieder abgedreht hatten, erschien im Hinterland eine ganze Meute. Aber gejagt hoben sie uns nicht, oder sie hatten erkannt, daß unsere Maschinen schneller lind als die ihrigen. Wenn sie sich aber bei dem -or- hergegcmgenen schlechten Wetter so sicher gesuhlt haben, dann hatten sie vergessen, daß die deut'che Luftwaffe bei jedem Wetter auf dem Posten ist und aufpaßt wie die Schießhunde "

29/30 - fäafozfafatr- 2/4.

Don der wahren Lebensfreude

Don Josef Magnus Wehner.

Es ist in diesen Tagen von einigen gründe rnsten Grüblern die Frage erwogen worden, ob man sich denn im Kriege auch freuen dürfe. Die Antwort darauf haben die Berufensten selber, die Soldaten an der Front und in den Lazaretten gegeben, in­dem sie vom Rundfunk heitere Musik forderten. Mit der Unbedingtheit der echten Krieger setzten sie das Wörtchennur" hinzu.

Die Front will also eine heitere Heimat sehen. Und wir in der Heimat, die wir uns am Abend, wenn nach des Tages Last und Mühe die Heiter­keit ihr Recht fordert, die Tarnkappe der Verdun­kelung überftülpen, wären wahrhaftig eine ganz neue Art von Narren, nämlich ernste Narren, wenn wir nun auch die sonnigen Gemüter unter uns, die lichten Naturen, die hellen und heiteren Charak­tere unter diesen Scheffel der Verdunkelung stellen wollten.

Ja, wir wollen nun gerade das innere Idyll pflegen. Denn das Heroische und das Idyllische sind Geschwister. Wer das Idyllische nicht liebt, ist kein Held, sondern ein Pedant. Die großen Meister der deutschen Kunst haben beides in ihren Werken vereinigt, das Heroische und das Idyllische, und wir kleinen Meister des deutschen Alltags wollen es ihnen gleichtun und das Beste aus unserem Leben machen. Wie schön ist es etwa, um gleich bei der Verdunkelung zu beginnen, daß Mond, Sterne und Wolken nun auf einmal sichtbar sind, wir erleben den Nachthimmel neu im sausenden Herbstwind, die Umrisse der Häuser, die nächtlichen Bäume, die Architektur der großen Bauten steht plötzlich im romantischen Halbdunkel unter diesem lyrischen Himmel, den wir vordem, tm vernichten­den Licht der Großstadtnacht Überhaupt nicht mehr sahen. Und vielleicht sehen viele von uns auch die Frau, den Mann, die Kinder neu, wenn wir nun am Familientisch näher zueinanderrücken, im Lichte einer traulichen Güte, die nun voller und unge­hemmter aus dem Innern quillt.

Der Krieg ist der große Meister der Beschränkung. Er hat nicht viel in seinem schlichten Haushalt, aber was vor feiner Sparsamkeit besteht, das ist echt und einfach und geht uns mehr an, als der Wust überflüssiger Dinge, mit denen uns manchmal ein überzüchteter Friede belüft. Wenn wir uns zum Esten niederfetzen, wenn wir fchlafengehen oder aufftehen, wenn wir irgendeine Kleinigkeit mit Heimbringen, oder wenn wir einen Brief schreiben oder empfangen, so ist eine gewisse Feierlichkeit um all diese einfachen Dinge, und indem wir neu lernen, mit wie wenig der Menfch auskommen kann,

verklären sich diese letzten notwendigen Dinge und rücken den bescheidenen Kreis unseres Daseins in das innere Licht eines heiligen Zusammenhanges, den wir Volk nennen dürfen.

Wie mir jetzt leben, so haben unsere Altvorderen gelebt, als sie in einer fast bedürfnislosen Stille ihre Arbeit taten und an dem großen Reiche bau­ten, das nun erst überlebensgroße und noch völlig unfaßbare Wirklichkeit geworden ist. Aus solcher Bescheidung aber wächst erst die eigentliche, die wahre Lebensfreude. Sie ist ein Kind der Sttlle und der Bedürfnislosigkeit. Übersättigung erzeugt den Lärm der Vergnügungen, bei denen sich die wahre Lebensfreude oft unter den Tisch verkrochen hat. Müssen wir nicht lächeln, wenn wir etwa an den sturen, fast tragischen Ernst denken, mit dem im Tanzsaal die Paare sich aneinander vorbeibeweg­ten? Welcher Gegensatz von diesem traurigen Ver­gnügen etwa zu einer niederländischen oder rheini­schen Kirmes, welcher wahrhaft gespenstischer Ge­gensatz!

