Ausgabe 
4.11.1939
 
Einzelbild herunterladen

Samstag, ^./Sonntag,5. November 1959

189. Jahrgang

Nr. 259 Erstes Blatt

acht an den Meerengen

Die

Freundschaft war zusammen mit einer strikten tür­kischen Neutralität allein eine ausreichende Garan­tie der türkischen Unabhängigkeit, weil sich in diesem Falle das Lebensinteresse Sowjetrußlands cm den Meerengen mit der türkischen Unabhängigkeit deckte. Eine Türkei aber, die mit England lieb­äugelt und paktiert, ist für Rußlands Sicherheit im Schwarzen Meer eine Gefahr. Daß es England nicht auf die Unabhängigkeit der Türkei, sondern lediglich auf seine eigenen imperia­listischen Ziele ankommt, für die es im geeigneten Augenblick auch unbedenklich die Türkei opfern würde, darüber dürfte man eigentlich auch in der Türkei keine Illusionen haben.

Dom Treuhänder der Echwarzmeer-Staaten zum Gendarm Englands.

Von unserem Or. He.-Korrespondenien.

Panama, wonach der britische Kreuzer ,4) i 5 p a t ch" am 24. Oktober im Karibischen Meer, also einwandfrei innerhalb der panamerika­nischen Sicherheitszone den deutschen TankdampferElly Friedrich" auf­bringen wollte. Die Dampferbesatzung habe je­doch das -Schiff versenkt, bevor es in eng­lische Hände fiel.

Der Eindruck eines britischen Schwindels im Eulmore"-Fall beschränkt sich übrigens keineswegs auf deutsche Kreise. Der bekannte amerikanische Rundfunkkommentator Lowell T b o m a s deutete am Mikrophon gleichfalls die Möglichkeit einer verbrecherischen Finte" an, während die New Yorker Staatszeitung" an einen schlechten Scherz eines Kurzwellenamateurs glaubt.

Die amerikanische Sicherheitszone.

Oer normale Handelsverkehr und amerikanisches Eigentum sollen geschühtwerden

Washingtons Nov. (DNB.-Funkspruch.) Das Staatsdepartement gab soeben eine Erklärung aus, die es als Interpretation der Deklaration von Panama bezeichnet. Diese Interpretation klärt je­doch nicht die zahlreichen komplizierten Fragen, die sich bei der Durchführung ergeben werden. Das Staatsdepartement bemerkt daher, daß diese Fragen nur durch Verhandlungen mit den Kriegführenden von Fall zu Fal l ge­klärt werden könnten. Betont wird, daß eine G e - waltanwendung zur Durchführung der be­reits in Kraft befindlichen Sperrzone in der Deklaration keinesfalls vorgesehen sei, daß jedoch die 21 panamerikanischen Länder sich vorbehalten hätten, notfalls in Beratungen über etwaige Maßnahmen einzutreten. Schließlich bemerkt das Staatsdepartement, die Patrouillendienste, biß die t chiedenen I panamerikanischen Länder ausübten, dienten haiwt- I sächlich dem Zweck, festzustellen, was in Len Ge°

pariser Sorgen.

Eine Klaffe derprivilegierten" im demokratischen Frankreich. Argumente der französischen Friedenspropaganda.

Nichtsdestoweniger schildert die USA.-Presse am Mittwoch in schreiender Aufmachung diesen an­geblichen deutschen U-Bootangriff, der sich nacy -Be­hauptungen einiger Zeitungen sogar innerhalb der amerikanischen Küstengewa ,-r abgespielt haben sollte.Associated Preß stellt be­reits Betrachtungen über die mutmaßlichen polgen einerVerletzung" der p a n a me ri k a n l-t sachlich

scheu Sicherheitszone an, kündigte eine Konsultation mit den iberoamerrka Nischen Ländern an und sagte einen P r o t e st s ch r i 11 in Berlin voraus, sobald der Tatbestand ein­wandfrei geklärt seit Ausfallend ist, daß dieCul- more" lediglich die kanadische Funkstation erreicht haben soll, nicht aber die in höchsten Alarm- zirstand versetzten U S A.= © t a t i o n ß n , denen es unmöglich war, eine Funkverbindung mit derEul- more" herzustellen(!).

