Washington, 3. Nov. (DNB.) Das Reprä- entantenhaus lehnte mit 242 gegen 181 Stimmen den Antrag des Abgeordneten Shanley, das Waffenembargo beizubehalten, ab. Die endgültige Fassung der Neutralitätsoorlage ist Freitag vormittag vom Konferenzausschuß beider Häuser ausgearbeitet worden und soll zur Schlußabstimmung dem Senat und Repräsentantenhaus vorgelegt werden.
In der oorausgegangenen Debatte erinnerte der demokratische Abgeordnete S w e e n l e y aus Ohio daran, er habe bereits während des USA.-Besuches des englischen Königspaares im Frühsommer dieses als er st en Agenten des Weltkrieges bezeichnet. Der Abgeordnete fragte dann weiter ironisch, ob es christlich von feiten der Amerikaner ei, Giftgas zur Tötung ihrer christlichen Brüder in Europa zu verkaufen. Sweenley erklärte, die Bibel, die Roosevelt vom englischen Königspaar als Geschenk erhielt, sei dasselbe schöne Buch, das von den Missionaren von geringerem Ruf als König Georg einfältigen Eingeborenen in Afrika geschenkt werde, denn, so rief Swenley aus, „B i b e l und Flagge sind bisher immer dem britischen Händler vorangegangen". Sweeley richtete sodann vor dem versammelten Repräsentantenhaus und den dicht besetzten Galerien ein Gebet an Gott, „die Bereinigten Staaten vom Schicksal der 60 oder 70 von Frankreich und England eroberten Gebiete zu erlösen" und er schloß mit den Worten: „O Herr, erlöse uns von Lord Lothian. unserem neuen britischen Botschafter, der mehr Zeit im Staatsdepartement verbringt, als irgendein anderes Mitglied des Diplomatischen Korps."
Die Forderung des demokratischen Abgeordneten Mac Cormack, die amerikanische Regierung solle den Botschafter Steinhardt wegen Molotows Kritik an Roosevelt aus Moskau abberufen, verursachte im Repräsentantenhaus ebenfalls eine erregte Debatte. Mac Cormack nannte die Molo- tow-Rede einen „ernsten Bruch des Völkerrechtes" und einen „Versuch einer Beeinflussung der amerikanischen Oeffentlichkeit", was mit der Abberufung des Botschafters beantwortet werden müßte(!). Mac Cormack, dessen Aeußerungen vereinzelten Beifall auslösten, wurde sofort von dem Republikaner Fish stark angegriffen, der Mac Cor- macks Rede die k r i e g e r i s ch st e Kongreß- rede seit Amerikas Eintritt in den Krieg im Jahre 1917 nannte. Falls die Vereinigten Staaten entschlossen seien, aus religiösen Beweggründen den
Für ein freies Südafrika.
..Außerhalb der englischen Staatengemeinschaft."
Amsterdam, 3. Nov. (DNB.) Der wegen seiner Gegnerschaft gegen die Teilnahme Südafrikas am Krieg gegen Deutschland zurückgetretene Ministerpräsident H e r tz o g hat eine sehr scharfe Rede gegen den fetzigen Ministerpräsidenten S m u t s und dessen Anhänger gehalten. Er erklärte, die britischen Chauvinisten hätten offenbar in der Südafrikanischen Union noch immer zu viel Macht. Er werde nicht eher ruhen, bis d e r letzte englische Chauvinist aus der Union vertrieben sei. Hertzog hat ferner die Möglichkeit einer baldigen Zusammenarbeit mit Dr. M a l a n , dem Führer der burischen Nationalisten, durchblicken lassen. Dr. Malan erklärte, daß. da es nicht möglich gewesen sei, sich aus dem Kriege herauszuhalten, Südafrika sich jetzt außerhalb der englischen Staatengemeinschaft st e l l e n müsse.
Chamberlains Wochenbericht.
Verlust einer Anzahl Handelsschiffe nicht mehr zu bestreiten.