Wer die Fülle genießen will, muß sie vorher entbehrt haben. Und wir kommen in diesen Tagen immer mehr darauf, daß die Freude nicht so sehr ein Besitz äußerer Dinge, im Reichtum besteht, son­dern, daß sie eine inwendige eine seelische Fähig­keit ist, ebenso wie die Liebe, mit der die Freude ja auf das innigste verwandt ist. Die Freude schenkt ebenso wie die Liebe; der wahrhaft freudige Mensch ist nur dann in seinem Element, wenn sich die anderen mit ihm freuen; dann erst wird er verschwenderisch und geht gar hin und schlachtet sein Kalb, bäckt Krapfen und läßt die Musik aufspielen wie ein ewiger Hochzeiter. Darum: wer die wahre Lebensfreude erlernen will, der gehe hin und mache den anderen eine Freude. Es ist eine alte Weisheit: das Leben gibt mir nur soviel, als ich ihm selbst gebe, nur so hält es sich im unzerstörbaren Gleich­gewicht. Darum sind auch die Geizigen und Neidi- chen die eigenttich freudlosen und lieblosen Ge° eilen, die der Herr des Lebens selber von der Tafel ausschließt, daß sie nun mit verrosteten Gelenken und hängender Unterlippe wie Sträflinge ihre arm­selige Lebenszeit absitzen, scheeläugig und mürrisch.

Schenke deiner Frau einen Apfel, eine Blume, eine einzige nur! Es kommt nicht darauf an, wie­viel fo ein Pausback ober fo ein Farbenstern ge­kostet hat, sondern daß du an deine Frau gedacht hast. Kluge Ehemänner verstehen längst die Kunst, ihre Frauen mit solch kleinen Angebinden lieb zu machen; sie opfern einen Groschen unö ernten da­für das Goldstück eines Kusses, diese hellen Wuche­rer! Aber so ist das Leben, und hier liegt das Geheimnis der Freude, jenes Götterfunken, der die Menschen zu Brüdern macht

Die Freude entspringt dem Feuer; sie ist em Teil der liebenden Sonnenkraft, die sich freilich nicht

in wüsten Flammenausbrüchen äußert, sondern mit sanftem Flügel, wie Schiller sagt, über der brüder­lichen Gemeinschaft weilt. Freude ist selbstlos wie Liebe; ihr Antlitz gleicht dem ewig heiteren Himmel, in dem die dämonischen Stürme zu Federwölkchen werden, die wie Kinder der Sonne im Unendlichen lagern. Die Freude ist eine Tochter der hellen Mächte; sie ist in jedem huschenden Lichtstrahl, der unser Herz trifft, in allen flinken, beflügelten Wesen, in den Blumen und Vögeln, in aC«.m rein Ent­sprungenen, wie Hölderlin sagt, und im Lächeln des menschlichen Antlitzes. Einen Menschen zum Lachen bringen kann auch der Narr; ihn zum Lächeln bringen vermag nur die Weisheit der Un­schuld und die wahre Freudigkeit eines sttahlenden Herzens. Sich freuen heißt sich mitfreuen.

Familienforschung mit Lleberroschungen.

Don Olas Sölmund

Manch einer, der heute nach Namen und Her­kunft seiner Vorfahren forscht, wird überrascht sein über die oft seltsamen Namen, die ihm dabei be­gegnen. Nicht selten wird er auch in den Kirchen­büchern einer Ortschaft immer wieder auf die gleichen Namen stoßen,' so daß es schwer ist, unter diesen gerade seinen Vorfahr herauszufinden. Es gibt Ortschaften, in denen nur zwei oder drei Na­men Vorkommen, wie zum Beispiel der thüringische Ort Lauscha, der durch seine Glasindustrie und die Fabrikatton künstlicher Glasaugen bekannt ist. Lauscha wurde von zwei Glasbläsern namens Greiner und Müller begründet, und von diesen beiden stammen fast sämtliche Einwohner ab. Hun­dertfach findet man in dem Ort die Namen Greiner und Müller, und die Bewohner unterscheiden sich untereinander nur durch Spitznamen, so daß die Behörden gezwungen waren, diese Spitznamen ofsi- ziell anzuerkennen und anzunehmen, um überhaupt eine Person Greiner oder Müller bezeichnen zu können.