In auffallendem Gegensatz zu der gewaltigen Verbreitung, die dieser offenkundige britische Be­trug wenige Tage vor der voraussichtlich endgül­tigen Abstimmung des Kongresses über das Waf­fenembargo in der gesamten amerikanischen Presse fand, steht ein bisher lediglich auf der Innenseite der New York Dimes" vergrabener Bericht aus

wässern der Sperrzone vor sich gehe. Man meint im Staatsdepartement, daß die Deklaration von Panama den normalen Verkehr der a m e - rikanischen Häfen untereinander schüt­zen wolle, nicht aber denHandelsverkehr der Kriegführenden, wenn auch kriegerische Handlungen innerhalb der Sperrzone nach dem ausdrücklichen Wortlaut der Erklärung unbedingt vermieden werden sollen. Sollte daher ein britisches Kriegsschiff ein friedliches deutsches Harchelsschiff innerhalb der Sperrzone versenken, so würde man hier nur dann eingreifen, wenn amerikanische Interessen berührt würden, d.h. wenn es sich bei der Ladung um amerikanisches Eigentum handelt oder wenn britische Kriegs­schiffe sich die normalen Schiffahrts­routen zwischen amerikanischen Häfen als Jagd­gründe aussuchen sollten, und chre dortige An­wesenheit eine Gefahr für den normalen amerika­nischen Handel darstellen würde.

annahmt von Anzeigen für öie Mittagsnummer vis8'/.Uhr des Vormittags

Grnnöpretfe für i mm Höste

für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50Rps.,Platzvorschrift nach oorh Dereindg 25°/0 mehr.

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins», gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheilsanzei­gen 5 Rps.,Familienanzei- gen, Bäder», Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Sie hat durch diese einseitige Festlegung dßn Frie- dßnsbestrßbungßn im Südosten ßinßn schweren Schlag versßtzt und diß Kriegsgßfahr nach Südost- europa und Kleinasien getragen. Diß Türkßi hat abßr auch ihre eigene Sicherheit in die höchste Ge­fahr gebracht, indem sie die kemalistische Tradition aufgab. Eine uneingeschränkte sowjetrussisch-türkische

Das Empire und her Krieg.

Eine kurze Meldung aus London besagt, daß dort dieser Tage eine Konferenz der britischen Domi­nions unter Vorsitz Chamberlains zusammen- treten wird. Es ist verständlich, daß der britische Premierminister selbst das Bedürfnis fühlt, den Vertretern der Dominions ins Gewissen zu reden, denn mit ihrer Kriegsbegeisterung ist es vorerst schlecht bestellt. Don Irland, das ja seit der Ver­fassung des Jahres 1937 ein souveräner unab­hängiger Staat ist mit nur noch sehr begrenzten Bindungen an das British Commonwealth of Na­tions, braucht in diesem Zusammenhang gar nicht gesprochen zu werden, es hat im deutsch-englischen Konflikt seine strikte Neutralität verkündet. Aber auch die beiden überseeischen Dominions, die von jeher als stärkste und zuverlässigste Stützen des Empire-Gedankens galten, Kanaüa und Au­stralien, haben sich zwar schon in den ersten Sep­tembertagen der Kriegserklärung Englands ange- schlossen, aber inzwischen doch der britischen Regie­rung bereits manche bittere Enttäuschung bereitet. Beide hatten einst im Weltkrieg starke Expeditions­korps herübergeschickt, die an allen Fronten einge­setzt worden waren und namentlich in Nordfrank­reich für die Briten eine höchst villkommene Unter­stützung gewesen waren. Aber während damals beide überseeischen Dominions geradezu miteinander gewetteifert hatten, sich für Englands Kriegsziel zu schlagen, spürt man heute eine merkliche Zurückhal­tung trotz der Versprechen, die beide Dominions in den schon Monate vor Kriegsbeginn mit der eng­lischen Regierung gepflogenen Verhandlungen über eine enge Zusammenarbeit bei der Aufrüstung des Empire gemacht hatten. Jetzt verlegt man sich in Kanada wie Australien auf Ausflüchte, behauptet, noch nicht hinreichend vorbereitet zu sein oder bei der Verteidigung des eigenen Landes keine Trup­pen entbehren zu können. Englands Hoffnung, daß vor allem die kanadische und australische Luftwaffe durch Entsendung zahlreicher Geschwader die eng­lische Stellung auf dem europäischen Kriegsschau­platz verbessern würden, scheint sich vorerst wenig­stens nicht erfüllen zu sollen. Beide Dominions wollen sich vielmehr darauf beschränken, chre Flug­zeugindustrien der britischen Aufrüstung zur Ver­fügung zu stellen, int übrigen aber sich mit der Ent­sendung von Ausbildungs- und Hilfspersonal von einigen hundert Mann begnügen, was lediglich als eine Geste gewertet werden kann.