London, 3. Nov. (DNB) Im Rahmen seines wöchentlichen Lageberichtes vor dem Unterhaus konnte Chamberlain nicht umhin, zuzugeben, daß England, wie er sich ausdrückte, „eine Anzahl" Handelsschiffe verloren habe. Für den internen Propagandagebrauch operierte Chamberlain mit der seltsamen und durchsichtigen Be- hauptunq, daß die Rede Molotows in Berlin „einige Enttäuschung ausgelöst" habe. Er erklärte sich ober anderseits nicht bereit, auf die Ausführungen Molotows über die Kriegsziele der Alliierten einzugehen. Im übrigen sprach der englische Ministerpräsident von dem Kneg gegen Deutschland als einer edlen (!) Sache, in deren Rahmen die Dienstkräfte des Kolonialreiches in der wirksamsten Weise benutzt werden würden.
Die Mitglieder des Oberhauses konnten aus dem Munde von Lord Halifax erneut hören, daß das Vertrauen in die gegenwärtige deutsche Regierung zerstört und diese deshalb allein verpflichtet sei, die Bemühungen zur Wiederherstellung des zer- störten Vertrauens zu unternehmen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen benutzte der Außenminister die bekannten heuchlerischen Phrasen von der „Verletzung der europäischen Ordnung, der Vernichtung der Freiheit" und der „Schaffung einer besieren Ordnung auf der Grundlage der Gleichberechtigung", die ia, wie erinnerlich, seit langem das ausschließliche Patent der britischen Regierung
So wird auch dieser soziale und politische Gegensatz von England geschickt ausgenutzt, um alles in der Hand zu behalten. Das Weißbuch, das der britische Dizekönig Lord Linlithgow soeben über seine letzten Verhandlungen veröffentlicht hat, zeigt die gleiche Taktik. Es kann einen „bemerkenswerten Unterschied der indischen Ansichten" feststellen, denn der Vizekönig hat sich wohlweislich Vertreter der verschiedensten Parteien, Kasten, Religionsgemeinschaften und Interessentengruppen zu Verhandlungspartnern ausgesucht, um sie gegeneinander auszuspielen. Im übrigen wiederholt das Weißbuch die leeren Versprechungen, mit denen die britische Regierung schon immer die Inder hingehalten hat. Die Kongreßpartei ist freilich die Antwort nicht schuldig geblieben. Nehru, der Präsident des Allindischen Kongresses, hat erklärt: „Wenn das Englands letztes Wort ist, gehen unsere Wege auseinander." In den Regierungen der acht wichtiasten Provinzen des Reiches sind die Minister als Protest gegen die „Scheinverfassung" zurückgetreten. Aber die Kongreß-Partei selber ist in verschiedene “'Xl-------- *"r—ri—von denen die Anhänger
Oie Waffenaussuhrsperre ausgehoben
Abstimmung im amerikanischen Repräsentantenhaus.
poden Smuts mit der Neubildung des Kabinetts. Er hat dann die von England geforderte Kriegserklärung erlassen. Aber der Widerstand gegen seine ganz im britischen Fahrwasser segelnde Politik ist ständig im Wachsen, so daß er schon, um der Oppo- sition den Wind aus den Segeln zu nehmen, die Absicht bestreiten mußte, ein südafrikanisches Erpe- ditionskorps nach Europa zu entsenden. Die An-, .
Hänger Hertzogs gehen nun mit den Nationalisten Richtungen gespalten, bu.. uc.^t u.. Dr. Malans zusammen. Letzterer hatte zwar bei den Gandhis die Gewalt ablehnen und durch passiven lebten Wahlen nur 29 Parlamentssitze erobern tön» Widerstand und wirtschaftlichen Boykott zum Ziel
13 Stimmen verfügt, ist anzunehmen, daß das Zu- ammengehen von Hertzog und Malan der nationalistischen Opposition einen starken Austrieb geben wird, zumal ihr Programm einer unbedingten Neutralität Südafrikas zusammen mit dem Verlangen nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit auf die burische Bevölkerung größte Anziehungskraft ausüben wird. So wird England vermutlich an seinem Dominion Südafrika nicht viel Freude erleben.