Ein Dorf in der Nähe von Merseburg hatte im Jahre 1889 ein sehr merkwürdiges Zusammentref­fen von Namen aufzuweisen. In diesem Dorfe hieß nämlich der Pfarrer Petersilie, der erste Lehrer Zwiebel und der zweite Knoblauch. Deshalb hatte dieses Dorf in der ganzen Umgebung den Spitz­namen:Zu den drei Suppenkräutern!"

Em Beispiel, wie sich gewisse Familiennamen im Laufe der Zeit verändern können, zeigt folgendes: Bei einer Erbschaftsangelegenheit, die vor einigen Jahren in Deutschland geregelt werden sollte, han­delte es sich um die Familien Bley und Pflaumen­

baum. Dabei wurde nachgewiefen, daß beide Fami­lien denselben, übrigens rein arischen Ursprung hatten. Ursprünglich bestand der Name Bley; im sechzehnten Jahrhundert aber veränderten bekannt­lich unter Einwirkung humanistischer Ideen die meisten Gelehrten ihre deutschen Namen in latei­nische, und ein Magister Bley nannte sich Plum­bum die lateinische Bezeichnung für Blei. Der Name Plumbum blieb in der Familie, bis diese nach Norddeutschland und unter die Plattdeutschen geriet. Hier verwandelte sich Plumbum in Pluhm- boom, dem plattdeutschen Wort für Pflaumen­baum, und als die Familie aus dem Plattdeutschen nach Mitteldeutschland zog, da nannte man sie wie­der hochdeutsch: Pflaumenbaum.

Noch merkwürdiger ist folgende Verwandlung: Eine Schotte namens Freyerstone siedelte sich unter Deutschen in der Nähe von Philadelphia in Ame­rika an, die seinen Namen zu Feuerstein assimi­lierten (anglichen). Als er später in eine englische Kolonie bei Richmond in Maryland geriet, über­setzten seine neuen Nachbarn den Namen Feuer­stein wörtlich mit Flint, was im Englischen Feuer­stein heißt. Sein Enkel zog nach dem Mississippi- gebiet, wo der Name Flint von den Franzosen in Pierre ä Fusil (dem französischen Wort für Feuer­stein) umgewandelt wurde. Derselbe Enkel wanderte später nordwärts, wo der Pierre ä Fusil wieder in das englische Peter Gun übersetzt wurde, da Pierre im Englischen Peter, und Fusil = die Flinte im Englischen Gun heißt.

Goethe verbietet Korikature.i. *

Eine Galerie merkwürdiger und interessanter, origineller und komischer Menschen der großherzög- lichen Residenzstadt Weimar" plante der Zeichner Theodor Götz, der das Pech gehabt hatte, wegen der Weglassung der fünften Zehe am Hinterfuß eines Murmeltieres in einem zoologischen Werk seine Le­bensstellung einzubüßen. Er versprach, seine Mit­bürger treu nach dem Leben darzustellen, aber er erregte damit den Unwillen Goethes, der als Chef der Anstalten für Wissenschaft und Kunst verbot, diese Karikaturen herauszubringen. Trotzdem sind zwei Hefte und 18 Aquarelle erhalten geblieben. Aus diesem verbotenen Schatz veröffentlicht das Novemberheft von Delhagen 8z Klasings Monatsheften einige besonders köstliche Stücke, und zwar im Rahmen eines reich und far­big illustrierten Aufsatzes, der dasVolk rings um Goethe" darstellt und den Professor Dr. Hans Wahl, der Direktor des Goethe-National-Museums, ge­schrieben hat. Dieser Aufsatz gewährt dem Leser einen überraschenden Einblick in die kleine Welt, die Goethe und die anderen Großen Weimars um­gab.