Das Kind.
Von Peter Bauer.
Als die drei Soldaten mit schweren Schritten in das Zimmer traten, erstarb der jungen Frau, die sich überrascht ihnen zuwandte, das Wort im Munde. Sie öffnete die Lippen ohne Laut, sie schien plötzlich die Sprache verloren zu haben. Angst und Entsetzen griffen auf ihr erbleichendes schönes Gesicht über und nahmen der kräftigen aber nicht üppigen Gestalt jede Haltung. Sie sank mit zitternden Knien in sich zusammen, die Arme hingen schlaff von ihren Schultern wie geknickte Aeste. Verlegen sahen sich die Soldaten einander an und versuchten der Frau, da sie es mit Worten nicht konnten, durch Zeichen verständlich zu machen, daß sie nichts zu befürchten habe.
Der Anführer der kleinen Gruppe, der Unteroffizier, ging an ihr vorbei und mit begütigendem Lächeln auf die weißhaarige Alte zu, die im Hintergrund vor einer Wiege saß. Er hoffte, bei ihr mehr Glück zu haben. Aber die Greisin hob die gefalteten Hände von ihm fort zu dem kleinen Bild über dem Kopfende der Wiege empor und murmelte Gebete. Es war eine farbige Wiedergabe der Schwarzen Muttergottes von Tschenftochau, die Mutter und Kind in reichem Schmuck und mit großen goldenen Kronen darstellte. Der Unteroffizier nahm seinen Helm unter den Arm und sah in das kleine Gesicht in der Wiege. Die großen Augen blickten ihn unverwandt an, und schließlich, da des Mannes Züge ganz von Zärtlichkeit und Gutseinwollen erfüllt wurden, lächelte das Kind.
Da stand die Alte, die ihn ohne Unterlaß beobachtet hatte, auf und klopfte ihm dankbar und wie es eine Mutter ihrem lieben erwachsenen Jungen tut, auf die Schulter, während ihre Worte der jungen Frau, die vermutlich ihre Schwiegertochter war, beruhigend und ermunternd zusprachen. Der Unteroffizier dankte der Greisin mit einem herzlichen Händedruck und verließ mit seinen beiden Kameraden das Haus.
Ein paar Tage danach erschien er allein wieder. Die Stube war leer, aber die Hintertür zum Garten stand auf. Er gewahrte die junge Frau mit dem Kind auf der Treppe sitzen und nahm in einigem Abstand neben ihr Platz. Sie erkannte ihn wieder, und mit freundlichem Lächeln und Kopfnicken beantwortete sie seine stammelnden Worte und Zeichen. Sie gab ihm zu verstehen, daß sie von
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Aos der Stad« Gießen.
Jetzt Herbstpilze sammeln.
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Die Zeit der Somtnerpilze ist in den meisten Agenden im wesentlichen vorbei. Man trifft wohl H und dort noch den Steinpilz, den Pfifferling, in Parasol, manche Röhrlingsarten und besonders cir hochgelegenen Waldwiesen sogar noch in Men- M den Champignon. Butterpilz und Ziegenlippe fr) stellenweise auch noch verhältnismäßig häufig ^treten, aber im allgemeinen gehen die Erträge cn landläufig bekannten eßbaren Pilzen, je tiefer es in den Herbst geht, mehr und mehr zurück. Trotz- dm ist der Pilzreichtum unserer Wälder im Herbst niot kleiner als im Sommer. Vielmehr begegnen trri: gerade jetzt einer Reihe von Arten, die häufiger in viel größeren Mengen vorkommen, als wir es
bisher gewöhnt waren. Wenigstens wenn man von PjfferlingeP, Perlpilzen, Champignons und etlichen enteren ab sieht, die meist in ansehnlichen Beständen l an treten. Aber seltsamerweise wagen sich an diese Iw au-gesprochenen Herbstpilze viele Sammler offenbar ga: nicht heran; sonst wäre es nämlich kaum zu a/nf?" erfären, daß sie, obwohl sie oft in Massen auf- 3 n W tiren, nicht gesammelt werden und ungenützt ver- öeiben.