Auch aus Indien kommen für England wenig tröstliche Nachrichten. Man Hoffl wohl in London immer noch, mit dem alten, in langen Jahrzehnten erprobten und immer wieder bewährten Rezept des Gegeneinanderausspielens der völkischen, religiösen und politischen Gegensätze Indien bei der Stange zu halten und dafür zu sorgen, daß mit Hilfe einiger billiger Zugeständnisse doch im Grunde alles beim alten bleibt. Aber über die Entsendung indi- chek Truppen nach Singapore, Aden, Aegypten und dem Irak ist es schon zwischen den anglo-indischen Behörden und dem indischen Nationalkongreß zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, und es ieht keineswegs so aus, als ob sich Indien auch riesmal wieder wie im Weltkrieg mit der Lockspeise vertrösten lassen wollte, daß nach dem Kriege über die Gewährung des Dominionstatuts ernstlich gesprochen werden müsse. Die indische Kongreßpartei hat schon jetzt erklärt, daß sich Indien damit nicht begnügen könne und von England eine unzweideutige Erklärung gefordert, Indien die volle Unabhängigkeit zu gewähren. Die Partei hat ferner in einer Entschließung ihre Mitglieder aufgefordert, alles zu tun, Üm eine Einbeziehung Indiens, feiner Menschen- und Materialquellen in den gegenwärtigen Konflikt zu verhindern. Einen ähnlichen Standpunkt hat auch die muselmanische Ahrar-Partei auf ihrem Kongreß in Bombay eingenommen. Aber England vertraut weiter auf die Uneinigkeit des indischen Volkes, die Zersplitterung dieses riesigen Dolkskörpers von 340 Millionen Seelen in Hunderte von Rassen und Stämmen, die mehr als 50 verschiedene Sprachen und weit mehr als zweihundert verschiedene Dialekte sprechen, in über zweitausend scharf voneinander geschiedenen Kasten auseinanderfallen und, in unzählige Religionen und Sekten gespalten, sich mit beispielloser Heftigkeit bekämpfen. England hat es immer glänzend verstanden. besonders den religiösen Gegensatz zwischen den 240 Millionen Hindus und den 78 Millionen Mohamedanern wachzuhalten, wie es auch gewußt hat, den eingeborenen Fürsten, den Maharadschas, klar zu machen, daß ihre eigene Macht mit der englischen Oberherrschaft steht und fällt, denn die radikalen Anh^zger der nationalistischen Kongreßpartei sind keineswegs geneigt, das indische Volk künftighin in einem unabhängigen Indien anstelle für Englands Macht und Größe etwa für das mühelose Wohlleben einiger 70 eingeborener Potentaten frohnen zu lassen.
England neigen, während Iawaharlal N e h r u für ein unabhängiges Indien kämpft und die bengalischen Radikalen unter Subash Chandra Bose auch die revolutionäre Tat nicht scheuen. Man wird sich unter diesen Umständen und angesichts dieser höchst verwickelten und schwer übersehbaren Verhältnisse vor übereilten und allzu optimistischen Prophezeiungen hüten müssen, aber soviel darf wohl mit einigem Recht gesagt werden, so leicht wie vor 25 Jahren im Weltkrieg wird es England diesmal nickt mehr fallen, seine Herrschaft in Indien auf- recytzuerhalten und die ungeheuren wirtschaftlichen Reserven Indiens, das nicht umsonst die Perle in der britischen Krone genannt wird, seinen Kriegszwecken dienstbar zu machen. Wenn England nicht sehr vorsichtig operiert, treibt es Indien zum offenen Konflikt mit all seinen unabsehbaren Folgen. So wird der Krieg gegen Deutschland, den eine verblendete, nur ihren fanatischen Haß kennende Clique in England verbrecherisch und leichtfertig vom Zaun gebrochen hat, zu einer Kraftprobe für das britische Empire, dessen Bestand man in London skrupellos aufs Spiel gesetzt hat.
Dr. Fr. W. Lange.