Noch ärger sieht es mit dem dritten großen über­seeischen Dominion, Südafrika, aus. Auch die­ses hat sich zwar der britischen Kriegserklärung gegen Deutschland angeschlossen, aber erst nach sehr heftigen innerpolitischen Kämpfen, die noch unver­mindert fortdauern und die ganze Problematik des Verhältnisses zwischen Südafrika und dem Empire an den Tag gebracht haben. Das konnte den nicht wundernehmen, der die politische Entwicklung in Südafrika in den beiden letzten Jahrzehnten auf­merksam verfolgt hat. In Südafrika wurde um die

Brüssel, 4. Nov. (Europapreß.) Am Freitag hat in Paris ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik getagt. Veröffentlicht worden ist darüber nur so viel, daß Ministerprädent D a l a d i e r einen ausführlichen Bericht über die militärische und diplomatische Lage erstattet habe. In Wirklichkeit hoben die Minister, wie aus einer Andeutung in dem rechtsstehendenJour" hervor- geht, offenbar schwere Sorgen wegen der im Lande immer deullicher hervortretenden Propaganda zugunsten des Friedens. Der Pariser Ab­geordnete Fernand-Laurent hat nämlich imJour" die dringende Forderung ausgestellt, die Regierung möge der friedensfreundlichen Propaganda im Lande eines ihrer Hauptargumente entziehen, in­dem sie die fchlimmsten Mißbräuche auf dem Gebiet der Befreiung besonderste- schützter Personen" vom Heeresdienst beseitige. Die Friedensprovaganda bedient sich näm­lich des immer wiederkeyrenden Arguments, daß nur die einfachen Leute ohne Beziehungen zum Heeresdienst einaezogen worden feien, während es eine ganze Klaffe vonPrivilegierten" gebe, die nicht mobilisierbar seien. Diese Ungerechtigkeiten müßten jetzt verschwinden. Sie seien vielleicht in bet Verwirrung der Mobilmachung zu e llschulbiaen gewesen, hätten aber jetzt im dritten Monat des Krieges keine Berechtigung mehr. Man wolle die Presse zwingen, über diese Mißbräuche nicht zu schreiben. Aber ein solches Stillschweigen würde auf die Dauer schwere Konsequenzen haben.

Die Regierung Daladier ist offensichtlich im Zu­sammenhang mit dem russischen Problem Einwirkungen von den verschiedensten Seiten aus­gesetzt. Die Rechte greift Moskau nach wie vor auf das schärfste an. Aber die Pariser Regierung kann sich ebenso wenig wie London entscheiden, den diplomatischen Kontakt mit Moskau abzubrechen. Rechtsstehende Blätter, wie dieAction Franxaise", nehmen das mit einem leichten Bedauern hin, fah-

Verbrecherische Stimmungsmache des britischen Lügenministeriums in den Vereinigten Staaten. Deutscher Llbootangriff in amerikanischer Sicherheitszone frei erfunden.

Bukarest, 2. November.

Der Bosporus und die Dardanellen sind um» kämpft, soweit die Menschheitsgeschichte zurückreicht. Eines der ältesten und schönsten literarischen Denk­mäler, HomersIlias", die den Kampf der Griechen um die kleinasiatische Dardanellen-Festung Troja besingt, verdanken wir diesem Konflikt. In der Neu­zeit hat mit dem Verfall des Osmanischen Reiches immer mehr England fein Interesse an diesen Zufahrtsstraßen zum südösllichen Europa und zum nördlichen Vorderasien bekundet. Das mußte Zwangsläufig zu einem Zusammenprall mit Jem russischen Reich führen, das a l s größter Anliegerstaat des Schwarten Meeres ein Interesse daran hatte, daß seine Schiffe im Ernstfall nicht in diesem Meeresbecken wie in einer Mausefalle gefangen saßen. Englands Interesse an den Meerengen ist lediglich imperia­listischer Natur; es hat keine Besitzungen, zu denen der Weg durch die Dardanellen und den Bosporus

Berlin, 3. November. (DNV.) Die von Neuler gemeldete angebllche Torpedierung des bri­tischen DampfersLulmore" durch ein deutsches U-Boot innerhalb der amerikani­schen Neutralitätszone ist frei erfunden, wie hierzu amtlich feslgeflellt wird, befindet sich in der Nähe der als Bersenkungsort angegebenen Position kein deutsches U-Boot. Ls ist offensichtlich, daß durch diese unverschämte Falschmeldung das britische Lügenministerium die amerikanische Oef- fentlichkeit in antideutschem Sinne zube- eluflussen versucht.