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. Aber sehr zu Unrecht; denn außer dem an rem seidig schimmernden blauvioletten Hut und er braunen Unterseite leicht zu erkennenden Lila- kfuß, der ungenießbar oder höchstens schwach bg ist, sind wohl fast alle schwarz- bis grau- blau^lilafarbenen Pilze eßbar.
s gibt unter diesen Herbstpilzen verschiedene Ar- üie zu den vorzüglichsten Speisepilzen zählen, r von ihnen ist der an Hut und Lamellen matt laue Nackte Ritterling, den man bis spät in Herbst hinein oft in gewaltigen Mengen meist wäldern antrifst. Auch der Graue Ritterling
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imi aschgrauem Hut und gelbgrauer Unterseite formt fast überall häufig vor und ist nicht zu «reichten. In Buchenwäldern begegnet man nicht je :n dem an feinem breiten grauen und unregel- mzig gebuckelten Hut leicht erkennbaren Nebel- tr Sterling, einem Pilz großen Formats, der auch mh feine Qualität nicht enttäuscht. Dasselbe gilt dem bläulich-grauen, an seinem gewellten Hut den vertikal angeordneten und scharf gefurchten mellen leicht erkennbnren Drehling. Auch die entrompete, die von ihrer düster grauen Farbe unt ihrer eigenartigen Trichterform diesen Namen
■: im, ist ein ganz vorzüglicher Speisepilz und zu- dm fast nirgends selten. Voraussetzung für das Emmeln ist, daß man sich einigermaßen aus- mt. Mit flüchtiger Unterrichtung durch farbige i «tafeln allein sollte es nicht getan sein; am besten man einen Praktiker begleiten und sich von
Diese mangelnde Kenntnis ist um so mehr zu bedauern, als die hier in Frage kommenden Pilze Mistens genau so gut schmecken, wie die anderen, bit jeder Sammler kennt. Wenn sie trotzdem manchen ein unverdientes Mißtrauen einflößen, so ist da- wahrscheinlich nur auf ihre gegenüber den Lcnmerpilzen verschiedene Farbe zurückzuführen. Di, ausgesprochenen Herbstpilze sind nämlich vielfach grm bis intensiv lila gefärbt und wohl durch diese.
aufklären lassen. Wer die nötigen Kenntnisse kstzt, sollte noch sammeln, was erreichbar ist. Und ? bann Ueberfluß hat, weckt das Entbehrliche ein. n wird es nicht bereuen. Schl.
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Gießener Giadtiheater.
Eichendorff: „Die Freier".
Unser Gießener Stadttheater läßt mit dem Lust- sie „Die Freier", das gestern abend vor vielen Äg? regten Zuschauern zum ersten Male gegeben 6i.De, einen der bedeutendsten Romannker der huschen Literatur zu Worte kommen. Das Lust- f;c, das im ganzen 19. Jahrhundert verhaltms- ^itfig selten zur Aufführung gelangte und erst Hadi der Jahrhundertwende aus der Versenkung ge- hii wurde, ist bestimmt von einer übermütigen feie Ifreubigt eit, ja, geradezu von einer Neigung $-t Mummenschanz. Es bringt manche derbe feere, aber auch viel feine und durchaus empfind- ifne Stimmungsmalerei ganz Eichendorffl cher I Irogung. Seine Lyrik ist geschickt eingefugt. In h' Abwechslung zwischen wohlabgewogenem der- l|m Scherz und Poesie liegt ein Reiz, den man n1 missen möchte und der dcks Werk als völlig hm Dichter gemäß charakterisiert. Das Lustspnel
Freier" gilt als das Beste aus Eichendorffs Whnenschaffen.
| P>e Handlung hält es eindeutig und konsequent ifrt Irrtum, Verwechslung und Verkleidung. Mit hr Verkleidung wird es sogar so weit getrieben, M schon verkleidete Personen sich noch einmal Weiten und etliche zum Schluß nicht mehr Mfn, wer diese oder jene, dieser oder jener i|t. WNm ter Hauptbeteiligten gehen nicht einmal zum Wuß alle Lichter auf. Dabei geht es ausschlietz- M und allein darum, zwei etwas extravagante Aschen unter die Hauve zu bringen. Der ret|e*
Graf Leonard soll (und will auch) m den An der Ehe steuern, und er sucht seine .3ll^n..,qe il-C2 Frau, die gerne Schauspieler und Musiker l^sich sicht, in solcher Maske auf. Er trifft auf
Wege zu ihr einige ramponierte Kerle vo Wcuspi,eiern und Musikern, nut denen er unauj« Mi, zu Schlosse zieht und dort ein großes Theater ffäljrt, ohne eine eigentliche Vorstellung zu geben.