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nen, da aber Smuts nur über eine Mehrheit von gelangen wollen, wobei sie zu Kompromissen mit 1 über die Notwendigkeit einer Losung der
Weltpolizisten zu spielen, wie Mac Cormack anrege, erübrige sich jede weitere Debatte. Es sei nicht Amerikas Aufgabe, anderen ihre Religon vor- zuschreiben. Auch der Demokrat Rankin verurteilte die Mac-Cormack-Rede und drückte die Ueber- zeugung aus, daß die Aufhebung der Waffensperre die West Mächte nur ermutigen würde, den Krieg zu verlängern. Der Republikaner Bax- ton erklärte, die Beibehaltung des Waffenembargos würde dazu beitragen, einen Krieg zu beenden, den niemand wünsche, während die Aufhebung der Sperre das Signal für den Beginn des dümmsten und verrücktesten aller Kriege wäre. Der republikanische Friktionsvorsitzende Martin kündigte scharfe Opposition gegen jeden Regierungsantrag, den Kongreß nach Erledigung der Neutralitätsgesetzgebung zu vertagen, an. Das amerikanische Volk wünsche, daß der Kongreß zur Besserung der innenpolitischen Lage weiter tage.
Unverhohlene Genugtuung der Rüstungsindustrie.
New York, 3. November. (DNB.) In schlecht verhüllter Genugtuung beschäftigt sich die Morgenpresse unter Schlagzeilen wie „Kriegs auf- träge für eine Milliarde Dollar sofort erwartet" mit den Geschäftsaussichten, welche die Aufhebung des Waffenausfuhrverbots der USA.- Rüstungsindustrie ermögliche. Anscheinend werden weitere moralisierende Kommentare, wie sie während des Höhepunktes der Neutralitätsdebatte fast täglich erschienen, für unnötig empfunden. Zwei Mißtöne stören die optimistische Geschäftsstimmung' erstens die laut „United Preß" amtlichen englischen Kreisen entstammende Versicherung, England werde aus Währungsgründen und Kreditrücksichten den Import anderer Industrieprodukte und Lebensmittel aus USA. um jährlich 150 Dollar-Millionen verringern; zweitens die Erklärung des Leiters der Bundesbehörde für Notstandsarbeiten, Oberst Harrington aus Chikago, welcher Amerika warnte, von den Kriegsausträgen die Beseitigung des Arbeitslosenproblems zu erwarten. Selbst wenn die Kriegsindustrie voll im Gange sei, verblieben noch Millionen, denen der Staat und die Ortsbehörden Beschäftigung geben müßten.
Jahrhundertwende eine Bevölkerung nichtenglischer Abstammung, nach einem mit aller Brutalität, der nur die Engländer fähig sind, geführten Krieg durch Hunger bezwungen, in das Empire eingegliedert. Daß England dann sehr bald die Zügel locker ließ und den Buren weitgehende Selbstverwaltung verlieh, hat gewiß dazu beigetragen, daß Südafrika im Weltkrieg unter den alten Burengeneralen Botha, Smuts und Hertzog wie die anderen bri- • tischen Dominions sich England rückhaltslos zur ’ Verfügung gestellt hat. Aber es kann auch keinem Zweifel unterliegen, daß gerade der Weltkrieg ein- 1 mal das Selbftbewußtfein Südafrikas beträchtlich ■ gestärkt hat, zum andern das Unabhängigkeitsgefühl [ des burischen Teils der Bevölkerung Südafrikas geweckt hat. Die nationalistische Beweguna unter den Buren hat in den beiden Jahrzehnten seit Beendi- \ gung des Weltkrieges außerordentliche Fortschritte ; gemacht und es scheint, daß sie durch die von Eng- j land erzwungene Kriegserklärung einen neuen An- i stoß erhalten hat. Zwei Sprachen, englisch und afri- 1 kaansch, stehen in Südafrika gleichberechtigt nebeneinander. Zwei Flaggen, der britische Union Jack und das orange-weiß-blaue Banner Südafrikas kämpfen erbittert um den Vorrang, nicht selten : schon ist bei burischen Festen der Union Jack von 1 einer empörten Menge vom Mast geholt worden. Zwei Nationalhymnen, das britische „God save the King" und das Afrikaaner-Lied „De Stern van Zuid- Afrika" (die Stimme von Südafrika) machen sich den Rang streitig. In zwei Hauptstädten wird regiert: während die Volksvertretung in Kapstadt tagt, ist Pretoria der Sitz des britischen Generalgouverneurs und der Regierung. Nichts kann besser die ganze Zwiespältigkeit der Politik Südafrikas illustrieren, als diese Äußerlichkeiten, die geradezu zu Symbolen des Unabhängigkeitsstrebens Südafrikas geworden sind.