*

Wenn nicht alles täuscht, «ist man durch den SOS= Ruf des britischen FrachtersEulmore", der am Mittwoch angeblich innerhalb der auf der panameri­kanischen Konferenz kürzlich beschlossenen Sicher- heitszone von einem U-Boot angegriffen wurde, einem neuen verbrecherischen britischen Propagandaschwindel auf die Spur gekom­men. Denn schon am nächsten Morgen erhielt die amerikanische KüstenwacheWashington" von der kanadischen Funkstation Eamperoown die Mittei­lung, daß sich dieEulmore"" nach einem dort auf­gefangenen Funkspruch in Sicherheit befinde. Die amerikanische Küstenwache und die USA.» Marine, die am Mittwoch mit zahlreichen Schien und Flugzeugen Beistand l-eisten wollten, stellten daraufhin die Suche sofort ein. Bezeichnender Weise 'berichtete der ULA.-KutterBibb", der wenige Stunden nach dem SOS-Ruf an der von derCul- more" angegebenen Stelle eintraf, daß er w eher das Schiff noch die Mannschaft gesich- t e t habe.

Lrlchemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Dte Illustrierte Viel,euer Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl»

Momttr-Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (ßeroali

8ernsprechanschlüffe unter Sammeinummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Gießet» poslschecktonto:

Sranffurt am Main 11686

führt. -

Der englisch-russische Kampf um die Meerengen i hat die Weltpolitik des vorigen Jahrhunderts ent- i scheidend mitbestimmt. Die Türkei, damals der ! »Lranke Mann am Bosporus", war nur ein Spiel- , ball der Interessen dieser beiden Großmächte. Im i Weltkrieg hat das B ü n d ni s m.i t D e u t s ch- < land und die tatkräftige Hilfe der deutschen Waf- fen die Türkei davor bewahrt, Schauplatz des eng- i lisch-russischen Kampfes um die Vorherrschaft zu : werden. Es ist den Engländern nicht gelungen, sich auf der Halbinsel Gallipoli festzusetzen. Nachdem i Kriege hetzte England nach dem bewährten i Muster, andere für sich kämpfen und bluten zu ! lassen, Griechenland auf die erschöpfte Türkei. I Aber S o w j e t ru ß l a n d, Italien und damals I sogar Frankreich unterstützten die Türkei, sodaß die englischen Pläne scheiterten. Im Jahre 1921 , schloß die Türkei vor den Drohungen einer gemein­samen Intervention der Alliierten ein Bündnis mit Sowjetrußland, das ihr endlich Ruhe vor England verschaffte.

Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei, hat aus den üblen Erfahrungen der Ver­gangenheit und der geographischen Lage seines Lan­des die Erkenntnis gezogen, daß die Türkei nur durch strikte Neutralität^ und ein f r e u n d n a ch b a r l i ch e s Verhältnis zu Sowjetrußland ihre Unabhängigkeit bewah­ren kann. Er hat 1928 einen Vertrag mitIta- lien geschloffen, 1930 die schweren Differenzen mit Griechenland in großzügiger Weise bei­gelegt und schließlich 1933 den Balkanbundpakt unterzeichnet. 1936 gewinnt die Türkei durch den Vertrag von Montreux wieder die volle Sou­veränität über die Meerengen, die ihr durch die Friedensverträge genommen worden war. Sie darf die Meerengen b e f e st i g e n , sowie sie für fremde Kriegsschiffe und Petroleumtransporte sperren, und zwar nicht nur im Falle eines bewaffneten Konfliktes, in den sie hineingezogen wird, sondern bereits beiallememer Kriegsgefahr".

Nach dem Tode Atatürks versucht E n g l a n b in der Rolle des uneigennützigen Beschützers der Tür­kei vor der angeblichen italienischen Gefahr, die vom Dodekanes her drohe, feine verlorene Position an den Dardanellen zurückzugewinnen. Die Frucht die­ser Bemühungen ist der vor einigen Tagen unter­zeichnete englisch - französtsch-türkische Beistandspakt. Das darin enthaltene Verspre­chen des gegenseitigen Beistandes wird sehr ver­wässert durch die Klausel, daß der Vertrag nicht anwendbar fei, wenn die Türkei dadurch in die Gefahr eines Krieges mit Sowjetrußland tapie.