■er- die schöne Gräfin Adele hat unter Brief und Meoel von dem ganzen Vorhaben „Wmd - !«Mien und begegnet dem ganzen Ansturm
qfe ebenfalls mit Maskerade. Wie sich in ver i vll« die Handlung grenzenlos verwirren mutz ■ t) wie sie sich wieder löst, wie sich mit gutem II und Gefühl die Richtigen finden, das latzt I |l sich am besten «on den Darstellern un srer I Rne zeigen und sich damit zwei Stunden rang ■ F unterhalten.
Aicht kleinlich beim Höchstgewicht für Feldpostsendungen.
!as Reichspostministerium hak angeordnet, daß Prüfung des Höchstgewichtes von 250 Gramm Feldpostbriefe nicht' kleinlich zu verfahren ist. ter Gewichtsüberschreitungen bis zu 10 v. j).ift iwegzusehen. Feldpostbriefe, die das zulässige Mgewicht von 250 Gramm erheblich überschrei- tn dürfen vorerst noch nicht abgesandt werden. K sind den Absendern zurückzugeben nut dem Heimstetten, die Sendung in mehrere aufzuteuen.
cht LtM gl. bei aller end. W >r.Am.A iihiiiiihiib Ww i. tz. erW®* ©irtertoHtnS nrn dnfl^
Gießener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Gberheffen)
Aufruf des Kreisleiters.
An alle Ortsgruppenleiter der NSDAP. An alle Betriebsführer.
Der gegenwärtige Kampf des deutschen Volkes um feine Freiheit und Existenz ift eine ungeheuere Zerreißprobe der Nerven jedes Volkes. Deshalb soll und muß in dieser Zeit die Tätigkeit der NSG. „Kraft durch Freude" in einer den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechenden Weise verstärkt fortgeführt werden.
An die in den Ortsgruppen und Betrieben eingesetzten Warte der NSG. „Kraft durch Freude" ergeht daher die Aufforderung, gemäß den von dem Kreiswart KdF. ergangenen Richtlinien sich für die Erfüllung der gestellten Aufgaben und Arbeiten restlos einzusehen. Es ist unbedingt notwendig, daß in der heutigen Zeit alles getan wird, um dem deutschen Wenschen seine Nervenkraft zu erhalten.
Durch die Veranstaltung der Feierabendringe, in denen der unterhaltende Eharakter und der lebens
bejahende Inhalt nicht zu fehlen brauchen, sowie durch Wanderungen, Betriebssport, Bildung von Schach- und sonstigen Arbeitsgemeinschaften, Durchführung von Volksbildungsabenden mit Vorträgen, Feierstunden usw. ist dieser Aufgabe nachzukommen.
Die Ortsgruppenleiter und Vetriebsführer des Kreises bitte ich, dieser Arbeit größte Unterstützung zukommen zu lassen. Die bisherigen Ergebnisse haben gezeigt, daß bei einigermaßen gutem Willen hier wertvolle Arbeit geleistet werden kann.
Ich erwarte, daß sämtliche Orts- und Betriebswarte, sowie Betriebsführer im vorstehenden Sinne sich restlos einsehen und an der Erfüllung der der KdF. gestellten Aufgaben arbeiten.
heil Hitler!
gez. Backhaus, Kreisleiter.
Springbrunnen am Ludwigsplatz.
Am gestrigen Dienstag Spätnachmittag wurde der zur Verschönerung des Ludwigsplatzes inmitten der großen gärtnerischen Anlage geschaffene Springbrunnen zunächst probeweise in Betrieb gesetzt. Gegen 19 Uhr wurde die auf der Bodenfläche des Wasserbeckens installierte Beleuchtungsanlage, bestehend aus vier wasserdichten Kugellampen, für einige Minuten eingeschaltet, um die Wirkung des Springbrunnens bet abendlicher Beleuchtung zu prüfen. Das Ergebnis dieses Probebetriebes befriedigte allgemein. Von heute ab wird der Springbrunnen täglich vom Vormittag bis zum Abend in Betrieb sein und damit Öem Lud w igs platz eine weitere Verschönerung geben.