Nicht minder kraß sind die sachlichen Gegensätze zwischen England als Kolonialmacht und Südafrika auf außenpolitischem Gebiet, wenn man davon überhaupt sprechen darf im Verhältnis zwischen England und einem seiner Dominions, die freilich die gleichen Rechte haben wie das Mutterland und die gleiche Selbständigkeit in der Vertretung ihrer Interessen. Dabei handelt es sich einmal um Südafrikas Wunsch nach Einbeziehung der unter englischer Verwaltung stehenden Eingeborenenprotektorate Basuto-, Betschuana- und Swasiland und der soeben zum Dominion erhobenen ehemaligen Kron- kolonie Süd-Rhodesien in die südafrikanische Union. Die vier Länder, die vor etwa einem halben Jahrhundert als Teile der Kapkolonie gegründet worden sind, also auch historisch den Zusammenhang mit der Südafrikanischen Union nicht leugnen können, zählen auf insgesamt 1,2 Millionen Quadratkilometer (Bet- schuanaland allein umfaßt davon 712 000 Quabrab kilometer mit freilich nur 270 000 Bewohnern), eine Bevölkerung von 2,2 Millionen, darunter aber nur 62 000 Weiße, von denen 55 000 allein in Süd- Rhödesten wohnen. Die nur unwesentlich viel größere Südafrikanische Union hat jedoch fast zehn Millionen Einwohner, davon sind zwei Millionen Weiße. Es ist also begreiflich, daß man in Pretoria danach verlangt, diese weiten, vor den Toren liegenden Gebiete der weißen Besiedelung zu erschließen. Aber gerade dagegen sträubt sick die eng- lische Kolonialverwaltung mit der durchsichtigen Begründung, die Eingeborenen bedürften des Schutzes gegen weiße Einwanderung. Und was in Pretoria vor allem verschnupft hat, ist die Hinterhältigkeit, mit der man in London Süd-Rhodesien zum Dominion erhoben hat, um damit dem südafrikanischen Vereinigungsplan einen besonders kräftigen Riegel vorzuschieben. In engstem Zusammenhang mit dieser Frage steht der englisch-südafrikanische Gegensatz in der Eingeborenenpolitik überhaupt. Südafrika ist, der burischen Tradition getreu, bemüht, jede Rassenmischung zwischen Schwarz und Weiß zu verhindern und die Eingeborenen in den ihrem sozialen Niveau entsprechenden Grenzen zu halten. Südafrika will weißen Mannes Land sein und bleiben. Englands Eingeborenenpolitik handelt nickt anders, wo es den englischen Interessen dient, z. B. im ost- afrikanischen Kenya, wo alles gute Land für die Weißen reserviert wird. Aber wo England keine Dauersiedlung von Weißen wünscht, wie in den oben genannten Protektoraten, werden die Eingeboreneninteressen bedingungslos vorangestellt, um die Neger zur Selbständigkeit zu erziehen und aus ihnen willfährige Stützen des britiscken Reichsgedankens zu machen, weil man hofft, auf diese Weise am besten die nicht der weißen Siedlung erschlossenen Gebiete Afrikas ausbeuten zu können und fest in der Hand zu behalten. So find hier sehr beträchtliche Interessengegensätze, zumal in der Südafrikanischen Union rund 350 000 sog. „poor whites" (arme Weiße) höchst kümmerlich dahinvegetieren, weil sie, die Abkömmlinge der ersten Kolonisten, einmal den Zusammenhang mit dem Boden der Väter verloren haben und nun auf einer sozial weit tieferen Stufe stehen als die meisten Farbigen. Bei 2 Millionen insgesamt eine recht hohe Prozentzahl, die wenigstens zum Teil durch Siedlung in den Protektoraten vielleicht wieder festen Fuß fassen könnte. Daß die Engländer mit ihrer zollfreien Einfuhr billiger kanadischer und australischer Lebensrnittel in das agrarische Südafrika nach dem Burenkrieg die Hauptschuld an dieser Verelendung so zahlreicher burischer Bauernsöhne tragen, hat man ihnen nicht vergessen.