Wesentlicher als der sichtbare Inhalt des Ver­trages sind der Zeitpunkt und die Umstände, unter denen er zustand ege kommen ist. Die Tatsache, daß die Türkei einen solchen Vertrag mit zwei kriegführenden Staaten abschließt, ist an sich schon ein Bruch der Neutralität. Man kann nicht neutral bleiben, wenn man mit der einen Kriegspartei einen Beistandspakt schließt, dessen Sinn dadurch verdeutlicht wird, daß bereits die hohen Militärs General Weygand, General W a v e l und Marschall T s ch a k m a k über die praktische Durchführung verhandeln. Vielmehr hat sich die Türkei, wie dieJswestija" ganz richtig schreibt, von England und Frankreich in den Bann­kreis des Krieges ziehen lassen.

Wohlweislich hat sich die Sowjetunion, die doch auch ihre berechtigten Interessen an den Meer­engen hat, von dieser neuen Konstellation fernge- halten. Mit Recht hat der sowjetrussische Vertreter auf der Konferenz von Montreux seinerzeit den Standpunkt vertreten, daß das Schwarze Meer nur die Interessensphäre der Anlie­gerstaaten fei und daß daher kein sachliches Interesse an der von England aus imperalistischen Motiven geforderten freien Durchfahrt für feine Kriegsschiffe bestehe. Auch ein führender bulgari­scher Politiker, der frühere Gesandte Bulgariens in Paris, Stainoff, hat das dieser Tage in der ZeitungDuma" mit anderen Worten gesagt und praktisch ist man in allen übrigen Anliegerstaaten nicht viel anderer Meinung.

Die Türkei hätte die schöne Aufgabe gehabt, als unparteiischer Treuhänder an den Dar­danellen der stärkste Repräsentant jenes Neutrali- tätsblockes zu sein, den alle südosteuropäische Staa­ten erstreben. Statt dessen ist sie trotz Oesterreich, Tschecho-Slowakei und Polen auf ein ver­schwommenes und praktisch nicht zu verwirklichendes Beistandsoersprechen der Westmächte hereingefallen.

ren aber gleichzeitig fort, gegen Moskau scharf- zumachen. Dabei ist es ganz offensichtlich, daß es sie französische Regierung mit Rücksicht auf die in weiten Kreisen des eigenen Volkes, besonders bei der kommunistischen Anhängerschaft herrschenden Stimmung gar nicht wagen kann, den verhängnis­vollen Schritt eines Abbruches der Beziehungen zu Rußland zu unternehmen.

Probefahrt des italienischen Panzerschiffes »Vittorio Veneto".

Rom, 3. Nov. (Europapreß.) Das Panzerschiff Vittorio Deneto", das erste 35 000-Tonnen-Schlacht- schiff der italienischen Kriegsmarine, hat auf einer zweitägigen Kreuzfahrt im Adriatischen Meer seine Abnahmefahrt glänzend bestanden. Das Panzerschiff, dessen Maschinen 130 000 PS ent­wickeln können, erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 30 Knoten in der Stunde. Die Blätter, weisen darauf hin, daß alle Teile des Schiffes, vom kleinsten Bolzen bis zu den gewaltigen in Dreiertürmen ungeordneten Geschützen, italieni­scher Herkunft sind. DieVittorio Veneto" ist das erste einer Reihe von vier Panzerschiffen von 35 000 Tonnen. Ein Schwesterschiff, dieLitto- r i o", wird in den ersten Monaten des Jahres 1940 in Dienst gestellt werden. Ein zweites Schwesterschiff, dieI m p e r o", soll am kommen­den Sonntag vom Stapel laufen. Das vierte Pan­zerschiff dieser Klasse, dieR o m a", geht ebenfalls der Fertigstellung auf der Werft entgegen. Die Schiffe dieser Klasse sind 230 Meter lang und 31 Meter breit. Die Artillerie besteht aus 9 in Drillingstürmen angeordneten Geschützen von 38,1 Zentimeter, 12 Geschützen von 15,2 Zentimeter und 12 Geschützen von 9 Zentimeter. Außerdem ist noch jedes Schiff mit zwanzig leichten Schnellfeuer­kanonen und vier Wasserflugzeugen ausgerüstet.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drnfi und Verlag: vrühlsche Unlverfilätsdruckerei R. Lange in Lietzen. 8christieilung und Seschäslrftelle: Lchulftratze 7