Die Springbrunnen-Anlage besteht aus einem mit Gailschen Spaltplatten ausgelegten runden Becken von 7 Meter äußeren Durchmesser mit 8 Wasserrohren rundherum und einem Wasserrohr in der Mitte bei 40 Zentimeter Wassertiefe. Der Wasserstrahl des Mittelrohrs steigt 5 Meter hoch, die 8 Seitenftrahlen erreichen eine Höh? von drei Meter. Das Becken ist mit Wasser aus der Wasserleitung gefüllt worden, das nunmehr ständig im Kreislauf zirkuliert, d. h. das durch die Röhren emporgeschleuderte Wasser fällt immer wieder in das Becken zurück und wird durch motorische Kraft erneut in die Strahlrohre getrieben. Zu diesem Zwecke befindet sich neben dem Becken unter der um den Springbrunnen geschaffenen Rasenfläche ein etwa 2 Meter tiefer Einsteigschacht, in dem ein kleiner Motor von 4 PS. aufgestellt ist, der eine Kreiselpumpe antreibt und 500 Liter Master in der Minute in Bewegung setzen kann. Dieser Motor
wird jeweils am Vormittag eingeschaltet und arbeitet den ganzen Tsig über bis zum Abschalten am Abend.
Die für den Betrieb des Prunnens erforderliche Wastermenge umfaßt nur die einmalige Füllung des Beckens. Infolgedessen ist der Wasserverbrauch äußerst gering, und es braucht besonders an heißen Sommertagen nur das verdunstete, ober vielleicht auch durch starken Wind vertriebene kleine Quantum geleaentlid) einmal ersetzt zu werten. Damit wird erreicht, daß auch an heißen Sommertagen der Springbrunnen feine wohltuende Wirkung ausüben kann, ohne daß fein Betrieb von den Schwankungen des sommerlichen Wasservorrats abhängig wäre.
Der Springbrunnen wird in den kommenden Wochen so lange in Betrieb bleiben, bis die Witte- rungsverhältnisse die Stillegung erfordern. Vom Frühjahr ab wird er bann erneut bis zum Spätherbst durch seine Wasserstrahlen bie Passanten des Ludwigsplatzes erfreuen.
Das große Anlagenftück rund um den Springbrunnen wird für bie nächsten Wochen als Grünfläche in Erscheinung treten. Vom nächsten Frühjahr ab soll es schönen Blumenschmuck tragen, so baß bann ber Springbrunnen inmitten vieler Blumen ben Platz zieren wirb.
Mit dieser Einrichtung ist ein weiterer ansehnlicher Beitrag zur Verschönerung unseres Stabt- bilbes geleistet und zugleich ein oft geäußerter Wunsch der Bevölkerung erfüllt worden. Dstür kann man der Stadtverwaltung nur dankbar fein.
B.
700 jungen und Mädel im Lmiehilssdieust.
In schöner, reibungsloser und rascher Zusammenarbeit von Arbeitsamt, BDM., HI., Ortsbauernführern und unter dem bereitwilligen Entgegenkommen der Schulleitungen konnten bisher nicht weniger als 700 Jungen und Mädchen zur Erntehilfe eingesetzt werden. 700 junge Menschen sind hinausgefahren auf das Land, meldeten sich bei den Bauern, wurden für die Zeit von 14 Tagen ausgenommen in die ländliche Familie, und täglich zogen fie mit hinaus auf das Feld und halfen, soweit die Kräfte reichten. Sie alle standen in gleicher Furche mit Bauer und Bäuerin, mit Sohn oder Tochter des Bauern, mit Knecht und Magd und waren mit allem Eifer dabei. Daß dabei wertvolle Arbeit geleistet wurde, geht schon aus der Tatsache hervor, daß von zahlreichen Bauernsührern beim Arbeitsamt angeru'fen und darum gebeten wurde,
die Jungen und Mädel nicht nur 8, sondern 14 Tage bei der Erntehilfe zu belassen. Die Bauern wußten die Mithilfe der jungen Volksgenossen also wohl zu schätzen. So kam es auch, daß fast alle Jugendlichen 14 Tage lang in der Erntehilfe für Hackfrucht und Obst standen.
Vom Arbeitsamt Gießen wurde bei der Vermittlung dieser jugendlichen Heiser ein verhältnismäßig großes Gebiet ersaht. In s a st allen Dörfern des Kreises Gießen wurden Erntehelfer eingesetzt. Auch mehrere Dörfer ber Wetterau erhielten Jungen und Mädchen zugewiesen. Die Organisation des gesamten Einsatzes geschah unter der Verantwortung des Arbeitsamtes im engsten Einvernehmen und "unter der lebhaften Förderung von Hitler-Jugend und BDM. Häufig genug war es so, daß, wenn beim Arbeitsamt am
Die bewährten und die neuen Kräfte unseres 'Stadttheaters bemühten sich mit außerordentlicher Liebe und mit gutem Erfolg um die Aufführung des Lustspiels. Es galt dabei, das Stück, das aus einer Zeit stammt, derem romantischen Geist der Mensch der Gegenwart doch einigermaßen entrückt ist, so wiederzugeben, daß auch gefühlsmäßig zu folgen war. Deshalb war man darum bemüht, den Ton nicht allzu empfindsam zu stimmen, vielmehr blieben die Künstler mit beiden Beinen auf der Erde, und das war ganz gut so.