Alle diese Gesichtspunkte hatten, wie schon ein- S erwähnt, der nationalistischen Bewegung in rika nach dem Weltkrieg wachsenden Zulauf ?gebracht. Ihr Führer war der General Hertzog, ein Gegenspieler General Smuts, der Südafrika in Versailles vertreten hatte und stramm die englische Linie hielt. Aber schon 1920 konnte Hertzog die erste Regierung bilden und 1924 wurde er zum zweiten Male Ministerpräsident. 1933 bildete sich die bereinigte Partei durch das Zusammengehen von Smuts und Hertzog. Der Eintritt des england- freundlichen Generals Smuts in das Kabinett Hertzog führte zur Bildung einer neuen nationalistischen Partei unter Dr. Francois Malan, die eine völlige Loslösung Südafrikas aus dem Verband des Empire anstrebt. Ueber die Frage der Kriegserklärung an Deutschland ist nun in den ersten Septembertagen die Vereinigte Partei aus- elnanbergefaUen. Hertzog forderte als Ministerpräsident vom britischen Generalgouverneur die Auflösung des Parlaments, aber dieser verweigerte ihm aus begreiflichen Gründen die Ausschreibung von Neuwahlen und betraute Hertzogs schärfsten Anti-
SOG -Schwindel.
In der Proklamation von Panama hatten amerikanischen Staaten — selbstverständlich mit Ausnahme des englischen Dominions Kanada zur Sicherung ihrer Neutralität einstimmig beschlos. fen, daß der sonst durch internationale Abmachungen auf drei Seemeilen beschränkte Sicherheitsgürtel zur See auf durchschnittlich z w e i h u n- b e r t Meilen und, da auch das gesamte K a r itz i sch e Meer als Sicherung dienen soll, teilweise auf eine noch größere Entfernung ausgedehnt wird. Am 16. Oktober 1939 hat die englische Admiralität eine Note veröffentlicht, in der gegen diesen erweiterten Gürtel p r o t e ft i e r t wurde, vor allem wohl auch deshalb, weil britische Besitzungen in Amerika innerhalb dieses Neutralitätsgürtels liegen.
Aber dieser Protest hat die Briten nicht abgehalten, die von ihnen nicht anerkannte Sicherheitszone zum Schauplatz eines echt britischen Schwindels zu machen, dessen Hauptaufgabe war, die Abstimmung im amerikanischen Repräsentantenhaus über die Aufhebung des Waffenausfuhr- Verbotes im englischen Sinne zu beeinflussen. Also kamen plötzlich angebliche SOS-Rufe des englischen Frachters „C o l m o a r e" aus dieser Sicher- heitszone. Man erzählte, der Dampfer sei von einem deutschen U-Boot torpediert worden, aber ein U8A.-Kutrer „Bibb", der sofort zur Hilfeleistung auslief, konnte natürlich keine Spur der torpedierten „Colmoare" entdecken
Das war etwas für die amerikanische Sensationspresse! Sie meldete, die „Colmoare" sei untergegangen, die Besatzung von 34 britischen Seeleuten sei wohl ein Opfer der deutschen Barbarei geworden, denn alle Funkstationen der amerikanischen Küste hätten nichts mehr von chr entdecken können. Eine amerikanische Nachrichtenagentur verbreitete bereits die Meldung, ein Protest gegen diese angebliche Verletzung der amerikanischen Sicherheits- zone sei für Berlin zu erwarten. Kurzum, der von den englischen Drahtziehern gewollte Zweck schien erreicht und sämtliche Roosevelt-Zeitungen benutzten die englische Schwindelmeldung, um noch schärfer auf die Aufhebung des Waffenausfuhrverbots zu bringen. Sie handelten nach Clemens Brentanos Wort:
„Zum Haffen oder Lieben Ist alle Welt getrieben Es bleibt keine Wahl, Der Teusel ist neutral."