In der Rolle der Gräfin Adele sah man HiLe Heinrich, die in schöner Zurückhaltung eine glückliche Mitte zwischen der Teilnahme an Scherz und Lustigkeit und weiblicher Würde hielt. In kräftigeren Farben legte Elisabeth Le ipre cht die Rolle der Pseudogräfin, der Kammerjungfer Flora, an und fand dabei auch den richtigen Ton. Herr C a n i n e n- berg zeigte sich als selbstsicherer und feuriger Graf Leonard, der auch in den bewegten Szenen Mittelpunkt war und in allen Zweifeln und Irrtümern seine entschiedene Haltung bewahrte. Viktor von G s ch m e i b l e r bereitete als Hofrat Fieder in der Eingangsszene, die er sehr originell gestaltete besondere Freude und löste damit viel freundliches Schmunzeln aus. Hilmar Manders als glitt, Siegfried Lowitz als Schlender, statteten ihre Rollen mit prächtiger Komik aus und schrieben manchen Lachersolg aus ihr Santo. UnubertretrM) waren beide in der Gememjchast mit dem Wem- schenk Knall «Walter Erlet) m der Wirtshausszene. Hans Albert Sch-w- «erkorp-rt- den treibenden Geist aller Verwirrungen, den Jager Viktor, cherr Volck hatte in der Darstellung des biederen Gartners eine td-ale Aufgabe und Jngeborg Riehl war fein schnippisches Töchterchen.
Die Regie lHans G e i tz l e r) glänzt- mit einigen hübschen Einfällen und ließ es auch am notigen Schwung nicht fehlen. Mufik fiS-arbe.tung und Leitung-Richard B a e ck) belebte manche Szene ,n glücklichster Weife. Zum Abschluß, zur Doppeloer- lobung gab es gar noch ein Ständchen und eine betorit^'zierliche Rokoko-Gaootte lEtnstudi-rungi Thea Ma a Sierr L ä s f l e r hat der heiteren Geschuhte entzückenden farbenprächtigen Rahmen geschah, en eine grazil- Schloßfront gebaut vor der sich die'chandlung schön ausspinnen ließ, und der Schloß- gärten war der ideale Schauplatz für amouros- ‘’SÄ Beifall dankte allen Mtwirkenden für die viele aufgewandte Liebe und Muhe.
Heinrich Ludwig Neuner.
Mittwoch, 4-Mobec (939
Fahnen heraus!
Anläßlich des großen und raschen Sieges unserer Wehrmacht im Osten wird die Bevölkerung gebeten, zugleich mit den öffentlichen Gebäuden auch ihrerseits den Häusern Flaggenschmuck zu geben. Der festliche Schmuck der Stadt vereinigt sich mit dem Gtockengeläute, das während der sieben Tage vom heutigen Mittwoch bis einschließlich nächsten Dienstag den Sieg verkündet.
Kreisleitung des Kreises Detterau.
rühen Morgen die Anforderungen ber Ortsbauern, ührer telephonisch eingingen, und vom Arbeitsamt ofort HI. oder BDM. verständigt wurden, bann tanben schon am Nachmittag bie jungen Erntehelfer zum Einsatz und zur Abfahrt in die Dörfer bereit. Durch diese rasche Organisationsarbeit war der Bauernschaft besonders geholfen.
Zum weitaus größten Teil rekrutierten sich die bereitwilligen Helfer aus den Gießener höheren Schulen (Gymnasium, Langemarckschule, Justus-von- Liebig-Schule, Oberschule für Mädchen, Oeftentliche Handelslehranstalt, Vogtsche Handelsschule und Gewerbeschule). Schüler der Volksschulen (hier nur die ältesten und kräftigsten) wurden nur an schulfreien Nachmittagen und nur in nächster Nähe ber Stadt eingesetzt. Die Angehörigen der Hitler-Jugend und des BDM. traten zu diesem Dienst fast ausschließlich in Uniform oder in Kluft an. Im Tornister wurde alles, was an Kleidung für die Feldarbeit notwendig war, mitgeführt. Die Jugend bewies damit auch äußerlich ihre Geschlossenheit im Einsatz für die Volksgemeinschaft.
Allen den an diesem Erntehilfeeinsatz beteiligten jungen Menschen war es eine besondere Genug.
Schnappschüsse im Theater
mit einer Kamera von
Photo-Geller, am Bahnhof.
tuung, sich dabei nicht nur für 14 Tage den Lebens« * unterhalt (Kost und Unterbringung) sondern auch noch je Tag eine Reichsmark zu verdienen. Don vielen der Erntehelfer wurden die ersten dieser selbstverdienten Markstücke mit besonderer Freude in die Taschen versenkt und sicherlich werden sie auch bedachtsamer ausgegeben, als das Taschengeld, das bisher ber Vater verdienen mußte.
Durch die gesamte Maßnahme des Erntehilfe« einfatzes ist es der Bauernschaft unserer Heimat möglich gewesen, die Kartoffeln zum größten Teil in einer verhältnismäßig kurzen Zeit einzubringen.
N.
Domoiizen
Tageskalenber für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr: „Bezauberndes Fräulein". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Robert Koch". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,Zn letzter Minute".
Spielplanänderung infolge Erkrankung!
Infolge Erkrankung im Personal heute statt „Agnes Dernauer" die Operette „Bezauberndes Sräufeln" von Ralph Benatzky. Spielleitung: Harry rünefe. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 1. Vorstellung ter Mittwoch-Miete statt. Beginn 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr:
Der Fahrpion der Reichsbahn.
Der gegenwärtige Fahrplan der Reichsbahn wird auch in den kommenden Wochen noch manche Ver- önberungen erfahren. Neue Züge werden hinzu« kommen, jetzt bereits bestehende vielleicht andere Fahrzeiten und andere Ausgangs- bzw. Endpunkte erhalten. Der alljährlich in diesen Tagen als feste Gewohnheit angesehene Uebergang zu einem neuen Fahrplan der Reichsbahn wird also in diesem Jahre nock nicht eintreten. Daher werden alle
seinem und seiner Kameraden Aufenthalt im Dorfe wisse und daß die Deutschen gar keine Bösewichte seien.
Er stellte den Helm zwischen sich und bie junge Frau und kauderwelschte ihr mit viel Mühe von seinen letzten Erlebnissen daheim in Deutschland. Jyr wurde soviel klar, daß er feit etwa zwei Monaten auch ein Kind habe, Vater sei, aber bas Kleine noch gar nicht gesehen habe. Es gehe ihm wie ihrem Manne, verdeutlichte ihm die Frau, ber auch im Felde stehe und sein Kind noch nicht kenne. Sie verstummten beite und blickten hinunter in den herbstlichen Garten, ber an tiefgebogenen Zweigen reichlich Obst trug und schwer nach Reife duftete.
Als der Unteroffizier wieder bie junge Frau an« sah, reichte sie ihm das Kind, und er hob es mit zärtlichen und behutsamen Händen langsam zu seinem Gesicht empor. Seine völlig fernen und träumenden Blicke und fein überströmendes Herz beschworen, was ihm versagt war, und er hauchte einen leisen Kuß auf die Stirne des Kleinen. Es war fein Kind, bas in diesem Augenblick spürbar in seinen Händen ruhte.
Die junge Frau sah und fühlte es. In ihrem strahlenden Gesicht glänzte eine Träne, da sie ihr Kind zurücknahm.
Rasch erhob sich ber Mann, schüttelte der jungen Frau beide Hände zum Abschied und wünschte ihr und dem Kinde alles Gute. -
Eine Stunde danach verließen die Deutschen das Dorf. \
Düchertisch.
— ThorGoote: WirtragendasLeben. Preis Seinen 4,40 RM. E. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh. — Die sieben Freunde, bie ba in abgeschabten Uniformjacken wieder die Schulbank drücken, bie sich auf ber ungeheizten Stubentenbube dem Examen entgegenhungern; bie mit ben hellwachen Augen ehrlicher Frontsoldaten bas Schieben unb Schachern, und mit heißen Herzen bas Hungern ihrer Mütter und Schwestern mit ansehen müssen; sie tragen deutsches Schicksal in feiner ganzen Schwere und in seiner ganzen — Größe! Ober- schlesien in Gefahr! Wieder binden Deutschlands letzte Landsknechte ben Helm fester, und im Singen der Kugeln um den Annaberg wird es ihnen noch sterbend jubelnde Gewißheit: „Wir tragen das Leben!"