Vergeblich war bas Zeugnis des amerikanischen Kapitäns der „Exambian", der sich in der Nähe der angeblichen Unfallstelle aufhielt und erklärte, die Sache fei doch oberfaul. Das sagenhafte U-Boot, das die „Colmoare" innerhalb des amerikanischen Sicherheitsgürtels torpediert haben sollte, kam gewissen amerikanischen Kreisen für die Abstimmung im Repräsentantenhaus zu gelegen, und in London, wo die Drahtzieher saßen, rieb man sich die Hände.
Doch plötzlich stürzte das ganze Schwindelgebäude zusammen. Ein kanadischer Sender meldete, die „Colmoare" befinde sich „in Sicherheit". Dieses „in Sicherheit" ist eine typische^ englische Lüge, denn innerhalb des Sicherheitsgürtels ist die „Colmoare" überhaupt nicht von uns angegriffen worden. Nach amtlicher Feststellung aus Berlin befand sich in der Nähe der als Dersenkungsort angegebenen Position überhaupt kein deutsches U-Boot. So sollte durch eine grobe SchrvindelmeIdung die antibeuffdie Propaganda in den USA. gefördert werden! E. 8.
Rüstungsprobleme aus und betonte in alt- bekannter pharisäerhafter Art die angebliche Bereitschaft Großbritanniens, Vorschläge zu berücksichtt- aen, die England einer Erfüllung der Wünsche aller Völker näherbringen könnte.
Der Samsiaga-Heere^berichi
Berlin, 4. Nov. (DNB.Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: 3m Westen örtliche Artillerie- und Spähtrupp-Tätigkeit wie am Bortage.
Nom — Athen.
Bor Abschluß eines neuen Paktes.
Athen, 3. Nov. (DNB.) Zu dem Austausch der Noten zwischen Griechenland und Italien ist zu sagen, daß der italienisch-griechische Nichtangriffspakt am 30. September 1939 abgelaufen war. Der Notenwechsel ist auf diesen Umstand zurückzuführen. Darüber hinaus werden Verhandlungen zum Abschluß eines neuen Paktes, der die Beziehungen zwischen Griechenland und Italien noch enger gestalten soll, geführt, und zwar soll vorläufig alles, was in der Zwischenzeit geschieht, auf Grund der alten Basis behandelt werden.
In den Pressekommentaren zum Notenaustausch wird gesagt, daß bas griechische Volk besonders darüber glücklich ist, daß in ben Noten bie herzlichen Beziehungen zwischen beiben Völkern festgestellt werden. Diese Herzlichkeit stützt sich auf eine gegenseitige Achtung, die ihre Wurzeln in der gleichartigen Zivilisation der beiden Völker habe und werde gestärkt durch bas gemeinsame Interesse an ber Erhaltung des Friedens.
Verbot ausländischer Kontrolle über Schweizer Warenverkehr.
Bern, 3. Nov. (Europapreß.) Das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement, dem die Ueberwachung ber Ein- und Ausfuhr sowie die Verwaltung eingeführter Waren untersteht, hat eine Verfügung wr- lassen, durch bie den schweizerischen firmen untersagt wird, sich ausländischer Kontrolle über ihren Warenverkehr zu unterziehen. Gleichzeitig werden diese Firmen angewiesen, der Handelsabteilung jeweils die Fälle zu melden, in denen sie gegenüber dem Ausland irgendwelche Erklärungen über die Verwendung von Waren abzugeben hatten, um die Freigabe dieser Waren im Ausland zu erwirken.
KapitulantenhandgeldfürUnteroffiziere bis 300 VM.
Der Reichsfinanzminister hat sich mit der Einführung des Kapitulantenhandgelds einverstanden erklärt. Daher ist den nach dem 1.4.1939 z u 41/2 jähriger Dienstzeit verpflichte- t e n Unteroffizieren ein Kapitulantenhandgeld von 100 RM., den z u 12jähriger Dienstzeit verpflichteten Unteroffizieren ein solches von 300 RM. auszuzahlen. Den bereits vor dem 1.4. 1939 verpflichteten Unteroffizieren ist das Kapitulantenhandgeld am Tage ihres Ausscheidens zu den ihnen zustehenden Dienstbelohnungen h i n z u z u - fügen.


